einfach als „unsere Bewegung" registriert würden, etwas merkwürdig. Auch scheine es gewagt zu sein, die „Evangelische Volksgemeinschaft" erstreben zu wollen und dabei die Tätigkeit der im politischen Leben sich betätigenden Pfarrer in einer Art und Weise zu beurteilen, die fast an „Hetzerei" grenze. Denn auf diesen Ton seien doch Auslassungen gestimmt, die die „Evangelische Warte" gebracht habe. Lind wie man eine „Volksgemeinschaft" dadurch erreichen wolle, daß man apodiktisch erkläre, daß der Arbeiter nicht mit dem Grundbesitzer, dem Unternehmer oder dem Angehörigen einer gewissen Dildungsschicht in einer Partei leben könne, bleibe Geheimnis der Führer der neuen Bewegung. Das Re- scrat klang aus in die Mahnung: der „Evangelischen Volksgemeinschaft" gegenüber mindestens recht vorsichtig zu sein. Den Schluß der Konferenz bildeten dienstliche Mitteilungen und eine Aussprache über die Lage unseren Landeskirche, der die hessische Regierung immer noch die dringend nötigen Subsistenzmittel in ausreichender Höhe versagt.
Rundfunk-Programm
des Frankfurter Serrders.
(Aus der „Radio-Umschau".)
Sonntag, 10. Januar:
8.30—9.30 Uhr: Morgenfeier, veranstaltet vom Wartburgoerein Frankfurt a. M. 12—1 Uhr: Mit- tagsständchen, veranstaltet vom Arbeiter-Zitherverein. 4—4.30 Uhr: Die Stunde der Jugend. 4.30 bis 5.30 Uhr. Nachmittagskonzert des Haus- orchesters: Die Oper der Woche. 5.30—6 Uhr: Große Erzieher: Aus dein „Einil" von Rousseau (2. Vortrag). 6—7 Uhr: Stunde des Rhein-Maini- schen Verbandes für Volksbildung — „Religionsschöpfer". Ein Zyklus. „Philipp Spener". Vortrag und Vorlesungen von Geh. Konsistorialrat Pfarrer Dechent. 8.30—9.30 Uhr: Opernabend. 9.45 bis 11 Uhr: Heiterer Abend.
Montag, 11. Januar:
3.30—4 Uhr: Die Stunde der Jugend. 4.30 bis 6 Uhr. Nachmittagskonzert des Hausorchefters: Bal- lettmufik. 6—6.30 Uhr Die Feststunde (Die Novelle): „Winterydill" von Carl Stieler. 7—7.30 Uhr. Uebertragung non Kassel, Vortrag, anläßlich der Aufführung im Stadttheater Kassel spricht der Oberregisseur des Schauspiels, Dr. Rolf Prasch, über „Schillers Jungfrau von Orleans". 7.30 Uhr: Uebertragung aus dem großen «aal des Saalbaues: Sechstes Montagskonzert des Frankfurter Orchestervereins.
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Nr. 7 viertes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheifen) Samstag,«. Januar 1926
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Die Wahabiten.
Von Dr. Artasches A b e g h i a n.
Der englische Schutzstaat Hodschas im nördlichen Küstenland Arabiens ain Roten Meere stellt seil mehr als einem Jahre den Schauplatz innerer blutiger Kämpfe dar. Die Wohabiten hatten nämlich schon im Herbst 1924 unter Führung ihres Stam- mesfürsten A b d el Asis Ibn es Saud einen bitteren Kamps gegen Hussein, den König von Hedschas, unternommen; dieser hatte sich bekanntlich seit der Aufhebung des Kalifats in der Türkei auch den Titel des Kalifen aller Mohammedaner ungeeignet. Es gelang in der Tat den Wohabiten bald, schon zu Beginn ihres Feldzugs gegen Hedschas die Zentren Taif und Mekka, später auch Medina, zu erobern. Der „Herrscher" von Hedschas, König Hussein, mußte dem Throize entsagen und aus dem Lande flüchten. Noch heute lebt er in Cypern als „Ehrengast" der Engländer. Husseins Nachfolger war Ali, einer seiner Söhne, dessen Macht sich jedoch nicht außerhalb Dschiddas, der Hafenstadt am Roten Meere, ausdehnte. Eine Zeit- lang bestand zwischen ihm und dem Wahabiten- führer ein Waffenstillstand. Ibn Saud aber hat in allerletzter Zeit den Waffenstillstand gebrochen, feine Streitkräfte vorgerückt und auch Dschidda, den letzten ^Stützpunkt des „unabhängigen Königreiches Hedschas" erobert. Unmittelbar vor dem Falle des letzteren mußte Ali abdanken und sich auf einem englischen Schiff nach Mesopotamien begeben, um eben in Bagdad bei seinem Bruder, König Feissal, eine Zuflucht zu finden. Heute dehnt sich also die Herrschaft des Wahabitenführers über fast ganz Arabien und vor allem über die heiligen Städte des Islam, Mekka und Medina, aus. Ibn Saud Hai auch eine Einladung an alle mohammedanischen Länder und Völker zu einer panislamitischen Konferenz in Mekka für das Frühjahr 1926 herausgehen lassen; ihr ist die Aufgabe gestellt, Beschlüsst über das Schicksal und die innere Verwaltnngs- weise der heiligen Städte zu treffen.
