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die manchen Auswanderer zur Verzweiflung bringen können.

Eine gute Seite dürfte das alarmierende Resultat der letztjährigen Einwanderung jedoch haben, nämlich Lie. daß die ce'etzgeöenren Körper­schaften sich nun endlich einmal qufraffen messen, die Einwanderungspolitik Argentiniens von

Grund auf neu zu gestalten, und in Verbindung hiermit wird man denn auch wohl oder übel dem Problem der Landaufteilung zu Leibe gehen müssen, damit in Zukunft den ein­wandernden Landleuten billiges Siedlungsland zur Verfügung gestellt werden kann.

Achtzig-Iahr-Feier des Lurnvsrems Wietzen von 1846.

Am Samstag ttjib Sonntan konnte der Turn­verein Gießen von 1 846 mit einer ganzen Reihe von gesellschaWMen und turnerischen Ver­anstaltungen ti«fr Dcirbieiungen unter lebhafter An­teilnahme der gesamten Einwohnerschaft, unter Be­teiligung von Wftfttcrn der Behörden und der Presse, sowie der'zahlreichen befreundeten und der nachvarten Vereine die Feier seines 8 0jäh­rigen Bestehens festlich und würdig begehen.

Die Festveranstaltungen wurden am Samstag, nachmittags 5 Uhr, mit einem Schauschwim - men eingeleitet, das die Schwimmabteilung des Vereins in der Müllerschen Badeanstalt vor- führte. Die Vorführungen bestanden aus Staf­feln, Gruppen- und Einzelspringen. Troß schlechten Wetters erledigte die Abteilung ihre Darbietungen unter der zielbewußten Leitung der beiden Schwimmwarte in mustergültiger Weise. Auf die einzelnen Teile des reichhaltigen Programms näher einzugehen, würde zu weit führen; hervor­zuheben wäre besonders das Gruppenspringen der Turnerinnen und der Turner. Die Schwimmabtei­lung hat durch dieses Schauschwimmen ihrem alten Ruf alle Ehre gemacht.

Der offizielle Festakt bereinigte am Abend Mitglieder und geladene Gäste tu der mit Fahnen reich geschmückten Turnhalle nm Os» waldsgarten, die bis auf den letzten Platz besetzt war, und wo sich unter der Oberleitung von Oberturnwart Erb und der Turnwarte Mül­ler und Daum ein ebenso reichhaltiges, wie ab­wechslungsbolles Festprogramm abwickelte. indem vor allem mit den turnerischen Vorführungen ganz ausgezeichnete, mit wohlverdientem, stürmi­schen Beifall auf genommene Leistungen geboten wurden.

Aach der musikalischen Einleitung des Abends erhob sich der 1. Sprecher des 3ubcl= Vereins, Universitäts-Oberinspektor Erle, zur Eröffnungsansprache. Er begrüßte zunächst die so zahlreich erschienenen Gäste und Mitglieder (unter denen sich auch das 86jährige Ehrenmitglied Louis K a 11 r e i n befand, der 70 Jahre ununter­brochen dem Verein angefjört hat) und gedachte im besonderen der kleinen Schar begeisterter Jünger Jahns, die sich im Oktober 1 84 6, fortgerissen von dem Freiheitsdrange jener Epoche, zur Gründung eines Turnvereins zu­sammenschlossen. Es ahnte damals wohl niemand unter ihnen, daß das schwache Reis, welches sie pflanzten, so mächtige Wurzeln schlagen und dereinst sich zu einem kräftigen Lebensbaume ent­wickeln würde. Trotz mancher Widerwärtigkeiten haben sich immer wieder Männer gefunden, die die deutsche Turnsache weiter förderten. So steht der Turnverein heute als der größte Verein des Gaues Hessen da. Er darf mit Stolz sagen, daß er seine Schuldigkeit getan hat und stets eine Stätte der körperlichen und sittlichen Ertüchtigung der Jugend war, zum Heile ihrer selbst und des deutschen Vaterlandes. Mö­gen auch fernerhin den Verein Männer leiten, die von den Idealen unseres Turnvaters Jahn beseelt sind. Das ausklingendeGut Heil!" galt dem deutschen Vaterland.

