schlossen daS Ziel erreichen. Die Mannschaft mit der kürzesten Fahrzeit ist Sieger. Die Bekanntgabe der Sieger mit Preisverteilung findet sofort anschließend an das Rennen auf der Liebigshohe statt.
Vorschau für Sonntag«
Leichtathletik und Turnen.
vo. Die Deutsche Meisterschaft im 25°Klm.- Lavsen wird gleichzeitig mit der Brandenburgischen und dem „Championat der Streckenläufer' in Berlin ausgetragen. — Internationale Leicht- athletik°B>ettlämpfe in Stuttgart. Westdeutschland: Offene Veranstaltung des V. f. L. Wedau. Weitere Sportfeste in Nürnberg, Gotha. Landau il a. Werbesportsest des S. C. 04 Dresden- Freital tStaffellauf ..Quer durch Freital"). Kampfbahnweihe des T. V. Chemnitz -Gablonz. Kreissportfest zur Stadionweihe in Fürstenberg. — Viktoria 96 «Magdeburg)—Brandenburg (Berlin) in Breslau. Die Deutsche Turnerschaft trotzt ihre volkstümlichen Meisterschaften am Samstag und Sonntag in Düsseldorf aus.
Schwerathletik.
Deutsche Meisterschaft im Gewichtheben und Ringen der Altersklassen in Frankfurt a. M..
Rasensport.
Fußball- Repräsentativspiele Leipzig- Halle (Samstag). Chemnitz—Halle «Sonntag). Rückspiel Hamburger S. V.—Bayern-München in Hamburg. Schluhspiel um den Pokal des Südbezirks im R. F. V. in Braunschweig. Weitere Gesellschaftsspiele. — Deutsche Tennis- Meisterschaften in Hamburg. — Schlagball- Turnier des V. f. L. Charlottenburg (Deistin).
Schwimmen
Die Deutsche Meisterschaft iin Stromschwim- men wird im Rhein bei Duisburg zur Entscheidung gebracht, mit der gleichzeitig die Heeres- meisterschaft entschieden wird. Der Schwimm- Länderkampf Deutschband—Dänemark ist in letzter Stunde von Dänemark abgesagt worden. Weitere verbandsosfene Feste, die hauptsächlich der Iugend und dem Rachwuchs Vorbehalten sind, veranstalten: der «3. CB. Wasserfreunde-Stendal, Schwimmsportclub Germania-Braunschweig, ein Kreisoffenes der S. C. älnna 1910 und ein Aister-Streckenstasfelschwimmen. das verdands- osfen ausgeschrieben ist. die Sportvereinigung Polizei Hamburg von 1920. Gauoffene Veranstaltungen sind außerdem von Rostock. Rien-.'.rg, Oldenburg in Aussicht genommen. Der S. V. Reptun-Weimar wartet mit einer kreisosfrnen Veranstaltung auf. Die Deutsche Turnerschast bringt im Düsseldorfer Rheinstadion zum fünften Male ein Schwimmfest zum Austrag, welches die Entscheidungen in den D.T.-Meisterschaften bringt.
Wirtschaft.
cankfurter Börse.
Frankfurt a. M, 13. Aug. Tendenz: Bei Eröffnung schwach, im Verlaufe befestigt. — Die Börse eröffnete im Anschluß an die am Vorabend eingetretene Abschwächung und Realisationsneigung in ausgesprochen schwacher Haltung. Die Spekulation, veranlaßt durch eine plötzlich aufgetretene bedeutende Verknappung des Geldmarktes, schritt zu Medio- Glattstellungen. Das herauskommende Material konnte nur zu bedeutend reduzierten Kursen Aufnahme finden. Bei der vorherrschenden Lustlosigkeit hielten sich die Umsätze zunächst in sehr .eng gezogenen Grenzen, zumal das Geschäft zumeist nur professioneller Ratur war. Am schärfsten gedrückt waren M o u t a n a k t i e n, wo die Rückgänge bis zu 5 Prozent betrugen. Stark abgcschwächt waren: Harpener minus 5 Prozent, * Eeckenlirchen und Dentsch-Lur minus je 4.5 Pro- •.^eni, Bochumer minus 3.5 und Rheinstahl minus * 2,5 Proz. Die Rückgänge der übrigen Werte t dieser «Kruppe betrugen 1 bis 2 Proz. 3. G.
