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Das grohe Würfelspiel.

(THactina IDllemat.)

Roman von Franz Laoer Kappu».

41. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Verwundert sah Carsten Martina an. Beide schüt­telten die Kopse.

Nur einen Moment stand Morell in Gedanken. Dann war es, als risse er sich zusammen. Nasch ver­abschiedete er sich.Ich habe einen interessanten Tumor auf dem Eis liegen. Und so ein interessanter Tumor duldet keinen Lniischub." Ohne ein weiteres Wort drückte er Carsten beide Hände.

Langsam schritten Carsten und Martina dem Ausgang zu.

Immer noch ein Rätsel, der Mensck", sprach Carsten leise. Jenseits des Gittertores starrte er einen Augenblick zu Boden. Gleich daraus reckte er sich und faßte Martina bei beiden Oberarmen.

Sie hätten an meiner Seite sein müssen, Mar- lina." Sein Atem ging schwer.Sie!"

Martina lächelte befangen.

Run sind Sie |a über dem Berg, Herr Car- sten. Niemand kann Ihnen setzt etwas anhaben."

Carsten wollte noch etwas sagen. Seine Lipoen wölbten sich vor und wurden wieder schmal. All­mählich gab der Druck seiner Finger nach. Langsam sanken seine Arme herab.Irrsinn, so etwas zu denken", murmelte er zwischen den Zähnen.Der helle Wahnsinn." Noch lange schaute er Martina in die großen, blauen Augen. Sein Gesicht zog sich zusammen und schloß sich wieder auf. Schließlich lachte er kurz und gewaltsam.Ich armer Slarrr

Herr Carsten!"

Leben Sie wohl, Fräulein Martina. Der liebe Gott schütze Sie!"

Mit abgewandtem AnUiß stieg Carsten in sein Auto und fuhr davon.

Martina ging an ihre Arbeit.

Es war viel zu tun in diesen Tagen. Nie noch halle der Krankenstand so sprunghaft gewechselt. Plötzlich wollten die Ausweise nickt stimmen. Unge- duldig wartete der Bote der Aufnahmekanzlei auf Bescheid. Genau mußte man wissen, wieviel Betten nachmittags frei würden.Einen Augenblick, Herr Dickelmann."

Martina holte sich im Rachbarzimmer Rat. Zwei Herren und xroei Damen saßen in dem engen Raum beisammen. Nur widerwillig blätterte der Jüngling mit der Hornbrille ih den Morgenraoporten der Abteilungen. Widerwillig langte er nach dem Tele- ohonhörer und erbat Auskunft über den Stand im Infektionspavillon. Die Schreibmaschinen beim Fenster stockten sekundenlang. Mißgünstige Blicke flogen auf. Alle vier nahmen cs Martina übel, daß sie nebenan immer noch allein saß. Dabei war ihr Zimmerchen kaum breiter als ein Korridor.

Endlich hatte Martina die Daten beisammen. So, Herr Dickeimann."

Die Papiere auf dem Schreibtisch häuften sich. 8ur einen Moment steckte Herr von Müller sein ver­ärgertes Gesicht durch die Tür. Zum dritten Male hatte Doktor Haberland das neue Verbandszeug urgiert. Ob man die Materialverwaltung weiter schlafen lassen wolle?

Martina klingelte die Materialverwaltung an.

Herr Bösbauer schmollte. Seit jede Bestellung in der Direktion gegengezeichnet wurde, spielte er den Beleidigten. Martina beruhigte ihn, so gut sie konnte: irgendwelches Mißtrauen komme doch nicht in Frage! .Wir alle müssen uns den neuen An­ordnungen fügen."

Zwei Uhr war länaft vorbei, als Martina zum Sveisen ging. Zum erstenmal fühlte sie etwas wie Abspannung. Die Worte Carstens fielen ihr ein. Um diese Arbeit beneidete er sie? Was war das eigenb lich für eine Arbeit,so mitten im Getriebe"? Man schrieb Ausweise, addierte endlose Ziffernkolonnen, konzipierte Briefe, schlug sich mit überempfindlichen Menschen herum: nicht zu verstehen war auf einmal, daß das bisher befriedigt hatte.

Die Zeitung in der Hand, sah Morell bei Vater Abel an dem gewohnten Platze. Leer stand bas Bierglas vor ihm.

Martina verspürte leichten Schwindel, als Mo- teils Rechte ihre Finger umschloß. Sofort sprang eine Frage von ihren Lippen.War das Ihr Ernst, heute vormittag?"

Noch einen Blick warf Morell in die Zeitung. Lanasam faltete er darauf bas Blatt.Mein voller Ernst, Fräulein Wilemar." Ruhig fah er sie an.Es muß leiber sein."

Schweigend Martina. Ader schon nach we­nigen Bissen schob sie den Teller von sich. Plötzlich

ahnte sie, was i^rr Dcrftimmung bedeutet hatte. (Eine Smpfinbung ffleg hoch, die das Herz erstarren machte. Nicht im Schlafe dursten solche Gedanken kommen. Die Welt müßte aus den Fugen gebent wenn das unbestimmte Gefühl recht behielte. Alles stürzte dann zusammen.

