Nr. 9 Erstes Blatt
176. Jahrgang
Dienstag, 12. Januar 1926
vrttck UN- Verlag: vrühl'jche Univerfitürr-Vuch- und Stdnöruderei H. Lanze in Sietzen. Zchriftlettung und Grschiftzffrlle: SchuNratze 7.
Um die Große Koalition
'ins.
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5« erheb- verden,
Kabmettskrifis in Oesterreich.
Wien, 12.San. (TU.) 3n dem gestrigen Ministerrat teilte Außenminister M a t a j a mit, daß er zurückzutreten beobacht ge. W.e in parlamentarischen Kreisen verlautet, ist eS nicht ausgeschlossen, daß das ganze Kabinett im Laufe der nächsten Tage zurü-cktceten wird. Falls der bisherig? Bundeskanzler Ramel die Rrub l unz deS Kabinetts nicht mehr übernehmen sollte, so dürfte nach Auffassung in parlamentarischen Kreisen der ehemalige Bundesländer Dr. Seipel wieder in Frage kommen. Die Sozialdemokraten haben zu verstehen gegeben, daß sie eine neue Kanzlerschaft Dr. Seipels als eine Kampfansage betrachten werden.
Weise zu regeln. Es soll den zuständigen Landes- Chorden die Möglichkeit gegeben werden, je nach I krm örtlichen Bedürfnissen die Verabfolgung von Brot nach einem bestimmten Gewicht anzuordnen, um das System des festen Drotgewichts im Int ereile einer angemessenen, die Bevölkerung befriedi- xmden Preisbildung einzubürgern. Ferner soll <u8 Zweckmäßigkeitsgründen eine Einstempelung d»es Gewichts, wie sie bereits teilweise üblich ist, vorgenommen werden.
Ministerpräsident Braun ,ür die G oste Koalition.
Berlin 11. San. (WTB.) Der preußische Ministerpräsident Braun tritt in einem dem „Berliner Tageblatt" geaähr en Interview entschieden für die Beteiligung der Sozialdemokratie an der R'ichSrc^ierung ein, die, nachdem |ie jahrzehntelang für das parlamentarische Sy st em gekämpft habe, es jetzt nicht verneinen dürfe, indem sie ihre positive Mitarbeit versage, äln'.er Berufung auf seine fast siebenjährige Erfahrung als Minister erklärte er, die Sozialdemokratische Partei werde vie.es tun können, um d.e Auswirkungen der gegenwärtig herrschenden furchtbaren Wirtschaftsk^i'e erheblich zu mildern. Bon „Bedingungen" und „Programmen" halte ich nach meiner Erfahrung nichts. Es kommt jetzt alles darauf an, daß die vier Parteien, die die Große Koalition bilden müs'en, von dem Ernst beseelt sind, unter zeitweiser Zurückstellung eigenerGrundäy'undFvr der ungen das zu tun, was dir schwierige politische und wirtschaftliche Lage unseres Volkes heischt. Die Politik der Drosten Koalition auch im Reiche
würde so zeitigen, chts und
mehrere Jahre ko: seguent durchgesührt, 1 sichtbare Erfolge nach innen und außen das; daran alle Verleumdungen von re
Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags.-
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Die Scholle.
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von links tnmu-.g los zerschellen müssen. Deshalb muß die <5 zialdemokratische Partei Vertrauen zu ihrer inneren Kraft beweisen u^d die Verantwortung an der ReichSregieruna mitübernehmen. — Der „Vorwärts schreibt dazu: Eine entschlossen republikani'ch gesinnte, den sozialen Forderungen der arbeitenden Massen entgegenkommende bürgerliche Partei oder Parteiengrup'ee. mit der die Sozialdemokra- tie eine Mehrheit bilden könnte, besteht nicht. Solange sie aber nicht besteht, bleibt jede Koa- Piton bestenfalls nur ein Rettun gSmittel in Höch st er Rot oder eine Verlegenheit s l o s u n g. Die entscheidende Frage bleibt, ob es zur Zeit möglich ist, eine stabile Mehrheit zu schaffen und in ihr wichtige Arbeitcrforüe- rungen durchzusetzen. Aus diesem Gesichtspunkt heraus wird auch die sozialdemokratische Reichs- tagsfraktion ihre Entscheidung treffen.
