Samstag, p. November 1926
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Nr. 267 Drittes Blatt
Kulturelle Verkehrswerbung
schiebensten Gebieten der Wissenschaft gehalten
werden, unsere hessischen Maler und Bildhauer
treten, es wäre wohl auch von Interesse, bei
der und und uns
man un»
Reklame Hilst nicht nur dem Kauf- Hilst auch dem Publikum.
_______, _________ Mle diese Wandlungen haben sich aus De- könnlen mit ihren Werken vor die Oeffentlichkeit | dacfsweckung und Bedarfsumsormung ergeben. Alle fmi> auf „Reklarn e" zurückzuführen, auf
dünkt, ist dem anderen alltägliches Bedürfnis. Alledem hat die Reklame des Kaufmanns Rechnung zu tragen Die Wendel sich tagaus, tagein, in den mannigfaltigsten Formen an das Heer der Käufer, und diese Käufer finden dank dieser ausgedehnten Reklame — ein ungeheures Feld zur Befriedigung ihrer Wün'che
Richt nur der moderne Kaufmann, sondern auch der moderne Käufer muh sich immer wieder daran erinnern, baß erst die Reklame dem Wettbewerb die Grundlage gegeben hat. trotz der riesenhaft angefchwvllenen Devolkerungs- ziffern die Lebenshaltung der Allgemeinheit zu verbessern. Technik, Verkehr, Welthandel, Weltproduktion, Güterverteilung — alles bedurfte erst der Bereitwilligkeit der Menschen zur Annahme und Ingebrauchnahme der neuen Dinge. Diese innere Einstellung ist erst durch Reklame geschaffen worden. Unb da die Dinge ständig im Fluh sind, können auch alle weiteren Fortschritte nur mit Hilfe der Reklame erreicht werden.
Weder Kaufmann noch Publikum kann heute ohne Reklame fertig werden. Die ist zum Antrieb unseres gesamten Lebens geworden, und mag sie gelegentlich auch Auswüchse auswclsen, ihre preisverbilligende und qualitätshebende Wirkung sollte sich jeder
vor Augen halten. Reklame tarnt sich aber nur da bezahlt machen, wo gute Waren oder Dienstleistungen zu angemessenen Preisen geboten ^werden. Die mann, sie
Kaufmann, Reklame und Publikum
Don Wilhelm Heidelberg, Berlin.
oder Kakao? Seit wann tragen wir baumwollene Kleider? Oder auf anderen Gebieten: Seit wann telegraphieren und telephonieren wir mit und ohne Droht? Seit wann haben wir Dampfschiffe und Eisenbahnen? llnö so in tausend anderen Dingen kann man immer wieder fragen: Seit wann?
Rur ein Schüler wird stolz uns die genaue Jahreszahl entgegenrufen wollen. 3n Wirllichkeit ist die Jahreszahl ja ganz belanglos und nebensächlich. Denn alle diese Dinge und unzählige andere, ja alles, was uns umgibt, wurde erst in bem Augenblick zu etwas, in dem die Umformung des Geschmacks und die Erweckung des Bedarfs den Gebrauch dieser Dinge zu einer Selbstverständlichkeit gemacht hatten. Rehmen wir zum Beispiel den heutigen Sport. Welche. Menge an Sportartikeln, Ausrüstung und Kleidung wird dafür benöttgt. Am stärksten zeigt sich der Wandel bei der Frauen- mode. Woher weih eine Frau, was „man“ trägt? Sie lieft, sieht und hört es überall. Eine Wirkung hat es aber erst, wenn die einzelne be- schlieht, es mitzumachen. Ihr persönlich ist es nur die Befriedigung eines Wunsches mit der Zeit mitzugehen. Im Haushalt haben wir den gleichen Wandel. Wo kannte man früher in einfacheren Häusern Gas oder elektrisches Licht? Wasserleitungen und Kanalisation sind uns heute so selbstverständlich, dah wir Gegenden, wo es das noch nicht gibt, mit Verwunderung und Bedauern betrachten. Welche Hausfrau ist heute nicht glücklich, einen Staubsauger als neueste Erwerbung ihrer Freundin vorführen zu können Vielleicht wird man Staubsauger in wenigen Iahren als ebenso selbstverständlich betrachten, wie heute Wasserleitung, Gas und Elettrizität.
