Berichterstattung über Broadlands.
Berlin, 12. Okt. Der Führer der deutschen Jn- dustriedelegotion in England, Geheimrat Suis» berg, wird am Donnerstag, 14. Oktober, in der Präsidialsitzung und in der anschließenden Vor- standssigung des Reichsverbandes der deutschen Industrie über die Ergebnisse der Fühlungnahme mit der englischen Industrie berichten. Außerdem wird in diesen Sitzungen die Debatte über die Dresdener Rede Siloerbe r g s weitergeführt werden. Es ist anzunehmen, daß der Reichsoerband der deutschen Industrie in einer offiziellen Mitteilung zu der Siloerbergrede Stellung nimmt und die Konsequenzen andeutet, die er aus ihr zu ziehen gewillt ist.
poincare in Elsaß-Lothringen.
Straßburg, 11. Oft. (SU) Ministerpräsident Poincare ist gestern abend iir M e tz eingetroffen und begab sich heute morgen auf die Präfektur, tiro er den Befehl erteilte, nichts über seine Absicht, das Llnterrichtsproblem an Ort und Stelle zu studieren, zu veröffentlichen, poincare besuchte die Mädchen- und Knabenschule and die jüdische Volksschule des meistbevölkerten Stadtteils von Metz. Cr traf in den Schulen unangemeldet ein. 3n den hauptsächlich von Klosterfrauen geleiteten Schulen fiel es auf, daß der größte Teil der Mädchen Kinder naturalisierter Deutscher sind oder Kinder, Die nur den elsässischen Dialekt spre^ H en. Auch in Forbach erschien Poincare un° erwartet. lieber seine Eindrücke lieh er nichts verlauten. Jeder Empfang, jedes offizielle Bankett und jede Rede lehnte Poincare ab. Der Besuch, der allgemein als eine entscheidende Qßen» d u ng in der elsässischen Politik Frank- reichs gedeutet tvird, beschäftigt bereits die ganze elsässische Presse mit Ausnahme der ausgesprochen nationllisiischen Organe französischer Sprache, deren Leiter ihre Tätigkeit mehr in den Hintergrund verlegt haben. Allgemein herrscht die Besorgnis, daß Poincare sich werde „einwickeln" und sich über die wirkliche Lage durch Trugbilder werde täuschen lassen. Die Reise des Präsidenten wird mit Spannung verfolgt. Der katholische „Elsässer" warnt im voraus den Ministerpräsidenten, sich bei Einholung von Informationen auf Leute zu beschränken, die sich nur selbst Auftrag zur Auskunfterteilung gegeben hätten. Die autonomistische „Zukunft" beschränkt sich darauf, dem Ministerpräsidenten in kurzer programmatischer Zuscmrmensassung ihre Haupt- forder'.mgen zur Spr a ch en p o l i t i k, die auf die volle Gleichberechtigung der deutschen Sprache mit der französischen in der Schule und im ganzen öffentlichen Leben hinauslaufen, vorzulegen.
Die Regierungsumbildung in Preußen.
Erneute Fühlungnahme mit der Deutschen Volkspartei. Berlin, 11. Oft (WTB) Zur Frage der Regierungsumbildung in Preußen hat der Abgeordnete Dr. P o r s ch, der Vorsitzende der Zen- trumäfraftion des Preußischen Landtags, im offiziellen Auftrag der Zentrunrsfraktion den Vorsitzenden der Deutschen Dollspartei rm Preußischen Landtag, Dr. v. Campe, zu einer Besprechung der Frage der Regierungsumbll- dung in Preußen aufgefordert Am Montagabend fand bereits die erste Fühlungnahme zwischen der Deutschen Volkspartei und dem Zentrum statt Die Besprechungen werden fortgesetzt.
