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Dr. Marx, die Reichsminister Dr. Külz, Dr. S t i n g I, die Vertreter des Reichsfinanzministers, des Reichsarbeitsministers, des Reichswebrmini- sters, den Staatssekretär in der Reichskanzlei Dr. P ü n d e r, ferner den preußischen Ministerpräsi­denten Braun, die preußischen Minister Höp - ker - Aschoff und H i r t s i e f e r. Hierauf führte

Reichskanzler Dr. Marx

u. a. aus, selten sei er der Einladung zur Kon­stituierung einer neuen Organisation so freudig ge­folgt, wie am heutigen Tage. Der deutsche Volks­staat habe mit der Neugründung des Deutschen Be- amtenbundes wieder einen bedeutsamen Schritt vor­wärts getan zu seiner Festigung und seiner Stärke. Die Reichsregierung habe allen Anlaß, denen, die zu dieser bedeutungsvollen Staatsaktion beigetragen haben, herzlichen Dank auszusprechen. Er verhandle lieber mit einer Stelle, als mit zwölf Stellen, von denen jede die andere zu übertrumpfen suche. Bei dem gesunden Sinn der deutschen Beamtenschaft sei er überzeugt, daß alle gefaßten und noch zu fassen­den Beschlüsse im Sinne des ganzen deutschen Volkes liegen werden. Der Reichskanzler begrüßte es be­sonders, daß der neue Bund seine Interessen über­parteilich darstelle. Das politisch neutrale sei im Sinne eines hohen Ideals aufzufassen, welches Großes für das-Wohl des Staates und des Volkes erstrebe. Wenn dies geschehe, dann werden auch die Irrtümer und Gegensätze aufhören.

Einheit des Reiches, Wohlfahrt der Länder und Wohlfahrt des gesamten deutschen Volkes, das fei das mit dem Begriffpolitisch neutral" ZN bezeichnen.

Es dürfe für den deutschen Deamtenbund keine Frage der Staats form mehr geben. Die Verfassung sei da und sie zu schützen und zu elften sei die Hauptpflicht des Beamten- standes. Das Deamtenwesen und das Dsamten- tum habe in den schlimmsten Zeiten des Vater­landes den Gang der ruhigen Entwicklung er­möglicht. Das (Beamtentum wäre geradezu z u Rettern des Vaterlandes geworden. Jetzt müsse an der Verfassung festgehalten werden. Sie müsse geachtet und geehrt werden. Wenn auu) die Republik gefestigt dastehe, es fehle ihr doch vielfach die Ächtung, die sie gu beanspruchen habe. Was man sich in dieser Beziehung in ein­zelnen Kreisen gestatte, sei in England und Ame­rika unmöglich. Die Verfassung sei die Grundlage unseres ferneren Aufbaues, die Grund­lage unseres gesamten Wohles. 3eb;r Beamte Hobe die Pflicht, unerschütterlich fest und mit aller Ehrerbietung auf dem Boden der Verfassung zu stehen. Der Kanzler schloß seine mit minuten­langem Beifall auf genommene Rede mit herz­lichen Glückwünschen für die Vereinigung.

Ministerpräs denk Braun beglückwünschte sodann in einer Rede den Bund zu seiner Tagung und unterstrich die Aussühr'.mgen des Reichs­kanzlers. Die gesamte Beamtenschaft mühte zu einem wichtigen Bestandteil des Volkes werden, nur durch die Einheit von Beamten­schaft und Volk könnten wir zu Höchst­leistungen gelangen. Es sprachen sodann noch Vertreter des Reichstages, des Preußischen Land­tages, der ostpreuß'schen und Danziger Beamten und der Beamtenschaft der besetzten Gebiete.

Annahme des Hohenzoüern- vergleichs im Staatsrat.

