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Die Saargrenzen.

Von Geh. Justizrat Dr. A. Zapf, M.P.R.

Jedermann in Europa, der politisch interessiert ist, kennt die monströse Grenzzeichnung im Osten, wo der polnische Korridor deutsches Land voneinan­der trennt. Dort'genügt ein Blick auf die Karte, um zu sehen, welchen Irrsinn die drei grasten Staats­männer in Versailles seinerzeit in die Wirklichkeit zu übertragen die Güte hatten. Andors im Westen. Nur der Kenner der Verhältnisse konnte ermessen, von welchen Erfolgen die willkürliche Absteckung der Grenze des Saarreviers fein muhte.

Ein Saargebiet als eigenes Land, oder auch nur als eigene Provinz hat es nie gegeben, das frühere Fürstentum Saarbrücken hatte ganz andere und wesentlich engere Grenzen als das heutige Saargebiet, so dah die Herren Cle- menceau, Wilson und Lloyd George ihrer Phanta­sie freien Spielraum lassen konnten. Es galt, das Deutschtum möglichst zu schädigen und diesem Ge­danken entsprechend sind die Grenzen ausgefallen.

Die Begründungen für die Abtrennung des Saargebietes vom deutschen Zollgebiet war bekannt­lich die Behauptung, die Franzosen würden für die nächsten 35 Jahre infolge der Zerstörung der Koh­lengruben in Nordfrankreich an Kohlenmangei leiden. Man hätte dieser Behauptung Rechnung tragen können, in dem man das kleine Gebiet, auf dem Kohle vorkommt, vom deutschen Zollgebiet cib- gctrennt hätte. Allein der Bissen muhte, da die fran­zösische Politik offenbar damit rechnet, das Saarge­biet nicht nur wirtschaftlich auf 15 Jahre, sondern eines Tages mit Haut und Haaren zu schlucken, etwas g r ö h e r ausfallen. Aus diesen Gründen hat man aus der bayerischen Provinz Pfalz, welche mit der Saar historisch nichts zu tun hat, willkürlich Landesteile losgerissen. Zunächst nahm man die pfälzische Stadt Homburg und brache damit das ganze westpfälzische Eisenbahn­system, dessen Schlussel der Bahnhof in Homburg ist, in ein betriebstechnisches Durcheinander, das nach Lage der Dinge überhaupt nicht abzustellen ist. Die naürlichen Verbindungen des ganzen äußersten Süd­westens der Pfalz laufen in der Richtung der Straße HomburgKaiserslauternMainz, welche von Na­poleon I. als militärischer Verbindungsweg nach Deutschland kurz vor seinem Sturz ausgebaut wor­den ist. In diesen Verbindungsweg macht heute die französische Zollgrenze einen Einschnitt und zwingt die deutschen Transporte, obgleich die bei­den Zollgrenzstationen Einöd und Eichelscheiderhof nur wenige Kilometer voneinander entfernt sind, zeitraubende und kostspielige Umwege zu suchen, ins­besondere alle Landtransporte, das zwischen Zwei­brücken und Landstuhl liegende ziemlich hohe Gebirge zu überwinden. Aus rein militärischen Gründen hat man wieder das Bliestal, welches gleichfalls mit dem iLaargebiet niemals etwas zu tun hatte, in Versailles zu dem neuen Gebilde gezogen und dadurch erreicht, daß die deutsche Stadt Zweibrücken, welche heute nur mehr 2 Kilometer von der französischen Zollgrenze liegt, des größten Teiles ihres wirtschaft­lichen Hinterlandes beraubt worden ist. Gemeinden, welche feit Jahrzehnten nichts anderes als Vor- o r t e von Zweibrücken waren, Dörfer, die seit vielen Jahrhunderten zu dem Bezirk Zweibrücken gehör­ten, ihre gesamten wirtschaftlichen Verbindungen dorhin hatten, wurden durch den Versailler Frie- densoertrag plötzlich zu Saargemeinden und nunmehr seit dem 1. Januar 1925 durch die Auf­richtung der verstärkten Zollschranke wirtschaftlich von dem ihnen zunächst liegenden Versorgungs­punkte losgerissen.

