r verAeichstag mihbilligt die Haltung des Reichskanzlers, der durch fdn Verhallen In der Alaggenfragc eine Gesamt- löfung dieser Jcage erschwert und in sorgenschwerer Zeil einen neuen Konflikt herouf- bcschworen hat.
Wie von demokratischer Seite mitgeteilt wird, hat die Fraktion sich zu diesen Anträgen äußerst schwer entschlossen. Die Mehrheit der Fraktivn war aber der Anschauung, daß die Schuld an dieser Krisis der Reichskanzler zu tragen hat. Der Fraktionsredner Koch wird in feiner Rede am Mittwoch betonen, daß er eine -Zusammenarbeit mit dem Reichskanzler auf Grund der vorliegenden Beschlüsse nicht mehr für möglich hält. Wie das Aachrichtenbureau des Vereins deutscher Zei- tungsverleger aus demokratischen Kreisen hört, werden die demokratischen Reichsmini- ster aus dem Kabinett zurückgezogen werden, aber erst nach der Abstimmung. Dies gilt auch von dem Finanzminister Dr. Reinhold, der vielfach als Fachminister angesehen wird. Aus den Reichswehrminister Geßler bezieht sich diese Entscheidung nicht, da Geßler nicht von der Fraktion gestellt ist. Die demokratische Reichstagsfraktion beschloß ferner, da fie nun einen eigenen Mißtraue-nsantrag eingebracht hat, nicht für den sozialdemokratischen zu stimmen. Wohl aber für Den Zentrumsantrag.
Haussuchungen bei Rechtsverbänden.
Berlin. 11. Mgi. (WB) Der Polizeipräsident teilt mit: 3n letzter Zeit haben sich die Anhaltspunkte für eine Unternehmung rechtsradikaler Elemente in be- drchlicher Weise vermehrt und zur Gewißheit verdichtet, daß sich die Polizei zu Schritten gezwungen sah. die über das Maß sorgfältigster Beobachtung hinausgingcn Die Berliner Polizei bat deshalb am Rachmittag und Abend des 11 Mai eine ganze Reihe von Durchsuchungen bei in Frage kommenden führenden Persönlichkeiten unb Verbänden der rechtsradikalen Bewegung vorgenommen. Das bei den Durchsuchungen gefundene Material,. das noch nicht abschließend gesichtet werden konnte, hat bereits klar erwiesen, daß sich die Verbände mit politischen K a m p s a u s g a b e n befassen, die in ihren Satzungen nicht vorgesehen sind. Bei einer führenden Persönlichkeit ist beispielsweise eine Anweisung an die Zentrale ihrer Organisation gefunden worden, worin die Einzelheiten eines konzentrischen Angriffs gegen Berlin geregelt werden. Der Führer- des Sportvereins „Olympia", Oberst a. D. v. Luck, ist auf dem Polizeipräsidium einem eingehenden Verhör unterzogen worden.
Durchsuchungen fanden ferner statt bei Admiral v. Schröder, beim Alldeutschen Verband, auf der Geschäftsstelle der Vereinigten vaterländischen Verbände, bei dem Führer der Trvßdeutschen, Dr. Stadler, beim Schriftführer des Bundes W i ck i n g und bei dem Schriftleiter der Deutschen Zeitung. Masor a. D. v. Sodenstern.
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Zu dem Bericht des Polizeipräsidenten schreibt die »Deutsche Allgemeine Zeitung": Der Polizeipräsident wird schlüssige Beweise für die Behauptungen seiner Mitteilungen erbringen müssen. Wenn die Putschgerüchte wahr find, wird jeder vernünftige Mensch in Deutschland solche Bestrebungen auf dos allerschärfste mißbilligen und wünschen, daß die völlig ausreichenden Machtmittel des Staates dagegen angewendet werden. Aber das deutsche Boll ist gegen solche Gerüchte sehr mißtrauisch . geworden. Zu oft hat sich hinterher ihre gäicz- liche Haltlosigkeit herausgestellt. Gibt es viel- e leicht Kreise, die in diesem Augenblick der parlamentarischen Auseinandersetzung über die Flag- ? gcaverordnung ein politisches Interesse an der Verbreitung solcher Rachrichten haben?
