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Das Arbeitsgerichtsgesetz.

Sie den Vereinigten Staaten auf Grund der Dawes­zahlungen zufließenden Summen dazu verwendet werden sollen, den Rest zu decken.

Die Repürationslast der Reichsbahn.

Berlin. II. Dez. (WB.) 3n dem Bericht ttä Eisenbahmommissars bei der Deutschen Reichsbcchngcsellschaft Gaston Leverve an die Aeparationslommis^ion wird zusammen asiend ge­sagt, daß Die Deutsche Reichsbahngesellschaft das zweite Reparationsjahr unter befriedigen­den Bedingungen zurückgelrgt hat. Sie kam ohne Schwierigkeiten ihren Reparationsverpflich- tungen nach, die höher als im ersten waren. <595 Millionen statt 200 Millionen., Bei der Führung ihres Betriebes habe die Gesellschaft keine der ihr auferlegten Verpflichtungen ver- nachläs igt. Beim Reubautitel habe sie die Er­weiterung und Verbesserung ihrer Einrichtungen durch Dau neuer Gleise und durch Elektrifizierung u. a. m. weiter durchgeführt. Hierfür seien in diesem 3ahre 373,5 Millionen auf Dermögens- rechnung ausgegeben worden. Man dürfe auf die Ermäßigung dieser Ausgaben für die Zu­kunft rechnen. Andererseits vernachlässigte die Gesellschaft die Unterhaltung ihres Rehes nicht. Die günstigen Aussichten in den vorhergehenden Berichten könnten daher bestätigt werden. Die Reichsbahn werde voraussichtlich unter normalen llmftänDen allen Verpflichtungen, besonders den Reparationsverpflichtungen, nachkommen können, falls ihr die gesetzlich zugesicherte Bewegungs­freiheit gelassen werde, die erforderlich sei. um den Betrieb nach den Regeln einer guten kauf­männischen Wirtschaftsführung leiten zu können.

Die Pariser Verhandlungen der Rohstahlgemeinschaft.

Paris, 11. Dez. (WB.) Die seit einigen Tagen in Paris geführten Verhandlungen der Delegierten der in der internationalen Rohstahlgemeinschaft vertretenen Länder sind zum Abschluß gelangt. Der sog. mitteleuropäische Block, bestehend aus den Vertretern der Industrien Oe st erreich s, Ungarns und der Tschechoslowakei, haben sich dem Stahlkartell a n g e s ch I o s s e n. Gleichzeitig mit diesen Verhandlungen traten unter Beteiligung der Engländer die Delegierten der im Schienenkartell vereinigten Länder zu­sammen. Der mitteleuropäische Block ist auch dieser Vereinigung beigetreten, womit das Internationale Schienenkartell endgültig gebildet worden ist. An den Verhandlungen haben deutscherseits teilgenom­men Fritz Thyssen, Direktor Ernst P o e n s - gen, Direktor Klotzbach sowie Direktor Gerwin.

Die englischen Verhandlungen mit Kanton.

London, 13. Dez. <WTD. Funtspruch.) Der Sonderberichterstatter derDaily Mall" in Hankau meldet, der britische Gesandte Lamp- s o n und der Minister des Aeußern der Kanton- regierung L s ch e n hätten am Sonntag eine neue Unterredung gehabt. Lampson werde bis Don­nerstag In Hankau bleiben. Die bolschewistischen Agenten bemühten sich eifrig, ein freundschaft­liches Äebereinkommen zwischen Großbritannien und der Kanton-Regierung zu hintertrei­ben. DerObserver" schreibt, der Kanton- regierung müsse erklärt werden, daß sie mit ihrer Anerkennung als erste Autorität in China auch als verantwortlicher Teil einer großen Ration aufzutreten und mit den Aktiven auch die Passiven zu übernehmen habe. Die Mächte seien natürlich zu Verhandlungen bereit. Borbindung hierfür sei jedoch, daß diese Berhandlungen von der Besis des Status quo ausgehen mühten. Die Washingtoner Verträge seien überholt, aber alle anderen blieben in Kraft.

