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Aus der Provinzialhauptstadt.
Drehen, den 9. Juli 1926.
Giftpilze.
Die Pilzzeit beginnt und damit wieder die Möglichkeit, sich durch den Genuß giftiger Pilze den größten Gefahren auszusetzen. Der Pilze nicht kennt, sollte lieber die Hände davonlassen. Jedenfalls müssen leichtsinnige Sammler darauf aufmerksam gemocht werden, daß sie durch tfyre Harmlosigkeit und LIntenntnis viel Unheil stiften können.
Man verschaffe sich doch, wenn man einmal gern Pilze sammelt, eine Pckztafel und sehe sich die einzelnen Arten genau an. Die Unterscheidung ist nicht so schwierig, besonders dann nicht, toeirn man sich von einem Kenner hat aufklären lassen. Wertvoll ist. daß die Unterweisung heute fast in allen Schulen durchgeführt wird. Wenn Kinder Pilze in der Schule besprochen haben, werden sie später kaum in Versuchung kommen, giftige und eßbare Pilze zu verwechseln, da gründlicher Anschauungsunterricht das Verständnis begünstigt.
Immerhin soll nicht versäumt werden, auf ein paar der giftigsten und zugleich schönsten Pilze hinzuweisen. Gerade die Pilze mit den leuchtenden Farben und der herrlichsten Bemalung sind häufig giftig. Da ist vor allem der Fliegenpilz zu nennen. Der rote Schirm hat weiße Tupfen.-Entzückend blitzt er durch das Waldesdunkel zwischen den grünen Farben und den braunen Baumwurzeln. Sein Stiel ist innen mit einem feinen Mark gefüllt. Faßt man ihn an, so ist er widrigklebrig. Mdn wird im allgemeinen kaum in Versuchung kommen, ihn zu brechen. Aber der Birke n r e i z k e r ist leicht mit dem eßbaren Eier- schwamm zu verwechseln. Rur unterscheidet sich sein Band von diesem durch Behaarung. Dem Sternpilz ähnelt der Hexenschwamm sehr, den man auch S a u p i l z nennt. Schneidet man ihn durch, dann läuft er sofort dunkel an, was immer ein gefährliches Zeichen ist. Die Stinkmorchel ist nicht weniger giftig. Ihr Geruch warnt indessen auch schon den Pilzunkundigen. Sehr ähnlich dem Champignon ist der K n o l l e n- blätterschwamm: nur, daß sein Stengel hohl und unten dicker ist. Wenn man Champignons sucht, kann man sehr leicht ein Opfer der Verwechslung mit diesem Pilz werden: man achte deshalb immer auf den Stiel. Den Schwefel- kopf erkennt man an seiner gelben Farbe, den Satan Pilz an seinem roten dickflüssigen Saft.
Wer sich diese Pilzarten eingepragt hat, kann getrost der Freude des Sammelns nachgehen. Ss ist ein hoher Genuß, wenn man diese schönen Kinder des Waldes suchen kann. Manchem macht das Suchen mehr Vergnügen als das Essen, und cs braucht nicht erst darauf hingewiesen zu wer- dne, daß diese Tätigkeit neben der Entdecker- sreude zugleich der Gesundheit sehr dienlich ist.
Unser neuer Roman.
In der heutigen Bummer beginnen wir mit dem Abdruck eines neuen Bomans, der unsere Leser in den deutschen Süden, hinaus und hinauf in die bayerischen Berge führt und zugleich in eine von uns allen schmerzlich miterlebte junge Vergangenheit zurück.
„Die Krummhölzer" von Michael Wagner, ein Dauernroman aus der aufgeregten Zeit der Nachkriegsjahre, der vom Schicksal eines großen und reichen Hofes erzählt; die Geschichte eines Altbauern und seiner drei Söhne und ihres Kampfes um die von Vätern und Großvätern überkommene Scholle, um das Glück ihres Lebens und um die trügerischen Ideale und Verheißungen einer neuen Zeit.
