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Jabr-Lvte bewährt.

Nachdruck verboten.

31 Fortsetzung.

Aus dem Amtsverkündigungsblatt.

** Das Amtsverkündigungsblatt *2lr. 6 5 vom 13. August enthält: Bildung einer öffentlichen Wassergenossenschaft der Gemarkung Garbenteich. Maui- und Klauenseuche in Steinberg, Grohen-Linden, Lang-Göirs und Pöth- ges. Kreihstraßensperre. Mainzer Abhund- lungen zur Philosophie und Pädagogik. Stra­ßensperren. Feldbereinigungen in Großen- Linden und Beltershain. Dienstnachrichten.

Kopfschmerz. Migräne Neuralgie Zahnschmerz

Bei itrovaniile

Die Krummhölzer

Roman aus den bayerischen Bergen. Don Michael Wagner.

Der dritte Tag verging und der vierte dazu, ohne eine Nachricht aus München zu bringen. Am Morgen des folgenden Tages nun vermochte Toni seine quälende Ungeduld nicht mehr zu meistern, Uebernächtig, bleich und nervös verließ er das Schlaf­zimmer und kleidete sich an. Dann eilte er auf die Poststation. Er war jedoch noch etwas zu früh daran und mußte vor dem eintönigen Backsteinbau eine lange Diertelstunde warten.

Mißmutig schritt er auf der Straße auf und ab. Es war ein kühler, nebliger Morgen. Kein Berg zu sehen. Die graue Häßlichkeit des Nebels ver­schlang alles. Don den Bäumen in den Gärten tropfte es, raschelten leise hinsterbend letzte welke Blatter erdwärts.

Grau und kalt, häßlich und feucht die ganze Umwelt.

So paßte es zu Tonis Stimmung.

Er fluchte leise vor sich hin.

Ein Rudel Buben und Mädel trippelte auf der Straße daher, den Schulranzen am Rücken. Sie starrten ihn mit großen Augen scheu an, eilten vor- über, stießen sich gegenseitig an, blieben stehen, schauten sich nach ihm um ---

Da hätte er am liebsten einen Stein aufgehoben und unter die Kinder geschleudert. Wütend drehte er ihnen den Rücken zu.

Asfenbrut!" knurrte er.

Ein Wagen knarrte daher. Der Fuhrknecht rückte ein wenig an seinem alten Hütel, glotzte Toni mit einem unverschämten Ausdruck dreist ins Gesicht und brummelte dann widerwillig:

Morgen I"

Der Herr Uracher aber dankte ihm nur lässig und ungnädig, indem er flüchtig zwei Finger an die Hutkrempe legte.

Endlich kam dann seiner brennenden Ungeduld die Erlösung. Die Uhr schlug acht, und pünktlich öffnete das Postfräutein Den Zugang zum Amt.

außerordentlich schonen Wanderung angelangt und halte in einem der zahlreich vertretenen Gast­häuser Einkehr, um wieder neue Kraft für den morgigen Tag zu sammeln. Aach Besichtigung der sehr sehenswertenBurg", die das Ziel vieler Wanderer und Sommerfrischler ist, setze ich am nächsten Tag meine Wanderung fort. Ich folge jetzt dem gelben Dreieck bis Michelstadt, durch das Städtchen die Straße abwärts, am ^Gumpener Kreuz" vorbei, über den Stotz durch das Dörfchen Oberostern, nach Obermossau (drei Stunden). An der Dorfkirche vorbei, langsam steigend, überquere ich den letzten Höhenzug und stehe nach einer Stunde am Ausgang des Wal­des. Hier bietet sich dem Auge ein einzig schönes Bild. In einem weiten Talkessel, der von sanften waldgekrönten Höhen umschlossen, liegt in frucht­barem Gelände das freundliche, regsame Berg- städtchen Michelstadt mit seinen vielen histori­schen Erinnerungen, die weit in die graue Borzeit zurückreichen. Die Wahl fällt mir nun schwer, ob ich hier am Waldessaum in dem Luftkurort Waldhorn" bleiben oder die ebenso guten Gast­häuser im Tale auffuchen soll. Ich eittscheide mich für hier oben, um das unvergleichbar schöne Panorama bis zur Abfahrt des Äbendzuges zu bewundern. Drum wandre hinaus in Gottes freie Aatur, damit Herz und Seele gereinigt werde von den Schlacken des Alltags! F S.