Hochschulfragen im Preußischen Landtag.
Berlin, 11. Mai. (DDZ.) Das Haus seht die zweite Beratung des Kultus-Etats mit der allgemeinen Besprechung des Abschnittes „Universitäten, technische Unterrichtswesen ufw." fort. Als Ausschuhberichterstatter erklärt Abg. Dr. Waentig, der Hauplausschuß habe sich mit der Frage der Reform der Llniversi- täten beschäftigt. Er habe der Wiederherstellung der Extra-Ordinariaten zugestimmt und sich gegen die Zersplitterung der Forschungs-Institute an den einzelnen Universitäten gewandt. Sowie die Finanzlage sich gebessert habe, müßte nach Ansicht aller Parteien dos jetzt bestehende Mißverhältnis zwischen Lehrkräften, Professoren wie Assistenten einerseits und der großen Zahl der Studenten andererseits beseitigt werden. Alle Parteien hätten schließlich eine bessere Pflege des Arbeitsrechts an den Universitäten verlangt. Der R a ch - wuchs, der jetzt zur Universität komme, sei nicht mehr auf der Höhe der akademisch en Jugend, die bisher auf den Hochschulen war. (Hört- Hört! rechts.) Gleichmacherei würde mit sozialen Aufgaben verwechselt. Der Abg. verlangt, daß die Kluft, die früher zwischen dem akademisch gebildeten Volksteil und der Arbeiterschaft bestand, unbedingt überbrückt werden müsse. Deshalb dankten die Sozialdemokraten dem Minister, daß er die Ersatzreifeprüfung eingeführt habe.
Abg. Dr. Faßbender (6.) verlangt, daß die wissenschaftliche Arbeit und Ausbildung auf den Universitäten nicht im Geiste der Isolierung und Kastenbildung, sondern im Geiste der Eingliederung in das Dolksganze geleitet werden.
Abg. Pinkernei (D. Bp.) bebauet!, daß der akademische Rachwuchs nicht in dem nötigen Maße vorhanden sei. Die Beiträge für die Studentenschaften sollen so niedrig wie möglich bemessen werden. Die Versöhnung der Studentenschaft mit dem Staate werde kommen, wenn der Staat zeige, daß er durch wirkliche Leistungen das Volk zur Höhe führen rann.
Abg. Bohner (Dem.) verweist darauf, daß ein großer Teil der Schwierigkeiten an den Universitäten darauf zurückzuführen sei, daß der alte Staat namentlich die Universitätsgcbäude und Einrichtungen verlottern lieh und wünscht, daß auf den Universitäten mehr Staatsbürgerkunde getrieben wird.
Ministerialdirektor Dr.. Richter führt aus, daß cs trotz der schlechten wirtschaftlichen Lage dem Kul- tusmtntfterium möglich zweien märe, die Zahl Der Afsistentenstellen zu erhöhen und allem an der Berliner Universität im letzten Johne
drei neue Honorarprofessoren für das Wirtschaftsgebiet emzustellen. Das Ministerium würde eine Kolleggelderhöhung unter keinen Umständen befürworten und denkt auch nicht daran, die Selbstverwaltung der Studentenschaften zu stören.
Abg. Rosenfeld (Soz.) macht auf die Notwendigkeit der praktisct)en Psychologie für unsere Juristen aufmerksam. Die Unterschlagungen in den studentischen Selbstverwaltungen verdienten schärfste Kritik. Es muß Vorsorge getroffen werden, daß sich solche Vorgänge nicht wiederholen.
Weiterberatung Mittwoch.
Rückgang der Erwerbslosigkeit
Berlin, 11. Mai. (WTB.) In der zweiten Hälfte des Monats April hat die Erwerbslosigkeit einen starken Rückgang erfahren. Die Zahl der männlichen Hauptunterstützungsempfänger ist von I 559 000 auf 1 467 000, die der weiblichen von 323 000 auf 317 000, die Gesamtziffer von 1 382 000 auf 1 784 000 also um 5.2 Prozent zurückgegangen. Die Zahl der Zuschlagsempfänger (llntechalt von Angehörigen von Haupt- Unterstützungsempfänger) hat sich von 1 975 000 auf 1 821 000 vermindert.