NeueSoaMionsverbandlungen.
$11. Berlin, 11. 3an. S>:utc mittag hatten im Reichstag die Abg. Fehrenbach (Z.), Dr. Marx (Z.) und Koch-Weser (Dem.) eine Besprschung mit dem Abg. Müller- Fratrken (Soz.). Es wurde darauf hingewiesen, daß die Bildung der Großen Koal tion iretwentzig sei. Der Abg. Müller-Franken bemerkte aber, daß er keinerlei Erklärungen abgeben tonne, daß er die Entscheidung vielmehr seiner Regierungsfraktion überlassen müsse, die am Dienstag nachmittag nach dem Plenum zusammentritt.
3n parlamentarischen Kreisen wird damit gerechnet, daß die Führung des Zentrums und der demokratischen Partei der Sozialdemokratie nunmehr die Frage nach einer klaren Entscheidung vorlegen, und daß späte st ensDonne r s t a g mittag eine Persönlichkeit mit der Aeubildung der Rcgirrm'.g beauftragt wird. Die Aussichten dieses nochmaligen Versuchs zur Bildung der großen Koalition werden auch in den Kreisen des Zentrums und der Demokraten sehr skeptisch beurteilt.
Die „Tägliche Rundschau" sagt: Beschweren die Sozialdemokraten ihr etwaiges 3a mit der Last ihrer damaligen Voraussetzungen, so sprachen sie damit ein Rein auS. Rotwendig ist eine sozialdemokratische Entscheidung, ob sie ebenso wie die anderen Parteien ohne parteipolitische Voraussetzungen die Verantwortung übernehmen will, allein in der Absicht, eine sachliche Regierungspolitik zu treiben.
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Wer unter den gegenwärtigen Verhältnissen nur das Parteidogma gelten lassen w ll, beschwort unmittelbar eine Staatskrisis hrr- auf, die in der gegenwärtigen wirtschaftlichen Krise besonders nachteilige, sowohl inner- wie außenpolitische Wirkungen a slösen müßte. Von dieser Erkenntnis ausgehend, g.Ü es, in der entscheidungsschweren Stande, d.e uns be'oorstehl, eine von parteiischen Bedenken freie Wahl zu treffen. Sich rlich kann das wrtfchast- liche Moment nicht das allein ausschlaggebende- sein. Es gilt aber, die bereits eingeleitete Entwicklung cb-er Wi'dergesundung unserer w'rt- schaftlichen Verhältnisse in gerader Linie weiter zu verfolgen, da ja ohne die wirtschaftliche Gesundung auch fei n Gedeihen des Staatsganzen möglich ist. Es müssen daher gerade für das kommende Reichskabinett Persönlichkeiten für die aktive und verantwortlich» Tätigkeit innerhalb der Reg'-rang gewonnen werden, di» den eingesteuerten M tte'.k t8 sowohl inner- wie auhenpol t sch festz^ halten in der Lage sind. Man baut Drücken für die Zukunft unseres Volkes mir auf der festen Grundlage des Realen. Für die Volksgem'i^schaft und die sie tragenden Kraft • muß die Mittellinie gehalten und gegenüber u radikalen Stürmern von rechts und links energisch v rteid-igt werden. Hatte das Kabinett Luther b'sh-r diese Vorausschung erfüllen können, so muß auch bei einer Renb'ldung das Gewicht auf eine, dauernde Kr sen gegen- über unerschütterliche Reichsvegierung gelegt werden.
ttitz Hchn.
