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Sreiidg, 10. vezember 1926

Gemeinte wurden bodenständige Sorten airf- gewählt. die für spätere Jahre Erträge »iran- tieren und dem kommenden Geschlecht eine gute Geldquelle bilden werden. Auch an Feld- u anderen Wegen wurden in fürsorglicher Weise Anpflanzungen und Nachpflanzungen vollzogen. Eine schon begehende Obstanlage an der Schinder» hohl wurde bedeutend vergröbert.

DaS alle- waren Ausgaben, die in den letzten Jahren und Monaten ihre Erledigung «funden. Noch stehen unserer Gemeinde aber grohere und schwerere Ausgaben bevor, ^lnd da sei in erster Linie einer sehr wichtigen Aufgabe gedacht, die hoffentlich in den ersten Wochen tn Angriff genommen werden tonn. Es ist die Anlegung der Wasserleitung und damit verbunden die Ausführung der Ä a n a [ i f a t i o n. Die Be­wohner teS Nordteil« unsere« Dorfe« und ein Teil der Anwohner der Frankfurter Straße ver­spüren bereits die Segnungen der Kanalisation, denn dort liegt sie schon einige Jahre. Für dto noch nicht angcschlolsenen Straßen ist infolge der Lage de« Dorfes am Nord- und Westabixvig eines Hcchenzugc« die Anlage verhältnismäßia leicht durch,zusühren. denn Gefälle ist überall und reichlich vorhanden. Auch die Wasser- bef chaffung ist leicht zu regeln: der An­schluß an das Wasserwerk der Stadt Dießen ist bereits in Erwägung gezogen. Die Entscheidung über die Ausführung des gesamten Werke« erfolgt in den nächsten Tagen Man wende nicht ein, daß Klein-Linden gute, zum Teil unversiechbare Brunnen habe. Gewiß. da« Wasser ist wohl gesundheitlich einwandfrei, ent­hält aber sovicle Nebenbest andt ei le (Kalk, Elfen. Salpehrr). die es zur Verwendung beim Waschen direkt unbrauchbar machen. Auch male man sich einmal die Folgen aus. die bei einem trockencil Sommer ein Vrohfeuer haben könnte I

Als ziemlich gesichert ist die geplante Ver­sorgung unserer Gemeinte mit Gas aus dem Gießener Gaswerk anzuschen. Die Stadt Gießen legt die ßuleitungen bis in die Woh- nungen und stellt selbst die Gasherde auf. Sie lieferst das Gas zu demselben Preise wie derr Haushaltungen in der Stadt. Die HauSinstalla- tioneri werden amortisiert und gehen nach einer Aeihe von Jahren in den Besitz der Inter­essent en über.

Auch die Derkehrsfrage fei an dieser Stolle kurz gestreift. Der gegenwärtig eingerichtete Aulobusverkehr ist nur ein Notbehelf. Nur eine Möglichkeit gibt es, den Verkehr nach Klein-Linden zu beheben, und das ist der Ausbau der Elek­trischen von Gießen nach hier. Die Stadt Gießen selbst hätte das größte Interesse daran, würde doch durch diese neue Linie das gesamte Südoiertel der Stadt dem Verkehr erschlossen. Man sehe sich einmal den Bekehr an, der an manchen Tagen sich nach den Kttniken und weiter/südlich nach Klein-Linden zu abwickelt, dann wird man sicher zu der Uederzeuguna gelangen, daß der Ausbau dieser Linie Genau so wichtig ist, wie anderer schon bestehender Linien. Gerade jetzt sollte man den Ausbau des Unterbaues bereits vornehmen, auch wenn die Linie vorerst noch nicht eröffnet werden sollte. Arbeitskräfte sind genug vorhanden. Vielleicht wird die Arbeit ab Norftandsarbeit anerkannt, und ein Zuschuß wäre bann gewiß. Vielen Arbeitern wäre für längere Zeit Arbeit und DerdienstmögHch. kett gegeben; denn die ganze Strecke bis Mitte Klein-Linden beträgt immerhin rund 2 Kilometer. Vielleicht ist auch in den nächsten Jahren die Moa- ttchkeit nicht ausgeschlossen, daß Klein-Linden in den Besitz einer Haltestelle der Eisenbahn kommen kann. Wenn wir auch vor den Toren der Stadt Gießen liegen, so ist doch eine Haltestelle für Personenzuge, vor allem aber für den Güterverkehr eine unbedingte Notwendigkeit. Da heißt es also' in der nächsten Zukunft aufpaffen und die Gelegen' Heiken nicht versäumen.