Deutscher Wahlsieg im MemeUand.
M c in c l, 11. Mai. >WB.) Im Memelgebiet wurden bei den Wahlen z u m litauischen Sejm bis auf einen noch ausstehenden Wahlbezirk 57694 Stimmen abgegeben. Davon entfallen auf die memeUändische Landwirtschafts- Partei 20 057 gegen 23 824 bei den Wahlen zum memelländischen Landtag, die memelländische Volksportei 18 443 (23 082), die sozialdemokratilche Partei 7840 (10 010). die Arbeiterpartei (Kommunisten) 2726 (1564) und die litauischen Parteien zusammen 8628 (4037). Danach entfallen au) die memelländische Landwirtfchaftspartei 3 und die memetländische Volkspartei 2 Abgeordnete zum litauischen Sejm.
Die Genfer Stuöienkommifßsn.
Die Reform des Bölkcrbrmdsrats.
Genf, 11. Mai. (TU.) Die heutige Sitzung der Studienkommiffion begann mit den Ausführungen des brasilianischen Vertreters, der in einer über eine Stunde dauernden Rede den Standpunkt Brasiliens und seiner Ansprüche auf einen ständigen Ratssih auseinanderseyte. Grundsätzlich sei ec gegen den .Unterschied dec nichtständigen und ständigen Ratssihe. Da er aber einmal vorhanden fei, sehe er nicht ein, warum er ausschließlich auf die Großmächte beschränkt sein sollte. Eine Vergrößerung des Rats bedeute feine Schwächung her Vollversammlung. Die turnusmäßige Wahl halte er für feine glückliche Lösung. Der Grundsatz dec Einstimmigkeit erscheine ihm mit gewissen Einschränkungen annehmbar.
Der Argentinier L e b r e t o n konnte seine Genugtuung nicht verhehlen, daß dec Völkerbund nach sechs Jahren ebenso weit sei, wie an dem Tage, als Argentinien seine bekannten Vorschläge zur Verbesserung des Rats vergeblich einreichte. Damit war die Generaldebatte geschlossen. Es folgte eine eingehende Aussprache über die weitere Praktische Behandlung dec drei Probleme, mit denen die Studienkommission sich zu befassen hat, und zwar über die Zusammensetzung des Rats, die Zahl der Ratsmilglieder und den Wahlmodus. Die Kommission beschloß, als Unterlage zu ihren weiteren Beratungen folgenden Borschlag L»rd Robert Cecils anzunehmen.
1. Die nicht st ändigen Ratsmitglie- der werden für einen Zeitraum von drei Jahren gewählt. Sie übernehmen ihre Funktionen sofort nach ihrer Wahl. Ein Drittel von ihnen wird jährlich neu gewählt.
2. Im Prinzip sind die nichtständigen Mitglieder innerhalb eines Zeitraumes von drei Jahren nach Ablauf ihres Mandates nicht wieder wählbar, doch kann die Vollver» sammlung mit Zweidrittelmehrheit beschließen, daß ein in Funktion befindliches Mitglied für einen neuen Zeitraum wählbar ist, unter dec Borausfetzung allerdings, daß nicht mehr als ein Drittel der nichtständigen Ratsmitglieder für wiederwählbar erklärt wird.
3. Die Zahl der nichtständigen Ratsmitglieder wird auf neun erhöht. Diese Mitglieder sollen in Zukunft nach dem Prinzip der Verhältniswahl gewählt werden.
4. Damit dieses Wahlsystem in Kraft treten kann, werden neun Mitglieder so schnell wie möglich in der nächsten Vollversammlung gewählt.^ Drei von ihnen werden für drei Jahre, drei für zwei Jahre und drei für ein Jahr gewählt.