in Tateinheit mit bergan- abgelaufene Dvchen- dH er die Wochen- on der so gefälschten
Gebrauch )er Sperre vorgeigte Frankfurt zu fahren sparen. Doch wurde perre die Fäischunr Vorhaben vrrMt. richt auch die von ausgegebenen Fahr- ürkunden erklärt hak, in schwerer Fälschung »estrast werden. Unter instande wurde gegen ige Akindeststrase von lis erkannt, rncrweckenden Firma t Giehen ein Han- iem ihm in sehr kurzer den Kops gewachsen finanziellen ‘MM* ch. in außerordentlich tiger Weise in einer sälschungen und Aan- nckrm er auf einem icn der Bezogenen und diese dann an seine tt zur Tilgung (einet ihm ckllsgehändift r Wechfelsnmme M irunb des ErgeSnM öS
K Anüage. d. h. der ävaiurkunden für uber- den Angeklagten dem end und seiner b'.shen- itgrhendm Wahr mu° ligt wurden, auf emc r Gefängnis,
die Reichsbahn nur aus einer lebendigen Volkswirtschaft Einnahmen einziehen könne. Die Reichsbahngesellschaft habe die eingehende Nachprüfung des gesamten Normaltarifs einschließlich der Gütereinteilung eingeleitet. Daß die Durchfuhrtarifpolitik der Reichsbahngesellschaft für die deutsche Wirtschaft Gefahren brächte, erkannte der Minister an, mies aber darauf hin, daß die Reichsbahn den ihr vom Auslände aufgezwungenen Kampf aufnehmen müsse, um nicht bei der Verteilung des europäischen Gesamtoerkehrs den ihr zukommenden Anteil dauernd zu verlieren.
Der Minister wies dann auf
die Erschwerungen unserer Luftfahrt durch das Ausland
hin. 317 jungen deutschen Flugschülern stünden 10 000 nach dem Krieg ausgebildete französische Siloten gegenüber. ES sei unbillig, unter diesen mständen von einer militärischen Bedrohung seitens Deutschland zu reden. Der Luftverkehr könne heute nur noch durch Subventionen aufrecht erhalten werden. Reichs, etig werde man vorwiegend die großen transkontinentalen Linien fördern, daneben auch die technische Entwicklung der deutschen Luftsch-ffahrt sei aber nur möglich, wenn die durch den Versailler Vertrag Deutschland aufgezwungenen Bedingungen und Begriffsbestimmungen beseitigt würden.
Im Kraftfahrzeugverkehr müsse Deutschland den Rückstand gegenüber anderen Rationen aufholen. Rormurrg und Verringerung der Typenzahl müsse Bau und Betrieb verbilligen. Die Reichsbahngesellschaft
Während es das Ziel der deutschen Delegation in den allgemeinenVerhandlungen ist, toen'g- stens die Rechte des Versailler Vertrages wiederherzustellen. erstreben die Luftverkehrsverhandlungen mit Frankreich eine Verkehrsgemeinschaft, die paritätisch die Heber» füegung deutschen und französischen Gebietes ermöglicht. In diese Verhandlungen müßte im weiteren Verlauf auch z. B. die Tschecho-Slowa- kei einbezogen werden zur Herstellung der Linie Paris—Straßburg—Prag. Es kann sich also nicht darum fjanbeln, daß etwa Deutschland Die Heber» fliegung deutschen Gebietes gestattet gegen die Erlaubnis, sein eigenes besetztes Gebiet zu überfliegen.
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müsse mit dem Kraftverkehr zuswnmenarbeiten, dürfe ihn jedoch nicht monopolisieren. Schon die heutige Eickwicklung haben den Straßenbau vor schwerwiegendste technische und finanzielle Fragen gestellt. Ein Entwurf über die Reugestaltung der als Zwecksteuer gedachten Kraftfahrzeugsteuer liege zur Zeit den gesetzgebend en Körperschaften vor.
Die Luftfahrtverhandlungen in Paris.
Berlin, 11. Ian. (TA.) lieber die Luftfahrtverhandlungen in Paris erfährt die ^ele- graphen-llnion von unterrichteter Seite:
Es ist zu unterscheiden zwischen den Luftfahrtverhandlungen, die mit F r a n k r e i ch geführt werden, und den allgemeinen -uft- fahrtverhandlungen, di? mit der Doti sya ft e r - konferenz geführt werden. Beide Verhandlungen laufen nebeneinander her. D:e aLgemetnen LuftfahrtverHandlungen drehen sich um folgende drei Punkte: .
1. Aufhebung der Baubeschran- fungen und Begriffsbestimmungen aus dem Londoner Ultimatum.
2. Aushebung deS V rbotcs der A n l ' g u n g von Flughäfen in der neutralen Zone, was mit der Untersagung von ^Mobilmachungs- Vorbereitungen" aus dem Versailler Vertrag begründet wird, und
3. um bie Ueberflicgung des besetzten Gebietes, die Deutschland willkürlich verboten ist.
