Mittwoch, to. Gitober 1926
Gietzener Anzeiger (Seneral-Anzeiger für Gberheffen)
llr. 240 Zweites Blatt
— und endlich auch angesichts der kaum
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Ein
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wünschen.
486
dem Vater
schönem, vielsagenden Bündnis vereint.
TW 3n allen Gießener Buchhandlungen vorrätig.
Deutsche Landbuchhandlung G.M.H.H., Berlin SW 11.
Lin Roman.
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Neuauflage mit Bildern von Carl Bantzer und einer Einführung von Will Scheller.
Ganzleinenband 6 Mark. Vorzugspreis bis zum 31. Oktober 1926 4.80 Mk.
ein Heimatbuch und ein hessischer Bauernroman. Die großen und kleinen Kämpfe, die Freuden und Schmerzen dieser Dörsler sind wie das Abbild und Sinnbild einer viel größeren Welt, der wir alle angehören. Die vom Verlage aufs Beste ausgestattete Neuauflage ift geschmückt mit vortrefflichen Illustrationen des weit über Hessen hinaus berühmten Carl Bantzer; hier haben sich, wie Will Scheller in einer feinfühligen und warmherzig geschriebenen Vorrede zur Neuauflage sagt, der hessische Dichter und der hessische Maler zu schönem, vielsagendem Bündnis vereint. 555
— Frank Hhieh: Narren. Fünf Novellen. Engelhorns Nomanbibliothek. Ganzleinen 1,75 Mk. Verlag 3. Engelhorns Nachf. in Stuttgart. — Des Dichters Narren sind absonderliche Käuze, versponnen und verwirrt in die Fäden eines phantastischen Liebeserlebnisses, mit dem sie nicht fertig werden. Sie sind dem Leben nicht gewachsen, als es sie in ihrem schwächsten Punkte überfällt, und so geraten sie in die wunderlichsten Situationen. Etwas unheimlich und doch wieder ungeheuer lächerlich bewegen sich die Marionetten an des Dichters Hand und führen einen grotesken Tanz auf, der uns völlig in Bann schlägt und in uns die Vorstellung erweckt, als seien wir in eine Zauberkammer geraten. 485
Für den Büchertisch.
Jur Literatur- und Kunstgeschichte
— Arnold ällitz, Christine Munk. Noman. Preis in Leinen gebunden 7,50 Mark. Verlag von Albert Langen in München. — Mit hartem Griff faßt Arnold ällitz in diesem Noman „Christine Munk", in das schwärende 3nnere der Nachkriegszeir. Die Fabel: Bernhard Severin, der Dichter, der beim anti- republikanischen Putsch einen jungen Offizier erstochen hat, wird nach anderthalb 3ahren Gefängnis begnadigt und meint nur noch eine Sehnsucht zu haben. die nach einem einfachen stillen Glück, unter schlichten, guten Menschen. 3n einer meisterhaft geschilderten Arbeiter- und Künstlerkneipe findet er neue Freunde, findet durch diese sein Mädchen: Christine Munk. 3it diesem stillen Kinde, das aus dem Philistertum stammt, wächst eine ungeheure Liebeskraft, eine mittelalterlich-mystische Hingabe. Die Geschichte dieser Liebe g ehört zu dem Schönsten, was wir an deutscher Dichtung besitzen, diese Christine stellt sich ebenbürtig neben die höchsten Frauengestalten unserrer Literatur. — Bernhard Severin ist maßlos glücklich mit der Geliebten und sehnt sich nach Ehe und Häuslichkeit. Zugleich aber sehnt „es" sich in ihm nach ganz etwas äußerem als solchem bürgerlichem Glück. Alnt> als ihm ein Zeitungskonzern eine Weltreise anbietet, hört er jene Unterftimme zum erstenmal gebieterisch tn sich reden. Er widerspricht rhr, indem er bei der Geliebten um diese anhält und
