yr. 213 Vierter Blatt
Wirtschaft.
Dke Wirtschaftslage in Deutschland.
Die Lage des Bergbaues und der Eisenindustrie hat sich in der letzten Zeit gebessert. Allerdings dars nicht verkannt werden, bah diese Besserung zum großen Teil auf die Auswirkungen des englischen Bergarbeiterstreiks, also auf ein vorübergehendes Zufallsmoment, zurückzuführen ist. Inwieweit diese Besserung nach der Beendigung des englischen Streiks anhalten wird, bleibt abzuwarten. Für die eisenverarbeitenden Industrien ist ein Fortschritt in der Konjunkturbelebung nicht festzustellen. So berichtet die M a s ch i n e n i n d u st r i e über sehr uneinheitliche Absahverhältnisse; teilweise muß. len wettere Betriebseinschränkungen vorgenommen werden; anderseits zeigten sich aber auch einzelne Anzeichen sür eine allmähliche Besserung; als Folge der immer mehr durchgeführten Rationalisierung der Produktion trat vielfach eine rege Nachfrage nach Spezialmaschinen hervor. Wenig günstig ist nach wie vor die Lage der Eisen - 11 nö Stahlwarenindustrie; hier fehlen noch jegliche Anzeichen für eine Vermehrung des inländischen Bedarfs, während sich auf dem Auslandmarkt in verstärktem Maße die scharfe französische und belgische Konkurrenz bemerkbar macht. Es hat den Anschein, als ob neuerdings auch in der Kleineisenindustrie der Gedanke des Zusammenschlusses und der Ausscheidung lebensunfähiger Werke stärker an Boden gewinnt. Die meisten Fertigindustrien außerhalb^ des Gesamtgebietes der eisenverarbeitenden Industrien bieten ein günstigeres Bild. Die chemische Industrie verzeichnet einen befriedigenden Auftragseingang für die meisten Artikel. Das gleiche gilt für die elektrotechnische Industrie. Auch Textilindustrie und Verkehrsgewerbe können eine Belebung des Geschäfts feststellen.
Wie weit die Auswirkung der in manchen Wirtschaftszweigen zu beobachtenden Belebung eine Steigerung der Gesamtumsätze innerhalb der deutschen Wirtschaft — das ist das Ausschlaggebende sür die Beurteilung der Gesamtkonjunktur — herbeigeführt hat, läßt sich für die letzten Wochen statistisch schlecht erfassen. Die vorliegenden Ziffern ergeben ein etwas widerspruchsvolles Bild. Das Erträgnis aus der A m s a h st e u e r erreichte für Iuni mit nur 58 000 000 Mk. einen Tiefstand, wie er seit Anfang 1924 noch nie zu verzeichnen war. Ein günstigeres Bild für die Entwicklung der Gesamtumsätze gibt der Postscheckverkehr, der mit 9,3 Milliarden Mk. die höchste Ziffer des ersten Halbjahres 1926 aufwies. Das gleiche gilt für den Abrechnungsverkehr dec Reichsbank und, wenn man vom Monat Ianuar absieht, auch für das Erträgnis der L o h n st e u e r; allerdings kann man diese nur in beschränktem Maße als Symptom der Konjunkturentwicklung bewerten, da bei ihr die Rückerstattung von 40 Mill. Mark in Ansatz gebracht werden müssen. Die Reichsbahn hatte eine erhöhte Wagengestellung zu verzeichnen, die allerdings ausschließlich auf den verstärkten Kohlenversand zurückzuführen ist, der mit der eigentlichen Konjunkturbewegung nichts zu tun hat; vom Kohlentransport abgesehen ist die Güterbewegung des 1. Halbjahres 1926 sogar noch um über 5 Prozent hinter der des 1. Halbjahres 1925 zurückgeblieben. Don wesentlicher Bedeutung für die Produktion ist die Gestaltung der Konsumfähigkeit der breiten Masse. Legt man ihrer Beurteilung die llmsahziffern der Konsumvereine zugrunde, so ist im bisherigen Verlauf dieses Iahres eine rückläufige Tendenz nicht erkennbar. Zu nicht so günstigem Ergebnis gelangt jedoch eine Um« frage, die der deutsche Genossenschaftsverband unter seinen Mitgliedern angestellt hat. Danach liegt bei den gewerblichen Genossenschaften der Umsatz je Mitglied nur in einzelnen Genossenschaften über, in den übrigen dagegen unter dem Durchschnittssah 1925. Angesichts der Bedeutung der Landwirtschaft sür die Gesamtkonjunktur ist für die weitere Gestaltung der Ausfall der Ernte von größter Wichtigkeit. Die ungewöhnlich hohen Niederschlagsmengen des Iuli haben stellenweise größere Schäden angerichtet und damit die Ernteaussichten herabgemindert. Nach den bisher erfolgten Schätzungen wird indessen sür Brotgetreide zum mindesten mit einer befriedigenden Mittelernte gerechnet.