Berlin, 8. Oft. (DDZ.) Der preußische Staatsrat beschäftigte sich mit dem Entwurf eines Gesetzes über die Vermögensauseinandersetzung zwischen dem preuhischen Staat und den Mit­gliedern des vormals regierenden preußischen Königshauses. Der Ausschuß hatte sich, wie der Berichterstatter mitteilt, davon überzeugt, daß die Verträge für den preußischen Staat nicht nur nicht unvorteilhaft sind, sondern daß sie eine Rotwendigkeit sind, und daß damit dieser Streit, der das preußische und das deutsche Volk seit Jahren zerreibt, nunmehr endgültig be­seitigt wird. Der Ausschuß schlägt daher in seiner Mehrheit vor, Einwendungen nicht zu er­heben und den kommunistischen Äntrag auf ent­schädigungslose Enteignung abzulehnen. Abg. Dr. ;M e e r f e l d t (S.) bedauert, daß die preußische 'Regierung auf eine so ungemein schnelle Erledi­gung der Vorlage drängte. Die Sozialdemokraten seien trotzdem gewillt, der geschäftsordnungsmäßi- rgen Behandlung der Vorlage keine Schwierigkei­ten in den Weg zu stellen. Der Entwurf selbst befriedigt nicht. Die Sozialdemokraten lehnten daher die Vorlage ab. Abg. Dr. Meyer lKomm.) lehnte ebenfalls die Vorlage ab. Frei­herr v. Gahl (a. G.) gibt die Erklärung ab, daß seine Freunde der Vorlage zu st i m m e n werden.

Gießener Stadttheater.

Ein Walzertraum".

Die erste Operette der Winterspielzeit Walzertraum"' man muh sich besinnen, wann man das zum erstenmal gehört hat.....Leise,

ganz leise zieht's durch den Raum, zärtliche Weise, Walzertraum . . ., die unendlich oft ge­spielte, vielleicht populärste Melodie, die Oskar Strauß geschrieben hat.

3n diesem Dreivierteltakt, der musikalisch die ganze Operette bestimmt, vom Vorspiel bis zum letzten Vorhang immer wiederkehrend, beruht der Erfolg. Wenn man diesen einen Melodieeinsall wegnähme. bliebe nichts als das Pikkolo-Duett lünd... ein fades und heikles Libretto von Felix D ö r m a n n und Leopold Jacobson übrig, die ihrerseits Hans Müllers, des Wie­ner Dramatikers,Buch der Abenteuer" (Ro-> vellensammlung, 1905) als Vorlage benutzten. (Zwischen der Müllerschen Dramatik, wie man sie in den letzten Jahren erleben konnte, und etwa dem Mittelakt und der Schlußszene dieser Operette scheinen geheiirnnsvolle Zusammenhänge zu walten.)

Der Wiener Walzer aber ist einfach nicht umzubringen. Man hat ihm oft genug den end­gültigen Untergang prophezeit. Er lebt aber seltsamerweise, denn dieser Rhythmus ist wahr­haftig nicht der innere Takt unserer Tage immer noch, beherrscht siegreich das Feld, es fbringen Funken über aus der prickelnden Weise. Dies und gewisse stoffliche Motive rechtfertigen die Auferstehung und erklären die Wirkung.

Zur Sache selbst braucht man wohl nur die nötigsten Stichworte zu repetieren. Erster Akt: Fürstentum Flausenthurn feiert die Vermählung der Prinzeß Helene. Prrirzgemahl ist Riki, ein simpler Wiener Leutnant tapfer san mev net, aber fesch namens Riki. Bei der großen Cour gehts noch eben gut, aber dann kommt der Krach. Riki will nicht: ihm paßt das alles nicht, er erklärt, mit schlichten Worten, seine Unfähigkeit. Reiht vor der Hochzeitsnacht mit

Die Vorlage wird darauf gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten angenom­men.

Aus dem auszugsweise schon veröffentlich­ten Dergleichsvorschlag ist noch nachzutragen, daß ein Mantelgesetz eingehende Bestimmungen über die Versorgung der früheren Hosbeamten trifft. Ucber den etwaigen Wohnsitz für Wilhelm II. heißt es: Der Staat stellt dem vormals regierenden König Wilhelm II. auf etwaigen Wunsch Schloß und Park zu Homburg v. d. H. als Wohnsitz für ihn und seine Gemahlin auf Lebenszeit zur Ver­fügung. Der Staat stellt dem vormaligen Kron­prinzen und seiner Gemahlin sowie chren Kindern und Enlelfindern auf Lebenszeit den im Reuen Garten bei Potsdam gelegenen - cilienhof als Wohnsitz zur Verfügung.