innerung an die furchtbaren Tage unserer Geschichte, die Erinnerung an Versailles und alle seine Schrecken verbinden. 485
— Vorn alten Germanien zum
streitbaren Krise, in der sich das deutsche Theater der Gegenwart auch heute noch befindet. (3n ein paar 3ahren wird man die Situation klarer überschauen und deuten.) — Den Inhalt des Buches wiederzugeben, ist an dieser Stelle kaum möglich: es schreitet auf gedrängtem Naum durch eine Fülle von Problemen, die um das Theater sich schichten, historischer und aktueller Art: es gibt eine Fülle wohldurchdachter Gedankengänge über Werdegang, Ausdrucksformen und Möglichkeiten dessen, was wir heute Theater nennen. — Sehr gut gewählt sind die am Schluß zusammengefaßten Bildbeigaben, von befonderem Wert für das Ganze die kapitelweise angezogene, weitschichtige Literatur. — Es wäre noch manches über dies Buch zu sagen. Man muh sich hier darauf beschränken, *es in recht viele Hande zu
AlfreöDock
Die Pariser
^cr Roman stellt sich als ein Kuliurbild von packender Wahrhaftigkeit und Schönheit dar. Land und Jfl Leute erstehen vor dem Lefer in ihrer ganzen Ursprünglichkeit. Handlung reiht sich an Handlung in lebendiger Entwicklung, Sprache und Zwiefprache fließt, offener Mutterwitz sprüht. Nun gesellt sich Meister Bantzer hinzu, das Buch mit seiner Kunst zu schmücken. Man weih, daß er in der ganzen Cffielt als großer Künstler gefeiert wird. Der hessische Dichter und der hessische Maler haben sich zu
stehenden Forschers, dessen genialische Geistig- keit in stetem Kampfe liegt mit seiner Erotik, so daß sein Leben im ewigen Gegensatz zwischen den Polen Weib und Gedanke hin und her geschleudert wird, ziehen die Schicksale dieses Romans, der als Hintergrund einer Fülle von Handlung und Geschehen einen Teppich geistiger Gedanken und Erkenntnis breitet. „Der tolle Professor" ist eine Schöpfung bleibender Ein-
neuen Reich. Zwei Jahrtausende deutscher Geschichte. Von Richard du Moulin Eckart. Union Deutsche Verlagsgesellschaft, Stuttgart — Das gesamte Werk ist auf 16 Lieferungen berechnet, von denen, nach der bereits angezeigten ersten, nunmehr die Nummern 2 bis 5 vorliegen. Sie umfassen im wesentlichen die Abschnitte der Völkerwanderung, der Zeit Karls des Großen und seiner Nachfolger und reichen bis in die hohe Kaiserzeit hinein. Die Darstellung ist reich illustriert und legt besonderen Wert auf populäre Veranschaulichung der vorgetragenen Materie. 502
