Ur. 257 vierter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
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Samstag, 9. Oktober 1926
Wirtfchaft.
Börse und Geldmarkt.
Für die feste Grundstimmung der Börse ist bezeichnend, daß sie ein Ereignis w'e den Streit der Hamburger Hafenarbeiter in der letzten Woche einfach ignorierte, ja die Aktien der großen deutschen Schiffahrtsgesellschaften gerade in den Tagen des Streiks unter Hinweis auf deren Charakter als Freigabepapier und die durch die Zurückziehung amerikanischer Schiffe in der Hamburg—Amerika-Fahrt von uns erzielten Erfolge heraufsetzte. Aber nicht nur die Papiere der transatlantischen Reedereien stiegen: auch die Bereinigte Elbeschiffahrtsgesellschaft konnte einen Gewinn von über 20 Prozent verbuchen. Selbstverständlich war dies nur möglich weil an anderen Marktgebieten seit Mitte der' vergangenen Woche Haussebewegun- g e n im Gange waren, die für die Tendenz der Effektenbörse einfach die Richtung abgaben. Von ihnen wurden die durch aktuelle Ereignisse weniger hervortretenden Werte mitgerissen. Die zweite Hand leistete willige Gefolgschaft, und so kam denn die vorteilhafte Gesamttendenz zustande. Allerdings ist hierbei charakteristisch, daß fast jeweils kurzfristig Gewinnrealisationen erfolgten, die den mehr spekulativen Charakter der umfangreichen Anschaffungen des Publikums und der Spekulation zu dokumentieren scheinen. Reine Anlagewerte blieben und sind noch heute demgegenüber vernachlässigt, zum Teil sogar in einer leicht rückläufigen Kursbewegung. 3m Mittelpunkte standen, wie bekannt, der Dankaktienmarkt und der Markt der heimischen Renten. Als zweite Garnitur der beliebtesten Papiere sind chemische und. O e l w e r t e, sowie Kvlonialpapiere anzuführen.
Die nachstehende Uebersicht veranschaulicht, um eines dieser Gebiete herauszugreifen, wie sich die wichtigsten Großbank-Aktien allein in der Hälfte dieser Woche, vom Montag, 4. Oktober, bis Donnerstag, 7. Oktober, entwickelten:
4. Oft. 7. Oft.
Darmstädter und Rationalbank 226,00 234,00
Berliner Handelsgesellschaft 219,00 232,75
Commerz- und Privatbank 141,00 150,50
Deutsche Bank 167,62 183,75
Disconto-Kommandit 160,75 170,50
Dresdner Dank 141,50 155,00
Den Käufern der Bankaktien schwebten anscheinend die im laufenden Geschäftsjahr bedeutend gestiegenen Gewinnmöglichkeiten der Banken vor, die zum Teil über relativ kleine Eigerckapitalien verfügen und daher die Aussicht auf eine hohe Verzinsung bieten. Aber auch die Versionen, die sich mit angeblichen Verhandlungen über einen Zusammenschluß innerhalb der Großbanken beschäftigten, wollten nicht verstummen. Rach der einen Lesart soll es sich um die geplante Zusammenfassung der Mehrzahl aller großen Institute, nach der anderen um zwei bestimmt genannte Großbanken handeln. Was hieran wahr ist, wird erst die Zukunft ergeben. Die allgemeine Börsenhausse wirkte insofern immer wieder als, Antrieb namentlich für Bankaktien, da ja die Emissionstätigkeit durch die anhaltende Erhöhung des Kursniveaus weiter befruchtet wird. Bei der Deutschen Bank verwies man noch besonders
auf die ehemaligen türkischen Interessen dieses Institutes, die in der Bilanz voll abgeschrieben find und für deren Regelung jetzt anscheinend der Zeitpunkt gekommen ist. Direktor Meißner von der Deutschen Bank verhandelt gegenwärtig in Konstantinopel mit der türkischen Regierung, ohne daß jedoch schon Positives über einen eventuellen Erfolg bekannt geworden wäre.
