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Turnen, Sport und Spiel

Turnen.

Gau Wetterau.

00 Für das Schülerturnen in Fried­berg-Fauerbach am vorigen Sonntag waren über 300 Schülerinnen und Schüler gemeldet, die fast vollzählig erschienen waren. Es wurde in 19 Riegen geturnt. Für die Schülerinnen war ein Dreikampf vorgeschrieben. (75-Meter-Lauf, Freiweit und Freiübung.) Die Schüler hatten einen Fünfkampf auszutragen. (Freiweithoch, Dreisprung, Kugelstoßen, 100= bzw. 75-Meter- Lauf und Freiübung.) Außerdem wurde noch der Wanderpreis, ein Wimpel, ausgetragen.

Hm 2 Ähr traten die Schüler und Schüle­rinnen zu einem Umzug durch Fauerbach an, der auf dem Festplah endete. Hier begrüßte sie der Gauvorsihende Dietz, sprach ihnen den Dank und die Anerkennung der Gauleitung aus, stellte ihnen die große Aufgabe der deutschen Jugend vor Augen und schloß mit einemGut Heil" auf unser deutsches Vaterland, die Jugend und die Turnerei. Die Massenfreiübungen, die von über 250 Schülerinnen und Schülern unter Leitung von Gauturnwart Fink ausgeführt wur­de m. lösten unter den zahlreichen Zuschauern großen Beifall aus. Der Vachmittag brachte noch Sonderwettkämpfe, so daß der ganze Tag der edlen Turnsache gewidmet war. Aus der Sieger­liste fei berichtete

Schülerinnen, Oberstufe): 1. Wilhel­mine Schertel und Anna B i l l a s ch, Frdbg.- Fauerbach, 57 Punkte. 2. Elise Hoch, Vendel, 56 P 3. Martha Weil, Frdbg.-Fauerbach, 52 P.

Schülerinnen, Unterstufe: 1. Kath. Anders, Frdbg.-Fauerbach, 56 P. 2. Sannchen Kitz, Eichen, und Else Billasch, Frdbg.-Fauer­bach, 54 P. 3. Emma Thomas, Frdbg.-Fauerbach, 53 P.

Schüler, Oberstufe: 1. H. Laubach, Eichen, 96 P. 2. Hch Buß, Frdbg.-Fauerbach, 95 P. 3. Hch. Schäfer, Reichelsheim, und Karl Thomas, Frdbg.-Fauerbach, 94 P.

Schülerinnen, Oberstufe: 1. Wilhel- ler, Berstadt, und Wilh. Mörschel, Eichen, 96 P. 2. Hch. Scheuermann, Echzell, 95 P. 3. Robert Cberling, Dauernheim, und Karl Emmel, Berstadt, 93 P.

Wanderpreis: Bon sechs angetretenen Mannschaften erreichte der Turn- und Sport­verein Friedberg-Fauerbach die höchste Punktzahl mit 524 Punkten. Weitere Bewerber waren die Turngemeinde Eichen, die Turnvereine Reichels­heim, Rendel, Dorheim und Leihgestern.

Gausporttag

des Lahn-Dünsberg-Gaues.

ch Als Abschluß der diesjährigen Gauoeranstal- tungen findet der Ga u s P o r t t a g am 26. ScP-- tember auf dem Sportplatz der Turngemeinde Rodheim o. d. Bieber statt. Ausgetragen werden die Meisterschaften in folgenden Sport­arten: Weitsprung, Hochsprung, Stabhochlprung, Dreisprung Kugelstoßen 7,25 Kilo, Speerwurs, Schleuderballwurf, Diskuswurf, 100-Meter-Lauf, 200-Meter-Lauf, 4 X 100-Meter-Staffel um den Gauwanderpreis, sowie ein Mannschaftskampf im Kugelstoßen 7,25 Kilo (4 Mann). Die Wertungen werden durch den Gauturnausschuß vorgenommen. Im Anschluß an das Turnen können Versuche für das Turn- und Sportabzeichen geleistet wer­den.

Fußball.