Farbenaktien senkten sich von 292 auf 289 Prozent. Die anderen Chemiewerte wiesen Verluste bis zu 1 Proz. aus, nur Holzverkohlung zogen 0,5 Proz. an. Die Kursgestaltung der übrigen Märkte zeigte LInregelmähigkeit. So waren von Elektrowerten AEG. um 0,75 Proz. fester, während alle übrigen Aktien dieser Gruppe schwächer lagen. Bankaktien schwächten sich gleichfalls ab. Darmstädter minus 2.5 Proz. Autoaktien gaben etwa 1 Proz. nach. Baustofs- aftien lagen dagegen durchweg gut befestigt.
Die Krummhölzer.
Roman aus den bayerischen Bergen.
Von Michael Wagner.
30 Fortsetzung. Nachdruck verboten.
XI.
Einige Monate später im tollen Jahr 1923.
cherbstlaub an den Baumen in aller Farbenbuntheit.
Aus den Millionen waren Milliarden geworden. Das ganze Reich lebte in fieberiger Hetze und Hast. Man gab für Kleinigkeiten märchenhafte Summen, Papiergeldbündel mit langen Nullenkolonnen. Man rannte hinter den Preisen her, das erhitzte Gehirn voller Gedanken und Sorgen, sah mit Furcht und Bangen der nächsten Devisennotierung entgegen ...
Ein Volk lag im Staub vor dem allmächtigen Gagen — Dollar. Und die Geißel seiner Macht zeichnete blutige Striemen auf den nackten Rücken dieses Sklaoenvolkes.
Das war die Milliardenraserei.
Ihr folgte der Billionenwahnsinn.
Da wurde allen Schaffenden das Leben zur Hölle. Im Nu verpuffte der Verdienst, die Geldzettel mit den grotesken Ziffern zerstoben in ein Nichts — man suchte irgend etwas dafür zu erhaschen — hetzte von einem geschlossenen Laden zum andern — stierte stumpssinnig, apathisch auf die stündlich nach oben sich verändernden Kreide-Preisziffern auf schwarzen Tafeln.
Tausende gaben die wahnsinnige Jagd nach einem Phantom freiwillig auf, warfen ihr armseliges Leben von sich — griffen zu Revolver oder Strick — stürzten sich in dunkle Fluten, um ihr Elend zu ersäufen . . .
And Ülbertaufenbe blieben auf der Strecke als ehrliche Kämpfer, säumten die Schrcckensstraße, tot oder im Todeskampse liegend, mit glasigen Augen in Knochengesichtern, erbärmlichen, ausgemergelten Hungerleibern . . .
Und die übrigen? Die zogen leuchend und ächzend ihren Sorgenkarren weiter durch den Elends- morast des grausigen Jahres — einem schreckhaft dräuenden Winter entgegen.
Ein Volk schrie gellend nach Erlösung zu jener Zeit.
Zement Heidelberg plus 1,5 Proz.. Holzmann plus 3 Proz., Wayß & Frehlag plus 1 Proz. Stark rückgängig waren dagegen Oelaktien. Deutsche Erdöl minus 2,5 Prozent. Von Zellstoffaktien erlitten Aschaffenburger eine Einbuße von 2 Prozent., während Waldhof um 2 Prozent befestigt waren. Zuckeraktien blieben zumeist gehalten, z. T. waren die Kurse leicht befestigt. Deutsche Anleihen lagen lustlos und schwächer, desgleichen ausländische Renten. Der Freiverlehr wies nennenswerte Umsätze nicht auf. Benz 82 Prozent, Brown Boveri 123 Prozent, Entreprise 7, Gro° wag 60 Prozent, Frankfurter Handelsbank 90,5 Prozent, ilnterfrantcn 90,5 Prozent. Rach kurzem Verlause trat ein Lende nzumschwung ein, wodurch das Börsengeschäft ein freundliches Aussehen bekam. 3. G. Farben konnten nicht nur ihren Verlust wieder aufholen, sondern sogar überschreiten, indem der Kurs auf 293,5 Prozent anzog. Am Montanmarkt wurden besonders Phönix in ein stürmisches Geschäft verwickelt, wodurch ein Ausgleich der Kursverluste stattfand. Das Geschäft nahm einen lebhaften Charakter an. Der Geldmarkt, der vorbörslich noch leicht war, wurde plötzlich von einer Versteifung überrascht, wobei der Sah für Tagesgeld auf 4,5 Prozent anzog. Monatsgeld 5 bis 7 Prozent. Bankdiskonten 4,12 bis 4,62 Prozent. 3m Devisenverkehr hielt die Schwäche der westlichen Franlenvaluten an. Paris stellte sich gegen London auf 179,25, Brüssel auf 179,75. Mailand lag schwächer mit 148,25 gegen das Pfund.