Börse und Geldmarkt.
Die Börsenspekulation hat sich bei ihren namhaften Positionslösungen, die am Montag dieser Woche einsehten und einige Tage hindurch eine stärkere Senkung des Kursniveaus zur Folge hatten, weniger von allgemeinen wirtschaftlichen Erwägungen leiten lassen. Für sie kamen mehr positionstechnische Gesichtspunkte in Betracht, die auf eine Verringerung ihrer Hausseengagements hindrängten. Es tauchten nämlich Befürchtungen auf, daß die Beschaffung von Reportgeldern zum Medio und Ultimo September Schwierigkeiten machen könnte, einmal, weil man mit einer allgemeinen Geldverknappung rechnete, und sodann im Hinblick auf die vielfach zu großen Engagements, die sich in schwachen Händen befanden und den Banken Anlaß gegeben haben sollen, bei diesen Firmen auf eine Verringerung der Positionen zu sehen. Man hatte es also mit größtenteils freiwilligen, vereinzelt auch Zwangsexe-
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhefsen) Samstag, ft. September 1926
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f u t i o nen zu tun. Die Wirkung dieser Abgaben auf die Kurse wurde durch die Vorstöße der Baissiers noch verstärkt. Den entscheidenden Einfluß auf die Tendenzgestaltung an den Daisse- tagen der ersten Wochenhälfte hatten also zweifellos Selbstexekutionen mittlerer und kleiner Dankfirmen, während das Publikum im ganzen an seinem Besitz festhielt und dadurch eine weitere Verschärfung der Kursrückgänge zu einem direkten Kürseinbruch vermied. Auch gegenwärtig hat es nicht den Anschein. als wenn das Publikum sich mit Mtien- verkäusen beeilt, so daß die Börse ihre Leerabgaben eindeckte und die Gesamttendenz trotz einer zurückgebliebenen Nervosität und Llnsicher- heit doch schon wieder günstiger geworben ist. Bei einer -Untersuchung der Frage, ob die von der Börse ins Feld geführten Befürchtungen zutreffend sind, stößt man als Tatbestand nur auf die allgemeine Neigung der Banken, ihre an schwache spekulative Seiten gegebenen Kredite nach Möglichkeit zu verringern und hiermit zum Medio und Ultimo September zu beginnen. Ein solches Vorhaben würde aus weite Sicht aber für die Börse nur nützlich sein, da dadurch eine Bereinigung ihrer positionstechnischen Lage einträte. Von der Absicht einer allgemeinen Einschränkung der Reportgelder int September ist dagegen bisher nichts bekannt geworden. Man kann auch nicht verlangen, daß die Banken schon in den ersten Tagen eines Monates über ihre Dispositionen - am Ende dieses Monats Aufklärung geben, da diese ja noch gar nicht übersehen werden können. Soweit sich die Verkäufe der Börse also auf Gerüchte über die Zurückziehung bzw. Einschränkung der Reportgeldgcwährung bei den September-Abwicklungen stützten, waren sie zum mindesten etwas voreilig. Ob die drei- vierteljährliche Hausse jetzt eine Beendigung gefunden hat, wird man endgültig erst übersehen können, wenn die Medio- und Ultimo« Regulierung vorüber ist. Daß die Kurssteigerungen in den letzten Monaten beträchtlich waren, geht nicht nur aus den Gegenüberstellungen des Niveaus zu Anfang des Iahres und heute, sondern auch aus einem Vergleich mit der Entwicklung der ausländischen Börsen hervor, den das «Äatistische Reichsamt angestellt hat. An den europäischen Börsen war im ersten Halbjahr 1926 überwiegend eine leichte Erhöhung des Kursniveaus zu verzeichnen. Im Vordergrund dieser Entwicklung standen die Kurssteigerungen in Deutschland, danach in England und Schweden. Der Aktienindex des Deutschen Reiches stieg von 106,1 im März auf 121,6 im Iuni, der Englands von 106,7 auf 110,3 und der Schwedens von 129,9 auf 139,3. Im Augenblick wird das Geschäft durch die israelitischen Feiertage und den bevorstehenden Mediotermin gehemmt, wäh- reird die Haltung der Börse unklar ist und von der weiteren Geldentwicklung abhängen wird. Der Sah für Monatsgeld, das Über den Quartalswechsel reicht, zeigt mit 53/4 bis 7 Prozent eine anhaltende Anspannung, während Tages- gelb in dieser Woche mit 5 bis 6V2 Prozent etwas billiger wurde. Die Versionen über eine Herabsetzung der Debetzinsen bei der Seehandlung bewahrheiteten sich nicht. Warenwechsel mit Großbankgiro werden zu etwa 53/fi bis 51/.? Proz. übernommen
Berliner Börse.
