Oberhesfen.
Dorfkirchentagung in Nidda.
c» Die Freunde der Dorfkirche im südlichen Oberh essen gedenken am 15. September im „Gambrinus" zu Nidda ihre neunte Herbsttagung zu veranstalten. Vormittags wird Pfarrer Traue aus Schwarz (Prov. Sachfen) sprechen über „2111 e und neue Wege für den dörflichen Konfirmandenunterricht". Diese an und für sich schon wichtige Frage ist für die hessische Kirche brennend geworden durch neue Richtlinien, die das Landeskirchenamt jüngst herausgegeben hat. Der Nachmittag steht unter dem Zeichen des bevorstehenden hessischen Reformationsjubiläums. Prälat D. Di. Diehl wird als Vortragender der Frage nachgehen „Das hessische R e f o r m a t i o n s j u b i l ä u iil 15 2 6 bis 1 926 und seine Feier in Kirche und Schule". Die Dorfkirche hofft, mit diesem Gegenstand auf alle Interessierten eine starke Anziehungskraft auszuüben.
Landkreis Gießen
X Aliendorf a. d. Lahn, 9. Sept. Die Arbeiten der F e l d b e r e i n i g u n g machen gute Fortschritte. Mit verstärkten Kräften erfolgt jetzt die Vermessung der neuen Parzellen und das Setzen der Grenzsteine, so daß in einigen Wochen die Zuteilung an die neuen Besitzer erfolgen kann.
Utphe, 9. Sept. Dieser Tage fand ein junger Mann beim Grummetmachen die Hülle eines kleinen Luftballons mit anhängender Postkarte. Der Ballon ist bei einem Feste in Gräce-Berleur, einem Orte bei Mons in Belgien, losgelassen worden. Die Karte enthält die Anschrift des Absenders und in französischer und vlämischer Sprache die Bitte, die Karte an ihn Hurückzusenden zwecks Preisverteilung für die Ballons, die die größten Entfernungen zurückgelegt Haden. — Die fünf ober ft en Jahrgänge unserer Schule benutzten das herrliche Wetter der letzten Tage zu einem Tagesausflug. Am Vormittag wurden das Museum im Schloß sowie das Völker- und Kriegsmuseum im Schlößchen zu Gießen besichtigt, der Nachmittag wurde auf dem nahen Schiffenberg verbracht. Hatten die Besichtigungen den Kindern eine Fülle wertvoller Anschauung mitgegeben, so kam im Walde der Spieltrieb zu seinem Recht.
Kreis Friedberg.
00 Assenheim, 9. Sept. In der „Alten Burg" an der Straße nach Dorn-Assenheim werden Ausgrabungen borgenomnten. In mäßiger Tiefe stieß man auf Mauerreste, die nun schon in größerem Umfange freigelegt sind. Scheinbar handelt es sich aber nicht, wie der Flurname angibt, um die Reste einer Burg, sondern um Fundamente aus der Römerzeit. Einige Funde lassen sogar die Bermutung auf- fommen, daß es sich um eine Ansiedlung aus vorrömischer Zeit handelt.
00 Aus der Wetterau, 9.Sept. Die anhaltende Trockenheit begünstigt die Entwicklung von Schädlingen sehr. Besonders der K o h 1° weihling hatte günstige Witterung zum Absetzen der Eier an den Kohlarten. Run treten die Raupen in großen Mengen auf und fressen die Kohlblätter bis auf die Rippen ab. Besonders in den Gärten tritt der Schädling so häufig auf, daß auch das tägliche Ablesen der Raupen ihr Zerstörungswerk nicht aufhält. Von den Wintergemüsen werden besonders die R o sen- ko h lac t en bevorzugt, so daß die Gefahr besteht, daß dieses Gemüse ganz vertilgt wird.
Kreis Schotten.
ld. Aus dem oberen Niddatal, 9.Sept. In der Arbeitspause zwischen Grummet- und Kartoffelernte sind die wenigen Glücklichen, die Erträge von ihren Obstbäumen bekommen, mit A b - machen von Frühäpfeln und Frühbirnen beschäftigt. Für den Zentner Aepfel werden 10 Mk., für Birnen 3 Mk. bezahlt. Während der heißen Tage der vorigen Woche sind die Brombeeren voll a u s g e r e i f t, und täglich werden große Mengen Beeren zur Gelee- und Weinbereitung gesammelt. — Auf t i e f g e I e g e = n en Aeckern des Niddagrundes, die wegen zu hoher Bodenfeuchtigkeit völlig verunkrautet find, setzt die Kartoffelernte ein. Da die Stengel schon vor Wochen abftarben und die noch kleinen Knollen anfaulten, ist auf solchen Aeckern eine völlige Mißernte zu verzeichnen. Die übrig= gebliebenen ungesunden Kartoffeln müssen gesondert gelagert werden und sind nur als Viehfutter geeignet.
