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Nr. 8 Erstes Blatt

176. Jahrgang

Montag, 11. Januar 192f>

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Druck und Verlag: Vrühl'sche Univerfitäls-Vuch- und Zteindruckerei R. Lanze in Sietzen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstraße 7.

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für Pol lik und Feuilleton Dr. Friedr. Wilh. Lange; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den An­zeigenteil 5 ans Iüstel, Iamtlich in Gieren

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Die Budapester Fcnschmünzeraffäre.

Das Ergebnis der Untersuchungen.

Budapest, 9. Jan. (WTB.) lieber den bisherig eil Verlauf der polizeilichen Erhebungen in der" Fälschungsangelegenheit veröffentlicht das TlngarifcheTelcgraphe.i-Korrespo.rdenzbureau fol­genden Bericht: 3m Verlaufe des Dezember 1925 erschien in Budapester Blättern eine Meldung, nach der in Amsterdam mehrere Ungarn wegen 3nverkehrssehung falscher Tausendfranken­noten verhaftet worden seien. Die Staats­polizei leitete auf Grund jener Zeitungsmeldun­gen sofort jm eigenen Wirkungskreis Recherchen ein. Am 29. Dezember teilte die Amsterdamer Staatsanwaltschaft mit, baß Aristide 3 anko- vich, Georg Mar, ovszky und Georg 3 a n- rovich sich dort in Hast befänden, da in ihrem Besitz 7500 Stück falsche Tausends ran- fennotcn gefunden worden seien und in der Unter Beischluß der Photographien der Ge­nannten und dreier Falsifikate das Ersuchen ge­stellt wurde, die notwendigen Recherchen nach Mittätern und den Mitteln zur Fälschung anzu­stellen.

Die Amsterdamer Zuschrift erwähnt, daß nach Mitteilung der dort verhafteten Personen von der Angelegenheit auch der Landespolizeichef Dr. N a d o s s i) wußte. Nadossy wurde sofort nach dem Eintreffen der Zuschrift einem Verhör unter­zogen. Er nahm infolge einer Verfügung des Mi­nisters des Innern an den Nachforschungen über­haupt nicht teil. Die Erhebungen der Polizei blie­ben infolge Mangels an Stützpunkten ohne Ergeb­nis. Es wurden in der Wohnung der in Amsterdam verhafteten Personen Haussuchungen vorgenom­men, aber auch diese blieben ohne Ergebnis. Die bei den Banken vorgenommenen Erhebungen er­gaben, daß nur bei der Nationalbank eine falsche Tausenfranknote gefunden wurde, die sich als völlig identisch mit den aus Amsterdam eingesandten Exemplaren erwies. Diese gefälschte Note hatte eine Fabrik in der Königsgasse einge­liefert.

Die von dec Fabrik gelieferten Daten ver­wiesen nach dem Larofpakaker Einwohner 6 o - n a c 9, in dessen Wohnung auch die van der Fabrik gekauften Kleidungsstücke gefunden wur­den. Ls wurde scsigestellt, daß Kaspar Kovacs Kammerdiener beim Prinzen Win- d i s ch - G r a e h mar.

Es wurde, sofort seine Vorführung und eine Haus- fuchung ungeordnet. Kovacs war indessen in seiner Budapester Wohnung nicht auffindbar. Die Haus­suchung blieb erfolglos. Kovacs konnte e r st i n den nächsten Tagen f e st g e n o m m e n wer­den. Er gab an, daß er den in. der Königsgasse ver­ausgabten Tausendfrankenschein sowie weitere sechs Stücke von einer unbekannten Person gekauft habe, und daß er nicht gewußt habe, daß diese Scheine falsch seien, da er sie sonst nicht zur Verwertung an die Pflcgeeltern seiner Kinder nach Amsterdani geschickt hätte. Der Verteidigung Kovacs wurde seitens der Polizei kein Glauben bei­gemessen, da festgestellt fei, daß sowohl der in Bu­dapest verausgabte wie die sechs nach Amsterdam geschickten Tausendsrankenscheine mit den bet Ian- kovics beschlagnahmten Fälschungen vollkommen identisch waren. Kovacs wurde infolgedessen in Verwahrungshast genommen. Es gelang der Po­lizei, sich die Telegramme zu verschaffen/die an die im Ausland verhafteten Personen gesandt worden waren. Dabei wurde festgestellt, daß sie von dem Sekretär des Prinzen Windisch - Graetz stammten, der sofort zur Polizei gebracht und auf Grund der aufgetauchten belastenden Da­ten in Verwahrungshaft genommen wurde.

