Einzelbild herunterladen

Nr. 2\5 Siebentes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Samstag, y. September 1926

anaBBOK IHlllBBT^IBCltgMnMinWKlMBB«r HITliBaBBBBgBBBBWBPBBBBMnBBWBI > HUT Willi II I IHUI IH I.UHLU'IIMI'I 11 I WHIHIBII IHM .1

Die Kriegsgefahr im Zahre 1912.

Von Dr. Gustav Roloff, o. ö. Professor der Geschichte an der LIniversität Gießen.

Wie die Großmächte den kriegerischen Vor­bereitungen der Dalkanstaaten gegen die Pforte im Sommer und Herbst 1912 plan- und tatlos zugesehen hatten, so fanden sie auch nach dem Ausbruch des Krieges (Mitte Oktober) keine entschlossene Haltung. Sie hat'en von der Stärke der beiden Parteien keine deutliche Vorstellung und rechneten im allgemeinen mit einem langen entscheidungslosen Hinziehen, währenddessen man ein gemeinsames Eingreifen vorbereiten könne. Alle wurden daher durch die schnellen Erfolge der Verbündeten überrascht und mutzten nun be­reits Ende Oktober Stellung zu den neuen Er­eignissen nehmen. Allerdings hatten dir Mächte den Grundsatz proklamiert, dah durch den Krieg eine territoriale Veränderung am Balkan nicht herbeigeführt werden dürfe, aber niemand dachte mehr daran, ihn ausrechtzuerhalten: den Ver­bündeten galt die Aufteilung Mazedoniens als selbstverständlich, ja, Serbien plante die Erwer­bung Albaniens, und in Bulgarien traten sogar Wünsche nach dem Besitz Konstantinopels auf.

Bon diesen Plänen wurden unter den Groß­mächten Oesterreich und Rußland in erster Linie berührt. Die Donaumonarchie mußte erwarten, daß von einer erheblichen Vergrößerung Ser­biens die grohserbische Idee Vereinigung aller Serben unter dem Szepter des Belgrader Königs in chrer grundsätzlichen Feindschaft gegen Oesterreich neue Kraft gewinnen und noch offensiver als bisher auftreten werde. Es galt daher für ein Gebot der Selbsterhaltung, Ser­bien mindestens im Westen einzuschränken und Albanien vor ihm zu retten. Serbien sollte vom Adriatischen Meere serngehalten werden. Rur so meinte Oesterreich seine bosnischen und dalma­tinischen Besitzungen vor einer gefährlichen ilm- klammerung schützen zu können: ein serbischer Hafen an der Adria werde doch nur ein Vor­posten Rußlands sein. Die Wiener Regierung konnte für ihren Standpunkt weiter geltend ma­chen, daß Albanien und Serbien stammfremd feien, ein serbisches Albanien also die Ver­gewaltigung einer Rationalität bedeute und Stoff zu ewigen Unruhen geben werde. In die gleiche Richtung wiesen die Interessen Italiens, dem die Entstehung einer neuen slawischen Großmacht am Adriatischen Meere nicht willkommen sein konnte.

Auf ganz andere Wege ging die russische Politik. Ihr war die Verstärkung Serbiens, in dem sie seit ungefähr einem Jahrzehnt einen zuverlässigen und rührigen Bundesgenossen ge­gen Oesterreich-Ungarn sah, durchaus erwünscht, und die russische öffentliche Meinung sah in dem Triumphe Serbiens den Sieg der eigenen Sache. Sassonow begünstigte daher die Ausdehnung Ser­biens bis zur Adria, während er Bulgarien, das sich weniger fügsam gegen Petersburger Winke gezeigt hatte, kühler gegenüberstand. Ins­besondere konnte er das Streben nach Konstanti­nopel nicht dulden, aber diese Frage hatte für den europäischen Frieden geringe Bedeutung, da keine Großmacht hinter Bulgarien stand. Weit schwieriger war der Gegensatz der beiden östlichen Kaisermächte in der s erbis ch -alb anisch en An­gelegenheit zu regeln. Sobald die militärischen Ereignisse so weit fortgeschritten waren, dah die siegreichen Balkanstaaten ihre Bedingungen zu formulieren begannen, wankte der allgemeine Frieden: Oesterreich lieh keinen Zweifel, dah es Serbiens Vordringen nach Westen nicht dul­den werde, Ruhland verlangte ebenso deutlich Befriedigung der serbischen Wünsche. Die Ent­scheidung hing zum guten Teil von der Haltung der übrigen Mächte ab.