Zeigt die Aufwärtsbewegung der Bankaktien bereits einen frischen Zug, so haben Kolonialwerte zum Teil noch weit über dieses Maß hinausgehende Kurssprünge zu verzeichnen:
4. Olt. 7. Oft.
Schangtung-Bahn 7,10
Ostafrika-Eisenb. 30,00
Deutsch-Ostafrika 225,75
Reu-Guinea 675,00
9,90 (bis 12)
33,00
260,00
850,00
Die Tabelle zeigt, daß die Börsenspekulation tiefere Gründe für ein Vorwärtstreiben der Kolonialaktien gehabt haben muh. In der Tat liegen diese insofern vor, als bei einer Entscheidung des Haager Schiedsgerichtes im Sinne des deutschen Antrages die aus der Beschlagnahme des deutschen privaten Aus- landeiaentums durch den Versailler Vertrag geschädigten Unternehmungen die Aussicht auf eine Vergütung in der Höhe haben, wie sie von der Reparationskommission anerkannt worden sind. Die auf Grund des Liqui- dationsschadengesehes geleisteten Entschädigungen sind in Inflationsgeld bezahlt worden und größtenteils schon entwertet gewesen, als sie in die Hände der Kolonialdeutschen bzw. -Gesellschaften gelangten. Bei Schantung beispielsweise hatte die damalige Inflationszahlung den Wert, daß man im Falle der Liquidation jedem Aktionär, der vor dem Kriege 1000 bare Goldmark einzahlte, jetzt auf diesen Betrag 2,50 Reichsmark zurückgeben kann. Rach der bisherigen Lage muh somit, etwas deutlicher ausgedrückt, das ehemals deutsche Auslandeigentum als verschenkt bzw. von den Unterzeichnern des Friedensver- vertrages geraubt angesehen werden. Das lag aber zweifellos nicht in ihrem Sinne, da im Ver- failler Vertrag (Artikel 297) ausdrücklich festgelegt wurde, dah das Deutsche Reich den Geschädigten angemessene Barvergütung zu zahlen habe und diese als Reparationsleistung verrechnet wird. Die deutsche Regierung verlangt jetzt eine Anrechnung solcher Zahlungen, die im vollwertigen (Selbe noch zu leisten wären, auf die Dawes-Anuitäten und hat zu diesem Zweck das Haager Schiedsgericht angerufen. Es ist somit also eine bedeutende Kurschance bei den betreffenden Papieren vorhanden, sie hängt aber an einem seidenen Faden: dem Spruch des Haa- ger Gerichtes, der endgültig ist. Die Spekulation
scheint über einen sehr weitgehenden Optimismus zu verfügen.
Am Markt der heimischen Staatsrenten notierten am:
2. Oft. 7.01t.
-5% Reichsanleihe 0,535 0,605 (6. Oft. 0,625) 4° o Reichsanleihe 0,5125 0,600 3,5" o Pr. Kons. 0,515 0.605 4"/0 Tayr. St.-Anl. 0,490 0,620 Schutzgebietsanl. 7,450 8,400
Bei diesen Werten beruhte die Steigerung auf rein stimmungsgemäßen Einflüssen. Die Aufnahme der offiziellen Rotiz für die Ablösungsanleihe beschäftigt bereits die Dörsen- organe und wird noch in diesem Jahr erwartet.
Am Geldmarkt bereitet man sich langsam auf die Wedioabwicklung vor. Eine Erleichterung will nach dem September-Ultimo nicht so recht eintreten. Tagesgeld bedingt immer noch 6 bis 7 Prozent. Die Befürchtungen, die hier und da wegen der Geldversorgung zum Medio auftauchen, erscheinen jedoch übertrieben. Am Privatdiskontmarkt sind die Umsätze gänzlich unbedeutend.
Dörlenkurle.
Frankfurt a.M. Berlin
8. 10. | 9. 10.
8. 10. | 9. 10.
Darum:
0.6025
G 605
0,60
95
17,9
18,25
170,9
170,6:
104.5
77 I
G.
134 1134,25
100
128,25
164,5
ft
[191,25
159.5
114
87.4
101
227'
149.5-
232'
182'
-90,7'
121,25
47
38,5
142
8,4.-,
98
59
3
189
88.9
103
164.25
161
295,75
120
141.9
206
85,75
159,5
159,5
15t
14!