Das turnerische Programm war von dem un­ermüdlichen Vereinsoberturnwart Karl Erb mit Sachkenntnis zusammengestellt worden. Der Jubel­verein selbst ließ seine Turner unter Führung von Turnwart Müller antreten. Die stattliche Riege bot neue Gewandheitsstabübunaen, die durch ihre zügigen Formen bei sauberer Ausführung sehr gut gefielen. Ebenso wirkungsvoll waren die Freiübun­gen der Volksturner, die unter Leitung des Sport- warts Daum mit den neueren Bestrebungen, wie sie unter der BezeichnungKörperschule" in der D. T. Eingang gefunden haben, anschaulich bekannt machten. Daß auch dieAlten" des Jubelvereins noch ihren Mann stellen, dos bewiesen die Frei­übungen der Altersturner. Die einfachen Hebungen

Indessen fiel der Ballon, und ziemlich gleich­zeitig, aber erst nach einer halben bis drei- vierter Stunde, erwachten wir in zirka 6000 Metern Höhe aus der Ohnmacht, beziehungsweise dem daran sich anschließenden Schlaf. Jetzt war das Befinden ein ganz anderes als vorher: nichts von anscheinender Frische, sondern zunächst Atemnot und Angstgefühl, die allerdings nach starker Sauerstoffatmung bald wieder verschwan­den, dann aber eine bleiernde Müdigkeit, Kopf­schmerzen und Schlaffheit, eine Art Seekrankheit oder richtiger Luftkrankheit, die auch ihren Tribut verlangte.

Es kostete eine sehr bedeutende ilebertoin« düng, jetzt die notwendigsten Arbeiten zu tun, also vor allem den übermäßig schnellen Absturz des Ballons durch Sandwerfen zu verlang­samen. sich selbst aus den Pelzen herauszuwickeln, die Instrumente zu verpacken und dergleichen. Aber alles gelang; wir bekamen den Ballon voll­kommen in unsere Gewalt und fuhren noch etwa zwei Stunden, bis der Ballon ganz sanft auf ein abgeerntetes Feld auffetjte. Wo wir waren, wuß­ten wir vor der Landung nicht. Bis fast zu den größten Höhen hatten wir unseren Weg ziemlich genau verfolgt: wir waren durchschnittlich nach Süden bis Südwest gefahren und mußten, wenn wir diese Richtung beibehielten, etwa bei Wit­tenberg über die Elbe kommen.

Als wir aus der Ohnmacht erwachten, sahen wir eine ganz veränderte Landschaft; viel Wasser, besonders Seen waren zu erblicken, aber wir suchten vergebens die Elbe. Wie sich nachher herausstellte, waren wir. im Gegensatz zu der schwachen Luftströmung bis 8000 Meter, dar­über plötzlich in einen stürmischen Westwind ge­raten, der uns in einer Stunde etwa 100 Kilo­meter nach Ost versetzte. Wir gelangten also in­folge dieser Richtungsänderung der oberen Luft­strömungen nicht an die Elbe, sondern nach dem Spreewald und landeten bei Brieten unweit von Kottbus."

Diese Fahrt, die in der Geschichte der Frei- lballonsahrlen zu wissenschaftlichen Zwecken Be­rühmtheit erlangt hat, läßt aus Sünngs Bericht die Gefahren dieser Hochfahrten mit überzeugen­der und eindringlicher Deutlichkeit erkennen. Prof. Süring darf am 31. Juli das 25jährige Jubiläum