Von dem Sekretär namens Desider R a b a wurde übrigen festgestellt, daß er Personen an­warb, die die falschen Frankennoten in Verkehr bringen sollten. Am 3. Januar meldete sich Radossy freiwillig bei bet Polizei und er­stattete eine Meldung, die die Rachforschungen stark förderte. Auf. Grund seiner Meldung er­folgte die Vorführung von Windisch^Grätz. Am 5. Januar erfolgte die Verhaftung Ra­do s s y s.

Runmehr nahmen die Erhebungen einen ra­schen Verlauf und führten zur Entdeckung der Falschmünzerwerkstätte und der Ent­deckung der Teilnehmer und Mitschuldigen. Die polizeilichen Erhebungen stellten fest, daß die Fälschungen im Kartographischen Institut im Keller t-on einigen Angestellten, welche in Präbenliöhaft genommen wurden, hergestellt worden waren.

Am 2. 3anuar erhielt die Polizei ein Telegramm von der Shamburger Polizei über die Verhaftung von Edmund Olchvarys wegen 3nverkehrsetzung falscher Tausenfranlenscheine.

Auf Grund der bisherigen Erhebungen er» gibt lieb nunmehr foLgenbeä Bild von der Ent­wicklung der Fäl.chungsangelegmheit: Die 3dee der Frcmkenfäl.chung stammt von dem Prinzen W i n d i s ch - G r a e tz. welcher bereits früher die Durchführung beschlossen hatte. Unter Betonung patriotischer Ziele gelang es ihm, den Polizei- chef und Beamte des Katographischen 3nstituts zu gewinnen. Bald wurden die Arbeiten im Kartographischen 3nst tut ins Werk gesetzt. Octo begann mit einigen Angestellten dieses 3nstituts Qn der Verfertigung der notwendigen Klischees. Rachdem das notwendige Papiermaterial im 3nla-nde nicht beschafft werden konnte, stellte Gerö mit einem Komplizen das Papier in den Kellerräumen des Instituts aus Halbfabrikaten her, die aus Deutschland beschafft wurden. Auch

Die Stellenbesetzungen in Genf.

Aus dem Auswärtigen Ausschuß des Reichstages.

Berlin, 9. 3cm. Heute vormittag um 10 Uhr ist der Auswärtige Ausschuß des Reichs­tages zu einer Sitzung zusammengetreten. Der Reichskanzler und der Reichsauhen- m i n i st e r w-ohnen der Sitzung bei. Der Aus­schuß behandelt die Sekretariatsfrage im Völkerbunde, eine Angelegenheit, die bekanntlich die deutsche Oeffentlichkeit stark be­schäftigt hat. Da in der Pressepolemik die Sozialdemokratie und das Zentrum beschuldigt worden sind, ohne Einvernehmen mit dem Auswärtigen Amte sich mit dem General­sekretariat des Völkerbundes offiziell in Verbin­dung gesetzt zu haben, um für ihnen nahestehende Personen Stellen im Völkerbunde zu erlangen, beantragen die Abgeordneten Müller- Fran­ken (Soz.) und Marx (Zentr.) namens ihrer Fraktionen die O e f f e n t l i chk e i t der Sitzung. Diesem Anträge entsprach der Ausschuß mit der Maßgabe, daß, falls nötig, bestimmte Teile der Verhandlungen von der Oeffentlichkeit ausge­schlossen werden können.