Börsenkurs.
(Ohne Gewähr.)
Frankfurt a.M.
Berlin
SchlU!»- :-Uhr- Kurs Hur»
Schlichs Kurv
Lnfang
Datum:
12. 8. ! 13. 8.
12.8. j
13. 8,
5°/, Deutsche Reich San leihe . 4% Deutsche Reichsanleihe . B'/s% Deutsche Rcichecmlethe 3% Deutsche Neichsauleihe . Deutsche Svarprämicnanleihe 4U,O Preußische Konsols ■ . . 4% Hessen .........
3’/s% Hessen.........
3°/p Hessen...........
Deutsche Wertb. Dollar-Anl. bro. Doll.-Schav-Auweisug.')
4°/o Zolltürkcn.........
5% Goldmerikaner ... .
Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- und Privat-Bank. Darms!, und Nationalbank . Deutsche Bank.........
Deutsche BercinSbank .... Tisconto Commandit . . .
3llMllllliqi 1^4,1^1531 I 1 IS&I 1 8B ' *’1 ■ «jfc S« < ' 1 1 >Z> 1 ' ® 1 3 |
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0,43
4
195* 138* 194*
169,7-
162,7*
ZZZL i£ i i i i i ii 17-
-r eg
Mitteldeutsche Lrodiwanl. . Lcsrerreichische Lreditanstalt. Weftbanl...........
Bochumer Guh . ......
Buderus...........
Karo ........- . ..
Gelsenkirchener Bergwerke. .
Harpener Bergbau......
Kaliwerke Aschersleben....
Kaliwerk Westrreaeln.....
138*
153,9*
95*
84.5
159,9*
182,7*
154.9*
146
154
59
73,75*
128*
152,2*
150
161,2* 153'
101,75
98,75
293’
114,9
111,5
142,5*
7,25
148,5*
94
154*
176,7* 150’
143,5*
151
51.25 72,75’ 124.7'
148,2*
147
157.7* 151,1*
98,25
291,7*
113,25
108.4
Laurahücte
ob cm
Niebeck Montan........ Tellus Bergbau. .......
Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd ..... Eheramische Werke Albin . . Zementwerk Hetdelberg . .
Vbilivv Holzmann ......
Anglo-Cont.-Guano . ... (rchcmische Mayer Alapin . . I. G. Farbenindustric, A.-G. Goldschmidt.........
Holzverkohlung........
Niirgcrswerkc........
Scheibeanstalt.........
Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann . . .......
Mamkraftwerke .......
Schuclert...........
Siemens L Halsbe ......
Adlerwerke wieher ...... "Saunier Motoren. ...... Hevligenstaebr.........
Meguin.............
I » ' «LZ DD
1 1 S 1 1 l l 1 i
153,9*
141*
132,2*
185,2*
78
80
Motorenwerke Mannheim
Frankfurter Armaturen . . Konservenfabrik Braun . . . Metallgesell'chaft Frankfurt. '-»et. Union A.-G. ...
Schuhfabrik Her; ....
Sichel.... ....... stell stoss Walddos......
stuckcrfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Waabäukel . . .
163
Devisenmartt Berlin—Frankfurt a. M.
Telegraphische Auszahlung.
Banknoten.
11 August.
12. August.
Amtliche Notierung
Amtliche Notierung
(Selb
Brief
Geld
Brief
Amst.-Rolk
168,42
168,64
168.29
168.71
Buen.-Atres
1,694
1.698
1.690
1,694
Brss- Antw.