Die Folgen für die ganze Westvsalz sind dem­entsprechend. Die Landwirtschaft hat ihr Absak- . gebiet verloren. Das (Betreibe ist schwer oerfäuflid), der Kartoffelbau unrentabel. Der Mittelstand in l den Grenzstädten ringt überall um feine Existenz. Die Zollgrenze hält die alte Kundschaft ab, neue ' läßt sich nicht finden. Der kleine Bezirk Zwei­brücken hat weit mehr Arbeitslose als das ganze ' einige 600 000 Menschen zählende Saargebiet.

Man darf aber nicht glauben, daß die Verhält­nisse innerhalb des Saargebiets infolge der Einbeziehung in das wirtschaftliche Gebiet Frank­reichs sich irgendwie gebesiert haben. Zyr Zeit täuscht die Inflation noch einen gewissen Schwung im Geschäft vor. Allein schon jetzt sind -'häufige Zusammenbrüche vorgekommen, und die Deflation, die ja wohl auch in Frankreich eines Tages einsetzen wird, muß mit Sicherheit das Wirtschaftsleben des Saargebiets aufs schwerste treffen. Es wird sich die Frage aufwerfen, inwie-

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Gießener Stadttheater.

Müller vom Borne:Die letzte Nacht"

Der Autor, dessen Schauspiel in drei Akten (um es vorwegzunehmen: mit starkem Erfolge) an un­serer Bühne uraufgeführt wurde, Heinz Müller vom Borne, ist, soviel wir wissen, in seinem bürgerlichen" Leden, obzwar einer Schriftsteller­familie entstammend, Mediziner, Sanitätsrat in Schlangenbad. Sein Stück sollte vor einigen Jahren schon (in der Zeit des Ruhrkampses und des passiven Widerstandes) hier in Gießen aus der laufe ge­hoben werden; man verschob es aber. Es schien nicht rötlich und nicht angemessen. Ein Blick auf den Theaterzettel erklärt das sofort. Das Personal weist an vorderster Stelle den Namen auf: Napoleon I., Kaiser der Franzosen ...

Also: ein Drama unter Franzosen, ein Schau­spiel um Bonaparte? Lange nach Grabbes kindlich- genialen hundert Tagen" erlebt in unserer Zeit dieser Stofs eine stürmische, fast rätselhafte Renais­sance; die Gestalt des Kaisers fasziniert übers Grab hinaus, man beleuchtet sie, hell und dunkel, man wendet das Thema hin und her, gewinnt ihm die seltsamsten Seiten ab, es scheint zu locken, zu glitzern, scheint unerschöpflich. Die Weltgeschichte hat längst gesprochen, das weltbedeutende Theater glos­siert, unterstreicht, hat immer noch ein Wort zu jagen, und es sind nicht die Schlechtesten, die sich hier spät gefunden haben. (Nur ein paar Namen, ältere und jüngste: Shaw, Molo, Bahr, Berger, Steguweit und der junge Bernhard Blume.)

Müssen wir heute einen neuen hinzufügen? Ja und nein. Eigentlich nein. Wenn man gewollt hätte, hätte man auch schon vor drei Jahren diese Uraufführung haben können. Ohne Anstoß und ohne Widerspruch und mit dem gleichen Erfolg. Wenn man nämlich aus dem französischen ein deut­sches Drama gemacht hätte. Oder ein englisches, ober russisches. Wenn man die Namen geänbert hätte, vor allem ben ersten gleich Napoleon berührt die Fabel innerlich gar nicht ober kaum. Zwar hätte es, aus guten Gründen, Friebrich der Große nicht fein dürfen, aber vielleicht Peter der Große, am Ende ein Irgendwer, den die Geschichte gar nicht kennt.