Demgemäß stellt also die Bewegung der Waha- biten als eines Gliedes in der Kette der panarabischen Bestrebungen, einen wichtigen Faktor im ara bisch-mohammedanischen Orient dar. Wer sind sie? Was bezweckt ihre Bewegung? Welches ist das Wesen dieser höchst interessanten Sekte der islamitischen Welt?
Unter dem Namen Wohabiten sind all die arabischen Stämme -bekannt, die das ganze Gebiet Nedschd aus dem Plateau Zentrolarabiens bewohnen und die sich zu einer und derselben mohammedanischen Sekte bekennen. Bekanntlich standen vor dem Weltkriege die westlichen Küstenländer der Halbinsel Arabiens (Hedschas, Jemen), diese alten Stätten der arabischen Kultur, unter türkischer Herrschaft. Die Stämme der anderen Gebiete Arabiens aber, also auch die der Wahabiten oon Nedschd und der Umgegend, waren zur Vorkriegszeit meistens unabhängig unter Führung ihrer Stammesfürsten. Die Macht des Häuptlings der Wahabltenstämme Abd el Asis Ibn es Sauds erstreckte sich noch vor einem Jahre nur auf das etwa 5000 000 Quadratkilometer große und teilweise von Nomadenstämmen bewohnte Sultanat Nedschd. Die Gesamtzahl der Bevölkerung dieses Gebietes beträgt etwa eine Million. Die Residenz des Wo- Ijabltenfürften befindet sich in Er Riad, nicht weit von dem alten Zentrum des Landes Deraijeh. Ein englischer Reisender spricht sich über diese Wüstenstadt folgendermaßen aus: „Rund um Die Haupt- stadt des Nedschd, über einen mehr als eine Meile umfassenden Raum hin, erblicken wir fruchtbare Felder, frische Gärten, dicht oepflanzte Palmen. Selten habe ich auf meinen Reisen eine so wundervolle Rundsicht gehabt wie hier."
Die Anfänge der Entstehung dieser äußerst fanatischen Sekte fallen in die Mitte des 18. Jahrhunderts. Ihr Stifter war Mohammed Ibn Abd el Wahad (1703—1791) — daher auch die Benennung der Sekte „Wohabiten". Wahab war aus dem Stamme Tamin in Ajane in Nedschd. Er war ursprünglich ein Kaufmann. Seine theologische Vorbereitung erhielt er in Basra, Bagdad, Damaskus, Jspohan und anderen Zentren der islamitischen Bildung. Er kannte auch gut die heiligen Städte Mekka und Medina. Infolge seiner Studien, die auf die Schriften des im 14. Jahrhundert lebenden arabischen Gelehrten Ibn Teimajeh zurückgingen und welchen er auch als seinen Lehrer und den eigentlichen Stifter der neuen Sekte betrachtete, wie auch auf Grund persönlicher Erlebnisse war Wahab zu der Einsicht gekommen, daß die Religion des Prophestn von hrer ursprünglichen Reinheit entfernt und mit allerlei heidnischen Elementen belastet fei. „Zurück zur Religion des Propheten in ihrer reinen Gestalt!" — das war die Parole Wahabs in feiner Reformationstätig- keit, die er erst in seinem 40. Lebensjahre begann. Demgemäß verwarf Wahab alle Uebcrlieferungen und Zeremonien des späteren Islam. Er verbot seinen Anhängern den Kult der Heiligen, die Wallfahrt nach Gräbern, den Genuß von Tabak und geistigen Getränken, allerlei Luxus in der Lebenshaltung: den Gebrauch von Schmucksachen aus Gold und Silber, seidener Kleidungen, Tanz und Musik, den Wucher und das Spiel und allerlei „heidnische Sitten". Erst vor einem Jahre, als die Wohabiten Mekka eroberten, ließen