Einzelbild herunterladen

Nr. 185 Drittes Blatt Lietzener Anzeiger (wenecal-Anzeiger für Gberhessen)Samstag, 7. August 1926

Wandern und Reifen Bäder und Sommerfrischen

Wanderungen von Schotten nach dem hohen Vogelsberg.

El. Briegleb singt in seinem Dogelsberg- liebe:Bist ein Stück Vaterland, so schön wie eins"

Es ist meine Gepflogenheit, in jedem Jahre ein anderes Fleckchen deutscher Erde auszu­suchen, und wenn ich bei Anerkennung aller Vorzüge anderer Gegenden dann wieder ver­gleiche, so sinde ich das Urteil El. Brieglebs in seinem Liede immer wieder voll und ganz bestätigt. Tine jede Wanderung muh vorbereitet werden mittels Fahrplan, Führer und Karte, dankbar begrüßt man auch Anleitungen erfahre­ner Wanderer. Das Wichtigste und Charakteri­stische einer Gegend muß man sehen und erfassen, dabei aber auch möglichst billig wandern. Diesem Zwecke sollen die nachstehenden Zeilen dienen.

Vei länger dauernden Wanderungen ist es sehr empfehlenswert, an einem Zentralpunkte Quartier. zu machen und von hier aus seine Unternehmungen einzurichten. Das ist wohl be­sonders nervösen Personen zu empfehlen, die besseren Schlaf finden, wenn sie nicht jeden Tag das Quartier wechseln Aber es gibt auch viele Menschen, denen es nur möglich ist. Wanderun­gen von einem Tag oder anderitzolben Tag zu machen, etwa am Samstagnachmittaq und Sonn­tag. Für alle Gruppen dieser Wanderer ist Scholten als Herz des Vogelsbergs besonders zu empfehlen.

Tage- und wochenlang kann irxm von Schotten aus die genußreichsten und befriedigendsten Spaziergänge und Wanderungen unternehmen mit immer neuen Zielen und Wegen, aber heute soll nur von den Wanderungen nach dem Ge­birge die Rede sein.

Von Schotten führen folgende Markierungen nach dem Gebirge (Hohcrodskopf als Ziel).

Der grüne Ving, nächster Weg über MichelbachBreungeshain (13,'< Stunden).

D er rote Ring über den Gackerstein (2V2 Stunden).

Das rote Kreuz über Rudingshain, Horst, Schupo-.'te, Hüttenborn, Landgrafen- oorn, Tausstein, Hohcrodskopf (3l/e Stunden).

Der blaue Strich über Altenburgskopf mit Forstbcamtendcnkmal LuginslandBusenborn Bilstein. (3 Stunden.)

Orientierungstafeln hängen am Kreisamt (Stadteingang).

Zu empfehlen sind Wegbezci.hnungskarte des D. H. C. für Vogelsberg und Wetterau, Verlag von Ravenstein, Frankfurt a. M., und die Meß­tischblätter des Katasteramtes Blatt Schotten und Hirschstein.

Die Markierung rotes Kreuz bezeichnet die längste Wanderung, sie ist natürlich auch die ergiebigste. Rachdem die Eckenwiesen vor dem Hüttenborn überschritten sind, mehrmals Rück­blick nach Schotten, das von dort aus wie ins Tal eingekeilt erscheint. Vom Hüttenborn nach rechts Blick auf das Klubhaus und den Bilstein. Auch Wanderer, denen nur ein Tag, vom Zuge 10.16 Hhr ab gerechnet, zur Verfügung steht, können diese Wanderung am Sonntage unter­nehmen, weil der Abendzug Sonntags erst um 7 Uhr abends hier abgeht. Dies« Wanderungen über Rudingshain haben den großen Vorzug, daß sie nach Belieben gekürzt werden können.

Wer nur nach Markierung gehen will, der benutze bis R. das rote Kreuz bis an die Schule und von hier aus den gelben Strich, an der Försterwohnung vorbei, hinter R. nimmt ihn herrlicher Buchenwald auf, links rauscht die Ridda, die man beim Beginn des Waldes über­schreitet. (2'/i Stunden.)

Wer ohne Markierung gehen will nach der Karte! Dis R. rotes Kreuz, am Schulhaus den steilen Fahrweg bergan, bis zum Wald (bis hierher P'i Stunden). Rückblick! Dann auf dem Hainerwaldweg am Horst vorbei zur Linken, rechts unten das tief eingeschnittene Tal der Ridda. Hinter dem Horst liegt die Schupo-Hütte. Den eingeschlagenen Weg immer weiter, die Die- fenbachstrahe wird überquert, bald ist der Ridda- Übergang erreicht, die Ridda hört man schon vorher rauschen. Am Riddaübergang folgt man dem rotweißen Band, das nach dem Klubhause führt. Bequemster Weg nach dem Hohcrodskopf, auch ohne Markierung nicht zu verfehlen. (21/» Stunden.) Außerdem können die Wanderungen über,R. durch die A u t o l i n i c SchottenUlrich­stein wesentlich erleichtert werden, besonders für heiße Tage zu empfehlen. Man kommt mit dem Zuge 10 Hhr 16 Min. in Sch. an. besieht sich die Stadt und fährt um 11 ilfjr 30 Min. mit

dem Auto nach R. Man kann außerdem bis I zur Poppenstruth fahren und von da die bequeme Oberwaldstcaße über Charlottenhöhe, Taufstein | zum Hoherodskvpf wandern. (F/t Stunden.)