Die Episode streift Bonaparte nur an der Pe­ripherie. Wir wissen nicht, wo der Dichter die (anekdotenhafte) Fabel fand. Vielleicht ist sie nicht

weit D e u t fd) l a n b bann ben Nöten des Saar­gebiets abhelfen kann. Wir glauben nur bann, wenn b i e französische Zollgrenze wie« b e r an bic französische Reichsgrenze zurückverlegt wird. Deutschlanb hat alle Ur­sache, der Welt, insbesondere auch Frankreich zu Gemüte zu führen, daß die Losreihung des Saar­ländischen Jndustriebezirks ein wirtschaft­licher U n s i n n war, der nicht nur die deutschen Grenzprovinzen, sondern auch das Saargebiet selbst aufs schwerste schädigt und den angrenzenden fran­zösischen Provinzen keinen Vorteil, sondern nur eine schwere Belastung bringt.

Deutschland wird nicht in der Lage fein, bei hanbelsvertraglichen Abmachungen dem Saargebiet wesentliche Vorteile auf Kosten der schwer leibenden deutschen Nachbarprovinzen einzuräumen. Der Un­sinn der Grenzziehung an der Saar kann nur in her Weise beseitigt werden, daß auch die Fran- SiOfen am eigenen Leide die Torheit, die in Ver- ailles begangen worden ist, begreifen lernen. Es teht heute fest, Frankreich hat keinen Kohle n- mangel, es gibt Kohle im Uederflust, und die Saarkohle ist absolut auf das nädjftgelegenc deut­sche Gebiet als Abnehmer angewiesen. Es liegt im Interesse der französischen Wirtschaftspolitik, bejt innerfranzösischen Markt von den saarländischen Produkten zu c n t l a st e n. Der Tag wird kommen, an dem die maßgebenden Wirtschaftskreise Frank­reichs dies einsehen, den Staat zur Vernunft zwin­gen und die Torheit der Grenzziehung von 1919 wieder auslösen werden.

Die Krise in Rumänien.

Die liberale rumänische Regierung hat sich auf Grund der ziemlich erheblichen Niederlage bei den Gemeindewahlen nun endlich entschlossen, in einigen Wochen zurückzutreten, weil die Gemeinde­wahlen jede Aussicht auf Erfolg bei den kommenden Parlamentswahlen versperrt haben. Es ist nicht ver­wunderlich, daß Bratianu noch den Versuch macht, durch ein neues Wahlgesetz sich bei den kommenden Wahlen eine Mehrheit im Parla­ment zu sichern, zumal bei den jetzigen Mehrheits- verhältnissen im Parlament Aussicht für die An­nahme besteht. Der wichtigste Punkt des Wahl- gefetzvorschlages will derjenigen Partei, die min­destens ein Drittel der abgegebenen Stimmen auf sich vereinigt, 65 Prozent der Abgeordnetensitze zu- sprechen. Bei der Zersplitterung der Oppositions­parteien erhofft Bratianu nach dem Vorbild Musso­linis sich wenigstens auf diese Weise einen Wahlsieg und damit erneut die Regierungsgewalt zu ver­schaffen. Bei der weitgehenden Verstimmung gegen das Regime Bratianu besteht allerdings die Mög­lichkeit, daß die Hoffnungen Bratianus doch noch enttäuscht werden. Es ist zu berücksichtigen, daß das Resultat bei den Gemeindewahlen trotz schlimmsten Terrors der Liberalen erreicht wurde.

Wie weit bei der Mißstimmung gegen Bratianu auch außenpolitische Fragen mitgespielt Haden, ist nicht ersichtlich, aber wohl möglich, beim er konnte es nicht verhindern, daß die führende Rolle auf dem Balkan auf Jugoslawien übergegangen ist, so daß auch für einen kommenden Balkanpakt, von dem jetzt immer die Rede ist, eine führende Rolle Rumäniens, ob mit englischer oder mit russischer Rückendeckung, vollkommen ausgeschlossen erscheint. Die Konferenz in Temesvar war nur eine Vorbereitung für die große und entscheidende Konferenz der Kleinen Entente, die im Laufe der nächsten Monate ftottfinben wird. Dabei wird bann auch die Festlegung ber zukünftigen Haltung der Kleinen Entente gegenüber Rußland erfolgen. Dann wird sich erst zeigen, ob Duca in Temesvar wirklich einen Erfolg für Rumänien in dieser Frage dadurch herausgeholt hat, daß die Ausnahme der Beziehungen anderer Staaten ber Kleinen En­tente zu Rußlanb verschoben würbe.