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Deutsche verkehrspolitik.
Ne chsvcrkehrsministcr Dr. Kröhne über seine 3 cie.
Essen, 11.Ian. (WB.) Reichsverkehrsminister Di. Kröhne hielt hier vor der Volkswirtschaftlichen Vereinigung für die Ruhr einen Vortrag üter die von ihm verfolgten Ziele. Ausgehend davon, daß der Verkchrsminister auf die Repa- 1 r<ti o n s l a ft c n der Reichsbahngesell- lcha ft Rücksicht zu nehmen habe, erkannte der Mnister an, daß die Wirtschaft billigerer Ta» rife bedürfe. Eine allgemeine Tarifsenkung würde über zu Ausfällen führen, da eine entsprechende 'üstkehrsvermehrung nicht erwartet werden könne. Ari der Gestaltung einzelner Tarife jedoch würden uuch Lj- Jrcparationsglaubiger einfchen müssen, daß
Fehrenbach und Koch beim ReichsprSfidenten.
Die Entscheidung auf Donnerstag vertagt.
Berlin, 11.2km. (Hl.) lieber die heutigen Besprechungen beim Reichspräsidenten wird folgende- amlli chenn ft 3m ri unntque ausgegeben:
„Der Herr Reichspräsident empfing heule nachmittag 5 Uhr die Abg. Reichskanzler cu D. Aehrenbach (Z.) und Reichsminifter a. D. ft o ch (Dem.) zu einer gemeinsamen Besprechung über die Frage der Regierungsbildung, hierbei legte der Herr Reichspräsident dar, daß er trotz gewisser Bedenken seine Entscheidung über die Betrauung einer bestimmten Persönlichkeit mit der Regierungsbildung ausgesetzt habe, am die beiden Parteien, die auch nach dem Scheitern der Versuche des 2lbg. ft och noch nicht alle rNöglichkeit für die Schaffung der Großen ftoalition erschöpft sähen und erneute Verhandlungen begonnen hatten, in ihren Absichten nicht zu stören und zunächst deren Beschlüsse abzuwarlen. Er müsse aber nunmehr orlngenb bitten, mit aller Beschleunigung eine endgültige Klärung darüber her- beizuführen, ob eine konkrete Möglichkeit zur Schaffung der Großen ftoalition vorl'.ege. Er müsse aber Darauf bestehen, daß die Verhandlungen einen raschen Verlaus nehmen und könne nicht zn- lossen, daß die program:natischen Erörterungen zwischen den Parteien wieder aufgenommen würden. Er ersuchte die Herren deshalb, ihm spätestens bis Donnerstag früh das Endergebnis ihrer Verhandlungen mitzuteilen, ob eine konkrete Möglichkeit zur Errichtung der (Stoßen ftoalition bestehe.
Dl» fierten Fehrenbach und ftoch dankten dem Herrn Reichspräsidenten und erklärten beide, daß sie seinen Darlegungen über die Dringlichkeit der Angelegenheit durchaus zustimmten und daher alles zur Beschleunigung der ftläruna Rot- wesdige vetar,lasten würden. Sie stellten die iTlittei- teliang über das Endergebnis der Verhandlungen bis Donnerstag vormittag in Ausficht.
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Die Parteien sind in die entscheidenden Schlutzverhand.unge - über die Regierungsbildung getreten. Die Vorsitzenden der demokratischen und Zentrumsfraktion, die Abgeordneten Dr. Koch und Fehrenbach, erschienen gestern beim Reichspräsidenten, der darauf„nach dem Wortlaut dchs amtlichen Kommun'quös" M3 Ersuchen an die beiden Parteien richtete, „alsbald eine endgültige Klärung der Frage der großen Koalition zu veranlassen". Man wird also noch einmal die Möglichkeiten und Aussichten der sogenannten großen Koalition erörtern und letzten Endes die Entscheidung so lange zurück stellen müsten, bis aus der einen Seite die Deutsche Volkspariei und auf der andern die Sozialdemokraten ihr Votum abgegeben haben. Durch das einhellige Bekenntnis des Zentrums zu einer möglichst breiten Parteigrundlage für d.e Kadinettsbi düng hat sich die S.ellungnahme die'er Partei als der ausschlaggebenden Mit elpartei zur Mehrheitsbildung im Reichstag in keiner Weise geändert. Dagegen bleibt die Haltung der Sozialdemokratischen Reichstagsfraktion noch ungeklärt, die erst heute abend über die Frage der Beteiligung schlü'sig werden wird. Cs bleibt also immer noch eine gewisse Frist für die in ter- parteilichen Verhandlungen, die sich hauptsächlich zwischen der Sozialdemokratie und der Deutschen Volkspartei abspielen werden.
