den Ton der alten Glocke von 1453 erinnert. GS ist ein Meisterstück, das die Gebrüder LI b r i ch, Apolda, der Stadt Buhbach geliefert haben. Ergriffen lauschte die Gemeinde den edel und weich verhallenden Tönen, bis dann unter Orgelbegleitung alle übrigen Glocken der Mar- kuÄirche ernfielen, und -um ersten Male seit langer Zeit wieder das volle Geläut über Stadt und Land ertönte. Aachdem der Kirchen» chor noch ein Danklied gesungen, nahm die weihevolle kirchliche Feier in üblicher Weise ihr Ende. Erläuternd sei noch bemerkt, dah hinsichtlich des Glockenkörpers alle Bedingungen erfüllt Wurden. Die Glocke sollte als Grundton zu den vorhandenen Glocken es (+ ’/io) und g (4- V* Ganzton) dienen, muhte also Vs—Vie Ganzton über c gegossen werden, dies ift er- reicht worden. Aach dem Urteil des zugezogenen Sachverständigen kommt die neue Glocke in vielem der alten gleich, in manchem übertrifft sie dieselbe sogar.
Kreis Büdingen.
△ Nidda, 12. Juli. Heute mittag gegen 2 Uhr sanden badende Turner unweit des Festplatzes in der Nidda die Leiche eines Geschäftsmannes aus Schotten, der sich hauptsächlich mit Holzgeschäften befaßte. Ob ein Unglücksfall oder Selbstmord vorliegt, ist noch nicht festgestellt. Der Verlebte stand in der Mitte der Dreißiger und war verheiratet.
bs. Ober -W iddersheim, 12. Juli. In den hiesigen beiden D a s a l t w e r k e n der Fa. K. A i ck e l und in dem Werk Lupp. Abt u. Co. wird seit einigen Wochen in zwei Schich- t c n gearbeitet. Dauernd werden noch Arbeiter eingestellt, und daher kennt man hier und in der näheren Umgebung seit einigen Wochen keine Arbeitslosigkeit mehr. Infolge reger Nachfrage nach Hart basalt erfährt gegenwärtig das Basaltwerk A i ck e l eine große Erweiterung von 20 Meter Länge und 6 Meter Breite. Mit den modernsten Baumaschinen wird hier nach amerikanischem Muster em Eisenbetonbau errichtet, der zur Aufnahme eines neuen großen und eines kleinen Steinbrechers dient. Daneben wird noch ein mächtiges Silo mit verschiedenen Abteilungen aufgeführt. Eine in Eisenkvnstruktion zu errichtende Strahenüberquerung wird die geklopften Basaltfteme selbsttätig zum Lagerplatz bringen. Die Firma Aickel beschäftigt ungefähr 80 Arbeiter.
):[ Gelnhaar, 12. Juli. Am Samstagabend fand in der Nitzelschen Wirtschaft eine Bürger- oersammlun g statt, in der die Einberufer in kurzen Worten klarlegten, wie die hiesige Gemeinde billig zu einer Wasserleitung gelangen könnte. Zur Deckung der Kosten sollen ein Staatszuschuß und ein Teil der Erwerbslosenfürsorgegelder verwendet werden. Die Gemeinde hätte nur noch 20 Prozent der Gesamtkosten des Voranschlages zu tragen. Würde der Bau ousgeführt werden, so hätte man eine kulturelle Frage gelöst und gleichzeitig für länaere Zeit Arbeit gegeben. — In der gestrigen Generalversammlung der hiesigen Spar- und Darlehenskasse e. G. m. o. $). legte der Rechner Bericht für das Rechnungsjahr 1925 ab. Aus seinen Ausführungen war zu entnehmen, dah die Kasse im vergangenen Jahre gut gewirtschaftet hat, so daß sie einen Ueberschuß von rund 800 Mk. zu verzeichnen hatte. Der Direktor der Kasse teilte ferner mit, daß seit Bestehen des wert- beständigen Geldes wieder annähernd 4000 Mark gutgemacht sind.