Deutsche Volkspartei und Große Koalition in Preußen.

Berlin, 9. Oft. DerTäglichen Rund­schau" zufolge ist die Bereitschaft der preußischen Landtagsfraktrvn der Deutschen Volkspartei zu Bespre­chungen über eine Regierungser- tociterung in Preußen dem Zentrum und dem Ministerpräsidenten Braun nut geteilt worden. Die Mitteilung an das Zentrum ist er­folgt, weil von der Zentrumsfraktion die An­regung zu der bekannten Vorbesprechung zwi­schen den Abgeordneten Dr. Heß und Dr. Leidig ausgegangen ist. In der Fraktion der Deutschen Volkspartei ist diesmal mit beson­derem Rachdruck von allen Seiten hervorgehoben worden, daß die Deutsche Volkspartei bei einem etwaigen Eintritt in Verhandlungen auch dar­aus bedacht fein müsse, diejenigen Kautelerv zu fordern und durchzusehen, die ihr einen ihrer Stärke entsprechenden Einfluß innerhalb der Regierung sichern. Rur dann kann sie auch die Verantwortung übernehmen.

Preußischer Landtag.

WSN. Berlin, 8. Oft. In der Freitagssitzung des Preußischen Landtags entspinnt sich eine längere Debatte über das Erwerbslosenproblem. Fast sämtliche Redner sind der Ansicht, daß der Er- werbswsigkeit nur durch Arbeitsbesch ass- fung Abhilfe gebracht werden könne. Von den So­zialdemokraten wird der Gedanke einer Arbeits­dienstpflicht abgelehnt. Schließlich kommt noch die Frage der Stillegung der ZecheVereinigte Mar­garethe" zur Sprache. Aber auch hier konnte man zu einem Beschluß nicht kommen. Das Haus ver­tagte sich auf Samstag. Für Montag ist die Be­ratung der Hohenzollernabfindung vorgesehen. Germersheim im Auswärtigen

Neichstagscmrfchuß.

Berlin, 8. Okt. Im Auswärtigen Ausschuß des Reichstages wurden unter dem Vorsitz des Abg. H e r g t (Sn.) die Fülle Germersheim im Zusam­menhang mit den übrigen Zwischenfällen der jüng­sten Zeit in den besetzten Gebieten verhandelt. Reichsminister für die besetzten Gebiete Dr. Bell gab eine ausführliche Darstellung der Vorgeschichte und des Tatbestandes der Fälle in Germersheim. Rach längerer Aussprache stellte der Vorsitzende fest, daß mit Ausnahme der kommunistischen Mitglie­der der Ausschuß in Uebereinstimmung mit dem Reichsminister für die besetzten Gebiete Dr. Bell der Auffassung sei, daß die vorliegenden tief be­dauerlichen Einzelfälle von deutscher Seite m i t aller Beschleunigung und unter nach­drücklicher Wahrung deutscher Inter­essen geklärt und weiter verfolgt wer­den müßten, und daß diese sich immer mehr häufen­den Fälle in ihrer Gesamtheit nur als praktischer Beweis für d i e Unmöglichkeit einer wei­teren Fortdauer der Besatzung zu wer­ten sei.

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chavas meldet aus Landau: Der französische Leutnant Rouzier, der am 27. September in Germersheim, da er sich im Zustand der Not­wehr glaubte, von feinem Revolver Gebrauch machte, hat zu seinem Verteidiger, den Pariser Rechtsanwalt Jacques M o u r i e r gewählt, der ihn vor dem Kriegsgericht in Landau verteidigen wird, wo die Angelegenheit untersucht wird. In gewissen politischen Kreisen in Paris ist das Gerücht ver­breitet, daß die Untersuchung des französischen Mili­tärgerichts über die Vorfälle in Germersheim die Feststellung ergeben habe, daß das Auftreten des Leutnants Rouzier in gewisser Beziehung als pro­vozierend bezeichnet werden müsse.