8.45
0.75
0,362
104
139
199,25 |
87.5
82,25
27
47.5
142.25
207.5
86,75
157.5* 102,75
73.5 157.25 166.2- 167.7* 141.2*
152
76
73,5 118.7*
156.5 151,25
170
170,25
120* | 121.5
157,25 159,25
294.62
120
Schlug»! l»Uhr»
Kurs fiui»
I 160 168,75 1160,75
S-blüh-! Anfang Kur» I Uurc
150-
-31* l
182*
160
170,5*
151.75 ,
143,5
8.4
290'
125 51,75 127,75
173
161,5
18,12 ' 46
213
149.5
233
183,25
137,6*
199
85,75
82
73
122
158.5
154
। 143
166.75 163,5
0.61
0.60
0.59
0.80
159* | 103,25
73 1 159,25
167 ;
168 !
143 * 152
77
Holzverkohlung .......
Rütgerswerkc Scheideanstalt........
Allg. ElettrtzttätS-Gesellschal Bergmann ........
Mainkraftwerke ...... Schlickert . . . . Siemens <fc Halske . . • . .
Adlerwerke Kleyer .... Daimler Motoren. .... Hcyligenftacdt . . ..... Meguin. .......
Motorenwerke Mannheim
Franl kurier Armaturen . . Konservenfabrik Braun . . Metallgeselvchast Frankfurt Pet. Union B-G. .... Schuhfabrik Herz......
Sichel.
^cUftorf Waldhof Zuckerfabrik Frankenthal . Zuckerfabrik Waghäusel . .
229
150
233
183,9
Riebeck Montan...... TellnS Bergbau.....
Bereinigte Stahlwerke A. Hamburg.Amerika Paket. Norddeutscher Llovd . . Lheramische Werke Albin Zementwerk Heidelberg . Philipp Holzmann . . .'. Anglo-Cont.-Guano . . . Chemische Mayer Alapin I. G. Farbenindustrie, A. Goldschmidt........
- 143,5
167 I 166,5
165 1162.25
17
45
162,75
97
56
3
190.25 86
101,5
J.5905
0.5907
0.58 1 o.82o5 ; 0,3602 : 0.5307
166.25
164
68,25
135
134
93
5% Deutsche ReichLanletbe • 4% Deutsche Reichsanleihe .
3’/i% Deutsche ReichSanlethe ,3% Deutsche ReichSanlethe .
Deutsche Svarprämicnanleihe 4% Preußische KonsolL ■ • .
4% Hessen 3’/.% Hessen 3% Hessen Deutsche Wertb. Dollar-Anl.
dto- Doll.-Schatz-Anlreiing.*)
*lo Zolltürken 5% Gold Mexikaner • . ■ .
Berliner Handelsgesellschaft. Commerz» and Pnoat-Bank Darmst. und Ncuionalbank .
Deutsche Bank.........
Deutsche Bereinsbank . . . . Discomo Couunandit . . . Metallbank ........
Mitteldeutsche «Kreditbank. . Oestcrreichische Creditanstaft. Weltbank..........
Bochumer Goß ....... BuderuS...... • • . ■
Caro . ...... . . .
Dcutsch-Luremburg Gelsenkirchener Bergwerke. . Harvencr Bergbau Kaliwerke AschcrSlebeu. . . . Kaliwerk Westeregeln.....
Laurahüttc • • « Lbcrbcdarf. ......... Phönix Bergbau .
Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung.
7 Oktbr.
8. Oktbr.
Amtliche Roti.rung
Amtliche Notierung
Geld
Briet
Geld
Briet
Amst.-Rou
167,84
168,26
167,82
168,24
Buen.-AireS
1.704
1,708
1.7u8
1,712
Brst.-Anlw
11,64
11,68
12,64
12,68
Gtiriftiania.
91,82
92,04
91,82
92,04
Kopenhagen
111,36
111,64
111,40
111,68
Stockholm .
112.03
112,32
112,68
112,36
Helsingfors.
10,545
10,585
10,545
10.58i
Italien. . .
16,58
16.62
16.81
16,85
London. .
Neuyork . .
20,352
20,401
20,357
20,407
4,195
4,205
4,195
4,205
Paris....
12,08
12,12
12,10
12,14
Schweiz . .
80,98
61.18
80,99
81,19
Spanien. .
62,52
62,68
62,89
63,05
Japan . . . Rio de Jan. Wien in D--
2,032
2.0.-.6
2,030
2,040
0.583
0.579
0.581
0,581
£eft. abfleft.