wirkten durch die vorbildliche Haltung und Exakt­heit der Ausführung und zeigten, daß die in der Jugend erworbene Fähigkeit und Gelenkigkeit auch im vorgeschrittenen Atler deralten Herren" noch ihre Früchte trägt. Ein allerliebstes Bild der Anmut brachten die Turnerinnen des Vereins mit dem schönen Volkstanz auf die Bühne, der mit Ge­sang und frischer Bewegung ein Stück Turner­jugendbewegung darboten. Im Vordergrund des Interesses standen naturgemäß die Glanzpunkte des Abends, das eigentliche Kunstturnen an den verschiedensten Geräten. Turnermeister mit Namen von bestem Klang, die in ihrer Mehrheit in diesem Jahre aus den Kampfspielen in Köln als Sieger hervoraegangen sind, hatten sich in echter Turn­bruderschaft in den Dienst des Jubelvereins gestellt. Dieweiße Riege" war beste Auslese. Das sagen schon ihre Namen: Otto Menz (Mainz), Heinrich M e n z (TlainA), Peter Kretz (Kastel), Hermann Bund (Wiesbaden), Fritz Hahn (Elch), Gg. Steimle (Nürnberg), Albert H o f m a n n (Nürn­berg), Anton Nies (Nidda), Carl Reuter (Tv. 1846 Gießen). Was an Barren, Pferd und Reck von den genannten Meistern geboten wurde, hat man in dieser Ausführung hier noch kaum gesehen. Es waren Kunstleistungen im wahrsten Sinne des Wortes, über alles Lob erhaben. Stürmischer Bei­fall lohnte alle Darbietungen. So sah man am Barren wiederholt die Luftrolle rückwärts und ähn­liche schwierige Hebungen; am Reck beherrschten fast alle die Riesenfelge vorwärts und seitwärts mit schwierigen Abgängen. Noch selten hat man auch mit so schöner und ausgeglichener Gleichwertigkeit am Pferd, dem undankbarsten Gerät, turnen sehen. Drei-, fünf- und siebenfache Kehren zeugten von der ungewöhnlichen Fertigkeit der Meister. Ohne uns vom Lokalpatriotismus leiten zu lassen, dürfen mir uns dem allgemeinen Urteil umschließen, daß es gerade der heimische Turner Carl Reuter ge­wesen ist, der am Pferd ein ganz besonders reifes und fertiges Können geboten hat.

Außerordentlich groß war die Zahl der An­sprachen und Ehrungen, die dem Jubelverein im Verlause des Festabends zuteil wurden. Als erster Redner ergriff Beigeordneter Dr. Seid das Wort, um dem Turnverein im Namen der Stadt Gießen begeisterte Glückwünsche zu entbieten. Der Redner erinnerte an die Entstehung des Vereins und rühmte die ungemeine Lebenskraft, die er in diesen acht Jahrzehnten bewiesen habe. Der Verein habe ge­zeigt, daß Werk und' Geist des Turnvaters Jahn noch nicht erstorben sei; daß die Entwicklung in diesem Geiste vorwärts und aufwärts führe, daß der Turnverein' 1846 noch viele Jahre wachse, blühe und gedeihe, sei sein aufrichtiger Wunsch.

Direktor H a s s i n g e r vom Landesbildungamt verband seine Glückwünsche mit der Anerkennung dessen, was der feiernde Verein geleistet hat. Gerade die Turnvereine hätten eine außerordentliche Auf­gabe zu erfüllen, der Jubelverein habe die Zeichen der Zeit wohl verstanden. Der Achtzigjährige in seiner Mite müsse der Jugend Ansporn und Beispiel sein, unerschütterlich festzuhalten an den Idealen der Deutschen Turnerschaft. Die warmen Worte des Sprechers namens der Provinzialdirektion und des Kreisamts Gießen klangen aus in einen Appell zur Einigkeit und zur gemeinsamen Mitarbeit am Wiederaufstieg.

Im Rainen der Landesuniversität überbrachte Prof. K l u t e dem Verein die besten Glück­wünsche; er betonte die Rotwendigkeit körperlicher Erstarkung und die gesunden Wechselbeziehungen zwischen geistiger und körperlicher Arbeit und faßte die Wünsche der Universität dahin zusam­men: Möge diese Feier ein Markstein, aber kein Grenzstein sein!

Für den Mittelrheinkreis und den Gau Hessen entbot Gauvertreter Pfeiffer dem §. V. Glück­wunsch und Gruß. Er gedachte der Gründung vor SO Jahren, in schwerer, bewegter Zeit, und

dieser wunderbaren Luftreise feiern, die im Frei­ballon bis heute noch nicht übertroffen wurde.

Grgütelle und volkstümliche Briefmarken.

Von Max Tor.