Und nun fei noch eines letzten Punktes Er­wähnung getan, und das ist die sehr wichtige Frage der Eingemeindung unseres Vororts nach der Stadt Gießen. Die Stimmen der Gegner und An­hänger dieses Gedankens werden sich z. Z. wahr, schemlich noch die Wage halten, jedoch wird im taufe der nächsten Jahre mancher Gegner zur an­deren Einsicht kommen, denn mit der Verwirk' uchung dieses Gedankens sind doch auch recht große Vorteile verbunden, die aufzuzähken hier nicht am Platze ist.

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ar. 289 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Eine notwendige liranterweiteruna I &aV*It Vv$) eine ku^e Novelle: Sm schon 7l", verloren geglaubter Sohn kehrt unerkannt in

im Kampf gegen die Schundliteratur

großen Heimatblatt

wurde das Ganze getragen durch eine grauen-

Das einzig Wahre ist

Narr bleibt, wer vom Leben

wird belebt durch Empfehlungs­anzeigen in Ihrem angestammten

Der heimkehrende Vater stirbt vor Entsetzen am Schlaganfall, die Mutier verschwindet auf Nim­merwiedersehen. Sie endet also wahrscheinlich durch Selbstmord. Weiter find keine Pesvnen

da« Elternhaus zurück. Um zu Geld zu kommen, hat er seinen Freund, der al« Goldgräber in Amerika glücklicher war al« er, umgebracht und beraubt. Jetzt will der Sohn sich in der Hei­mat ansiedeln. Sein« Mutter überredet den Vater, dem Fremden, der sich gegen Voraus- bezahlung eines ansehnlichen Schlasgeltes uner­kannt einquartiert hat, in ter Nacht umzubrin­gen und zu berauben. Der Vater geht zunächst in« Wirtshaus, um sich für die grausige Tat Mut anzutrinken. 3m Wirtshaus erfährt er dann, daß er sein eigene« Kind beherbergt. Gr eilt nach Haus, um es seiner Frau mitzuteilen. wen sie für die Nacht unter ihr Dach aufgenom­men haben, aber er kommt bereits zu spät. Die Frau hat In ihrer Geldgier schon dem Schla­fenden die Kehle durchschnitten und beraubt.

Sprechstunden der Redaktion.

12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags Samstag nachmittag geschloffen.

Jur unverlangt eingesandte Manuskripte ohne beigefügkes Rückporto wird keine Gewähr übernommen.

werden solange hemmende Gesetze drohen, bis sie sich ihrer moralischen Verantwortung bewußt geworden und zur Hebung und Vertiefung der Weltanschauung des Volkes rniHuwirken bereit ist.

Weihnachtsgeschäft

Hallo!

Ha Hol ruft es am Fernsprecher: hallol oder holla! rufen wir wohl, wem, wir einen Laden beim Eintritt teer finden. Wer sollte es diesen Wörtchen, die heute im G triebe des städti- schen Lebens unentbehrlich scheinen, noch ansehen, daß sie ursprünglich der Ruf nach dem Fähr­mann (dem Fergen) auf der anderen Seite des Flusses waren und eigentlich .Hol über! Erbeu­ten? .Hola, hola, ferg, hol!" heißt es in einer Schrift des Heidelbergers Olearius (um 1500).

mehr umzubringen. Dun, drei öeitben sind ja auch für eine kurze Novelle schließlich genug!

Auch hier handelt es sich wieder um eine Dichtung von starker künstlerischer Qualität. Der grausige Stoff ist wirklich gestaltet. Selbst der Laie muß zugeben, daß die kleine Novelle als echte Kunst zu werten ist. Und doch ist und bleibt ein derartiges Kunstwerk offenbarer Schund! Das Jammervolle, das Greuliche, Ren­ten und Empfinden des naiven Lesers Ver­wüstende auch dieses Dokumentes ist wieder das Weltanschauliche, also das, was hinter und zwi­schen den Zeilen steht, was dem Leser einfach fuggeriert, aber vom .Künstler" klugerweise nicht offen ausgesprochen wird. Geld regiert die Welt! predigt dieser. .Glück ist allein abhängig vom Besitz!" Weniger unsympathisch ist in diesem Fall« freilich der Gedanke, daß der am Freunde begangene Raubmord sich hinterher am Tater selber wieder rächt, aber Im übrigen ?

