Nr. 2\5 Siebentes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Samstag, y. September 1926
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Die Kriegsgefahr im Zahre 1912.
Von Dr. Gustav Roloff, o. ö. Professor der Geschichte an der LIniversität Gießen.
Wie die Großmächte den kriegerischen Vorbereitungen der Dalkanstaaten gegen die Pforte im Sommer und Herbst 1912 plan- und tatlos zugesehen hatten, so fanden sie auch nach dem Ausbruch des Krieges (Mitte Oktober) keine entschlossene Haltung. Sie hat'en von der Stärke der beiden Parteien keine deutliche Vorstellung und rechneten im allgemeinen mit einem langen entscheidungslosen Hinziehen, währenddessen man ein gemeinsames Eingreifen vorbereiten könne. Alle wurden daher durch die schnellen Erfolge der Verbündeten überrascht und mutzten nun bereits Ende Oktober Stellung zu den neuen Ereignissen nehmen. Allerdings hatten dir Mächte den Grundsatz proklamiert, dah durch den Krieg eine territoriale Veränderung am Balkan nicht herbeigeführt werden dürfe, aber niemand dachte mehr daran, ihn ausrechtzuerhalten: den Verbündeten galt die Aufteilung Mazedoniens als selbstverständlich, ja, Serbien plante die Erwerbung Albaniens, und in Bulgarien traten sogar Wünsche nach dem Besitz Konstantinopels auf.
Bon diesen Plänen wurden unter den Großmächten Oesterreich und Rußland in erster Linie berührt. Die Donaumonarchie mußte erwarten, daß von einer erheblichen Vergrößerung Serbiens die grohserbische Idee — Vereinigung aller Serben unter dem Szepter des Belgrader Königs — in chrer grundsätzlichen Feindschaft gegen Oesterreich neue Kraft gewinnen und noch offensiver als bisher auftreten werde. Es galt daher für ein Gebot der Selbsterhaltung, Serbien mindestens im Westen einzuschränken und Albanien vor ihm zu retten. Serbien sollte vom Adriatischen Meere serngehalten werden. Rur so meinte Oesterreich seine bosnischen und dalmatinischen Besitzungen vor einer gefährlichen ilm- klammerung schützen zu können: ein serbischer Hafen an der Adria werde doch nur ein Vorposten Rußlands sein. Die Wiener Regierung konnte für ihren Standpunkt weiter geltend machen, daß Albanien und Serbien stammfremd feien, ein serbisches Albanien also die Vergewaltigung einer Rationalität bedeute und Stoff zu ewigen Unruhen geben werde. In die gleiche Richtung wiesen die Interessen Italiens, dem die Entstehung einer neuen slawischen Großmacht am Adriatischen Meere nicht willkommen sein konnte.
Auf ganz andere Wege ging die russische Politik. Ihr war die Verstärkung Serbiens, in dem sie seit ungefähr einem Jahrzehnt einen zuverlässigen und rührigen Bundesgenossen gegen Oesterreich-Ungarn sah, durchaus erwünscht, und die russische öffentliche Meinung sah in dem Triumphe Serbiens den Sieg der eigenen Sache. Sassonow begünstigte daher die Ausdehnung Serbiens bis zur Adria, während er Bulgarien, das sich weniger fügsam gegen Petersburger Winke gezeigt hatte, kühler gegenüberstand. Insbesondere konnte er das Streben nach Konstantinopel nicht dulden, aber diese Frage hatte für den europäischen Frieden geringe Bedeutung, da keine Großmacht hinter Bulgarien stand. Weit schwieriger war der Gegensatz der beiden östlichen Kaisermächte in der s erbis ch -alb anisch en Angelegenheit zu regeln. Sobald die militärischen Ereignisse so weit fortgeschritten waren, dah die siegreichen Balkanstaaten ihre Bedingungen zu formulieren begannen, wankte der allgemeine Frieden: Oesterreich lieh keinen Zweifel, dah es Serbiens Vordringen nach Westen nicht dulden werde, Ruhland verlangte ebenso deutlich Befriedigung der serbischen Wünsche. Die Entscheidung hing zum guten Teil von der Haltung der übrigen Mächte ab.