sie z. B. nicht weniger als 100 000 Keilans (Wasserpfeifen) vernichten. Gemäß der Predigt Wahabs war auch der Prophet selbst ein gewöhnlicher Monn. Er bedurfte daher keiner Verehrung; auch die Wallfahrt zu seinem Grabe war verboten. Seiner Lehre legte er nur den Koran zugrunde, außer ihm verwarf er alle anderen Schriften und Traditionen. Auch eine Kritik des Korans hielt er für zulässig. Die Lehre von der Einheit Gottes war der Zentralpunkt feiner Predigt. Weiter verlangte Wahab von feinen Anhängern die Beobachtung täglicher Gebetsvorschriften, Fasten und Unterstützung der Armen. Er empfahl auch eine Gütergemeinschaft. Kurz, die Wahabiiensekte ist als eine religiös-zelo- tisch-pllritanische Erscheinung in der Geschichte des Islams aufzufassen. Die Mitglieder dieser Gemeinde werden untereinander mit Bruder bezeichnet. Sozial betrachtet, ist die Wahabitensekte eine Reak° lion der Wüstenbewohner Arabiens gegen die Ansässigen der Küstenstädte, die Reaktion der Hirten- ftämme der Beduinen mit ihrer patriarchalischen Lebenshaltung gegen die handeltreibenden Stadtbewohner von Mekka und Medina mit ihrem Luxus und Prunk, die Reaktion des Naturvolkes mit feiner Tauschwirtschaft gegen die Stadtbewohn^ mit ihrer Geldwirtschaft und ihren Pilgergeschäften. Vorn nationalen Standpunkt aus ist der Wahabitismus die Reatklon des arabischen Dolksgeistes gegen die fremde Herrschaft und Bevormundung. «chon Wahab, der Stifter der Sekte, betonte ausdrücklich, daß die Hauptschuld an der Entartung des urfprüng»
Silbenrätsel.
Aus nachstehenden 22 Silben: bc bc dol - e — ei — so — gelb —.go — ha — ka — It - nau — ni — o oc — rani reich
- rob — rum -- sau - - ftcr — um bilde man nenn Wörter mit folgender Bedeutung: 1. Kosmetikum, 2. Zierpflanze, 3. Teil eines Frucht- törpers, 4. Meeresbewohner, 5. Stobt in Hessen, 6. europäisches Land. 7. Marktplatz im alten Born, 6. chemischer Grundstoff. 9. Ort in den bayerischen Alpen. Richtig gebildet, müssen die Wörter, sofern man ihre Anfangsbuchstaben von vorn nach hinten und Endbuchstaben von hinten nach vorn oneinandersügt, zwei Wintersportorte ergeben. Welche sind dies?
Krcnzfcharade.
1 4
3 6
Der Landwirt, der sein Feld bestellt Der Städter, dem sein Heim zu klein, Auf 1—4 Sorg' und Müh' verwende.'. 3m 2—4 müssen vieler Hand' Sich regen und Maschinen auch, Soll uns der Boden Schätze spende . 2—6, 2—3 ein Wort, mit dem Es stets der frohe Wandrer hielt, Der's Tal von oben wollt' beschau'/. 1 5—2: Stadt im Erzgebirg', Mit ihres Namens Anfang ruft Viel Mädchen man und Frauen.
Ein jeder Rätsellöser wird
Wohl in den Wunsch mit stimmen ein: O möchte doch statt 3—4 uns Nun bald 6—4 beschieden sein!
Kreuzworträisel.
Von links nach rechts: 1. Spielgerät, 5. Edelwild, 8. natürliches Wasserbecken, 9. Lustart, 12. Küchengerät, 15. Wurfspieß. 17. Fluh in Steiermark, 18. Abschiedsgruh, 19. Staatshaushalt, 21. Haustier, 22. Gottheit, 23. Priester des Alten Testaments, 24. Chemisches Produkt, 27. Ackerland, 30. Nebenfluß der Donau, 31. Monatsname, 33. Gegenteil von alt, 34. Nebenfluß der Elbe, 36. Tafelftsch, 37. Verwandter, 38. Komponist, 39. Shakespearesche Dramenftgur.