Rumänien hatte bamals in ber Oeffentlichkeit verbreiten lassen, baß gerade in jenen Tagen die Erneuerung des polnisch-rumänischen Militärbündnisses erfolgen würde. Obwohl das Militärbündnis nun am 5. März obgelaufen ist. ist es bisher noch nicht erneuert worben, und die rumänische Regierung hat in Warschau wissen lassen, baß bic Erneuerung bis zur Klärung ber innerpolitischen Lage Rumäniens zurückgestellt werden soll. Man wird diese Tatsache damit in Verbindung bringen müssen, daß die Stellung der Kleinen Entente zu Rußland auf der nächsten Kon­ferenz doch eine für Rußland günstige Regelung erfahren wird. Man wird dabei auch berücksichtigen I Illi III11 IIHII einmal neu. Man tastet unwillkürlich, gefühlsmäßig, bei Georg Kaiser, denkt vielleicht flüchtig an den ..Brand im Opernhaus", ansFrauenopfer" und findet doch nichts. Wahrscheinlich ergab sich Tatbe­stand und Schauplatz (in einer französischen Grenz­festung 1808) aus zeitgenössischen Quellen, in einer napoleonischen Geschichte. Womöglich laufen Fäden zu einer galanten Entreprise des Korsen, zu einem lockeren Abenteuer mit ber polnischen Walewskn -- wer weiß. Jedenfalls wurde ein Stoff gefunden, ein guter, wirksamer, interessanter Stofs, jedenfalls wurde gesehen, wie dramatisch (zum mindesten: wie ungemein theatralisch) er mar, und jedenfalls wurde erkannt, daß ber stilistisch-historische Rahmen dem (unhistorischen) Stoff nur willkommen sein könne. Er wurde also wohl beibehalten, und es ist bewun­dernswert, wie weit es (immerhin) gelang, den überragenden Mittelpunkt dieses Kreises innerlich mit der Anekdote zu verbinden, ober ihn doch nicht völlig herausfallen zu lassen.

Dies geschieht: Unter ben Offizieren des Stabes in der tfeftung herrscht Unruhe, Erregung, Be­stürzung: es ist ein Mord geschehen. Der Festungs- tommanbant ist meuchlings erschossen worben. Bei sofortigem Alarm ist alles zur Stelle bis auf Kapitän Gray. Er kommt zu spät, abgehetzt, ver­wirrt, in Wibersprüche verstrickt, schwer belastet burd) allgemeinen Verdacht und die Tatsache, daß er mit dem Kommandanten Mißhelligkeiten hatte. Gray muß verhaftet werden. Vor dem Kaiser beteuert er seine Unschuld, verweigert aber standhaft die Aussage, wo er in ber verhängnisvollen Nacht war. Der Kaiser sieht hierin ein stummes Ein- geftänbnis, tut ben Spruch: am anbern Mor­gen soll Gray erschossen werben. Gestattet ihm aber, auf Ehrenwort, Offiziershaft in ber letzten Nacht. Kapitän Rodin, Grays Freund, hat Wache und bürgt für ihn. Gray weigert auch ihm die Aussage, gewinnt aber den widerstrebenden Kame­raden dazu, ihn auf ein paar Stunden freizulassen. Der Verurteilte will von einer Geliebten Abschied nehmen: Yvonne b'Aubufson. Abschied wie vor einer 'Reife; sie soll nicht ahnen, daß er am andern Mor­gen unschuldig vor die Gewehre muß.