— Alt-Dorpat, Briese aus den ersten Jahrzehnten der Hochschule, herausgegeben von Wilhelm Stieda (Dd. XXXVIII der Abhandlungen der Philologisch-historischen Klasse der sächsischen Akademie der Wissenschaften. Verlag S. Hirzel in Leipzig). — Wilhelm Stteda der greise Nattonalökonom der Leipziger Universität, ist selbst Balte und in seinen jungen Jahren Professor in Dorpat gewesen. Seine ganze Liebe und Treue gilt auch heute noch dem Daltenland und seiner Hochschule, der vornehmsten Pflegstätte deutschen Geisteslebens im alten Zarenreich, aus deren Anfängen Stieda überaus interessantes Dokumentenmaterial publiziert. Der erste Teil der Abhandlung bringt Briefe des Fürsten Lieven, des zweiten Kurators der ilniDerfität Dorpat (fein Vorgänger war der bekannte „Sturm- und Drang"-Dichter Klinger). Die Briefe drehen sich in der Mehrzahl um die Berufung von Professoren, vor allem deutscher Professoren. War schon die Gründung der ilntoerfität selbst eine gemeinsame Tat der baltischen Ritterschaften, so war auch späterhin das Bestreben des Kuratoriums vor allen DinJtr darauf gerichtet, den deutschen Charakter der Hochschule zu erhalten durch Berufung reichsdeutscher Gelehrten. Daß dies, wenn auch ost unter großen Schwierigkeiten. gelang, zeigen diese Briefe des Kurators. Der zweite Teil des Heftes enthalt Dorpater Professorenbriefe. Ewers, der vielseittge Staatswissenschaftler, Parrot, ursprünglich ebenfalls Nationalökonom, dann Physiker, Lede- b 0 u r, Direktor des botanischen Gartens und einer der ersten Erforscher der russischen Flora, schließlich die beiden Mathematiker Bartels und Zauder senden Briefe zumeist fachwisfen- schaftlichen Inhalts oder Fragen der Uniüerfität betreffend an den ausgezeichneten Petersburger Mathematiker Nikolaus Fuß, den Schüler des berühmten Euler und späteren ständigen Sekretär der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, aus dessen Erbe sie an den Herausgeber gelangten. Sie geben einen Eindruck von dem hohen Stand deutschen Geisteslebens in den damaligen Ostsee- Provinzen und von dem durch und durch deutschen Charakter ihrer Hochschule. 371
— Carl Vogl: Peter Cheltschizki. Ein Prophet an der Wende der Zeiten. 269 S. 8°. Rotapfel-Derlag, Zürich und Leipzig. — Peter aus Cheltschizki ist ein heute so gut wie unbekannter, tschechischer Schwarmgeist, Reformator und Revolutionär des 15. Jahrhunderts. Das vorliegende, Gustav Landauer gewidmete Buch hat es sich zur Aufgabe gemacht, Persönlichkeit und Lehre dieses Peter der Vergessenheit zu entreißen, in der richtigen Erkenntnis, daß eine solche
5Mk. — Der Roman eines deutschen Abenteurerlebens, das namenlos in die große Welt des 18. Jahrhunderts eintritt, um sie nach einer unerhört bewegten und glanzvollen Laufbahn namenlos wieder zu verlassen. Mit einem Dries, der ihn tot- und lossagt von einem Familienleben drückender Enge, beginnt diese denkwürdige Laufbahn des Edelmanns Sophus Gabriel von Gereut. Ein Mord in Notwehr bricht vollends alle Drücken hinter ihm ab, und nun beginnt die Irrfahrt des Heimatlosen, die ihn zum Schmuggler, zum Soldaten, General und Günstling Peters des Großen von Rußland macht. Es sind Jahre eiiies vom Rausch und der Qual des Glücks begnadeten, von Ehrgeiz und Leidenschaft zerfurchten Lebens, das sich im ewigen Heimweh nach dem Abenteuer der Ferne verzehrt. Das dunkle, halb- 'asiatifche Rußland Peters ist die kriegerische Szene dieses Lebens. Die geniale Gestalt des Zaren und die große Frauennatur Katharinas überschatten es. 497
Aus fremden Literaturen.