Deutschlands Stellung war von vornherein gegeben. Es mußte Oesterreich unterstützen, weil der Bundesgenosse diese Angelegenheit für eine Lebensfrage erklärte, andererseits suchte es nach einem für Rußland annehmbaren Ausgleich, um den Frieden zu behaupten. Es hat daher fort­gesetzt Mahnungen nach Wien gerichtet, jede Provokation Rußlands zu vermeiden, und sich zugleich bemüht, eine Vereinbarung der Groß­mächte über die endgültige Gestaltung der Bal- kanverhältnisse herbeizuführen. Anders der Bun­desgenosse Rußlands. In Frankreich wurde der Sieg der Dalkanstaaten mit brausendem Jubel begrüßt. Da die Pforte Instruktionsoffiziere und Geschütze aus Deutschland, Serbien dagegen aus Frankreich bezogen hatte, so sah man in dem Ausgang einen Sieg der französischen Armee über die deutsche: man glaubte einem Zusammenstöße mit Deutschland zuversichtlich ent­gegensehen zu dürfen. Die Franzosen waren im Irrtum, denn nicht wegen schlechter Taktik und Bewaffnung sind die Türken geschlagen worden, sondern wegen ihrer schlechten Verwaltung, die von den militärischen Mitteln keinen Gebrauch zu machen verstand. Indessen Poincare, der Leiter der auswärtigen Politik, stand durchaus unter dem allgemeinen Eindruck. Ohnehin, wie früher erwähnt, einem großen Kriege nicht ab­geneigt, war er weit entfernt, die deutschen Be­strebungen zu unterstützen; wie vor einigen Mo­naten sucht er die Differenzen zwischen Dreibund und 'Tripelentente geflissentlich zu erweitern, in­dem er wider besseres Wissen in Petersburg und London die deutsche Politik verdächtigte, daß sie Rußland isolieren und zu einem demütigen Rückzug zwingen wolle. Ratschläge zur Mäßi­gung, wie sie von Berlin nach Wien gegangen sind, hat er in Petersburg nicht erteilt. England stand dagegen mehr auf dem deutschen Stand­punkte. Die serbische Frage berührte England nicht direkt, aber an einem Kriege zwischen den Festlandsmächten hätte sich England infolge seiner engen Verbindung mit Rußland und Frankreich doch beteiligen müssen. Aber die augenblickliche Gelegenheit erschien nicht günstig. Der Dreibund schien ungebrochen, und bei den zahlreichen mohammedanischen Untertanen Englands war ein Krieg, der sich an den Untergang des Sul­tanreiches anknüpfte, nicht populär. Grey war daher ebenfalls um einen Ausgleich bemüht.

Me diese Momente bewirkten, daß die russi- 1 j Sterling, die sich übrigens mllitärisch noch nicht fertig fühlte, beschloß, es nicht zum Aeußer- sten zu treiben, zumal auch Oesterreich entgegen­kam. Es war zwar nicht bereit, den Serben Be­sitz am Adriatischen Meere zu gestatten, garan­tierte aber, daß sie auf einer Eisenbahn durch Bosnien, die eventuell neutralisiert werden könne, «oder durch Ausbau der Donau-Adria-Dahn einen Zugang nach einem Adriahafen erhalten könnten.