Zweiter Akt: Bei Yvonne; nachts. Die Zofe bringt Nachricht, daß Grau kommen wird, begnadigt und frei (er hat das Mädchen belogen, um Yvonne zu schonen). Er kommt. Aber nur, um Abschied zu nehmen. Yvonne ist erschreckt, verstört, von Ahnun­gen gequält. Da plötzlich, zur Bestürzung der Lieben-

müffen, daß in Rumänien selbst, und zwar bei der Kerntruppe ber Opposition, bei ber Bauern­partei. starke Neigung jür eine Berstänbi - g n n g mit Rußland vorhanden ist, utn auf diese Weise die bessarabische Frage einer Lösung entaegenzuführen. Vielleicht sucht man auch auf diese Weise einer drohenden Isolierung auf dem Balkan zu entgehen. Rumänien hat unter Bra­tianus Leitung viel an Prestige verloren, nicht zuletzt burd) die Affäre Carole, die mehr einen politischen Hintergrund hat, als zugegeben wird. Eine neue Regierung wird viel zu tun haben, wenigstens einen Teil dieses Verlustes wieder ein­zuholen.

Die Deutsch-Togoländer an den Reichspräsidenten.

Berlin, y März. ($11.) Der Bund der aus ihrer Heimat vertriebenen Eingebore­nen des ehemaligen deutschen Logolandes hat an den Reichspräsidenten v. Hinden­burg folgenden Brief geschickt:Wir, die unter­zeichneten, gewählten Vertreter des Bundes der Deutsch-Togoländer zu Accra, britische Gold­küste, wagen es ehrerbietigst, nachfolgenden Ap­pell an Euere Exzellenz zu richten: Taufende deutscher Togoleute find unter dem uner­träglichen Druck französischer Zwingherrschaft aus ihrem Vaterlande Togo nach der britischen Goldküste a u s g e - wandert. Dort zu einem Bund der Deutsch- Togoländer zusammengeschlossen, sind wir ent­schlossen. alles daranzusehen, um unserem Vater­lande die Freiheit und eine Rückkehr un­serer deutschen Freunde zu erkämpfen, mit denen wir in dreißigjähriger Verbunden­heit in glücklichen Zeiten zusammengelebt haben. Wir fühlen uns als Mitglieder der großen deutschen Gemeinschaft und er­hoffen vom ganzen deutschen Volke, das unsere Rot viel zu wenig kennt, ein starkes und warm­herziges Eintreten. Wir wissen genau, wie es um die europäische Lage bestellt ist, haben auch die > Ereignisfe von Locarno eingehend ver­folgt und vernommen, daß Deutschland, unser Mutterland, in den Völkerbund eintreten wird. Eure Exzellenz dürfen wir nun ehrerbie­tig bitten, Ihr hohes Wohlwollen der kolonia­len Frage und insbesondere der Lage unseres armen Vaterlandes Togo zuzuwenden und beim Eintritt Deutschlands in den Völkerbund darauf hinwirken lassen zu wollen, dah jene schmähliche koloniale Schuld lüge, der man Deutschland vor aller Welt geziehen hat, wie­der gutgemacht und Deutschland in den Besitz des ihm geraubten Kolonialbesitzes zurückgelangen werde. Wir Togoleute glauben an Deutschland und geben uns der Hoffnung hin, daß das deutsche Volk, dem wir auch in der Rot die Treue halten, uns nicht vergessen werde.

Wirtschaft.

Das Dauprogramm der Reichsbahn.