Eine leider weit verbreitete und von allen Kennern ernst genommene Art moderner Kunst verherrlicht offensichtlich das Verbrechen in jeder Storni und Preist dieses als einzige« Rettunas- mittel aus inneren und äußeren Nöten. Ich finde, die Ethik in der Literatur dieser Art ist für einen gesund empfindenden Menschen einfach zum Dalleerbrechenl

Auch der Film, den ich eingangs erwähnte, schlägt in dieselbe Kerbe. ®r ist zweifellos glän­zend aufgemacht. technisch sowohl, als auch fünft- lerisch. Das Manuskript wurde nach einem viel- gelesene« und viel bewunderten Roman einer großen Wochenschrift bearbeitet Gewiß hat die Getellfchaft, die diesen Film herausbrachte, Un­summen geopfert, ein fabelhaftes Personal auf die Beine gebracht und wundervolle Szenerien geschaffen. Wenn man sich rein künstlerisch ein­stellte, den Film nur al« Bildenserie auf sich wirken ließ, konnte nun Szenerien von unver­gleichlicher Schönheit genießen. Aber loieder

mehr und anderes erwartet, al« was sein Porte­monnaie leisten kann Hinterher vergißt sich im Leben alles! Verbrechen werden auch vergessen, wenn du nur erst das Glück erjagt hast. d. h. über einen wohlgefüllten Tresor verfügst!"

3TI e« nicht höchste Zeit, daß unsere be­rufenen Instanzen endlich Abwehrmittel auch gegen den künstlerisch ausgezogenen Schund er­greifen ?

Nicht um die Frage Kunst oder Schund banöeli es sich, sondern vor allem ist der Kampf gegen den kunstvollen Schund zu führen Es mutet mich oft direkt komisch an, wenn ich biedere Schulleute sich eittrüsten sehe über 3n- dianerbücher und Groschenromane, die in ihrer Klasse wieder einmal auf getaucht sind, und die doch kein Verständnis für die wert größere Ge­fährlichkeit des künstlerischen Schundes haben

Wissenschaft. Kunst und Lebensanschauung sind gleichwertig. Sine Kunst aber, die nicht auch der Gesundung der Weltanschauung in un­serem Volke dient, darf auch nicht den Anspruch auf Freiheit machen Der Freiheit der Kunst

Elektromotor geriet unter Wasser, so daß das elektrische Licht verlöscht^ Giftige Gase bildeten sich, bi« das Atmen bedeutend erschwerten

Das Doot sank am 15. April um 10 älhr vor­mittags, wir toten ungeachtet der Anwesenheit ter giftigen Gase unser Möglichstes, um das ern- gedrungene Wasser mit den Handpumpen zu entfernen.

Der elektrische Strom blieb au«; geringe Mengen von Schwefelsäure traten au« ter Sammlerbatterie aus. Das in diese Batterie ein­treten te Seewafser verursachte keine Bildung von Ehlorgasen Untere einzige Hoffnung stützt sich auf die Tätigkeit ter Handpumpen. Dis zu dieser Stelle schrieb ich bei Denutzung des durch den Deobachtungsturm ein dringenden Lichtes.

Es ist 11 Uhr 45 Minuten Unsere Kleider sind durchnäßt, und wir leiten unter Kälte. Ich behaupte, daß bei allen Anlässen dieBemannung eines Unterseebootes ihren Dienst stets auf das sorgsamste ausüben und immer mutig an die Arbeit gehen muß. Ich habe auch sehr ost ge­sagt, man dürfe nicht übertrieben vorsichtig fein. Sv mancher wird sich hierüber luftig machen, doch verharre ich fest bei meiner Ansicht. Der Tiefen- druckmesser im Kommandoturm zeigt eine Tiefe von 15,8 Meter an. Wir versuchten weiter, das Wasser auszupumpen, doch rührte sich das Unter­seeboot bis jetzt, 12 Uhr, nicht. Wenn die Wasser- tiefe, In der wir liegen, laut Angabe ter Karte 18 Meter beträgt, so arbeitet ter Tiefendruck­messer ungefähr richtig.