Kirchliche Nachrichten.

Evangelisch« Gemeinden.

Sonntag, den 15. August. 11. n. Trinitatis.

Gießen. Stadtkirche. 8: Pfr. Becker. Zugleich Christenlehre f. d. Aeukonfirmierten a. d. Markus- gemeinde. 9l/a: Pfarrassist. Hertel. - Johannes, kirche. 8: Pfr. Ausfeld. Zugleich Christenlehre f. d. Aeukonfirmiert. a. d. Johannesgemeinde. 9'/,: Pfr. Bechtolsheimer. Beichte und heiliges Abendmahl f. d. Lukas- u. Johannesgemeinde. Kirchberg. 10; 11: Christenlehre f. d. weibl. Jugend, nachm. 1'/,: Mainzlar. - Wieseck. Kirchweihfest. 9'/,: Pfr. Sattler. Augustkollekte für Innere Mission- - Watzenborn-Garbenteich. Watzenborn-Steinberg; 1. Garbenteich: 8 mit Christenlehre-

Katholisch« ©emelntren.

Gießen. Samstag, 14. August.4'/, und 7 Beichte, Sonntag, 15. August. 12. Sonntag nach Pfingsten. Fest Mariä Himmelfahrt. 67, Beichte, 7 Messe, Korn, der Jnngsrauen und Hausangestellten, 8 Kom., 9 Hochamt mit Predigt, 11 Meße mit Predigt, 2 Andacht, 3 Bersammlung der Jungfrauen und Hausangest. Grünberg. 9l/2 Messe mit Predigt. Hungen. 8 Hochamt mit Predigt. Laubach. 10 Meße mit Predigt. Lich- 10 Hochamt mit Predigt.

Rundfunk-Programm

des Frankfurter Tenders.

(Aus der »Radio-Umschau".)

Sonntag, 15. August.

7 Uhr: Übertragung des Glockengeläutes der Frankfurter Kirchen und der Posaunenchöre an» läßlich der Drückenweihe. 89 Uhr: Morgenfeier. 11 Uhr: Übertragung der Einweihungsfeierlich­keiten der neuen Mainbrücke. 23 Uhr: Ueber- tragung von Cassel: Konzert des Göttinger ZitherklubsEdelweiß". 33.30 Uhr: Stunde der Jugend. 3.305 Uhr: Übertragung vom Renn­platz in Aiederrad. 6.307 Uhr: Dücherstunde. 78 Uhr: Stunde des Rhein-Mainischen Ver­bandes für Volksbildung. 8.309.30 Uhr: Die Söhne Dachs, dritter Abend. Johann Christoph Friedrich Dach. 9.3010.30 Uhr: Konzert der Kapelle der arbeitslosen Derussmusiker. An­schließend bis 12 Uhr: Übertragung von Berlin.' Tanzmusik der Berliner Funkkapelle.

Montag, 16. August.

4.305.45 Uhr: Konzert des Hausorchesters: Reue Operetten. 5.456.05 Uhr: Lesestunde. 6.15 bis 6.45 Uhr:Der Frankfurter Drückenhahn in Legende, Dichtung und Geschichte". 6.457.15 Uhr: Vortragszyklus des Handwcrksamts Hanau: Der Anteil des deutschen Handwerks im wirt- schaftlichen Wiederaufbau". 7.157.45 Uhr: Stenographischer Fortbildungskursus für An­fänger und Fortgeschrittene. 7.458.15 Uhr: Eindrücke aus meiner Weltstudienreise", Vortrag von Reg.-Rat Dr. Jng. Teubert. 8.159.15 Uhr; Rezitationsabend Alfred Beierle ('Berlin): .Von Schauspielern". 9.1510.15 Uhr: Harfenkonzert.