* Bisses, 12. Juli. Nach löjähriger segensreicher Tätigkeit hat Lehrer Henkel dieser Tage unseren Ort verlassen, um nach Daubrinaen (Kr. Gie- ßcn) überzusiedeln. Die Einwohnerschaft bereitete dem allseits beliebten Schulmann eine herzliche A b s ch i ed s f e i e r. Der Turn- und Sportverein brachte dem Scheidenden einen Lampionzug dar, an dem der Gemeinderat, der Schulvorstand und der Gesangverein teilnahmen. Bürgermeister S p e n g - (e r stattete dem geschätzten Lehrer den Dank der Gemeinde und des Schulvorstandes ab. Anschließend brachte der Turn- und Sportverein wohlgelungene Freiübungen zur Vorführung, der Gesangverein, besten langjähriger Dirigent Lehrer Henkel war, brachte einige Lieder zu Gehör, worauf Pfarrer Bühler in längerer Rede die Tätigkeit des Scheidenden würdigte. Don den ältesten Schülern wurden dem beliebten Lehrer Geschenke überreicht, der Turn- und Sportverein ernannte ihn zum Ehrenmitglied. Bewegten Herzens dankte Lehrer Henkel für die vielfachen Ehrungen und für dos Vertrauen, das ihm allezeit entgegengebracht wurde.
Die Krummhölzer.
Ronpin aus den bayerischen Bergen.
Don Michael Wagner.
3. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Da legte der Vater Zeno die Hand aus die Schulter. „Bua — i denk mir halt, schöner Haitis gar net hergehn können. Ja — und jetzig kommt 's andere — tr Hauptfach eigentlich!--"
Er machte eine Trinkpause. Als er zu sprechen fortfuhr, war seine Stimme wieder ernst wie sonst:
„Düs Sacherl soll dein Teil sein, Zeno, denn i werd dem Toni nachher übergeben. Damit sollst du 'nauszahlt sein!"
„Und z'frieden kannst sein, Zeno, dös sag i dir. Und fein kommst auf dein' Rechnung dabei! Da gibt’» amal gar nix!" redete der Toni auf Zeno ein.
Zeno war wieder still geworden. Und statt der lachenden Freude, die ihm erst aus den Augen gestrahlt, blickte jetzt dem Toni ein großer, schier vorwurfsvoller Ernst entgegen, als Zeno mit eigenartiger Betonung sagte: „Ah so — hast dir s aus- ^'rechnet, ToniV Dann senkte Zeno den Kops, schweigsam, scheinbar in sich versinkend. Mit versteckter Scheu ruhte Tonis Blick auf ihm. Und es klang wie eine Rechtfertigung, als er nun darlegte.
„I muß mi doch rühren können, wenn mir ber Vater übergibt! Schau dir doch erst dos Sacherl amal richtig an — nur prima, sag i bir! ®rab fein bist heraußen! Brauchst bloß auf d Brautschau gehn und di dann ins warme Nester! setzen!
Zeno hob den Kopf. In seinen Zugen war wie- der Ruhe. „Du hast recht — von deinem Standpunkt aus", sagte er dann langsam.
Urachcr sah unterdessen m steinerner Ruhe da, ohne jedoch Zeno auch nur einen Augenblick um beobachtet zu lassen.
sßua " hob er wieder an, i red Dir net zu dein' Nachteil zua! — Jeder soll bei mir sein' Sach' haben — ganz g'recht!"
Da griff Zeno nach feiner Hand.
„Du rnoanst 's guat, Vater!" sagte er voll Herzlichkeit, und i versteh a den Toni!"
Toni nickte beftiedigt vor sich hin. Zeno aber setzte hinzu:
Kreis Schotten.
X!X Schotten, 12. Juli. In dem Geflügel- bestände des Albert Adam in Schotten ist die Geflügelcholera feftgefteUt worden. Gehöftsperre wurde vorn Kreisamt angeordnet.
Kreis Alsfeld.
