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Samstag, 10. April 1926

lehrung von f ad) m ä nn if d) e r Seite »ft für den Vogelsberg sehr vonnöten, vor allem ist eine gute Fachausbildung der Tu­gend dringend ersorderlich. die am besten und zweckmäßigsten in den landwirtschaftlichen Schu­len geboten wird. , , . . ... ,

Diese Schulen haben sich als außerordentlich segensreich erwiesen und werden von der Land- bevöllerung in richtiger Erkenntnis der Wichtig­keit einer gediegenen Fachausbildung mehr und mefjr beschickt.

Nun beabsichtigt die Hessische Volkskammer einen Abbau der von ihr vor kurzem eingerich­teten landwirtschaftlichen Aemter und Schulen vorzunehmen, gerade auch im Vogelsberg, der doch einer besonderen Fürsorge und landwirt­schaftlichen Pflege bedürfte. Das Däumchen, das jüngst gesetzt wurde, gute Wurzeln geschlagen hat und viele Früchte trägt, soll wieder um­gehauen werden.

Wir glauben, daß dieser Abbau, falls er wirklich wider Erwarten durchgeführt würde, sich bitter rächen wird, und hoffen, daß eine bessere Einsicht in die Bedeu­tung der Landwirtschaft im Vo­gelsberg unter den Abgeordneten und Par­teien der Volkskammer platzgreift und baß dem Vogelsberg, den man oft recht stiefmütterlich behandelt hat. seine landwirtschaftlichen Aemter und Schulen erhalten b.eiben. Diese werden bann gern mithelfen, das; die Canbtoirtfdjaft im Vogelsberg sich zu gutem Blühen und Gedeihen durchringt.

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)

M. 83 Drittes Blatt

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Der Rechtsspiegel

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Heimcüpflege und Kommunalpolitik sind zwei orte, die man selten beieinander sieht, und doch >. Diele Fäden lausen von

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dürfnislose Mensch und GeiftHirte allein ungluck- lich und verlassen?

Die Eidechse sitzt vor ihm auf der Stein­platte und die harten derben Finger des Mannes dürfen sie berühren, ganz leicht, ganz zart...

Plötzlich steigt der Blick des Alten dem blauen Himmel zu.

Uni> er legt sich auf den Rücken und sieht einem Adler in der blauen See des Rachmittags­himmels zu. O. das Vergnügen! Dieses wun­derbare Vergnügen. Wie er seine Kreise zieht I Wie er dahinsegelt, stolz, schwungvoll, lustte-. rauscht, von Wonne beseligt. Ein leiser Reid steigt im Stadtmenschen hoch. 3ft dieser fletne Aufenthalt nicht über alles reizvoller Äs eine durchbüffelte Geometriestunde in der Schule »u Hause? Ist das Spiel des Adlers nicht auch eine Art Geometrie?

Aber das versteht dieser Mann alles nicht. Er liegt auf dem Rücken und folgt dem Spiele des Adlers, bis ihn der blaue Schleier der Ferne aufnimmt. Die Augen des Alten glänzen. Welch ein heroisches herzliches Erlebnis!...

Die Heimcttpflege in der Kommunalpolitik.

Bevenuto! ruft mir der Geißhirte nach, und ich lasse ihn zurück bei feiner großen Herde, bei seiner primitiven Holzslöte, bei seiner Ameisengemeinde, und seiner Eidechse, die seinen Pfiff zwischen den kleinen gelben Zähnen liebt.

Da öffnet sich die See. eine Reihe Segel­blätter erblühen ferne, und es ist mir, als ob sie ein Sinnbild meiner rastlosen Wünsche wären iind meiner rastlosen Sehnsucht...