Gießener Wochenmarktpreise.
ov i*. <50, Vv-iU ouli) oj bio oO. Wir
sing 30, Weißkraut 30, gelbe Rüben (d. Päckch.) 15, Melde 12, rote Rüben 20 bis 25. Spinat 40, Bömischkohl 10, Erbsen 25 bis 30, Mischgemüse 15, Tomaten 60, Zwiebeln 20, Meerettich 30, Rhabarber 20, Kartoffeln fneuc) 13. (alte) 5, Dirnen 40, Kirschen 40 bis 50, Heidelbeeren 40, Stachelbeeren 20 bis 35. Johannisbeeren 20 bis 30, Erdbeeren (Garten) 60 bis 70, Honig 40, Walderdbeeren (1 Liter - 80, Himbeeren 60 bis 80. junge Hahnen 100 bis 110, Suppenhühner 110 bis 120; das Stück: Eier 12 bis 13, Blumenkohl 69 bis 100, Salat 5 bis 10, Calatgurken 40 bis 60, Ober-Kohlrabi 15 bis 20, Rettich 10, Radieschen (Dd.) 10 Pfennig.
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** Hochwasser führten gestern abend auch die Wieseck, der Klingelbach und die Lahn unterhalb der Wieseckmündung. Die Flut drang verschiedentlich in die angrenzenden Gärten ein, wo allerlei Schaden entstanden ist. Heute früh hatte sich das Wasser glücklicherweise bereits zum größten Teil wieder verlaufen.
0 Verbesserung an den Schienengleisen der Straßenbahn. Zur Verbesserung des Schienenwegs der Elektrischen im Seltersweg werden die Schienen jetzt mittels eines besonderen Verfahrens, über das im heutigen Stadtverordnetensitzungsbericht Angaben enthalten sind, aneinandergeschweißt. Der Schienenstrang erhält dadurch ein festeres Gefüge. Die Verbindungslaschen werden dadurch überflüssig. Die durch die Schienenstöße verursachten Schäden an Gleisbau und Wagenmaterial werden durch das neue Verfahren wesentlich vermindert.
• Tödlich verunglückt. Der 27 Jahre alte Arbeiter Karl Schäfer aus Wieseck kam gestern nachmittag gegen 5 Llhr an der Ecke Dieichstraße—Südanlage mit seinem Fahrrad zu Fall und geriet dabei unter ein mit Holz schwer beladenes Fuhrwerk. Der bedauernswerte Mann erlitt schwere innere Verletzungen. Die Freiwillige Sanitätskolvnne vom Boten Kreuz, die mit ihrem Sanitätsauto sofort an der Llnfallstelle erschien, brachte den Schwerverletzten nach derChirurgischeni Klinik, wo aber nur noch der inzwischen eingetretene Tod des Mannes festgestellt wurde.
"VonderMarkus gemeinde. Am kommenden Sonntag, 11. Juli, hält die Markusgemeinde ihre Gemeindeseier (mit der Kinderkirche) auf der Hardt. Für Spiel und Unterhaltung ist, wie man uns schreibt, mancherlei vorbereitet. Näheres in der heutigen Anzeige.
Borrwtizen.
— Tageskalender für <yreitag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Grüß mir das blonde Kind am Rhein". — Astoria-Lichtspiele: „Parisette".
Oberhessen.
Landkreis Gießen.
is Steinbach, 8. Juli. Unter den hiesigen Schweinebeständen trat die Rotlauf- seuche in letzter Zeit stark auf. Eine ganze Anzahl Schweine fiel ihr zum Opfer, ein Teil wurde abgeschlachtet. Der Schweineversicherungsverein wird hierdurch sehr in Mitleidenschaft gezogen. Diele Besitzer ließen ihre Tiere deshalb gegen diese Seuche impfen.