Alsfeld, 12. Juli. Am Samstagabend fand in der hiesigen Walpurgiskirche die angekündigte Wiederholung der Musikalischen Feierstunde statt, um allen denen, welche die Aufführung am Donnerstag nicht besuchen konnten, diesen einzigartigen Genuß zu bieten. Die Veranstalter waren die Homburger Vereinigung zur Pflege alter Kirchenmusik unter Leitung von Robert K l e i n e tf c , Kantor an der Hauptkirche St. Petti zu Hamburg. Im ersten Teil des Programms brachte der kleine, aber ganz ausgezeichnete Chor einige Chorsätze der großen prote- ftantijchenKirchenmusiker des 16. und 17. Jahrhun- derts in wahrhaft vollendeter Wiedergabe zu Gehör, darunter der unvergängliche Meister Joh. Sebastian Bach. Den Höhepunkt der Veranstaltung bildete die meisterhafte Wiedergabe der köstlichen si-Dur-Meste von Mozart für Chor, Soli, zwei Violinen, Cello und Orgel, eine herliche Schöpfung des erst achtzehn- jährigen Mozartschen Genius von reifer Schönheit. Eine hervorragende künstlerische Leistung war auch das Orgelspiel des Organisten an der Hauptkirche zu Sankt Petri in Hamburg, Herrn Knak, der die ewig schöne O-Moll-Fantasie und Fuge von Joh. Sebastian Bach zur Eröffnung der Feier spielte. Die musikalische Feierstunde der Hamburger Vereinigung wird ollen Teilnehmern noch lange eine schöne und erhebende Erinnerung von einem selten schönen Kunstgenuß bleiben.
Starkenburg.
• Darmstadt, 12. Juli. Aach Verbüßung von 10 Jahren Zuchthaus ist der Former Linus Sandebeck von Münster bei Dieburg begnadigt worden. Er hatte im Jahre 1916 sein Kind getötet und feine Geliebte schwer verletzt, und war deshalb zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt worden.
Preußen.
Kreis Wetzlar.
U Wetzlar, 12. Juli. (Wetzlarer W o - chenschau.) Der Juli macht in diesem Jahre seinem Namen als gewitterreicher Monat alle Ehre. Wohl selten sind in einer Woche so ge» wattige Wastermengen zur Erde herabgefallen, wie in der vergangenen. Auch unsere Umgebung hat hiervon ihr gut Teil erhalten, glücklicherweise ohne daß Schaden durch Blitz entstanden ist. Leider hat bei all diesen Naturereignissen der Landrnann den Schaden zu tragen; die Gewitter der vergangenen Woche haben in dieser Hinsicht viel vernichtet, was fleißige Hände seit Frühjahr zur Ernte vorbereitet hatten. — Die Bauernschaft für den Kreis Wetzlar, die der Bezirksbauernschaft für Nassau angeschlossen ist, rüstet sich stark zur Beschickung des Nassauischen B a u e r n t a g s, der in der Zeit vorn 17. bis 20. Juli in Herborn abgehalten werden soll. Auf ihm werden auch die beiden Präsidenten des Landbundes, Graf Kalkreuth und Reichstagsabgeordneter Hepp, anwesend sein. — Um der heimischen Landwirtschaft bei der Aufzucht und beim Bezug von gutem Vogelsberger Vieh behilflich zu fein, hat die Kreisbauernschaft den Zuchtoiehhof Richberg am .Knüll bei Treysa gepachtet und unterhält dort eine ausgezeichnete Jungoiehweide. Zur Hebung der Geflügelzucht im Kreise hatte die Bauernschaft in der vergangenen Woche zu einem Lehrkursus nach dem Hofgut Altenberg bei Wetzlar eingeladen, der für die Teilnehmer reiche Anregungen brachte. — In der Stadt werden die Vorbereitungen für den ersten Wetzlarer F l u g t a g , der am 1. August auf den Lahnwiesen hinter dem Bahnhof veranstaltet werden soll, eifrig betrieben. — Im musikalischen Leben brachte der Besuch des Schwarzmeier- schen Kinderchores aus Berlin eine genußreiche Abwechslung. Dos Auftreten der rund 200 Köpfe starken Jungsängerschar am Donnerstag- und Freitagabend im Schützengarten fand vor ausverkauftem Haufe statt. An beiden Abenden begrüßte Rektor und Beigeordneter Richard die Gäste namens der Stadt mit herzlichen Worten. Am Freitagmittag gaben die kleinen Sänger für die Wetzlarer Volksschüler ein Freikonzert im Dorn.
XX Aus d e m Kreise Wetzlar, 12. Juli. Die jüngsten wolkenbruchartigen Regenfälle haben
„Aber — was is denn nachher mit dem Veri?" Da lachte der Toni hellauf.
„Der Veri! — Mein, um den brauchst di net z' kümmern! Der wachst sich scheint's in München erst richtig aus!"