* Eichelsdorf, 9. Sept. Don den vielen Basaltwerken, die in den letzten Jahren im oberen Niddatal erstanden, hat sich nur das hiesige der Firma Daust er, Gießen, halten können. Neben der Herstellung von hochwertigen Pflastersteinen hat es nach Aufstellung einer Klopfmaschine die Derschotterung der Abfälle und zum Richten ungeeigneten Gesteinsmassen ausgenommen. Da größere Lieferungen auszuführen sind, ist die dauernde Beschäftigung der Arbeiterschaft sichergestellt.
—8— Herchenhain, 9. Sept. Der hiesige Raiffeisenverein hielt dieser Tage seine Generalversammlung ab, zu der die Mitglieder vollzählig erschienen waren. Der Rein° gewinn in 1925 betrug 232.49 Mk., der auf Mobilien-Anschaffungskonto überschrieben wurde. Es wurde weiterhin beschlossen, zu den bereits vorhandenen Maschinen noch eine Schrotmühle anzuschaffen, um den Mitgliedern im Winter bei hohem Schnee anstrengende Fahrten nach^ den umliegenden Mühlen zu ersparen. Jetzt verfügt die hiesige Raiffeisengenossenschaft über «in geräumiges Lagerhaus (1925 erbaut), eine ? otoranlage Kreissäge, einen sehr
leistungsfähigen Trieur zur Fruchtreinigung und neuerdings über eine größere Schrotmühle. Die Versammlung war einstimmig der Meinung, daß der Verein als gemeinnützige Genossenschaft alles tun müsse, um den Mitgliedern ihre abgeschlossene und wirtschaftlich bedrängte Lage als Bewohner des höchsten Vogelsbergdorfes nach Möglichkeit zu erleichtern. Verschiedene Maßnahmen, die diesen Zweck verfolgen, wurden beschlossen bzw Km die Zentrale weitergeleitet. Fast sämtliche OrtSelnwohner gehören der Genossenschaft am sie zählt zur Zeit rund 60 Mitglieder. Mitte 1923 gegründet, hat sie sich trotz der verhältnismäßig kurzen Zeit sehr gut entwickelt.
—s— Dom oberen Vogelsberg, 9. Sept. Die diesjährige Himbeerernte fiel über Erwarten schlecht aus. Verursacht durch das langanhaltende Regenwelter während des Sommers war der Deerenansatz äußerst gering. So wurde nicht der zehnte Teil als in normalen Jähren geerntet. Den Bewohnern des öderen
Die (Bartenbaus und Elektrizitätsausstellung.
Das Interesse der Bevölkerung an der Gießener Gartenbau- und Elektrizitäts-Ausstellung tritt von Tag zu Tag deutlicher in Erscheinung. Man merkt es in den •Unterhaltungen der Mitbürger, man kann es beobachten an der Aufmerksamkeit, mit der der Fortgang der Vorbereitungsarbeiten in der Volkshatte verfolgt wird, und man kann es fest- stellen an der Tatsache, daß auch die auswärtigen Zeitungen aufmerksam Rotiz nehmen von der großen Gießener Veranstaltung. Um unseren Lesern die Orientierung über die Ausstellung zu erleichtern, geben wir nachstehend zwei Skizzen wieder, aus denen die Raumeinteilung ersichtlich ist.
Das Erdgeschoß der Dolkshalle bringt gegenüber vom Eingang an der ©rünberger Straße (der Zugang vom Trieb her bleibt ge- schlossen) zunächst die Abteilung »Blattpflanzen und Topfpflanzen" der Gießener Gärtnervereinigung zur Schau (in der Skizze als Raum „Gartenbau" bezeichnet): auf der linken Seite sind die ersten Stände der Elektrizitätsabteilung, beginnend mit dem elektrischen Backofen, untergebracht: auf der rechten Seite vorne stehen zunächst Stände der Gartenbauvereine, daran schließen sich die elektrische Küche und die elektrische Kühlanlage. In der Mitte, als „Wirtschaftsraum" bezeichnet, ist die Restaurationsmöglichkeit für die Besucher vorgesehen.
Männer
Abteilung
Erdgeschoß.