gibt einer Sache ein ganz anderes, vorteilhafteres ßcprägel Die Stadtverwaltung muh bei ■em immer lebhafteren Wettbewerb der Städte auf dem Gebiete der Verkehrswerbung künftig stärkste Initiative zeigen und alle geeigneten und arbeitswilligen Kräfte der Einwohnerschaft vor diesen Wagen spannen. Es handelt sich dabei auch um eine Lebensnotwendigkeit unseres Gemeinwesens! Einladungen der Stadt zum AbhoMen von Tagungen in Gießen müssen noch int Laufe des Wtnters an Verbände, kulturelle Vereinigungen usw. ergehen. Regste Werbearbeit ist namentlich auch in den benachbarten Bädern zu pflegen, do aus dem Kreise der bortigcn Kurfremden wohl am ehesten ein sehr reger Besuch unserer Stadt und ihrer Veranstaltungen erwartet toer.cn kann. Zu diesem Zwecke ist auch für die Ausgestaltung der Fahrverbindungen mittels Eisenbahn und Kraftwagen alles zu tun, was nut irgendwie möglich ist. Wenn alle berufenen und geeigneten Kräfte unseres Gemeinwesens unter energischem Dor- anschreiten der Stadtverwaltung tatfroh und unermüdlich um die kulturelle und wirtschaftliche Verlehrswerbung für unsere Stadt bemüht bleiben, bann wird der Ruhen dieser Arbeit nicht fehlen. Erfolgversprechende Möglichkeiten haben wir genug in der Hand, nutzen wir sie!
In welchem Umfange die Erweckung Rachfrage feit Jahrhunderten erfolgt ist unausgesetzt weiter ausgeübt werden wird ausgeübt werben muh, bessen finb wir oft sehr wenig bewußt. Gerade Dinge, die täglich vor Augen hat, scheinen uns oft veränberlich, während der Wechsel bet Zeit bei ihnen in allererster Linie sich offenbart. Unsere Nahrungsmittel, unsere Genußmittel. unsere Kleidung, unsere Wohnungseinrichtungen — welchen fielen Wandel haben wir Menschen da in wenigen Jahrhunderten, ja oft in ein paar Jahrzehnten oder sogar in zwei, drei Jahren erlebt Hinterher etfdjeint freilich alles selbstverständlich. Dieser Wandel beruht aus Umstellung des Bedarfs und diese Umstellung ist Folge der Empfehlung der Lieferanten der neuen Güter und Weiterempfehlung durch die ersten und die weiter hinzukommenden Abnehmer und Verbraucher. Ein paar Beispiele: Seit wann essen wir Kartoffeln? Erst einige Jahrhunderte nach der Entdeckung Amerikas kamen die ersten Kartoffeln nach Europa. Kein Mensch wollte sie haben, niemand sie essen Erst aus Betreiben einflußreicher Machthaber kam die Kartoffel zum Anbau bei uns. Aber noch lange Zeit bauerte der Wiberstand an Bis einer bem anderen sie „empfahl“ als lohnenb für den Qlnbauer und bekömmlich für ben Esser. Seit wann rauchen wir Tabak? Seit wann trinken wir Kaffee ober Tee
schon bem Gießener Stabltheater und weiteren Kreisen der Provinz Oberhessen eine enge Der- I Bindung durch Fremben-Dorstellungen im hiesigen Theater herzusrillen, also kulturelle Verkehrswerbung zu treiben, deren Ergebnis in künstlerischer Hinsicht der Bevölkerung Oberhesfens. in wirtschaftlicher- Beziehung aber dem Stabttheater zugute gekommen wäre. Unser Vorschlag wurde von führender $ beaterfette warm begrüßt, die Mltarbe.t bei der Verwirklichung des Gedankens zugefagt. aber geschehen ist leider bis heute noch nichts. Inzwischen ist man von Frankfurt aus werbend für Fremden-Vorstellungen in den Frankfurter Theatern in Gießen und in der ganzen Provinz