- Gut unterrichtete Ausländer und Chinesen, die aus der Gegend am Iangtsel.ang nach Peking izurückkehrten, erklärten, die L a g e a m 3 a n g t s e- kiang habe sich in den letzten sechs Wochen be­trächtlich verändert. Die Kantontruppen feien anfänglich als Befreier empfangen worden. 'Wegen der von ihnen verlangten hohen Ab­gaben und der ausvrechenden S.reiks seien ihnen jedoch jetzt viele Chinesen feindlich gesinnt. Die Lage der Kantontruppen sei in Wirklich­keit nicht so gut, wie es den Anschein habe, denn die Militärbehörden der Provinzen Honan, Hupe und Kiangsi seien nicht geneigt, den Be­fehlen des Oberbefehlshabers der Kantontruppen nachzukommen. Die Anträge aus Gewährung der provinziellen Autonomie aus den Zentral­provinzen würden immer dringender, da diese sich weder von Kanton noch von Mulden regiert zu sehen wünschten.

Die Trauerfeier für Paschilsch.

Belgrad, 12. Dez. (WB.) Die heutige Trauerfeier für Paschi.sch begann mit einer kirch­lichen Zeremonie in der Kathedrale, d e vom Patriarchen Dimitri absiehalken wurde. Der Feier wohn'en auch der König, Prinz Paul, und das diplomatische Korps bei. Dem Trauerzuge, der sich alsdann in Bewegung s:tzte, folgten auch der König und der Prinz bis zum Schloß, lleberall erwartete eine ungeheure Men­schenmenge den Trauerzug. Vor dem Ka.'fations- hof, wo der Zug Halt machte, gedachten meh­rere Redner in kur,en Ansprachen der hecooc- ragenden Eigenschaften und der Verdienste des Dahingeschiedenen. Auf dem Friedhof sprachen wiederum mehrere Redner. Der Sarg verbleibt in der Kapelle, bis am Mittwoch nach Voll­endung des Grabgewölbe) die Beisetzung erfolgt. Bis dahin halten radikale Studenten die Ehren­wache am Sarg.

Die Weihnachlsbeihilse für Sozial» und Kleinrentner.

Berlin, 11. Dez. (DDZ.) 3n seiner Abend- sitzung beendete der Haushaltsausschuh des Reichstags die Brratung des Rachtragsetats des Reichsarbeitsministeriums. Er nahm einen Antrag der RegierungsparteiLN an, der einen Betrag von 25 Millionen zu einmaligen Rot- standsmaßnahmen für langfristig Erwerbslose, Sozial- und Kleinrentner in den Etat neu ein- stellt. Die Verteilung dieser 25 Millionen soll so erfolgen, daß alsbald als Weihnachtsbei- hilfe gezahlt werden:

Berlin, 11. Dez. (BDZ.) Der ^eullcynatio- nale Antrag über die Kleinre.llnerfürsorge wird dem Haushalte- und Sozialpolllischen Ausschuß, der völlllche An.rag über Hypot.>lenumwertung und Ablösung öffentlicher Anleihen dem Rechts- ausschuh überwiesen.

Es folgt dann die zweite Beratung des Ent­wurfs eines Arbeitsgerichtsgesetzes.

Reichsarbettsminister Vr. Brauns:

Es mußte ein M.llelneg eingeschlagen werden, der sowohl den sozialen Belangen, wie denen der ordentlichen Recht-Pf.ege Re^nung trägt. Es mußte aufgebaut werden auf den bewährten Ein­richtungen der Gewerbe- und Kau,mannsgerichte. Das erkennen die Verfechter der vollständigen Eingliederung der Arbeitsgerichtsbarkt.it in die ordentlichen Gerichte und der Anwallszulassung in allen 3nstanzen. Es ist falsch, daß leitens des Deutschen Richterbundes und des deutschen An­waltsvereins in ihren letzten Protesterklärungen behauptet wird, daß das rechtsgelehrte richter­liche Element mehr oder minder aus den Ar­beitsgerichten hinausgedrängt werde und daß sogar das Recht selbst in diesen Gerichten kaum mehr eine Stelle habe. Die Mehrheit der deutschen Richter und Anwälte wird kaum solche Vorwürfe erheben wollen, die letz en Endes auf die Richter selbst zurückfallen würden. (Sehr wahr!) Denn auch in der ersten 3nstanz muß bei den Arbeitsgerichten der Vorsitzende stets ein r e ch t s g e l e h r t e r R i ch te r sein. Die 3uristen dürfen nicht verlangen, bei den Arbeitsgerichten das allein maßgebende Element zu sein. Die Vorlage hringt die Verwirklichung Der im Artikel 157 der Reichsverfassung enthalte­nen Verheißung eines einle llichen Arbeitsrechtes. Es kann keine Rede davon fein, daß der Gesetz­entwurf Der Verfassung widerspricht. Die Be­hauptung, daß das Reichsgericht ai-f anderem Standpunkt steht, ist unwahr.