Berlin, 11. Sept. Die Wochenschlußbörje stand ebenso wie die letzten unter dem Zeichen großer Zurückhaltung. Das Börsengeschäft ließ sich n n - gemein ruhig an und erst später zeigten einige Spezialwerte etwas Bewegung. Die Tendenz gestaltete sich überwiegend freundlich. Die Abschlüsse hielten sich natur- gemäß in engsten Grenzen. Besondere anregende Momente lagen nicht vor, dagegen trugen auf der anderen Seite der Wochen! )Iuß und der in der nächsten Woche erreichte Medio zur reservierten Haltung der Spekulation bei. Die Erhöhung des Prioatdiskontsatzes am Geldmarkt spielte keine Rolle, da die Lage weiter flüssig bleibt. Tagesgeld 4,25 bis 6 Prozent, Monatsgeld 5,5 bis 7 Prozent. Im Deoisenoerkehr war Paris gegen London leicht befestigt auf 167,50. Die übrigen Valuten notierten fast unverändert. Mailand und Brüssel lagen gleichfalls freundlich.
Börse.
Frankfurt a. M., 11. Sept. Tendenz: fest. — Die gestrigen Reden Stresemanns und Briands in Genf konnten erst heute, nachdem der Börsenverkehr wieder seinen regulären Verlauf genommen hat, zur vollen Auswirkung kommen. Sie wurden als eine wertvolle Kundgebung für die weitere Entwicklung der außenpolitischen Lage beurteilt und hatten zur Folge, daß man auch in wirtschaftlicher Hinsicht glaubt etwas hoffnungsvoller in die Zukunft blicken zu dürfen. Die Spekulation zeigte etwas Unternehmungslust und schritt zu Deckungen, die an den Hauptmärkten Besserungen bis zu 2 Prozent bewirkten. Im Vordergründe standen infolge Fortdauer der Hochkonjunktur im Ruhr- dergbau immer noch Montanaktien, die am am besten abschneiden konnten. Bochumer plus 1,5, Buderus plus 0,5, Deutsch-Lux plus 1,5, Gelsenkirchen plus 2, Harpener plus 3,5, Mannesmann und Mansfelder je plus 2, Phönix plus 1,5 Prozent. Merkwürdigerweise blieben J.-G.- Farben auch heute wie in den letzten Tagen sehr ruhig. Der Kurs war kaum verändert. Im Verlaufe trat kleines Angebot hervor, so daß die Notierung von 273,63 auf 273 Prozent zurückging. Elektroaktien zogen etwa 1 bis 1,5 Prozent an. Auch Bankaktien wurden ca. 1 Prozent höher. Am Schiff-
fahrts markte betrugen die Steigerungen für Hapag und Nord-Lloyd je 1 Prozent. Motorenakticn lagen ruhig und kaum verändert. Bauftoffaktien zogen mäßig an. Zellstost'akticn fest. Zuckeraktien zumeist gehalten. Das A n 1 e i h e g e s ch ä f t war wieder etwas reger. Kriegsanleihe stellten sich zum ersten Kurs auf 0,509. Ausländische Renten waren wenig verändert. Der Freiverkehr tendierte fast unverändert. Nur Benz schwächten sich auf 77 Prozent ab. Growag 60, Brown Boveri 130, Entreprise 8, Becker Stahl 31, Ufa 39,5, Unterfranken 95 Prozent. Der weitere Verlauf war durch die eingetretene Geschäftsstille beeinträchtigt. Die Kurse begannen leicht abzubröckeln, zumal die Stimmung unsicher wurde. Geld ist im kurzfristigen Verkehr angeboten. Für langfristges Geld besteht Nachsrage. Im D e - oisenverkehr haben sich die westlichen Frankenvaluten etwas erholt. Die Mark liegt weiter unverändert fest.