„Oomal hat er g schrieben, feit der Revolutionsgaudi," warf Uracher ein, daß er vorderhand an’s Hoamgehn net denkt, weil er jetzt Soldatenrat is. I woah net, wie e sagen soll —" Das klang bekümmert.
„Daß i net lach!" rief Toni, so von der Seite her. „Der hat's dick hinter die Ohren! Kümmert's euch bloß net um den Veri! Der werd' vielleicht no Minister bei dem Gefchäftl! — Ha, ha!"
„Toni! Und i sag dir — es taugt nix dafür!" sprach Zeno mit Nachdruck. Der aber zuckte nur die Achseln. Wie Hohn klang cs:
„Was willst denn?!" — Jeder nach fein' Gusto! Du hast dein' Schnitzlerei — der Veri hat den Sporn — und i — i werd a dös Meine haben!"
„Guat!" meinte Zeno beherrscht, „guat also! Und wegen dem andern — da dank i dir halt recht schön, Vater — und dir a, Toni! Es war a große Freud und Ueberraschung für mi!"
„Also nachher is dir a so recht?" fragte der Vater.
„I glaub schon, Vater!"
Sie schüttelten sich die Hände. Ein seltsam tiefer Ernst lag dabei auf Zenos Gesicht.
„So laß i mir’s g'faUen!" rief lärmend der Toni und hob seinen Krug. „Prost!" . . .
II.
Als Zeno.am nächsten Morgen erwachte, lochte chm die Wintermorgensonne durch das Silber- gefunfel der Fenstereisblumen schlankweg ins Gesicht. Ein kalter, strahlend klarer Wintertag war über die Hochgrate heraufgestiegen.
Zeno lag still mit offenen Augen. Drunten im Hose knirschte der Schnee unter den Schritten der Hin- und Hergehenden. Vom Stall herauf drang gedämpftes Kettenklirren, dann und wann ein dumpfes Brüllen des Viehs. Dazwischen hinein ließ sich Wallis keifende Stimme gleich einer kreischenden Säge vernehmen. Doch das störte keineswegs — gehörte vielmehr dazu, um das friedlich geschäftige Bild des heimatlichen Hofes für den Heimkehrer zu vervollständigen.
dem Landwirt deutlich den Nutzen der Heckel als Schutzmittel gegen das Wegschwemmen ber | Ackererde und das Durchbrechen der Raine vor Augen geführt. Die Hecke erwies sich durch ihr Flechtwerk unter und über dem Boden als das beste, natürliche Schutzmittel gegen Wasserschäden. Hoffentlich wirkt diese Tatsache dem Ausrotten der Hecke, auch im Interesse der Logelwelt. entgegen.
XX Atzbach, 12. Juli. Die Straften oer- binbung zwischen Station Dutenhofen und Atzbach ist fortgesetzt trostlos und spottet jeder Beschreibung. Wahrend die hiesige Gemeinde innerhalb der Gemarkung eine wasserfreie Sttaße mit wohlgepflegter Baumanlage geschaffen, besteht auf Dutenhofener Seite unmittelbar vor b-r Lahnbrücke nach wie vor das schon wiederholt beschriebene Sumpfgebiet. In der abgelaufenen Woche sind in diesem Morast wieder mehrere Autos st ecken geblieben und mußten tatsächlich herausgeschaufelt werden. Die Kreisbehörde sollte doch endlich hier Wandel schaffen.
I Groß-Rechtenbach, 12. Juli. Verwal- tungsaffiftent Sänger vorn hiesigen Bürgermeisteramt wurde durch Beschluß der Bürger- meiftereiDerfammlung mit Wirkung vom 1. Juli ab zum Verwaltungssekretär ernannt. Sänger ist bereits seit dem Jahre 1913 auf dem Bürgermeisteramt tätig.
CO Hochelheim, 12. Juli. Um den hiesigen Einwohnern die (Einbringung der Heuernte, besonders aus auswärtigen Gemarkungen, zu ermöglichen, hat das Landratsamt nur noch die durch Maul- und Klauenseuche verseuchten Gehöfte zum Sperrbezirk erklärt. Ein Beobachtungsgebiet ist nicht gebildet, so daß die Rindviehbesitzer, deren Gehöfte nicht verseucht sind, mit ihren Gespannen auch in auswärtige Gemarkungen fahren können.
CO Dornholzhausen, 12. Juli. Die Maul- u n d Klauenseuche hat sich hier weiter verbreitet. An der Seuche ist bis jetzt auch der eine der beiden Gemeindebullen erkrankt.