— John Galsworthy: Die dunkle Dlume, Roman (Verlag Paul Zsolnay in Wien). Galsworthy ist heute die große Mode. Das ist diesmal keine Mache geschäftstüchtiger Verleger, sensationslüsterner Kritiker. Seine Dramen sind ein Aufschrei gegen die Heuchelei der Gesellschaft, schlechte Theaterkunst, dick aufgetragene Tendenz zumeist, aber die ethische Forderung nach Wahrheit. Zum Dichter wird der moralisierende Ankläger Galsworthy erst in seinen Romanen. Seltsam mischen sich vernichtende Kritik an unseren sozialen Zuständen, überlegen boshafte Spötteleien über Menschliches, Allzumenschliches mit einer lyrischen Zartheit des Naturempfindens und einem edlen großen Verstehen für das Ringen jeder echten, vor sich selbst wahrhaftigen Menschenseele, wie sie nur gütige mitfühlende Liebe dem Dichter eingeben kann. Ein Freund der Menschen ist Galsworthy, kein zynischer Verächter, fein müder Pessimist, ein Dejaher des Lebens, ein Apostel der Liebe und der Wahrheit. Sein neuer Roman „Die dunkle Dlume", der außerhalb der großen Romanreihe „Die Forshte (Saga“ steht, macht diesen ethischen Grund seiner Dichtungen wiederum deutlich. Die künstlerische Bedeutung wird darum nicht geringer. Im Gegenteil, gerade diese Lebens- geschichte eines Suchenden, eines um echte Frauenliebe ringenden Künstlers, ist in die feinst ziselierte Form gebracht. Cs sind stille Menschen, die in sich hineinhorchen, auf die Schwingungen ihrer Seele achten, Menschen mit heißem Herzen, Menschen, in deren Welt das Gefühl den Verstand besiegt hat, in deren Leben Heuchelei und Haß keine Stätte haben. Menschen, die sündigen, weil sie Menschen sind, aber aus Liebe und um Liebe sündigen, weil Liebe der Motor ihres Lebens ist. 468
— Sigrid ilnfet, Kristin ßanran^ t 0 chter. II. Band. (Leinen gebd. 10 Mk., Verlag Rütten & Loen in g, Frankfurt a. M.) Der erste Band dieses starken Werkes einer im Norden schon zu hoher Geltung gelangten Dichterin, hat auch in Deutschland Widerhall gefunden trotz all der uns Deutschen fremdartig rauh und schroff
— D i e sechs Bücher der Kunst. Herausgeber älniversitätsprofessor Dr. A. E. Drinck- mann-Köln. 1. Buch: D i e Kun st des Altertums von älniv.-Prof. Dr. Arnold von S a l i s - Münster i. W, 188 Abbildungen und 5 teilweise farbigen Tafeln. (Akademische Ber- lagsgef. Athenaion, Wildpark bei Potsdam). — Die „Sechs Bücher der Kunst" sind durch die bisher erschienenen Bände Schmidt, Kunst der Gegenwart, Schlosser. Kunst des Mittelalters Drinckmann. Kunst des Barock und Rokoko schon rühmlichst bekannt geworden. Nunmehr ist auch der Band „Die Kunst des Altertums" von Arnold von Salis erschienen. Im prägnanten Herausstellen der wesentlichen Stil- Momente schreitet Salis ausgehend von dem ägyptischen Schematismus, zum Idealismus der griechischen Klassik, von dort zum Illusionismus (Impressionismus der hellenistisch-römisckien Epoche), um schließlich auszumünden in den Expressionismus. die entsinnlichte Form der letzten römischen Kaiserzeit. Die innere Deutung des Stiles jeder dieser Epochen im Zusammenhänge mit der jeweils beobachteten gesamten Geisteshaltung und die Erklärung der künstlerischen Formentwicklung sind außerordentlich tief. Völlig Neues bieten die Ausführungen Über den spätanüken Illusionismus. in welchem Salis ein seltsames Verlangen nach dem älnbegrenzten entdeckt. Der Text wird durch eine Fülle von Abbildungen, die in hervorragend übersichtlicher und zwingender Anordnung gegeben sind, erläutert und Iveiter bereichert. 500