So sei den serbischen wirtschaftlichen Bedürfnissen und der Sicherheit Oesterreichs Genüge geleistet. Bereits im ersten Drittel des Rovember, also als der Krieg noch nicht einen Monat gedauert hatte, hatte man sich in Wien und Petersburg zu diesen Entschlüssen durchgerungen, es hätte also, sollte man meinen, unter Assistenz von Deutschland und England bald ein Kompromiß gefunden werden können. Aber da trat wiederum die Macht dazwischen, die bereits die Politik der großen Möchte in den Sommermonaten durchkreuzt hatte: die chauvinistisch-panslawisti­sche Agitation in Serbien und Rußland. Regie­rung und Ration in Serbien weigerten sich, auf die adriatischen Pläne zu verzichten: die öffent­liche Meinung schäumte über von Angriffen auf Oesterreich, Sassonows Mahnungen zum Ein­lenken wurden für nichts geachtet, weil man nach den Erfahrungen der letzten Monate fest auf die russische öffentliche Meinung, der sich auch die Regierung werde fügen müssen, baute. Unbe­kümmert um alle Vorstellungen der Großmächte rückten serbische Truppen in Albanien ein, um dies Land mit dem Königreiche zu vereinigen. IN der Tat setzte sich die russische Öffentlichkeit mit Macht für Serbien ein. Wie früher wurde, die Regierung aufgefordert, dem Dundesvolk zur Seite zu stehen, Sassonow wurde schon Verrat an der allgemeinen slawischen Sache vorgeworfen. Selbst der Zar, der stets einer friedlichen Lösung zustrebte, begann unter dem Einfluß des Groß­fürsten Rikolaus Rikolajewitsch wankend zu wer­den. (Mitte Rovember.)

Angesichts dieser populären Strömung wagte Sassonow nicht, den Serben die russische Unter­stützung ganz zu entziehen; er hielt wenigstens an der für Oesterreich ebenfalls unannehmbaren Forderung fest, dah ihnen ein Hafen an der Adriaküste zuteil werden müsse. Es sei viel weniger konziliant als vor einer Woche, urteilten übereinstimmend der deutsche und italienische Dot- .schaster (20. Rovember). Schon begann man den Bruch mit Oesterreich ernstlicher ins Auge zu fassen; Rüstungen wurden veranstaltet durch Vor- schiebung von Truppen nach der Galizischen Grenze und durch Zurückbehaltung des ausge­dienten Jahrgangs, wodurch die aktive Armee um mehrere Hunderttausend Mann verstärkt wurde. Frankreich und England wurden um Llnterstützung für den Kriegsfall angegangen. Poincare gab selbstverständlich die Zusage unbe­dingter Gefolgschaft und zugleich bemühte er sich, Italien vom Dreibund abzusprengen und es mindestens zur Reutralität zu bestimmen. Aus England erhielt Sassonow zwar eine gleiche Zu­sage nicht, aber die Hoffnung, daß England im Kriege nicht neutral bleiben werde, schwand da­mit keineswegs.

Die russischen Rüstungen verschärften die Lage außerordentlich. Denn natürlich muhte Oesterreich auch seinerseits militärische Vorbe­reitungen durch Auffüllung der Galizischen Kadres treffen, und Rüstungen von Grohmächten gegeneinander sind in der Regel der erste Schritt zum Kriege. Bald machten sich die Rachteile der Rüstungen in Oesterreich bemerkbar: finanzielle und wirtschaftliche Schwierigkeiten ergaben sich, die ohnehin längst erregte öffentliche Meinung geriet noch mehr in Wallung: die Anschauung wurde laut, dah man gegen Serbien, den ewigen Friedensstörer, mit Gewalt vorgehen müsse und auch den Kampf mit seinem russischen Hinter­mann nicht scheuen dürfe; der Zustand zwischen Krieg uni> Frieden sei unerträglich. Wie in Ruhland begann also auch in Oesterreich die öffentliche Meinung die Regierung vor­wärts zu treiben; die Zeit sei schwerer als 1866, sagte Kaiser Franz Josef. Wiederum hat sich in dieser Krisis Deutschland als Bundes­genosse und Friedensmahner bewährt. Es lieh keinen Zweifel an feiner Bundestreue, mahnte aber vor jeder Maßregel, die Rußland als Friedensbruch auslegen könne, ab und erreichte dadurch, daß Oesterreich in der Tat die Be­setzung Albaniens zulieh und sich die Rege­lung dieser Frage erst für den Friedensschluh zwischen der Pforte und ihren Gegnern vorbe­hielt. Hierdurch war wenigstens die Gefahr eines unmittelbaren Zusammenstoßes aus der Welt ge­schafft: schwerlich hätte Rußland bei der Er­regung der Panslawisten ruhig zusehen können, wenn Oesterreich den Serben den Einmarsch in Albanien verboten und dem Verbot durch Be­drohung Belgrads Nachdruck gegeben hätte. Ebenso arbeitete Deutschland in Italien mit Er­folg der französischen Agitation entgegen. Auch hier stand wie in Rußland die Demagogie im Gegensatz zur Regierung. Zum größten Teile antiösterreichisch gesinnt hatte sie nur wenig Verständnis für die Gefahren, die für Italien aus einem serbischen Hafen an der Adria er­wachsen konnten, die Regierung hat daher zuerst den serbischen Wünschen nur lau widersprochen. Aber das deutsche Argument, dah es Italiens Ansehen unmöglich zuträglich fein könne, wenn Oesterreich allein die Zurückweisung der ser­bischen Ansprüche überlassen bleibe, wirkte, und allmählich begriff auch die Presse, dah man an dieser Stelle trotz aller Abneigung gegen Oester­reich mit Italien zusammengehen müsse.