Das Gesetz bringt einen großen sozialen Fort­schritt. Darum sollten alle Parteien die kleinen Meinungsverschiedenheiten hinter dem großen

Ziel der Vorlage zurückstehen lassen.

Abg. Auffhäuser lSoz.) begrüßt die Vor­lage als einen Anfang zum kollektiven Arbeits­recht, wenn auch nicht alle Wünsche Der Sozial­demokratie erfüllt seien. Der Redner werdet sich scharf gegen die Eingabe des deutschen Richter- Vereins Sehr kühn sei die Behauptung des Richter­vereins, dah in Den Arbeitsgerichten an Stelle der Llnparleilichkeit und Unabhängigkeit der Rich­ter die politische und wirtschaftlich.' Bedingtheit trete. Eine Beobachtung der Urteile der ordent­lichen Gerichte lasse gerade bei vielen Richtern sehr starke politische Bedingtheit erfermen, eine innere Abneigung gegen die Verfassung und Den neuen Vollsstaat.

Abg. Dr. Rademacher (Dntl.) betont, auch die Deutschnationalen wünschten eine billige, ein­fache und schnelle Rechtssprechung in Arbeits- ftreitigfeiten, aber die Vorlage bedeute in vielen Punkten einen Sprung ins Dunkle. Das Recht müsse die Grundlage aller Gesetzgebung sein. Das von dem Vorredner gegen dir . rutschen Richter geäußerte Mißtrauen müsse zurückgewie- sen werden, ebenso der Vorwurf, daß Die Richter keine soziale Gesinnung hätten. Die Einrichtung der Arbeitsgerichte erster 3nstanz sei eine Ge­fährdung der Rechtseinheit Der Red­ner wendet sich dann gegen Einzelheiten der Vorlage. Die Monopolstellung der Verbände könne leicht zum Organisalionszwang führen. Die Auslosung der Anwälte bei der ersten 3nstanz sei eine ungerechte Herabsetzung des Anwalt-.- standes. Ein Teil Der Deutschnationalen wer e eine Aenderung dieser Bestimmungen beantragen. Das freie unabhängige Richtertum werde durch das Gesetz gefährdet. Zwischen Demokratie und Richtertum bestehe ein unlösbarer Gegensatz, aber das unabhängige Richtertum müsse als Grundlage des Rechtsstaates erhalten bleiben.

Reichsjustizminisler Dr. Bell:

Die völlige Fernhaltung der ordentlichen Richter von den Arbeitsgerichten würde ein Un- glück für die Richter unD für das Arbeitsrecht sein. Die Eingliederung der Arbeitsgerichte in Die ordentliche Gerichtsbarkeit würde auf der an­deren Seite einen Abbau Der bestehenden sozia­len Fürsorge bedeuten. Die bisherigen Gewerbe- und Kaufmannsgerichte waren Sondergerichte ohne jede Verbindung mit der ordentlichen Ge­richtsbarkeit. 3m 3ntereffe der Einheitlichkeit Der 3ustiz bringt die gegenwärtige Vorlage einen wesentlichen Fortschritt. 3ch bedauere Die voll­ständige Auss chliehung Der Anwälte in Der ersten 3nstanz, aber es darf nicht vergessen werden, daß die Gewerbe- und Kaufmanns­gerichte Die Anwälle absolut ausschlossen. Auch darin wird Die Vorlage eine Verbesserung' bringen. Wenn Die Eingabe des Richterbundes behauptet, das Richtertum fei ganz ausgeschal­tet, schießt sie übers Ziel hinaus. Die Vorlage, beschreitet den richtigen Mittelweg.