<Saube,r, billig, allbz^ebrlr^ 1

Zahl der Unterstützungsempfänger am Ende des Monats nur noch 1889 Hauptunterstühungsemp- fänger, 1025 Frauen und 1917 Kinder. Die Er­werbslosen verteilen sich aus die Stadt Wetzlar, die Landgemeinden des Kreises Wetzlar und die zu dem Arbeitsnachweis gehörigen Gemeinden des Kreises Biedenkopf, wie folgt: Stadt Wetzlar 510 Hauptunterstühungsempsänger, 278 Frauen und 483 Kinder, Kreis Wetzlar 1054 Hauptunter- stühungsempsänger, 612 Frauen und 1427 Kinder, Kreis Biedenkopf 325 Hauptunterstutzungsemp- sänger, 135 Frauen und 307 Kinder. Notstand»- arbeitet wurden Ende Juli 476 gegenüber 394 zu Beginn des Monats beschäftigt. Die in den letzten Wochen stärker als bisher ausgeübte Der- mittelungslätigkeit des Arbeitsnachweises wurde durch die Einstellung der Arbeiten im Bau­gewerbe unterbrochen. Die Zahl der unterstützten Tabakarbeiter ist wesentlich zurückgeganqen. Größere Rotstandsarbeiten konnten nicht in An­griff genommen werden, weil das Kontingent der Regierung zu Koblenz erschöpft ist. und wei­tere Mittel staats- bzw. reichsseitig bisher mcht zur Verjügung gestellt wurden. In der Textil­branche wurden Reueinstellungen vorgenommen.

<> Ehringshausen, 12. Aug. Vor dem Aufgang zum hiesigen Amtsgerichtsgebäude wurde dieser Tage ein Fahrrad gestohlen. Der Täter ist mit dem Fahrrade unerkannt ent­kommen.

z Lützellinden, 13. Aug. Auf An­ordnung des Landratsamtes zu Wetzlar wurde in unserem Dorfe vor kurzem durch Vertreter der zuständigen Behörden eine Rachprüfung der Rindviehbestände der hiesigen Vieh- Halter vorgenommen, wobei sämtliche als Zucht­vieh in Frage kommenden weiblichen Tiere ge­zählt wurden. Es wurden bei der Zählung wett über 600 deckfähige Kühe und Rinder ermittelt, wodurch sich die hiesige Gemeinde, da von be­hördlicher Seite für je 100 deckfähige Tiere das Halten eines Gemeindebullen gefordert wird, ge­zwungen sieht, zu den vorhandenen 4 Gemeinde­bullen vorderhand einen tociteren Dullen anzu­kaufen. Bei der Bullenversteigerung in Wetzlar hat die Gemeinde einen 14 Monate alten Bullen Vogelsberger Rasse zum Preise von 740 Mark erworben. Während in den Jahren der Zwangswirtschaft bedeutende Milchmengen aus unserem Dorse nach Wetzlar geliefert wurden, haben sich unsere Landwirte nach Aufhebung der Milchzwangslieferung wieder der Butter» erzeugung zugewandt, so daß in unserem Orte von einer Milchausfuhr nicht die Rede fein kann. Die bei der Dutterproduktion zurück- bleibenden ileberftänbe an Magermilch werden zum Teil als äußerst lohnende Beigabe zum Ferkelfutter benutzt, zum Teil wird auch hieraus Quark gewonnen. Der zumeist in Frage kom­mende Absatzort für die in unserem Orte erzeugte Butter ist Gießen.