Oberlahnkreis.
G Gräveneck, 10. Juli. Gestern zwischen 12 und 2 ^Ihr gingen über der Umgebung von Weilburg schwere Gewitterregen nieder. Im Weiltal verursachte ein heftiges Gewitter so wvlkenbruchartigen Aegen, daß Weilmünster im Au größtenteils unter Wasser stand. An der Pforte stand die Flut wohl 1 Meter hoch, und sie erstreckte sich weit in die Marktstraße hinauf. Glücklicherweise verlief sich das Wasser so schnell, wie es gekommen war. Die Frucht ist vielfach zu Boden gedrückt. Heute Mittag kam von Westen her wieder ein schweres Wetter. Der hohe Scheuernberg ließ es jedoch nicht zu uns herüber, sondern w'.es es wieder das Wetltal h knacks. Weilburg bekam noch etwas Hagel und kräftigen Aegen.
Dillkrcis.
Z B r e i t f ch e i d , 12. Juli. Unsere Schul- hausdau-Frage scheint jetzt ihrer Lösung entgegenzugehen. Vertreter der Regierung und der Landrat Haden die beiden in die engere Wahl gestellten Plätze besichtigt und sind zu einer klärenden Entscheidung gelangt. Es ist jetzt nur noch mit den Grundstückseigentümern ein Uebereinkommen in der Preisfestsetzung herbeizuführen. Hoffentlich gelingt es recht bald, auch diese Schwierigkeit zu überwinden, damit die seit etwa drei Jahren schwebende Angelegenheit nun erledigt werden kann. — In den Gemarkungen Breitscheid, Schönbach, Erdbach, Langenaubach und Medenbach steht das Getreide im allgemeinen gut. Der Roggen ift im Halm ausgezeichnet entwickckelt, stellenweise sind Halme bis zu 2,50 Meter Höhe gemessen worden. Die Hackfrüchte versprechen eine gute (Ernte, dagegen läßt das S t e i n o b ft nur einen mäßigen Ertrag erwarten. Das Ergebnis der Heuernte ist zufriedenstellend. — Das seltene Fest der goldenen Hochzeit begehen am 28. Juli die Eheleute Häfner Friedolin Thielmann und Frau Henriette geb. Schmidt im Alter von 76 bzw. 68 Jahren. Das Jubelpaar erfreut sich im Kreise seiner Kinder und Enkel noch der besten Gesundheit.
Maingau.
WSN. Frankfurt a. M., 12.Juli. 3n der vergangenen Nacht hat in der Nähe des Römerberges im Verlaufe eines Streites ber 38jährige Metzger Marlin Old den 26Fahre alten Arbeiter Karl Kurzrock erstochen. Kurzrock, der mit der (Beliebten des Old ebenfalls ein Liebesverhältnis unterhielt, verlangte von diesem, daß er von dem Mädchen zurück- treten sollte, da er nicht mehr von ihr lassen könne. Old machte dem Kurzrock Vorwürfe, daß er das Geld,
Der aber dehnte sich wohlig unter der warmen Decke. O wie schön faul man doch daheim fein kann, wenn eine Reihe Feiertage nur daraus wartet, daß man einen nach dem anderen fein säuberlich her- untcrlebt!
Er lächelte vor sich hin.
Seine Augen wanderten musternd durch die Stube, die er von jeher schon die seine nannte und die von ihm auch ihr eigenes Aussehen erhalten. Alles stand darin noch wie ehedem. Dafür hatte Walli gesorgt. Und wie sauber alles!
Stück um Stück suchte so Zeno und grüßte es. Dem breiten wuchtigen Eichenschrank, den er einst selbst mit Schnitzereien verziert, das große Kruzifix von seiner Hand, da und dort an der Wand hängend eine Probe seiner herben Kunst, den schweren Tisch mit den Stühlen — alles. Ganz zuletzt aber die kleine Schnitzbank am Fenster — und dort blieben seine Blicke haften.
Nun hob Zeno ein großes, tiefes Sinnieren an. Diese kleine Schnitzbank mit ihrem Werkzeug, das er sich seit Bubenzeiten Stück um Stuck gespart, gekauft — sie bedeutete fein Schicksal, feine Zukunft.
