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llr. 292 Zweites Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Dienstag, 14. Dezember (926

Frankreichs Wirtschasts- und Rentnerpolilik.

Don unserem Pariser ^.-Berichterstatter.

Paris, Dezember 1926.

3c länger die gegenwärtige Aufwärts bcwe- gung des französischen Franken anhält, je stärker die Auslanddevisrm fallen, desto geringer wird die Begeisterung für die Finanzpolitik des FvankenretterS" Poincare, desto schärfer wird die Kritik, desto taut er ertönen die warnenden und besorgten Stimmen: »Wohin steuern wireigentlich?"

Dieser Umschwung in der öffentlichen Mei­nung ist sehr wohl zu begreifen. Die befürchtete Wirtschastslrife steht heute nicht mehr vor der Tür, sondern ist bereits in einem grohen Umfange über Frankreich herein gebrochen. Fast täglich berichten tk Zeitungen von gröberen Stillegungen oder Betriebseinschränkungen in der Provinz, und Iouhaux hat vor einigen Tagen nusgeführt, dab allein in der Pariser Gegend über 40 Prozent der in der Konfektions-. Schuh-, Seiden- und Tertilindustrie beschäftigten Ar­beiter feiern müssen, und dah auch in anderen Industrien, z. B. Automobllindustrie, Betriebsein- Ichvänkungen haben vorgenommen werden müssen.

Die Gründe für das Hereinbrechen dieser Wirtschaftskrise in das vor wenigen Monaten noch überbeschäftigte Frankreich ist leicht zu be­greifen, wenn wir uns folgende Tatsachen vor Augen führen. Frankreich führt in grobem Um­fange Lebensmittel und Rohstoffe für seine 3n- dustrie, Kohlen, Koks. Kupfer usw. ein, exportiert dagegen, um die Handels- und Zahlungsbilanz im Gleichgewicht zu halten, Fertigsabrikate. Der schlecht bezahlte französische Angestellte oder Be­amte kommt als Käufer für diese Erzeugnisse kaum in Betracht, das Hauptinteresse gilt dem Ausland. Der ausländische Käufer, der in Gold kalkuliert, hat aber infolge der ständigen Franken­hausse das Interesse für den französischen Markt verloren, weil die Waren zu teuer sind. Einem Devisensturz von über 100 Prozent steht ein Preis nachlab von maximal 8 bis 10 Prozent gegenüber. Man kann es dem französischen Kauf­mann auch nicht verdenken, dab et vorläufig keine gröberen Preiszugeständnisse machen kann, da die Kosten des Lebensunterhaltes sich eben­falls nur sehr langsam vermindern, und dadurch ein großzügiger Lohn- und Gehaltsabbau nicht stattfinden kann. 3m Gegenteil, trotz der Steige­rung des Aubenwertes des Franken werden von dielen Seiten höhere Löhne und Gehälter ge­fordert und auch z. B. im Bergbau zugestanden.

Wir bringen eine kurze Preisübersicht der Nichtigsten Lebensmittel, und zwar werden gegen­übergestellt die höchsten, während der stärksten Frankenbaisse erreichten Preise mit den augen­blicklichen Preisen (in Franken):

Höchster Preis

Augenblickl. Diffe-

Preis

renz

Brot (Kilo)

2,80

2,45

0.35

Butter (Kilo)

30,00

29,20

0,80

'Urgarine

12,60

11,40

0,80

Reis

5,60

0,80

luder

6,00

5,15

0.85

rbec

60,00

56,00

4,00

Kaffee

34,80

29,20

5,60

Man hebt

aus diesem

Vergleich,

wie gering

in Verhältnis

zum Devisenfturz die

Erfolge im

Kampf gegen die Teuerung bisher gewesen sind. Manche Artikel, wie Tabakwaren oder Parfüme- i'icn, sind im Vergleich zu den Preisen Ende 3uh - tiefster Stand des Franken infolge )er Steuergesetzgebung Poincares, sogar noch gestiegen. Das gleiche gilt für Qualitätswaren. Ein weiteres Moment, das das Zurückziehen der Ausländer vom französischen Markte begründet, st die Unsicherheit der Kalkulation bei Franken­abschlüssen. Gibt z. B. ein Engländer einen Auf­trag nach Frankreich In Höhe von 1000 Pfund Sterling, so sind das augenblicklich oa. 120 000 Franken. Bei Lieferung der Ware und Bezahlung können aber die 1000 Pfund nur 90 000 Fran- en sein, und der Engländer must, um die Fran-

(Siebener Konzertverein.

