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Nr. <84 Zweites Blatt

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Indien.

Don Professor Paul Freye.

Schon während des Weltkrieges urrd beson­ders in den darauffolgenden Zähren war es klar vorausschauenden Führern dec indischen Home- rule-Bewegung und darunter vor allem der Ini­tiative des bei seinen Landsleuten hoct^each- teten Führers der Swarajisten-Parlei. Ma­hatma Gandhi, bis zu einem gewislen Grade gelungen, die Jahrhunderte alte Feindschaft zwi­schen den zwei Hauptkonfesfionen. zwischen den brahmanischen Hindu und den Betennern des 3f »am herabzumildern. Grund- j gedanke dieser Bewegung war und ist es auch »noch heute: .Indien ben Indern unter indischer Verwaltung, jedoch im Rahmen, im Verbände des britischen Weltreiches!"

Run ist trotz alledem der alte Streit zwischen

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Dav derartige Höhenflüge an Flieger und Ma- i lchine g?vnz ungewöhnliche Anforderungen stellen, braucht leigentlich nicht besonders betont zu wer­den. Di» dünne Luft in jener Höhe bietet für die ^afchin'd eine erheblich verminderte Tragfähig­keit und! es ist äußerst schwierig, das Flugzeug schwebenV zu erhalten. Ferner ist es notwendig, dem^tor von einer gewissen Höhe ab kom­primiertes Lust zuzuführen, um seine Arbeits­fähigkeit !du ermöglichen. Die ungeheure Kälte (30 bis -'|ö Grad!) birgt dabei die Gefahr, bau das Metc»ll. ba es sich zusammenzieht und spröde loird. zerßsplittert.

Der ^Flieger selbst kann sich gegen die ent­setzliche Zfälte durch dicke Pelze zwar einiger- mähen, mynrt auch nur notdürftig schützen, ba sie Iselbst diel dichteste Vermummuiig durchdringt, aber als rßoch gefährlicherer Feind erscheint auch

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Hindu und Islamiten wieder in verschärfter Form ausgebrochen. Wieder und wieder melden die Zeitungen von schweren, aus religiösem Fana­tismus entsprungenen Kämpfen zwifchen den bei­den gegnerischen Konfessionen

Tatsächlich begannen die Zwistigteiten sich schon seit dem Jahre 1922 bemerkbar zu machen. Heber diese für ganz Indien außerordentlich be­deutsame Frage der religiösen Gegensätze sowie über die Lage Indiens überhaupt gab kürzlich Can Winkerton. Untcrftaatdfetretär für In­dien. einen längeren Bericht im britischen Unter­haus, der im allgemeinen starken Beifall von den Labourites dis zu den Konservativen land. Rur der beim letzten Generalstreik berüchtigt gewordene Kommunist Mr. Saklatvala wandte sich gegen die Ausführungen des Regie­rungsvertreters und behauptete, bah nur die Einführung des Bolschewismus Indien das Heit bringen könne Die HnsInnigkeit dieser Be­hauptung bedarf sicherlich für Kenner indischer Verhältnisse teiner Erörterung, und deshalb gin­gen auch nicht einmal die linksgerichteten Ar­ve iterabge ordn eien auf die Ansprache des Herrn Daklatvala ein. Zweifellos sind bolschewistische Agenten in Indien und den angrenzenden Län­dern tätig, doch sind ihre Erfolge in Indien selbst nicht von grober Bedeutung, und die bri­tisch-indischen Behörden sehen ihnen scharf aus die Finger.

Als unter der Führerschaft Mahatma Gandhis ein zeitweiliger Friede zwischen den Hindu und Islamiten unter dem Banner des passiven Widerstandes gegen Britannien und die britisch- indische Regierung geschlossen wurde, ba glaubten sogar In Europa schon manche Kreise an das baldige Ende der britischen Herrschaft in Indien. Aber diese Herrschaft ist seit dreihundert Jahren fest im Lande verwurzelt, sie läßt sich so leicht nicht erschüttern. Auch der durch den nationalisti­schen Führer C. R. Das später herbeigeführte Hundi-Moslem-Pakt hat die praktische Prüfung nicht bestanden und ist zusammengebrochen.