einem Kameraden aus, auf Abenteuer. Priiv- zehchen bleibt traurig allein. Die Dynastie wird's nicht überleben. (Don psychologischen Bruchstellen soll hier nicht die Rede fein; in Operetten ist, grundsätzlich, alles möglich)

Akt zwei: das Heimweh treibt den Riki einer Wiener Geigerin in die Arme. Er verliebt sich, sie auch. Aber das Glück ist kurz. Man er­wischt sie beide, reißt sie auseinander, holt ihn zurück. Die Geigerin Franzi bleibt schluchzend im Garten liegen, And die Damenkapelle über­tönt diesen Abschied mit singenden Geigen... Leise, ganz leise klingt's durch den Raum... So grelle Wirkungen kennt man aus den Stücken Hans Müllers gut genug. And sie sind un­erschöpflich.

Akt drei: das Försterchristei-Ende. Die Franzi hat dem Prinzeßchen die Geigentöne beigebracht, denen der Riki nicht widerstehen kann. Das ist die Stelle, wo er sterblich ist: dieweil er, hin und hergeworfen von schwanken­den Gefühlen, einsam dafitzt, hört er's auf ein­mal wieder ...leise, ganz leise ..And dies­mal war's das Prinzeßchen. Jetzt ist es um ihn geschehn, und da liegen sie sich in den Ar­men. Aber im Hintergrund, schluchzend, die Franzi. And spielt dazu ... zärtliche Weise, Walzertraum ... Die Dynastie ist gerettet. (Wie­der fällt einem ein:mit Benutzung einer Ro- velle aus Hans Müllers Buch der Abenteuer".)

Die Ausführung, unter Steinbreche r, war sehr wirksam; schmissig und flott. Besonders der erste Akt kam sauber und flüssig heraus. Die gevagte Situa.ion h ec und die rühr'e i*en Effekte später sind, da sie im Stil des Ganzen tief begründet liegen, kaum zu überbrücken. Das Or­chester, unter Kapellmeister Reff, brachte den österreichisch weichen und leichten Charakter der Partitur mit Schmelz und Akkuratesse gut Geltung.

Aus der Besetzung möchten wir an erster Stelle Inge van Heer (a. G. aus München) nennen: ein apartes, elegantes Figürchen; ein schöner, tragfähiger Sopran, natürlich, unver­braucht und sehr biegsam; auch darstellerisch eine rassige Leistung. Else Simon, als Franzi, war

Die deutschenIndustriellen in England.

London, 8. Okt. (Wolff.) Am Samstag findet in Ramsey bei Southampton im Hause des Trans­portministers Ashley die für zwei Tage festgesetzte Zusammenkunft zwischen deutschen und englischen Wirtschaftsführern statt. Die Initiative zu dieser Zusammenkunft ging von englischen Wirtschaftssüh- rern aus, die auch den vollkommen pri­vaten und inoffiziellen Charakter der Besprechung betonten und darauf hinwiesen, daß es sich um einen Meinungsaustausch über die Möglich­keit einer Zusammenarbeit d e r Indu­strien und Banken beider Länder hinsichtlich der eigenen wie der fremden Mächte, der Regelung von Lohnfragen usw. handle. Den Vorsitz wird der ehemalige Schatzkanzler Sir Robert H o r n e führen. Der deutschen Delegation sollen angehören: Dr. W a s s e r m a n'n von der Deutschen Bank, Dr. Cuno von der finpag, Dr. Silverberg vom Reichsoerband der deutschen Industrie, Geheimrat D u i s b e r g von der J.-G. Farbenindustrie und Dr. Sorge von den Krupvwcrken. Die englische Wirtschaft soll vertreten sein ourch Sir Mac Mus­st r a 11, Präsident der Vereinigung der britischen Industrie, Evan Williams, Präsident des Berg- werksbesitzeroerbandes, Sir Hugo H i r ft, General­direktor der Gen. Electric Company, Sir Thomas R o y d e n von der Cunard-Line, Colonel Vernon W i l l e y, der zur Textilindustrie Beziehungen hat, und Direktor der Lloyds-Bank ist, und Sir Goode- n o u g h , Präsident der Barclays Bank.