Abg. Buchholz (Zentr.) erklärt sich für die Zentrumsfraktion mit Der Vorlage Der Aus­schußfassung einverstanden. Zu begrüßen sei vor allem Die mit ihr erreichte größere Verein­heitlichung der Rechtspflege. Es fei eine ganz ungeheuerliche Uebertreibung, wenn in Der Ein­gabe des Richterbundes behauptet wird, daß der rechtsgelehrte Richter und Anwalt mehr oder minder von Den Arbeitsgerichten ausge­schaltet sei. Tatsächlich werbe Der ordentlichen Gerichtsbarkeit durch das neue Gesetz gar nichts genommen.

Oberster Zweck Der Arbeitsgerichte fei die schnelle Herbeiführung von vergleichen.

Darum sei auch die Ausschließung der Anwälte in der ersten Instanz nid)t* bedenklich. Der Redner spricht Die Erwartung aus, daß Die Arbeitsgerichte zu einem wichtigen Faktor Des inneren Friedens werden mußten.

Abg. Dr. Pfeffer (D. V.) sieht in Dem Ent­wurf einen Fortschritt gegenüber der bisherigen Rechtsprechung. Im Interesse des Arbeitsrechts elbst hätte man aber auch die Arbeitsgerichte e r - ter Instanz an die ordentlichen Gerichte angliedern ollen. Die Rechtsanwälte mußten in erster Instanz wenigstens bei berusungsfähigen Objekten zugelassen werden. Ferner beantragen mir Anwaltszwang in der zweiten Instanz und nur daneben Zulassung der Derbandsvertreter. Besondere Bedenken hiben wir gegen die Mitwirkung der wirtschaftlichen Ver­bände bei der Verwaltung der Gerichte, well diese dadurch erschwert wird. (Hört, hört!) Die Beseiti­gung der Innungsschiedsgerichte bedau­

ern wir. Wir haben mit Erfolg wenigstens Fach­kammern für das Handwerk verlangt. Wir bean­tragen, daß aber daran nun auch die Innungen durch Stellung von Beisitzern beteiligt werden.

Abg. Dr. R a f ch i g (Sem.) eellärt sich mit Der Grundtendmaz Des Gesetzes einr erstanden, Das einen Fortschritt bedeutet. Hebet Einzelheiten könne man verschiedener Meinung sein. D e or­dentlichen Richter feien allerdings zu weltfremd. Dem helfe man aber nicht dadurch ab. dah man ihnen dieses ganze Gebiet vorenthalle und sie durch Gewalt zur Weltfremdheit erziehe. Ein TeU der demokrattschen Fraktion werde für Den deutschnationalen Antrag auf Angliederung an Die ordentlichen Gerichte stimmen. Streittgkeiten über Erfindungen sollten Den ordentlichen Ge­richten überlassen bleiben.

Abg. Beier (Wirtsch. Vgg.) sicht in Der Vorlage eine ungeheure Mehrbelastung Der Länder mit 20 Millionen ober mehr. Der Redner verlangt die Angliederung an Die ordentlichen Gerichte, die Herabsetzung der be- rufungsfähigen Summe auf 100 Mt. und die Zulassung von Anwällen auch in der ersten 3n- stcmz. Ganz unerträglich fei die Auchebung Der Önnungsfchiedsgerrchte.

Um 51/« Uhr vertagt sich das Haus auf Montag.

Der Protest der Richter- unö Anwaltschaft.