5 Hörnsheim, 13. Aug. Der hiesige Kleinkaliberschützenverein hat dieser Tage sein erstes Preisschiehen auf dem nicht wett von unserem Dorfe entfernten Schieß­platz abgehalten. Die gut besuchte Veranstaltung, die auch die beiden nächsten Sonntage umfassen soll, zeigte, welches Interesse man dem Schieß­sport hier entgegenbringt.

1 Dornholzhausen, 12.Aug. Während in sonstigen Jahren die Dreschmaschine hier verhältnismäßig sehr spät eintraf, wird sie in diesem Jahre schon in Kürze ihre Tätigkeit auf« nehmen. Ein Dreschmaschinenbesiher aus Griedel hat sich erboten, den Getreideausdrusch gegen eine Entschädigung von 8,50 Mk. die Stunde vorzu­nehmen.

O Groß-Rechtenbach, 12. Aua. Die Provinzial st raße WetzlarButzbach wird zurzeit zwischen hier und Wetzlar einer Instand­setzung unterzogen und ist deshalb für den allge­meinen Durchgangsverkehr gesperrt. Die -Um­leitung des Verkehrs erfolgt über Weidenhausen.

Reiskirchen, 12. Aug. Die Durch­führung der wirtschaftlichen Umlegung der

Dann flackerte es in seinen stieren Augen aus wie Wahnsinnsfeuer. Unaufhörlich murmelten seil« bleichen Lippen beinahe tonlos:

Alles hin! Alles hin!"

Dann wieder, wie von Todesangst gepeinigt ausschreiend mit gräßlich gellender Stimme:

Alles alles hin! Alles!"

Er riß eine Schublade heraus, fuhr mit beiden Händen zugleich hinein ein Revolver blinkte . ..

Seine bebenden, kalkweißen Finger zerrst» hastig die Kleider auf der Brust auseinander.

Rasendes Gepolter an der Tür. Schreiende weih liches Stimmen. Wahnsinniges, vergebliches Rüstete am Türschloß . . .

Drinnen einige Herzschläge lang Totenstille.

Dann ein kurzer, scharfer Knall ein Nieder krachen umfallender Stühle ein schwerer, dumpfe: Fall, der den Boden erzittern ließ Röcheln ein Scharern und Kratzen--

Entsetzensvolle Stille wieder.

Die beiden Frauen draußen vor der Tür, Cents und das Dienstmädchen, verstummten vor Schreck starrten einander aus todbleichen Gesichtern on ütternd, von Angst geschüttelt. Fühlten sich mit den« Grausen blühenden Lebens vor dem Vernichter lob von eisigen Ewigkeitsschauern umweht . . .

Das er hat sich ---" stammelte (Senta.

Und mit einem Male rissen sie Furcht und Schrecken herum und laut schreiend floh sie di- Treppe hinunter. Hinterher in panischer Furcht dn Mädchen.

Lauf! Lauf! Hol Hilfe!" kreischte Een» Ich werd' sonst wahnsinnig! Lauf in die" sterei hinüber!"

Das Mädchen rannte mit fliegenden Haar« die kurze Straßenstrecke zum Waldrand hinauf. hatte Glück, denn der Förster Sanktjohanser trsl eben, zu einem Reoiergange gerüstet, aus der Han» tür. Da gewahrte er das atemlos herankommenK Mädchen und stutzte.

He!" knurrte er.Was ist denn los?"

Stoßweise, mit überstürzenden Worten, bericht« das Mädchen, weinend, an allen Gliedern zittert Stumm, ohne eine Miene im verwitterten GesiG zu verziehen, hörte sie der Förster an. Als d-l Mädchen geendet, nickte er nur todernst.

Gut!" sagte er bann rauh,schau'n wir hall' (Fortsetzung folgt.)

Preußen.

bi reis Wetzlar.