I I •
B/ehhr. 'Abheilung 2 ; 3 I 4- ; 5
Büffet
ßuhne
trauen
Manner
Etektr.
Kühtan/ag
Garderobe
Frauen
Kasse |
Eingang _
Ausgang
Etektr. Küche
Gartenbau.
Wirtschafte raum
Das Obergeschoß, das man zweckmäßig über die durch punktierte Pfeillinie bezeichnete Treppe bei der Bühne betritt, zeigt dem Besucher zunächst wieder die Abteilung der Elektrizität, in der man hier die Verwendung des Stromes in Wohnräumen sehen kann: den gesamten übrigen
Ausstellungsraum des Obergeschosses füllen die Gartenbauvereine. Ferner ist oben die altdeutsche Weinstube eingerichtet, die jetzt schon eine recht hübsche Aufmachung zeigt, endlich ist auch die Mokka- und Likörstube im Obergeschoß zu finden.
Manner
Frauen
SonU/acha
Obergeschoß.
Gartenbau - Abteilung
Rest-aurah'on
Gartenbau
Altdeutsche Weinstube,
Garten t au Abte Hu\ g
Mokka- u.
Likorstube
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XJ ! • Glekt-r Abheilung •
2111 dem Aufbau der Ausstellungsstände und der letzten festlichen Herrichtung der Volkshalle wird zur Zeit mit Hochdruck gearbeitet. Nach allem, was man bisher bemerken kann, darf man gewiß fein, daß hier Außerordentliches für unfere Stadt geboten wird. Das Innere der Volkshalle hat durch ausgedehnte Derputzarbeiten, durch Verputz, Anstrich und Dielung der Bühne, sowie durch außerordentlich reiche Installation elektrischer Beleuchtungskörper einen sehr freundlichen Anstrich bekommen, der sich namentlich abends bei der Be
leuchtung besonders vorteilhaft präsentieren wird. Die Treppenaufgänge zum Obergeschoß sind in hübscher Weise mit Tannengrün verkleidet, ein gleiches Gewand haben die Pfeiler der Halle bekommen. An der Straßenseite des Baues sind ebenfalls Hunderte von Beleuchtungskörpern angebracht, die eine gute Lichtwirkung versprechen, ferner ist vor der Halle der Freitreppenbau jetzt so weit vorgeschriten, daß er wohl noch bis heute abend vollendet sein wird.
Dogelsberges, die samt und sonders durch das Beerensammeln sonst einen guten Rebenverdienst haben, brachte dieses Jahr einen fühlbaren Verlust.
Kreis Alsfeld.
-er. Homberg a. d. Ohm, 9. Sept. Bei der öffentlichen Versteigerung des städtischen Frühobstes stellte sich der Korb Aepfel auf etwa 3 bis 4 Mk., der Korb Birnen auf 5 Mk. Wohl infolge der arbeitsreichen Zeit halten sich nur wenige Käufer eingefunben. Die Birnen werden in der Regel meistens zum Honigkochen verwendet. Wie überall, so gibt es auch in unserer Gegend in diesem Jahre wenig Ob ft; nur ganz vereinzelt trifft man oollhängende Bäume an
Kreis Lauterbach.
l). M a a r, 9. Sept. Eine p r a k t i s ch e Neuanschaffung machte der hiesige Raiff« eisen verein in Gestalt einer fahrbaren aI k s p r 1 tz e. Mit der Spritze ist es möglich in kurzer Zeck auch die größten Ställe auszu- weißen, eine Arbeit, die sich bezahlt macht. Da der Apparat auch mit einer Baumsprihe ver-
ist kai^ auch das sehr wichtige Kalken der Obstbaume oder spater das Spritzen mit Sobar, älspulun usw. damit vorgenommen werden
Starkenburg.
. *e? ° r m st a d t , 9. Sept. Als ein junger Mann ein Fahrrad stehlen wollte und vom Eigentümer darüber zur Rede gestellt wurde, ließ er das •bad im Stich und entfloh in das vierte Stock- nnrU‘n;? ein Polizeibeamter f eft-
SdlnJw daß es sich um einen
Schlosser A. G 0 sselaus Kassel handelt, der wegen
Diebstahls und Betruges bereits vorbestraft ist. Hier in Darmstadt hat er außerdem einem Mädchen 145 Mark durch ein Heiratsversprechen a b - g c f chw i ndeli. Das Geld hat er in leichtsinniger Gesellschaft durchgebracht.