11,54
11.58
11,46
11,50
Cbristiania.
92,05
92,29
91,98
92,22
Kopenbagen
111,5.5
111,83
111.59
111,79
Stockbolm .
HMngfors.
112,37
112.65
112.37
112,65
10.554
10,594
10,552
10,592
Italien. . .
13.80
13,84
13,76
13,80
London. .
20,391
20.443
20,377
20,429
Ncunork . .
4,195
4.205
4.195
4.205
BariL. . .
11,56
11,60
11,46
11,511
Schwei; . .
81,11
bl.31
81,04
81,24
Spanien. .
63,90
64,06
63,85
64,01
Japan . . .
1.998
2.002
2,005
2,069
?h'io de Fan- Wien in D--
0,646
0.649
0.644
0.646
Den. abgelt
59,325
59,475
i)9,345
59,485
Prag ....
12,42
12,46
12,419
12,459
Belgrad • .
7,401
7,424
7.405
7.4.5
Budapest. . Bulgarien
o,87
5,89
">.87
5,89
3,035
3,045
.1,036
3,047
Lissabon
21.375
21.425
21,40
21,45
Danng.- .tlonstantin.
bl,51
81,71
81,48
81,68
2,32
2,33
2,30
2,31
fltbrn. .
4,74
4,76
4,74
4,76
tiauabn. .
4.197
4,207
4.198
4,208
Uruguan . .
4.185
4.195
4,185
4.195
Berlin, 12 August
Geld
Briei
Amerikanische Noleu .....
Belgische Noten .......
Dänische Noten .......
4,179
11,87
111.92
20,858
11.77
168,15
14.IS
4,199
11,93
111,30
20,4.58
11,83
168,89
14,26
Englische Noten........
Fran;ös:iLe Noten ......
Holländische Noten .....
Italienische Noten ......
Norwegische Noten......
91,89
92,53
Deuisch'Oesterr..ai00 Kronen
59.45
59,75
Rumänische Noten......
Schwedische Noten......
IV,02
112,58
Schwerer Noten ......
81,17
81.57
Spanische Noten.......
63,69
64.01
Tschechoslowakische Noten . .
12,387
12,417
Unaarische Noten .......
5.81
5,87
Berliner Börse.
Berlin, 13. Aug. -Unter dem verstimmenden Eindruck der amerikanischen Diskonterhöhung und der in Aussicht stehenden Beendigung des englischen Ber garbeiter st reikes kam bei Beginn der heutigen Börse stärkeres Angebot heraus, das die Kurse durchschnittlich um 2 Prozent drückte. Montan- aktien eröffneten sogar 3 bis 5 Prozent niedriger. Das Geschäft während der ersten Stunde wurde durch die Prämienerklärungen gehemmt, was sich besonders am Montanmarkt auswirkte. 3m Gegensatz zu der schwachen Allgemeintendenz konnten Bankaktien ihre höheren Kurse behaupten und einige Spezialwerte leicht anziehen, so Holzmann, Schultheiß, Deutsche Kabel usw., wobei zum Teil die vevcrstehenden Aufträge der Reichsbahn und Post stimulierten. Dagegen litten andere Päpiere unter starken Abgaben. Späterhin wurde die T e n d e n z allgemein freundlicher. da am offenen Geldmarkt eine Erleichterung eintrat. Der Sah für Tagesgeld ging auf 4 bis 6 Prozent zurück. Far dena kt i en, die mit 291 Prozent eröffneten, wurde später mit 295 Geld genannt. 3m Devisen verkehr lag das englische Pfund infolge der amerikanischen Diskonterhöhung mit 4,858 schwach. Paris war gegen London kaum verändert mit 177.50.
v:er Getreidebörse.
Frankfurt a. MH 13. Aug. «Zs wurden notiert: Weizen, Wetterauer neuer Ernte 28,50 bis 29, Roggen, inländ. neuer Ernte 19,75 bis 20. Hafer, ausländ. 20,50 bis 22. Mais, gelb 18,25 bis 18,50, Weizenmehl, inländ., Spezial 0 42 bis 42,50, Roggenmehl 30, Weizenkleie 8,75, Roggenkleie 10.50. Tendenz: ruhig
Schöffengericht Gießen.