,v. ./nüber zur Kommunalpolitik,

intern ist die Pflege des Gemeinwesens in jeg- iiier Beziehung. In ihm sieht man alle sozialen, hiltureUen und wirtschaftlichen Maßnahmen, die irr den Bürger Vorteile tragen sollen, viel scharfer >e icinanbtr. Von sämtlichen Einrichtungen wird der [Birger stark berührt, er steht unmittlbar mit ihnen ft Verbindung, er hat Rechte zu ihnen und Pslich- iii Deshalb soll sich die Kommunalpolüik. wie wir ste heute sehen, nicht in der Gemeindewirtschaft mit ibSeriellen Interessen erschöpfen. Zur Gemeinde. Ciitif gehören die 'Aufgaben, die dem inneren Aus- ?(nu unseres Volkes dienen. Wir müssen uns von )«n Gedanken frei machen, daß die Kommunal- 'Ermattung nur dazu berufen ist, den Burger zu 'e-uiffichtigen. von ihm die Steuern einzuziehen ii-d ihn sonstwie zu Pflichten zu rufen. Kommu-' ciiwinschast darf nicht Selbstzweck der Gemeinden ein, ihre großen Linien müssen auf die gesamte Ziaatswirtschaft eingestellt fein, deren gesunde Ent­nickelung auch eine Befruchtung der Kommunal- virt{d)aft nach sich zieht. Eine gesunde Kommunal- nirtjchoft kann aber nur ihre Wurzeln in Gemein­en schlagen, in denen der Heimatgedanke bei der -labtocrmaltung und bei den d^e Bürger sühren- ~t-i Organisationen eine starke Stütze sindet. Zur stiimatpslege durch die Kommunalpotitik gehört ri j)t nur der Heimatschuß im engeren Sinne. Alle 8 .strcbungen der Heimatpflege müssen in der Kom- m malpolitik ihren Niederschlag finden, die in ihrem Endziel auf die Erziehung der ge,amten Einwohner zur Gemeinschaftsarbcit hinauslaufen, st-imatpslege in Beziehung zur Kommunalpolitik tarf nicht nur literarische und künstlerische Be- totgung sein, sie muß anknüpsen an das kommu- nale Wirtschastslebeji, denn nur über bic|e Bc- jichunqen hinweg können die Fäden für em star- tercs Interesse am Heimatgedanken gesunden werden.

5305 landwirtschaftliche Klein- und Mittelbetriebe gezählt. Die Leiter dieser Betriebe bedürsen dringend einer eingehenden Beratung und Be­lehrung in allen landwirtschaftlichen Fragen. Feldrundgänge. Vorträge. Versuche sind für die Betriebe notwendig, vor allem Aufklärung über die erforderliche Umstellung der Betriebe von der Körnerwirtschaft zur Viehzucht und Weidewirt- schäft. Die wirtschaftliche Kraft des Vogels- berges beruht vor allem anderen in seiner Landwirtschaft und hier wieder besonders in seiner Vieh wirtschaft. Die schweren Mißernten der letzten Zahre und die Rückschläge haben die Rotwendigkeit erwiesen, daß die land­wirtschaftlichen Betriebe im Vogelsberg sich mehr und mehr auf die Viehzucht um ft eilen müssen. Auch der in Deutschland allgemein ver­zeichnete erheblich vermehrte Fleischkonsum und Verbrauch an Milch. Butter. Fette u. dgl. bietet hierzu großen Anreiz und verlangt, daß der Viehzucht, der Wiesen- und Weidewirtschaft mehr wie bisher Aufmerksamkeit geschenkt wird. Die Kaufkraft und Steuerkraft würde mit der Um­stellung erheblich gesteigert, der hessische Staat hätte von dieser wirtschaftlichen He­bung des Vogelsberges nur die besten Vorteile.

Der Vogelsberger ist im allgemeinen Steu­erungen nur langsam zugänglich, er hängt am Althergebrachten, an von Vater und Großvater überkommenen Lehren. Er braucht Zeit und Aufklärung, um die modernen Fortschritte in Wissenschaft und Technik auf sein Gut zu über­nehmen. Eine längere Beratung und Be -

Kleines Wunder in der Einsamkeit des Berg- landes...

Die Landlvittschastsämier und landw. Schulen im Vogelsberg.

Man schreibt uns: Die hessische Regierung hat im Zähre 1920 in richtiger Erkenntnis der Bedeutung der Landwirtschaft für den Wieber- ausbau von Volk und Vaterland aus einstim­migen Landtagsbeschluß eine Vermehrung der landwirtschaftlichen Schulen herbei- gesührt und aud) für die Kreise Alsfeld. Sdjotten und Lauterbach landwirtschaft­liche Schulen und Landwirtschaftsämter einge­richtet. Diese Fürsorgemahnahmen für die Landwirtschaft im Vogelsberg wur­den von der Kreisbevölkerung sehr freudig be­grüßt. 3m Kreis Schotten z. B. werden

Man faßt es kaum. Seit über fünfzig Jah­ren sitzt der Mann in dieser Gegend, und die Zeder ist sein Dach seit zehn Zähren.