Verlobung feiert. Christine aber, in der Ahnungskraft ihrer Liehe, zwingt ihn, die große Reise doch anzutreten: und Severin reift. Als Europa versinkt, versintt die Vergangenheit, ob er sie auch krampfhaft festzuhalten sucht. 3n einer älrwaldnacht, Äug' in Äug' mit dem Tode, fühlt er, wie alle Argumente der Selbstverteidigung der Selbsttäuschung zergehen, und daß das Ur- leid der Ieht-Lebenden: Getötet zu haben! nur durch ein Äch- Fallenlassen erlöst werden kann. Für die zu Hause, für fein Mädchen fällt er in den Tod, für sich fällt er ins Leben, in urwaldüppiges Leben. Wollust und Schlaf, sinkt zurück in die Gottheit. 478
— Hans Grimm: Volk ohne Raum. Roman in zwei Bänden. (Verlag Albert Langen. München. Ganzleinen Mk. 25,—.) — Beängstigt ob soviel Stoffes wird man ein paarmal die beiden dicken Bände durch die Hand gleiten lassen, bis man sich entschließt zu lesen, älnd dann wird man schnell festgehalten, trotz all der allzusehr ausgesponnenen Rückblicke und Abschweife in weitab vom Thema liegende Fernen, immer wird man wieder zurückfinden und sich hinein- senken in die nicht einmal sehr merkwürdige Geschichte eines jungen Deutschen, der ein Abbild ist unseres Volkes und feiner Sehnsucht nach Klarheit und Erkenntnis, nach Lebensraum, nach Ellbogenfreiheit. Dieser Cornelius Friebott zieht hinaus vom heimatlichen Weserbergland in das rheinische Industrierevier. fort vom deutschen Boden zum Kapland, Schulter an Schulter mit den stammverwandten Duren ringt er gegen das übermächtige England, findet schließlich eine Stätte des Bleibens auf deutsch-afrikanischem Boden. Wild schlingert sein Lebensschiff, bis es endlich wieder am Wesergestade festmacht, von wo es ausfuhr, um ein größeres Deutschland zu suchen. Es ist ein stark soziales und ein stark politisches Buch, ein Erziehungsroman zum Deutschtum, aber ohne jede aufdringliche Tendenz, ohne lautes Getue. Aber was uns Deutschen not
Politik und Geschichte.
— Max Springer, Die Fr an s 0 J e n - Herrschaft in der Pfalz 1792 bi s 1 8 1 4 (Deutsche Verlagsanstalt in Stuttgart 2?tibma band 12,50 Mk ). — Als Ergebnis gründlichsten Aktenstudiums legt der Heidelberger Historiker hier ein umfassendes, die kleinsten Details zu einem sorgfältig gegliederten Gesamtbild ordnendes Werk vor, das nicht nur als Landesgeschichte der Pfalz für einen engen Kreis äad)genoffen und Landsleuten von Wert ist, sondern durch die Thema sie llung und die Art der Dnrchsnhrung allgemeine Bedeutung gewinnt Ai aller kritischen Sachlichkeit des Verfassers ist doch ein er- chütterndes Bild von den Leiden eines Volkes entstanden das heute wieder tote damals be- onders hört die Faust der Fremdherrschaft dulden mutz. Politisch ist das Buch von autzer- ordentlichem Interesse. Es gibt als Geschichte dem nachdenkenden Leser die Fäden an die Hand zur Erkenntnis der Art und der Ziele damaliger und heutiger Rheinpolitik Frankreichs. (368)
— Demosthenes von Georges Cle- mence au (Verlag von Benno Schwabe & Co. in Basel, Preis 3,20 Mk.) Clemenceau, der große Politiker, der hinreißende Redner, der Retter Frankreichs ist heute ein vergessener Mann, ein Unbequemer, fast ein Unheimlicher, den ein undankbares Volk nicht schnell genug beifeite- schieben konnten, als seine Energie, sein unbeugsamer Wille zum Siege, Frankreich als Sieger nach Versailles geführt hatte. Als bald Neunzigjähriger schreibt er sein Testament, die Geschichte des griechischen Staatsmannes und Rhetors, dem es nicht gelungen war, fein Volk, das eben noch so herrliche Waffentaten gegen die Perser vollbracht hatte, vor der Herrschaft Philipps von Makedonien zu bewahren. Clemenceaus Buch ist mehr als die tragische Geschichte dieses Griechen und seines Volkes, es ist das Vermächtnis eines Staatsmannes, der viel erfahren hat und viel zu sagen hat, auch uns zu sagen hat, die wir mit dem Namen Clemenceau die Er-
drücklichkeit.