Am Eingang der sachlichen Beratung gab zunächst der Vorsitzende Abg. H e r g t (Dtschn.) eine ausführliche Darstellung des objektiven Tat­bestandes bezüglich der bisherigen Polemik in der Presse. I

Außenminister Dr. Stresemann erklärte enlsprechend dem Vorschläge des Vorsitzen­den, heute nur auf die Frage der Mitwirkung an der Besetzung der etwa Deutschland zugebilligten Stellen im Völkerbundssekretariat eingehen zu wollen. Insbesondere fasse er seine heutige Aufgabe dahin auf, seine Stellung zu den Fragen ausein­anderzusetzen, die durch Presseäußerungen bekannt geworden sind. Dazu führt der Minister etwa aus: Am 22. Dezember sei ein ausführliches Telegramm eingelaufen, in dem davon gesprochen wird, die maßgebende Stelle des Völkerbundssekretariats habe unserem Generalkonsul in offiziöser Form mitgeteilt', sie habe Kenntnis davon erhalten, daß verschiedene deutsche Par­teien deutsche Kandidatenliste'! für die S t c 11 e n b c s e tz u n g im Sekretär rar a u f g c ft c 111 hätten, und daß sie darüber st a r f beunruhigt sei. Der Generalkonsul hat sich dann auf meine Erklärung vorn 31. Dezemver 1925 bezogen, die die maßgebende Stelle des Völker­bundssekretariats mit Befriedigung zur Kenntnis genommen hat. Persönlich habe ich die maßgebende Stelle nur kennen gelernt, als sie in Berlin mit Staatssekrtär v. Schubert und mir eingehende Be­sprechungen hatte. Ich bemerke ausdrücklich, daß irgendein Beamter des Auswärtigen Amtes irgend­welche persönliche Politik in dieser Frage nicht getrieben hat. Entscheidend war das Tele­gramm vom 22. Dezember.

Wenn eine solche Benachrichtigung des Gene­ralsekretärs an unseren Generalkonsul kommt und ihm mitgeteilt wird, daß dadurch Beun­ruhigung bei ihm entstünde und wenn unser Generalkonsul, wie erwähnt, die Kenntnis sol­cher Listen verneint, dann sollte man doch wohl mit Angriffen gegen den Generalkonsul auf­hören, denn der luann hat ja nur seine Pflicht getan.

Welche Vorschläge die Regierung ihrerseits machen wird, steht dahin. Bisher liegen derartige Vorschläge noch nicht im Auswärtigen Amte vor. Wenn es sich aber überhaupt darum handelt, Vorschläge zu machen, so tann_bas Auswärtige Amt überhaupt nur für wenige Stellen in Frage kommen. Deshalb Ijaben wir auch noch keine Vorschläge irgendwelcher Art ausgearbeitet.

Der Vorwurf, daß der Bericht beim General-, konsul Aschmann in Genf beftcllt sei, ist durch­aus unrichtig. Mir ist jedenfalls nichts darüber bekannt. Der zweite Vorwurf ging dahin, Aschmann hätte einen schwindelhaften Bericht aus­gegeben. Nach dem Zusammenhang der Tele­gramme ist auch das u n r i ch t iL.

In dem Bericht des ,,Tag" ist übrigens von je drei Kandidaten der Parteien die Rede, und es find auch sonst bestimmte Angaben gemacht worden, die auf das Telegramm des Konsuls Aschmann

der Druck des Falsifikate erfolgte im Keller des Kartographischen Instituts. Der Druck wurde Ende September beentet. Damals stanven 25 000 bis 30 000 Stück zur Verfügung. Em Teil davon war mißlungen. Die Personen, die die Ver­wertung der Fal.if.kate übernommen hatten, wurden vom Sekretär des Prinzen, R a b a, or­ganisiert. Aristides Hankovich, der allem An­schein nach d'.e Verwertungsarbeiten leitete, wohnte gtoei Wochen beim Prinzen.

Die die Verwertung übernehmenden Personen prüften zuerst die Falsifikate und vernichteten einen bedeutenden Teil als unbrauchbar. Dabei konnte der Budapester Diener des Prinzen, Kaspar Kovacs, sieben Stücke der Falsifikate entroenöeti und für die eigenen Zwecke ver­wenden.