Die „Germania", das Berliner Zentrumsblatt, erklärt: Eine gewisse Mißstimmung ist in der Vollspartei durch die Ernennung des neuen Ministers des Innern entstanden. Doch stärker ist offenbar der Unwille über die Verab- schiedung des volksparteilichen Staatssekretärs Dr. Meister. Die Verärgerung der Volkspartei Rber diese Tatsache kann man gewiß verstehen. Aber sie scheint dabei zu übersehen, daß im gegenwärtigen Stad.um ein längeres Hinauszögern so wicht'ger Stellenbesetzungen staatspvlitisch untragbar gewesen wäre und auf der andern Seite hätte doch die Volkspartei Mittel und Wege gehabt, um ihrer Meinung Ausdruck zu geben. Von solchen Einwirkungen ist indes nichts bekannt geworden, und man mußte daher annehmen, daß die Ernennungen von entscheidender De- deutung für dm Entschluß der Volkspartei zur Größen Koalition nicht fein könnten. Die „Voss. Ztg." weiß mitzuteilen, daß bei der Regierungskoalition in Preußen die Rachricht nicht wenig verstimmt habe, daß die Deutsche Volkspartei Reigung zeige, für den kommunistischen Mißtrauensantrag gegen den neuen Minister des Innern Grzesinski zu stimmen.
Aus aller Welt
Der prctI sche Rrchtertag in Kassel.
Aus Preußischen Richtertag in Kassel wurde nach uf.cm Bericht des Geh. Iustizrats $) a u d) e c o l n e, Berlin, über die Reuregelung *€> Arbeitsgerichtswesens folgende Entschließung angenommen: Der 5. Preußische Richtertag erhebt noch einmal in letzter Minute die dringliche Forderung der Angliederung der Arbeitsgerichte in die oröent- ichen Gerichte. Lieber das Thema „A u f- Wertung in der Praxis" sprach Arbeits- gerichtsrat Ricks, Berlin. Es wurde eine Entschließung angenommen, in der der Vorstand ersucht wird, bei den maßgebenden Stellen dahin zu wirken, daß die Durchsührungsvorschristen zum Aufwertungsgesetz nach den Vorschlägen der Praxis. z.B. dec Großberliner Grund- iuchrichter und Aufwertungsrichter, ergänzt werden. Zur Besoldungsfrage wurde .-ine Entschließung angenommen, in der die Richter und Staatsanwälte und mit ihnen ?ie anderen Beamten, die sich in starker Bedrängnis befinden, verlangen, daß ihre Wirt- chaftsbelange mehr Berücksichtigung finden, als :s jetzt geschieht. Die Beamten könnten zum Dohle deS Staates nur dann berufssreudig den >erantwortungsvollen Dienst leisten, wenn sie in b'.er wirtschaftlichen Lage gefestigt dastehen. hierzu reichten die jetzigen Gehälter der höheren Beamten, insbesondere die der Richter und Staatsanwälte, nicht aus.
In einer weiteren Entschließung erkennt die Vertreterversammlung der Preußischen Richtervereins die Rotwendigkeit einer Verwal- tu.igsresorm auch in der Justiz an. Zum
Schluß wandte sich die Vertreterversammlung noch der Erörterung der Angriffe gegen das Richtertum zu und besprach dabei besonders den Magdeburger Fall. Dazu wurde folgende Entschließung einstimmig angenommen:
1. Eine völlige Klarstellung der Magdeburger Angelegenheit ist mit allen _ Mitteln baldigst herbeizu ühren,' 2. bei der Fülle von Zweifeln und Meinungsverschiedenheiten, die sich zwischen den beteiligten Behörden über die Kompe- tenzverteilung erhoben haben, erscheint es unbedingt erforderlich, daß nach gerichtlichem Abschluß der gesamten Angelegenheit die Grenzmr zwischen den Befugnissen der Behörden, vornehmlich des Gerichts und der Polizei bestimmter als bisher festgelegt werden,- 3. Wir setzen bei allen Dienststellen voraus, daß sie sich bei ihren Maßnahmen von irgendwelchen politischen Beweggründen nicht haben leiten lassen. Sollte das bei einer Dienststelle doch der Fall sein, so wäre das entschieden zu mißbilligen: 4. Hinsichtlich der Schuldfrage ist nicht mir zu untersuchen, ob auf richterlicher, sondern auch auf polizeilicher Seite Verfehlungen begangen worden sind.
Die Verhandlungen des fünften Preußischen Rtchtertages wurden damit geschlossen.
Die Cpfcr des Sturmes über Holland.