Börsenkurse.
Frankfurt a-M.
Berlin
Schlug»! i-Uhr- Kur» | fture
Schluh.IAnfang Nurs | Quro
Datum:
10. 9. | 11.9.
10. 9. | 11. 9
5% Deutsche Rcichsanlethe 4% Deutsche Reichsanlcihe . S'/a% Deutsche Ncichsanletbe 3°/, Deutsche Neichsanleibe . Deutsche Vvarprämicnanleihe 4°/0 Preußische Koniolü • • . 4° 0 Hessen 3'/«% Hessen 3°/0 Heilen Deutsche Wertb. Dollar-Aul. dto- Doll.-Schav-Anweikng-')
4°/o Zoll türken 6°/o Goldmerikaner
Berliner Handelsgesellschaft Commerz- and Privat-Bank Darmst. unv Naiionalbank Deutsche Bank.........
Deutsche BereinSbank .... Disconto Commandit . - Mctallbank Mitteldeutsche Lrcditbank. . Oeslerreichiiche Kreditanstalt Weltbank...........
Bochumer Guß - Buderus ........ . .
Caro .......... ।
Deutsch r.'uxemburg (*>)ci)"cnlird)cner Bergiorrke. . Harpener Bergbau Naliwerkc Aschersleben. . . . Kaliwerk Westeregeln. . . . . Haiiraljüttc ..... Obcrbcdarf......... ,
Phönix Bergbau ...... Rheiustayl ......... Nicbcck Montan TclluS Bergbau Bereinigte Stahlwerke A,-G- Homburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd . .
Cherainische Werke Albin . - Zementwerk Heidelberg . . Philivv Holzmann
Anglo h ont.°Guano . . . . Chemische Mayer Alapin . . I. Jarbcnindustrie, 21.»®. ®oldschinidk Holzverkohlung . . Rülgerswerkc Lch-idcanstalt Alla- ElekkrizttätS-Gesellschaft Bergmann Mainkrattwerke ...... Schlickert . .
Siemens L HalL^
Adlcrwertc -lllever ..... Daimler Motoren - ..... Heyliycnstacdk....... .
Meguin. ,
Motorenwerke Mannheim
frankfurter Armaturen Konservenfabrik Braun . . . Metallgesell'chaft Frankfurt. Pet. Union 91--® Schnhwbrik Her; . . . . .
Sichel.....
Zellstoff Woldhot ..... Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Waobäulel . . .
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178
176
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—
90
90
—
—
Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M.
Te l egraphische Auszahlung-
10 Septbr.
11- Septbr.
Amtliche Nokt^runa
Amtliche ‘Jiotiermtfl
(»eld
Brief
Geld
Bries
iUmft.-zHoii
168,16
168,58
168,14
168,56
Buen-AircS
1,701
1,705
1,694
1,703
Ärss-°Antw-
11,45
11,49
11,53
11,57
Christiania.
-itopenhagev
91,90
92,14
91,89
92,13
111,36
111,74
111,48
111,76
Stockholm
112,16
112,4.5
112,14
112,42
Helsingfors-
10,55
10,59
10,553
10,593
Italien. . .
15,oo
15,04
15,21
15,25
London - -
20,364
20,414
20,362
20,412
Neuyork . -
1,191
1,202
4,193
4,203
Paris - ■ -
12,00
12,04
12,16
12,20
Schwei; - -
81.025
bl.225
80,98
81,18
Spanien -
63.97
63,13
64,20
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Japan . - -
2,025
2,029
2,025
2,029
?Hio de Jan Wien in D--
0.634
1.644
9,634
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abgesi
59,20
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59,20
59,34
Prag .... Belzrad - .