59,20
59,34
59,21
59,35
Prag ....
12,415
12,455
12,42
12,46
Belgrad . .
7.413
7,433
7,415
7,4 5
Budapest. .
5.87
6,89
6,872
5,892
Bulgarien .
3,025
3,035
u,ü25
21,475
3,035
Lissabon
21.475
41,525
21,525
Danna. . . Konstantin.
81.35
81.55
81,39
81,59
2,185
2,195
2,185
2,195
Silben.
5,09
5,11
5,24
5,26
Canada. . .
4,197
4,207
4,197
4,207
Urugua» . .
4.205
4.215
4.205
4.215
* Sie Bauvorhaben im September. 3m Bautennachweis der „Bauwelt" wurden im September 4260 Wohnhäuser und 1142 sonstige Bauten (Kirchen, Schulen, Krankenhäuser, Fabrikgebäude, Verwaltungsgebäude, Garagen, Brücken usw.) gemeldet, gegenüber 3285 Wohnhäusern und 559 sonstigen Bauten im August 1926. Danach weisen die Baumeldungen im Vergleich zum Vormonat eine Zunahme von etwa 30 v. H. auf. — Im September 1925 wurden 2997 Wohnhäuser und 1235 sonstige Bauten veröffentlicht.
frankfurter Börse.
Frankfurt, 9. Oft. Tendenz befestigt. — Die Börse eröffnete zum Wochenschluß ziemlich fest infolge besserer Beurteilung der inner- politischen Lage. Lebhaftes Geschäft konnte sich aber nur in einigen Spezialwerten entwickeln.
Mit Rücksicht auf den bevorstehenden Mediotermin beobachtete die Spekulation eine gewisse Zurückhal- tung. Ueberwiegend konnte sich das Kursniveau unter Berücksichtigung der bereits am Vorabend er» zielten Besserungen um etwa 1 Prozent heben. Andererseits stellten sich aber auch Rückgänge ein für Papiere, die realisiert wurden. Die Tendenzbildung wurde durch die scharfe Aufwärtsbewegung für I. G. Farben, die bis auf 297 blieben vernachlässigt und wurden nicht beeinflußt. Schon frühzeitig wurden in diesen Aktien größere Umsätze getätigt. Die anderen Werte dieser Gruppe blieben vernachlässigt und wurden nicht beeinflutß. Goldschmidt minus 1 Prozent. Gute Meinung bestand ferner für Montanwerte. Buderus plus 0,5, Deutsch-Lux und Gelsenkirchen plus 0,75, Mannesmann plus 2, Mansfelder plus 2,25, Phönix plus 1,25, Rheinische Braunkohlen plus 2 Prozent. Dagegen mußten Laurahütte von ihrem gestrigen Gewinn 1,75 Proz. hergeben. Die stürmische Aufwärtsbewegung am Eie k t r o m a r k t c machte einer ruhigeren Auffassung Platz. Berg- mann setzten etwas niedriger ein; AEG. nur mäßig höher. Stark gesteigert waren nur Felten plus 3,5 Proz. und Siemens plus 1,75 Proz. Am Banke n m a r k t standen Deutsche an der Spitze bei einem Gewinn von 2 Proz., Berliner Handel plus 2 Prozent, Darmstädter gaben 0,75 Prozent nach. Höher wurden Dresdner plus 1 Prozent, Reichsbank plus 1,5 Prozent. Diskonto gehalten. Schiffahrtsaktien lagen unverändert. Don Moto re nwerten gaben Kleyer 1 Prozent nach, während Hansa-Lloyd 2 Prozent fester lagen. 0 e l a f t i e n befestigt. Deutsche Erdöl plus 2,5 Prozent, Rütgerswerke plus 1 Prozent. Von Zellstoffaktien zogen Aschaffenburger 1 Prozent an. Bauaktien schwächer. Auch Zuckeraktien neigten zum Nachgeben. Badischer und Heilbronn je minus 1 Prozent. Frankenthal konnte fick) dagegen befestigen (plus 1,37 Prozent). Deut- s ch e Renten vermochten ihre feste Haltung zu behaupten. Kriegsanleihe 0,605, Schutzgebiet 9,25. Das Geschäft in ausländischen Renten beschränkte sich in der Hauptsache auf die Umsatztätig- feit in Russen, die fest blieben. Türken lagen niedriger. Im weiteren Verlaufe konnte sich trotz der eingetretenen Schwankungen die fefte Grund- st immung behqupten. Das Geschäft erstreckte sich jedoch fast nur auf I.