Eleberail wo Maria Linz (Berlin) sich i)oren läßt, da jubelt ihr das Publikum mit »ollster Begeisterung zu. Unb das mit Recht, denn sie ist eine unserer stärksten Geigerpersön­lichkeiten. Gewiß, wir haben eine große Reihe guter, sehr guter Geiger und dennoch, ist nicht ein äänterschted dabei? Den einen ist die Geige musikalisches Künbemittel; was sie spielen, ist musikalisch so abgeklärt, schön, unantastbar, daß wir ihnen fast wunschlos gegenüberstehen. Unb wieder andere beweisen sich als Meister ihres Instruments, es gibt für sie keine technische iln- wöalichkcit. Hub hoch, ist es nicht aber in beiben Fällen ein Rebeneinander von Instrument und Persönlichkeit? Einem Ineinanderfließen von Geige und Musiker, einem direkten Verwachsen­sein mit dem Instrument werden wir nur in allerseltensten Fällen begegnen, bei Maria Linz leben wir dieser Tatsache gegenüber. Ihr Geigen- piel erwächst ihrer urmusikalischen Pcrsönlich- eit; sic ist die geborene Geigerin.

Was sie innerlich erlebt, das prägt sich n ihrer äußeren Gebärde aus. weil sie sich frei mb ohne innere Hemmung gibt. Lind dieses Berbundcnsein des G ästigen mit dem Motorischen virkt sich in ihrem Spiel auf dem Instrument ms. Stels wird ihr innerer musikalischer Im­ants mit ihrer Körperlichkeit und somit dem In- irumentalton zu einem einheitlichen psychischen Akt verschmelzen. Unb ihr Temperament drängt ie zur. Aeußerung: mit jedem Wechsel des musi- alischen Vortrags ist auch ihre Gebärde eine andere. Ja. hier könnte man schon aus ihrem Leußeren den Charakter der vorgetragenen Ilusik ablesen, ohne sic zu hören: so eng steht es wit der Musik im Kontakt, Unb wie wirb dieses persönliche Erleben nun erst dem Ton die Echt- »it geben

Hier kann man einen Blick auf den Urgrunb ber musikalischen Persönlichkeit werfen, und des musikalischen Schaffensvorganges. »Melodie ist Bewegung." Doch wohl nicht nur der Töne, wie man gern und oft nach dem äußeren Verlauf z. B. 'technischer Passagen feststellen möchte, son­dern als Ablauf emotionaler Energien, die wie­derum mit unferm naturhaften Körpererleben auf das engste verbunden sind: denn wie oft geben wir ja dem Gefühlsverlauf körperlichen, sichtbaren Ausdruck. Für den. dem diese Drücke zum Innern

ken sich dann zu beschaffen, nicht mehr 1000, son­dern 1300 Pfund anlegen. Aus diesem Punkte heraus erklären sich auch die vielen Anullierungen von Aufträgen oder Richtabnahme von Waren, wie sie in l hier Zeit vielfach sranzölischen Fir­men gegenüber ftaitgefunben haben.

Wie eingangs bewirt, wird man sich in Frank­reich, sowohl in parlamentarischen Kreisen und in der Presse, als auch in der Industrie, dem Handel, der Beamten- und Arbeiterschaft des Ernstes der augenblicklichen Lage, die bei jedem weiteren Abziehen deS Franken sich verschärft, in immer steigenderem Maße bewußt. Wie Ende Juli ein bevorstehender Zusammenbruch des Franken, so bildet jetzt die Wirtschaftskrise das Hauptthema.

Rur einer weih ober will nichts von einer wirtschaftlichen Krisis wissen, unb das ist Mi­nisterpräsident Poincarö, der noch ganz kürz­lich auf eine besorgte Frage des Generalbericht­erstatters des Budgets de Chappedelaine erwi­derte. .kein Anzeichen erlaube ihm auf die Mög­lichkeit einer ökonomischen Krise zu schließen." Herr Poincarc brauchte nur einmal von feinem in der Rue de Rivoli gelegenen Finanzministe­rium ein Stück dieser Straße einer der Haupt- geschäslsstrahen von Paris entlang zu gehen, um sich durch einen Blick in die gähnend leeren Gelchäsle davon zu überzeugen, daß die .Mög­lichkeit einer ökonomischen Krise" schon vor­handen ist.