Seit dem Jahre 1922 haben die religiösen Zwistigkeiten immer schärfere Formen angenom­men. Sie begannen im Punjab und breiteten sich bald von dort durch Stadt und Land in den Ver­einigten Provinzen, den Zentral-Provinzen. den nordwestlichen Grenzgebieten und schließlich auch n Bengalen aus. wo es in letzter Zeit ja wieder­holt. besonders in Kalkutta, zu schwersten Kämpfen zwischen Hindu und Moslem kam.

Rur dem scharfen Zugreifen der britisch- ndischen Polizei und Militärbehörden gelang es, den Ausbruch allgemeiner Feindseligkeiten immer wieder zu verhindern. Heute liegen die Dinge so, daß tatsächlich keine religiösen Feiern der Hindu ober der Islamiten stattfinden können, ohne daß die Polizei vor und während solcher Feierlich­keiten umfassende Sicherheitsmaßnahmen trifft, um schwere Ausschreitungen zu verhüten.

Der in diesem Jahre hinausgesandte neue Vizekönig von Indiev. Lord Irwin, ist ein tluger und dabei energischer Kopf, der das Ver­trauen aller Parteien im britischen Parlament und darüber hinaus der maßgebenden Kreise in Indien selbst genießt. Dor wenigen Tagen noch hat er eine bemerkenswerte Rede gehalten, in btr cn den beiden Parteien die Mahnung zurief, ieab Isndien nur bann gebeihen kann, wenn bie gegenwärtig überall ausbrechenden Kämpfe auf- hören. iinb bie Gegner ihren Frieden schließen.

12 (WO Meter über der Erde.

Die (.höchste Höhe, bis zu bet^ bisher ein Mensch im Flugzeug emporgestiegen ist, beträgt 12 060 (Meter. Am 10. Oktober 1924 hat ber französjswe Flieger Callizo diese Höhe erreicht und damit einen Höhenslugrekord aufgestellt. Der amerikanische Fliegeroffizier Macready hat vor einigen onaten einen Angriff auf diesen Höhen- reforb gemacht, aber er hat, wie die Rachprüfung der Meßinstrumente ergab, den Rekord nicht zu brechen! vermocht. Seitdem bie sogenannten De- ", ftimmungen gefallen finb, bie bem beut-

chen lugzeugbau Fesseln anlegten, besteht bie

Möglichkeit, bah auch beutsche Flieger an diesem 'portlilhem Wettkampf mit Erfolgsaussichten sich oeteiliflcn können. Kurz nach Kriegsende (im Jahre, 1919) erreichte, wie hier erwähnt sei, der bayerische Fliegervffizier Diemer eine Höhe von 9600 Metern und stellte damit damals einen Weltrekord auf. der allerdings vom Ausland

nicht (aetrertet wurde, ba Deutschlanb nicht ber lieberjation acronautique internationale angehört. Im qtftober 1919 errang ber burch feine Rhön- Segelsllüge bekannte Dipl.-Ing. Arthur Martens (Vamalls noch Student der Technischen Hochschule in Hannover) auf einem von ber Hannoverschen

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) ' Montag, 9. August 1926

Hauptbedingung sei bann aber auch vor allem eine wirkliche, fruchtbringende Zusammenarbeit mit ber britisch-indischen Regierung.

Schon feit einigen Jahren hqt das Mutterland wohl erkannt, dah die immer stärker werdenden indischen Wünsche nach einem aktiven Anteil an der Verwaltung völlig berechtigt sind. Alic Kenner der indischen Derhilltnisic aber wissen, daß die Gesamtentwicklung des Landes, das Bildungs­niveau der breiten Massen heute die Erhebung In­diens zur fast selbständigen Stellung eines Do- miniums wie Kanada oder Australien noch nicht zulasten. In der Tat zählt ja die eigentliche Intelli­genz nur etwa 2 Prozent bei einer Bevölkerung von 320 Millionen Menschen. Dabei setzt sich die Riesxnbevölkerung des mächtigen Landes aus den verschiedensten Rassen zusammen, die eine ganze Reihe verschiedener Sprachen und Dialekte sprechen, und die überdies den verschiedensten Kasten und Konfessionen angehören.