-G.- Farben, während der Verkehr in den übrigen Werten große Lustlosigkeit zeigte. Für Siemens verstärkte sich die Nachfrage infolge einer noch unbestätigten Meldung, daß dieses Unternehmen einen Auftrag zur Automatisierung des Pariser Telephonnetzes erhalten haben soll. Im Fr ei ver kehr, der zunächst ohne Umsätze war, blieben die Kurse gehalten. Der Geldmarkt steht weiter im Zeichen von Angebot. Tagesgeld dürfte sich auf 4 bis 5 Prozent stellen. Monatsgeld leicht erhältlich 5,5 bis 7,5 Prozent. Prioatdiskont 4,75 Prozent. Jn- dustrieakzepte 5,25 Prozent. Im Devifenver- k e h r lagen die westlichen Frankenvaluten fest. Paris gegen London 168,50, Brüssel 175. Mailand war gegen das Pfund gut befestigt auf 122,25. Das englische Pfund stellte sich gegen Kabel auf 4,854. Die Reichsmark wurde gegen Kabel mit 4,20 gehandelt.
Berliner Börse.
Berlin, 9. Okt. Die letzte Börse dieser Woche entschädigte die Spekulation für die Unsicherheit und Nervosität, in der die letzten Börsentage verliefen. Die Flüssigkeit des offenen Geldmarktes und die Lösung der innerpolitischen Krise veranlaßten in Montanaktien und anderen Aktienwerten stärkere Deckungskäufe, so daß diese Papiere mit Befferungen von 1 bis 2 Prozent und vereinzelt noch darüber eröffneten. Die Höherbewegung der Elektroaktien nahm ihren Fortgang. Die Verhandlungen der deutschen Industrieführer in England, die sich auf die Zusammenarbeit in wichtigen Industriezweigen, namentlich auch in der F a r b e n i n duft r i e , erstrecken, lenkten die Aufmerksamkeit auf I.-G.- Farben und die damit in Verbindung stehenden Werte. Don der Befestigung der Farben- und Montanaktien profitierten wieder Delmerte. Die Bewegung übertrug sich schließlich auf den ganzen Effektenmarkt, der in fester Haltung einfetzte. Heimische Staatsrenten tendierten gleichfalls hoher. Kriegsanleihe 0,61. Von ausländischen Renten, die ruhiges Geßchäft hatten, tendierten Anatolier und Türken fester. Am Geldmarkt bestand Angebot. Tagesgeld, das reichlich verfügbar war, ermäßigte sich auf 5 bis 6,5 Prozent, Monatsgeld 5,75 bis 7 Prozent. Im Devifenoerkehr war Mailand gegen London gut befestigt auf 122, Paris und Brüssel kaum verändert.
Rundfunk-Programm.
Sonntag, 10. Oktober.
8.30 bis 9.30 Uhr: Morgenfeier, veranstaltet von der Matthäusgemeinde Frankfurt a. M.
11.30 bis 12.00 Ahr: Elternstunde. „Ich habe keine Zeit, mich mit meinen Kindern zu beschäftigen." Vortrag von Rektor K. Vdehrhan. 12 bis 1 Uhr: Vormittagskonzert, veranstaltet vom Quartett des Schulerschen Männerchors.
4 bis 5 ilbr: Stunde der Jugend. 5 bis 6 -ilbr: Konzert des Hausorchesters. Die Oper der Woch- 6 bis 7 Uhr. „Alfons Paquet'. Vortrag und Vorlesung aus seinen Werken von Dr. Herbert Kranz. 8.30 bis 9.30 Uhr: Eine heitere Stunde (Vortrag eigener Dichtungen von Theodor Thomas). 9.30 bis 10.30 Uhr: Lieder- Abend. Anschließend bis 12 Uhr: Übertragung von Berlin: Tanzmusik.
Montag, 11. Oktober.