Für den Dienst auf einem Unterseeboot müssen Offiziere und Mannschaften mit äußerster Sorgfalt ausgewählt werten, da sonst zu be­fürchten ist, daß in Augenblicken, wie dem gegen­wärtigen. Unzukömmlichkeiten entstehen könnten Ich freue mich darüber, daß meine Leute ihrer sülcht unentwegt und tadellos nachgekommen sind. Ich bin über ihre Leistungen sehr befriedigt.

Letzte Aufzeichnung im Unterseeboot.

Don Derthold Krause.

Nur mit Grauen können wir uns in die Lage der Braven versetzen, die. im Innern eine« ge­sunkenen Unterseebootes eingeschlvssen, meistens unrettbar dem Tote verfallen sind. Wie diese Lage ist. hat der Kommandanl de« am 15. April 1940 mit 2 Offizieren und 12 Mann versunkenen japanischen Unterseeboote« Nr. 6. der Leutnant Sakuma. gewissenhaft wie folgt aufgezeichnet, biS ihm der Tod den Schreibstift aus der Hand nahm:

.Ich bin außerstande, die Bitte um 'Ver­gebung für den Verlust Seiner Majestät Untersee­boot, sowie für den Tod meiner Leute, woran meine Sorglosigkeit allein die Schuld trägt, in Worte zu kleiden. Alle Leute sind ihren Pflich­ten bis zu ihrem Tode bei Entfaltung höchster Energie nachgekommew Wir verloren inifer Leben tn treuer Pflichterfüllung für das Wohl des Datcrlante«. Unsere einzige Besorgnis ist, dieser Unfall könne von ter Öffentlichkeit so aufgefaht werten, daß die weitere Entwicklung des Unter- seebootwesen« gehemmt wird. Wir g;ben uns der sicheren Hoffnung hin, daß man nicht in einen solchen Fehler verfallen, sondern im Gegenteil alle« daran setzen wird, das Unterseeboot sowri? wie irgend möglich zu vervollkommnen. Wenn man diesen Wunsch erfüllt, so haben wir kein anderes Begehren mehr zu stellen.

Als wir zur Unterwasserfahrt in die Tiefe tauchten, versuchten wir die Kette te« Derschluh- fchieber« zu bewegen, doch riß sie, so daß wir genötigt waren, den Schieber von Hand zu öffnen. Es war aber schon zu spät: das Achterschiff hatte fich mir Wasser gefüllt, und das Unterseeboot sank unter einem Winkel von 25 Grad. Der

Auf den Tod war ich stets vorbereitet, mein letzter Wille liegt in einem Behälter ter Kavafaki- toerfe. Dies ist übrigen« ganz meine private Angelegenheit, und ich wünsche, daß hierüber nicht weiter gesprochen werde. Meine lieben Freunde Asami und Taguci mögen ihn meinem Vater übergeben. Ich richte an Seine Majestät die untertänigste Ditte, die Gnade zu haben, daß die trauernten Familien meiner Leute nicht tem Glend preisgegeben werden. Dies ist die einzige Sorge, die mich tn diesem Augenblick be­drückt. Ich bitte, den nachstehend benannten hohen Personen meinen Abfchiedsgruß zu übermitteln: Vizeadmiral Shimamura, Kommandant der 2. Es­kadron. Vizeadmiral Fudz-i. sowie den Kontre- admiralen Hawa und Bamashika.

,, ;---Der Luftdruck steigt beständig, und

ich habe daS Gefühl, als ob die Trommelfelle an beiten Ohren platzten.

12 Uhr 30 Minuten: Das Atmen verursacht große Schmerzen. Ich glaubte, den Gasolmtank ausgeblasen zu haben: ich bin jedoch durch Galo- ltogase vergiftet. Die Uhr zeigt jetzt 12 Uhr 40 Minuten."

Das Unterseeboot konnte erst 50 Stunden f ter gehoben werten. Die gesamte Besatzung war erstickt.