Die Organisation der Verbreitung und Verwertung wurde Anfang Dezember beendet. Die jungen Leute, die die Verwertung übernahmen sind teils nach Hamburg, teils nach Mailand gereift. Bevor sie jedoch größere Mengen der Frankenscheine in Verkehr setzen konnten, wurde Iankovick heim Er­such, die Scheine in Holland umzusetzen, ver­haftet. Diese Nachricht erschien bald in der Preße.

nicht zurückführen können, falls wirklich dieses Telegramm durch eine Indiskretion bekannt gewor­den sein sollte.

Dann ist weiter behauptet worden, durch die Tägliche Rundschau", die Beziehung des Außenministers zu ihr seien ja bekannt, sei die Nachricht desTag" offiziös bestätigt worden. Ich erkläre demgegenüber, daß ich mit dem Chefredak­teur derTäglichen Rundschau", Herrn R i p p l e r, als früheren Fraktionskollegen gute Beziehungen habe, und daß feit längerer Zeit dieTägliche Rundschau" Aufsätze und Erklärungen, die ich ihr schickte, bringt, evtl, unter dem Vorbehalt besonderer Kenntlichmachung. Im übrigen ist dieTägliche Rundschau" nicht in höherem Grade mein Organ, als alle anderen Blätter meiner Partei. In der Täglichen Rundschau" stehen auch sonst Dinge, für die ich zwar verantwortlich gemacht werde, aoer nicht verantwortlich sein kann. Im übrigen hat Herr Rippler erklärt, daß diese Information zu dem Artikel desTag" nicht vom Auswär­tigen Amte stammt, daß er auch gar nicht im Auswärtigen 2(mte angerufen habe: wohl aber habe i ch angerufen und erklärt, er möchte doch die Sache r i d) 11 g ft e 11: n. Schließlich komme der ganze Streit auf die prinzipielle Erwägung hinaus.

Sollen die Sekretariatspoflen nur mit beamteten Persönlichkeiten oder mit Persönlichkeilcn, die außerhalb ber Beamtenkarriere stehen, besetzt werden? Ich stehe, so fuhr der Minister fort, auf dem Standpunkt, daß die Persönlichkeiten, die im Völkerbundsrat arbeiten, sehr starke Kenntnis aus dem Spezialgebiete haben müssen. Darüber zu entscheiden, ist aber erst möglich, wenn wir wissen, welche Stellen zur Verfügung stehen.

Was dann die Frage der Vertretung bei den Ple­narsitzungen des Völkerbundes anbelangt, so blei­ben diese Vertretungen am besten in den Händen der politischen Persönlichkeiten, und zwar aller Par­teien, die dafür in Betracht kommen. Wir wollen abwarten, wie die Entwicklung geht.

\ Abg. Stampfer (Soz.) wandte sich gegen die verleumderische Behauptung, daß die Sozialdemo­kratie sich um Stellen im Völkerbundssekretariat be­müht habe Daran sei kein wahres Wort. Auch wäre dem Minister Dr. Stresemann zur Last zu legen, daß dieTägliche Rundschau" zunächst die Verleum­dung sich zu eigen gemacht habe. Die Behauptung, es bestünden Listen politischer Parteien für Genf, sei objektiv unwahr.

Abg. Dr. M a r x (Zentr.) gab seinem Bedauern über den sittlichen Niedergang Ausdruck, der sich in einer derart schmutzigen und schamlosen Pressehetze offenbare, wie einige Rechtspressen sie anzuwenden belieben. Der Redner habe seine Vorschläge über die Besetzung wichtiger Posten in der Völkerbunds- bureaukratie lediglich in einem ganz pri­vaten Briefe und nichtnamens seiner Partei gemacht. Er habe die Vorschläge deshalb gemacht, weil er von privater Seite ausdrück- l i ch dazu aufgefordert worden fei. Er habe das Schreiben auch gar nicht an den Generalsekretär des Völkerbundes gerichtet. Uebekdies habe er loya­ler Weise dem Auswärtigen Amt sofort die Namen der vorgeschlagenen Persönlichkeiten mitgeteilt. Er sei zu seinem Schritte berechtigt gewesen, weil die Zenirumspartei mit aller Entschiedenheit für sich in Anspruch nähme, bei den Beamtenstellen der ver­schiedensten Art, namentlich auch in den Ministerien in gerechter Weise vertreten zu sein. Er verwahre sich mit aller Entschiedenheit dagegen, daß man die­ses Vorgehen als Stellenjägerei bezeichnet. Ihm sei nichts davon bekannt, daß sein Vorgehen irgend­welche Beunruhigung in Genf hervorgerufen habe. Im Gegenteil, er glaube, daß seine Angaben in Genf gerne entgegengenommen worden seien.