Von oben nach unten: 2. Spielkarte,
Rätsel-Ecke.
3. seemännischer Ausdruck. 4. Klebemittel, 5. Stabt in Böhmen. 6. Gaststätte. 7. Wasserpflanze, 10. Insektenfresser, 11. alkoholisches Getränk. 13. Obstbrei. 14. Gedichtart. 16. Parkfläche, 18. Erdteil, 20. große Tür, 21. Zahl, 24. Lebewesen. 25. Nebenfluß des Neckar. 26. Oberflächenformation, 28. männlicher Personenname, 29. berühmte italienische Schauspielerin, 31. Baumwollgewebe, 32. Abgott. 34. algebraisches Zeichen, 35. gesetzliche Gemeinschaft.
Vorsctzrätscl.
Nathan, Mund, Mast. Friede, Torte. Watte, Stock, Ger, Strich, Phase, Messe, Sih, Chester, Fort, Niere, Stern,. Maus, Lehre, Mond, Stück, Schau, Dorf, Feder, Bär.
Vor jedes Wort ist eine der untenstehenden Silben zu sehen, so daß wieder bekannte Wörter entstehen. Deren Anfangsbuchstaben ergeben dann ein Sprichwort.
a — är — bel — da — ed — eis — el — cm cm — erb — irr — jo — kra — lani - mo -- neu — or — re — ri — ro — rot — schwe — tur — war.
Geographisches Zahleurätsel.
123425637 Hauptstadt eines Regierungsbezirks der Provinz Sachsen, 1 22345637 Stadt am Bodensee.
Eine magische Zahl.
Welche sechsstellige Zahl ergibt, einerlei, ob man sie mit 2, 3, 4, 5 oder 6 multipliziert, in ihrer Summe stets die gleichen, hintereinander- stehenden Ziffern? Es ist dies folgendermaßen zu verstehen: 673842 738426 384267. Die 6 am Anfang der ersten Zahl erscheint in der zweiten am Schluß und die 6 und 7 am Anfang der ersten Zahl am Schluß der dritten usw. 3n der Reihenfolge der Ziffern ist also keine Aende- rung eingetreten. Zu verwenden sind die Ziffern 124578.
Auflösungen.
w
a
w
n
n s 6
Fahnenrätsel.
Magisches Quadrat.
n t n k
p
P
e
r
p
e
r
a
e
r
o
s
r
a
s.
t
Silbenrätsel.
1. Donau, 2. Ungarn, 3. Ganhmeb, 4. Leopard, 5. Allgäu, 6. Mwarow, 7. Dugattl, 8. Sa
mowar, 9. Trinitatis, 10. Zerrna.l, 11. Mittersberg, 12. Serenade. 13. ChabUs, 14. Indisch. 15. Eldorado, 16. Deelzubub, 17. -uphrosure, 18. Nikobaren. — Du glaubst zu schieben und du wirst geschoben.
DesuchSkartenrStsel.
Hofopernsängerin.
Telegrammrätsel.
„Jede Nation spottet über die andere und alle haben recht." ^Shakespeare.)
( - Achat - - Rebus - Juli — Pudel — Osten —) i
Dersteckrätsel.
Königsberg. Altena, Riesa. Lehrte, Stettin, Rcicyenau, Mim, Hannover, Eisenach. — Karlsruhe.
Die Narrenkappe.
Splitter und Sparren vom RedaktionSlisch.
Das Narrenurteil.