MSN. Offenbach, 9. Sept. Die Stadtoer- waltung beantragte für das Wohlfahrtsamt eine Nachbewilligung von 1 024 000 Mk. für das Rechnungsjahr 1926/27. Die Höhe der Summe ist auf die k a t a st r 0 p h a l e Arbeitslosigkeit des Bezirks Offenbach zurückzuführen.
Preußen.
Kreis Wetzlar.
-o- W e tzl a r, 9. Sept. Am kommenden vanwtag und Sonntag veranstaltet die Ball ei Rassau des Jung deut scheu Ordens in unfern Stadt eine große jungdeutsche Kundgebung, zu welcher der Hochmeister ö.c* ^ungdeutschrn Ordens, Arthur M a h r a u n eintreffen wird. Ferner werden noch weitere führende Persönlichkeiten des Ordens zu der Veranstaltung erwartet.
A linden, 9. Sept. .Unfete Gemeinde laßt gegenwärtig den „G r u n e n W e a" auf einet Teilstrecke chausseemähig aus« die hiesigen Erwerbslosen als R 0 t st a n d s a r b e 1 t e r beschäftigt werden. Die 9rbl ö" den Arbeiten einen Betrag und em Darlehen aus Mitteln her ®rtoetbölofenfütfotge. Das Anfahren der^Sleckie
Ngenen Bruche der Gemeinde gewonnen beklker' r-Hrohn führten" der Grund-
be.iher, und zwar muß zeder für je drei Morgen Kubikmeter Steine fahren. Im Weigerungsfälle werden die Fuhren von fremden
Gespannen auf Kosten des Verweigernden ausgeführt.
Kreis Biedenkopf.
T Naunheim, 9. Sept. Gestern hat man mit der Bonitierung unserer Gemarkung begonnen. Die Landwirte Marx aus Dib lenburg und Rund aus Wilhelmshausen bei Kassel fungieren neben dem Landmesser Bars aus Wetzlar als Kreisschätzer. Von hier sind als Bevollmächtigte gewählt Jakob Bill, Heinrich Becker und Gemeinderechner Schäfer. — Die Maul- und Klauenseuche ist hier e r - loschen. Die Sperrmaßregeln sind aufgehoben.
Dillkrcis.
3 Breitscheid, 9. Sept. Unter reger Beteiligung veranstaltete der hiesige Krieger - und Schützenverein sein erstes Preisschießen. Im allgemeinen wurden gute Schußleistungen gezeigt Den ersten Preis erhielt Kaufmann Robert Henning mit 33 Ringen. Durch Stechen folgte der Hafner Schwan mit gleicher Ringzahl. Den 3. Preis erhielt der Maurer Eduard Pfaff mit 31 Ringen. — Am Sonntag beging unser Turnverein unter Beteiligung einiger auswärtiger Vereine fein Abturnen. Vormittags war gemeinsamer Kirchgang, am Nachmittag fanden die Wettkämpfe statt, denen eine große Menschenmenge mit regem Interesse beiwohnte. Die Kämpfe, die recht gute Leistungen ergaben, bestanden aus Vereinsturnen in Ober-, Mittel- und Unterstufe, ferner aus leichtathletischen Uebungen (Weitsprung, Kugelstoßen, 100-Meter-Lauf, 500-Meter-Lauf) und Klasientiirnen.
Kreis Westerburg.
00 Westerburg, 8. Sept. Am Sonntag weihte der Bund deutscher Jugendver- eine hier das alte Schloß, die Westerburg, feierlich als feine Jugendherberge. Die Einwohnerschaft gab durch reiches Beflaggen Der Häuser ihrer Freude an dem Fest Ausdruck. Am Vorabend des Festes fand beim Scheine der Pechfackeln eine Begrüßung im Burggarten statt. Am Sonntag um 10 Uhr war feierlicher Festgottesdienst, in dem in Anwesenheit der Bundesmitglieder und der Vertreter der verschiedensten Behörden der W e i h e a k t mit Überreichung des Burgschlüssels an den Burgvogt im Burghof stattfand. Es waren neben der Bundesleitung erschienen: Im Auftrage des Regierungspräsidenten Oberregierungsrat Reich (Wiesbaden), Landrat Dr. Schieren (Westerburg) im Auftrage des Landeshaupt- mannes und als Vertreter des Kreises Westerburg, Landeskirchenrat B 0 h r i s (Wiesbaden) und Landeskirchenrat Rommershausen (Frankfurt a. M.) als Vertreter der Landeskirche, Pfarrer Fuchs (Westerburg) für das erlauchte Grafenhaus Lei- ningen-Westerburg und die evangelische Kirchengemeinde, sowie Bürgermeister Bittkau für die Stadt Westerburg. Nach dem Weiheakt sprachen Architekt Langemaack aus Hamburg und der Bundesleiter Pastor Donndorf, ebenfalls aus Hamburg. Nachmittags formierten sich die Landesverbände Hessen-Nassau und Rheinland-Westfalen im B. d. I. an der Burg zu einem Festzug, der sich durch die Stadt hinauf zum Sportplatz bewegte, wo der Nachmittag mit Hans-Sachs-Spie- len, Volkstänzen, Wettsingen und dem Absingen von Volksliedern verbracht wurde. Allzu schnell ver- gingen die schönen Stunden. Sicher werden die Buben und Mädels vorn B. d. I. noch lange an den schönen Tag in Westerburg zurückblicken.