— Alfred Dock: Die Pariser. Roman. Mit Bildern von Carl Bantzer. 191 Seiten 8°. Ggnzleinenband 6 Ml. Deutsche Landbuchhandlung G. in. b. H., Berlin SW. 11, 1927. — Im Jahre 1909 ift dieser „Roman aus Hessen" zum ersten Male erschienen: ein Werk von erstaunlicher Geschlossenheit und Reife. Ein Kulturbild, das aus der abgelegenen Enge der hessischen Dorfwelt, über Grenzpfähle und Meilensteine hinaus, zu ergreifenden Menfchen- bildern und Seelenspiegelungen sich weitet. Bei aller Bodenständigkeit, aller Schollenverbundenheit, allem Erdruch (der aus einer unendlich schlichten und würzigen, bildergesättigten Sprache auffteigt) ist diese Schilderung weit mehr, als
— Raabe, feine Zeit und feine Berufung. Von Wilhelm Heeß. Derlagsanstalt Herrn. Klemm, QI.-®.. Derlin-Grunewald. — In dem vorliegenden Werk hat der Verfasser sich die Aufgabe gestellt, eine geistesgeschichtliche Deutung von Wilhelm Raabes Leben und Werk im Zusammenhang seiner Zeit zu geben. Heeß führt auf diesem Wege sowohl zu einem fest umriffe- nen Urteil über den Dichter, wie auch zur Erkenntnis einer tieferen Schicht der historischen Wirklichkeit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, in die Raabes Schaffen fällt. Durch den zufammenfässenden ileber&lid auf jene Zeit wird deutlich gemacht, wie durch das Eingehen des Dichters in eben diese Zeit seine "Werke, die schon zu seinen Lebzeiten altmodisch waren, ins Unbedingte und Ueberzeitliche gewachsen sind. Ihr Gewicht liegt auf dem Reinmenschlichen, im Seelischen, oberhalb der politischen Sphäre, in welcher Raabe als unabhängiger Denker stand. Sich tief hineinfühlend in die soziale Frage, mit einen Sympathien bei den Bedrückten in volk- verbundener Menschlichkeit stehend, ist fein Werk, obwohl er persönlich bejahender Staatsbürger war, doch ein latenter Gegenpol seiner Zeit. Zu dieser Erkenntnis führt uns H?eß in feinem tiefschürfenden Buch, das seine Entstehung einer Doktordissertation verdankt, welche Grundlage zugleich die Erklärung gibt zu den vielen, den Leser vielleicht befremdenden, wissenschaftlichen Fach- und Fremdworten. (546) E. v. M a s s 0 w.
— Vom Werden und Wesen der Bühne. Don Dr. Johannes Günther. (In der Sammlung „Wege zur Bildung", herausgegeben von Dr. Friedrich Matthaesius.) 274 Seiten 8° mit 16 Bildtafeln. C. Dünnhaupt Verlag, Dessau. — Dieses Buch ist eine ausgezeichnete Arbeit; und zwar einmal deswegen, weil sie mit einer sehr sympathischen Gründlichkeit, Belesenheit und Sachkenntnis geschrieben ist. Dann aber — und dies ist für Wert und Bewertung des Werkes ebenso wichtig —. weil das ganze mit dem Herzen geschrieben ist. Das will sagen: unbeschadet einer auf vielseitige, praktische Erfahrung gegründeten, notwendigen Kritik — geschrieben aus Liebe zum Theater und im Glauben ans Theater, vielleicht an das kommende im gegenwärtigen. Diese Grundeinstellung berührt wohltuend angesichts der immer wieder zu spürenden Hoffnungslosigkeit, der beliebt gewordenen snobistischen Gebärde der Allerweltsleute, denen nichts gut genug ift und nichts imponieren kann