Der Wiederaufbau in Frankreich
Paris, 11. Mai. (TU.) Der Zentralverband für die wirischaftliche Reorganisation Nordfrankreichs gibt einen Bericht über den gegenwärtigen Stand des Wiederaufbauwerks heraus. In dec Oeffentlichteil erregt das Dokument großes Aufsehen, da es die offiziellen Angaben, wonach der Wiederaufbau fo gut wie zu Ende geführt fei, widerlegt. Von 1 190 000 Gebäuden in Nordfrankreich wurden 893 000.zerstört. Wieder aufgebaut sind nur 508 000. Dec Wiederaufbau hat seit den letzten drei Jahren fast gar keine Fortschritte gemacht, was in dem Ausbleiben der staatlichen Zuwendungen seinen Grund hat. In diesem Jahr find 6 Milliarden Kredite für die Geschädigten vorgesehen. Davon werden aber nur drei Milliarden zur Auszahlung gelangen. Alles in allem sind nach 20 Milliarden an die Geschädigten zu zahlen. Der Bericht stellt fest, daß die Saumseligkeit dec Behörden unter der französischen Bevölkerung wachsende Erbitterung Hervorrufe und der Ernst dec Lage nicht verkannt werden dürfe.
Das Bombardement von Damaskus.
Paris, 11. Mai. (211.) Entgegen der gestern mitgeteilten Meldung der „Chicago Tribüne" über das neue Bombardement von Damaskus wird von dec französischen Presse mit» geteilt, es habe sich lediglich um eine Polizeiaktion mit Panzerautos und ■1 a n f ä gegen den Stadtteil Meidan gehandelt, be> der Artillerie überhaupt nicht in Tätigkeit getreten sei. Bei dem Gefecht feien 37 aufstän- LUche Drusen getötet und 71 Gefangene gemacht worden. Die Verluste der Franzosen hätten drei Date und acht Verwundete betragen.
Die polnische Krisis.
Die erste Niederlage des Kabinetts Witos.
Warschau. 12. Mai. (211.) Die Regierung Witos hat schon am ersten Tage eine Handlung vorgenommen. die ein ungeheures Aufsehen in ganz Polen erregt hat. Am Dienstag früh um 10 Uhr wurde eine Verordnung des neuen Innenministers an die Polizei herausgegeben, die die Konfiszierung der Morgennummer des „Curjer Porannh" mit einem Interview des Marschalls Pilsudski über seine Stellung zur neuen Regierung verfugt. In dem Interview hat Pilsudski u. a. erklärt: 1. Das Außen- wie das Kriegsministerium mühten außerhalb der politischen Tätigkeit stehen. 2. Die Regierung Witos bedeute eine große Demoralisation, da Witos und seine Kollegen schon ihre frühere Regierungstätigkeit f ü r ihre persönlichen Geschäfte benutzt hätten. 3. Cs fei zu verurteilen, daß der neue Kriegsminister ohne Einverständnis mit ihm, der doch eigentlich jetzt schon der aktiven polnischen Armee sehr nahe stehe, bestimmt worden sei. Pilsudski bat dann weiter gesagt, er werde nicht eher zur Armee zurückkehren, als bis er die in ihr herrschende Korruption bekämpft habe. Die Konfiszierung des „Curjer Porannh" hat in parlamentarischen Kreisen große Erregung herborgerufen. Man ist davon überzeugt, daß aus dieser Handlung die erste Rieder läge für Die neue Regierung Witos kommen wird, und daß deren Stellung im Sejm auf diese Weife schon von vornherein erschüttert ist.
Für die Erhitzung der Leidenschaften ist es bezeichnend, daß das heutige Abendblatt Der ..Rzeczpospolita" davon spricht. Daß gegen Pil- sudsli wegen seines Interview die Anklage durch Den Staatsan walt erhoben werde. Doch auch im äußeren Leben der Stadt beginnt sich Der Parteikampf bemerkbar zu machen. Durch die Straßen der Stadt fahren Autos, aus Denen viele o ebn taufen De von Flugblättern geworfen werden, in Denen es wörtlich heißt: .Wir lassen Polen nicht ausstehlen! Wir lassen Das Heer nicht verschachern! Es lebe her Oberbefehlshaber Marschall Pilsudski I"
Amundsens Polflug.