Deutschlands Stellung war von vornherein gegeben. Es mußte Oesterreich unterstützen, weil der Bundesgenosse diese Angelegenheit für eine Lebensfrage erklärte, andererseits suchte es nach einem für Rußland annehmbaren Ausgleich, um den Frieden zu behaupten. Es hat daher fortgesetzt Mahnungen nach Wien gerichtet, jede Provokation Rußlands zu vermeiden, und sich zugleich bemüht, eine Vereinbarung der Großmächte über die endgültige Gestaltung der Bal- kanverhältnisse herbeizuführen. Anders der Bundesgenosse Rußlands. In Frankreich wurde der Sieg der Dalkanstaaten mit brausendem Jubel begrüßt. Da die Pforte Instruktionsoffiziere und Geschütze aus Deutschland, Serbien dagegen aus Frankreich bezogen hatte, so sah man in dem Ausgang einen Sieg der französischen Armee über die deutsche: man glaubte einem Zusammenstöße mit Deutschland zuversichtlich entgegensehen zu dürfen. Die Franzosen waren im Irrtum, denn nicht wegen schlechter Taktik und Bewaffnung sind die Türken geschlagen worden, sondern wegen ihrer schlechten Verwaltung, die von den militärischen Mitteln keinen Gebrauch zu machen verstand. Indessen Poincare, der Leiter der auswärtigen Politik, stand durchaus unter dem allgemeinen Eindruck. Ohnehin, wie früher erwähnt, einem großen Kriege nicht abgeneigt, war er weit entfernt, die deutschen Bestrebungen zu unterstützen; wie vor einigen Monaten sucht er die Differenzen zwischen Dreibund und 'Tripelentente geflissentlich zu erweitern, indem er wider besseres Wissen in Petersburg und London die deutsche Politik verdächtigte, daß sie Rußland isolieren und zu einem demütigen Rückzug zwingen wolle. Ratschläge zur Mäßigung, wie sie von Berlin nach Wien gegangen sind, hat er in Petersburg nicht erteilt. England stand dagegen mehr auf dem deutschen Standpunkte. Die serbische Frage berührte England nicht direkt, aber an einem Kriege zwischen den Festlandsmächten hätte sich England infolge seiner engen Verbindung mit Rußland und Frankreich doch beteiligen müssen. Aber die augenblickliche Gelegenheit erschien nicht günstig. Der Dreibund schien ungebrochen, und bei den zahlreichen mohammedanischen Untertanen Englands war ein Krieg, der sich an den Untergang des Sultanreiches anknüpfte, nicht populär. Grey war daher ebenfalls um einen Ausgleich bemüht.
Me diese Momente bewirkten, daß die russi- •1 j Sterling, die sich übrigens mllitärisch noch nicht fertig fühlte, beschloß, es nicht zum Aeußer- sten zu treiben, zumal auch Oesterreich entgegenkam. Es war zwar nicht bereit, den Serben Besitz am Adriatischen Meere zu gestatten, garantierte aber, daß sie auf einer Eisenbahn durch Bosnien, die eventuell neutralisiert werden könne, «oder durch Ausbau der Donau-Adria-Dahn einen Zugang nach einem Adriahafen erhalten könnten.