Ein Bettler kam in eine Wirtsstube, in der ein großer Braten sich am Sp ehe drehte. Da ging der arme Mann hinzu, zog ein Stück Brot aus der Tasche und hielt es über den Braten^ so baß der Bratendarnpf in das Brot zog, welches der Bettler dann verzehrte. Als er die Stube verlassen wollte, trat der Wirt hinzu und verlangte Bezahlung. Der Fremde erwiderte, daß er nichts genossen, also auch nichts zu bezahlen habe, worauf der Wirt sagte, er habe sich von seinem Bratenduft genährt. Beide stritten hin und wider und liefen endlich zum Richter. Der war ein kluger Mann, wußte sich aber in diesem seltsamen Rechtshandel keinen Rat. Endlich fiel ihm ein, daß ein Narr in der Stadt lebe, den beschloß er, zu holen, um seine Meinung über die Sache zu hören. Der Narr hörte sich die Geschichte an, wiegte den Kopf hin und her und sagte bann: „Der Fremde soll den Wirt bezahlen mit dem Klang des Geldes, wie der arme Mann gesättigt worden ist vom Dufts des Bratens." Meber dieses Mrteil staunten alle, die im Saale waren. Der Narr aber genoß von Stund' an ein gewaltiges Ansehen in der ganzen Stadt.
Der Faulpelz.
Warum sollen Fittichs nicht auch mal ins Konzert gehen?
Sie gehen hin. Schubert-Abend.
Herr Fittich guckt ins Programm. Da steht an erster Stelle:
„Schubert. Mnbollcnbele L-Dur-Symphonie." Raunend sagt er's dec Gattin. Diese:
„DaS hör' ich jetzt -um biertenmal. Ich glaub', der Kerl wird nie fertig!"
Logisch.
Herr (zu einem Bettler): »Ich kann Ihnen nichts geben, denn ich habe selbst nichts/' — Bettler (entrüstet): „Ja. weshalb arbeiten Sie denn nichts
Richter: „Angeklagter, haben Sie noch etwas -u sagen F „Ja. Ich möchte beantragen, daß mir die Zeit, die der Staatsanwalt und mein Verteidiger zu ihren Reden gebraucht haben, auf das Mrteil angerechnet wird."
lichen Islam der Araber allein die nichtarabischen Mohammedaner und namentlich die Türken trügen.
Anfänglich hatte die Predgt Wahabs keinen Erfolg. Die Geistlichkeit war ihm gegenüber feindlich gestimmt, die Massen waren indifferent. Wahab war sogar gezwungen, seine Vaterstadt zu verlassen, um in^ der Stadt Deraijeh bei seinem späteren Schwiegersohn, dem einflußreichen Scheich Mohammed Ibn Saud Zuflucht zu finden. Dieser letztere wurde dann zum eifrigen Anhänger Wahabs. Von nun an wurde die Lehre Wahabs durch Feuer und Schwert verbreitet. Der Fanatismus und die Grausamkeit der Wahabiten kannte und kennt auch jetzt keine Grenzen. Wer sich nicht zu ihrer Lehre bekennt, muß erbarmungslos vernichtet werden. Nichtz einmal Kinder, Frauen und Greife werden geschont. Infolge solcher militärischen Maßnahmen gelang es Wahab und Mohammed Ibn Saud, ihre Sekte weit zu verbreiten. Sie gewannen Anhänger auch außerhalb Arabiens. Wie der Islam selbst, so trägt auch der Wahabitismus zugleich auch einen weltlichen Charakter. Der Führer der Sekte ist auch zugleich militärischer Befehlshaber.
Am Anfang des 19. Jahrhunderts waren die Wahabiten auch in Mesopotamien bis zum Perfi- fchen Golf cingebrungen; sie hatten sogar in Indien dien und China Anhänger gewonnen. Im Namen eines heiligen Krieges hatten sie Kerbalah in Mesopotamien, den bekannten Wallfahrtsort der Schiiten, mit dem Grabe des heiligen Imams Hussein erobert und verwüstet. Auch das größte Heiligtum der Mohammedaner, der schwarze Stein von Kaaba, wurde^ von den Wahabiten wie ein Götze zerschlagen. Sie zerstörten sogar das andere große Heiligtum der Mohammedaner, das Grab des Propheten in Medina. Wer nicht mit den Wahabiten mar, galt für sie als ein Heide und wurde vernichtet.
Die türkische Regierung versuchte lange Zeit vergebens, die gefährliche Sekte der Wahabiten aus- ,3Urotten und ihre Stämme wieder der türkischen Herrschaft zu unterwerfen. Erst später gelang es den Türken — und zwar durch ägyptische Truppen — unter Führung von Mohammed Ali Pascha, der Wahabiienstämme wieder Herr zu werden. Von dieser Zeit an waren sie auch durch innere Zwistigkeiten noch mehr geschwächt morden. Aber am Ende des 19. Jahrhunderts gelang es dem Nachkommen Wahabs und namentlich dem jetzigen Sultan Abdel Asis Ibn Saud, ihre Herrschaft über die alten Länder ihrer Väter wieder herzustellen und die alte Residenz Er Riad wieder zu erobern. Mehr als einmal hatte Saud auch versucht, seine Herrschaft außerhalb der Grenzen von Nedschd auszudehnen und auch die anderen arabischen Länder unter sein Zepter zu bringen.