erschienen, überall hängen die Werbeplakate aus, und es kann wohl angenommen werden daß die Frankfurter Arbeit aus Gießener Kosten nicht ohne Erfolg bleibt. Eine gute Gelegenheit zu kultureller Werbearbeit von Gießen aus ist jetzt bedauerlicherweise verpaßt Bei dem hoben Stande des geistigen Lebens in unserer Stadt und bei der Vielseitigkeit I seiner Triebkräfte wäre aber auch an kulturelle Tagungen der verschiedensten, Art zu denken Die Dolkshalle, für deren Vervollkommnung in den nächsten Monaten noch viel zu tun ist, b etet Raum für große Veranstaltungen: soweit solche nicht in Betracht kommen, dürfte sicherlich die Reue Aula unserer Landes- Universität gern zur Verfügung gestellt werden In dieser Beziehung mühte die Gießener H o ch s ch u l g e s e l l s ch a f t vor allen Dingen auf bem Platze der Werbearbeit erscheinen, ja sie müßte n E. mit an vorderster Stelle stehen Es unterliegt keinem Zweifel, daß von großen kulturellen Tagungen oder sog. Kulturwochen, deren Träger die geistigen Kräfte unseres Gemeinwesens wären, ein starker Teil des ideellen Gewinnes auch auf die Landesuniversität entfiele. Wir haben erst vor einigen Monaten unliebsam empfunden, daß man draußen im Reiche leicht geneigt war. für unsere Universität, als einer „kleinen", den ©rabgefang an zu stimmen Nichts ist verkehrter als dies. Unsere Universität fühlt sich in keiner Weise lebens- oder schaffensmüde, und auch der Staat und die Stadt Gießen tun bas Bestmögliche für ihre LanbesUniversität. Es würde der richtigen Einstellung der Zeitgenossen draußen im Reiche besonders dienlich sein, wenn die Gießener Hochschulgesellschaft mit Unterstützung der geistigen Kräfte unserer Stadt Veranstaltungen in der oben kurz bezeichneten Art schüfe. Zweckmäßigerweise dürfte sich die Verbindung mit ben in Betracht kommenden Verbänden und Vereinigungen im Reiche empfehlen, an denen man nicht nur einen Rückhalt hatte, sondern die auch dem ganzen Werk ben erforderlichen Widrihall in der breitesten Oeffentlichkeit gewährleisten könnten Manche Verbundenheit mit unserer Landesuniversität könnte zu deren Vorteil bei solchen Gelegenheiten geschaffen werden, die auf lange Zeit hinaus von Nutzen sein würbe, und andererseits erführe auch das wirtschaftliche Leben in unserer Stadt durch bor- artige Veranstaltungen einen Auftrieb, der mitzunehmen wäre. Die auf die Pflege ber geistigen Interessen gerichteten Vereine und selbstverständlich auch der Verkehrsverein müßten mit der Hochschulgesellschaft zusammenarbeiten, damit die Werbetätigkeit auf die breiteste Grundlage gestellt würbe. Eine solche Zusammenfassung aller Kräfte könnte auch noch in weiterer Hinsicht wirksam werden. Man kann sich z. B. eine ganz ausgezeichnete kulturelle Werbearbeit durch das Zusammenwirken von Kun st unb Wissenschaft benken. Hierbei mühten natürlich der Oberhessische Kun st verein unb die berufenen Persönlichkeiten der Kunstpflege in hervorragendem Maße mit an die Arbeit gehen. Eine dankbare Aufgabe wäre wohl, um einen detaillierten Fingerzeig zu geben, un nächstjährigen Sommer eine Gießener Kulturwoche mit bem Generalthema „Wissenschaft unb Kunst in Hessen" zu veranstalten. In diesem Rahmen konnten Vorträge aus den ber»
Wirtschaft.
Börse unb Geldmarkt.