Gießen. 9. August.
Tlntsr Ausschluß der Oefsentlichkeit wurde gegen die Eheleute C. von hier wegen Kuppelei verhandelt. Die beiden Angeklagten wurden im Sinn der Anklage für schuldig befunden, und der Ehemann wegen schwerer Kuppelei zu 1 3ahr Gefängnis, die Ehefrau wegen Kuppelei zu 3 Monat Gefängnis verurteilt.
Wegen Erregung ösfcntlichcn Acrgernisfes wurde ein wegen desselben Deliktes wiederholt vorbestrafter, verheirateter Arbeiter zu 2 3 a h - r e n 3 Monat Gefängnis verurteilt.
In diesem Hexenkessel des Elends und der Verzweiflung, da wußten die Schieber, Spekulanten und ihre mancherlei Artgenossen schier nimmer, wohin sie mit dem errafften Mammon sollten. In der Welt dieser Parasiten mar die Lebensatmosphäre überladen mit Börse, Aktien, Kursen, Devisen — Dollar — Dollar — Dollar--
Eine „Aktion" jagte die andere, eine tolle Spekulation überstürzte die andere — Banken und Börsen glichen im rasenden Tempo zitternden und stampfenden Maschinen mit überheizten Kesseln, die jeden Augenblick zu explodieren drohten. Schwindel und Betrug allüberall, Scheingebäude türmten sich zu Wolkenkratzerhöhen . . .
Auch das Spekulanten- und Finanzkonsortium, dem Toni Uracher angehörte, steckte mitten in diesem närrischen Wirbel um Dollar und Billion.
Eines Tages entwickelten Moriggl und der Baron vor Toni und seinem Kumpan Bullinger einen so gigantischen Unternehmungsplan, daß den beiden wahrhaftig selber zu schwindeln begann.
Moriggl warf mit Zahlen um sich, die wie Sirenengesang in der beiden Ohren klangen, nannte spielerisch Gewinnquoten, daß sie angenehme Schauer überrieselten.
„Aber —" unterbrach ihn Toni endlich, „— hat ja koan Zweck — zu solche Sprung langt unser ganzes Gerstl net!"
„Nu? — Weshalb denn?"
„Weil wir im höchsten Fall bloß die Halbscheit miteinander aufbringen könnten, gel ü'averl?" wandte sich Tom an Bullinger, der zustimmend nickte, da hilft alles nix!"
Da lachte Moriggl nur, schlau und verschmitzt.
Dann begann er den beiden plausibel zu machen, daß mehr Barkapital auch gar nicht nötig sei, um das Ding zu drehen. Die Herren hätten doch reichlich Kredit — für den Rest bürge der Grund- und Sachbesitz der beide» der Bank gegenüber, welche die „Aktion" durchführen würde. Allerdings sei schnellster Entschluß nötig. Die Sache müsse sogleich perfekt gemacht werde». Ma» habe eben gedacht, in einer solchen Riesensache die beiden Herren als alte Geschäftsfreunde vor allen anderen zum Zuge kommen zu lasse». Es wäre sehr bedauerlich, wenn man andere Verbindungen aufgreifen müßte, die natürlich reichlich zur Verfügung stünden. Die
Leute drängten sich ja nur so heran mit ihrem Gelde. Eine solche Bombengelegenheit komme sicher so schnell nicht wieder. Und im übrigen, wie gesagt, alles todsicher und hundert Prozent glatt verdient...
„Also?" beschloß Moriggl seinen Vortrag, den beiden aufmunternd einige Schriftstücke zuschiebend, ,,— Sie sehen — alles vorbereitet — bis auf Ihre Unterschrift!"
Toni zögerte, seine Augen aßer funkelten vor Gier nach dem lockenden Gewinn. In seinem Gehirn tanzten Riesenzahlen einen tollen Reigen. Auch ^Bullinger schnaufte hörbar vor Erregung.