Abg. Dr. Rosenberg (Komm.): Wir ver­langen, daß nur solche Persönlichketten als deutsche Vertreter nach Genf gehen, die wenigstens etwas Rückgrat gegenüber England haben. Auf jeden Fall ist das Recht des Reichstags bei diesen Ernennungen zu wahren. Es ist auf das Entschiedenste zu mißbilligen, daß Herr Marx als Vorsitzender des Zentrums inoffiziell eine Vor­schlagsliste an den Völkerbund gelangen ließ. Wir lehnen eine solche Methode scharf ab.

Der Sekretär des Prinzen forderte hierauf die übri­gen Teilnehmer telegraphisch auf, die Arbeit sofort einzustellen und heimzukehren. Gleichzeitig wurden die Klischees im Keller des kartographi­schen Instituts vernichtet und die Maschinen in Stücke geschlagen und als B r u ch e i s e n ver­laust. Auch die Falsifikate wurden vernichtet mit Ausnahme derjenigen, die von der Polizei be­schlagnahmt wurden. Nach den bisherigen Daten der Erhebung ergaben sich feine r l ei M o - mente, aus welchen daraus geschloffen werden könnte, daß die Vorbereitung oder Durchführung des Verbrechens von irgendeiner politi­schen Partei oder politischen Gruppe bzw. irgendeinem Verein oder einer Organisation ge­leitet oder begünstigt worden märe. Sie kann viel­mehr als individuelle Aktion einiger zu diesem Zweck vereinigten Personen bezeichnet wer­den. Nachdem die wesentlichen Einzelheiten des Ver­brechens aufgeklärt waren, übergab die Polizei die Akten der in Haft genommenen Verdächtigen te v Staatsanwalt, der eventuell die nöti­gen Ergänz!,ngsarbeiten in Vollzug setzen tn?; .

Abg. Koch- Weser (Dem.): Die Angelegenheit ist ein Musterbeispiel für die Inszenierung eines leider bisher erfolgreichen Derleumdungsscidzuges. Nichts ist gegen die Sozialdemokratie sestgestellt worden. Vom Zentrum ist nur ein korrekter, dem Außenminister mitgeteilter Schritt bekannt. Trotz­dem verharrt die Oeffentlichkeit, soweit sie von rechtsgerichteten Zeitungen bedient wird, in der Meinung, als handle es sich um eine Korruption. Das Ergebnis ist, daß man bis heute nickt weiß, wer die verschiedenen Parteien denn eigentlich sind, die sich vergangen haben sollen. Der Ausschuß muß von den Kampfmcthoden derjenigen abrücken, denen jede erdichtete Tatsache als Beweis dafür recht ist, daß im heutigen Deutschland alles korrupt sei. Es handelt sich hier nicht um die Interessen von Par­teien, sondern um die Reinlichkeit des öffentlichen Lebens.

Abg. Dr. hoehfch (Dn.):

Die Initiative bei den Vorschlägen für die Stellenbesetzung, soweit sie Deutschiand betreffe, müsse bei der Reichsreaierung liegen. Sie habe die geeigneten Persönlichkeiten zu bezeichnen und damit die Verantwortung gegenüber dem Parlament.