öir Robert Horne erklärte einem Ver­treter berDaily Rews", daß es sich bei den deutsch-englischen wirtschaftlichen Besprechungen um eine Erörterung handele, von der das Publv- fum keine sofortigen Ergebnisse er­warten sollte. Politische Fragen seien nicht da­hinter zu suchen. Das Mitglied der deutschen Wirtschaftsdelegation, Generalkonsul Carl von Weinberg erllärte, der Hauptgrund für die Zusammenkunft beider Länder sei die Schaf­fung von Vertrauen. Wenn nicht die Euro­päer in der Lage seien, Vertrauen auf gegen­seitige Aufrichtigkeit und Fähigkeit zu' haben und kommerziell zuscunmenzuarbeiten, so werde Amerika ihnen alles aus der Hand nehmen. Der Friede und das Wiederaufleben der Wohlfahrt Europas liege in sehr großem Maße in Händen Englands und Deutschlands. Beide Länder verständen sich wahrscheinlich bes­ser als die meisten anderen Rationen Europas, weil sie gemeinsamere Interessen und Ziele hätten.

Der Konflikt in der russischen kommunistischen Partei.

Moskau, 9. Okt. (WTD. Funkspruch.) Das politische Bu reau des Zentralkomitees der kommunistischen Partei der Sowjet-Anion stellte die Tatsache einer Verletzung der Partei­disziplin durch die bedeutendsten Vertreter der Opposition fest und beschloß die Frage einer Auferlegung von entsprechenden Partei­strafen gegen Trotzki, Sinowjew und P a t a k o w, der nächsten Vollversammlung des Zentralkomitees und der Zentralkontrollkvmmission zu unterbreiten. Zn seiner Entschließung hebt das politische Bureau mit besonderer Genugtuung den außerordentlich einmütigen Widerstand hervor, den die Leningrader Arbeiter Sinowjew entgegengesetzt haben. Großes Aufsehen hat hier gestern das plötzlich entstandene Gerücht hervorgerufen, daß Bucharin zu der Oppo­sition übergetreten sei. Bekanntlich war Bucharin eine der stärksten Stützen Stalins und sozusagen der Sprecher der gegenwärtigen Partei­leitung. Run soll Ducharm seine Ansicht ge­ändert haben. Dies kann zur Stunde zwar noch nicht fest behauptet werden, doch ist es unzweifel- 6oft, bah Bucharin sich gestern an Trotzki und Sinowjew gewandt und den Versuch gemacht hat, sich mit ihnen zu verständigen. Wenn es tatsächlich zutrifft, daß Bucharin Stalin end­gültig den Rücken kehrt, so würde dies der stärkste Schlag für das Zentralkomttee und Stalin sein.

Polnische Protestnote zur Wilnafrage.

Warschau, 8. Ott. (TA.) Der Korrespon­dent der Telunion erfährt von gut unterrichteter Seite, daß das polnische Außenministerium die Absicht hat, eine Protestnote gegen die Stel­lungnahme des russisch-litauischen Der-

leider indisponiert uiu) mußte mit halber Stimme singen, hielt aber tapfer durch und gefiel be­sonders im Mittelakt durch Temperament und wienerisches Gemüt. Sehr hübsch, wie immer in solchen Rollen, Alois Resni (Frankfurt, a.G.); er gab den vertrottelten Duodezfürsten mit ange­nehmer Reserve und trockenem Humor. Franz Sauer a. G. enttäuschte; sein Graf Lothar war eine mehr als billige Witzblatt-Figur mit hohen und höchsten Fisteltönen; man kann dergleichen auch anders spielen. Steinb recher gab liebenswürdig, urwüchsig, auch stimmlich sehr frisch, den armen Riki. Reben ihm: Kurt H ampe, fescher, lustiger Kamerad, ein richtiger K. u. K. Operettenleutnant. In letzter Stunde war Frau Hemme-Weyer (Wiesbaden, a. G.) einge- sprungen; sie spielte die seriöse Oberkammer­frau von Insterburg darstellerisch und gesanglich mit geschmeidiger Einfühlung ins Ensemble.