Ein solcher Versuch ist auch das gegenwärtige Unternehmen der Wahabiten unter Führung Ibn Sauds, der ihnen auch völlig gelang. In erster Linie war sein Unternehmen gegen den englischen Schützling Hussein, welcher in den Augen aller Mohamme dauer als Verräter des Islam verachtet wird und als der „uuheiNge Herrscher der heiligen Städte des
Islam" bezeichnet wurde, gerichtet. Anfänglich bezweckten die Wahabiten auch die Vernichtung der ganzen Dynastie Husseins: die Abdankung Feissals, des Königs von Irak, und Abdulahs, des Emirs von Transjordanien — beides Söhne Husseins, auch Herrscher von Englands Gnaden. Es scheint aber in der letzten Zeit eine Einigung zwischen den Engländern und Ibn Saud zustande gekommen zu sein. Die Engländer, haben nämlich Ibn Saud, der anfänglich gegen ihre Politik war, mittels großer Subsidien für ihre Zwecke gewonnen. Sie haben es also wieder einmal verstanden, aus der Not eine Tugend zu machen.
Kirche und Schule.
Reiskirchen, 8. Ian. Aus dem kirchlichen Jahresbericht unserer Gemeinde für 1 9 25 bringen wir nachstehende Mitteilungen: Es wurden 26 Kinder getauft (18 Knaben und 8 Mädchen), 26 konfirmiert (14 Knaben und 12 Mädchen). Getraut wurden 8 Paare, kirchlich beerdigt 12 Personen <6 Männer, 5 Frauen. 1 Kind». Die Durchschnittszahl der Kirchenbesucher an den festgesetzten Zählsonntagen betrug 159 Erwachsene, 52 Kinder. Zum hl. Abendmahl gingen 503 männliche und 644 weibliche Personen, außerdem fanden 14 Krankenkömmunionen statt. An Opfern und Kollekten gingen «ein 1074 Mark.
Burkhardsfelden, 9. Jan. (Kirchliche Pcrsonalstatistik 1 925.) Im Jahre 1925 fanden in unserer evangel. Kirchengemeinde statt: 11 Taufen (7 Knaben, 4 Mädchen), 7 Trauungen, 10 Beerdigungen (5 Männer. 4 Frauen, 1 Kind). Konfirmiert wurden 12 Kinder (7 Knaben, 5 Mädchen). Die Durchschnittszahl der Kirchenbesucher an den festgelegten Zähl- sonntagen betrug 132 Erwachsene, 30 Kinder. Am hl. Abendmahl nahmen insgesamt teil 969 Gemeindeglieder, und zwar 451 Männer und 518 Frauen, außerdem fanden 34 Hauskommunionen statt. An Opfern und Kollekten wurden gefpendet 846 Mark.
* © r ü n 5 c r g . 7. Jan. Unter dem Vorsitz von Dekan Schmidt tagte hier die N eu - jahrskvnferens des Dekanats ©.run- bet g , an der auch Oberkirchenrat Superintendent Wagner teilnahm. Das Referat, erstattet von Pfarrer Steiner-Ehringshausen, beschäftigte sich mit der „Evangelische n Volksgemeinschaft", die feit den letzten Kommunalwahlen in die Oeffentlichkeit getreten ist. Unter Anführung der Belegstellen aus der „Evangelischen Warte" wurde von dem Redner aufgezeigt. wie die neue Bewegung nicht im Stande sei, das Parteiwesen zu verkleinern, sondern daß sie dasselbe nur noch mehr vergrößere, da fte selbst tatsächlich eine Partei sei. An solchen hätten wir gewiß keinen Mangel. Wenn man schon aus diesem Grunde nicht sagen könne, daß die Neu- gründung einem unabweisbaren Bedürfnis entspräche, fo berühre auch die Tatsache, daß Der- anstaltungen des „Evangelischen DrmdeS" nfto.