LJ Annerod, 8. Juli. In unserer stimmungsvollen Kirche wird am nächsten Sonntag ein Missionsfest abgehalten. Die Missions- cmsprache hält Missionar Lauk, der während des Weltkrieges auf dem Basler Missionsfeld in China tätig war. Die Predigt hat Pfarrassistent Hertel-Gießen übernommen. (Siehe heutige Anzeige.)
Kreis Friedberg.
bem Anvenleu ber Königin X. ui | c gemiomei war. Den Hauptpunkt des Abends bildete ein Vortrag von Fräulein Kleber, der ein lebensvolles Charakterbild der Königin gab. An den Vortrag reihten sich in bunter Folge Lieder. Deklamationen. Vortrag von Driesen der Königin. so daß vor dem geistigen Auge der Anwesenden ein lebensvolles BUd der großen Dulderin entstand.
y Aus der mittleren Wetterau, 8. Juli. In der oerfl offenen Nacht gingen mehrere schwere Gewitter mit lvolkenbruchartigen Regengüssen über der mittlerenWellerau nieder. Die Wassermafsen drückten allenthalben die üppig stehenden Getreidefelder, besonders Roggen und Gerste, aber auch andere Gewächse in Feld und Gärten nieder, wodurch namhafter Schaden entsteht.
WSN. Ober-Mörlen, 8.Just. Dor einigen Tagen wurde der hiesige Schloßgarten auf zwölf Jahre neu verpachtet. Wie verlautet, beabsichtigt der neue Besitzer, in dem Garten eine 'Seidenraupenzucht anzulegen.
Kreis Büdingen.
Ridda, 8. Juli. Frau Jakob Sommer Witwe hier verkaufte ihr an dem (Straften- kreuz Dahnhof-. Schiller- und Reuen Strafte gelegenes Wohnhaus an Kaufmann F. Kolb dahier für 15 000 Mark. — In der letzten Rächt gingen hier mehrere wölken bruchartige Gewitterregen nieder. Die Ridda stieg dadurch innerhalb einer halben Stunde bis 4 älhr früh um einen halben Meter. Der Wiesengrund oberhalb Ridda war heute morgen überschwemmt. — Heute mittag stürzte der Weiftbindermeister Gustav Pfannkuchen hier vom Gerüst, das er beim Verputzen eines Hauses in der Schloft- gösse bestiegen hatte. Der Verunglückte trug schwere Verletzung en am Kopfe und in der Seite davon.
„?" Nidda, 8. Juli. Um eine Senkung der Erkrankungsziffern herbeizuführen, ist die Land- und Ortskrankenkasse des Kreises dazu übergegangen, Behandlungsscheine einzuführen. Diese müßen vor dem Gang zum Arzt bei der zuständigen Zahlstelle angefordert werden. Nur in den Fällen, wo sofortige ärztliche Hilfe nötig ist, kann eine nachträgliche Beschaffung des Behand- lungsscheines zugelasfen werden. Man erhofft, aus dieser Maßnahme wenigstens eine leichte Entspannung der zur Zeit schwierigen Wirtschaftslage der Krankenkasse.
Kreis Schotten.
—Schotten, 8. Juli. Das Kreis- amt Schotten hatte das Viehhüten an den Sonntagvormittagen verboten, um eine Benachteiligung des Vormittagsgottesdienstes nach Möglichkeit auszuschließen. Die Durchführung dieses Verbotes wäre der derzeitigen schwierigen Lage der Landwirtschaft nicht gerecht geworden und hätte namentlich für viele Heine landwirtschaftliche Betriebe, die ohnehin an Futtermangel für ihren Viehbestand leiden, Härten im Gefolge gehabt. Auf Vorstellungen verschiedener Gemeinden hat nunmehr das Kreisamt nach Benehmen mit dem Kreisveterinäramt und dem Landwirtschaftsamt das Verbot aufgehoben und gestattet das Viehhüten auch an den Sonntagvormittagen. wo es seither üblich war. Doch soll der Heimtrieb des Viehes bis zum Beginn des Vormittagsgottesdienstes beendet sein.