Wie das WTB. von unterrichteter Seite er­fahrt, findet der von der Reichsvegierung der Deutschen Reichsbahngesellschaft zur Verfügung gestellte Betrag in Höhe von 100 Millionen Verwendung zur teilweisen Wieder­aufnahme des seit Oktober wegen der immer mehr fallenden Einnahmen zurückgestellten Bau - Programms. Leider ist es wegen der Aus­fälle, die sich im Januar und Februar auf rund 50 Millionen jeden Monat nach den vorläufigen Ergebnissen beliefen, nicht möglich, das gesamte Dauprogramm trotz der zur Verfügung gestellten Mittel wieder aufzunehmen. Immerhin aber wer­den verausgabt zur Durchführung des Ober­bauprogramms 15 Millionen, womit 250 Kilo­meter gebaut werden können. Die Kosten ver­teilen sich auf die Reubefchasfung von Material, auf das Verlegen von Schienen und Schwellen und auf das Beschaffen und Einbringen von Bettungen. Für die Verstärkung der eisernen Drücken kommen rund 3 Millionen in Frage, während unbebingt nölige kleinere Ergänzungen bestehender Bahnanlagen 6 Millionen erfordern und größere Dahnhofsumbauten die Aufwen­dung von 12 Millionen verschlingen. Das Pro­

ben, springt bie Zofe herein: Der Kaiser bem ganzen Stabe ist im Park, er wirb hereinkomrnen, Madame (bie ihm, wie allen Offizieren, als Gast­geberin nicht unbekannt ist) seine Aufwartung zu machen. Gray kann nicht mehr entweichen, muß sich hastig im Schlafzimmer ber Geliebten verbergen. Der Kaiser erscheint ... allein. Er ist entzückt von Yvonne, er ist galant, ist verliebt unb wirbt um sie, bie sich kaum zu fassen weiß. Wie von ungefähr kommt bas Gespräch auf ben Mord unb auf bie Begnadigung" Grays. Bonaparte stutzt unb wirft der aufschreienben Yvonne bis Worte ins Gesicht: er wirb morgen früh füsiliert; läßt es ber Fassungs­losen von ben herbeigerufenen Offizieren bestätigen. Da rafft sich Yvonne zu bem Unschulbsbeweis zu. farnmen, den nur sie geben kann mit bem Geftünb- nis: er war in ber M ordn acht bei mir! Der Kaiser, obwohl in Werbung unb Eitelkeit getäuscht, fordert Yvonne auf, mit ihm zur Festung 'zu kommen, zur Begnadigung. Yvonne, in neuer 'Angst um ben Ge­liebten, dessen Flucht unb Ehrenwortbruch entdeckt werben muß, sucht Zeit zu gewinnen unb führt bie Offiziere auf einemkürzeren" Weg, der mirflidj ein Umweg ist, ins Fort zurück.

Dritter Akt: Sie finb trotzbem früher ba als Gray, ber, von bet Zofe befreit, von einem Posten angeschossen, atemlos ankommt, um sich bem Urteil Z" stellen. Der Kaiser will die neue Täuschung nicht verzeihen, will Gray aus bem Heere stoßem wirb dennoch von Yvonne, von ben Offizieren, von Gray selbst überrounben. Der Kapitän behält ben Degen, darf Yvonne heiraten, unb wirb Gelegenheit Haden, seine Tüchtigkeit vor bem Feinbe zu 'erweisen. Das ist bas gute Ende.

Unverkennbar: Der Schluß fällt ab; nach bem Mord fragt niemand mehr; wer ber Täter eigentlich ist, erfährt man nicht. Warum der Kommandant erschossen wurdewer weiß? Unb es schwächt bie Wirkung, daß Gray im zweiten Verhör den unwahren Trumpf auf ben Tisch wirft, er habe besertieren wollen. Das wieberholte Geständnis Yvonnes, baß Gray abermals bei ihr war, kann die sinkende Spannung nicht beleben. Alles, was gegen bas Stück zu sagen wäre, ist von hier aus zu sagen. Ader ber Mittelakt, ber trägt bas Ganze, ist ausge zeichnet, federnd vor Spannung und innerer Ge labenbeit, schlagartig, hochtheatralisch im Dialog und im kompositionellen Gefüge, bas zwei starke, eminent schwingende Szenen durch eine vibrierende Pause trennt. Alles, was für dieses Stück spricht, ist Im