Furchtsam schaute Martina auf.

Besser heute als morgen", sagte Morell.

Alle Kraft holte Martina aus sich. Alle Kraft brachte ein weißes, verzerrtes Lächeln zustande. Alle Kraft formte die Worte:Sie haben recht, Doktor Morell. Sie inüffcn nach München. Ihrer Zukunft sind Sie das fchuldia."

So ist es", bestätigte Morell.

Eine Pause folgte.

Martina winkte Vater Abel heran und bezahlte. Geben wir doch." Schon stand sie bei der Tür.

Vor dem Viadukt verkürzte Morell die Schritte.

Wir wollen es schmerzlos machen, Fräulein Wilemar", sprach er mit einem Anflug von Ironie. Heute ist ein gottsjämmerlicher Tag. Uns beiden hat der gute Carsten den Appetit verdorben. Schließ­lich ist das Herz doch nicht nur ein Muskel mit vier Kammern und etlichen launischen Klappen." Morell lächelte kaum merklich.

Es sollte aber nur so ein Muskel sein", sagte Martina, in sich versunken

Sollte?" Morell beugte sich vor. Es war, als wollte Martina niemals erwachen.Wir müssen die Ding* nehmen, wie sie sind. Und müssen den Dingen klar in bas Antlitz schauen. Tun Sie bas, Fräulein Wilemar?"

Welchen Dingen, Doktor Morell?"

Dom Herzen ist doch die Rebe."

Natürlich vom Herzen."

Nur einen Moment suchte Maxell nach Worten. Ich setze voraus, baß Sie den mtrtroürbigen Mus- fei, soweit er nur Muskel ist, einigermaßen kennen. Aber ble anbere Funktion: bie scheint Ihnen weniger geläufig zu sein."

Ohnmächtig hob Martina bie Schultern.

Auf einmal ergriff Morell ihre Hanb.

Schwäche sank auf Martina.^Wie in Nebel fühlte sie sich gerissen.

Also so ist bas beim Herzen", sagte Morell langsam.Der Arzt unterscheibet Haupt- unb Neben­geräusche. Dasselbe nimmt der bentenbe Mensch wahr. Auch er kann bie beiden Geräusche gut aus»

einanberbatttn, wenn er aufmerksam tn sich hinein- horcht." Fester preßte er die Finger Martinas.

Die andere Funktion meinen Sie jetzt?" fragte Martina und fühlte, wie sie einem Abgrund ent­gegentrieb

Morell nickte, lächelte und nickte wieder.Aber nicht alle Menschen denken so klar. Viele bekommen a mit der Angst, wenn sie das leiseste Nebengeräusch hören. Diel Unglück ist dadurch über die Welt ge- kommen."

Diel Unglück", wiederhotte Marttna. Nur das eine Wort haftete. Doch das Wort war ein Signal. Langsam kehrte die Besinnung wieder.

Morell fuhr fort:Nicht jede Stimmung ist wichtig. Nur Kinder und Schwächlinge lasten sich von Stimmungen mitreißen. Das sind nämlich die Nebengeräusche: die Stimmungen, die kommen und gehn. In der Regel haben sie nicht viel zu sagen. Es wäre denn

Es wäre denn?"

Morell gab ihre Hand frei. Ernst wie nie blickten seine Augen.Daß die Nebengeräusche sich ver- stärken, daß sie bie Hauptgeräusche zu übertönen drohen." Sein Antlitz furchte sich plötzlich.

Und was ist dann, Doktor Morell?"

Alarm", antwortete er sonderbar kühl.Dann muß etwas geschehen."

Groß schaute Martina um sich. Nun wußte sie, wie es um sie stand. Nun war ausgesprochen, was das Herz bedrängt hatte. Morell hatte es gesagt. Morell konnte in ihrer Seele lesen. Man mußte ihm danken.

Ich danke Ihnen, Doktor Morell", sprach Mar­tina, als man vor dem Verwaltungsgebäude aus- einanderging.Ich danke Ihnen sehr, Doktor Morell!"

Er lächelte wieder.

Wie ein Panzer schnürten die Stunden Mar- tina ein. Das schmale Zimmer war eine Kerkerzelle. Die Arbeit wurde zum Feind. Mit Übermenschucher Kraft rang Martina ihn nieder.

Um halb sieben wartete Benno in seinem Auto auf dem Alexanderplatz. Es war ein alter Kasten, der eben noch lief. Das Taxiunternehmen wußte gut, mit welchen Wagen feine neuen Chauffeure los­ziehen durften.

Verdrosten wurde Martina begrüßt.

(Fortletzuna folgt.)

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Bekanntmachung betr. Volksabstimmung am 5. Dezember 1926 über die Auslösung des 3. hessischen

Landtags.