Die Bezirksliga in Hessen-Hannover.

h. Die ersten Punkte wurden am vorigen Sonntag in Hessen-Hannover vergeben. Es kam wie vorausgesagt: die Provinz konnte sich nur bedingt gegen Kassel durchsetzen. Ein Sieg war den ersteren nicht vergönnt, wohl aber ein Punktgewinn.

Daß D. f. B. Gießen den Kasseler «Hermannen" eine gleichwertige, wenn nicht wenigstens zum Teil mit überlegen zu bezeichnende Partie lieferte, war auf Grund der bisher gezeigten Spielstärke zu erwarten. Daß D. f. B. der Sieg erst in letzter Minute

verloren ging, war ein Regiefehler der Gießener, bedingt durch die Verstärkung der Verteidigung. Die beste Verteidigung ist immer noch der An­griff! Der Angriff funktionierte doch zeitweise recht gut, und die Verteidigung war zeitweise recht schwach. Der Vorteil der Kasseler Vereine liegt darin, daß die Lokalkonkurrenz sie nicht zur Ruhe kommen läßt. Die Erfolge der Gießener, die in den letzten Jahren mit Macht an sich gearbeitet haben, werden erst mit den Erfah­rungen kommen.

Daß sich Wetzlar 05 gegen Hessen 09 Kassel nicht schlechter als 1:5 aus der Affäre zog, ist bei dem reichlichen Ersah, mit dem die Els an­trat und spielte, noch angängig. Der junge Wetzlarer Mittelläufer hat viel dazu beigetragen. Selbstverständlich war Kassel in allen Teilen des Kampfes mit wenigen Ausnahmen überlegen, und dennoch mußte Hessen 09 mehr zeigen.

In der Vordgruppe des Bezirks spielte S. C. 03 Kassel gegen die Einbecker mit 6:3 trotz des Sieges leichtsinnig. Auch hier hatte die Provinz nie eine Chance auf Sieg, und parallel zu dem Gießener Kampf hielt sich Göttingen 05 mit 2:2 gegen den starken Spielv. Kassel auf eigenem Platz recht gut. Heberhaupt ist Göt­tingen mit seinen beiden Vereinen S. C. 05 und Spielvg. eine Gegnerschaft, die nicht zu unter­schätzen ist.

Der kommende Sonntag

bringt den zweiten Spieltag im Bezirk. In der Südgruppe haben die Gießener Bewegungs­spieler in Kassel gegen den Altmeister Kurhessen eine ungleich schwerere Aufgabe zu lösen, als am Dorsonntag. Gießen könnte in Hochform den Kurhessen schon die Stirn bieten, wenn nicht die Aufregung alles oder vieles verdirbt. F. C. Wetzlar hat nach der Terminänderung die Ful­daer Borussen auf eigenem Platz. Die Borussen gelten von jeher als eine äußerst spielstarke Elf, die sich auch in Wetzlar den Sieg nicht so leicht nehmen lassen wird. Beeinflußt wird aber der Verlauf des Kampfes sehr durch den Wetzlarer Platz, der den Einheimischen immer ein Vorteil war. In der Vordgruppe liefern sich in Kassel Sport" und Göttingen 05 einen harten Kampf, in dem normaler WeiseSport" die größeren Aussichten auf Sieg mit geringem Torunter­schied zuzusprechen sind. Spielvg. Göttingen trifft sich mit dem F. V. Einbeck. Göttingen wird knapp in Front bleiben.

Lahnkreisliga.

y. Ohne daß man Väheres hörte, hat der K. QL nunmehr den S. C. Wehlar-Viedergirmes in die Kreisliga eingereiht und ließ diesen gleich am vorigen Sonntag gegen die Marburger Ger­manen antreten. Marburg gewann überlegen mit 8:1.

Spielvereinigung 1900 Gießen.

ö. Am vorigen Samstag und Sonntag folgte die Vereinigung einer Nnladung der Sportver­einigung 1911 Dillenburg zur Teilnahme an den Pokalwettbewerben vom Sonntag.