So sei den serbischen wirtschaftlichen Bedürfnissen und der Sicherheit Oesterreichs Genüge geleistet. Bereits im ersten Drittel des Rovember, also als der Krieg noch nicht einen Monat gedauert hatte, hatte man sich in Wien und Petersburg zu diesen Entschlüssen durchgerungen, es hätte also, sollte man meinen, unter Assistenz von Deutschland und England bald ein Kompromiß gefunden werden können. Aber da trat wiederum die Macht dazwischen, die bereits die Politik der großen Möchte in den Sommermonaten durchkreuzt hatte: die chauvinistisch-panslawistische Agitation in Serbien und Rußland. Regierung und Ration in Serbien weigerten sich, auf die adriatischen Pläne zu verzichten: die öffentliche Meinung schäumte über von Angriffen auf Oesterreich, Sassonows Mahnungen zum Einlenken wurden für nichts geachtet, weil man nach den Erfahrungen der letzten Monate fest auf die russische öffentliche Meinung, der sich auch die Regierung werde fügen müssen, baute. Unbekümmert um alle Vorstellungen der Großmächte rückten serbische Truppen in Albanien ein, um dies Land mit dem Königreiche zu vereinigen. IN der Tat setzte sich die russische Öffentlichkeit mit Macht für Serbien ein. Wie früher wurde, die Regierung aufgefordert, dem Dundesvolk zur Seite zu stehen, Sassonow wurde schon Verrat an der allgemeinen slawischen Sache vorgeworfen. Selbst der Zar, der stets einer friedlichen Lösung zustrebte, begann unter dem Einfluß des Großfürsten Rikolaus Rikolajewitsch wankend zu werden. (Mitte Rovember.)
Angesichts dieser populären Strömung wagte Sassonow nicht, den Serben die russische Unterstützung ganz zu entziehen; er hielt wenigstens an der für Oesterreich ebenfalls unannehmbaren Forderung fest, dah ihnen ein Hafen an der Adriaküste zuteil werden müsse. Es sei viel weniger konziliant als vor einer Woche, urteilten übereinstimmend der deutsche und italienische Dot- .schaster (20. Rovember). Schon begann man den Bruch mit Oesterreich ernstlicher ins Auge zu fassen; Rüstungen wurden veranstaltet durch Vor- schiebung von Truppen nach der Galizischen Grenze und durch Zurückbehaltung des ausgedienten Jahrgangs, wodurch die aktive Armee um mehrere Hunderttausend Mann verstärkt wurde. Frankreich und England wurden um Llnterstützung für den Kriegsfall angegangen. Poincare gab selbstverständlich die Zusage unbedingter Gefolgschaft und zugleich bemühte er sich, Italien vom Dreibund abzusprengen und es mindestens zur Reutralität zu bestimmen. Aus England erhielt Sassonow zwar eine gleiche Zusage nicht, aber die Hoffnung, daß England im Kriege nicht neutral bleiben werde, schwand damit keineswegs.
Die russischen Rüstungen verschärften die Lage außerordentlich. Denn natürlich muhte Oesterreich auch seinerseits militärische Vorbereitungen durch Auffüllung der Galizischen Kadres treffen, und Rüstungen von Grohmächten gegeneinander sind in der Regel der erste Schritt zum Kriege. Bald machten sich die Rachteile der Rüstungen in Oesterreich bemerkbar: finanzielle und wirtschaftliche Schwierigkeiten ergaben sich, die ohnehin längst erregte öffentliche Meinung geriet noch mehr in Wallung: die Anschauung wurde laut, dah man gegen Serbien, den ewigen Friedensstörer, mit Gewalt vorgehen müsse und auch den Kampf mit seinem russischen Hintermann nicht scheuen dürfe; der Zustand zwischen Krieg uni> Frieden sei unerträglich. Wie in Ruhland begann also auch in Oesterreich die öffentliche Meinung die Regierung vorwärts zu treiben; die Zeit sei schwerer als 1866, sagte Kaiser Franz Josef. Wiederum hat sich in dieser Krisis Deutschland als Bundesgenosse und Friedensmahner bewährt. Es lieh keinen Zweifel an feiner Bundestreue, mahnte aber vor jeder Maßregel, die Rußland als Friedensbruch auslegen könne, ab und erreichte dadurch, daß Oesterreich in der Tat die Besetzung Albaniens zulieh und sich die Regelung dieser Frage erst für den Friedensschluh zwischen der Pforte und ihren Gegnern vorbehielt. Hierdurch war wenigstens die Gefahr eines unmittelbaren Zusammenstoßes aus der Welt geschafft: schwerlich hätte Rußland bei der Erregung der Panslawisten ruhig zusehen können, wenn Oesterreich den Serben den Einmarsch in Albanien verboten und dem Verbot durch Bedrohung Belgrads Nachdruck gegeben hätte. Ebenso arbeitete Deutschland in Italien mit Erfolg der französischen Agitation entgegen. Auch hier stand wie in Rußland die Demagogie im Gegensatz zur Regierung. Zum größten Teile antiösterreichisch gesinnt hatte sie nur wenig Verständnis für die Gefahren, die für Italien aus einem serbischen Hafen an der Adria erwachsen konnten, die Regierung hat daher zuerst den serbischen Wünschen nur lau widersprochen. Aber das deutsche Argument, dah es Italiens Ansehen unmöglich zuträglich fein könne, wenn Oesterreich allein die Zurückweisung der serbischen Ansprüche überlassen bleibe, wirkte, und allmählich begriff auch die Presse, dah man an dieser Stelle trotz aller Abneigung gegen Oesterreich mit Italien zusammengehen müsse.