Oslo, 11. Mai. Die „N orge" ist heute vormittag zum Flug nach dem Nordpol g e - st n r r e i. Leutnant Byrd gab dein Luftschiff im Fokker noch fast eine Stunde weit das Geleit nach Dem offenen Meere. Nobile sagte vor dem Ausstieg, daß das einzige unsichere Problem der Weg auf der anderen Seite des Pols sei. doch hoffe er, baß alles gut gehen werde und sie Alaska leicht erreichen würden. Er könne nicht voraussagen, ob sie am Vol landen würden, da das vom Wetter abhängt. Das große Problem bestehe nicht in der Erreichung des Pols, sondern in dec Erforschung darüber hinaus.
Dem Luftschiff prophezeit die Wettervoraussage Rückenwind bis zum Pol. Man rechnet damit, daß beim Anhalten dieses Windes Point Barrow möglicherweise schon Donnerstag früh erreicht wird.
Nach einem Bericht der „Associated Preß" gab die ,.N o r g e" einen Funkspruch ab, in dem sie mitteilt, daß sie wohlbehalten über dem Polar- eis fliegt. Vor der Abfahrt erklärte Amundsen, daß bas Schift sechs Wochen unterwegs bleiben könne. Amundsen ist entschlossen, sich nicht zu überstürzen, um gründliche Beobachtungen am Pol anstetten zu können.
In einem Schreiben vom 17. März 1926 hat die Regierung Amundsen ermächtigt, neues Land, das wahrend der Fahrt der „Norge" etwa entdeckt würde, im Namen des Königs für Norwegen in Besitz zu nehmen. Amundsen hat erklärt, daß er dieser Aufforderung unter Beobachtung aller Formen, die dlc Lage gestatte, Nachkommen werde.
Aus aller Welt.
Verhaftung des Mörders des Architekten Oberreuter.
Die Verhaftung des Kölner Arztes Dc. B r ö- scher, der Anfang vorigen Monats Den Architekten Oberreuter vergiftet hatte, ist in Am st ec- h a m erfolgt, wo er m i t der Frau des Ermordeten ermittelt und festgenommen wurde. Die beiden legten ein v o l l e s G e st ä n D- niS ab. Frau Oberreuter behauptet, fie habe Dröscher zu der Tat veranlaßt, weil sie von ihrem Manne brutal behandelt worden sei. Die Festgenommenen waren vollständig mittellos und heruntergekommen.
Der zweite Raubmörder von Hegermühle ergriffen.
(WB.) Das Kapitalverbrechen, dessen Opfer in den Morgenstunden des 21. April die 76 Jahre alte Gastwirtin Wilhelmine Schröder im Schützenhaus zu Hegermühle bei Eberswalde war, wurde neun Tage später durch die Verhaftung des einen Töters, des 25 Jahre alten Schlächters Hermann Pirk, zum Teil aufgeklärt. Runmehr wurde von dec Demminer Kriminalpolizei Der »weite an der Tat Beteiligte, ein Arbeiter Straß, in einer Schnitterkaserne des Ritterguts Lehnitz bet Demmin verhaftet. Cs wurde bei ihm ein Pfandschein gesunden, gegen den er in Reu-Brandenburg eine der ©rmorheten gehörige Uhr versetzt hatte.
Raubmord in Wiesbaden.
2n Wiesbaden wurde die 60 Jahre alte Privatiere Süßer erwürgt in ihrer Wohnung aufgefunden. Die Schränke waren erbrochen und durchwühlt. Es liegt demnach Raubmord vor. Die Spur des Täters wird verfolgt.
Mord auf einem Bremer Bagger.
Auf einem in dec Weser liegenden Bagger wurde dec Maschinist Frische durch zwei Schüsse aus einem Jagdgewehr getötet. Der Täter, Der auf einer Schute arbeitende Hermann Kruse tonnte von der Polizei sofort f e st g e n o m m e n werden und ist geständig, Die Tat als Vergeltung für eine Beleidigung begangen zu haben. Er bekennt außerdem, am 20. April im Affekt Den Steuermann Turik, der seinerzeit als verunglückt bestattet worden ist. getötet zu haben.
vier Streckenarbeiter getütet.