Der Briefmarlenfport, mit dem sich heute Tausende von Menschen, jung und alt, beschäftigen, bat im Laufe der Jahre eine ganze Reihe von Marken aus alter und neuer Zeit derartig volks­tümlich gemacht, daß auch viele Richtsammler an dem Sport selbst Freude und Gefallen fin­den. Meistens ist es dann etwas Originelles, was einzelne Marken an sich haben, und das ist oft ausschlaggebend für die Gewinnung eines neuen Sammelfreundes. Ich lasse nachstehend eine kleine Schau dieser bunten Papierchen Darüber- ziehen, die wirklich etwas Originelles und Volks­tümliches an sich haben.

Viele werden schon von der seltenen Mau­ritius 2 Pence dunkelblau vom Jahre 1847 ge­hört haben, die heute alsblaues Wunder" in aller Welt Munde, selbst in Romanen und Kino­filmen eine Rolle spielt. Philatelistisch berühmt als Fehldruck, weil man an der linken Seite Post Office", zu deutschPostamt", statt Post(age) Paid", wasPorto bezahlt" heißt, lieft. Im Jahre 1865 wurden die ersten Stücke bekannt und seitdem sind bis heute nur 24 Exemplare gefunden worden, von denen eins vor Jahren vom Reichs- postmuseum in Berlin für 36 000 Goldmark käuf­lich erworben wurde. Heute wird diese Marke auf über 50 000 Goldmark geschäht. Eine origi­nelle Seltenheit, und da sie soviel von sich reden machte, auch eine volkstümliche Erscheinung in der Phantasie der Briefmarkensammler, noch mehr aber der Laien.

Von allen deutschen Marken stehen ihr an Eigenart und Volkstümlichkeit nicht nach der grüne Aeuntreuzer-Fehldruck von Baden und der blaue 1/5-Reuaroschen-Fehldruck von Sachsen, beide aus dem Jahre 1851. Diese beiden Marken- seltenheiten entstanden lediglich durch Verwechse­lung einer Papiersorte beim Einlegen in die Druckerpresse.

wies auf die historische, politische und nationale Mission der deutschen Turnerei hin. Im Sinne einer harmonischen Entwicklung von Körper und Geist sei der alte Wahrspruch.Frisch, fromm, fröhlich, frei" zu verstehen. Der Redner gedachte ferner der hohen, vom Altertum überkommenen! Ideale, die eine Pflegestätte im feiernden Verein gefunden hätten,, und schloß mit Worten des Dankes für die lange Jahre hindurch geleistete, treffliche turnerische Arbeit der 1846er und mit einem von der Versammlung stürmisch aufge­nommenenGut Heil!"

Eine schier endlose Reihe von Gratulanten schloß sich an; es ist hier kaum möglich, sie alle einzeln zu nennen und ihre Glückwünsche zu wiederholen. Der Männerturnverein beglück­wünschte durch Gg. Kling als jüngerer Bruder den älteren zu seinem Ehrentage und überbrachte als Angebinde zwölf Stäbe; für den Schützenver­ein sprach Dr. van Bentheim, der zwei Stab- 'hochsprungstäbe überreichte; für den Tv. Wetzlar sprach Allmenröder, für den Verein Ruder­sport Schm all, vom Verein für Bewegungs­spiele Overbeck, als Vertreter der Arbeits­gemeinschaft der Militär- und Regimentsvereine Prof. Wenzel, für den Turnverein Rauheim (der einen Speer überreichen lieh) S a l z m a n n, für den Bauerschen Gesangverein Heller; namens der ^Iserkritik überreichte G I a g 0 w einen Ball, ebenso lieh der Giehener Schwimmverein, für den Pascoe gratulierte, einen Wasserball überbringen. Es waren mit Glückwünschen und Grüßen ferner zur Stelle die Gießener Feuer­wehr (Wenzel), der Gesangverein Heiterkeit, der Turnverein Heuchelheim und der Turnverein Lich, dessen Vertreter Zimmer zwei Gere als Geschenk überreichte.