Der schwere Sturm, der seit drei Tagen über Holland wütet, hat eine große Zahl von Opfern gefordert. Ein Heringsfänger mit 13 Mann an Bord ist im Sturm untergegangen. Einige der Leichen wurden bereits angespült, doch konnte man bas Schiff trotz langen Suchens bisher nicht finden. Ein anderer Heringsfänger ist eb :ifalls dem Sturm zum Opfer gefallen. Zwölf Mann der Besatzung kamen in den Wellen um. Der Fischer selbst und ein Schiffsjunge wurden durch einen deutschen Dampfer ausgenommen. Der Junge ist an der Erschöpfung gestorben, während der Fischer schwer verwundet im Hospital Aufnahme fand. Mait fürchtet, daß ein drittes Heringsboot, das dieser Tage zurückkehren sollte, gleichfalls im Sturm untergegangen ist.
Der Sturm auf Helgoland.
Gewaltigen Schaden hat die Sturmflut auch auf Helgoland angerichtet. Die Dune hat überall so schwer gelitten, daß sie einer neuen starken Sturmflut von dieser Heftigkeit kaum standhalten dürfte. Die Straßen des Unterlandes und die Landungsbrücke waren überflutet. Auf der Düne wurden über hundert Badkarren fortgerissen und fortgeschwemmt. Einen schweren Verlust erlitten die Helgoländer Hummerfischer, die alle ihre Hummerkörbe — 2000 Stück — durch die Flut verloren haben.
Großfeuer bei Hameln.
Das Anwesen des Gastwirts Kretzer in Exten bei Hameln wurde von einem schweren Brand- ungliick heimgesucht. Dem Feuer fiel die Gastwirtschaft mit sämtlichem Inventar und große Erntevorräte zum Opfer. Bei den Rettungsarbeiten wurden sechs Feuerwehrleute bei dem Versuch, aus dem Gastzimmer in den Saal zu gelangen, unter der mit lautem Krach einstürzenden Saaldecke begraben. Unter den Trümmern zog man d i e Leichen zweier Feuerwehrleute hervor, die bis zur Unkenntlichkeit verbrannt waren. Die anderen kamen mit schweren ober weniger schweren Brandwunden davon.
Todschkagsversuck eines Geisteskranken.
In Kiel stellte sich der Polizei ein etwa 30jähr. Feinmechaniker W ö h l k unter der Angabe, er habe die etwa 50jährige Ehefrau Koch und seinen Vaicr, den Schuhmacher Wöhlk, mit einem Hammer niedergeschlagen. Die Angabe bestätigte sich, doch werden beide Verletzte mit dem Leben davonkommen. Der Täter, der früher in einer Ir- renanstalt untergebracht war, handelte zweifellos in einem Anfall geistiger Umnachtung.
Kunst und Wissenschaft.
Tagung der deutschen Tonkünsller und Musiklehrer.
Der Reichsverband deutscher Tonkünstler und Musiklehrer hielt in Halle unter dem Vorsitz von Arnold Ebel eine Delegiertenversammlung ab. Diese war mit mehreren von zeitgenössischen Komponisten bestrittenen Festkonzerten, mit Opernaufführungen (Händel: Skis und Galatea und Busoni: Turandot) und musikpädagogischen Vorträgen verbunden. Oie bemerkenswerteste Entschließung der Versammlung bestand in der Wahl einer „Elfers- Kommission", die sich speziell mit allen musikkulturellen Angelegenheiten der deutschen Tonkünstler- schaft befassen soll. Die Aufgaben der Kommission bestehen zunächst in der Mitarbeit an den Bestimmungen für bas „staatliche Musikexamen", in ber Schaffung einer „Tonkünstler-Kammer" und an den Vorbereitungen zur „Reichskunstwoche".
Deutscher pädagogischer Kongreß.
Der deutsche Ausschuß für Erziehung und Unterricht, der 25 Verbände mit über eine Million Mitglieder zählt, veranstaltete in Weimar einen allgemeinen pädagogischen Kongreß. Für bas Reichsministerium des Innern ist Staatssekretär Schulz erschienen, ber die Versammlung als eine kleine inoffizielle Reichsschulkonferenz begrüßte. Den Vorsitz führt ber Nestor unter ben beutschen Päbagogen, Geheimrat Kerschen st einer, Prof. Dr. Li 11 1 (Leipzig) behanbelte als erster Redner bas Hauptthema der Tagung „Die gegenwärtige pädagogische Lage und ihre Forderungen".