Der Deutsche Richtervund und der Deutsche Anwaltverein wenven sich ge­gen Die geplante Fastung ves viroeit»geria)is- ge,etzes in einer auvetwr^entiicy beachtenswerten Ert.arung, in Der es yeitzl:

Sic üeujajen R.cyter und Rechtsanwälle find ob oes Verkaufs oer Beratungen über den Entwurf eines.Zirbed-^cJcpLäge।eyeä aufs tiefne bestürzt. Wir verkennen durchaus nicht, Dag Del der Einrichtung ver mnitigen '^lrve.tsgellcyie o.e fojiaicn Örioruernijje und Auswtrt.un^en zu pru- ien uno zu beachten find. Wir hatten es aber für unerträglich, Daß Der Entwur,, Der nichts anderes i|i als ein Gerichtsverfassungs- unö Prozeßgei eh, lediglich un.er Diesen sozial- politischen Gesicytspuntten ausgestellt und be­handelt worden ist. Das hat zur Folge gehabt, daß Die Bedürfnisse Der Rechtspflege: Die Rechtseinhell und Die Rechtssicherheit, das An­sehen ver Gerich.e und die Autorität oes Richter- ipruches, so gut wie ganz außer Betracht ge­blieben find. Dieser ichwere Fehler in Anlage und Methode hallet Dem Entwürfe von Haus aus an, ihn hat auch der Reichstag bei Der Behandlung des Entwurfs nicht vermieden. Denn er hat diesen Zustizgesetzentwurf nicht seinem Rechtsausschusse, sondern dem Ausschüsse für soziale Angelegenheiten überwiesen, Der Die Vorschläge an ven Gesetzgeber nach ihrer so­zialpolitischen Bedeutung zu prüfen hat, Der aber weder nach seiner Aufgabe noch nach seiner Zu­sammensetzung geeignet erscheint, bei jener Prü­fung auch Die Bedürfnisse Der Rechtspflege zu beachten und zu wahren.

Schon gegenüber Dem Aegierungsentwurfe hatten Richterschaft und Anwaltschaft in vollster Einmütigkeit Der Herauslöfung Der Ar­beitsgerichtsbarkeit aus Dem bestehenden ein­heitlichen Organismus Der Gerichtsverfassung ent­schieden widersprochen, well sie von ihr eine Verschlechterung auf beiden Gebieten, so­wohl in Der ordentlichen als in Der Arbeits­gerichtsbarkeit, befürchten. Diese Befürchtungen verdichten sich zur Gewißheit angesichts Der hart­näckigen Bestrebungen, das Gebiet Der Arbeits­gerichtsbarkeit zu erweitern und Den Arbeits­gerichten auch Die Zuständigkeit für Angelegen­heiten zu übertragen, die mit Arbeitsrecht nichts zu tun haben.

Statt Der von allen Sachverständigen ge- forber.cn völligen Einfügung Der Arbeitsgerichte in Die Organisation Der ordentlichen Gerichte ist Planmäßige Ausgliederung aus Der 3ustiz- verfassung erfolgt. Bei Der Zusammensetzung der Gerichte ist das Endziel der völllgen Au s - schaltung des r e ch t s g e l e h r t e n Rich­te r t u m s bedrohlich nahegerückt, Die Beteili­gung des Laienelements erweitert worden. Die Umgrenzung des Perfonenkre'lles, aus Dem Die Laienrichter entnommen werden, ist durch das Mittel Der Vorschlagslisten in Die Hand Der wirtschaftlichen Vereinigungen Der Arbeitgeber und Arbeitnehmer gehegt worden. Die Ausschal­tung der Anwaltschaft ist nahezu durch- gesührt; selbst Der vom Entwürfe im Interelle einer gedeihlichen Rechtsprechung noch vorgesehene .Anwaltszwang für die zweite 3nstanz ist durch die Ausschußbcschlüsfe tatsächlich be'eitigt worden. So werden Die Arbeitsgerichte zu Organen ge­bildet, in Denen rechtswissenschaftliche Vorbildung und rechtspraktische Erfahrung einen Boden nicht mehr haben, Unabhängigkeit und Tinpartttlichkeit des Richterspruches durch wirtschaftliche und politische Bedingtheit erseht werden, Derantwortunasge'ühl und Standeszucht der be­rufsmäßigen Rechtsverteetung dem Spic'e unge­eigneter ober gebundener Intere'feivertretung weichen müssen. Selbst vor Dem höchsten Ge­richte macht dieser Ansturm gegen das Sach- verständigene'ement in der Rechtspflege nicht halt: auch in den Reichsarbei.'s-erichtssenawn soll das Laienelement überwiegen, und diese mit Laien besetzten Senate sollen im Reichsgerichte, auch in seinem Plenum, in völliger Gleichstellung mit den Zivilsenaten wirken.