Im sozialdemokratischm Lager selbst ist die auf einer Konferenz der Vertrauensleute in Cassel nach einem Referat des Abgeordneten S ch e i • bemann angenommene Entschließung, in der die Derwiicklichung der großen Koalition als wünschenswert bezeichnet wird, zwar in gewisser Weise richtungweisend aber noch nicht ausschlaggebend. Der linlsradikale Flügel der Partei hält noch heute am Dezemberdeschluh fest und bezeichnet jedes Abweichen von dieser Grundlinie als einen Bruch mit den Parteitraditionen. Auch in Cassel hat man sich dafür erklärt, daß an einer bestimmten Zahl von Forderungen in der Sozialpolitik unbedingt festzuhalten sei. Man wird von stozialdemokratischer Seite aus diese präzisierten „BMngunge^ vr-- aussichtlich erst am Mittwoch der VolWpartei präsentieren, von der man im übrigen^ auch noch eine Zusicherung in der Frage der Fürstenabfindung im Sinne des s ozialdemökralischen „Volksbegehrens" verlangen wird.
Es läßt sich heute noch nicht übersehen, welche Formulierung die sozialdemokratische Partei ihren Wünschen zu geben gedenkt. Die Deutsche Volks- Partei hat bereits im Dezember ihre klare Haltung dahin erklärt. Mß sie an dem Gedanken der Zusammenarbeit aller Parteien im Interesse des Reiches festzuhalten gewillt ist. Gleichzeitig aber hat sie kein Hehl daraus gemacht, daß sie sich in ihrer politischen Willensrichtung nicht von den Wünschen einer Partei abhängig machen wird, die, dem Druck der Massen nachgebend, nur die Gelegenheit sucht, rein sozialistische Programmforderungen zu verwirklichen. Eine Mitarbeit an einer Verbesserung der sozialpolitischen Gesetzgebung, soweit sie i m R a h - men der heutigen Wirtschaftsord- nung und der gegenwärtigen Rotlage möglich ist, hat selbstredrns die Deutsche Voltspartei niemals abgelehnt. Sie wird aber schwerlich dazu beitragen, Aktionen zu befürworten, die in ihrer letzten Auswirkung wirtschaftsschädlich, unter älmständen sogar wirt- schaflszerstörend sein würden. Wenn die sozialdemokratische Reichstagsfraktion ihrerseits auf einem ablehnenden Standpunkt verharren und nicht das zu erfordernde Maß von Rachgiebigkeit aufweisen sollte, bleibt nur die Möglichkeit einer Minderheitskoalition vorhanden Daß auch für diesen Fall nur ein parlamentarisches Reichsministerium in Frage kommen könnte, ist ein Standpunkt, der auch von der Deutschen Dvlkspartei gestellt werden dürfte.
Der Preisabbau.
E,twurf eines tt)es tzcs zur föJrömntq des Preisabbaues.