„Es ist doch alles nur eine Formalität," meinte Moriggl so nebenbei, „das mit der Sicherheit. Hauptsache bleibt, daß das Barkapilal sofort disponibel ist, und da haben wir glücklicherweise doch allerlei Schwierigkeiten!"
„Nur frisch xugegriffen, meine Herren!" ließ sich jetzt auch der Baron vernehmen. Er zaß in einem Klubsessel und rauchte eine Zigarette um die andere. „Ich bitte Sie — derartige Dinger müssen gedreht werden! Sie zu. übersehen wäre Sünde! Mein Ehrenwort — Sie würden sich in drei Tagen die Haare ausreißen, wen» Ihnen inzwischen ein anderer den Happen wegschnappte — hä, hä, hä!"
Da unterschrieben die beiden . . .
Zwei Stunden später hatten Moriggl und der famose Baron das „disponible" Spetulationsver- mögen von Toni Uracher und Bullinger in Händen und machten sich unverzüglich daran, „die große Sache zu drehen". Die beiden letzteren fuhren noch am Abend desselben Tages nach Hause, nachdem alles aufs genaueste 'durchbesprochen worden war . . .
Einige Tage uerftrid^n.
Toni verbrachte sie an der Seite seiner Eenla un Landhaufe in fieberhafter Erregung und Erwartung. Nirgends hielt es ihn, weder bei Tag noch bei Nacht. Treppauf, treppab, hinunter in den Garten, die paar Blumenbeete umkreisend, so trieb es ihn unstet herum.
Bis die Centn aufmuckte und über ihre geplagten Nerven zu jammern begann.
„Ja — ja!" wehrte Toni nervös ab, „laß dir mir grab Zeit! Dafür werd's aber a der größte Schlag, de» mir bis jetzt g'macht haben! Dösmal slcckt's und dös richtig!"
3n einem Zivilprozeß wegen Hebergabc eines in der Inflationszeit gekauften Hauses ließ dis Klägerin durch ihren Anwalt eine Bescheinigung über den Empfang des größten Teils des bei Abschluß des notariellen Vertrages verschwiegenen Betrages vorlegen, während die andere Partei die Echtheit der Unterschrift bestritt. Durch einen Schreibsachverständigen wurde, dann auch festgestellt, daß die strittige Unterschrift nicht von dem Beklagten geleistet fein kann. Gegen die Ehefrau des Klägers, die zugab, die Quittung bis auf die Unterschrift vorgeschrieben zu haben, wurde Anklage unter der Anschuldigung erhoben, daß sie von der Quittung, wissend, daß sie gefälscht war, zum Zwecke der Täuschung Gebiauch gemacht habe. Da aber in der heutigen Verhandlung der Angeklagten irgend eine Schuld nicht nachgewiesen werden konnte, wurde sie freigesprochen.
Mangels ausreichenden Beweises f r e i gesprochen wurde eine Frau aus der W etter a u , die im Verdacht stand, einen Dtief beleidigenden 3nhalts geschrieben und mit dem Ramen einer anderen, dem Beleidigten durch Verwandtschaft nahestehenden Person unterzeichnet zu haben.
Kirchliche Nachrichte«.
Israelitische Gemeinden.
Isr. Religivnsgemeinbe. Gottesd. i. d^-Shnagoge «Südanlage». Samstag, den 14. August 1926. Vorabd. 7.15, morgens 8.30, abends 7.55 u. 8.35.
Gottesdienst der isr. Religionsgesevkschaft
Sabbatfeier, den 14. August 1926. Freitag abi7s.7.10. Samstag Dorrn. 8.00, nachm. 4.30, Sabbatausg. 8.35, Wochengottesdienst: mvrg. 6.30, abds. 7.00.
Rundfunk-Programm
des Frankfurter SenderS.
(Aus der „Radio-Umschau".)
Samstag. 14. August.
3.30— 4 Uhr: Stunde der Jugend. 4.30—5.45 Uhr: Konzert des Hausorchesters: Wunschnach- mittag, Operettenmusik. 6.45—7.15 Uhr: Funk- hochschule Franksurl a. M.: „Morgenpvesie und Abenddichtung in der deutschen Literatur", Vortrag von Pro«. Dr. Schultz. 7.15—7.45 Uhr: Der Brieflasten. 7.45 8.15 Uhr Stunde des Frank- futter Bundes für Volksbildung: „Soziale Fürsorge und Strafrechtspflege". 8.15 Uhr: Mozart- Serenaden. Anschließend bis 12 Uhr: Ueber- tragung von Berlin: Tanzmusik der Berliner Funkkapelle.