Die Stimmkartei für die zur Volksab­stimmung am 5. Dezember 1926 über die Auflösung des 3. Hessischen Landtags in der Stadl Gießen mit Gemarkung Schif­fenberg und Herrnwald stimmberechtigten Personen, liegt vom Sonntag, dem 14. bis einschließlich Sonntag, den 21. November 1926, im Stadthaus, Bergstraße 20, Zim­mer Nr. 13, zu jedermanns Einsicht offen, und zwar werktags von 81 Uhr und nachmittags von 364 Uhr, am Sams­tag von 81 Uhr vormittags, an den beiden Sonntagen nur von 91 Uhr vor­mittags. 92873

Einsprüche gegen die Richtig- und Voll­ständigkeit der Stimmkartei sind inner­halb der Offenlegungsfrist bei Meldung des Ausschlusses, bei dem Oberbürger­meister (Waylamt, Stadthaus, Berg­straße 20, Zimmer Nl. 13) schriftlich an­zuzeigen ober zur Niederschrift zu geben. Soweit bie Richtigkeit einer Pehauptung nicht offenkundig ist, sind Beweismittel beizubringen. Wird ein Einspruch nicht so- fort für begründet erachtet, so entscheidet über ihn der Kreisausschuß endgültig.

Stimmberechtigt ist, wer am Abstim­mungstage (5. Dezember 1926) Reichsan- gehöriger, 20 Jahre alt ist, in Hessen wohnt und nach der Volksabstimmungs- ordnung am Stimmrecht weder behindert noch von ihm ausgeschlossen ist. Abstim- men kann nur, wer in eine Stimmkartei oder Stimmliste eingetragen ist oder einen Stimmschein yat.

Gießen, den 12. November 1926. Der Oberbürgermeister. I. V.: Dr. Sei b.

Betr.: Bildung einer öffentlichen Was- sergenossenschast zur Unterhal­tung der in dem links der Lahn gelegenen Teil der Gemarkung Gießen in Flur 710, 12, 15, 2125, 27, 40 und Gemarkunas- teil Wißmar, Flur 1, gelegentlich der Feldbereinigung ausgeführ­ten Drainagen.

Bekanntmachung.

Auf die im Amtsoerkündigungsblatt des Äreisamts Gießen in Nr. 83 vom 15.10.26 veröffentlichte Bekanntmachung Hessischen Kreisamts Gießen vom 13. 10. 1926 mit obigem Betreff wird besonders hingewiesen. 93173

Gießen, den 8. November 1926 Der Oberbürgermeister.

I. V.: Dr. Ham m.

Arbeitsvergebung.

Für die Jclbtereinigung wiescck sollen auf der Bürgermeisterei zu Wieseck

Fuhrleistunaen zu . . . 720 Mk.

Drainagearbeiten zu . . 6514

Liefern von Pflöcken zu . 40 veranschlagt in einzelnen Losen, vergeben werden. 9332 D

Die Verdingungsunterlagen liegen auf Hess. Bürgermeisterei offen, wohin die Anaebote in Prozenten des Voranschlags verschlossen, mit entsprechender Aufschrift versehen, postfrei bis zum Eröffnungs- termin

Montag, dem 22. November 1926, vormittags 8j Uhr, einzureichen sind. Zuschlagsfrist 3 Wochen.

Gießen, den 10. Novemoer 1926.

Hessisches Kulturbauamt.

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Holzfubmission.

Aus den Waldungen der Gemeinde Großen-Buseck kommt folgendes Fichlen- Slammholz zum Verkauf:

Los 1: 3. Kl., 15,64 fm

Los 2: 4. Kl., 2,37 fm

Los 3: 5a-Kl., 34,64 Im

Los 4: Stz-Kl., 40,94 fm

Das Holz ist entrindet und aus der Fäl­lung Winter 1925/26. 9281D

Die Angebote find verschlossen, nach Losen getrennt, bis Aim Dienstag, dem 16. November 1926 mittags 1 Uhr, bei der unterzeichneten Bürgermeisterei ein­zureichen, wo anschließend die Eröffnung erfolgt. Die Verkaufsbedingungen wer­den im Termin bekanntgegeben, auch können dieselben vorher bei uns einge­sehen werden. Das Holz lagert an guten Abfuhrwegen | Stunden von der Bahn­station Großen-Buseck entfernt und wird auf Wunsch durch Förster Wagner, Gro- ßcn-Buseck, vorgezeigi.

Großen-Buseck, den 10 November 1926. Hessische Bürgermeisterei.

___________Gans._________

Mk - MkMM.

Mittwoch, den 17. November 1926, vormittags 11 Ahr, tollen auf dem Hofe des Marstallgebäudes, Mathildenplah 17. dahier, zehn ausgcmuflerte Landgestüts­beschäler (8 Belgier und 2 Olbenburger). zwischen 9 und 17 Jahre alt. gegen gleich bare Zahlung öffentlich versteigert werden. Sämtliche Pferde, darunter 3 Gewanne Belgier, sind eingefahren und fromm im G^fckirr. Ein Belgier.Hengst wird unter derDedingung des sofortigen AbschlachlenS versteigert. 9315id

Darmstadt, den 9. November 1926.

Hessische Landgestuls-Direktion.

Schörke.

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