Der lautliche Unterschied der beiten Wörter er- ttart ftch daraus, daß die ältere Sprache für unser Abölen zwei Formen hatte: Halen und holen Nun bangte man im Mittelalter, um einen Ruf S" verstärken, ein ä an, da« sich später zu ö ver- dunkelte (HM! holä! bald!). Auch Da« Ausruf- toort t ol mußte iuxh bis inS 18. Jahrhundert oiesem Zwecke dienen. Die beiten Rufe:Feurio! V^rdiol" in SchillersRäubern" gehören wohl zu den letzten dieser Art, sie sich noch im Schrifttum Finten. Viele unserer Wörter entern ja auf em tonloses e. das den Schall, auch wenn man es verlängert, nicht weit trägt (»Diebe! Hilfe!"). Wie gana anders mag da in den unsicheren Zeiten des Mittelafter« m dunller Nacht oft ter Ruf: S)ufa! Mordw! D.ebio!" erklungen sein! In Kon­stanz sollen übrigens noch heute die Felchen des BotenfeeS in den Straßen mitFelchio! Fllchio!" au«gerufcn toerten. Holla! Hallo! sind also eigent- N 'ne DefthlSfvrrnen Wnholen (Halen)" mit tem schall verstärkenden a (Ö); sie forderten den Fährmann auf, ten Rufer zu holen. Im ersten Bande ter von Jakob Grimm gesammelten Weis- tuiner (volkstümliche Rechtsfahungen- heißt eS in einem Weistum vom Jahre 1471: .Deeh ein mentfete Mit Mchns üenfeit des Mains) und riff bn male: Hallo! Hallo! wolt ine ter ferge tem mt baten..." Sinngemäß wurde dann ter Ruf auch auf der Jagd verwendet, zunächst als Zuruf an die Hunte, das Wild zu holen. Snd- ttch gebrauchte man es. um überhaupt die Auf­merksamkeit eines andern zu erregen. Je weiter vom Ursprung, um so verwehter und Verblasen er wird meist die ^teutung ter Wörter, wie der Rauch, ter aus dem Schornstein geht. - So ist Hallo! ein Nachllang alter Zeit, einer Zeit, tn ter Brucken noch selten waren, als Furten und Aähren noch eine wichtige Rolle spielten. Welch weiter Weg von da bis zum Fernsprechers H,

Kommunale Arbeiten und Ausgaben in Klein-Linden.

OO Klein-Linden, 9. Dez. Wie allenthalben, so hatte auch hier die Durchfüyrung der F e l ö bereintgung große älnzusrietenheit aebvacht. Heute, zwei Jahre nach Fertigstellung, sind die meisten ter ehemaligen Gegner von ter lieber- zeugung durchdrungen, dav die Durchführung ter Bereinigung von großem Segen für unsere ganze Gemeinte, insbesondere für die Landwirte gewesen ist. Anschließend an die Feldbereini- gung fand eine OrtSvermessung statt, und ttn Zusammenhäng damit konnte die Gemeinde­vertretung ehren weitsichtigen Ortsbauplan schaffen, ilnfere Gemeinte kann mit Stolz auf dieses Werk zurückblicken, zeigen sich doch seine Vorteile schon in ter gegenwärtigen Zeit: selbst für die nächste Generation wird sich ein Man­gel an Baugelände nicht mehr fühlbar Nörchen. Im Offen und Süden unseres heute 2000 Seelen zählenden Dorfes sind neue Straßen geschaffen worden, deren Breite von 8 Meter die Gemeinde davor bewahrt, in Zu­kunft Land für Straßengelände kaufen zu müssen. Außerdem sind die Grundstücke an diesen neuen Straßen bn Werte bedeutend gestiegen. Zwei dieser Straßen, die Heeg- und Bergstraße, seinen bereits eine Anzahl stattlicher Neubauten. Die ebenfalls neue Ringstraße bietet Baugelände im äleberfluh. In der Feldbereinigung wurde der Gemeinde ein Stück Niederwald zugeteilt. Nach­dem durch Erwerbslose der Wald niedergelegt und das Gelände urbar gemacht worden war, wurden hier größere Anpflanzungen von Aepfel- und Birnbäumen vvr- genommen. Von Sachverständigen aus unserer

Von Heinrich Scharrelmann. Bremen.

Vor mir liegen drei interessante Äultur- dokumente au« der jüngsten Vergangenheit: Ein neu erschienener Roman, eine Novelle au« ter illustrierten Sonntagsbeilage einer unserer ersten TageSzeituTigen und ein« Ricsenanzeige, die zum Massenbesuch eine« neuert .Gala-Elite-Film«' oeizen soll.