O Wetzlar, 12. Aug. Ein Autounsall ereignete sich gestern nachmittag aus der Pro- vinzialstraße zwischen hier und Grohrechtenbach in der Rähe von Büblingshausew Ein Personen­auto von hier kam auf der durch das Regen­wetter erweichten Straße dermaßen ins Schleu­dern, daß der Führer die Herrschaft über den Wagen verlor, und dieser gegen einen Baum fuhr. Ein in dem Auto sitzender 12jähriger Junge wurde durch die in Stücke gegangene Glas­scheibe am Kopfe so stark verletzt, daß er nach Büblingshausen gebracht werden und dort ärzt­liche Hilfe in Anspruch nehmen mußte. Der vordere Teil des Autos ist fast vollständig zer­trümmert.

kz. Wetzlar. 13. Aug. Der in unserer Stadt stetig zunehmende Straßenverkehr, ins­besondere mit schnellfahrenden Fahrzeugen, drängt nach der Schaffung von durchgehend en Straßen. Schon seit dem Jahre 1873 ist die Durckgangsstraße von der Langgasse aus über den Haarplay nach der Braunfelser Straße hin geplant, jedoch bis heute ist die Ausführung noch nicht zustande gekommen. Das bimtgemalte HausDas golbne Roß" ist bereits lange von der Stadt angekauft, um nach dessen Abbruch die Straße über den Haarplatz frei zu machen. Die neu zu schaffende Straße wird für Wetzlars Durchgangsverkehr von größter Tragweite sein.

kz Wetzlar, 13. Aug. Das Hausertor, das Wahrzeichen Alt-Wetzlars, hat durch fein neu angebautes kleine Rachbartor zur Linken (beim Eintreten in die Stadt) eine vorteilhafte Veränderung erfahren. Obwohl man anfangs das Riederlegen der fast entwurzelten Daum­riesen am Tore bedauerte, so nimmt sich der neu angelegte sattgrüne Rasen am steilen Hange recht malerisch aus. Das altersgraue Tor, der grüne Rasen und die Däume dahinter bieten selbst dem verwöhnten Malerauge die reizendste Vorlage. Einige Felsen in dem steilen Abhänge des Hauserberges, bei denen eine Gefahr des Absturzes vorhanden ist, werden zur Zeit ge­sprengt.

<> AuS dem Kreise Wetzlar, 11. Aug. Die Lage des Arbeitsmarktes im Be­zirke des Arbeitsnachweisss Wetzlar hat sich im Laufe des Monats Juli wieder etwas gebessert. Während zu Beginn des Monats noch 1996 Hauptunterstützungsempfänger mit 1082 Frauen und 1998 Kindern unterstützt wurden, betrug die

dauern gezwungen, einen Zugriff auf die Siche­rungen ins Auge zu fassen, falls es Ihnen nicht möglich fein sollte, die unangenehme Sache ander­weitig zu erledigen. Daß Sie übrigens über den Stand der Angelegenheit so völlig unorientiert sind, bestärkt mich nur in meinem Verdachte"

Hier unterbrach Tonis heisere Stimme den Bankdirektor.

Was was reden S' denn da zamm?! Wie steht's mit unfern mit mein Geld möcht i wissen!?"

Der Direktor zog die Augenbrauen hoch.

Wieso? Ihr Geld? Herr Uracher? Ich sagte Ihnen doch, daß wir gezwungen sind

Soll dös soll dös bedeuten daß daß alles hin is?I"

Wen Sie belieben, sich so auszudrücken leider ja! Wie gesagt"

Hier wurde plötzlich eingehängt. Der Bankdirek- tor machte ein bedenkliches Gesicht.

Dachte ich es mir doch die Sache ist sehr jaul. Wir werden unbedingt die Polizei davon in Kenntnis fetzen müssen und im übrigen zuzusehen haben, was für uns noch zu retten ist!" bemerkte er zu einem ihm gegenübersitzenden Herrn.

Toni Uracher taumelte wie ein Betrunkener aus der Telephonzelle. Um ihn drehte sich alles. Seine Züge waren schreckhaft verzerrt, das Gesicht asch­fahl, seine Augen stierten weit aufgerissen wie die eines Wahnsinnigen ins Leere. Er lallte unverständ­liche Worte.