An ihr hatte er schon viele Stunden des inneren Zwiespaltes verträumt, wenn es in ihm wieder einmal zu gären angefangen hatte und er bas harte, grob-klotzige Bergbauerntum abschütteln wollte in dumpfem, heißem Drange nach einem unbestimmten Höheren — und doch wieder keinen Ausweg fand. Dann begann er zu basteln, und seltsam — je aufgewühlter innerlich fein nach außen so ver- schlossenes Wesen war, desto leichter ging chm irgendein Werk von der Hand, wuchs in knappen Stunden irgendein Ding seines bäuerlichen Gesichtskreises aus dem Holzklotz heraus
Darauf das Jahr Schnitzerfchule, das er dem Vater abgebettelt, ehe er zum Militär mußte. Da gingen ihm neue Wunder ernsten künstlerischen Strebens und harten Schaffens auf, und man ließ ihn als einen Hoffnungsvollen wieder ziehen. Zu Zeiten hatte er Stunden überschäumenden Glückes, und ein großes Schaffenwollen erhob sich in chm, verbunden mit dem Gefühl der Kraft dazu ... Mitunter wieder aber kam gleich grauen dichten Bergnebeln der Zweifel über ihn, und er schimpfte sich selbsthöhnend einen schnitzelnden Bauernburfchen — Künstler? — zum Lachen! ...
das er dem Mädchen für den LebensunterhaN gegeben habe, mit dieser verbrauche. Beide gerieten dann in Tätlichkeiten, wobei Old von Kurzrock eine Verletzung am Auge erhielt. Old zog darauf ein Taschenmesser und versetzte seinem Gegner einen Stich in den Hals, der die Schlagader traf, wodurch der Tod des Kurzrock herbeigeführt wurde. Der Täter wurde bald darauf verhaftet. Beide, sowohl Kurzrock wie auch Old, sind mehrfach vorbestraft. - 3n der Sonn- tagnad)t wurde auf dem Sachsenhäuser Berg und in den Bahnanlagen eine Razzia vorgenommen, bei der 19 männliche und 2 weibliche Personen aufgegriffen wurden. Elf Personen wurden eingeliefert - Heute morgen wurde unterhalb der UntcrmainbrüAe eine unbekannte männliche, etwa 40 I a h r c alte Person tot aus dem Main gelandet. Der Tote ist etwa 1,70 Meter groß, schlank und trägt dunkelblonden gestutzten Bart. Bekleidet war er mit einem braunen Anzug Das Taschentuch war mit T. 3- 6 gezeichnet.
Amtsgericht Gießen.
• Gießen, 9. Juli. Streitigkeiten unter nahen Verwandten aus E l i m b a ch kamen heute zur Verhandlung. Ein 84 Jahre alter Auszügler von dort Lohnte seither bei seinem Sohne L. und sollte jetzt zu seinem Schwiegersohn Sch. ziehen. Als nun aber am 3. Psingstfeiertage die Geschwister des L. in dessen Wohnung kamen, um die noch dort befindlichen Sachen ihres Vaters zu holen, kam eS zu Streitigkeiten, in deren Verlauf die Eheleute L. die Ehefrau Sch. mißhandelt haben sollen. Die Frau L. stellte dies in Abrede und behauptete, ihrerseits von der Frau Sch. und deren Schwester W. beleidigt worden zu sein. Der Ehemann L. gab dagegen zu, seiner Schwester Sch. eine Ohrseige verseht zu haben. Aach längerer Beweisaufnahme und längeren Vcrgleichsverhändlungen kam schließlich ein Vergleich zustande, wonach der Ehemann L. bedauert, die Ehefrau Sch. geschlagen zu haben, und wonach die Eheleute die g e ! e h l i ch e n gerichtlichen und außergerichtlichen Kosten des Verfahrens übernehmen. Die Parteien und die Zeugen verzichteten auf Zeugengebühren, der Privatkläger Sch. hat das mit seinem Rechtsanwalt vereinbarte Sonderhonorar selbst zu tragen.
Kleine Straffammer Gießen.