Im Rainen des feiernden Vereins richtete der 2. Sprecher. Baurat Mangold, Worte des herzlichen Dankes für die dargebrachten Glück­wünsche und Festangebinde an die Versammlung. Im Anschluß hieran fand die Verleihung von Auszeichnungen an besonders bewährte Mitglieder statt. Unter lebhaftem Beifall wurde der Kreis-Ehrenbrief überreicht dem 1. Sprecher W. Erle, dem Oberturnwart K. Erb und Heinr. Pieper. Den Gau-Ehrenbrief erhielten: E. Jung, P. Treuke. H. Wahl, Wilh. Brühl, I. Köhler. Ehr. Weeg. Eine ganze Reihe von Angehörigen des Vereins erhielten die Ehren Mitgliedschaft, und zwar wegen be­sonderer Verdienste: W. Erle, K. Erb, Th. a u b e I, W. Will, R. Buchacker; auf Grund mindestens 40jähriger Zugehörigkeit: L. Klotz, B. Schorn ber, L. Best, H. Best, I. Klingelhösfer, K. Kreiling, K. Geismar, K. Linden st ruth, A. Fi­scher, I. Grünewald, Ehr. Jnderthal, A. Roli und W. Roll. Im Rainen der Aus­gezeichneten sprachen noch W. Erle und Th. V a u b e l; mit besonderer Genugtuung wurde die Mitteilung von einer bedeutenden Geldspende der Ehrenmitglieder entgegengenommen.

Dann ergriff Herr Hassinger noch einmal das Wort zu einer kernigen Schluhansvrache, die zum gemeinsamen Gesang des Deutschlandliedes überleitete. Damit hatte der erste Tag und der offizielle Festakt, der glänzend verlaufen war, seinen Abschluß erreicht.

Arn Sonntag vormittag traten programm­mäßig die Volksturner, Tunerinnen

und Spieler auf den Plan, um auf dem Ge­biete des alten Jährlichen Volksturnens ihr Kön­nen unter Beweis zu stellen. In entgegenkvm- inender Weise hat der V. f. B. hierfür den herr­lich gelegenen und neu hergerichteten Wald­sportplatz dem Jubilar zur Verfügung ge­stellt. Eingeleitet wurden die Kämpfe durch einen geschlossenen Rundlauf, der von sämtlichen Teilnehmern exakt und stilgerecht durchgefichrt wurden. Sodann folgten in unmittelbarer Reihen­folge Läufe über die verschiedensten Strecken, Wurfübungen und Sprünge. In allen Kämpfen wurden recht ansehnliche Leistungen erzielt, wobei die Läufe unter dem Gesichtspunkt der eben erst hergerichteten und daher noch weichen Laufbahn zu werten sind. Zwischendurch erledigten die F a u st b a l l spieler (Alteherren-Abteilung und Aktive) ihre angesetzten Spiele. Eingeladen hierzu waren die Spielabteilungen der Turnvereins Wetzlar und Sinn. Beide Vereine zeigten ein flüssiges und korrektes Spiel. Gegen 12 Tlhr waren sämtliche Kämpfe zu Ende geführt, und Teilnehmer wie Zuschauer konnten mit großer Befriedigung über das Gebotene des Platz ver­lassen. Der Leitung beider Vereine des T. V. von 1846 gebührt hierfür Dank und Anerkennung.

Am Sonntagnachmittag trat der Jubelverein mit allen Abteilungen zu einem "prächtigen Fest ­zuge an, der sich mit Musik und Fahnen (worunter sich auch die alter 49er Fahne befand) unter leb­hafter Anteilnahme der Einwohnerschaft zur Volkshalle bewegte, wo bald nach 3 Llhr Der feierliche, vom Publikum begeistert begrüßte Auf­marsch der Abteilungen erfolgte, und wo ein äußerst reichhaltiges, turnerisches Programm die Aufmerksamkeit der Turnfreunde in Anspruch vahm. Hier trat der Jubelverein mit seinen Darbietungen werbend vor die große Oeffentlich- keit. Auch hier gab es einen Erfolg auf der ganzen Linie. Das Publikum begeisterte sich an der immer wieder bewiesenen Kraft, Gewandt- heit und Disziplin. Reben den Gästen, die tote am Samstag wieder ihr Bestes boten, war es am Sonntag vor allem der Jubelverein selbst, der das Feld durch ein Massenauftreten von etwa 300 Ausübenden beherrschte und damit zeigte, dah er in allen Zweigen des deutschen Turnens fleißig und erfolgreich an der Arbeit ist. Imposante Bilder boten die Turner, die vom kleinsten Schüler bis zum ältesten Alters­turner zur Stelle waren. Ebenso wirkungsvoll waren die allgemeinen Freiübungen der Tur­nerinnen und Schülerinnen.