Das kleine Postfraulein stieß unwillkürlich einen schrillen Anstschrei aus, als Toni so an ihrem Schalter vorüber ins Freie stürzte.

Sinnlos vor Schrecken und Entsetzen rannte Toni die Straße entlang, ins graue Nebeldüster hinein.

Im Landhause angelangt, stürmte er keuchend die Treppe hinaus, stieß das Dienstmädchen, das ihm begegnete, beiseite, daß es laut aufschrie vor Schreck und Schmerz.

Mit schmetterndem Krach schlug er hinter sich die Tür seines Zimmers zu, drehte den Schlüssel um.

In diesen Minuten bot Toni Uracher einen schaudererregenden Anblick. Wie ein Irrer stand er ba, ein Bild entsetzensvollen äußeren und Inneren Zusammenbruchs.

Grundstücke der hiesigen Gemarkung ist mit der Wahl der Deputierten der Beteiligwngesamt- heit und ihrer Stellvertreter eingeleitet. Es wurden gewählt als Deputierte: Wilhelm Leh n- Hardt, Konr. Olbrich und Gemeindevorsteher Lehnhardt, als Stellvertreter Friedrich Petry, Karl Schäfer und Wilhelm D e r n.

CO Reiskirchen, 12. Aug. Der Ausbau des von hier nach Schwalbach führenden, sogenannten Gehringshäuser Weges", über den vor kurzem imGieß. Anz." berichtet wurde, ist von der Regierung zu Koblenz als öffentliche Rot­standsarbeit anerkannt. Zu feiner Durchführung ist der Gemeinde ein Zuschuß aus Mitteln der produktiven Erwerbslosensürsorge bewilligt wor­den. Die Erwerbslosen der hiesigen Gemeinde werden an dem Wegebau voraussichtlich einige Monate Beschäftigung haben.

Vollnkirchen, 12. Aug. Das hiesige Forst Haus, welches seit der Pensionierung des Försters Doth unbewohnt war und dem­nächst von dessen Rachsolger, dem Gemeinde­förster Meyer bezogen werden soll, wird augenblicklich einer gründlichen Instandsetzung unterzogen.

kz. H e r m a n n st e i n, 13. Aug. Mtt dem Ertrag der diesjährigen Ernte ist man durchweg zufrieden. Viele Landwirte, die nur eine geringe Menge Landes besetzen, haben Lände­reien von den Schenkschen Gütern gepachtet, die durch mehrere Generationen hindurch in Pacht gehalten werden. Da bei der in Arbeit befind­lichen Feldbereinigung die Ländereien neu ver­messen werden, wird voraussichtlich noch ein Gutspächter nach hier kommen.

-5- Aus dem Kleebachtal, 13. Aug. Rachdem in der Vorwoche die Crntear bei­ten schnell vonstatten gingen, hat sich das Wetter jetzt so verschlechtert, daß das Fruchtschneiden in den letzten Tagen gänzlich ruhen muhte. Die stellenweise stark lagernde Sommerfrucht fängt namentlich noch bei Klee-Einsaat unter dem Ein­fluß der Rässe an, faulig zu werden, so daß das Stroh nur noch zu Streuzwecken verwendet wer­den kann. Auch das Fruchteinfahren muh ein­gestellt und auf trockenere Tage verschoben wer­den. Während die Hackfrüchte durchweg einen guten Stand aufzuweisen haben, hat der Mais ein schlechtes Aussehen und zeigt nur ein ge­ringes Wachstum.