Bereits am Samstagnachmitdag wurden auf dem neuen Dillenburger Sportplatz zwei Propa- gandafußballwettfpiele ausgetragen. In ganz her­vorragendem Spiel siegte die Jugend 1900s über die gleiche Dillenburgs 4:0. Das Spiel der Gießener Mannschaft war dabei bewunderns­wert. Anschließend hieran trat eine Kombination, Spielvereinigung 1900 Liga und 2. Mannschaft, der Liga Dillenburgs entgegen. Auch hier ein spannendes, schönes Spiel. Die erste Spiel­hälfte war wechselvoll. Dillenburg erzielte aus einem Eckball den ersten Treffer. Bei Halbzeit stand es 3:2 für . Gießen. Vach der Pause er­lahmten beim Gastgeber die Kräfte, und 1900 schoß nach vorbildlichem Spiel drei weitere Tore, feinen 6:2-Sieg damit sicherstellend.

Sonntag morgen begannen die Vorwett­bewerbe zu den Pokalturnieren. Auch hierbei gelang es 1900, glänzend abzuschneiden. Die Jugend holte sich den Pokal in der Jugend­klasse nach Siegen über Frohnhausen (Dill) 1:0, D. C. 1910 Wetzlar 3:0 und Herbornseel- bach 2:0. Spielzeit je 2 X10 Minuten. Das Spiel der 1900er fand auch hier wieder viel Beifall. Dem Drängen des Plahvereins nach-

geoend, trat die Spielvereinigung auch zu ben Spielen in der /^-Klasse, also um den allerersten Preis deS Turniers, an. Spieler der Liga- (3), Reserve- (3), Lehr- (3) und Jugendmannschaft (2) wurden in aller Eile zu einer Mannschaft zu­sammengestellt, die erstklassiges leistete. Im ersten Spiel trafen die Gießener auf die noch vollständig frischen Frohnhäuser, also den Meister der A- Klasse im Gau Gießen-Wetzlar, und siegten 2:1. Ein weiteres regelrecht erzieltes Tor gab her Schiedsrichter unverständlicherweise nicht. Im Schlußspicl mußten die Offdiller, die das Frei­los gezogen hatten, die Heberlegenheit der 1900er anerkennen. Osfdill unterlag 3:0. Die Spieldauer betrug hierbei jedesmal 2x15 Minuten. Schöne Wertpreise waren der Lohn für die Mühe.

Handball.

Bezirk Hessen-Hannover.

h. Interessant sind die Ergebnisse der letzten beiden Handballsonntage in Kassel. Sagte man doch allgemein der vereinigten Kurhessenpolizer die größere Spielstärke zu. Es gelang den Hessen-Preußen dennoch am vorletzten Sonntag, den Kasseler Meister mit dem hohen Ergebnis von 7:8 zu schlagen. Bereits im Vorjahre griff Hessen 09 (Kassel) in den Kampf um den Kasseler handballbesten Verein ein. Am Sonntag schlugen sie in einem abwechslungsreichen Treffen den Kurh. Polizei-Bezwinger mit der ebenfalls hohen Torzahl von 6:5. Der Vergleich mit der Lahn» kreisspielstärke scheint in diesem Jahre inter­essant zu werden. F. C. Polizei (Wetzlar), der ziemlich sichere Lahnmeister, wird im Januar um die Dezirksmeisterschast mit dem Kasseler Vertreter kämpfen.

Kleinkaliber-Schietzsport.

Das Kreisschießen der Klein- kaliber-Schützenvereine des Kreises Gießen fand in Gießen statt. Gs wurden aus- geschoVcn: 1. Die Mannschaftsmeisterschaft für den Kreis (Mannschaft 5 Mann). 2. Die Einzelmeisterfchast. 3. Die Jungschühenmeister- schast (bis zu 18 Jahren). Vom Wetter sehr begünstigt, bei reger Beteiligung, verlief das Schießen in anregender Weise, und zeigte, daß das Verständnis für diesen, in allen Ländern weitverbreiteten Sport auch bei unS schon recht gewachsen ist. Wie kaum ein anderer Sport, for­dert der Kleinkaliber-Schiehsport sicheren Blick, Entschlußkraft und Selbstzucht. Er fördert so den Ordnungssinn und erzieht zur kameradschaftlichen Einordnung in ein größeres Ganzes. Daß bet der bisher kurzen Lebenszeit dieses Sportes noch Kinderkrankheiten zu überstehen sind, ist erklär­lich. Um so mehr ist die rege Teilnahme am Preisschiehen zu begrüßen, und diese wieder wird zweifelsohne in weiterem gesundem Wettbewerb ihre günstige Auswirkung haben. So waren auch die Ergebnisse ganz zufriedenstellend, z. T. recht gut.