So gelang es, den Dreibund zusammenzuhai- ten, und das war von bestem Eindruck auf England und damit mittelbar auf Rußland: Sassonow zeigte sich der deutschen Anregung, eine Konferenz der Großmächte solle auf Grund der letzten österreichischen Vorschläge — wirtschaftlicher Zugang Serbiens zur Adria — den neuen territorialen Zustand am Balkan feststellen, zugänglich. Wiederum kamen Schwierigkeiten aus Frankreich. Obgleich die Petersburger Regierung die österreichischen Rüstungen richtig als rein defensive Maßregeln betrachtete, suchte Poincare sie als bedrohlich zu schildern und Rußland zu weiteren Schritten zu treiben, wodurch die Kriegsgefahr vergrößert werden muhte, und die Presse steigerte ihren aggressiven Ton ebenfalls. Hier kam zum guten Teil die Wirkung der russischen Bestechungsgelder, die wie Iswolskys Korrespondenz offenbart, mit Hilfe Poincares an die wichtigsten Zeitungen verteilt worden waren, zum Ausdruck: die französische Presse zeigte sich zeitweilig russischer als ihre Geldgeberin. Indessen die Festigkeit und Mähi- gung des Dreibundes sowie die andauernde Reserve Englands waren stärkere Gegengewichte. Kurz nachdem die Kriegftihrenden eine Waffenruhe abgeschlossen hatten (3. Dezember), trat eine Konferenz der Großmächte in London zusammen, die sofort grundsätzlich entschied, dah Albanien zum selbständigen Staat erhoben und Serbien vom Adriatischen Meere ferngehalten werden solle. Damit war die Kriegsgefahr zwischen den
Großmächten behoben, wenn auch die Verhandlung über die Regelung der sämtlichen Balkanfragen noch mehr als ein halbes Jahr in Anspruch nahm. Der Dreibund hatte somit in einem überaus wichtigen Punkte seinen Willen durch- geseht, freilich gewann die Feindschaft Serbiens ■gegen Oesterreich neue Antriebe, und das südslawische Problem in der Donaumonarchie harrte nach wie vor noch der Lösung.
Die Automobilisierung des Verkehrs.
Die Automobilisierung des Verkehrs hat im Jahre 1925 in der ganzen Welt gewaltige Fortschritte gemacht. In Deutschland ist im Laufe dieses Jahres die Produktion von Kraftwagen von rund 18 000 auf 55 000 gestiegen, nachdem man endlich auch bei unS erkannt hat, daß das Automobil kein Luxus-, sondern ein G e - b r a u ch s f a h r z e u g ist, und nachdem man begonnen hat, sich in den Produktionsmethoden darauf einzustellen. In fast allen anderen Ländern, die zum Teil schon vor vielen Iahreii zur Massenproduktion übergegangen waren, ist die Produktionssteigerung im Jahre 1925 weit geringer. Sie stieg in den 03 e r ei ni gten S t a a- t e n von 35Q5 Mill, auf 4154 Mill. Stück, und auch in den maßgebenden beiden europäischen Produktionsländern, in Frankreich und England, in ähnlichem Ausmaß, und zwar von 145 000 auf 177 000 bzw. 133 811 auf 176197. Auch in Italien, das in jüngster Zeit einen starken Export von Automobilen entwickelt hat, war die Produktionssteigerung nicht im entferntesten so groß wie in Deutschland. Die Zahl der her- gestellten Kraftwagen flieg lediglich von 35 000 auf 39 575 Stück.