So gelang es, den Dreibund zusammenzuhai- ten, und das war von bestem Eindruck auf England und damit mittelbar auf Rußland: Sassonow zeigte sich der deutschen Anregung, eine Konferenz der Großmächte solle auf Grund der letzten österreichischen Vorschläge wirt­schaftlicher Zugang Serbiens zur Adria den neuen territorialen Zustand am Balkan fest­stellen, zugänglich. Wiederum kamen Schwierig­keiten aus Frankreich. Obgleich die Petersburger Regierung die österreichischen Rüstungen richtig als rein defensive Maßregeln betrachtete, suchte Poincare sie als bedrohlich zu schildern und Rußland zu weiteren Schritten zu treiben, wo­durch die Kriegsgefahr vergrößert werden muhte, und die Presse steigerte ihren aggressiven Ton ebenfalls. Hier kam zum guten Teil die Wir­kung der russischen Bestechungsgelder, die wie Iswolskys Korrespondenz offenbart, mit Hilfe Poincares an die wichtigsten Zeitungen verteilt worden waren, zum Ausdruck: die französische Presse zeigte sich zeitweilig russischer als ihre Geldgeberin. Indessen die Festigkeit und Mähi- gung des Dreibundes sowie die andauernde Re­serve Englands waren stärkere Gegengewichte. Kurz nachdem die Kriegftihrenden eine Waffen­ruhe abgeschlossen hatten (3. Dezember), trat eine Konferenz der Großmächte in London zusammen, die sofort grundsätzlich entschied, dah Albanien zum selbständigen Staat erhoben und Serbien vom Adriatischen Meere ferngehalten werden solle. Damit war die Kriegsgefahr zwischen den

Großmächten behoben, wenn auch die Verhand­lung über die Regelung der sämtlichen Balkan­fragen noch mehr als ein halbes Jahr in An­spruch nahm. Der Dreibund hatte somit in einem überaus wichtigen Punkte seinen Willen durch- geseht, freilich gewann die Feindschaft Serbiens gegen Oesterreich neue Antriebe, und das süd­slawische Problem in der Donaumonarchie harrte nach wie vor noch der Lösung.

Die Automobilisierung des Verkehrs.

Die Automobilisierung des Verkehrs hat im Jahre 1925 in der ganzen Welt gewaltige Fortschritte gemacht. In Deutschland ist im Laufe dieses Jahres die Produktion von Kraft­wagen von rund 18 000 auf 55 000 gestiegen, nach­dem man endlich auch bei unS erkannt hat, daß das Automobil kein Luxus-, sondern ein G e - b r a u ch s f a h r z e u g ist, und nachdem man be­gonnen hat, sich in den Produktionsmethoden darauf einzustellen. In fast allen anderen Län­dern, die zum Teil schon vor vielen Iahreii zur Massenproduktion übergegangen waren, ist die Produktionssteigerung im Jahre 1925 weit ge­ringer. Sie stieg in den 03 e r ei ni gten S t a a- t e n von 35Q5 Mill, auf 4154 Mill. Stück, und auch in den maßgebenden beiden europäischen Produktionsländern, in Frankreich und Eng­land, in ähnlichem Ausmaß, und zwar von 145 000 auf 177 000 bzw. 133 811 auf 176197. Auch in Italien, das in jüngster Zeit einen starken Export von Automobilen entwickelt hat, war die Produktionssteigerung nicht im entferntesten so groß wie in Deutschland. Die Zahl der her- gestellten Kraftwagen flieg lediglich von 35 000 auf 39 575 Stück.