Wiedererweckung nicht ganz ohne aktuelles Interesse sein würde für unsere Gegenwart, die sich um einen Ausgleich zwischen denselben oder ähnlichen Gegensätzen sozialer, politischer und religiöser Art bemüht, wie sie schon das lutherische und vorlutherische Jahrhundert erfüllt haben. 530 — Walter Angel: „D er Günstling des Zaren". Verlag Ernst Keils Nachfolger (August Scherl) G. m. b. H., Leipzig. Ganzleinen
vollzogen, da überfällt ihn tiefe Schwermut, nicht ohne Grund. Er mutz einen furchtbaren Kampf bestehen mit dem Erdriesen, der verkörperten geistlosen Materie, die doch nach Durchgeistigung lechzt. Die Materie siegt über den Geist — den ewigen Menschen, wie er auch genannt wird. Aber sterbend erblickt Aeon die Welten- Mutter, wie sie sich in Gestalt eines Adlers in die Lüfte erhebt — fein verjüngtes Ebenbild — Sfaira, den verjüngten Geist, der Völkern und Erde einen neuen Frühling verheißt. 406
— Hermann Sudermann, Der tolle Professor. Ein Roman aus der Bismarckzeit. Ganzleinen Mk. 8,50. Verlag der 3. G. Cotta'schen Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart und Berlin. — Jahrelang hat Hermann Sudermann als Erzähler geschwiegen. Aber sein episches Werk, das in großer Linie von „Frau Sorge" und „Kahen- fteg“ über die Romane „Es war" und „Das hohe Lied" bis zu den geradezu klassisch g' wordenen „Litauischen Geschichten" führt, h« in dem neuen Roman „Der tolle Professor" eine । Fortsetzung gefunden, die den Dielumstrittenen mit einem Schlage wieder in den Mittelpunkt des I Interesses rückt. — Um die Gestalt eines hoch-
in Auffassung und Darstellung anmutenden Seiten. Diese Fortsetzung, die die unter so Wenig glücklichen Auspizien begonnene Che Kristens mit einem Manne schildert, dem die Frau im Grunde keine Achtung entgegenbringen kann, ist milder, versöhnender in dem wechselseitigen Sichfinden der Ehegatten. (351)
— Monika Hunnius: "Baltische Häuser und Gestalten. Eugen Salzer, Verlag. Heilbronn. — Die Treue des Balten zu dem Lande seiner Väter weht uns an aus jeder Seite. Wir lernen das Land lieben und verstehen, und mit ihm die Menschen, die Monika Hunnius vor uns hinstellt: adelige Männer und zarte Frauen, voll Poesie der Seele, voll lebensfroher Frömmigkeit und hoher Kultur des Geistes. 507
Schöne Literatur.
„Aeon vor Syrakus", Drama von Alfred QU 0 mbert. Pappbd. Mk. 3,50. Insel- Verlag in Leipzig. — 3n dem Schluhdrama seiner Trilogie „Aeon vor Syrakus" zeigt Mom- bert den Oleon auf einem Dreimaster, der sich soeben vor Syrakus verattkerte. Einer nach dem anderen ziehen die zu Geschichte gewordenen Völker in ihren besten Vertretern an ihm vorüber. Er selbst — der Geist, der Gott der Erde, hat sie ins Leben gerufen, um die Verkörperung seiner tiefsten Sehnsucht — ein Voll der Vollkommenheit und Vollendung zu schauen. Hnb jedes Volk verkörperte doch nur eine Seite seines Idealbildes, selbst das lichte, frohe Griechenvolk. Und deshalb verfielen sie alle, die Völker vom Sonnenaufgang bis zum Niedergang dem unzertrennlichen, unheimlichen Begleiter des Leben schaffenden Aeon, — dem 3er- trümmerer. Selbst das mannhafte, schaffensfrohe Voll der Deutschen schien dein Untergang geweiht. Da beschloß Oleon aus todwunder Seele, ein neues Volk zu schaffen, das nicht gehemmt fei durch Erdgebundenheit. Auf freiem Meere verbindet er sich ein zweites Mal mit Semiramis, der Welten-Mutter. Kaum ist die Vereinigung