Unter solchen Umständen würde das Zurück­ziehen der alle diese Kreise kräftig zusammenhasten« den britischen Hand unbedingt das Chaos in In« dien bedeuten. So hat das Mutterland den Bewoh­nern Indiens zunächst eine Verfassung gegeben, bei der die gewählte Dolksverttetung nur beratende Macht hat.

Ein Fehler der britischen Verwaltung war es seit jeher, dah man die Volksmassen s i ch s e 1 b st überließ und für ihre Bildung, für die Einrichtung von Schulen wenig tat. Es war und ist ein Grund­prinzip britischer Kolonialposttik, sich in die Sitten und Gebräuche, ganz besonders auch in die Religion der ihr unterstellten Völker nicht einzumischen. Das hat seine guten Seiten, jedoch kann es sich schwer rächen, wenn diese zumeist unwissenden Massen durch die Stimmen einer kleinen Führerschicht plötzlich immer stärker das Recht auf Selbst - Verwaltung (Home-Rule) beanspruchen. Und das ist heute mehr als je zuvor der Fall. Das Mutterland Großbritannien kann aber, wie oben ausgeführt, unter den heutigen Umständen keine größeren Zugeständnisse machen, als sie in der In­dien gegebenen neuen Verfassung enthalten sind.

Rot tut, und darauf wurde auch jetzt wieder im britischen Parlament hingewiesen, eine weitgehende Entwicklung des Schulwesens, eine systematische Erziehung der Volksmassen, um diese für die Stellung und Verfassung eines Dominium^ wie Kanada oder Australien mit der Zeit reif zu machen.

Es darf und kann nicht geleugnet werden, dah die britische Verwaltung in Indien, ebenso wie das auf Aegypten zutrifft, wirtschaftlich großes geleistet hat. Riesige Bewässerungsanla­gen haben weite, wertvolle Gebiete der land­wirtschaftlichen Entwicklung eröffnet. Durch ein großzügig.ausgebautes Eisenbahn- und Straßennetz wurde der Verkehr wesentlich be­schleunigt und die einzelnen Landesteile inniger miteinander verbunden. Die Hafenanlagen in Bombay, Karachi, Colombo (Ceylon), Madras, Kalkutta und Rangoon (Birma) sind vorbildlich. So ist die brittsche Verwaltung in vieler Bezie­hung bemüht, auf alle nur erdenkliche Weise die Produktion des Landes zu steigern, um da­durch auch den dauernd zunehmenden Wünschen, dem Lebensunterhalt der rasch wachsenden Be- völkeruirg gerecht zu werden.

Indien hat in den letzten Jahren eine be­langreiche Industrie und ganz besonders eine große Textilindustrie sowie in verstärktem Maße auch eine Montanindustrie entwickelt.

Die durch den Weltkrieg hervorgerufenen, finanziellen Schwierigkeiten des Lan­des, das zeitweilige Sinken des Rupiekurses sind durch eine geschickte Finanzwirtschaft längst über­wunden. Seit drei Jahren schon ist das Budget wieder ausbalanciert. Der Rupie hat schon seit etwa einem Jahre einen Wert von rund 1 Schil­ling 6 Pence, womit also der Vorkriegsstand sogar überschritten ist. Indische Staatsanleihen konnten mit Leichtigkeit zu günstigen Einsätzen unterge­bracht werden, ein Beweis für das große Ver­trauen und das Ansehen der britisch-indischen Regierung.

Im letzten Jahre haben die indischen Eisenbahnen einen Reinverdienst von ins­gesamt 6 750 000 Pfund Sterling abgeworfen. Am 1. April belief sich die Geldreserve der Ekaatsbahnverwaltung auf 7 500 000 Pfund Ster­ling. So konnten im Laufe der letzten Monate die

Personen- und Frachtraten ganz wesentlich herab­gesetzt werden. Für 3. Klasse, allerdings die niedrigste in Indien, kostet die Fahrt per Kilo­meter bei langen Strecken nur noch 1,3 Pfennig. Das ist in der Tat eine tüchtige Leistung. 3m Detriebsjahre 1926/27 sind 16500 000 Pfund Ster­ling für Bahnbauten vorgesehen und zwar 11500 000 Pfund Sterling für Instandsetzung der alten Linien und 5 000 000 Pfund Sterling für Reubauten. In diesem Jahre werden etwa 370 Kilometer an neuen Bahnlinien eröffnet. Die Gesamtlänge der Eisenbahnen Indiens be­trägt etwa 61 000 Kilometer, davon sind unge­fähr 51 000 Kilometer staatliche Linien. Im De­triebsjahre 1923/24 wurden rund 600 Millionen Personen und über 100 Millionen Tonnen Fracht befördert.