Wenn Deutschland so auch quantitativ nur der drittgrößte Produzent in Europa ist und hinter England und Frankreich weit zurücksteht, so können wir uns doch, was die Qualität der Erzeugnisse anbetrifft, durchaus mit den anderen Ländern messen, wie die zahlreichen Renn- erfolge deutscher Wagen in den schwersten internationalen Konkurrenzen zeigen; doch ist das nicht verwunderlich, da Deutschland das Heimatland des Autos ist. Aber auch der 4le- bergangzur Massenerzeugungbraucht, was die Qualität des deutschen Wagens anbetrifft, in dieser Hinsicht durchaus keinen Rückschritt zu bedeuten. Auch Amerika stellt in der Serienproduktion Typen her, die sich durch Lebensdauer, sicheres und bequemes Fahren von dem deutschen Durchschnittswagen vorteilhaft unterscheiden und außerdem, trotz des Zolles, noch viel billiger sind.
Allmählich läßt sich jetzt auch übersehen, welchen Zuwachs im Laufe des Jahres 1925 der Weltbestand an Kraftfahrzeugen erfahren hat. Bedauerlich ist es, daß trotz des brennenden allgemeinen Interesses für den Automobilverkehr die ziffernmäßige Erfassung sowohl der Produktion als auch des Bestandes in vielen Ländern, und zwar auch in Europa, noch immer nicht lückenlos möglich ist. In mehreren Ländern z.D. gibt es noch kleine Registrierung, oder diese wird nur von einzelnen großen Städten oder! Departements durchgeführt. Der Aufstellung einer Weltstatistik stellen sich daher die größten Schwierigkeiten in den Weg. Immerhin haben die jährlichen Erhebungen, die das llniteb Äates Department of Cvmmerce mit Hilfe feiner zahlreichen Vertreter an allen ausländischen Plätzen aus Grund aller nur erreichbaren Angaben über Produktion, Ein- und Ausfuhr, Steuern usw. veranstalten läßt, einen hohen Grad von Zuverlässigkeit, wenn auch natürlich ein gewisser Teil immer aus mehr oder minder zuverlässigen Schätzungen besteht. Die vom Department of Com- merce kürzlich veröffentlichte Statistik über den Weltbestand an Kraftfahrzeugen nach dem Stande vom 30. Juni 1926 zeigt, verglichen mit dem Bestand am 1. Januar 1925, in den wichtigsten Ländern folgendes Bild:
Nach dem Stande vom 30. 6. 1926 vom 1. 1. 1925
(in 1000 Stück)
Vereinigte Staa
ten
19 954,3
6 1
1726,5
6
England
816,0
55
778,2
60
Frankreich
735,0
53
573,4
71
Kanada
716,0
13
636,5
14
Deutschland
323,0
193
256,0
244
Italien . .
114,7
346
89,7
450
Neu-Seeland .
99,4
14
60,6
18
Belgien . .
92,1
84
65,0
121
Schweden . .
80,5
75
63,0
95
Spanien . .
76,0
286
70,0
314
Dänemark . .
66,7
51
47,5
72
Niederlande .
56,3
130
31,0
226
Norwegen . .
27,6
99
20,5
132
Schweiz . .
37,5
104
29,8
134
Oesterreich
17,6
371
15,1
420
•) Personen-
und
Lastkraftwagen.
Den Wellbestand an Kraftfahrzeugen berechnet das Department of Commerce für den 1. Januar 1926 auf 24 589 249 Stück, so daß also aus jeden 71. Erdbewohner ein Putarn o b i k zu rechnen ist. Davon entfallen 20 837 146 Stück auf Personenwagen, 172 617 auf Autobusse und 3 463 866 auf Lastkraftwagen.