Hat dieser Mensch in dieser Einsamkeit, in diesen schweigsamen Zähren seines Lebens nicht seine Sprache verloren? Weiß er. was Dtntec dem nächsten Höhenrücken für ein Land liegt < Weih er etwas von tet Erde, von der Mett-' Kennt er das Meer, die Stadt, und besten Ausdruck dieser Zeit den Flieger und sein Flugzeug? Weih er denn, daß er lebt?

Er weih es. Aber er hält dies für keine bedeutsame Tatsache: er hält dies für keine Tragödie, für kein Glück, für kein freudiges Er» eignis. Seine Zufriedenheit ist erhaben. Wie wunderbar muh dieser braungebrannte, allen Umganges bare Mensch fühlen! Zn seiner Ein­fachheit und primitivsten Lebensführung!

Sieh! Kaum sah ich an seiner Seite, blinzelt er nach der Sonne, ob ich wohl Schatten genug habe, greift in seinen Ranzen, holt daraus em Stua Broccio: er meint es gut mit mir.

Dies allein wäre ein köstliches Erlebnis. 3n mir wird das Gefühl wach, daß kleine, einsame, bedürfnislose Menschen in ihrem Herzen und in ihren Handlungen gut find, ehrlich, freund­lich Sein Stückchen Broccio! Vielleicht fein Abendessen! Ein Käse, scheinbar aus Salz und Paprika, dem gegenüber jeder Roquefort muoe Butter ist. Aber er ruft eine Geift herbei, er melkt sie, langt es nicht, hat er deren noch mehrere, er reicht mir den Becher, einmal, Drei­mal, so oft ich will.

Er 'schiebt, um es mir bequemer zu machen, eine Steinplatte weg. Aber sorgfältig und lang­sam, denn auf der Steinplatte tummelt sich eine Ameisenschar. Und auf einer zweiten Stern- platte sonnt sich eine große, wunderschöne Ei­dechse. Seine Kameraden. Wie glücklich muft_ter Hirte sein, mit den Tieren zu verkehren: -iere sind treu. Er erzählt mir schließlich, als ich ein Stückchen von dem harten Broccio gegessen und Geihmilch getrunken habe, er erzähl, nn^ dah diese Eidechse jeden Tag zur selben Stunde wiederkommt. ,

Zft dieser grauhaarige Mann, dessen Erotz- vater noch Rapoleon gekannt, im Hause Buona-

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hältnisfe im Staatlichen in kleinerem Maßstabe I auch in da. Gemeindeleben hinuverzuleiten. Hier müssen die Bestrebungen, die Kommunalwahlen mehr auf die Eigenarten der Gemeinden ein zu- stellen und sie durch die Bedürfnisse einer guten Heimatpflege zu beleben, einsetzen. Es wird an den ausbauwilligen Parteien liegen, die Belebung des Heimatgedankens, wie ihn die Kommunalwahlen in der Regel mit sich bringen, auch über den Wahl- ♦ag hinaus weiterzuführen. Die Parteien müssen sich im Interesse des gesunden istaatsgedankens be­rufen fühlen, in den Gemeinden fruchtbares Neu­land zu bearbeiten.