Die Mannschaftsmeisterschaft er- errang der K. K. S.-Derein Steinbach mit 346 Ringen; Zweiter hierin war die Mannschaft Holzheim mit 335 Ringen.

Die Kretsmeisterschaft im Einzel­schießen errang Ludwtg Haas VI., Stein­bach, mit 80 Ringen, während die 2 Besten waren: Georg Zimmer, Villingen und Heinrich Ludwig Balser, Steinbach mit 72 Ringen.

Die Junaschützenmei st erschuft er­rang Heinrich Jung. Holzhe'.rn mit 55 Ringen, Zweiter war hierbei Hermann Weil. Muschen- heim mit 50 Ringen.

Die beiden letzteren müssen besonders als gut hervorgehoben werden, war bei ihrer Jugend doch recht wenig Zeit, sie auf eine solche Höhe zu bringen. So wurde der Tag ein Tag der Freude am Sport, und wird hoffentlich, wenn die neuen Meister erst im Besitz der Ehrenurkunden und Diplome sind, ein weiterer Ansporn auf diesem wichtigen Gebiete der Ertüchtigung des Volkes fein.

Kegelsport.

Der Lahn-Taunus-Kegelbezirk im Dill-Lahn-Taunus Keglerbund hielt am Sonn­tag sein diesjähriges 3. Preiskegeln in Wetzlar

Sturm in Schmarbeck

Roman von Sophie Kloerss.

Copyright 1926 by Aug. Scherl G. m. b. H.. Berlin 19. Fortsetzung. Nachdruck verboten

Es geht nicht nur um mich, liebe Frau Dok­tor, bann würde ich einfach drüber lachen. Es geht um Melanie, die mir der liebste, ja, wenn ich |o sagen darf, der heiligste Mensch auf der Welt ist. Und darum bitte ich Sie von Herzen, sagen Sie mir ehrlich, hat man im Whistklub so scharf über unsere gemeinsame Reise geurteilt? Haben auch Sie irgendein wie soll ich sagen also etwas nicht ganz Erlaubtes darin gesehen?"

Aber Herr Kantor! Wir haben doch vorher davon gesprochen und uns mit Ihnen und Fräulein Rosen über Ähren Plan gefreut. Und im Whist­klub ---'

Da fiel ihr ein, daß dort sehr aufgeregt geredet worden war, gerade an jenem Abend, als die Mit­glieder oben bei den Schwiegereltern zusammen- tamen.

Aha. Da ist also doch etwas gewesen."

Lieber Herr Kantor, Sie kennen ja die alten Herrschaften, und wie sie sich über alles aufregen. Wie froh sie sind, wenn sie etwas finden, worüber sie reden können. Ich war nicht viel oben, ich sah ja überall nach dem Rechten, hier unten bei uns war an dem Abend auch viel Besuch. Mein Mann sagte mir nachher, man hätte allerdings zum Teil, "aber nur sehr zum Teil, den Kopf geschüttelt über diese Reise. Die alten Fräulein Schnäpeleine fortstreichende Handbewegung Mampels, ja, sehen Sie, die zählen nicht für Sie. Ebenso das alte Fräulein Moorwood, die Ahnfrau, wie mein Mann immer sagt"

Sie dachte nach.Ader meine Schwiegereltern und Krggs und Herr Nilius ja, Jessens haben sicher auch nichts Schlimmes darin gesehen, im Gegenteil."

"Sie glauben nicht, daß es jemand aus dem Whistklub gewesen ist?"

Aus dem unmöglich. Nein, wie können Sie das nur denken."