Der Beifall war, besonders nach dem zweiten Akt, sehr freundlich; auch gab es verschiedene schöne Blumensträuße. Dr. Th.

Brief aus Rom.

Von Gerd Kauter.

Ihre etwas naive Frage, lieber Freund, was in Rom mir den stärksten Eindruck gemacht habe, ist nicht ganz leicht zu beantworten.

Fasse ich sie wörtlich und sage Ihnen den tiefften aller Eindrücke ungeachtet ihrer Der> schiedenartigkeit, so werden Sie über meine Ant­wort lächeln. Deshalb will ich sie auch zurückstellen.

Läßt man sich durch diese saubere und liebens­würdige Stadt treiben, so stößt jeder Schritt auf Bau- und Kunstwerke von Weltruf.

Im einzelnen wirken diese Weltwunder ein wenig in der Weise auf mich, die ich für mich Pittisch" nenne. Sie kennen den RomanPitt und Fox" wahrscheinlich gut genug, um mich zu verstehen. Ich meine die kühle, man würde heute sagenschizoide", Art des Pitt, von den Dingen nicht überwältigt zu werden, sondern etwa zu denken: Vielleicht werde ich dies in einigen Jahren für den bedeutendsten Eindruck meines Lebens halten.

träges zur Wilnafrage der Botschafter» konferenz zu überreichen. Die polnische Re­gierung ist der Ansicht, daß die Botschafterkon­serenz die einzige dafür zuständige Stelle ist. da Wilna laut Beschluß der Dotschafterkonferenz vom Jahre 1923 Polen zugespro chen wor­den sei.

Notstandsmaßnahmen in Hessen

Darmstadt, 8. Ott. Der Präsident der Reichsarbeitsverwaltung hatmit- geteilt, daß er für das Rechnungsjahr 1926 aus Mitteln der produktiven Sr- werbslosenfürsorge zur Durchführung von Rotstandsmahnahmen im Rahmen des von der Reichsregierung aufgeftellten Ar- beitsbeschafsungsprogramms einen weiteren Be­trag von 1 650 000 Reichsmark für Hessen unter der Voraussetzung zur Verfügung hält, daß das Land den gleichen Betrag aus Landes- mitteln bereit stellt. Er ersucht um möglichst bal­dige Bestätigung, daß in Hohe des vorstehen­den weiteren Reichskontingents auch weitere Lan­desmittel verfügbar gehalten sind. Am im Be­darfsfälle das Reick^kontingent für 1926 voll in Anspruch nehmen zu können, ersucht daher der Minister für Arbeit und Wirtschaft im Einverständnis mit dem Minister der Finanzen, einen Beschluß des Finanz ausschus- s e s des Landtags herbeizuführen, der ihn er­mächtigt, der Reichsarbeitsverwaltung gegenüber zu erklären, daß das Land Hessen für Maß­nahmen der produktiven Erwerbslosenfürsorge be­reit ist, für das Rechnungsjahr einen weiteren Betrag von 1650 000 Reichsmark vor­zusehen. Damit beträgt das hessische Gesamt- kontingent für 1926 4 350 000 Reichsmark.

Aus aller Welt.

Das erste deutsche Flugzeug im besetzten Gebiet.

Rachdem bisher der Einflug deutscher Flug­zeuge in das besetzte Gebiet verboten war, ist den Raab-Katzenstein Flugzeugwerken in Kassel von der interalliierten Rheinlandkommission vor einigen Tagen die Genehmigung erteilt worden, mit dem SportflugzeugSchwalbe" auf der Opelrennbahn in Rüsselsheim zu lan­den. Die Desahungsbehörden konttollierten zwar das Flugzeug, bewiesen aber im übrigen Entge­genkommen. Das landende Flugzeug unter dem Führer Raab wurde vom Prinzen Heinrich von Preußen und dem Grohherzog von Hessen, die beide zufällig in Rüsselsheim an­wesend waren, in Empfang genommen.

Uebungsreife des LinienschiffsHannover".