Nicht umsonst hat man die Gemeinden als die Zellen des Staates bezeichnet. Sie gesund w er­halten und sie von unten herauf mit neuen Zm- vuljen zu befruchten, wird Aufgabe aller Organi­sationen fein müssen, die die Notwendigkeit eines ccsunden Staatsgedankens erkannt haben. Wer fici im kleinen treu ist. wird es auch dem Staate gegenüber fein, und wer sich nn Gemeindeleben pflichtbewußt fühlt, wird seine Kräfte auch dem großen staatlichen Gemeinschasisleben niajt ver­femen. Anfänge für eine gesunde Heimatpflege in der Kommunalpolitik finden sich in tommunab politischen Abenden, die einen Resonanzboden für die kommunalpolitische Arbeit der Kommunalparla- mentaricr darstellen. In vielen deutschen Stadien, namentlich im Westen, wo die kommunalpolitische Entwicklung starke Träger hat, ist man dazu über» gegangen, die Bevölkerung in parteipolitisch-tendenz­iösen kommunalpolitischen Abenden mit der Ge­meindearbeit und mit den großen und kleinen tommunalpolitischen Problemen vertraut zu machen und diese Aufgaben nicht allein den Stadtverord­netenversammlungen zu überlassen, deren Debatten mehr oder weniger parteipolitisch beeinflußt sind. Die Notwendigkeit für solche Einrichtung findet darin ihre Bestätigung, daß in vielen Städten kommunalpolitische Vereine bestehen, die sich nut kommunalpolitischen Fragen beschäftigen und über die Parteien hinaus heimatkundlich begründete Anregungen für eine gesunde Fortentwicklung der Kommunalpollik geben. Auch die Schulen fin­den in dieser kommunalpolitischen Hennatpflege eine dankbare Ausgabe. Den Kindern, selbst den Fortbildungsschülern sind oft die kommunalen Wirtschaftseinrichtungen unbekannte Begriffe. Man weiß wenig non den Gas-, Wasser- und Elektrizi­tätswerken,' von den Krankenanstalten, den sani­tären Einrichtungen, von den Volksbildungsanstal­ten, man weiß nichts oder wenig vom Städtebau, von seiner geographischen oder geschichtlichen Ent­wicklung, und doch bietet gerade der Städtebau für die Jugend eine Fülle von Anregungen, die in die Familien hineingetragen werden und das Inter­esse hierfür beleben. Auch manche Entscheidung des Gcmeindeparlaments würde den Einwohnern we­niger überraschend vorkommen, wenn sie die Ein­richtungen der Gemeinde und ihre wirtschaftlichen Bedürfnisse kennen. Lerne deine Heimat kennen und lieben! Das soll im tiefsten Sinne der Zweck der Heimatpflege in der Kommunalpolitik sein. Wenn es gelingt, die Volksgenossen von der parteimäßigen Einstellung zu fommunalpolitifdjen Fragen frei zu machen und alle Gemeindeeinrichtungen in Verbin­dung mit den Ueberlieferungen aus der Heimatge­schichte und mit Bezug auf die Bedürfnisse der Ortseinwohner und ihre sozialen, kulturellen und wirtschastlichen Bestrebungen zu beurteilen, bann dürfte die Heimatpflege in der Kommunalpolitik das Pflichtbewußtsein in der Gemeinde schärfen und die Freude am Ehrenamte in der Gemeinde wieder be­leben.

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Das Wirtschaftsleben in der heutigen Form, das sich nicht an den Ort ober an örtliche Voraussetzungen linbet, zeigt vielfa chbie Tendenz einer starken Ab- 'limipfung des Heimatsinns. Die Fäden für die Pflege

Heimatgedankens durch die Anteilnahme her Bürger an der Kommunalpolitik find bei vielen verloren gegangen, feitdem durch den Ausbau der Verkehrswege die Freizügigkeit zu weiten Aas- urißen führte, die nur durch die Wohnungsnot vorübergehend eingeengt wird. Der Austausch der Kräfte auf dem Arbeitsmartt führt naturnotwendig auch zu einer Entfremdung der Familien und Kin­der vom kommunalen Gemeinschaftsgedanken. Was nettem noch Wohnsitz und Heimat im erweiterten U Sinne war. ist heute vielleicht schon vergessen, nach­dem sich die Familien durch den Wechsel des Ar­beitsortes mit veränderten Arbsits- und Wirt- schastsbebingungen auch, auf veränberte Verhall- !nisse einftellen müssen. Deshalb hat man auch dem Siedekungsgedanken die Kraft für die Pflege des Heimatgedankens beigemessen. Liber hier kann der Hcimatgebankc nur in solchen Familien konstant l-lciben, deren Berufs- und Wirtschaftsoerhaltnisse leinen Wechsel des Wohnsitzes bedingen. Das Hei- matgefühl fehlt, wenn bas innere Verwobensem mit den Geschicken der Gemeinde nicht vorhanden ist Deshalb ging die Entwicklung im politischen lieben auch dahin, in den Gemeindewahlgesetzen eine Bestimmung einzufügen, die die Stimmberech- tzcung bei Gemeinbewahlen an einen zeitlichen Minbestaufenthalt in der Gemeinde knüpfte, um bebiird) den Anfang zu einer starken Erziehung her Wähler zu heimatkundlichem Denken in der (franeinbe zu schaffen. Nicht alle Parteien sind der iJlcinung gewesen, daß es über einen solchen Weg hinweg gelingt, das Interesse der Bürger an den ' Einrichtungen der Gemeinden zu beleben. Das In- tereh'e an den Kommunalwahlen in ihrer heutigen «fcjtalt entspringt nicht mehr dem Verlangen, die Wrtschaftsinteressen der Gemeinde in bestem Sinne li vertreten, ober ihre Bebeutung gegenüber den 'Jlad)bargemeinben zu stärken. Das Interesse kon- zentriert sich heute auf bas Bestreben, bic Stimme ber Partei zu geben, der nach der Weltanschauung b<5 Wählers die Macht sowohl im Staats- als auch im Gemeindeleben gilt. Die Tendenz der heu­rigen Kommunalwahlen ist daruf gerichtet, die Ver-