Fragen wir nun. aus welchen Beweggründen die starrsinnige und einseitige AufwertungS-

benen sich die Finanzpolitik allein beherrschen lassen sollte.

Der Weltkrieg hat alle europäischen Staa­ten in ungeheure Schulden gestürzt, deren Sa­nierung und Ciquibierung das beherrschende Pro­blem des Finanzwesens der Rachkriegszeit unb die Ursache für bie vielen Schwier.gkeiten unter denen die europäische Wirtschaft leidet, ist. Wie jeder ordenlliche Kaufmann sich auf Grund seiner Bilanz fragen muh. wie er die Schulden ver- zinsen und zurückzahlen kann und, falls er dazu nicht in der Lage ist. mit seinen Gläu­bigem einen Vergleich zu schließen sucht, so ist auch der Finanzminister verpflichtet, mit dem Bleistift in der Hand folgende Fragen zu lösen: Wie hoch sind die Gesamtschulden, welche Summen benötige ich. um diese Schulden zu ver­zinsen und amortisieren, einen wie großen Tell der gesamten Staatseinkünfte kann ich für den Schuldendienst verwenden, ohne durch zu große steuerliche Belastung die Volkswirtschaft zu ge­fährden? Die für die Verzinsung unb Amorti­sierung ber bchulben höchst erreichbare Summe ergibt bann kapitalisiert ben Gegenwartswert der Anleihen und den Kurs, bei dem die Papier­währung zu stabllisieren ist.

Rein thwretisch ist es. wie Loucheur in feiner Rede in Lille sehr richtig bemerkte, mög­lich, ben Franken auf dem Wege der Deflation wieder auf feinen alten Dorkriegsgoldwert zu bringen. Wenn in vier Monaten das englische Pfund um mehr als 100 Proz. gefallen ist, warum sollte in den nächsten 4 Monaten nicht

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Bestellungen für die zweite Monatthälste nehmen entgegen: in Giehen die Geschäslr- stelle in der Zchulstrahe und die Trägerinnen, auswärts die örtlichen Vertriebsstellen.

Politik Poincares erfolgt, so finden wir die Be­antwortung dieser Frage zum Tell in einer Rede, die vor einiger Zeit ber frühere Finanzminister unb bekannte Inbustrielle Loucheur in Lille hielt. Loucheur. eine Autorität auf dem Gebiete ber Wirtschaft, gab beutlich zu verstehen, bah mit der Auswertung des Franken damals stand das Pfund ca. auf 150 Schluß gemacht werden müsse, wenn nicht die Volkswirtschaft Gefahr laufen solle, einer einseitigen, zugunsten der fran­zösischen Rentner verfolgten Politik zugrunde gerichtet zu werden.

In ber Tat, in der Gegenüberstellung von Wirtschafts- und Rentnerpolilik, tn der Frage, welcher von den beiden sich kreuzenden Wegen die französische Finanzpolitik zu beschreiten ge­denkt, liegen die brennendsten Probleme der französischen Volkswirtschaft.

In der Finanzpolitik und besonders in ber Behandlung ber durch den Weltkrieg aufgewor­fenen Probleme sind weder bas Gefühl, noch auch allein, wie in Frankreich oft falsch angenommen wirb, bas Vertrauen zu bem Leiter des Finanz­wesens ausschlaggebende Faktoren. Das klare und nüchterne Rechnen, die Gegenüberstellung von Soll und Haben sind bie Momente, von

eine weitere Senkung um 100 Prvz. statt finden? Damit würde das Ziel der französischen Rentner, eine Aufwertung ihrer Renten bis zu 100 Prozent, erreicht sein und der alte Wohlstand französischen Rentnertums wieder zurückkehren.

Aber leider hat eine solche Rentnerpolilik auch noch eine Schattenseite. Frankreich hat an Schulden:

A. Innere Schuld 286 546 369 000

B. Aeußere Schuld 219 777 858 000

Zusammen 506 324 227 000

Diese 506 Milliarden Franken sind Pa­pier franken, wobei die äußere Schuld, die bt Devisen (Dollar bzw. Pfund) eingegangen und auch zu verzinsen und amortisieren ist. auf Basis eines Pfundkurses von 150 Papierfranken für ein Pfund berechnet wurde. Der Schuldenbienst beträgt für 1927 die ungeheure Summe von 21535165 291 Franken, etwa 51 Prvz. der ge­samten Staatsausgaben.