gramm nimmt auch Rücksicht auf die Herstellung von Wohnungen für Arbeiter und Betriebs- beamte. Das rollende Material muß besonders beacht werden. Da der Zustand der Zug- und Stoßvorrichtungen eine beschleunigte Erneuerung erfordert, sind dafür 34 Millionen ausgeworfen worden. Für sonstige Verbesserungen an Fahr­zeugen, wie Vorwärmer, Speisepumpen, Luft­pumpen und Tragfedern kommen 5 Millionen in Frage. Für die Fahrzeugbeschaffung selbst sind 25 Millionen vorgesehen, wovon 16 MiUionen aus I)-Zugwagen, 4. Klassewagen und Spezial­güterwagen entfallen. Die Lokomotivindustrie wird durch Reuaufträge an Speziallokonrotiven mit etwa 9 Millionen berücksichtigt. Dabei kom­men vornehmlich kleine Typen für Rebenbahnen und Rangierzüge sowie einige Dpeziallokomotiven in Betracht.

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* Die Grotzhandelsindexziffer. Die auf den Stichtag des 10. März berechnete Großhandelsindexziffer des Statistischen Reichs­amtes ist gegenüber dem Stande vom 3. Marz 1926 (117,3) um 0,3 auf 117,6 gestiegen.

Adlerwerke 21.-®., F r a-n Ll,u rta. M. In der gestern abgehaltenen außerordentlichen Generalversanunlung waren die Stammaktien mit 369 555 und die Vorzugsaktien mit 325 000 Stim­men vertreten. Auf der Tagesordnung stand der Qlntrng der Verwaltung aus Erhöhung der Zahl der Aufsichtsratsmitglieder und die ent­sprechende Satzungsänderung. Die beiden An­träge wurden ohne Debatte einstimmig geneh­migt. Reu in den Aufsichtsrat wurden gewählt: Dr. h. c. Theodor Plieninger (Farbenindu­strie), Dr. Roehler (Scheideanstalt) und Dank- direktor Julius Kakob (Darmstädter Daick).

* Julius Sichel K. G.a. A., Mainz. Die nach Klärung der Verhältnisse im Sichel- Konzern angekünoigte auherordentliche Haupt­versammlung wird jetzt auf den 27. März ein­berufen. Die Geschäftsinhaber beantragen die Auflösung in evtl. Verbindung mit einem Zwangsvergleichsvorschlag. Dieser ist auf der Basis von 50 Proz. bekanntlich bereits rechts­kräftig. Das noch vorhandene Vermögen soU im ganzen veräuhert werden und eine 2lbfinbung der Aktionäre durch 2Iftten eines anderen Unter« nehmens erfolgen. Die hieraus bezüglichen Ver­träge werden der HV. vorgelegt. Schliehlich soll noch eine Herabsetzung der Zähl der AR.°- Mitglieder erfolgen und die Entlastung der Ge- sellfchaftsorgane für das letzte Geschäftsjahr auf Grund der bereits genehmigten Bilanz erfolgen.

* 7proz. Bayerische Schatzscheine. Die Bayerische Finanzverwaltung beabsichtigt, 50 Mill. Rm. 7proz. Schatzscheine bei einenc Ueber- nahmekurs von 96,5 Proz. und einem Verkaufs- kurs von 98,25 Proz. unterzubringen. Wie mit- geteilt wird, steht das Uebernahmekonsorttum pnter Führung der Bayerischen und Preuhi- schen Staatsbank.

* Reue Arbeiterentlassungsn bei Henschel u. Sohn in Kassel. Wie die .Kasseler Post" erfährt, wird am 1. Avril tote« Serum eine größere Anzahl von Arbeitern bei der Lokomotivfabrik Henschel u. Sohn in Kassel zur Entlassung kommen. Obwohl das Ausmaß des beabsichtigten Abbaus noch nicht genau seststeht, darf man annehmen, dah von der annähernd noch 4000 Mann betragenden Belegschaft etwa der vierte Teil von der Kündigung befcoffen wird. Die umherlausenden Gerüchte, bie von einer Stillegung des gesamten Vetriebes der Firma auf drei Monate wissen toofiten, ent­behren jedoch jeder Grundlage.