— ■ = Gedern, 8. Juli. Auch in diesem Jahre bewährte unsere grofte Grasversteigerung ihre alte Anziehungskraft. In der Hauptsache setzten sich die Interessenten aus Kleinbauern und Arbeitern zusammen. Im Durchschnitt brachten einschürige Wiesen etwa 30, zweischürige 30 bis 40 Mark pro Morgen. Damit blieben die diesjährigen Pachtbeträge hinter den vorjährigen zurück, hielten sich aber im großen und ganzen auf der Höhe des Erlöses, der in ■ anderen Orten der Umgebung erzielt wurde.
• U 11 a , o. -juli. ^n den Morgenstunden zum Donnerstag brach ein heftiges Gewitter In das Ulfatal ein, das 1) Stunden währte und von wolkenbruchartigem Regen begleitet war. Der Ulfabad) führte ungeheure Wassermassen, die das tief gelegene Wiesental überschwemmten, so daß die am' Morgen zu ihrer Arbeitsstätte gehenden Arbeiter nur auf großen Umwegen dahin gelangen konnten. Die Getreidefelder bieten einen trostlosen Anblick. Eie sehen aus, als wäre die Walze über sie hinweggegangen. Die Aecker mit Hackfrüchten sind vom Wasser stark ausgerissen. Auch bic Nidda führte in den Morgenstunden Hochwasser.
Rheinhessen.
WSN. Worms, 8. Juli. Gestern nachmittag brach hier aus unbekannter Ursache in dem M o - torbootschuppen des Holzhändlers Eber Feuer aus, das in dem dort aufaefpcicherten Benzin reiche Nahrung fand. Im Nu fchlchgen die Flammen meterhoch empor. Innerhalb kurzer Zeit mar der Schuppen mit feinem ganzen I n - halt, darunter einem etwa 4 Meter langen Motorboot, völlig zerstört. Der Schaden ist sehr beträchtlich.
Preußen.
Dillkreis.
* Dillenburg, 8. Juli. Nach dem Stande vom 3. Juli betrug die Zahl der männlichen 13 o 11- erwerbslvsen im Dill t reis 1648, die der weiblichen 32. Am gleichen Tage wurden 2793 Zuschlagsempfänger gezählt. Mit Notstandsarbeiten werden gegenwärtig 616 Mann beschäftigt.
bl. Herborn, 8. Juli. Die Waldbecren- ernte hat auf dem Westerwald begannen und zeitigte beste Erträge. Die Frucht ist sehr begehrt. Der Preis beträgt im allgemeinen 40 Pf. -für das Pfund.
Rundfunk-Programm
des frankfurter Senders.
(Aus der ^Radio-Umschau-.)
Samstag, 10. Juli:
3,30 bis 4 Uljr: Die Stunde der Jugend. 4,30 bis 5,45 Ahr: Konzert des Hausorcheftsrs: Fortsetzung des Wunschnachmittags vom 3. Juli. 5,45 bis 6 05 älfjr: Die Lefestunde. 6,15 bis 6,45 iMjr: „Schillers Weltanschauungsgedichte III (Die Ideale; das Ideal und das Leben)". Vortrag von Pfarrer Taesler. 7.15 bis 7,45 Ufjr: Funkhochschule Frankfurt: ..Eine frühe verlorene Fassung des Ribelungenliedes. Vortrag von Prof. Raumann 8.15 ilfjr: Uebertragung von Hamburg.
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Cs kosteten auf dem gestrigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 180 bis 190 Pfennig, Matte
ss. F r i e d b e r g , 8. Juli. Die Frauen- gruppe der Deutschem Volkspartei hielt gestern abend eine Versammlung ab, die
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Hauptversammlung und Festsitzung Sonntag, den 11. Juli 1926.
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2. Vortrag von Professor Dr. Rauch (ßieflen) „Von hessischer and miltelrbeinischer Kunst“ mit Lichtbildern.
Gäste willkommen.
5743V Der Vorstand.
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