Wenn Deutschland so auch quantitativ nur der drittgrößte Produzent in Europa ist und hinter England und Frankreich weit zurücksteht, so können wir uns doch, was die Qualität der Erzeugnisse anbetrifft, durchaus mit den an­deren Ländern messen, wie die zahlreichen Renn- erfolge deutscher Wagen in den schwersten inter­nationalen Konkurrenzen zeigen; doch ist das nicht verwunderlich, da Deutschland das Hei­matland des Autos ist. Aber auch der 4le- bergangzur Massenerzeugungbraucht, was die Qualität des deutschen Wagens an­betrifft, in dieser Hinsicht durchaus keinen Rück­schritt zu bedeuten. Auch Amerika stellt in der Serienproduktion Typen her, die sich durch Le­bensdauer, sicheres und bequemes Fahren von dem deutschen Durchschnittswagen vorteilhaft unterscheiden und außerdem, trotz des Zolles, noch viel billiger sind.

Allmählich läßt sich jetzt auch übersehen, welchen Zuwachs im Laufe des Jahres 1925 der Weltbestand an Kraftfahrzeugen erfahren hat. Bedauerlich ist es, daß trotz des brennenden allgemeinen Interesses für den Automobilver­kehr die ziffernmäßige Erfassung sowohl der Pro­duktion als auch des Bestandes in vielen Län­dern, und zwar auch in Europa, noch immer nicht lückenlos möglich ist. In mehreren Ländern z.D. gibt es noch kleine Registrierung, oder diese wird nur von einzelnen großen Städten oder! Departements durchgeführt. Der Aufstellung einer Weltstatistik stellen sich daher die größten Schwierigkeiten in den Weg. Immerhin haben die jährlichen Erhebungen, die das llniteb Äates Department of Cvmmerce mit Hilfe feiner zahl­reichen Vertreter an allen ausländischen Plätzen aus Grund aller nur erreichbaren Angaben über Produktion, Ein- und Ausfuhr, Steuern usw. veranstalten läßt, einen hohen Grad von Zuver­lässigkeit, wenn auch natürlich ein gewisser Teil immer aus mehr oder minder zuverlässigen Schät­zungen besteht. Die vom Department of Com- merce kürzlich veröffentlichte Statistik über den Weltbestand an Kraftfahrzeugen nach dem Stande vom 30. Juni 1926 zeigt, verglichen mit dem Bestand am 1. Januar 1925, in den wichtigsten Ländern folgendes Bild:

Nach dem Stande vom 30. 6. 1926 vom 1. 1. 1925

(in 1000 Stück)

Vereinigte Staa

ten

19 954,3

6 1

1726,5

6

England

816,0

55

778,2

60

Frankreich

735,0

53

573,4

71

Kanada

716,0

13

636,5

14

Deutschland

323,0

193

256,0

244

Italien . .

114,7

346

89,7

450

Neu-Seeland .

99,4

14

60,6

18

Belgien . .

92,1

84

65,0

121

Schweden . .

80,5

75

63,0

95

Spanien . .

76,0

286

70,0

314

Dänemark . .

66,7

51

47,5

72

Niederlande .

56,3

130

31,0

226

Norwegen . .

27,6

99

20,5

132

Schweiz . .

37,5

104

29,8

134

Oesterreich

17,6

371

15,1

420

) Personen-

und

Lastkraftwagen.

Den Wellbestand an Kraftfahrzeugen be­rechnet das Department of Commerce für den 1. Januar 1926 auf 24 589 249 Stück, so daß also aus jeden 71. Erdbewohner ein Puta­rn o b i k zu rechnen ist. Davon entfallen 20 837 146 Stück auf Personenwagen, 172 617 auf Autobusse und 3 463 866 auf Lastkraftwagen.

Wie die Statistik ferner zeigt, ist nach den Vereinigten Staaten das automobilreichste Land H a w a i mit elf Personen auf ein Automobil, dann folgen Kanada mit 13 Personen, Neu­seeland mit 14 Personen und 21 u ft r alten mit 20 Personen auf einen Wagen. In Europa hat Dänemark die Führung mit 51 Personen auf einen Wagen. Noch reichen die europäischen Staaten sämtlich nicht an die obengenannten Ziffern heran, wenn auch tu vielen Staaten der relative Zuwachs weit größer gewesen ist, als in den obengenannten Staaten, in denen zum Teil schon eine gewisse Sättigung mit Automobi­len erreicht zu fein scheint. So entfielen am 1. Januar 1926 in Deutschland 193 Personen auf ein Auto, gegenüber noch 244 im Vorjahr. Ein günstiges Ergebnis, das nur von wenigen Ländern übertroffen wird.