3nternattonale Werkbundausstellung 1930.
Der Vorsitzende der württembergischen Arbeitsgemeinschaft des Deutschen Werkbundes, Geheimrat Dr. Vruckmann, machte die Mitteilung, baß ber Werkbunb beabsichtige, im Jahre 1930 in Deutsch- lanb eine „W eltausftellung ber Künste, der Gewerbe und der formschaffenden Industrie" zu veranstalten.
von der Universität Marburg.
Marburg, 11. Okt. Der Direktor des hiesigen Unioersitätsinstitutes für Leibesübungen, Herr Privatdozent Dr. I a e ck, ist zum außerordentlid)en Professor ernannt worden. Dr. Jaeck kam im Oktober 1923 nach Marburg.
Sven hedin in Wiesbaden.
Der schwedische Gelehrte und Forschungsreifende Sven Hedin ist in Wiesbaden einge- troffen. In den nächsten Tagen wird er in Mainz einen Vortrag halten.
Professor Karl Holzapfel f-
Im 61. Lebensjahre ist der Maler Prof. Karl Holzapfel an den Folgen einer Bleivergiftung, die er sich vor Jahren an der Akademie Kassel zugezogen hatte, gestorben.
W'ttervoraussage.
Nach sehr kühlen Nachttemperaturen erneut ansteigend, anfangs Regenschauer bei nord-westlichen Winden, bann, nach kurzer Aufbesserung, erneute Regenneigung bei Winben aus südlicher Richtung.
Aus der Provinzialhauprfta-l.
Gießen, den 12. Oktober 1926.
Hessische Beamtenhochschule.
= Die Beamtenhvchschickbewegung, ö.e in der kurzen Zeit ihres Bestehens einen ungeahnten Aufschwung genommen, hat auch in H es sen Fuß gefaßt. In Anlehnung an die Frankfurter Verwaltungs-Akademie werden zunächst in Darmstadt Beamtenhochschulkurse eingerichtet werden. Zweck der Deamtenhochschulen, wie solche fett 5 Jahren in Deutschland bestehen, ist die wissenschaftliche Fortbildung des berufserfahrenen Beamten durch Hochschullehrer. Der Darmstädter Plan sieht ein 6—Zsemestriges Studium vor, das in methodischem Ausbau einen Tleberblick über das gesamte heutige Rechts- und Wirtschaftsleben ermitteln will. Daneben werden nach Bedürfnis Fachvorllsimgen für einzelne Berufs- gruppen. einzelne Vorlesungen über allgemeine kulturelle Erscheinungen unserer Zeit den Lehrplan ergänzen. Das 1. Semester wird am 16. Ro- vember beginnen. Das Vorlesungsverzeichnis kündet rechtswisfenschaflliche, ftz'al- und toirt- schaftswissenschastliche, sowie allgemeine Vorlesungen an. Als Dozenten sind tät'g: Pros. Dr. Hollatz (Darmstadtt. Prof. Dr. Giese (Frankfurt a. M.). Prof. Dr. Goldstein (Darmstadt), Prof. Dr. Muh (D -rmstadtt, Dr. David (Darmstadt) und Pros. Dr. Gmelin (Gießen), der im ersten Semester über „Der hessische Staat und seine Beamten" liest. Die Vorlesungen finden in den Abendstunden in der Technischen Hochschule in Darmstadt statt. Wenn der Versuch Erfolg hat, darf damit gerechnet werden, daß der Deamten- hvchschulgedanke in Hessen weiter an Boden gewinnt und vor allem auch in Gießen durch ähnliche Hochschulkurse für Beamte verwirklicht werden fann.
Vom hessischen Reformattons- jubiläum.