Ungeteilten Beifall fanden wiederum die Riegen- Vorführungen am Barren, Reck und Pferd, wo sich die glänzenden Leistungen des Vorabends wieder­holten, sowie die Vorführungen der Fechtriege. Die kurzen Begrüßungsworte des ersten Sprechers, Erle, die den Nachmittag eingeleitet hatten, klan­gen aus in einGut Heil" auf die Zukunft des Turnvereins und das gemeinsam gesungeneO Deutschland hoch in Ehren ..."

Am Abend fand dann auch der zweite Festtag mit turnerischen Aufführungen, wobei einige gut­gelungene Pyramiden besonders bemerkenswert waren, mit Konzert und Tanz und Volksunterhal­tung seinen harmonischen Abschluß. Allen,, die die Jubelfeier miterlebt haben, werden die beiden, so außerordnllich zufriedenstellend verlaufenen Festtage in bester Erinnerung bleiben.

Turnen, Sport und Spiel.

Kugelstoßen.

Eine 7l 'i Kg. schwere Kugel 15,544 Mtr. weit zu stoßen das ist Weltrekordleistung. Der Amerikaner Rose ist ihr Inhaber, der auch die Welthöchstleistung i,m Kugelstoßen beid­armig mit 28,002 Mtr. hält. Der deutsche Re­kord ist erst vor wenigen Wochen von Brechen­macher auf 14,52 Mtr. bestarmig und 25,125 Mtr. beidarmig verbessert worden. Doch kann man schon mit Leistungen zwischen 12 und 13 Mir. wie die letzten Ergebnisse zeigten Ver­bandsmeister werden. An deutschen Leichtathleten, die im Kugelstoßen heute zu den Besten Deutsch­lands zählen, sind neben Vrechenmacher 6 Öl­lingen, Külzer, Schröder, Wennin­ger, Schauffele, Hänchen, der Turner L i n g n a u zu nennen. Reue Leute kommen auf.

Weit volkstümlicher und ebenso originell aber sind die rote 3°Pfennigmarke von Sachsen aus dem Jahre 1850 und der schwarze Bayern­kreuzer von 1849. Beide Marken sind in echten Stücken immer noch erschwinglich. Allerdings kostet die Dreiersachfen heute schon ein schönes Stück Geld. Man hat sie in der Philatelie zur Königin der altdeutschen Briefmarken gemacht, obgleich dieser Ruhm der weitaus billigeren schwarzen Einkreuzermarke von Bayern gebührt. Warum? Run weil die Dreiersachsen erst nach dem Vor­bilde der schwarzen Bayern entstanden ist. Aber der Grad der Seltenheit ist ein weitaus größerer. Während von der roten Dreiersachsen ein Rest hon 36 922 Stück im Oberpostdirektionsgebäude in Leipzig verbrannt wurde, sind die schwarzen Dayernmarken fast durchweg zur Frankatur auf- gebraucht worden. Erst in den letzten 10 Jahren wurde der schwarze Dahernkreuzer eine Mode- marke, weil die Eigenart der schwarz-weißen Farbe eine Sonderstellung unter den altdeutschen Marken einnimmt Richt minder zu einer Origi­nalität und Volkstümlichkeit haben sich in neuerer Zeit die sämischen Einkreuzermarken non Baden und Württemberg aus dem Jahre 1851 ent­wickelt, weil ihre Zeichnung und Farbe sehr charakteristisch ist.

Ich komme nunmehr zu den Hannover-, Preußen- und Sachsen-Köpfen, an deren Ent­stehung sich zum Teil geschichtliche Anekdoten knüpfen. So soll der damalige Generalpostmeister Schmückert die Preuhenköpfe durch Anwendung allzustarker Poststempel nicht nur entwertet, son­dern nach der Ansicht des Königs Friedrich Wilhelm IV., dessen Bildnis sie toiedergeben, sogar entehrt haben. Die Folge davon war die Einführung der preußischen Wappenmarken an Stelle der bisherigen Kopfmarken. Die ersten Sachsenköpfe mit dem Bildnis Friedrich Augusts des Zweiten nach rechts heißen im Volksmunde Trauersachfen". Dieses Märchen rührt daher, daß man noch in den 80er Jahren fest daran glaubte, die Marken seien infolge der tödlichen Verunglückung des Königs Friedrich August von Sachsen (am 9. August 1854 in Tirol) mit einem Trauerrande erschienen. Dabei sind diese Marlen bereits 1851 amtlich an den Schaltern ber alten sächsischen Post ausgegeben worden. So wurden diese Marken volkstümlich.