Ja, aber warum bann dieser Wisch? Wen geht es etwas an? Sagen Sie mir soll ich Melanie fragen, ob sie jetzt noch--"

Tun Sie das nicht. Wozu jetzt um der Leute willen etwas tun, was Sie beide nicht als das Richtige einsehen. Denn wäre es das Rechte, hätten Sie es längst getan. Nur der Menschen wegen ---nein, jetzt erst recht nicht."

Und roenh man auch ihr zu nahe tritt? Wenn sie vielleicht von mir erwartet, daß ich für sie ein­trete?"

Das tun Sie ja durch Ihr ganzes Leben." Sie iann vor sich hin.Soll man so wenig Selbstsicher­heit haben, daß anonyme Gemeinheiet uns veein- fluffen kann?"

Sie haben recht, Frau Hanse. Ich dachte das gleiche, aber ich entschied ja nicht für mich allein. Ich danke Ihnen, daß Sie mich verstehen, und mein altes Herz ist wieder leicht. Ich wäre doch nicht wieder in den Whistklub gekommen, wenn man dort Melanie über die Achseln angesehen hätte."

Ganz beruhigt ging er heim, und wie ein Gruß an die sonnige Doktorsfrau sandte sein Glockenspiel ihr an diesem Abend Goethes Nachtgruß in Schu­berts Komposition:lieber allen Gipfeln ist Ruh'!"

Hanse verstand ihn. Sie hatte ihm wieder Ruhe gegeben. Don ganzem Herzen hoffte sie, die möchte bleiben.

Aber es währte nicht allzu lange, da gingen in der Stadt allerlei Reden um, daß es mit den Vornehmen" auch nicht so weit her sei, wie sie täten. Schneider Max hatte einen Brief bekommen, er möge nur dafür sorgen, daß Apotheker Braun seine Rechnungen nicht zu lange stehen ließe, der hinge schon in Kiel und Hamburg. Und Steinmetz- meister Bahlke bekam ein Schreiben, in dem stand, Bürgermeisters Else hätte seinem Sohn, der doch nicht einmal Student fei, auf dem Ressourcekranz- chen so schöne Augen gemacht, der Vater hätte ihr dafür eins an die Ohren gegeben. Er möchte seinen Sohn nur auch an die Stange nehmen. Aber das schlimmste war, wie plötzlich über Rottmanns ge­redet wurde. Daß die Ilse ein ganz schamlos kokettes Mädchen sei, und die Frau Doktor putze sich auch noch für fremde Männer. Dabei fiel ein Seitenhieb auf den Hamburger Herrn, der alle paar Wochen in der Stadt war und im Rottmannschen Hause ganz ungeniert aus und ein ging.

Alle diese Briefe kamen an kleine Geschäftsleute, an Handwerker, an einzelne alte Damen, die nicht ganz zu den oberen Dreißig gehörten. So kam es,

daß man im Rottmannschen Hause nichts von dem allen ahnte, als schon die ganze Stadt voll war davon.

Endlich erfuhr es Mile. Sie hörte es bet Bäcker Böttcher im Laden und rannte im ersten Zorn zu ihrer Cousine. Madame Eggers faß wie meist am Nähtisch und machte Putz. Sie flog zusammen, als die dicke Mile wie eine Kanonenkugel in das Zim­mer brach.

Mile, willst das Haus einreißen?"

Und du hast es ganz gewiß längst gewußt. Und redst nichts davon. Meine Herrschaft! Mit der sollen sie so umgeben! Unsere junge Frau! Und die Ilse! So eine giot es nicht wieder in Schmalebeck. Was bist nicht längst gekommen und sagst: Mile, so und so---"

Madame Eagers kniff die Lippen zusammen. Hältst mich gefragt aber so. Ich verbrenn' mit auch nicht gern den Mund. Und es wird schon was dran fein. Die Ilse hat ja alle Tage en andern an der Strippe. Erst den Grützmann und denn den Danske und nu den Hamburger, sollst mal sehen, mit der bleiben Rottmanns noch mal sitzen."

In Gedanken fügte sie hinzu:Wenn mein Fiete sich nicht noch mal erbarmt."