Schöffengericht Wetzlar.
Q Einem Filmvertreter aus Herborn war Betrug zur Last gelegt. Der Angeklagte war beschuldigt, eine Firma dadurch zur Hergabe von Waren (Drucksachen) im Werte von 314 Mk. auf Kredit veranlaßt zu hah^i, daß er vorgab, er besitze ein Auto, sowie einen Film als Eigen- tum. Als er nicht bezahlen fomitc, stellte er einen Wechsel aus, der aber nicht eingelöst wurde, so daß die Lieferfirma bis heute noch nicht im Besitze des Geldes ist. Der Angeklagte bestritt jegliche Betrugs absicht. Er will die Ware nur teilweise und diese in schlechter Verfassung erhalten und dafür auch Zahlung geleistet haben. Dos Gericht vermochte keinerlei TatbestcMdsmerkmale des Betrugs zu erblicken und erkannte entsprechend dem Anträge der Staatsanwaltschaft auf k 0 st e n l v s e Freis prechung.
Ein zur Zeit im Gerichtsgefängnis Wetzlar befindlicher Studierender hatte sich wegen Betrugs zu verantworten. Der Angeklsgte erschien eines Tages in einer Wirtschaft in Dillenburg und mietete sich für längere Zeit ein. Er gab an, ohne Geldmittel zu sein, jedoch erwarte er Geld von seinem Vater. Rachd^m er nach einigen Tagen nochmals an die Begleichung der Rechnung erinnert worden war, sagte er schließlich, das Geld sei nach Friedberg überwiesen worden, woselbst er zuvor das Technikum besucht hatte, und er wolle Tleberweisung nach Dillenburg veranlassen. Als dann immer noch kein Geld kam, gebrauchte er schließlich die Ausrede, er habe keinen Ausweis und ohne diesen bekäme er das Geld nicht ausgehändigt. Eines Tages nach dem Mittagessen erklärte er, jetzt wolle er fein Geld holen und dann seine Rechnung für 20 Tage begleichen. Er kam aber nicht wieder, sondern suchte das Weite unter Hinterlassung einer Zechschuld von 250 Mk. Der Angeklagte, der geständig war, wurde einige Zeit später, als er die Reichsgrenze bei Passau ohne Pah überschreiten wollte, verhaftet und später nach Wetzlar überführt. Das Urteil lautete auf 4 Monate Gefängnis.
Amtsgericht Gießen.
Gießen, 6. Sept. Eine Frau W. aus Leihgestern warf einem jungen Mann 3. von dort, der nach ihrer Auffassung ihren Ehemann verspottet hatte, vor, sie hätten die schlechteste Haushaltung im ganzen Dors. Sie nahm heute diese Aeußerung mit Bedauern zurück und zahlte sämtliche Kosten der Privatklage einschließlich des Sonderhonorars des flägeri- schen Vertreters. Der Ehemann W. hatte gegen den I. ebenfalls Privatklage erhoben, weil dieser ihn verhöhnt und mit Schmutz beworsen habe. Da er aber keinerlei Beweis für seine Behauptungen erbringen konnte, mußte er seine Klage zurücknehmen.
Ein junges Mädchen von hier rief einer Rachbarin, mit der es verfeindet ist, zu, es wäre ihm leid, wenn es mit 17 Jahren hätte heiraten müssen. Auch äußerte es, die betr. Rachbarin könne ganz ruhig sein, was tue denn der H. den ganzen Tag bei ihr. Wegen dieser beiden schweren Beleidigungen wurde das Mädchen zu zw eiGcld st rasen von zusammen 80 Mark und zur Tragung der Kosten verurteilt. Eine Privatllage des Mädchens gegen die Rachbarin wird demnächst verhandelt werden.