Wie die Statistik ferner zeigt, ist nach den Vereinigten Staaten das automobilreichste Land H a w a i mit elf Personen auf ein Automobil, dann folgen Kanada mit 13 Personen, Neuseeland mit 14 Personen und 21 u ft r alten mit 20 Personen auf einen Wagen. In Europa hat Dänemark die Führung mit 51 Personen auf einen Wagen. Noch reichen die europäischen Staaten sämtlich nicht an die obengenannten Ziffern heran, wenn auch tu vielen Staaten der relative Zuwachs weit größer gewesen ist, als in den obengenannten Staaten, in denen zum Teil schon eine gewisse Sättigung mit Automobilen erreicht zu fein scheint. So entfielen am 1. Januar 1926 in Deutschland 193 Personen auf ein Auto, gegenüber noch 244 im Vorjahr. Ein günstiges Ergebnis, das nur von wenigen Ländern übertroffen wird.
Allerdings geht die starke Steigerung des Automobilbestandes in Deutschland nur zu einem Teil auf Rechnung der deutschen Fabriken. Zu einem guten Teil hat dazu auch die Einfuhr amerikanischer Wagen beigetragen, während vor noch gar nicht langer Zeit bei uns ein amerikanischer Wagen eine Seltenheit war, betrug der Prozentsatz amerikanischer Wagen in Deutschland auf Grund obenerwähnter Statistik per 30. Juni 1926 nicht weniger als 25 Prozent. Doch in vielen anderen europäischen Länder.» und selbst in England, ist der Prozentsatz amerikanischer Automobile weit stärker. Besonders tritt das hervor in den s kandinavi- schen Ländern, die durch die Kopenhagener Fordfabri? buchstäblich überschwemmt worden sind, und auf dem Balkan, wo das Fordsahr- zeug wegen seiner anerkannten Strapazierfähigkeit besonders gute Lebensbedingungen hat. In Deutschland dagegen hat Ford sich noch nicht so ausbreiten können, da man hier noch immer in hohem Maße darauf eingestellt ist, mehr auf die Schönhell, als auf die Zweckmäßigkeit, zu geben und da es auch hier infolge des relativ besseren Straßennetzes auf die Strapazierfähigkeit nicht so ankommt. 2lllerdings scheinen auch hier die Anschauungen in einer Aenderung begriffen zu sein, wozu noch der ümftanb kommt, dah Ford vor kurzem, wenn auch im bescheidenen Umfange, am Berliner Westhafen die — teilweise — Herstellung seiner Wagen aufgenommen hat und mit seinen neuen Typen aitch dein Geschmack des deutschen Käufers mehr entgegenkommt, so daß auch bei uns in der nächsten Zeit mit einer starken Zunahme der Fords gerechnet werden muh.
Interessante Einzelheiten über das Vordringen des amerikanischen Automobils in der ganzen Welt zeigt nachstehende Tabelle.
Prozentsatz amerikanischer Automobile:
Ägypten ... 55 Frankreich . . 10 Norwegen . . 75 Australien. . 85 Griechenland 70 Österreich . . 5 Dänemark . . 75 Indien.... 85 Rumänien. . 70 Deutschland . 25 Irland.... 72 Schweden . . 85 England ... 48 Italien.... 2 Spanien ... 50 Finnland . . 85 Niederlande. 45 Türkei .... 50
Amerika hat also unteftyitten die Führung, und es ist ausgeschlossen, daß sich dieses Bild im Laufe der nächsten Jahre erheblich ändern wird. Immerhin ist die europäische Erzeugung in langsamem Vordringen begriffen. Die europäische Produktion ist in den letzten drei Jahren auf das Zweieinhalbfache gestiegen und dürfte auch in der nächsten Zell infolge der verspäteten Umftellung auf Massen- erzeugung in verschiedenen Ländern noch weitei stärker steigen, als in den Vereinigten Staaten. Während vor drei Jahren die amerikanische Erzeugung noch fünfzehnmal größer war als di- Europas, ist sie heute auf das Zehnfache zurück- gegangen, und es ist zu hoffen, daß diese Tendenz noch weiter anhallen wird.
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