Auch für die Eröffnung von Luftfahrt­linien ist viel geschehen, und man hofft m Bälde einen regelmäßigen Passagier- und Flug- postdienst mit England herzustellen. Dem gleichen Zwecke sollen ja auch die zwei im letzten britischen Budget vorgesehenen Großluftschiffe dienen.

In diesem Jahre noch wird der draht­lose Funkdienst zwischen Indien und Eng­land eröffnet. Der Bau der indischen Groß- station liegt in Händen einer dort gegründeten Gesellschaft. So wird das Kaiserreich Indien dem Mutterlande Großbritannien immer enger verbunden.

Die Etappenstrahe zur See mit den starken Festungshäfen Gibraltar, Malta. Suezkanal, Aden, Bombay haben sich die Briten längst gesichert.

Seit dem Weltkriege zeigt sich ja auch die Tendenz, eine zusammenhängende, unter britischer Oberhoheit oder doch britischem Einfluß stehende Landverbindung durch Palästina, Irak, Persien und Belutschistan bis nach Indien her­zustellen. Schon steht das ungeheuere Gebiet von Kairo bis zum Kapland unter britischem Ein­fluß, und der nächste /Plan KairoKarachi- Indien bedeutet nichts Geringeres als die Be­herrschung Südasiens einschließlich Arabiens und Südpersiens. Grundgedanke dabei ist offenbar auch. Sicherheiten gegen Bedrohungen durch Sowj e truß land zu schaffen.

Denn nicht ohne Gefahr sind die nordwest­lichen Grenzgebiete Iichiens. die in letzter Zeit dauernd lebhaftes werdenden Amtriebe der Sowjetrussen in Afghanistan, das ja nun seit dem britisch-afghanischen Kriege vom Jahre 1919 seine völlige Selbständigkeit besitzt. Bei einem Essen in Kalkutta wies kürzlich noch der britische Oberst Saunders. Leiter des militäri­schen Rachrichtendienstes in Indien auf den zu­nehmenden militärischen Einfluß der Bolschewisten in Afghanistan hin. Unter bolschewistischer Lei­tung. so führte er aus. werden dort Flugzeug­werkstätten und Flugplätze angelegt. Rußland lieferte Kriegsmaterial. Arttllerie und Munition, an Afghanistan. Auch stell? es militärische In­strukteure.

Dah diese Gefahr nicht von der Hand zu weisen ist. zeigte ja der Krieg vom Jahre 1919, als die Afghanen tatsächlich den Kyber-Paß mit seinen Forts nahmen und bis zur Stadt Peschawur im nordwestlichen Indien vor drangen.

Die britisch-indische Armee ist ohne Zweifel ein tüchtiges und verläßliches Kriegsinstrument. Die rein indischen Regimenter werden bis zu den Kompagnieführern zumeist von englischen Offi­zieren kommandiert und die Soldaten sind ihren Führern durchweg freu ergeben. Das muß auch heute trotz mancher gegenteiligen Behauptungen klar festgestellt werden.

Produktion und Handel Indiens haben sich in den letzten Jahren ganz wesentlich gehoben. Stark dazu beigetragen hat in den vergangenen zwei Jahren das regelmäßige Einsehen des Monsuns, wodurch gute Ernten erzielt wurden.

Im Budgetjahre 1923 24 betrug der Wert der Einfuhr 2276 Millionen Rupies und Der Ausfuhr 3619 Millionen Rupies. In den ersten zehn Monaten des jetzigen Finanzjahres 1925/26 betrug die Aktivität der indischen Außenhandels­bilanz nicht weniger als 857 600 000 Rupies.