Och du", höhnte die dicke Köchin.Unsere Ilse! Gibt's ja gar nicht! Die und sitzenbleiben. Du hast dir auch schon den Kops dick reden lassen. Ich weiß aber, was ich tue. Ich geh' gleich und sag' es dem alten Herrn, der redet mit Pastor Jessen, der soll es all den dämlichen Schmalebeckern ordent­lich geben. Auf der Kanzel. Daß es sich gewaschen hat." Sie drehte kurz um, warf die Tür hinter sich zu und trampfte über den Markt davon.

Eine Viertelstunde später wußte das ganze Dok­torhaus, was sich die Stadt erzählte.

Siehst du," sagte Rottmann und sah seine Hanse sehr ernsthaft an,ich hab' es immer gewußt. Das kommt davon, wenn solche junge Frau solchen alten Mann nimmt. Der wird ihr langweilig, und bann wirst sie ihre Netze nach amüsanteren Fischen aus."

Ich hab' das bisher nicht gewußt", antwortete ie ebenso ernsthaft.Aber da du es mir so vor­teilst ---die Sache hat entschieden etwas für

ich. Sehen wir yns nach Männern um, bei denen das Fischen lohnt." Doch bann, ben Kopf an seine Schultern lehnend'Ach, Detlev, uns reden sie nicht auseinander, höchstens fester zusammen, aber Ilse

ab. ES erhielten Preis«: 1. Klub preis Kegelklub Vur nett stombe Wetzlar", 2. Klubpreis Kegel­klubHinne Hoch", Wetzlar. Den Wanderschasts- preis erhielt zum zweitenmal wiederum ^er Kegelklub G. d. A. Gießen. Dezirksmeister wurde Willi Haupt vom KegelklubHinne Hoch", Wetzlar. Beim Einzelpreiskegeln konnten mit einem Preis bedacht werden: 1. Preis Willi Schmidt, KegelklubHinne Hoch" Wetzlar: 2. Preis Heinrich Vötz, Kegelklub 1920, Butzbach.

3. Preis Anton Schuster, KegelklubVur nett stombe Wetzlar": 4. Preis Adolf Waldschmidt, KegelklubVur nett stombe Wetzlar": 5. Preis Rudolf Seibert, KegelklubHinne Hoch" Wetzlar: ,6. Preis Heinrich Hahn, Kegeck.ub 1920, Butzbach.

Sportliche Erfolge einer studentischen Korporation.

Die dem Akademischen Turnbund (ATB) ange­schlossene Akademische Turnverbindung (ATV.) Marburg konnte im vergangenen Som­mersemester eine Reihe nicht alltäglicher sportlicher Erfolge erringen. Sie ist Bezirksmeister der D. T. inHand-undJaustball geworden. Bei den Unioersitätsmeisterschaften errang sie von den 16 ausgesetzten ersten Preisen nicht weniger als 12. Ihre Schweden st afsel arbeitete sich in diesem Semester vom Bezirksmeister über den Gaumeister zum Kreismei st er des Kreises Mittelrhein der Deutschen Turner­schaft heraus. Bemerkenswert ist es auch, daß in der Universitätshandballmannschaft der Universität Marburg die die Mannschaft der Technischen Hochschule Charlottenburg mit dem hohen Ergebnis von 7:1 schlug neun ATD.er mit- spielten.

A. D. A. C. Feldberg-Rennen im Taunus.

Am Sonntag, 3. Oktober, findet das dies­jährige A.D. A.C. Feldbergrennen statt, das bei dem Restaurant Höhe-Mark bei Ober­ursel beginnt und über 8 Kilometer zum Eand- placken sührt. Die durchschnittliche Steigung be­trägt 8 Prozent. Das A. D. A. C. Feldberg­rennen bildet alljährlich den Abschluß der motor­sportlichen Saison des A. D. A. C. Die bedeutend­sten Fahrer, sowohl auf dem Motorrad wie auf dem Kraftwagen, werden sich an dem Rennen beteiligen.

Ein Sternlauf der Arbeiter­sportler.