Je höher der Frank steigt, desto größer wird die Goldlast dieser Ziffern. Bei einer völligen Auswertung der Renten würde Frankreich eine Schuldenlast von über einer halben Milliarde Goldfranken und einen Zinsendienst von mehr als 21 Milliarden Goldfranken jährlich aufju-

fehlt, wird eine Passage nur eben Technik bleiben. Wo aber das Innere mitspricht, wo das Moto­rische sich mit ihm durchdringt, da wird jede Tonreihe eben zu jenem Urbewegungsvorgang, der einst die Tonreihe zeugte, wieder erstehen. Dann erst ist das, was der Ausübende gibt, bem völlig gleich, was den Schaffenden einst be­wegte.

Hub das wird bei Maria Linz zum großen Erlebnis, der Komponist spricht wieder in seiner elementaren Kraft und Form zu uns. Sie mag spielen, was sie will, stets wird sie alle mit sich reißen unb in ihren Bann zwingen. Unb sie kann alles, geistig unb technisch Ihre eminente Technik kennt feine Grenzen, aber sie ist immer psychischer Ausdruck, einen Selbstzweck in ihr zu sehen, wäre ihrem Urmufifertum schlechthin un­möglich. Mit jeder Faser schwingt sie mit, ganz in sich geschlossen in ihrem musikalischen Er­leben muh sie überall zünden. And ist ihr Spiel nicht wie eine edle, seelisch-warme Sprache? Sie kann sich und andere begeistern und in der Auf­wallung mitreiben; sie singt wie die schönste, ausbruckvollste menschliche Stimme; sie kann aber auch plaudern, scherzen; kurz, jede mögliche Mo­dulation der Stimme ist auch ihrem Spiel eigen.

Unb mit welcher Tiefe breitete sie die Klang- Welt von Brahms V-Moll-Sonate vor uns aus! Welche Energie, welche Kraft ber inneren Er­regung sprach hier zu uns! Dieses Singen in Adagio! Welche Dramatik im Schlußsatz gesteigert bis zum Elementar-Gigantischen!

ilnb das Mendelssohn-Konzert mit seinem Wohllaut der Kantilene, seiner Leidenschaft unb mit seinem Sprühen; eine solche Feinheit der Sprache, ganz anders als bei Brahms und doch so echt unb wahr, alles bas erschloß uns die Künstlerin bis zum letzten.

Unb in all den vielen kleinen Gaben ber letzten Programmteile immer wieder eine neue Seite, nie verausgabte sie sich ganz, immer wieder fesselte sie aufs neue, lieh einen ben Atem anhalten beim Anhören höchster Steigerungen, von Takt zu Taft wachsend, unb immer mehr gebend ohne jede Grenze für die Kraft deS Tones, unb bann wieder bestrickend durch ben innigen, beseelten Schmelz ihrer Äantilenc. Konnte da überhaupt jemand sein, ben sie nicht mit sich fortriß? Eine Woge ber Begeisterung ging durch das dichtgefüllte Haus, wie man ihr nur selten begegnet. Zugabe über Zugabe, Brahms, Kreisler u. a. m_, man konnte sich nicht satt

hören, man war sich der Einzigkeit dieses großen Erlebnisses bewußt.

Unb daß der Erfolg so einheitlich wurde, dazu hals als Begleiter am Flügel Hermann Hoppe- Berlin mit Impuls gediegener Tech­nik und vornehmem musikalischem Können.

Der Künstlerin und bem Konzertverein mag dieser Wunsch bie Bestätigung des außerordent­lichen Erfolges fein. Marta Linz bald Wieden einmal in Gießen hören zu können. in

Frankfurter Theater.