In den Tagen, an denen vor 400 Jahren die Synode zu Homberg stattfand. durch die Hessen evangelisch wurde, vom 20. bis 22. Oktober, begeht dort die evangelische Landeskirche in Hessen-Kassel das Gedächtnis ihrer Reformation. In eindrucksvoller Feier will sie sich dabei als Bollskirche im eigentlichen Sinne darstellen. Mit einem Kirchenkonzert wird am 20. Oktober der Auftakt gegeben. Am Donnerstag. dem 21., läuten morgens zur Stunde der ersten Versammlung der historischen Synode die neuen Glocken das Fest ein, darunter die Hessische Reformattonsglocke, eine Stiftung des ganzen Landes. In der hochragenden Reformationskirche beginnt um 10 Ubr der Festgottesdienst. An ihn schließt sich auf dem Marktplatz der Festakt an mit Grußworten der Ehrengäste, Gesang und feierlicher Handlung. Rachmittags um i - »4 Uhr hält in der Kirche Prof. D. Dr. Her- ; meiinf den Fest Vortrag über die Hom- berger Synode von 1526, Prälat D. Dr. Diehl- Darmstadt spricht von ihrer Bedeutung für die Gegenwart. Am Abend um 1/«8 Uhr wird das von Pfarrer Stolzenbach gedichtete Fest spiel „Dem Evangelium Bahn" aufgeführt. Am nächsten Morgen ist um 10 ilfjr ein festlicher Iugendgottesdienst, woran sich ein Konzert der Bereinigten Hessischen Posaunenchöre anschließt. Die Veranstaltung verspricht, ohne den Charakter der landläufigen Stadtfeste nachzuahmen, eine imposante Kundgebung der Hessischen Evangelischen Kirche und ihrer Glieder im besten volkstümlichen Sinne zu werden,
Gießener Wocheurnarktpreise.
Es kostete auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 150 bis 170 Pfennig, Matte 35, Käse (10 Stück) 60 bis 150, Wirsing 6 bis 8, Weißkraut 3 bis 4, Rotkraut 8 bis 10. gelbe Rüben 10, rote Rüben 10, Spinat 15 bis 20, Römischkohl 8 bis 10, Unlerkohlrabi 5 bis 10. Feldsalat 100, Tomaten 10 bis 25, Zwiebeln 7 bis 8. Meerrettich 40 bis 100, Schwarzwurzeln 40, Kürbis 8. Kartoffeln 5. Falläpfel 10, Aepfel 15 bis 25, Birnen 10 bis 20, Zwetschen 20 bis 25, junge Hahnen 100 bis 110, Suppenhühner 100 bis 120, Rüsse 80, Hagebutten 15; das Stück: Eier 15 bis 17, Blumenkohl 20 bis 150, Endivien 10 bis 20, Oberkohlrabi 5 bis 12, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 20, Sellerie 20 bis 50; das Bund: Radieschen 12 Pfennig.
Bornotizen.
— Tageskalender für Dienstag. Stadttheater: 7V2 silhr „Die Medaille" und „Lott- chens Geburtstag" (Ende 9Vr -Uhr). — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die elf Schillschen Offiziere". — Astoria-Lichtspiele: „Unter der Sonne der Südsee".
— Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Am morgigen Mittwoch kommt Hans I. Rehsisch mit seiner Tragikomödie „Wer weint um Jucke nack" als Vertreter der Moderne zu Worte. Das Werk gilt als stärkste Arbeit des Verfassers, und nimmt seinen Weg über die meisten Bühnen Deutschlands, die auf Riveau halten. Das Thema der menschlichen Undankbarkeit wird in eigenartiger Ausgestaltung zwischen Personen abgehandelt, die glänzend gesehene Typen darstellen. Herr T e l e k h, der auch die Regie führt, spielt die Haupt- und Titelrolle des hochinteressanten Werkes. Herr G e f s e r s, Herr Lenau, Herr Gehre sowie die Damen Jüngling und Gehre sind in weiteren größeren Ausgaben beschäftigt.
*
L. U. Von der Landes-Universität Gießen. Der planmäßige außerordentliche Professor in der juristischen Fakultät Dr. Wilhelm Groh hat einen Rus an die Universität Heidelberg auf den neu errichteten Lehrstuhl für Arbeitsrecht erhalten.
'* P e r so n a l i e n. Ernannt wurden der Studienrat au der Studienanstalt L E- in Gießen Dr. Heinrich Haun zum Studienrat an der Augustinerschule (Gymnasium und Oberrealschule) in Friedberg und der Studienreferendar Friedrich Franke in Gießen zum Studienassessor.