Die ganze Frage könne selbstverständlich erst dann akut werden, nachdem Deutschland in den Völker­bund eingetreten ist. Der Redner und seine poli­tischen Freunde seien der Ansicht, daß es nicht korrekt gewesen sei, wenn sich der Führer einer so großen und einflußreichen Partei, wie es die Zentrumspartei fei, direkt in einem Schreiben an den Völkerbund wende, anstatt die Wünsche der Partei lediglich dem deutschen Auswär­tigen Amte vorzutragen. Eine Schädigung des deutschen Ansehens im Auslande sei erfolgt durch das unrichtige Verhalten des Führers der Zen- Irumsfraftion.

Reichsaußenminister Dr. Stresemann be­merkte, es fei also ganz deutlich von der Presse- Hetze abgerückt worden. Prinzipiell stehe der Minister auf dem Standpunkt, das Recht jeder Partei sei, bei der Besetzung dieser' Stellen, dem Auswärtigen A n. t e D o r s ch 1 ä ge zu machen. Dagegen wäre es nach feiner per­sönlichen Meinung wünschenswert, wenn es bei ter Fühlungnahme mit dem Auswärtigen Amte geblieben wäre. Der Minister versichert, daß in bezug auf die Personalpolitik das Auswär­tige Amt den Wunsch zum Ausdruck gebracht habe, sich ein Rachbeschluß zu sichern, der auch die katholischen Anwärter vollkommen zufrieten- stellt.

Abg. Scholz (D. V. P.) meint, nach Auf­fassung seiner Fraktion treffe wegen ihres Ver­haltens in dieser Angelegenheit weder das Aus­wärtige Amt, noch den Generalkonsul in Genf ein Dorwurf.

3n der Abstimmung wurden angenommen 1. ein Antrag der Sozialdemokraten, des Zen­trums und der Demottaten, mit 16 gegen 12 Stimmen und zwar mit folgendem Inhalt: Der Auswärtige Ausschuß des Reichstages stellt fest: Die Behauptung, die sozialdemokratische Partei oder führende Parteimitglieder hatten auf das Bölkerbundssekretariat mittelbar oder unmittelbar einzuwirken versucht, damit Angehörige der Par­tei zu Mitgliedern des Sekretariats auSetwählt würden, entbehrt jeder tatsächlichen Grundlage. Die gegen das Zentrum gerichtete Behauptung gleichen Inhaltes, gründet sich ausschließlich auf die Tatsache, daß der 2lbg. Dr. Marx eine von privater Seite an ihn gerichtete Frage nach geeigneten deutschen Persönlichkeiten für das Se­kretariat nach persönlichem Ermessen beantwortet und von diesem Vorgang das Auswärtige Amt alsbald verständigt hat

2. Ein Antrag des Abg. Scholz (D. D. P.) folgenden Inhaltes: Der Auswärtige Ausschuß des Reichstages stellt ferner fest, daß keinerlei Tatsachen vorhanden oder bekannt geworden sind, aus denen sich der Dorwurf irgendeines inkorrek­ten Verhaltens gegen den Generalkonsul Asch- mann ober einen anderen Beamten des Aus­wärtigen Amtes herleiten läßt. Dieser Antrag wurde mit allen Stimmen gegen die drei Kom­munisten angenommen.

Die Regierungsbildung.

Berlin, 11. Dan. Der Herr Reichspräsi­dent Hal in dec Frage der Regierungsbildung sich entschlossen, die bevor st ehenden Frak­tion s b e s ch l u s s e a b ; u w a r t e n , che er eine bestimmte Persönlichkeit mit der Bildung des Kabinetts betraut. Für Montag hat der Reicheprä­sident die Führer des Zentrums und der Demokra­ten, die Abgeordneten Fehrenbach und koch, zu sich gebeten, um sie zu ersuchen, alsbald eine endgültige Klärung der Frage der Großen Koalition zu veranlassen, da er eine weitere Hinaus­zögerung der Regierungsbildung nicht für tragbar hält. wie dieMontagspofl" wissen will, werde der demokratische Führer Koch dem Reichspräsidenten in der heutigen Mnterrebung inlt- teilen, daß die Demokraten nach wie voc nur eine Reichsregierung aus der Grundlage der Großen Koalition für möglich halten, weil keine andere Koalition nach dem Ausfall der Deutfchnationalen im Reichstag über eine Mehrheit verfüge.