Das LinienschiffHannover" wird am 11. Okt. eine zweimonatige Uebungsreife antreten, in deren Verlauf verschiedene Häsen auf Madeira, den Cap Verdischen Inseln, den Kanari­schen Inseln und in Spanien angelaufen werden. Am Ende der Reise findet ein siebentägiger Besuch von Amsterdam als Erwiderung des diesjährigen Besuches der holländischen Flotte in Kiel statt.

Der Mordprozeh Böhme.

Dresden, 8. Okt. (WTB.) Unter großem Andrang des Publikums begann heute vor­mittag vor dem Schwurgericht die Verhandlung gegen den 61 Jahre alten San.-Rat Dr. Justus Böhme. Er wird beschuldigt, seine dritte Ehefrau auf einem Iagdgang er­schossen zu haben, um ihr großes Erbe anzutreten. Der Angeklagte schilderte die Geschichte von dem angeblichen Unfall. Er er­klärte, wir trafen uns im Gasthof und schlugen den vereinbarten Weg ein. Mein Gewehr war mit Hühnerschrot geladen. Ich trug mein Gewehr im letzten Augenblick mit der Mündung nach oben gerichtet. Den Finger hatte ich Im AbZug. Ich verspürte plötzllch Hemmungen und stolperte nach seitwärts. Dann ging auf einmal der Schuh los. Tie weitere Verhandlung erstreckte sich ins­besondere darauf, wie weit die getötete Frau von der Gewehrmündung weggewesen ist Der Angellagte hatte früher zugegeben, sie sei nur 50 Zentimeter entfernt gewesen. In der heutigen Verhandlmrg erklärte der Angellagte, es sei etwa zwei Meter gewesen. Geheimrat Professor Tr. Schmor! berichtete als Sachverständiger, daß der Tod durch einen Schrotschuß er­folgt fei. Die Einschuhstelle war am rechten Ohr. Die Wirkung muhte eine tödliche sein. Da­mit wurde der erste Verhandlungstag beendet.

Eine Spur davon war da. Doch muß ich die Sixtina ausnehmen und die Säulengänge vor dem St. Peter.

Stärker wirkten Dinge, die man nicht er­wartete.

Eine dämmerige Abendstunde in der Kirche Santa Maria belta Vittoria, in der man Ber­ninisVerzückung der heiligen Therese" sehen kann, Don einer so unerhörten, intimen Weltlich­keit im Ausdruck der Gesichter, daß ich mich wundere, daß man's in einer Kirche stehen ließ.

Ein Abend vor dem Palast des Königs, festlich theatralisch durch Laterne, Tor und Wache, weich und wett durch die blauschwarze Dämme­rung, lebendig und fröhlich durch die Spiele der Kinder.

Der Gesamt eindruck dessen, was ich sah. war wesentlich historischer Art. Ich merkte, daß ich, obwohl ich sicher es bisher geleugnet hätte, von der Realität der historischen Geschehnisse nicht ganz überzeugt war. So ganz sicher war es mir doch nicht gewesen, baß das alte Rom und die latemische Sprache, die Päpste und Michel­angelo wirklich existiert haben. Hier ist mir der Zweifel zugleich bewußt geworden und erloschen. Richt etwa in Museen. Aber an den Säulen, die zwischen den Häusern stehen, an der überwältigen­den Anzahl prächttger Kirchen, an der Decke der Sixtina und an dem beinahe unheimlichen Triumph, den man empfindet, wenn man in einer Sprachverlegenheit durch ein rein lateinisches Wort verstanden wird, und gar von Leuten, die nie Latein gelernt haben.

Der stäüste Eindruck aber, um auf Ihre Frage zurückzukommen, ist schon nicht mehr Rom zuzu­schreiben. Er kam einfach von einem etwa zehn­jährigen Italienerjungen, der sich in der Dämme­rung auf einem zweirädrigen Weinkarren die Via Appia hinaufzieh«! lief). Er ließ den Esel ziehen, wohin der wollte, und sah unö fang mit großen Augen langsam vor sich hin.

Die Freude an Kunst und Historie ist im Grunde nur Freude am Menschen. And hier kam sie unvermittelt.