* • Amtsjubiläum im städtischen Gaswerk. Der Derwaltungssekretär Wilhelm Brauer von hier kann am heutigen 12. Oktober auf eine 25jährige Tätigkeit bei der Verwaltung des Städtischen Gaswerkes zurückblicken.
* * 40jähriges Dienstjubiläum bei der P o st. In diesen Tagen konnte Oberpostschaffner Ludwig Groh dahier auf eine 40jährige Dienstzeit bei der Reichspost zurückblicken. Den größten Teil dieser arbeitsreichen Zeit ist der Jubilar bei dem Postamt in Gießen
tätig gewesen. Sellens der Oberpostdirevion wurde ihm eine besondere Anerkennung mit An- schreiben des Postamts Gießen überreicht.
• • Carl August Faber t- Mit Dem am Samstagabend im 83. Lebensjahre entschlafenen Spenglermeister Earl August Faber ist wieder einer der ältesten Bürger und Handwerksmeister unserer Stadt von uns geschieden. Sein nach streng reellen Grundsätzen seiner Vorfahren weiter geführtes und ausgebcmtes Geschäft nahm zwar seine ganze Arbettskraft in Anspruch, er rang sich aber trotzdem die Zett ab zur Tätigkeit in verschiedenen Ehrenämtern, in die ihn das Vertrauen seiner Mitbürger berufen hatte. In seiner von 1893 bis 1911 dauernden Tätigkeit als Stadtverordneter trat er zwar nicht als reger Drbatter in die Erscheinung, um so eifriger wirkte er aber in den Kommissionen, im Marktausschuß, Annendeputation, ArbeitsnachwciZ, Einquartierungswesen. Land- und Forstwirtschaftlichen Ausschuß. Auch in der Gewerbebank, zu deren Gründern schon fein Vater gehörte, war er lange Jahre Aussichtsratt- Mitglied. Fabers Arbeit in seinem Berufe, in seinen Ehrenämtern und sein biederes Wesen sichern ihm bei allen, die ihn näher kannten, ein dauerndes Andenken.
* * Das städtische Feuerwehrauto erlitt gestern nachmittag gegen 3.30 Uhr an der Ecke Rordanlage Marburger Straße einen Anfall. Das Auto befand sich auf einer Aebungsfahrt und kam in mäßigem Tempo unter Abgabe von Signalen um die Ecke der Marburger St ratze, um in die Rordanlage einzubiegen. Plotzhch sah der Wagenführer vor sich auf dem Fahrdannlk einen Pflasterer, der trotz der Signale die Straße nicht verlassen hatte und dadurch in die Gefahr des Ueberfährens geriet. Um dieses Änglück zu vermeiden, steuerte der Fahrer das Auto nach rechts herum, wobei es auf dem feuchten Boden ins Rutschen kam und gegen einen Torpfeiler des Eckhauses fuhr. Der Pfeiler wurde umgeworfen, auch ein kleiner Handwagen, der auf dem Trottoir stand, wurde zertrümmert. Das Feuerwehrauto büßte einen Kotflügel ein, außerdem erlitt es noch eine Beschädigung am Vvrder- wagen. Es konnte nach Vornahme einer Reparatur auf eigener Achse in das Depot zurückgv- schleppt werden. Die Wiederherstellungsarbeiten wurden sofort in Angriff genommen und werden im Laufe des heutigen Tages beendet werden.
_ ** Das herbstliche Wetter hat sich planmäßig weiter entwickelt. Auch in ber letzten Nacht fauchte heftiger Winb burch bie Straßen, dazu regnete es ganz anständig, kurzum echtes Herbstwetter hatte wieber bas Regiment angetreten. Sturm und Regen richteten mehrfach an Bäumen unb Häusern Schaben an; u. a. stürzten an bem im Besitz bes Gesellschaftsvereins befinblichen Eckhaus Sonnenftraße- Neuen Bäue große Telle bes Verputzes ber Haus- roanb herab, bie einen recht stattlichen Schutthaufen bilbeten. Es muß als ein Glück betrachtet werben, baß biefes Malheur nicht zu einer belebten Verkehrszeit entstanden ist, denn sonst hätte leicht allerlei größeres Unglück geschehen können.