Das Dörsenpenbel hat am Mittwoch zum erstenmal stärker nach unten ausgeschlagen. Damit ist zur Tatsache geworden, was von aufmerksamen Beobachtern ber Börsenlage schon längst befürchtet wurde: ein scharfer Kurseinbruch, wenn sich erst einmal eine allgemeine Realisa- tivnsneigung burchgesetzt unb zugleich die Baissespekulation Oberhand gewonnen hat. Die Börse hat diesen Rückschlag zwar verhältrisn äßig schnell überwinden können, da bas Publikum sich nicht zu überstürzten Pofitionslosungcn verle.ten lieh, bürste aber an bem vorliegenden Beispiel gelernt haben, bah bei der jetzigen börsentechn scheu Lage (die groben Engagements bet Spekulation basieren zum größten Teil auf Le.hgeldrrn) unter Umständen ein leichter Anstoß zur völligen Wendung der Tendenz genügen kann. Der äußere Anlaß zu ber Flaute ist die kritische Entwicklung der parlamentarischen Verhältnisse im Reich unb die Tatsache gewesen, baß die Soz albemokraten zur Durchführung ber genehmigten ZJprozentigen Erhöhung ber Erwerbslosengeloer einen Antrag auf Heraufsetzung ber Dörsenumsahsteuer eingebracht hatten. In ber Tal würbe eine solche Erhöhung der Dörsensteuer für die Effektenmärkte möglicherweise sehr bedenkliche Wirkungen haben. Der Wiederaufbau des deutschen Kapitalmarktes, ber sich nicht zuletzt auf Grund ber günstigeren Entwicklung ber Aktienkurse in diesem Jahre in erfreulichen Dahnen vollzog, könnte durch eine neuerliche Hemmung ber Dörsenumsähe wieder arg zurückgeworfen werden. Das würde aber wahrscheinlich in feiner Wechselwirkung auf die Wirtschaft eine neue Verschärfung unserer Lage, geringere Finanzierungsmög'ichkeiten und damit schlechtere Wettbewerbsverhältnisse, sowie in deren Auswirkung größeren ^rbeits- mangel unb weitere Vermehrung ber Crwerbs- losenziffer bedeuten. Diese Gebankengänge dürsten auch die Börse bei ihrem vorübergehenden Pessimismus geleitet haben. Es ist daher zu begrüßen, dah eine direkte Panik durch die ruhigere 2luf-
solcher Gelegenheit Erzeugnisse der Odenwälder Elfenbeinschnitzer zu sehen, gute Konzerte mühten . __. .rr j. o k x„r । geboten werden, unb selbstverständlich wäre auch
Tank der vortrefflichen 3ufammenarbeit Xr Stadttheater gebührend in den Gesamt-
Stadtverwaltung mU beni ®ie&enet Verkehrs- raßmen Arbeit cinzubeziehen: vielleicht liehe verein und baut der ,^st^i "dm sv ollen Unter ganze noch durch eine heimatliche
stützung, die bmoen aus dem Kreise ^ hiesigen Trachtenschau vergröbern. Es sind also, tote Vereine weitgeh^ zutell wurde, konnte in dieiem , vielerlei Möglichkeiten gegeben, um
Sahre auf dem Geriete ber w ir t schaf 11 en auf hicfe Weise Die hohen geistigen Werte Verkehrswerbung sehr Beacht.nswertes unfercr 6laöt unt) bed 5jeff€n[Qnbes vor einem erreicht werden. Dabuich hat bas « breiten Publikum darzutun. Dadurch kann zur
leben unserer Stabt eme erwünschte ^rugtung ^Nehrung des Ansehens unb ber Geltung unseres erfahren. Wenn auch nicht I * r ^schaftsmamn Gemeinwesens unb zur wirtschaftlichen gorbc- vder Gewerbetreibend unmittelbar aus den ber Dürgergesamtheit ebenfalls viel ge-
erschlossenen, Einnahmequellen LJ?nn£ leistet werden. . 4
wenn auch diese ober jene Wirischaftsgmippe vor £ur Umsetzung dieser Gedanken in die Tat
übergehend einmal bemerken mußte baü bas braucht man natürlich nicht etwa einen neuen schüft an anderen Stellen lebhafter ging als im Verein zu gründen. Eine freie Vereinigung von
eigenen Bereich, fo darf doch nicht übersehen wer- ^ännem aus dem Kreise der interesfierten Ver
den, bah es bei der Stellungnahme zu dieser An- cine {ann Werl sehr gut zustande bringen, gelegenheit nicht auf Te lerscheinungen, sondern Allerdings ist die tatkräftigste Mit wir-
immer nur auf das Gesamtergebnis ankommt. (una t>er Stadtverwaltung notwendig!