Das Schauspielhaus brachte an einem Abend zwei Uraufführungen heraus. Als erste die einaktige Komödie des Kleistpreis-Trägers Alexander Lernet-HoleniaOllapvtrida" unb als zweite Bert Brechts EinakterDie Hochzeit". Bei Alexander Lernet-Holenias Komödie ist es vielleicht ratsam, die Titelertlä- rung aus bem Programmheft abzubrucken, denn bas Publikum steht dem Ramen des Stückes ziemlich fassungslos gegenüber. AlsoOllap)triba" ist eine spanische Suppe mit anscheinend ganz irr­sinnig burcheinanbergeworfenen Ingredienzien sagt ba$ Programm. Die Komödie hatrbelt v)n einem Junggesellen, zwei Ehemännern (der eine ist ein Depp, der andere ein rasender Othello), einem Vater unb einem Bräutigam. Dazu kom­men als ergänzende Weiblichkeit zwei Ehefrauen (die eine ist die etwas phlegmatische Gelirbte des Junggesellen und Gattin des Depps, die andere ist die bessere Hälfte des Othello und Freundin des Depps), unb eine Braut. Run verrührt Holenia dieseOllapotrida" noch mit vointenreichem Ditz, Schauplatz ist das Zimmer des Junggesellen, und der immer leicht anfecht­bare Kosmos der Liebe und Treue wird zum gelächterumtobten Chaos! Die Komödie ist flott, bringt äußerst komische Auftritte, hatte gute Dia­loge und unterhält in der karikaturisti­schen Behandlung des Themas Ehebruch und Eifersucht. Arthur Sackheim sorgte für Tempo, unb die Darstellung durch Obemar, Schneider, Diberti, Dauer unb San egget, den Damen Sie­vert, Daub, 6 tuder ing, bas Faktotum Reumann-Rördlingers nicht zu ver­gessen. sorgte für die Schmackhaftigkeit der Olla- potrida. Das Publikum amüsierte sich glänzend und zollte lebhaftesten Beifall. Bert Brecht,

bringen haben. Gegenüber der Vorkriegszeit wür­den die Schulden in Gvlbfoanken ausgebrückt -e um mehr als das 16,5 das Budget - unter Berücksichtigung ber anderen Staatsausgaben mindestens 40 Milliarden Goldfranken um bas Achtfache gestiegen lein.

Eine solche einseitige Rentnerpolilik würde natürlich den völligen Zusammenbruch der Wirtschaft unter einer unmöglichen Steuer- b e I a ft u n g nach sich ziehen, und es ist ein­leuchtend. daß bereits jetzt gegen bie Pvincar'sche Finanzpolitik von zwei Seiten aus Fornt ge­macht wird: von der Industrie, bie weiß, daß sie dem Ausland gegenüber infolge zu hoher steuerlicher Belastung nicht mehr wettbewerbs­fähig ist, von der Arbeiterschaft, die eine große Arbeitslosigkeit befürchtet und auch nicht Lust hat, lediglich für die Rentner, denen die Hälfte der Staatseinkünfte zusliehen würde, zu arbeiten.

Denn wir weiter berücksichtigen, daß z. B. bie Vereinigten Staaten von Rord- amerika ein Gesamtbudget von 14 Milliarden Goldfranken, bei einer Bevölkerung von 120 Mil­lionen Menschen besitzen, so ergibt sich die Un- möglichkcit einer Aufwertung des Franken bis zur Dorkriegshöhe von selber. Aber auch der jetzige Kurs des Franken - etwa 20 Proz. deS Friedenswertes wird von einsichtigen fran­zösischen Polltikern auf die Dauer als unhaltbar tx^eichnet. weil ein Budget von 8 Milliarden Gvldfranken die französische DolkSwirtfchast zu sehr belasten würde.

Don verschiedenen Seiten wird auf Eng­land aufmerksam gemacht, das doch viel größere Schulden als Frankreich besitze und doch zu bem Goldstandard des Pfundes zurückgekehrt sei Demgegenüber ist folgendes zu bemerken 3ni Gegensätze zu Frankreich hat England durch An­ziehen der Steuerschraube schon währenddes Krieges die Anleihen teilweise finanziert. 3m Gegensätze zu Frankreich ist England ein Welt­reich. das durch seine Kolonien und Dominions eine ganz andere wirtschaftliche Kraft besitzt als Frankreich. Endlich unb das ist vielleicht bas wichtigste Gegenargument war ber Kredit OeS Pfundes lange nicht so heruntergewirtschastet wie ber des Franken, mit anderen Worten, um den Dorkriegsgoldstandarb bes Pfundes zu erreichen, bedurfte es bei weitem nicht einer solchen Strecke, wie sie heute notwendig sein würde, um den Franken deflationistisch auf seinen Dorkriegswert zu bringen. Daß dieser Weg der Rücklehr zmn alten Goldstandard des Pfundes wirtschaftlich England in große Schwierigkeiten gestürzt hat, wird heute niemand mehr leugnen können und die große Arbeitslosigleit, der englische Kohlen* streik usw. zeigen zur Genüge die Wirtschafts ft ne, bie durch ben Deflationsprozeß unb die zu gr)ße steuerliche Belastung hervorgerufen wurde, eine Krise, die seit Jahren in unverminderter Schärfe anhält. Aber eine solche Wirtschaftskrise will ja Herr Poincarä vermeiden und er hat mit- ausdrücklichem Hinweis auf die deutschen wirtschaftlichen Zustände seit Uebernahme ber Regierung eine Stabilisierung des Franken stritt abgelehnt. Jetzt ist die Krise durch die ein­seitige Aufwertungspolitik deS Ministerpräsiden­ten über Frankreich heremgebrochen, ein? Politik, die gegenüber einer Stabilisierung noch den Rach- teil der steten Schwankungen unb einer ständigen Unsicherheit der Währung besitzt.