Zn E h a rle v i ll e ist ein Eilzug in eine Gruppe von Streckenarbeitern hineingefahren. Vier Arbeiter wurden dabei getötet.
Wettervoraussage.
Tagsüber mild, wollig mit schwacher Aufheiterung, nur vereinzelt Regen, südliche bis westliche Winde. ’
Aus der provmzialhauptftadt.
Gießen, den 12. Mai 1926.
Christi Himmelfahrt.
Es ist sehr leicht, über das zukünftige Leben, über das Leben im Himmel Witze zu machen und die Christen, die von der Hoffnung auf die ewige Seligkeit getragen werden, zu verspotten. Scheinbar haben auch die recht, die den Grundsatz vertreten, man solle den Menschen das Erdendasein erträglich und schön gestalten und sie nicht auf ein Jenseits vertrösten. Nicht selten mtrb ausgesprochen, daß dem Tüchttgen auf Erden so viele und so große Ausgaben gestellt seien, daß Die Sehnsucht nach dem Himmel ihm nur hinderlich sei. Goethe läßt Faust sprechen:
Tor, wer dorthin die Augen blinzend richtet, Sich über Wolken seines Gleichen dichtet! Er stehe fest und sehe hier sich um !
Dem Tüchtigen ist diese Welt nicht stumm.
Was braucht er in die Ewigkeit zu schweifen!
Aber, als ob er diese Lebensanschaunug sofort als irrig erweisen wolle, läßt der Dichter den aüernben Mann unmittelbar nach diesen Worten erblinden und sterben. Damit ist in erschütternder Form ,311m Ausdruck gebracht, daß, um in der c^prache der christ lieben Kirche zu reden, irdische Tüchtigkm und irdische Wirksamkeit etwas sehr Vergängliches sind. Wir staben manchen einst geistig starken und tüchtigen Mann gekannt, der am Ende seines Lebens als blöder Greis einherging oder zum mindesten den anderen durch Wunderlichkeit und Schrullen lästig war. Die Stimmung, aus der man im Vollgefühl der Gesundheit und im Genuß der irdischen Freuden über den lacht, der seinen Blick nach oben richtet, hält nicht an. lieber vieles denkt man anders, wenn man im einsamen Krankenzimmer liegt und sich klar macht, daß man aus diesem Zimmer nicht mehr herausgeht, sondern im Sarge herausgetragen wird, als wenn man im Frühlingssonnenschein über Berg und Tal wandert oder im Kreise fröhlicher Freunde sitzt. Darum lebt im Menschenherzen die unvertikg- bore Sehnsucht nach einer jenseitigen Welt, tn her ihn llnglücksbotschaften nicht mehr erreichen, in der er nicht mehr an offene Gräber geführt wird, keinen Zusammenbruch mehr erleidet, von dem Haß der Menschen nicht mehr erreicht, von Krankheit und Not nicht mehr geplagt wird, von der Angst des Irdischen befreit, von Irrtum und Fehltritten be wahrt ist. Jesus ist uns die Garantie, daß die jen seifige Welt kein Trugbild ist, aus allen seinen Reden leuchtet diese Welt heraus, sein ganzes Wicken stand unter dem Gesichtspunkt der Ewigkeit. Die Wirkun gen, die von ihm bis auf diesen Tag in her Geschichte ausgehen, beweisen, daß er sich in keinem Punkte geirrt Hot.