XX Von der mittleren Lahn, 12. Aug. Die Anzahl der Kornhaufen im Felde offenbart den Ausfall der R o g g en e r n t e; es ist eine der besten seit langen Jahren. Der Hafer steht noch überall auf dem Halm und hat in dem fruchtbaren Lahntal dieselbe Länge erreicht wie das Korn. Wenn das Wetter noch einigermaßen günstig bleibt, kann mit einer aussichtsreichen Ernte gerechnet werden. An Stroh wird es im kommenden Winter ebensowenig mangeln wie an Dörrfutter, zumal auch der zweite Grasschnitt der Lahnwiesen mächtig herausgewachsen ist. Dazu herrscht an Grünfutter fein Mangel. Der zweite Klee leuchtet weithin mit seinen roten Dlüten- köpfen, die Dickwurzfelder zeigen eine schön ge­schlossene Blattkrone und geben neben dem fetten Klee ein gutes Milchfutter für die Kühe ab. Auch der überaus günstige Stand der Kartoffeln berech­tigt zu den schönsten Hoffnungen.

kz Von der mittleren Lahn, 13. Aug. Die beendigte Roggenernte hat einen guten Erfolg gezeigt. Trotz der vielen Regentage und kalten Witterung ist die Frucht verhältnismäßig gut ausgereift. Man hat vielerorts bereits mit dem Dreschen begonnen. Der viele Regen hindert einen raschen Fortgang der Heimholung der Ernte. Auch mit der vielfach gelagerten Gerste, die sich nicht mehr recht entwickeln konnte, wird man zufrieden fein. Die Hackfrüchte entwickeln sich infolge der großen Feuchtigkeit günstig. All­gemein werden zu Rahrungszwecken neue Früh­kartoffeln gegraben. Doch ist man froh, noch alte Kartoffeln für die Tiere im Keller zu haben. In der letzten Zeit haben die alten Kartoffeln stark unter der Fäulnis gelitten.

Dann stand Toni vor dem Fernfprechapparat und ließ sich mit Moriggls Finanzbureau verbinden. Er mußte sich etwas gedulden, bis ihm eine völlig unbekannte Stimme die Auskunft gab, daß Herr Moriggl und der Herr Baron sich auf einer größe­ren Geschäftsreise befänden.

Toni fluchte erbost in den Apparat hinein. Wann die beiden zurückkämen?

Das sei unbestimmt!

Ob sie für ihn, den Herrn Uracher, keine Nach* richt zurückgelafsen hätten wegen der großen Börsenaktion?

Leider nein!

Wie denn eigentlich diese Sache stehe?

Auch diesmal eine bedauernd verneinende Ant­wort.

Ja Himmelherrgott! Was für a Esel is denn nachher eigentlich am Telephon?"

Bitte sehr, der Volontär!" klang es in einem aus Vorwurf und Stolz gemischten Tone zurück. Dann wurde eingehängt.

Toni tobte innerlich vor Wut. Am liebsten hätte er den unglückseligen Apparat von der Wand ge­rissen und mit den Füßen zertrampelt. Diese gott­verfluchten Schufte! Abzureisen auf unbestimmte Zeit, ohne ihm Bescheid zurückzulassen, wo er doch schon schier vor Ungeduld zersprang.

Doch unter all der Wut schlug fein Herz seit am bang und rasch und pumpte heißes Blut in ra en­den, Tempo durch die Adern. Die Schläfen häm­merten auf das Gehirn.

Er zwang sich zur Ruhe, ließ sich dann mit der Bank verbinden, welcher die Ausführung des Bör­sengeschäftes übertragen war. Mit heiserer Stimme verlangte Toni den Direkter zu sprechen.

Eine sehr kühle und klare Stimme meldete sich und gab auf feine Anfrage in knappem, höflichem Tone Bescheid.

Ah? Herr Uracher selbst? Das trifft sich gut! Tja, es tut uns sehr leid. Ihnen sagen zu müssen, daß die Sache für Sie wenig angenehme Aussichten bietet. Es ist übrigens ein Beauftragter unserer Firma bereits auf dem Wege zu Ihnen und Herrn Bullinger, um an Hand der Unterlagen die Ange­legenheit mit den Herren zu besprechen. Durch das offengeftanbon eigenartige Verhalten des Finanz- bureaus Moriggl sehen wir uns zu unserem Be-