Für das Land selbst ist es von großem Rach­teil, daß diese außerordentlich günstige Entwick­lung durch innere Unruhen und reli­giöse Kämpfe zwischen Hindu und Moslem gerade jetzt wieder empfindlich gestört wird, und

es ist jeLf ii .oünschen. daß die Bemühungen des .Lord Irwin, die Beseitigung

diese» Schnuecigke» cn und die Beruhigung deS Landes. Kftb gelingen

D?u t*E'ä* k» lattc vor dem Kriege und hat auch jchT toLeäejLtincn belangreichen Anteil am Harchel sHolfentlich wird uns auch

dort bald -ier #äucvnDc Aufenthalt, wie solches in verschieden-u PÜvren britischen Kolo­nien schon de ii j.itcttct. Eine ruhige, gesunde Entwicklunf Indiei^k unter zielbewußter, britischer Leitung iftlfür tun.»Deutschen Außen­handel von größtem Vorteil.

Vie argentinische Linrvänderung im Jahre 1925.

Don unserem P. ^.-Korrespondenten.

Buenos Aires, Juli 1926.

Der offizielle Bericht des Cinwandereramtes gibt das Ergebnis der Ein- und Auswanderung für 1925 betannt, wonach ein Saldo von 75 000 Einwanderern zugunsten Argentiniens verbleibt, eine Zahl, die um mehr als 50 Prozent hinter den äeberfchüssen der voraufgegangenen Jahre zurückbleibt.

Rimmt man zu obigem Resultat das mit ungefähr 170 000 Kopsen errechnete Anwachsen der Bevölkerung hinzu, so ergibt sich, daß das abgelaufene Jahr nur eine Vermehrung des argentinischen Menschenmaterials um kaum 2,5 Prozent gebracht hat.

Dieses Resultat muß auf den ersten Blick unverständlich erscheinen bei einem Lande, das mit fast unbegrenzten Möglichkeiten für seine Weiterentwickelung ausgestattet ist. Jedenfalls ist diese Verminderung Der argentinischen An­ziehungskraft ein Phänomen, dessen Ursache im Interesse des Landes unbedingt festgestellt wer­den muß, da es ja lediglich Die Knappheit Der Bevölkerung ist, Die Den Fortschritt Des Landes verzögert.

Das durch den Krieg verarmte Europa, der größte und beste Lieferant von (SintoanDerem, hat noch lange nicht seine wirtschaftliche und soziale Stabilität wieder erlangt, ist doch in ver­schiedenen Ländern Die Zahl Der Arbeitslosen noch im Steigen begriffen. Es liegt also in Europa absolut fein GrunD vor, dah sein aus­gezeichnetes Auswanderer-Material Dort boDen- ständig bliebe. Da außerdem Nordamerika seine Grenzen mehr Denn je Der europäischen EinwanDerung verschlossen hält, sollte man Doch annehmen, Daß nunmehr Argentinien, das ja auch tatsächlich infolge feiner Ausdehnung und günstigen wirtschaftlichen Lage geeignet ist, große Massen aufzunehmen, nach dem Ausscheiden Rordamerikas das beliebteste Ziel Der euro­päischen AuswanDerung bilDen mühte. Wenn nun trotzdem die Einwanderung, statt zuzunehmen, einen scharfen Rückgang erfahren hat, so zwingt die Logik, die Ursache hierfür im eigenen Lande zu suchen.

Vor allem scheint es das Fehlen einer groß­zügigen Propaganda zu sein, Die Den europäi­schen Auswanderern Die Aussichten unD Entwick­lungsmöglichkeiten in den einzelnen Erwerbs- zweigen sachgemäß vor Augen führt. Die großen Reichtümer, die Argentinien zweifellos auf allen Gebieten der menschlichen Produktion besitzt, kön­nen daher vielfach in Europa nicht richtig ein- geschäht werden. Schuld der argentinisches Re­gierung ist es hier, nicht innerhalb der für die Auswanderung in Frage kommenden CänDcr aufklärend und anziehend gewirkt zu haben, wie denn hier leider bislang weder kaufmännische noch industrielle Politik getrieben wurde, was ja auch zur Folge hatte, daß man in Europa noch immer von einer frappierenden älnkenntnis über Argentinien geblieben ist.