* Gießen, 9. Juli. Ein noch junger Bursche aus Oppenrod verfolgte Berufung gegen ein Urteil des Amtsgerichts Gießen, durch das er wegen fahrlässiger Körperverletzung zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt worden war. Er hatte nach vorausgegangenen Wirtshauszwistigkeiten ohne ernsten Charakter auf dem Heimweg einen Revolver gezogen, den er immer bei sich trug und auf den er gern pochte, und einem anderen Burschen, mit dem er in Wortwechsel geraten war, am Kopf vorbeigeschossen: die Kugel drang einem in der Aähe stehenden jungen Mann in den Mund und schlug ihm zwei Zähne aus. Die Behauptung des Qlngefiagten, er habe niemand verletzen, sondern nur einen Schreckschuß abgeben wollen, war nicht zu wiederlegen: wegen der unglaublichen Leichtfertigkeit der Tat, der beinahe ein Menschenleben zum Opfer gefallen wäre, wurde gemäß dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die ebenfalls Berufung eingelegt hatte, die Strafe auf dret Monate Gefängnis erhöht. Auch die Strafe wegen verbotenen WaffentragenS wurde von 10 auf fünfzig Mark erhöht.
Rundfunk-Programm
des Frankfurter Senders.
(Aus der .Radio-Llmschcm".)
Mittwoch. 14. 3uli:
3.30 bis 4 Uhr: Die Stunde der Jugend. 4.30 bis 5.45 Uhr: Konzert des Hausorchesters: Alte Tanzmusik. 5.45 bis 6.05 Uhr: Die Bücher» ftunde. 6.15 bis 6.30 Uhr: „Deutscher Schützen« sport", Vortrag von Professor Dr. Popp. 7 bis 7.30 Uhr: Funkhochschule: „Aeue Wege der gegen- toärtigen Philosophie: Auferstehung der Mctha- phtzsik I“, Vortrag von Privatdozent Dr. Heinemann. 7.30 bis 9 Uhr: lle&ertragung aus dem großen Saal des Saalbaues: Konzert des Wiener Schubertbundes. 9.30 bis 10.30 Llhr: Hebertragung aus Mannheim: Konzert der „Stamih- gemeinde".
Der große Krieg, der bann alle, bis zum letzten Burschen in ber verlorensten Holzerhütte, herausholte, überhob den Zeno vorerst allen weiteren Sinnierens über sich selbst — ja, machte ihn selbst zum Schnitzklotz, ber wehrlos unterm brohenden Messer sich hin unb her brehen und an sich herum schnitzen unb schneiden lassen muß — wie es eben Der starken, alle Schicksalsgeheimnisse bergenden Hand gefällt.
Bis ber Schicksalsschnitzer mit dem Messer gleichsam ausglitt unb ihm ein Stück, ein Sein, weg- schnitt. Da war ber Klotz verschnitten, verpfuscht unb warb als unbrauchbar weggeworfen. Denn ba war nichts mehr zu leimen. Ja, ja, es war sckon so — weggeworfen. Denn, sayte sich Zeno in solchen Augenblicken bitteren Sinnierens, Hand aufs Herz — zum Bergbauern taugst bu jetzt nimmer! Schon immer warst du innerlich bloß halb unb halb babei — jetzt paßt dein Aeußeres gut dazu? Der Vater hatte recht ...
Aber winkte ihm denn nicht eine freundliche Zu- kunft? Führte ihn nicht die väterliche Dorsorglich- keit unmittelbar auf den Weg, von dem er früher nur zu träumen gewagt? Ein anderes, heimlich- trautes Bild schloß den Kranz von Zenos Vorstellungen: Er stellte in Gedanken ein sckönes, hoch- gewachsenes blondes junges Weib neben sich in das schmucke Schnitzerhäusl ...
Um Walli, der Hauserin und Steüoertteterin- Mutter eine kleine Freude zu bereiten, setzte sich Zeno zu ihr in die warme, von heimeligem Düster und Feuerschein erfüllte Küchel unb trank dort seinen Kaffee. Die Zeit benützte Walli, um sich auszureden. Mit einem abgrundtiefen Seufzer hob es an:
Ach ja! —"
„Ra?--" fragte Zeno, der an einer Nudel
taute.
„Han?"
„Was jammerst denn?"
„3? — O mein! — Halt a so —"
„Geht dir was ab, Walli? Nur raus mit ber Sprach'! — Sag' gick ober gack! Vielleicht kann i bir helfen!"
Walli aber blieb tobemft.
„Mir? — Mir geht nixen net ab — i hab mein' Sach!"
(Fortsetzung folgt.)