•u Ltcrvoraussage.
Rach Aufheiterung und Erwärmung trüber, noch vorwiegend trocken.
Gestrige Tagestemperaturen: Marimum 16,6 Grad, Minimum 6,4 Grad Celsius. Riederschläge: 3.5 Mm. Heutige Morgentemperatur: 11 Grad Celsius.
Letzte Nachrichten.
Schweres Eisenbahn-Unglück in Bayern.
Freising, 13. Aug. (2BIB. Drahkmeldung.) In Langenbach bei Freising entgleiste heute vormittag 9.28 Ahr der von Berlin kommende beschleunigte Personenzug Rr. 855 bei der Einsahrtsweiche im Bahnhof Langenbach. Drei Wagen sind umgestürzt. Es sind bisher 12 Tote, 7 Schwer- und 20 Leichtverletzte sestgestellt roorbeK Die Strecke wird bis 3 Uhr nachmittags gesperrt stin. Der Verkehr wird durch Umsteigen aufrechterhatten. Die Hiffstätigkeil ist im Gange.
Lprechstttttde» der Redaktion.
12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschlossen.
Für unverlangt cingesandle Manuskripte ohne beigcsügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen.
Anzeigenausträge sind lediglich an die G e s ch ä f t s st e l l^ zu richten.
Verantwortlich für den lokalen Teil i. V.: Dr. Hans T h h r i o f.
Beinahe klang es, als wollte er sich selber Mut zufpreche». Die Geliebte jedoch ließ nicht locker. Rücksichtslos forschte sie weiter:
„Wenn's klappt — Freunderl! Gel?" Dann setzte sie langsam hinzu: „Und wenn's — net klappt?!"
Toni fuhr gereizt in die Höhe:
„Red doch »et so a dalkeris Zeug daher!"
(Senta zuckte nur kaltlächelnd die Achseln.
„Warum denn? Du sagst, wenn's gut geht, so gibt's aus — schön! Und ich frag', was sein soll — wenn's schief geht!"
„HoUfakkra! Plag mich doch net! — Wegen nix und wieder nix! So tnimm Daherreden! An so was denkt man doch gar net!"
Da zog Centn die Augenbrauen hoch und sah den Freund mit kühler Ueberlegenheit an.
„So meinst du?" Sie lachte. „Mein Gott! Das muß dich doch ganz kalt lassen. Schau, als echter Hasardeur hättest du mir jetzt zur Antwort geben sollen: Na ja, und wenn — bann schluckt's eben so- lundso viel! Schluß! Das nächste Mat geht's wieder besser!"
Toni schaute sie groß an. Er vermochte das Unbehagen, welches ihm die Unterhaltung über dieses Thema bereitete, nicht zu unterdrücken.
„So, so!" versuchte er zu scherzen, aber es klang sehr gepreßt, 's andermal — glaubst du?" Er trat ganz nahe an sie heran. „Wenn die Nummer net g'winnt, nachher gibt's aber koa andermal! Verstehst!"
„Warum nicht?"
Toni stieß ein sonderbares Lachen aus.
„Weil dann ausg'spielt is! Weil dann alles futsch mär — hin — zum Teufel! Denn dösmal hängt alles dran — Geld, Haus und Hof!"
Die Centn überdachte diese Antwort ein wenig, um dann in aller Nüchternheit zu erwidern:
„Hm! So steht's! Und wie is, wenn' gut geht?" Da funkelte es in Tonis Augen wild auf.
„Und dös muß es! Nachher blüht unser Weizen! Dti kriegst dein Auto und a Villa in München wird a ang'schasfi! Haben sollst, was d' willst!"
„Hurra! — Eine Flasche Sekt drauf!" rief die Centn nun übermütig und llingelte.
Aus der einen Flasche wurde eine kleine Sieges- vorseier . . .
(Fortsetzung folgt.)