£ Am 19. September weiht der Arbeiter- Tum- und Dportbund seine Dundesschule in Leipzig ein. Dieses Ereignis wird ein Markstein in der Geschichte der Leibesübungen sein, besteht doch zur Zeit noch keine gleichartige Ausbil­dungsstätte. wie sie in Leipzig unter größter Opferwilligkeit der Mitglieder von der Zentral- organisativn der Arbeitersportler geschaffen wor­den ist. Hier sollen die technischen und geschäft­lichen Leiter der Vereine, Bezirke und Kreise die erforderliche Ausbildung völlig kostenfrei er­halten. Die besten Lehrkräfte sollen hierzu ge­wonnen werden, damit das gesteckte Ziel auch erreicht wird.

Den Auftakt zu den Ginweihungsfeierlich- feiten soll ein in sieben Abteilungen gegliederter Sternlauf bilden, durch den die Glückwunsch­schreiben der Kreise und deS Auslandes Tag Md Rächt von Mann zu Mann getragen werden. Für unsere Gegend hat der Lauf infafem eine beson­dere Bedeutung, als ein Lauf in den Abendstunden des 18. September durch unser Gebiet führt. Hm einen ungefähren Heberblick über die Größe dieser sportlichen Veranstaltung zugeben, sollen hier in kurzen Strichen die Laufstrecken der einzelnen Läufe angegeben werden.

Lauf 1 startet in Linz (Oesterreich) und geht über Salzburg, Innsbruck, die Zugspitze, in Richtung Ingolstadt, Schwabach, Nürnberg, Bay­reuth. Hof nach Leipzig. Gesamtlänge des Laufs 1123 Kilometer.

Lauf 2 ist der für unsere Leser interessanteste, er führt durch Oberhessen. Er beginnt in Zürich, bei Singen wird der Stab von Deutsch­land übernommen und geht über Stuttgart, Heil»

das darf nicht an sie heran. Der müssen wir die häßlichen Reden ersparen. Damit kann viel Unheil gesät werden."

Mile können wir den Mund verbieten, und die Eltern sagen es ihr nicht. Aber ob es nicht doch an sie heramommt"

Es war schon an sie herangekommen, denn als sie in das Pastorat kam an diesem Morgen und wie gewöhnlich bei solchen Gelegenheiten gleich in Riek- chens Zimmer gehen wollte, trat ihr die Pastorin auf dem Flur entgegen.

Du kommst mir wie gerufen, Ilse. Bitte, komm doch in das Eßzimmer. Und drinnen:Du weißt vielleicht nicht, wie die Stadt in Aufregung ist, liebes Kind, durch die anonymen Briefe, die mit einem Male überall auftauchen. Ich halte es für meine Pflicht, dir das zu sagen. Gerade wir, die auf Plätzen stehen, wo jedermann uns und unser Tun sieht, wir sollten sehr vorsichtig sein und alles vermeiden, was den Leuten zu häßlicher Auslegung dienen kann."

Sie machte eine kleine Kunstpause, Ilse sah sie erstaunt an. Ihr Gewissen den Schmalebeckern gegenüber war kristallrein.

Du scheinst mich nicht zu verstehen?"

Nein, Tante Helene, tatsächlich nicht."

Man knüpft allerlei Bemerkungen an deinen Namen, liebes Kind."

An meinen--Ja, was in aller Welt

habe ich denn verbrochen?"

Von «verbrochen haben" rede ich nicht. So schlimm wird es ja nicht gleich sein. Aber sehr un­vorsichtig bist du. Deine Art, mit den jungen Herren umzugehen---Ich denke immer, deine Mut­

ter müßte dich einmal darauf aufmerksam machen, wie wenig angebracht sie ist. Aber Hanse ist selber noch zu jung und zu lebenslustig--" Ein

bitterer Zug um den Mund

Sie verstummte.

Ilse sah sie ernsthaft an.Ist das alles, Tome Helene? Ich weiß nicht, daß ich kokett bin, ich bin es gewiß nicht mit Absicht. Aber wenn es dich be­ruhigt," da konnte sie sich doch nicht eine kleine Rache versagen,so will ich künftig kein Wort mehr, mit Georg Grützmann rc^n. Nicht einmal mit seinem Onkel, Herrn Nilius.

(Fortsetzung folgt.)