' Fried r. Krupp A.-G., Ess en -R uhr. Wie der DHD. aus zuverlässiger Quelle erfährt, ist die Abteilung für Roh- und Halbfabrikate in­folge eines großen ausländischen Auftrages zur Zeit sehr gut beschäftigt. Es konnten vier bisher stillgelegte Martinöfen wieder in Be­trieb genommen werden. Zu neuen Arbeiter­einstellungen wird es auch in dieser Abteilung jedoch noch nicht kommen. Vielmehr plant die Firma Krupp gerade in den anderen Abteilungen weitere Entlassungen, da es nicht möglich ist. bie bisher beurlaubten Werkangehörigen weiter durchsuhalten. Diese sollen nach und nach der Arbeitslosenfürsorge zugeführt werden.

* Auslandkredit von 9 Millio­nen Rm. sürMansfeld AG. fürBerg- bau und Hüttenbetrieb in Eisleben. Ein amerikanisch-englisches Bankkonsorttum, zu

Mittelakt gesammelt. Um seinetwillen ist der Erfolg verdient, um seinetwillen Darf man erwartungsvoll sein, was auf diesen ersten Wurf folgen wird.

Telekys Ausführung wurde der dankbaren Aufgabe sehr gerecht. Er hatte die theatralische Schlagkraft und Wirksamkeit der ballabesten Anek­dote mit sicherem Instinkt erfaßt und gab bem Gan­zen das erregende, vorwärtstreibende Tempo, das nur in jener außerordentlich mitfpielenben Pause unterbrochen wird. Im zweiten Akt lagen auch die besten Meriten der Spielleitung; er kam ausgezeich­net heraus. Gute Unterstützung gaben Löfflers Bühnenbilder: ein aparter, ftilficherer Jnnenraum und der Festungswall, auf dem die Figuren sich in scharfen Konturen vor den Himmel stellen. Den Gray hatte Gefsers. Er war in ben ersten Akten am geschlossensten. Im stummen, halblauten, verhal­tenen Spiel; wenn er mit sich kämpft, sich ritterlid) zum Schweigen zwingt, unter falscher Anklage zu- fammenzuckt, wenn er ben Kameraben überredet, und später ber Geliebten ein falsches Spiel vorspielt. Zuletzt wirkte er schwächer unb ein wenig theatra­lisch. (Es mag an der Rolle gelegen haben.) Ein interessanter Napoleon war Juhnke. In guter Maske, von untersetzter Statur, herrischen Gebär- ben und Bewegungen, knapp und abgehackt im Ton. Er vermochte es, die Figur des Kaisers in die Epi sode beteiligt hineinspielen unb hineinwachsen zu lassen, unb zeigte, noch im unwirschen Abgang, eine kaum merkliche, hoch feine Vermenschlichung bes historisch festumrissenen Bilbes. Ise O ß k e gab der Yvonne bas bebingungslose, vom Herzen kom­mandierte Temperament bes Weibes, bas alle Minen springen läßt, jebes Gestänbnis auf sich nimmt, um ben Liebsten zu retten. Dabei mit ganz bamenhaften, gesellschaftlichen Allüren, mit Sicherheit, Beherrscht­heit unb Takt im tabellos konvecsierten Dialog ben leisen Schatten femhaltend, ber leicht auf diese Rolle fallen könnte. Neben ihr eine sympa­thische Eharge, bie Marion ber Susanne Heym. (Jin paar gut profilierte Offiziersköpfe: Schubert (ptouj), Basts (MvntLlimar), Hanke (Robin),

1 ®f n (Sertrqnb). Eine nicht norauszu lehende Tücke bes Objekts hätte beinahe ben besten Aktschluß gesährbet. Die Aufnahme des neuen Werkes war sehr freundlich: der Autor durfte fid) bereits nach bem zweiten Akt mit ben Spielern Zeigen. Dr.Th.

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