Die deutschen Richter und Rechtsanwälle er­heben Einspruch gegen die bisherige Art der Behandlung, die dem Entwürfe durch die Reichsregierung und durch das Parlament zu­teil geworden ist, und verlangen, daß an der weiteren Arbeit in allen verfassungsmäßig damit befaßten Instanzen die für die Mteric sach­verständigen 3uriften maßgebend beteiligt wer­den. Dem Herrn Reichsjustizminister als dem Verwalter Der deutschen Rechtspflege obliegt Die Pflicht, sich m't der ganzen Kraft seines hohen Anlles einrus?tzen. um Die deutsche Rechts­pflege von dem Abgrunde zurückzureißen, an des­sen Rand sie heute am Vorabend der Feier sünkziojähriger Bewährung des großen Werkes des 3ahres 1879 geführt worden ist.

Leipzig, den 25. Rovrmber 1926

Der Deut che Richterbund Reichert, Senatspräsident, Vorsitzender. Der Deutsche Anwaltbereia

Dr. M. Drucker, Iustizrat. Vorsitzender.

1. an Die Hauptunterstützun^empfänger an­der Erwerbslosenfürsorge, soweit sie über 26 Wochen erwerbslos find, ein Betrag in Höh« einer halben Wochenunterstützung:

2. an Die Empfänger von Renten aus bet 3nvalidenverficherung ein Betrag von je 6Rm. auf jebe 3nvaliden-, Witwen- und Witwerrent^ und von je 3 Rrn. auf jede Waisenrente:

3. an Die zum Empfang von Kleinrentnerfür­sorge berechtigten Personen ein Betrag von je einem Drittel Der Monatsunterstützung.

Eine Tagung der Wirtfchaftspartei.

Berlin, 11. Dez. <WTB.) 3n der im Preußischen Landtage abgehaltenen Tagung des Reichsausschusses Der Reichsgartei des deutschen Mlltelstandes erstattete Reichstagsabgeordneter Drewitz das Referat über die allgemeine Lage. Der Redner führte u. a. aus: Wenn der deutsche Mittelstand keine Freude am heutigen Staate hat, so ist damll nicht gesagt, dah ihm der heutige Vollsstaat nicht gefalle. Eine Freude am Staate wirb er erst bann haben, wenn bieser Staat ein wirklicher Vollsstaat geworden ist. Der Red- ner erhob die Forderung: Schafft erst einmal Den wahren Vollsstaat mit sozialer, wirt­schaftlicher und politischer Gleich­berechtigung. Durch das jetzt vorliegende Arbeitsgerichtsgesetz werde mit einem Federstrich alles beseitigt, was sich der gewerb­liche Mittelstand erhalten habe. Weiter betonte der Redner, dah die Partei sich nicht dazu ge­brauchen lasse, um für oder gegen-?in- Miß­trauensvotum zu sttmmen, das von irgend­einer Parier aus agitatorischen Grün­den eingebracht würde. Bei Der Vergebung von Staatsstellen Dürfe man sich nicht von der Partei- zugehörigkeit. sondern von der sachlichen Eig­nung leiten lassen. Die Wirtschafts Partei for­dere ferner ein System, bei dem jeder Staats­bürger aus Grund seiner wirtschaft­lichen Leistungsfähigkeit Steuern zu leisten habe. Beteiligung des Reiches, Der Länder und Gemeinden an wirtschaftlichen .Unternehmun­gen müßten verhindert werden Die Mandats- träger Der Mittelstandspartei Der einzelne« Länderparlamente Dürften Die Etats nicht be­willigen, sondern müßten verlangen, daß der be­treff enbe Landesfinanzminister sich im Reich' at Dafür cinseht, daß die Zuschlagsrechte zur Reichseinkommensteuer so schnell wie möglich in die Tat umgesetzt würden.

2lus aller Welt.

Tschitscherin in Frankfurt.