Freilich dies alles enthebt uns nicht der Pflicht, auf Erden erträgliche Zustände zu schaffen. Kein anderer hat so laut darnach gerufen, daß man den Kranken, Armen, Trauernden und verlassenen Kin Dem Helsen soll, als Jesus, und wenn er heute leben würde, so würde er, der in einem Londe mit un gewöhnlich mildem Klima und vrimiiiven Lebensformen die Wohnungsnot nicht kennen gelernt hat, auch dazu mahnen, daß dieser Not gesteuert werde Sodann ist es durchaus nicht im Sinne Jesu, die zukünftige Welt in phantastischen Formen, in irdi scher, sinnlicher Weife auszumalen. Soweit die uns erhaltenen geschichtlichen Quellen darüber Auskunft geben, hat Jesus alle Fragen dieser 'Art abgemebrt. Den Sadduzäern, die mitten wollten, wem von ihren Männern eine Frau, die mehrere Mole verheiratet mar, in der Ewigkeit angeboren werde, hat er ge sagt: „Ihr irret und wisset die Schrift nicht, noch die Kraft Gottes. In der Aufers^yung werden sie weder freien nach sirb freien lassen, sondern sie sind gleich wie die Engel Gottes im Himmel." Die Jünger, die Auskunft Haden wollten, welche Ehrenstellen ihnen in der zukünftigen Welt befchieden fein würden, erhielten den Bescheid: ,,Jhr wisset nicht, was ihr bittet." Sie wurden vielmehr darauf aufmerksam gemacht, daß sie auf das erste nyt daran D-mfen sollten, Dyn Meister die Treue zu halten. Das Buch der heiligen Schrift, das e>m meiste« von den zukünftigen Dingen redet, ist die Offenbarung Johannis. Sie tut bas in Bildern und Gleichnissen, die irdischen Zustündeit entnommen sind, aber auch in schlichter, herzgewinnender Form, so daß man den großen Meister reden zu hören glaubt, der einst am See Genezareth gepredigt hat. Dorum wird der Christ sich weniger auf die Stellen gründen, die vorn gläsernen Meer und Den zwölf -!_or?*-sprechen. von denen iedss aus einer Perle be*‘ht. n(s r.'if dos schöne Wort, das den Himmel als eine Hütte Gottes bei den Menschen schildert, bas bas jenseitige Leben als untrennbare Gemeinschaft mit Gott beschreibt und den hrenieben Leibenden in Aussicht stellt: Gott wirb abwischen alle Tränen von ihren Augen, und her Tob wirb nicht mehr sein, noch Seih, noch Geschrei, noch Schmerz wirb mehr sein, denn do-- rrftc ist vergangen. H. B.
Spargelzeit!
Der Spargel ist ein noch verhältnismäßig junges Gemüse. Hieronymus Tragus «Bock) berichtet 1593 in seinem ..Reuen Kräuterbuch". Daß er ..nunmehr auch, wie andere Leckerbissen der Walen und Spanier. inS Deutschland kommen sei, ein lieblich Speis für Leckermäuler". Zwanzig Jahre sväter gab der Leibarzt des Pfalcarafeu bei Rhein. Johann Kasimir. Die ersten Auwei funaen über Svargelzucht. Dann wurde er auch in RordDeutschland rasch beliebt. Beim Regier rungsantritt Friedrichs des Großen lagen in Berlin in Der Leipziger Straße Gärten, tzic mir „allerhand Unterfrüchten befaatet“ waren: unter anderem standen ha auch „60 Schock wohl schmeckende Espares", und für 16 Groschen verkaufte Isaak Iolage das Schock „gute Spargis- Pflanzen, ein Jahr alt".
Ob die in Roch- und MittelheutschlanD auf feuchten Wiesen und an Ufern wildwachsende Spacgelart Asparagus officinaiis die Stammform unserer heutigen Spargelgemüsepflanze ist. mag Dahingestellt bleiben. Man nimmt an. daß Der Spargel bei uns nur verwildert ist. Da er aus Dem Morgenlande stammen soll und sich auch häufig wild in Griechenland und auf Den griechischen Inseln, ebenso aber auch in Italien findet. Das unkultivierte griechische Gewächs war aber auch nicht unsere Mai-Delikatesse, als welche wir heute unseren kultivierten Spargel schätzen. Heute trifft man bei uns überall große Spargelkulturen an, wo leichter Sandboden zur Ber- fügung steht, und daran ist wahrhaftig kein Mangel. Die Svargelpflanze selbst nimmt sich allerdings gemächlich Zeit und läßt Drei Jahre auf Die erste Ernte warten, die bis 25 Jahre hindurch alle Frühjahre wiederholt werden kann, wenn aus Den Klauen Die „Pfeifen" genannten jungen Sprofien aüfbrechen und dem Lichte ent- gegenstreben.
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