Der stattlich« Roman im ihn farme von 450 Selten ist von einem Au-länder geschrieben und von einer deutschen Frau übersetzt. Ich ver­schweige absichtlich £uel und Verlag, weil e« mir nicht aus das einzeln« Buch, von tem hier Mt Rete ist. ankommt, sondern auf das Typische einer gewissen Sorte .moderner Dichtungen". In solidem Leinenband und in durchaus ge­schmackvoller Zeichnung präsentiert sich daS Buch Siz vorteilhaft. ilnt> der Inhalt? O, er lt auch einer strengen ästhetischen "Beurteilung rtbl Der Ausbau der Handlung ist ziel bewußt und zwingend, und der Stil ist oft von geradezu klaftischer Kürze und Wucht. Unb)tagend sind bit Blitzlichter, die hier und da auf Menschen und Verhältnisse geworfen werden. Es handell ftch also um ein Buch, das reich an künst­lerischen Qualitäten ist und da« daher sicher fein darf, von allen Rezensenten anerkannt und lobend besprochen zu werden.

ilnb doch als ich mit der Lektüre fertig war tarn ein tiefes Erschrecken über mich. Dis Buch enthält di« Geschichte eine« Menschen, ten fein Schicksal zu Diebstahl, Laster, Gefäng­nis und Mord führt. Verführung eines jungen Mädchen-, Auswanderung nach Amerika, Der- anmmg. Einbruch. Strafzeit, vergebliche Ver­such«. wieder zu Verdienst zu kommen, Schändung eines zehnjährigen Stinte«, dessen Ermordung, Flucht vor ter Polizei, Ergreifung und Hin­richtung das sind die Etappen der Handlung. Also E^ntertreppengeschehen In Reinkultur!! Noch widerlicher aber als die sehr realistische Schilde­rung ter Verbrechen ist die dem unbefangenen Leser suggerierte Weltanschauung, die sich durch dieses .Kunstwerk" zieht. Ein öder, unproduk­tiver Materialismus redet dem Leser ein: Der Mensch <t nur das Produkt seines Milieus, das Geben ist brutal und herzlos, der einzelne ist immer ter vpielball deS Zufalls und ter Leben-Verhältnisse, in die er selbst gegen feinen Willen gerät; feiner kann feinem Schicksal ent­rinnen, auch ter Reinste muß unter Umständen zum Verbrecher werten, usw. Dis sind un­ausgesprochen die Grundanschauungen des Ver­fassers, di« er seinen Lesern durch sein .Kunst- roerf1 einimpft.

Natürlich steht e« tem denkenden Genießer derartiger Kunstwerke frei, solche Weltanschauung energisch abzulehnen, selbst bei aller Anerkennung des Kunst wertes ter Darstellung, aber leider werten die meisten Leser so durch Kunstwerke dieser Art in ihren Dann gezogen, daß sie die Verzerrung des Weltbildes, das dahinter siebt, gar nicht erkennen, daß sie auch weltanschaulich für bare Münze nehmen, was so überzeugend kunstvoll" eingewickell ist.

Der Roman, ten ich hier im Auge habe, scheint mir ein typische« Beispiel für die Hoch­flut künstlerischen Schundes zu sein, die sich heute mehr und mehr breit macht. Hnö so einseitig .nur künstlerisch" sind wir Menschen von heute durchweg eingestellt, bah wir alles, waS der künstlerischen Gestaltung erst Botentoert gibt, nämlich das Weltanschauliche, Ideenhafte, gering oder garnicht werten.

Manche Leute, die heute dicke Töne reden über die Bekämpfung ter Schundliteratur, schaffen oder verbreiten oder genieyen selbst die gefährlichste Sorte Schundliteratur, die denkbar ist, ten WeltanschauungSschund, das verderblichste aller DolkSgifte.

Ich meine, e« wird höchste Zeit, daß all« lrtevarifch Interesfierten sich gründlich umstellen, indem sie die einseitige Beurteilung einer Dich­tung nur nach ihrem künstlerischen Werte auf­geben. um auch ten weltanschaulichen Wert ter Bücher mit in Rechnung zu stellen. Das nützt un« selbst höchste Kunst, wenn sie ten Blick verdüstert und das Auge verdunkelt. Solange man nicht auch ten Schund in solidem Leinen und ten mit Goldschnitt bekämpft, bleibt die Bekämpfung deS obligaten Schundes vergebliche Liebesmüh«!

DaS zweite Kulturdokument ist wie ge­

sagt ter illustrierten Sonntagsbeilage einer hafte Weltanschauung: großen deutschen Tageszeitung entnommen. Es das Barel ein Narr