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Korsisches Erlebnis.

Von Franz Friedrich Oberhäuser.

Rach einsamen, die Seele dämpfenden Wan» ter ftunten in den korsischen Bergen begegnet man endlich dem Leben. Das steingewordene Leid ter selsigen Wildnis ist wie ein ermatteter Traum in die Vergangenheit gesunken.

Mit weißer Erika ist nun die Erde gesegnet Zaghaft noch und scheu: aber es blüht ringsum. Und die sehnsüchtig suchenden Augen nehmen das erste süße Frühlingswunter freudig auf.

Unter einer Zeder liegt ein Geißhirt.

Seine zahlreiche Herde weidet auf den matt» grünen Hangen. Es ist warm und still. Durch diese Stille kommt mir der Gruß des Berghirten lauter entgegen. Er ist freundlich und kurz.

Der blaue Schatten der Zeder verspricht ein Raststündchen. 3n ter Ferne steigt der Monte Eorona in den Himmel und die breite, einsame, weiße Strafte führt der See zu, hinab gegen Porto und Piano.

Wundersamerweise kommt mit ter Be­gegnung mit diesem einsamen, alten, braunge­brannten, grauhaarigen Geifthirten eine latfe klingende Poesie aus unserem Denken. Der Bnck streift wieder über Landschaften, über die Schat­tierungen des Geländes, über dunkle Baum- inseln Korsika liegt weit von Paris. Und ein Meer trennt diese 3nsel ter Schönheit von Frankreich: aber nicht allein die 3nfel, auch Gesinnung, Art und Wesen dieses Znsewolkes. Italien ist hier näher Aber Weltgeschichte hat mit diesem menschlichen Erlebnis nichts zu tun. Es gehört ganz einem korsischen Geifthirten. Zie­gen und Schafe, zahllos, weiden ringsum Manche Säften haben dünn klingende, kleine Glöckchen am Halse hängen. Der Hirte schert sich nicht viel um seine Herde. Sind es doch sagt er nach langem Schweigen - weit über tausend, die er bewachen hat. ilnb sein Bruder, der breiter südlich, gegen Ajaccio eben auch em Hirte ist, ftat sogar gegen hunderttausend Lämmer...

Man ist ergriffen über die Bedürfnislosigkeit dieser Menschen.

Vita povera! Vita miserabile!

So sagen die Leute, die Menschen in den Städten, wenn sie an einem Geifthirten vor- überkommen. Wenn sie eine Büchse geräucherten Lachs ein Düchslein Ananaskompott aus dem Reisesack holen und Rast halten in ter Rahe eines Geifthirten. Sie schwatzen allerlei Zeug und bedanken sich freundlich für die Geiftmilch, die ihnen ter Hirt anbietet.