Richtig ist: Don den Einnahmen durch guten ®e- ^ie £tübt muft U- bei solchen Veranstaltungen
schäftsgang auf ber einen Seite haben auch zah.- . T unbedingt führend sein. Es ist nämlich reiche andere Geschäfte und Privatpersonen im 6en Erfolg solcher Arbeit doch sehr toc- weiteren Kreis der Gescnntto.rtschaft Nutzen. De- fentlid), ob irgendein Privatmann ober eine trachtet man ben Gang der Entwicklung unter Vereinigung von Privaten, ober ob eine Stadt- diesem Gesichtswnkel. so hat man Grund, mit Verwaltung einlädt; die Einsetzung der toelt- dem Erfolg ber Arbeit im Jahre 1926 zufrieden aud gröberen Autorität der Letzteren zu sein.
In dem Plane der Drrkehrsworbearbeit. des Strebens nach Hebung unserer Stadt auf die ihr zukommende Höhe unb Allgemeinbeachtung im Reiche, llafft aber bi3 heute noch eine empfind- (iche Lücke Wir berm’.ffen bis jetzt noch eine -------- _
kulturelle Verkehrswerbung. Die , _ r. ,
Vorbedingungen zu einer solchen Arbeit unb Wir stehen alle, bewußt ober unbewußt ^nter deren erfolgreiche Durchführung finb hier in I bem Einfluß der R e k I a m e. Wer ba glaubt, auf weitgehendem Maße gegeben. Es kommt nur bar- ihn treffe das nicht zu, ber braucht 11$ nuc
auf aiC die vielversprechenben Möglichkeiten in zu fragen toiefo er feine Leoensmittel gerade n
der richtigen We se zusammenzufa'sm unb tat- jenem Geschaht kaufe oder warum er gerade bas
froh auszuschöpsen. Lensen wir unsere Blicke zu- unb bas Buch zu lesen wünscht oder warum er
nächst einmal — um das Wirken in ber engeren die unb die Theatervorstellung besuchen oder seine
Heimat vorweg zu nehmen — auf bas Stabt- Ferien in bem unb bem Ort »erbringen toll.
1 heater. Die guten Leistungen unseres Thea- Was wir auch zu unserem Lebensunterhalt oder
ters finb nicht nur in Gießen bekannt, in Mar- zur Lebenshaltung benötigen mögen, wir müssen
bürg, Alsfelb und selbst in Bad-Nauheim mit es durch Geldhingabe ober Arbeitsleistung er-
seinem Kurpublikum urte 1t man gleichfalls lobend werben. Dazu müssen wir wissen, w e r Venn
über bie (Siebener Theaterkunst. Gestützt auf diese überhaupt bereit unb in ber Lage ist, uns ge-
Anerkennung für unfer Theater hatten wir gen Gelbhingabe oder Arbeitsleistung die von uns
in unserer Nummer 73 vom 27. März in einem gewünschten ©ütetf zu liefern.
Artikel unter der- Ueberfchrift ..Theatergemeinde Diese Notwendigkeit, zu wissen, wo und bei Gießen-Oberhefsen" bi’ Anregung gegeben, atoi- | wem bie zum Lebensunterhalt unb zur Lebens-
Haltung benötigten Güter zu haben sind, wirb dringlicher, wenn biese Güter knapp an Mengen finb. Bei Uebersluß an Gütern fällt bie Nachfrage uno statt dessen haben wir steigendes An- gebot. Klima, Boden, Naturereignisse. Bevölkerungsbewegung, Beförderungsbedingungen u. a. finb bie Grundfaktoren, denen es zuzuschreiben ist, dah in den Ländern je nachdem von manchen Gütern Uebersluß vorhanden ist. während.andere fehlen Das auszugleichen übernimmt ber Welt- hanbel. Unb hier setzt schon im weit stärkeren Maße als bei dem ursprünglichen Verhältnis von Angebot unb Nachfrage bas ein, was unserer ganzen heutigen Lebensweise bie Grundlage gibt: Die Erweckung ber Nachfrage für bestimmte Güter, bie man abzugeben bat. Diele Einleitung auf das, was man abgeben will, ist in bem Begriff .Reklame" zufammengesaßt.