Allerdings geht die starke Steigerung des Automobilbestandes in Deutschland nur zu einem Teil auf Rechnung der deutschen Fabriken. Zu einem guten Teil hat dazu auch die Einfuhr amerikanischer Wagen beigetragen, wäh­rend vor noch gar nicht langer Zeit bei uns ein amerikanischer Wagen eine Seltenheit war, be­trug der Prozentsatz amerikanischer Wagen in Deutschland auf Grund obenerwähnter Statistik per 30. Juni 1926 nicht weniger als 25 Prozent. Doch in vielen anderen europäischen Länder.» und selbst in England, ist der Prozentsatz amerikanischer Automobile weit stärker. Beson­ders tritt das hervor in den s kandinavi- schen Ländern, die durch die Kopenhagener Fordfabri? buchstäblich überschwemmt worden sind, und auf dem Balkan, wo das Fordsahr- zeug wegen seiner anerkannten Strapazierfähigkeit besonders gute Lebensbedingungen hat. In Deutschland dagegen hat Ford sich noch nicht so ausbreiten können, da man hier noch immer in hohem Maße darauf eingestellt ist, mehr auf die Schönhell, als auf die Zweckmäßigkeit, zu geben und da es auch hier infolge des relativ besseren Straßennetzes auf die Strapazierfähigkeit nicht so ankommt. 2lllerdings scheinen auch hier die Anschauungen in einer Aenderung begriffen zu sein, wozu noch der ümftanb kommt, dah Ford vor kurzem, wenn auch im bescheidenen Umfange, am Berliner Westhafen die teil­weise Herstellung seiner Wagen aufgenommen hat und mit seinen neuen Typen aitch dein Ge­schmack des deutschen Käufers mehr entgegen­kommt, so daß auch bei uns in der nächsten Zeit mit einer starken Zunahme der Fords gerechnet werden muh.

Interessante Einzelheiten über das Vor­dringen des amerikanischen Automobils in der ganzen Welt zeigt nachstehende Tabelle.

Prozentsatz amerikanischer Auto­mobile:

Ägypten ... 55 Frankreich . . 10 Norwegen . . 75 Australien. . 85 Griechenland 70 Österreich . . 5 Dänemark . . 75 Indien.... 85 Rumänien. . 70 Deutschland . 25 Irland.... 72 Schweden . . 85 England ... 48 Italien.... 2 Spanien ... 50 Finnland . . 85 Niederlande. 45 Türkei .... 50

Amerika hat also unteftyitten die Füh­rung, und es ist ausgeschlossen, daß sich dieses Bild im Laufe der nächsten Jahre erheblich ändern wird. Immerhin ist die europäische Erzeugung in langsamem Vordringen be­griffen. Die europäische Produktion ist in den letzten drei Jahren auf das Zweieinhalbfache gestiegen und dürfte auch in der nächsten Zell infolge der verspäteten Umftellung auf Massen- erzeugung in verschiedenen Ländern noch weitei stärker steigen, als in den Vereinigten Staaten. Während vor drei Jahren die amerikanische Er­zeugung noch fünfzehnmal größer war als di- Europas, ist sie heute auf das Zehnfache zurück- gegangen, und es ist zu hoffen, daß diese Ten­denz noch weiter anhallen wird.

Sprechstunden der Redaktion.

12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschloffen.

$üt unverlangt eingefandte Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen.

Anzeigenaufträge find lediglich an die Geschäfts st eile zu richten.

Sonntagsdienst d. Aerzte tu Apotheken am 12.9.26 Dr. W. Klein. Dr. Steinreich Engelavolhekc. Zahnarzt: Dr. bischer.

- - werter niehts!

Für 45^ wird Jhre Wäsche blendend weiß und- was ebenso wiektig ist- sie wird geschont!

SEI FEN PULVER

will iah auch Jhnert verraten: Keeken SieJkre Wäsche mit einem Paket tön fäonipson's Seifenpulver u. einem Paket Sei fix