Ein weiterer Die Einwanderung behindernder Faktor dürfte der fein, dah Die Erlangung Der für Die Einreise nach hier erforderlichen Doku­mente noch immer unnötig erschwert wird. Die Furcht vor Dem Einschleppen bolschewistischer Ideen, die kurz nach dem Kriege den Anlaß zu Den nötigen Vorsichtsmaßnahmen gab, ist heute absolut nicht mehr stichhaltig, um im Gegen­satz zu Den übrigen südamerikanischen Ländern noch weiter veraltete Formalitäten beizubehalten,

ihm Die Dünne Luft. Ein zu rascher Ausssieg birgt Die Gefahr, daß Die Blutgefäße zerreißen. Wenn auch Die Atmung durch Sauerstoffapparate erleichtert wird, so stellen sich doch Gehörstörun­gen und Sinnestäuschungen ein und mit aller Energie muß Der Flieger gegen Die Müdigkeit ankämpfen, die sich zu plötzlicher verderbenbrin­gender Ohnmacht steigern kann. Martens be­richtet. daß er nach seinem Höhenflug im Oktober 1919 nach der Landung völlig taub war. keinen klaren Gedanken fassen konnte und erst nach zwei Tagen wieder das Gehör zurückerlangte.

UebereinftimmenD berichten alle Flieger, daß in großen Höhen die absolute Einsamkeit geradezu beflemmcnö und niederdrückend wirkt. Rur Der Lärm des Propellers, Der nirgends ein Echo findet, weil der Schall zerflattert. ist die einzige Melodie, die das Ohr trifft. Die Erdbewegung bewirkt, daß ein Ostwind von infernalischer Ge­walt (über 200 Kilometer Stundengeschwindigkeit) an dieser Luftgrenze dahinbraust, daß Schnee­stürme daherfegen und den Aufenthalt in dieser Einöde das Luftmeer zu einer wahren Hölle machen. Qlur äußerste Anspannung aller Kräfte und Entfaltung letzter Energien ermöglichen es, sich kurze Zeit in diesem Wirbel rasender und menschenfeindlicher Elemente zu halten. Der Ab­stieg darf (ebenso wie Der Aufstieg) nur allmäh­lich erfolgen, Da Der Körper sich Den Verände- rungen Der Luftdruck- und Temperaturverhältnisse erst langsam anpassen muß.

Diese Höhenflüge haben selbstverständlich, falls sie nicht mit anderen Mitteln durchgeseht werden, nur eine rein sportliche Bedeutung und haben nur insofern Wert, als sie ein ilrteil zulassen über die Leistungsfähigkeit der Flug- technik der einzelnen Länder. Anders verhält es sich um Höhenflüge, die aus wissenschaftlichen Gründen, z. D. zur Erforschung Der höheren Luft­schichten, unternommen werden.

Dies weckt Die Erinnerung an einen Aufstieg in einem Freiballon. Den vor genau 25 Jahren am 31. Juli 1901, Geh. Rat Prof. Dr. Süring (vom Observatorium in Potsdam) und Prof. Derson ausführten, eine Der denkwürDigsten Frei­ballonfahrten, Die jemals unternommen wurden, wobei zum erstenmal im Freiballon die 10 000

Meter-Grenze überschritten und die Höhe von 10 800 Metern erreicht wurde.

Hebet diese seltsame Fahrt (der Ballon führte den RainenPreußen" und faßte 8400 Kubikmeter Gas) hat Prof. Süring (den Schriften Der Raturforschenden Gesellschaft in Danzig zu­folge) folgende Eindrücke und Erlebnisse mitge- teilt:

Um 2.45 Uhr vier Stunden nach dem Ausstieg bei 9000 Meter und 30 Grad Kälte hatten wir das stolze Bewußtsein, höher als alle Erhebunegn Der ErDe zu sein, aber es machte wenig Eindruck. Schematisch wurde das vorge­schriebene Arbeitspensum erledigt: zur Unter­haltung spürte keiner von uns Lust: es war auch schwer, sich bei Den über die Ohren gezogenen Pelzkappen verständlich zu machen.