Franksur t a.M., 11. Dez. Der russische Volkskommissar für auswärtige Angelegenh'ite^ ist in der vergangenen Rächt au6 Berlin hier eingetroffen und hat sich wegen seines Leidens in die Behandlung von Professor von R o o r D e n begeben. Ueber Die Dauer feines Aufenthaltes in Der Klinik des Professor von Rovrben ist zunächst noch nichts bestimmt.

Großfeuer bei Kassel.

Kassel, 13. Dez. (WTB. Funlfpruch.) 3n Dem benachbarten Dorfe Speele brach gestern abend Feuer aus. das ein Wohnhaus mit Gast­wirtschaft, ein Fabrikgebäude und mehrere Scheu­nen und Stallungen ergriff. Da sich die bren­nenden Gebäude in einem sehr eng gebauten Ortsteil befanden, so bestand die Gefahr, daß ein großer Teil des Dorfes Den Flammen zum Opfer fielen. Es gelang schließlich, das Feuer auf die obengenannten Gebäude zu beschränken, und den übrigen Teil des Dorfes zu retten. Die Ent­stehungsursache ist noch unbekannt-

Einbruch in die japanische Botschaft zu Berlin.

3n Der Rächt zum Sonntag Drangen in die japanische Botschaft am Platz Der Republik Diebe ein. Sie gelangten b i s in das Schlafzim­mer des Botschafters, Der noch bis 3 Hfjr im Bett gelesen hatte. Der Botschafter hatte wohl ein leichtes Geräusch gehört, ihm aber keine Be­achtung geschenkt. Rachdem er das Licht gelöscht batte, schlichen sich Die Diebe ein mb entwen­deten u. a. ein golvenes Zigarettenetui, ein Portemonnaie mit 1600 Mark Bargeld, ferner von der Flurgarderobe einen wertvollen Herrennerz­pelz, einen Sportpelz und einen Ulster. An wich­tigen Papieren ist ihnen D.r Diplomaten­paß des Botschafters in die Hinde gefallen. Die Diebe sind anscheinend sehr orlskun^ig gewesen.

Ein eigenartiger Eisenbahnunfall.

Ein eigenartiges Unglück ereignete sich am Sonntag auf Der norwegischen Rjukanbahn, auf Der ein aus zwei Personenwagen und zwei Güterwagen bestehender elektrischer Zug von einem furchtbaren Sturm um­geworfen wurde. 3nfolge des heftigen Stuo-. mes hatten Die meisten Passagiere auf Ersuchen des Schaffners Die Wagen verlassen. Diejenigen, die noch sitzen geblieben waren, erlitten alle Verletzungen. Als die Wagen umstürzten, entn stand ein Brand durch die Wärmeapparate. Zwei der Wagen wurden total, die beiden an­deren teilweise zerstört. Die Funken des Feuers zündeten dann einen in der Rähe gelegenen Bauernhof an, Der vollständig niebet- brannte, desgleichen ein Sägewerk.

Krönung der Berliner Modekönigi«.

Auf Dem am Sams'ag in Berlln in Der Berliner Philharmonie veranstalteten Mode­ball vollzog Oberbürgcrmejter Böß die Krö­nung Der neuen Modelönigin. Zur Königin wurde Hilde Zimmermann von der Firma Gerson gewählt. Den zweiten Preis erhielt 3rm- garD Harbacher und den dri ten Rodja ßatfa. Dem Ball wohnten auch die englische, die französische, die ungarische und die Wiener Modekönigin bei.

Explosion eines Oellankdampfers.

Mehrere heftige Explosionen auf dem auf der ^ube von Brooklin vor Anker liegenden Del« tantbampferAgvisom" erschütterten das Hafen­viertel von R e u y o r k. Zahlreiche Fensterscheiben gingen in Trümmer. Hunderte von am Wasser woh­nenden Familien flohen aus den Hausern. Die Mannschaft des Schiffes rettete sich bei der ersten Explosion. Das Schiff ist gesunken.

ttprvoraussage.

Roch vielfach trüb, stellenweise Rebrlniedev» schläge, sonst trocken.

Temperaturen normal, nachts um 0 Grad. Gestrige Tagestemperaturen: Marimum 4,5 Grad Celsius, Minimum 0,9 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur 1,4 Grad Celsius.