12,42
12,46
12,418
12,458
7,418
7,438
7,418
7,438
Budapest. .
•1,872
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5,875
5,89a
Bulgarien
3,042
3,052
u,043
3,053
Lissabon
-1,42.5
4,475
21,44.5
21,495
Danzig. . .
81,35
81,45
81,37
81,57
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2,212
2,222
2,215
2,225
Alden
4,79
4,81
4,84
4,86
Canada.
4,197
4.207
4.197
4,207
Uruguav .
4,20
4.21
4.20
4.21
Berliner Pnrvri^enbörse.
Berlin, 10. Sept. Festere Auslandmarktberichte veranlaßten im heutigen Mittagsverkehr der Berliner Produktenbörse ein weiteres Steigen der Preise für Weizen, da auch die direkten Schlußforde- rungen meist erhöht waren. Das Jnlandangebot besteht nach wie vor größtenteils aus unkontraktlichem Material. Die Umsätze hielten sich aber sowohl für prompte Abladungen wie auch im Lieferunggeschäst in kleinen Grenzen. So konnte im Zeithandel Septemberlieferung um 0,75 Mark sich erhöhen. (Spätere
Ware lag noch fester. Oktoberware plus 1,25, Dezember plus 2,5 Mark. Im Roggengeschäft Hai sich die Situation wenig verändert. Das Angebot der Provinz für greifbare Ware ist wohl am Markt, aber dauernd hochgehalten, und der Bedarf mußte heute hohe Preise bezahlen. Auch im Liefcrungs- geschäst zeigten die Preise bei ruhigem Verkehr Steigerungen wie für Oktober um 2 Mark und für Dezember 2 Mark. Die Offerten in Gerste und Hafer bestehen zum größten Teil aus wenig guten Qualitäten, die naturgemäß schwer zu verkaufen sind, gute Ware ist knapp. Es wurden notiert (1000 Kilogramm): Weizen, märkischer, 262 bis 266 Mark; Roggen, märkischer, 208 bis 214; Sommergerste 205 bis 248; Wintergerste 170 bis 175; Haser, märkischer, 171 bis 184; Mais, loko Berlin, 180 bis 183; Raps 100; (100 Kilogramm): Weizenmehl 36,25 bis 39; Roggenmehl 29,75 bis 31,60; Weizenkleie 10; Rog- gentleie 11; Diktoriaerbsen 43 bis 50; kleine Speiseerbsen 34 bis 38; Futtererbsen 24 bis 31; Rapskuchen 14,20 bis 14,40; Leinkuchen 19,20 bis 19,30.
Danknoten.
Berlin, 10 Septbr.
Geld
Bries
Amerikanische Note, .....
4,175
4,195
Belgische Noten ........
11,42
11,48
Dänische Noten........
111.14
111,70
Englische Noten........
20,339
20.439
Franzönsche Noten ......
12,14
12,20
Holländische Noten ......
167,90
168,74
Italienische Noten ......
15,16
15.24
Norwegische Noten......
91,62
92,08
Dcutsch'Ocsterr-, 5100 Kronen
59,11
59,44
Rumänische Noten......
Schwedische Noten ...
111,77
112,33
Schweizer Noten......
80,90
81,30
Spanische Noten.......
63,74
64,06
Tschechoslowakische Noten . .
12,39
12,45
Ungarische Noten.....
6.815
5.885
Amtsgericht Gießen.