wird, nicht nur billiger durch geringeren Der- kaussspesenanteil unb geringeren Zinsvcrlust, sondern der schnellere Umsatz führt auch zur schnelleren Bezahlung des Lieferanten, zur Verminderung der Fabrikations- und Herstellungs- rosten. da nicht nur der Ladenkaufmann, sondern auch der Großhändler und Fabrikant der Ware weniger Verkaufsspesen und weniger Zinslast bei schnellerem Umsatz hat. Dann können auch die Rohstofflieferanten deS Fabrikanten billiger liefern. So wirkt eine erfolgreiche Reklame bis zu ben Produzenten zurück. So können Geschäfte es ermöglichen, zur Beschleunigung des Umsatzes die an sich schon scharf kalkulierten Verkaufspreise noch mehr herabzusetzen, wenn Saisonende es empfiehlt, ober auch nur ber Wunsch, die Lager für die schon bestellten und bald wieder hereinkommenben neuen Waren frei- zumachen. Ein durch auSgiebige Rellame in Schwung gebrachter Ausverkauf zu nie-
I brigen Preisen Ist kaufmännisch durchaus richtig. Denn damit hat der Kaufmann das f oft gelegte unb ihm keinen Verdienst bringende, aber vielleicht mit Zinsen belastete Kapital wieder frei für Einkauf neuer zeitgemäßer Waren. Das ist die naturgemäße Folge jeder ausgedehnten Reklame, daß sie nicht nur preisverbilligend, sondern auch g c - schmacksbe stimmend wirkt. So kann ste einen großen Markt unb Absatz für eine Ware 'chaffen. die vordem ganz unbekannt war.
Erst dadurch sind alle unsere modernen Ein-
I richtungen und unsere verbesserte Lebenshaltung und die Zusichr bis dahin unbekannter Waren möglich geworden. Die beste technische Erfindung gewinnt erst Leben, wenn sie zu Preisen
wiederholte unb eindringliche Empfehlung. Ist verkauft werden kanii, die ber Allgemeinheit ererbt ber Wunsch erweckt, etwas zu besitzen, dann schwinglich sind. Die Reklame, die ein Kaufmann teilt sich auch die Erwägung ein, wie der Wunsch macht, zwingt jeden Wettbewerber zur Ueder- verwirllicht werden könnte. Aus diesem Wege legung, wie er seine Waren nun in gleicher begegnen sich Kaufmann und Publikum und hierin I Qualität, aber billiger absehen könne, um sich liegt bie Macht der Reklame. Wer unter den nicht von bem anbeten von seiner Eristenzbasts Kaufleuten — habe er Waren ober Dienste unb verdrängen zu lassen. Wenn ganze Ge.chäits- Leistungen anzubieten — die Reklame in ber zweige gemeinsam daran gehen, mit Hi'.se aus- geschicktesten Form zu handhaben weiß, wirb ben I gedehnter Reklame einen Artikel ucu etnzusuh- tärksten Einfluß auf Erweckung des Bedarfs aus- ven, so kommt es zu Wettbewerben großen üben. Allererste Voraussetzung ist aber, bah bie Ausmaßes, bie unbebingt zu einer Verbilligung angebotene Ware ober Dienstleistung auch wirk- und Verbesserung des betrciicnben unb aller lich in Qualität unb Geschmacksrichtung den Wün- ähnlichen Artikel führen müssen.
chen der Nachsrage entspricht. Wohlverstanden: Das Wunschfeld des Käufers wird begrenzt
Eine Geschmacksrichtung kann auch geschaffen I von seinem Einkommen. Innerhalb bet Hohe werden, aber dann muß sie mit solcher Kraft I seines Lohnes oder Gehalts hat er vollkommen burchgesetzt werden, daß sie bestimmend nun ihrer- Freiheit, sich aus ben tausend Reklamean-eboten eits aus die Entwicklung des Angebots zurück» I das auszu^uchen, was sein H’tz begehrt. Wir wirkt und umwälzend werden kann. Datum wird Menschen sind ja alle so verschieben m unfe- es immer zu ben Ausnahmen gehören, baß eine ren Wünschen unb doch einig in dem Wunsche, Reklame sofort in größerem Matze wirkt. Sie glücklich unb zufrieden zu fein. Der eine ver- muh stetig und unermüdlich sein, kräftig zichtet gern aus D.nge, die dem andern unen.beht- und umfassend, um sich durchzusetzen. Alle Er- lich erscheinen. Mancher weih bei weit genn- fahrung lehrt, dah AugenblickLersolge nicht