Diese einsamen Menschen haben sich ebenso ihr Leben zurechtgemacht, genau so, wie wir alle dieses Gesetz befolgen müssen. Em kleiner Teil gehört uns, und ist uns zu eigen, wie tem Bauer ein Stückchen Acker, aus dem er die Früchte holen muh. Dieser Geißhirte toeift von einer vita povera nichts. Er kennt die vita miserabile nicht. Seine Lippen schweigen, seine

unb mKiMg. leigert: 32W

16. M vormittag! in der Försterei Leih- oalhes aus den Fortt- pf, Rabenpfuhl, M- e: Derbslangen M- l.fil NuMlerw! Mhknuppel nn: W m: 40 Fichte. «r-M

Eiche 2. fil., Fichte 2. fit toüppt U: 3,4 Fichte 2.81 i: 14,4 Eiche; Zü­chte. SlammMM

Stöcke rw: Solche jchte 1. fit.; 4/5 W

mir das M topf 16 unb 2 >rige Besichtigung

ien wegen ®ute □nrtt werden.

- >te Stelle- g. April 1926-

teiaenin9-

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6 Äpril ift6.

Dom amtsrichterlichen Slrafhefehl.

(Nachdruck verboten.)

Auf schriftlichen Antrag des Staatsanwalts kann der Amtsrichter einen schriftlichen Straf­befehl erlassen, ohne daß vorher eine Verhandlung stattfindet, wenn es sich um eine Übertretung oder um ein Vergehen handelt und nur eine Geldstrafe oder eine Freiheits- (Haft- oder Gefängms-)strafe von höchstens drei Monaten, sowie eine etwa ver- wirkte Einziehung oder die Bekanntmachung einer Entscheidung festgesetzt wird. Die Ucbcrmei- sungdesBefchuldigtenandieLandes- Polizeibehörde, die bei Betteln, Landstrei- chsrei, Vernachlässigung der Familie durch Spiel, Trunk ober Müßiggang und hierdurch nötig gewor­dene öffentliche Unterstützung, ferner bei Gewerbs- unzucht, Arbeitsscheu und Nichtverschaffung von Un­terkunft trotz behördlicher Aufforderung in Frage kommt, also die Einweisung in ein Arbeitshaus, kann jedoch nicht durch einen Strafbefehl erfolgen, sondern setzt eine förmliche Verhandlung vor dem Amtsrichter voraus.

Findet der Amtsrichter Bedenken, die Strafe ohne Hauptverhandlung festzusetzen, so ist eine Hauptoer- handlung anzuberaumen. Das gleiche ist der Fall, wenn sich Amtsrichter und Staatsanwalt über die Höhe einer Strafe, die letzterer beantragt hat, nicht einigen können. Es ist dieses ein Fall, der in der Praris seltener vorkommt.

Der Strafbefehl selbst, der die dem Beschuldigten zur Last gelegte strafbare Handlung, die zur Fest- jetzung der Strafe herangezogenen strafgesetzlichen Bestimmungen und die Beweismittel (in der Regel die Namen der Zeugen der Tat) enthalten muß, ent­hält stets die Androhung, daß er voll st reckbar, b. h. rechtskräftig wie cm Strafurteil, wirb, wenn der Beschulbigte nicht innerhalb einer Woche nach der Zustellung des Strafbefehls schriftlich oder zu Protokoll des Gerichtsschreibers Ein­spruch erhebt. Immer wieder kommt es vor, daß jemand, der einen Strafbefehl erhalten hat, diese Urkunde kurzerhand an das Gericht zurückschickt und daraus lediglich schreibt:Zch erhebe Einspruch." Die Frist ist bann wohl gewahrt. Der Form ist aber doch nicht Genüge getan. Denn dieses Schriftstück laßt ohne Unterschrift nicht erkennen, daß der Em- sprach von dem Beschuldigten selbst oder von einer von ihm beauftragten Person eingelegt worden ist. In feststehender Praxis verlangen deshalb die Ge- richte, daß ein Einspruch, um wirksam zu wer- den, auch unterschrieben sein muß. Das Amts- gericht hat nicht zu prüfen, ob ein nicht unterschrie­

bener Einspruch tatsächlich von dem Beschuldigten herrührt oder mit feinem Wissen und Willen ein­gelegt worden ist, sofern nicht zweifelsfrei er­kennbar ist, daß der Einspruch vom Beschuldigten herrührt. Ein nicht unterschriebener Ein- pruch wird deshalb vom Amtsgericht in der Regel verworfen.