* Gießen, 8. September. Vor einiger Zeit traf eine Frau V. morgens in Der Frühe vor ihrer Kellertüre einen unbekannten Mann, den sie in ihrem ersten Schrecken für einen Einbrecher hielt. Der Unbekannte sagte, er habe sich in der Kellertüre geirrt, und entfernte sich. Gleich darauf hörte die Frau D. von der R., die bei der Hauseigentümerin bedienstet ist, daß der Betreffende der Leiter eines in dem gleichen Hause befindlichen Geschäftes fei. Die R. meinte noch, sie nehme an, daß der Herr ihr nachsteige, fügte jedoch auf die Frage der Frau B, ob sie sich einmal nach ihm erkundigen solle, hinzu, sie interessiere sich nicht dafür, sie habe ja ihr Verhältnis. Trotzdem zog die Frau B. über den Geschäftsleiter Erkundigungen ein, die sehr günstig ausfielen. Sie teilte jedoch das, was sie gehört hatte, der R. nicht etwa in derselben Weise, sondern ganz entstellt mit und warnte sie vor dem Herrn, der nur Darauf ausgehe, sie zu verführen, und Der beim Tobe seiner Frau geäußert habe: „Gott sei Dank, Daß ich Die los bin.“ Die R. erzählte Diese Aeußerungen ihrer Dienstherrin, Die mit Der Frau B. nicht gut steht, unD Diese teilte Den Vorfall Dem Geschäftsleiter, Der sich eines sehr guten Rus es ^erfreut, und Der daraufhin Privatklage erhob, mit. In der heutigen Hauptverhandlung weichen Die Angaben Der Frau B. und Der R. üoncinanDer ab; Das Gericht schenkte jeDoch Den beeidigten Aussagen der R. vollen Glauben und verurteilte die Frau V. wegen ihrer beleidigenden Aeußerungen zu einer Geldstrafe von 50 M k. und zu Den Kosten des Verfahrens.
Kirchliche Nachrichten.
Evangelische Gemeinden.
Sonntag, Den 12. September. 15. n. Trinitatis.
Gießen. Stadtktrche. 8: Pfr. Decker. Zugleich Christenlehre s. D. Neukonsirmierten a. Der Markus- gcmeinDe. 9'/,: Pfr. Mahr. 11: Kinderkirche für Die Matthäusg. Pfr. Mahr. - Iohanneskirche. 8: Pfarrass. Schultheis. Zugl. Christenlehre f. D. Reu. konfirmierten a. D. IohannesgemeinDe. 91 /,: Pfr. Bechtolsheimer. 11: Kinderkirche f. d. Lukasgem. Pfr. Bechtolsheimer. Konsirmandensaal (Liebigstr. 56) 2; TaubstummengottesDienst. Pfr. Bechtolö- heimer. — Kirchberg. 10; 11: Christenlehre f. d. weibl. Jugend. Rachm. 1'/,: Mainzlar. - Wieseck. 87, Christenlehre; 97,. - Wahenborn-Garben- teich. Watzenborn-Steinberg: 8 Abendgottesdienst. Garbenteich: '!A\.
Katholische Gemeinden.
Gießen. Iamstag, 11. (Septbr. 4*/3 u. 7 Beichte. Sonntag, 12. Septbr. 16. Sonntag nach Pfingsten, 6V» Beichte, 7 Messe, Kom. der Jünglinge, 8 Kom., 9 Hochamt mit Predigt, 11 Messe mit Predigt, 2 Andacht. — Grünberg. 97, Messe mit Predigt. — Hungen. 97, Hochamt mit Predigt. - Lich. 77, Messe mit Predigt.
Letzte Nachrichten.
Bombenallenlat auf Mussolini?
Genf, 11. Sept. (MTB.) In den ersten Nach- mittagsstunden tauchte in den IDanbeigängen des Völkerbundes das bestimmte Gerücht auf, daß heute vormittag gegen 9 Uhr in Rom auf Mussolini ein Bombenattentat verübt worden sein soll. Mussolini sei unverletzt, während zwei oder mehrere seiner Begleiter verletzt worden seien. Das bestimmte Gerücht wurde von Mailand aus nach Basel und bald daraus nach Genf gebracht. Die Nachricht wird hier geglaubt, jedoch liegt eine amtliche Bestattung noch nicht vor.
Arbeitslose und hohe Steuern belasten das Wirtschaftsleben stark. Der deutsche Automobilist kann dem tatkräftig entgegentreten, wenn er nur deutsche Reifen kauft. Dadurch wird die
Arbeitslosigkeit verringert und die Steuerlast ermäßigt.
Der Continental «Reifen in der neuen schwarzen Qualität erzielt höchste Kilometerleistungen, er ist hochelastisch und sicher. Fahren Sie nur den deutschen Reifen