vor- gerem Einkommen mehr für Erfüllung 'einer halten. Wer heule von ber Konjunllurwelle Wünsche aufzubringen als ber andere mit hohehochgetragen wirb, ist morgen vielleicht schon von | rem Einkommen. Was bem einen noch Liikus einer neuen Welle beiseite getoor en. Darum kann es für ben Kaufmann nie eine Zeit geben, wo er keine Reklame mehr nölig zu ha. en glaubt. Nur ber Umfang und die Art seiner Reklame können sich änbenx. Mag in früheren Zeiten weniger schar e. W’ttbewerbs bie bloße Auslage von Waren im Schaufenster oder — noch weiter zurück — in halbdunklen Kellergewölben ober auf freiem Markt für Waren aller Art ausreichend gewesen sein, so hat sich die Geschmacksrichtung ber Käufer inzwischen sehr gewandelt. Die Ware soll nicht nur da sein, sondern soll in höchst- anregender Form angeboten werden. Daher die eleganten Gäben, großartigen Schaufenster, prächtige Herrichtung bes Ganzen und das geschulte Verkaufspersonal unserer modernen Spezialgeschäfte unb Warenhäuser. Wie stark wirkt das auf selbst die kleinsten Geschäfte auch ber alltäglichen Dinge zurück. Die gefälligere Aufmachung des Ganzen führt bei gleicher Qualität zu besserem Absatz. Zur gefälligen Aufmachung gehört auch die ganze äußere Rellame durch A n z e i - gen in den Zeitungen.
Hierin gipfelt die Bedeutung der Reklame für ben Kaufmann. Zugleich aber auch für das Eaufenbe Publikum. Denn „ohnehin" würde niemand zum Kaufen bereit fein, wenn nicht schon ber Wunsch in ihm schlummerte, diese Ware zu haben. Dieser Wunsch hat seine tiefere Ursache in dem Verlangen, im Geben vorwärts zu kommen, alle Verbesserungen irt der Lebensführung sich zu eigen zu machen, besser zu leben als früher, unb nicht zuletzt in dem Hang nach Neuem unb Unerprobtem. Die uns ständig vor Augen kommende Reklame hat dieses Wollen in den letzten Iahren so verstärkt, dah wir heute innerhalb weniger Iahre schnellere Umwälzungen haben als früher in Jahrzehnten. Diese schnellere Einführung bietet erst den Industrien und Verkäufern die Möglichkeit zu gewaltiger Umsah- fteigerung. Und das ist das Bemerkenswerteste an der heutigen Rellame, dah sie infolge der starken Wirkung auf Geschmacksrichtungen und Bedarf zu einem viel schnelleren Umschlag des in die Ware hineingesteckten Kapitals führt. Bei gleichem Kapital werden soviel mehr Waren im Iahre umgesetzt, dah der Kaufmann den Gewinn an der einzelnen Ware auf das niedrigste berabsehen und dabei doch am Jahresende einen höheren Gesamtgewinn aus seinem Geschäft haben kann. Die Aufwendungen für Reklame haben erst den schnelleren Umsatz bewirkt, und das ist das Wichtigste nicht nur für den Kaufmann, sondern auch für das kaufende Publikum, daß die Aufwendungen für Reklame die Ware nicht verteuert, sondern infolge des häufigeren Umsatzes des Kapitals zu einer Verbilligung ber Waren geführt haben. Wäre das nicht der Fall — wie mancher Rellamefeind leichthin behauptet — so müßte ja der Kaufmann, der keinerlei Reklame macht und seine Waren in der bescheidensten Aufmachung und im einfachsten Laden ausbietet, am Iahresschluh den größten Gewinn aufzuweisen haben. Er würde doch dann gut tun, alles so einfach wie bisher zu lassen. Im Gegensatz dazu sehen wir alle Tage, daß jeder Kaufmann, sowie er mir das Geld dazu auf bringt, feinen Gaben verschönert unb aus baut, seine Waren in immer gefälligerer Weise zur Schau stellt unb sie öfter in ber Zeitung antünblgt, um mehr Zuspruch und schnelleren Umsatz zu haben.
Ja — so mag mm jemand vielleicht fragen —, hat denn nun bie Allgemeinheit! ein Interesse baran, bah irgendein Kaufmann seine Ware schneller los wirb unb somit Geld schneller unb leichter verdient? Gewiß! so muß bie Antwort hieraus lauten. Einmal, wie oben gesagt, wirb jede Ware, die schnell umgesetzt