3.30 bis 4 Uhr: Die Stunde der Jugend. 4.30 bis 5.45 Uhr: Konzert des Hausorchesters: Giuseppe Verdi. 5.45 bis 6.05 Uhr: Die Lesestunde. 6.15 bis 6.45 Uhr: „Fichte: Antoeifung zum seligen Leben". Vortrag von Pfarrer Taes- ler. 6,45 bis 7.15 Uhr: Doamtenfortbildungs- kursus „Der neueste Stand der Reparationsfrage", Vortrag von Dr. Fritz Reumark. 7.30 Uhr: Übertragung aus dem großen Saal des Saalbaues: Erstes Montagskonzert des Frankfurter Orchestervereins.
Kirchliche Nachrichten.
Evangelische Gemeinden.
Sonntag, den 10. Oktober. 19. n. Trinitatis. Erntedankfest.
Gießen. Sladtkrrche. 9'/,: Pfr. Mahr. 11: Kinderkirche f. d. Matthausg. Pfr. Mahr. 6: Psarr- afsist. Hertel. - Johanneskirche. 9l/,: Psr.Bechtols- heimer. 11: Kinderkirche für die Lukasgemeinde. Pfr. Bechtolsheimer. 6: Pfarrer Müller. Beichte u. heil. Abendmahl f. Lukas- u. Iohannesgemeinde. — Kirchberg. 10; 11: Kircheinweihung. Festkollekte f. d. Kirche. Rachm. I1/,: Kirchberg. (Kollekte). — Sich. 9' 3 Stiftsdechant Lenz. - V.l Kindergottesdienst. — 2 Stiftspfarrer Schorlemmer. — Wieseck. 9'/,. -e Watzenborn - Garbenteich. Watzendorn- Steinberg: abends 7 Beichte, anfchl. Gottesdienst und heil. Abendmahl der älteren Verheirateten. (Kollekte). Garbenteich: 1.
Katholische Gemeinden.
Gießen. Samstag, 9. Oktober. 4’ /, u. 7 Beichte. Sonntag, 10. Oktober. 20. Sonntag nach Pfingsten. 6'/, Beichte, 7 Messe, Korn. d. Jünglinge, 8 Korn., 9 Hochamt mit Predigt, 11 Meße mit Predigt, 5'/3 Christenl. u. Andacht. An den Werktagen ist abends 8 Rosenkranzandacht mit Segen. — Grünberg. 9‘ Meße mit Predigt. — Hungen. 9'/, Hochamt mit Predigt. - Lich. 71/, Messe mit Predigt.
Eingesandt.
(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Leise Anfrage an das Gießener Finanzamt.
Könnte der Betrieb bei der Finanz- taffe Gießen nicht so gestaltet werden, daß man beim Steuersatz len nicht stunden- lang zu warten hat? Der gegenwärtige Zustand erinnert doch stark an die Zeiten der schlimmsten Inflation und dürste der Kasse einer Provinzialhauptstadt wenig würdig sein. Könnte bei starkem Andrang nicht ein zweiter Schalter geöffnet sein, wenigstens für die, die auf mehrere Zettel zu zahlen haben? Wie oft sttmmt die Summe der Beträge mit dem Geld nicht überein, es muh zwei-, dreimal gezählt werden. Oder könnte Gin- und Auszahlung nicht getrennt fein, dann wäre auch der Anschein verhütet, als würden später Gekommene eher abgefertigt als früher Erschienene. Ich bin überzeugt, hier im Sinne aller derer zu sprechen, die gestern mit mir einer Geduldsprobe im Stehen und Warten unterworferr waren.
Einer, dem das Steuerzahlen auch so schon keine Freude macht.
Letzte Nachrichten.
Die Neubesetzung leitender preußischer Stellen.
Berlin, 9.Okt. (TU. Drahtber.) Im Preußischen Landtag fand heute eine Mini- stenalsitzung statt, in der die Ernennung des Ministerialdirektors A b e g g zum Staatssekretär beschlossen wurde. An feine Stelle tritt Ministerialdirektor Dr. Schleusner, der bisher dem Wohlfahrtsminifterium angehörte. Nachfolger des früheren Berliner Polizeipräsidenten Grze- f i n f k i wird der bisherige Polizeipräsident in Köln, Zörgiebel, an dessen Stelle tritt Ministerialdirektor B a u k n e ch t vom Ministerium des Innern.
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