* * Zur Förderung des Automobil- straßenprojekts Hamburg —Mailand wurde kürzlich nach einer Besprechung der Interessentenkreise in Frankfurt a. M. die Gründung eines Vereins beschlossen Für die Vorarbeiten zur Gründung dieses Vereins (Satzungsentwurf usw.) wurde em fünfgliedriges Komitee eingesetzt, in das der hessische Staat als wichttger Interessent den Regierungsrat Dr. Krebs vom Hessin schen Ministerium des Innern als Bertteter Hessens entsandt hat. Die große Verkehrsftraße soll bekanntlich nach den von Frankfurt aus verfolgten Plänen von Hamburg über Hannover, Kassel, Gießen, Frankfurt weiter nach Süden führen.
* * Aufgehobene Kreis st raßen- sperre. Die im Mai d. I. angeordnete Sperre der Kreisstratze Odenhausen—Straße Lollar- Sichertshausen ist jetzt vom Kreisamt Gießen wieder aufgehoben worden.
4 Freiwillige D an it ä t s k o l o n n e vom Roten Kreuz. Aus Bad-Rauheim wird uns geschrieben: Am Sonntag weilte die Gießener Freiwillige Sanitatskolonne vom Roten Kreuz in Bad-Rauheim, um der hiesigen Kolonne einen Gegenbesuch zu machen. Etwa 60 Personen aus Gießen nahmen an dem Ausflug teil, denen sich noch etwa 30 Mitglieder der Friedberger Kolonne anschlossen. Unter Führung der Bad-Rau- Heimer Kameraden wurden eingehend Sprudel, Haus und Kurhaus besichtigt. Ein gemütliches Badehauser, Inhalatorium, Trinkkuranlage, Teich- Haus und Kurhaus besichtigt. Em gemütliches Beisammensein vereinigte dann Gäste und Gastgeber in der Turnhalle, die bis zum letzten Platz gefüllt war. Kolonnen sichrer H. Stamm, Bad- Rauheim, entbot herzliche Grüße, die besonder- auch dem Ehrenkolonnenführer Balser, Gießen, galten. Kolonnenführer Kratz, Gießen, sprach Worte des Dankes für die liebenswürdige Aufnahme in Dad-Rauheim, dabei der echten Kameradschaft ein hohes Lob zollend. Auch Ehrenkolonnenführer Balser ließ es sich nicht nehmen, in humorvoller Art zur Jugend zu sprechen und sie zur treuen Pflichterfüllung im Dienste der guten Sache zu mahnen. Er dankte für die seiner Person gewordene Ehrung und gab seiner be- f anderen Freude darüber Ausdruck, daß die freundlichen Beziehungen der Gießener und der Bad-Rauheimer Kolonne so nachhaltig gepflegt werden. Flotte Musik, ausgeführt von der Friedberger Kolonne, Gedichtvorträge und weitere Ansprachen sorgten dann für gediegene Unterhaltung. Mit herzlichem Dank und reich an neuen Eindrücken schieden die Gießener Gäste erst in später Abendstunde von Bad-Rauheim.
** Po st anweis un gen nach Oe ft er- reich. Die Deutsche Reichspost weist erneut darauf hin, daß zu Postanweisungen nach Oesterreich nur das für den Auslanbverkehr bestimmte Formblatt verwendet werden darf.
Oderhessen.
Laudkrcis Gießen.
f. Klein-Linden, 11. Okt. In feiner jüng. sten Sitzung beschäftigte sich der Gemeinderat erneut mit den Gemeindeumlagen. Das Kreisamt hatte die beschlossenen Sätze — für je 100 Mark Veranlagungswert für Gebäude und Bauplätze 32 Ps., für land- und forstwirtschaftlich genutztes Gelände 40 Pf. — als nicht in Einklang mit dem vorgeschriebenen Verhältnis 1:2 stehend Dean- standet und schlägt die Sätze 32 und 59 Pf. vor. Um eine nochmalige Verzögerung der Ausstellung von Steuerzetleln für 1926 zu vermeiden, empfahl der Bürgermeister auf Grund der tm letzten Jahre gemachten Erfahrungen und bei Anerkennung de»