Das Kugelstoßen erfordert vor allem Schnel­ligkeit und Kraft. Große Leute sind natürlich im Vorteil. Das Gewicht der Kugel beträgt 71/4 Kg. für Männer, für männliche Jugendliche (Klasse A und B) 5. für Frauen, weibliche Jugendliche und männliche Jugend (Klasse C) 3,628 Kg. Die Kugel besteht aus Eisen mit glatter Oberfläche. Sie wird frei mit einer Hand aus einem Kreis von 2,135 Mtr. Durchmesser gestoßen und darf zum Schwungholen nicht weiter als bis zur Schulter zurückgeführt werden. Rachdem die Technik ohne Kugel erlernt ist, beginnt man mit dem Wurf aus dem Stand. Der Werfer stellt sich in loser Haltung mit gespreizten Dei­nen am Abwurfmal auf, so daß die linke £Ötper- feite der Wurfrichtung zugewendet ist. H-ute be­tont man besonders die Beinarbeit beim Kugel­stoßen, nachdem sie lange vernachläss'gt, die

Aehnlich wie den Preußenköpfen <rging es denBombeköpfen" des ehemaligen Königreichs Sizilien. Diese Marken wurden mit einem äußerst zierlich gehsltenen Stempel entwertet. Aber der wohlbeleibte König Bombe suchte darunter eine Mißachtung feiner Person und protegierte da­gegen. es nützte ihm aber nichts, dein bereits mit Einführung der schönen Kupferdiückmarken 1859 wurde der König von seinem V>lke ver­trieben. Die Marken aber blieben noch bis Mitte Juli 1860 in Kurs und erhielten währeid dieser Zeit noch mandren originellen ZierstenPel als Entwertung aufgedrückt. Aber auch Fürtenköpfe auf neuzeitlicheren Briefmarken wurden oft der Gegenstand einer humorvollen Volks tümlio en Be­trachtung. Das Bildnis des Königs Pete' L von Serbien auf den Briefmarken vom Jahre1911/12 war wie ein Lauffeuer in Deutschland «ls bai des Hauptmanns von Köpenick erkannt, ur-) heute nennt sie kein Sammler anders alsHaujttnann- Von-Köpenick-Marken". Ein jeder kennt wr)l auch die prächtige 1911 erschienene Markenrei'e von Bayern mit dem Kopfe des Prinzregeitte Luit­pold. Auf den höheren Werten von 1 Mar' an in großem Format trägt der Prinzregent denZagd- hut. Dabei ist dem Schöpfer und Zeichne: dieser schönen Marken, dem Maler Friedrich vo' Kaul­bach, das kleine Versehen passiert, den Fderstutz auf dem Jagdhute des Prinzregenten an der falschen Seite anzubringen. Dies malte die Marken originell und volkstümlich. Der König Albert der Belgier, dessen Brustbild erstmalig 1912 auf den belgischen Marken erschent, redet man im Volksmunde nach, daß er auf lern einen. Auge schiele. Eine Tatsache, die jeder feststellen kann. Ebenso originell sind die Tlnterchiede in der kleinen und großen Kopfzeichnung utb in der Uniform mit ein oder zwei Knöpfen >er Aus­gaben 1912/14. Die originellste und oolkstüm- iichste Briefmarke in Deutschland afrr ist die braune 3-Pfennigmarke mit der Germania vom Jahre 1902 mit dem bekannten Plittenfehler Dfutsches" stattDeutsches Reich". S' eröffnen sich beim Briefmartensammeln die vershiedensten Gesichtspunkte, die kleinen bunten Papittchen nicht nur der allgemeinen Belehrung, fordern auch der Unterhaltung und dem Vergnügen nutzbar zu machen.