Andernfalls kommt die Sache zur Hauptverhand­lung, wenn nicht der Beschuldigte seinen Einspruch wieder zurücknimmt, oder der Staatsanwalt etwa aus Grund neuer Erhebungen die Klage fallen läßt. Der Angeklagte, der nicht persönlich erscheint oder sich durch einen mit schriftlicher Volln^icht ver­legenen Verteidiger vertreten läßt, wird nach gesetz- kicher Vorschrift mit Bestimmtheit erwarten dürfen, daß sein Einspruch ohne Beweisaufnahme durch Urteil verworfen wird. Im übrigen ist das Gericht bei feiner llrteilsfällung an den im Straf» befehl enthaltenen Ausspruch weder in bezug aus die zur Anwendung kommenden Strasvorschriftcn noch in bezug a*u f das Strafmaß gebunden. Schließlich ist noch zu erwähnen, daß cjn Angeklag­ter, dem gegen den Ablauf der EinspruchsfristWie- dereinsetzung in den vorigen Stand" gewährt wor- den war, keine Wiedereinsetzung gegen das feinen Einspruch verwerfende Urteil hat.

Fristlose Kündigung infolge Nichtzahlung des EehaUs.

Anter Berufung auf § 71 Ziffer 2 des Han­delsgesetzbuchs, ter als Grund zur fristlosen Kün­digung auch die Richtbezahlung des Gehalts vorsieht, hatte ter Leiter der Berliner Zweig­niederlassung einer auswärtigen Firma feine Stellung, in ter er sein Gehalt nur unregel- mäßig erhielt, fristlos getimtegt und auf die Bezahlung seines Gehalls bis zum nächsten ge­setzlichen Kündigungstcrmlii geklagt. Er hatte dabei indes übersehen, daß der § 71 des HGD. die Einschränkung enthält:sofern nicht be­sondere Lim stände eine andere Beurtei­lung rechtfertigen." Lind gerate auf diesen Passus berief sich die Beklagte, indem sie Schadenersatz­ansprüche geltend machte. Land- und Kam­me r g e r i ch t erkannten zu ihren Gunsten, und das Reichsgericht wies die Revision des Klägers ab. Das Kammergericht wies in seinem Urteil besonders auf die verantwortungsvolle Stellung des Klägers als selbständigeii Leiters der Berliner Zweigniederlassung hin und be­tonte, daft er seinen Posten wegen der dadurch gefährdeten erheblichen 3ntereffcn der Beklagten nicht einseitig und plötzlich nieder­legen durfte. Diesen Ausführungen hat das

Rete stockt und ist ein langsamer Quell. Aber sein Herz redet und seine Seele lebt!

Es ist mir, in dieser fast wortlosen Unter­haltung mit diesem Geifthirten gerate so, als ob diese einsamen Berghirten dem Herrenmenschen näherstünden. 3hr einfacher, klarer Charakter, ter nur Gut und Döse kennt, beweist es. 3hre primitive Lebensart ist wie eine leicht faftliche Melodie. Sie haben keine Bedürfnisse, sind also meist zufrieden. Sie strecken die Hand aus, einen Befahl zu erteilen, er wird befolgt. Sind der Freund marmigfachen Lebens, sie liegen unter Zedern und Korkeichen im blauen Schatten, rufen, wenn sie Durst haben, eine Gcift herbei, die ihnen Milch gibt, sie essen scharfen Broccio aus Ziegenmild), und ihr Hunger ist gestillt, sie pflegen sorgfältig eine für sie schöne ^Interhcll- tung mit allerlei Getier, und empfinden vielleicht dunkel, daß sie eine Freundschaft haben. Sie sind Reiche, weil sie Vertrauen genießen. Vita miserabile!

Der Geißhirte pfeift leise durch die kleinen gelben Zähne. Und die Eidechse hebt den Kopf, blitzschnell. Der Geihhirte lächelt. 3ch muh mich ganz still hallen. Denn die Eidechse ist mir fremd und ich bin nicht ihr Freund...

So glücklich ist nur ein Geißhrrt. Ob es jeftt der ist, ter neben mir sitzt, oder ein anderer, unterhalb deS Monte Rotondo, bei Lucciana. Ob es ein korsischer Geißhirte ist, oder ein deut­scher Halterbub in unseren schönen Hochwäldern, aus unseren duftgeschwellten Alpenmatten, sie alle führen eine vita povera für viele Menschen, und sie alle sind doch um ein Stücklein himmel­blauen, sonnigen Glückes reicher...

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