Berlin, 11. Jan. (WTB.) Im Reichs- ioirtschaftsrat finden zur Zeit Beratungen über einen Gesetzentwurf zur Förderung des Preisabbaues statt. Dieser Gesetzentwurf soll das Gefundungswerk fortsetzen, welches 1925 mit der Verabschiedung der Aufwertungs-, Steuer- und Rotgesetzgebung seinen Abschluß fand. Die Sicherheit des Wirtschaftsverkehrs soll weiter gefördert und in erster Linie der freie Markt wieder herge stellt werden. Der Entwurf umfaßt fünf Artikel. Artikel 1 befaßt sich mit dem
Vergleich zur Abwendung des Konkurses und sieht auch im Falle der Lleberschuldung ein gerichtliches Vergleichsverfahren vor, auf das soweit nicht durch dieses Gesetz anders bestimmt ist, die Vorschriften der Zivilprozeßordnung ent- sprechende Anwendung finden. Das Dergleichs- oerfahren tritt an die Sielle des bisherigen Geschäftsaufsichtsverfahrens. Wichtig ist, daß nach Eröffnung des Vergleichsverfahrens keine Zwangsvollstreckungen, insbesondere Arreste und einstweilige Verfügungen, vollzogen werden dürfen. Die 'Strafvorschriften sind sehr streng gehalten und sehen bei erdichteten Forderungen Zuchthaus bis zu zehn Jahren und unter mildernden Umständen Gefängnis oder Geldstrafe vor. Artikel 2 enthält
Maßnahmen gegen die Ringbildung,
•>ie dem Zwecke dienen sollen, bei Vergebung von öffentlichen Aufträgen die freie Konkurrenz in vollem Almfange wieder aufleben zu lassen. Jeder, der sich an öffentlichen Ausschreibungen beteil gt, auch wenn diese von Privatpersonen ausaehen, soll gesetzlich gezwungen werden, in dem A'.gebot anzugebrn, welche Ver- - ftänbigung, sei eS mündlich oder schriftlich, ausdrücklich oder nicht ausdrücklich, er mit Dritten über die von ihm aufgegebenen Preise oder De- ! bingungen für dieses bestimmte Angebot ge- ■ troffen hat oder ob er als Mitglied eines Kar- 1 teils einer Beschränkung bei der Abgabe des An- gebots unterliegt. An d'.e Verletzung der An- e repft'ch« lind ziv'lrechtliche tmd strafrechtliche folgen geknüpft, zivilrechtlich insofern, als der | Ausschreibende die Wahl hat, von dem Der- rage zurückzutreten oder die vereinbarte Gegen- eiftunq erheblich heraubzusehen. Artikel 3 gibt dem Paragraphen 19 der Verordnung gegen ? den Mißb-""ch wirtschaftlicher Machtstellungen - i>om 2.Rorbr. 1923 (Reichsge'etzb'att 1, S. 1067) eine n»ue Faffung, nämlich daß die Bestimmungen '» dieser V rordnung nicht für Geschaftsbedingun- i, g-en und Arten der Preisfesffetzung gelten, die von einer obersten Dehö rde im Rah- £ inen ihrer Zuständigkeit angeordnet werden. Rach . Paragraph 19 der Kartellv-rordnung finden die 'Bestimmungen Din Aenwendung auf Verbände, deren Vildung in Gesetzen oder Verordnungen a ngeDTb :et ist. Der Zweck dieser Bestimmung ist, eine Doppelbeaufsichtignna 3u vermeiden. Ferner schlägt die neue Fassung des Paragraphen 19 vor. Verbände, deren Bildung in Gesetzen oder Verordnungen angeordnet ist,
Zwangsshndikate und Zwangsinnungen
dem gleichen Rechte zu unterwerfen tote andere Kartelle und Syndikate. Artikel 4 ändert bzw. ergänzt die Paragraphen 73, 81, 96 und 104 der < Getoerbeordn ang. Das Ziel der vorgeschlagenen Lenderung. soweit sie die Innungen und In- i rungsverbände betrifft, ist, alle Wirtschafts kreise iLirkc Berücksichtigung ihrer Eigenart in bezug a_uf die Einwirkunasmöglichkeiten des Staates gleichstellen. Ziffer 4 und 5 dieses Artikels d eben den Reichs- und Landesbehörden das Recht, den Innungen und Imnmgsverbänden zu untersagen, die Preise, die Arten der Preis- 'estsetzung und die Preisermittlung sowie dte Geschäftsbedingungen festzusetzen, zu empfehlen oder ^ckanntzugeben. Ziffer 2 und 3 gibt zur Siche- ramg der freien Wettbewerbe den Innungen das Recht, Ordnungsstrafen zu verhängen, wenn ein Hnnungsmitglied billiger bietet als unter den üblichen Bedingungen, nur für die Fälle, in denen nn unlauterer Wettbewerb vorliegt. Die Be- ftimmungen der Ziffer 1 und 7 geben die Möglichkeit, den
Verkehr mit Brot
in bestimmter, die Ileberwachung erleichternder