Eine Verschlechterung des Befindens war noch immer nicht festzustellen, aber es wurde immer schwerer, Die Müdigkeit zu bekämpfen. Mir fielen sogar einmal Die Augen zu, aber, wieder aufgewacht, fühlte ich mich vollkommen frisch und wir führten zwischen 9000 und 10 000 Meter in Abständen von zirka sechs Minuten noch vier Beobachtungsreihen aus. Die Tempe­ratur betrug hier zwischen 30 und 40 Grad Kälte.

Ein anscheinend nebensächlicher Umstand be­förderte nun vielleicht die Abnahme unserer Kräfte: das registrierende Barometer war ein­gefroren, sowohl Das Uhrwerk wie Die Tinte. Derson bemühte sich wie vorauszusehen war, vergebens die Apparate wieder in Ordnung zu bringen: ich hatte in der Zwischenzeit nichts zu tun: meine Müdigkeit wurde daher wieder größer. Rachdem diese Dersuche aufgegeben toaren, machten wir noch eine gemeinschaftliche Ab­lesung in 10 230 Meter Hohe. Bemerkenswert weil abweichend von früheren Erfahrungen ist die Sicherheit, man kann fast sagen Mühe­losigkeit, mit welcher diese Beobachtung ausge­führt werden konnte...

Die Einstellung und Beobachtung des Queck- filberbarometers, welche eine ganz ruhige und etwas unbequeme Stellung verlangte, war exakt durchführbar: der Stand Der Thermometer, welcher durch ein astronomisches Fernrohr, also mit umgekehrtem Bild, abgelesen wurde, war

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klar erkennbar, und das Beobachtungsvio^Ioll konnte von mir mit größerer Sauberkeit geführt werden als bei mancher anderen Fahrt. Der Grund für das Wohlbefinden waren offenbar die konsequent durchgeführte Sauerftoffatmung und der gute Schuh gegen Die Kälte. Kein Wun­der, daß man glaubte, noch viel mehr ertragen zu können! Und doch befand sich der Körper nicht mehr im normalen Gleichgewicht.

Ueber 10250 Meter Höhe werden plötzlich Die bis dahin so deutlich in der Erinnerung haf­tenden Vorgänge unklar: Die Erinnerungen sind infolgedessen bei uns beiden scheinbar etwas ab­weichend. Zweifellos steht fest, daß Berson das Ventil zog und dadurch den Ballon zum Fallen brachte. Kurz vorher hatte er mit schnellem Blick am Barometer einen Luftdruck von 202 Milli­metern das entspricht einer Höhe von 10 500 Metern abgelesen. Diese Höhe ist somit sicher festgestellt. Raturgemäß hat das Ventilziehen nicht sofort gewirkt, um so weniger, weil un­mittelbar vorher Ballast geworfen war. Der Ballon ist also noch geftiegen wir nehmen aus verschiedenen Gründen an bis zu etwa 10 800 Metern aber das ist eben nut eine Schätzung, keine Tatsache. Berson zog das Ventil, weil er auf Anruf und Schütteln leine Antwort von mir erhielt und daher eine Katastrophe befürchtete: das Ventilziehen verbrauchte aber den Rest seiner Kräfte, er brach erschöpft zusammen und fiel in eine lange, schwere Ohnmacht.

Meine Erinnerungen besagen, daß ich meinen Kollegen anscheinend schlafend in sitzender Stel­lung vorfand, als ich anscheinend noch ganz frisch mich nach chm umsah, um zu einer neuen Beobachtungsreihe aufzufordern. Schütteln war vergeblich: auch als ich ihm meinen At­mungsschlauch in den Mund steckte, um ihm mehr Sauerstoff zuzuführen, blieb er regungslos. Ich wollte daher Das Ventil ziehen, dessen Leine für mich ziemlich schwer zu erreichen war, mußte aber wieder umkehren, um zunächst meinen bei Berson zurückgelassenen Atmungsschlauch zu holen. Mit der noch ganz deutlichen Erinnerung, daß die Kräfte rapid abnahmen, ergriff ich auch noch den Schlauch, aber dann schwand das Bewußt­sein. Ob das vor oder nach Bersons Ventilziehen war, ist ziemlich nebensächlich: jedenfalls waren wir schließlich beide ohnmächtig.