Die augenblickliche Finanzpolitik trägt ben Stempel einer Ren tnerpol itik, die viel­leicht politisch gerechtfertigt ist, da der Rentner­stand noch immer in Frankreich eine große Macht besitzt. Wirtschaftlich bringt aber bie Politik Poin- careS keinen Segen, weder bem Rentner, der bie Aufwertung seiner Bezüge im Verhältnis zu der Teuerung als unzulänglich bezeichnet, noch dem Produzenten ober Kaufmann, deren Geschäfte zum Stillstand gelangt sind, noch endlich bem Arbeiter oder Angestellten, der das Hereinbrechen einer Arbeitslosigkeit mit Recht befürchtet.

Wer die Finanzpolitik des sranzösischeit Mi­nisterpräsidenten von ihren Anfängen aus ver­folgt hat, für den war es Nar, daß diese Politik der halben Mittel auf die Dauer nicht zu he­

bet zweite Autor des Abends, hatte mit seiner Komödie weniger Glück. Wohl ist dieseHoch­zeit" eine gulgesehene, bem Leben vielleicht nur zu wahr nacherzählte Satire, aber die Zote tritt allzu ungeniert in ben Vordergrund. Einzelne Figuren, wie der Vater ber Braut (Impeioven) und die Mutter des Bräutigams (Einzig) sind prachtvoll echt umrissen, auch das Brautpaar selbst (Menz, Schneider) ist gut gezeichnet, aber wenn man die Szenenfolge dieses Einakters zusammenzieht: was bleibt, das besonderen Auf- führungswert hätte? Sind diese menschlichen Riederungen so interessant, daß sie auf den Bret­tern. die die Welt bedeuten, Wiedererstehen müs­sen? Mitunter ist der klotzgrobc Humor wirk­sam, es ist auch ein gewisses Maskenabreihen in der Entgötterung dieser Hochzeitsrunde, aber das alles reicht nicht aus, die Dramatisierung ber Szene zu rechtfertigen. Ein Tell des Publikums protestierte gegen die Klatschenden durch lautes Pfeifen, vielleicht waren es die Taktvolleren, die den Wust des Lebens sich nicht noch für Gelb vormimem lassen wollen. Die Ausführung in Melchior Dischers Inszenierung war gut. nahm den Stoff urwüchsig auf unb gab ihn unverschminkt toieber. Das gleiche gilt von der Darstellrmg der Episodenfiguren des Spieles. L. W.

Uraufführung in Darmstadt.

3m Hessi schen Landestheater in Darmstadt erlebte das Weihnachtsmärchen Drumm, der Bär" von Depp Deutsch feine Uraufführung. Es ist ein Ausstattungsstück, das große Anforderungen an ben szenischen Apparat stellt; es liegt ihm ein Märchen zu­grunde, bas so verwickelt ist, dah selbst Erwachsene chm nur schwer zu folgen vermögen. Den In- Hall au erzählen erübrigt sich hier, zumal die Handlung arm an wirklichen Geschehnissen, aber allzureich an Worten ist. Das dritte Blld, das betitelt ist3m Sumpfsee der Wasserhexe" stellt sich dar, wie die Eingangsszene von Wagners Rheingold, ftellich ist sie ganz unkindlich. Die Musik von Alf Re st mann ist well besser ge­raten als die Dramatik, aber da bie Vorlage den Dorstellungskreis eines Kindes überschreitet, fef>k ihr auch bas Kindliche. An bie Aus­stattung und Inszenierung hatte das Landes- tbeater alle Mühe verwandt, doch blieb eine tiefere Wirkung aus. ß, B.