Der Weg über den Gackerstein (2*/* Stunden) ist sehr bequem, führt frei über luftige Höhen mit schönen Rückblicken. Der nächste Weg über MichelbachBreungeshain (l1/* Stunden) ist jetzt an vielen Stellen angenehm beschattet und bei unsicherem Wetter vorzuziehen. Wer über Breun­geshain zurückgeht, kann einen äußerst empfeh­lenswerten Weg über den Kamm zwischen Michel­bach und Dusenborn einschlagen. (Alte hohe Straße.) Er geht ab. wo die Straße nach Michel­bach umbiegt, und ist mit weißem Winkelzeichen markiert, herrliche Aussicht (bei günstigem Wet­ter Melibokus. Taunus. Friedberg. Dünsberg, Etoppelberg. Amöneburg), und führt durch den Schottenev Stadtwald an Luginsland. Haus Hu­bertus vorbei nach Sch. (I1/; Stunden.)

Der blaue Strich führt über den Bilstein (3 Stunden). Wer es einrichten kann benutze diese Markierung als Rückweg, stets wechselnde herrliche Aussicht.

Ganz besonders sei auch auf die l*/3 Tages­wanderungen aufmerksam gemacht Man kommt etwa am Samstag um 5 Hhr in Schotten an und besichtigt die Stadt, evtl, nächste Hingebung, und am Sonntag früh ins Gebirge. Man kann auch in Rainrod aussteigen und über den herrlichen Reipperts nach Sch. wandern (l*/? Stunden). Bis Reipperts weißer Strich (Herr!. Aussicht aufs Gebirge und Schotten), von Reipperts nach Schot­ten rotes Kreuz.

Zusammenfassend sei nochmals gesagt, über Rudingshain Aufstieg, die übrigen Wege nach Wahl und Zeit abwärts. Wanderer, komm und sieh, du kommst dann wieder. B. in S.

Kloster Eberbach.

Don Liesbet Dill.

Alte Städtchen am Rhein, das Auto schlüpft durch enge Gassen, an uralten grauen, steinernen Kirchlein vorbei, an weitläufigen Schlössern in Parks, die Hecken grünen. Sonne auf dem Weg, auf steil ansteigenden Weinbergen, wo b:e besten Lagen des Rheinweines b'ühcn. Der Rhein rauscht frei und fröhlich unter den steinernen Drücken. Wimpel wehen wieder auf den weißen Rhein­schisfen. die da unten ziehen, von den Bergen grüßen die alten Burgen und Ruinen, die von Deutschlands stolzer und tragischer Vergangenheit erzählen, Brunnen rieseln am Weg, während wir vorüberfliegen. Frei und weit dehnt sich rechts die gesegnete Rheinebene, weich ist der Wind, und olau lacht heut der Himmel über uns, Wolken treiben über dem Rhein vor uns her...

Vor einem Gartentor hält der Wagen, wir machen kurze Mittagsrast bei dem Besitzer der SektkellereiRheinberg", Sonne glüht aus den Obstgärten, der Gärtner pflückt uns Blumen ach, im Saal ist ein Frühstück aufgetragen, der rote Aßmannshäuser schäumt in den Gläsern. Draußen Sonne und Rhein. Hm 4 Hhr fahren wir weiter, am Rhein entlang, und biegen dann in ein an­mutig grünes Wiesental ab. Hattenheim, wo der berühmte Markobrunner wächst, schon im 10. Jahrhundert wegen seines Weines bekannt, bleibt hinter uns, es geht auf Kloster Eber buch zu. das ehemalige Zisterzienserkloster, seit Jahr­hunderten bekannt wegen seiner wundervollen Kabinettweine.

Hebcrall bietet der Weg herrliche Rund­blicke über des Rhemgaus Wälder und Täler, überall funkelt ein Stück Rhein. Da steigt vor uns der hochummauerte kostbare Steinberg auf, bereits im 12. Jahrhundert von den Mön­chen als beste Lage ausersehen und angepflanzt, eine Perle rheinischer Gewächse. Das kleine, graue Kapellchen am Weg verdankt dein Kloster Eberbach seinen Ramen. Dort stürzte sich der Eber auf den heiligen Bernhard, wühlte eine Furche auf und verschwand im Dickicht . . . Durch das Sand st ein portal des alten Klosters gleitet der Wagen. Marias Sternenkranz funkelt auf ihrem steinernen Haupt, ein weiter Klosterhof tut sich auf, wir halten.

Drinnen imPfortenhaus" wird Wein ver­schenkt, an einfachen Holztischen fröhlich singende Gäste, andere sitzen stumm wie in Verzückung vor dem golden schimmernden Kabinettwein, den sie mit Andacht trinken.

Wir durchwandern die alten Klosterhöfe und Jnnenräume, Heberreste eines einst bedeutenden und einflußreichen Ordens, der sich mit der Geschichte des Landes eng verknüpft... Es ist schon dämmerig, auf steinernen Fliesen der hohen Gewölbe hallen unsere Schritte. Die Hallen sind

Luftkurort Altenburg 20 Minuten von der Bahnstation Alsfeld (Oberhessen) Gasthauszur Linde, Bes.:Georg Herdt Telephon 211 Alsfeld.

Bad im Hause. - Große schöne Zimmer. Anerkannt vorzügliche Küche.

Münchener Bier. - Gut gepflegte Weine.

Billige Preise. Großer schattiger Garten.

4141D

ad-<5alöt)ausen Staat Hebe» Solbad In Oberhes»cn.

Solquellen mit schwach. Kohlensäuregehalt Lithium-, Stahl-, Schwefelquellen, Inhalatorium, Höhensoeno, Sonnenbad m. Soldos ehe. Heilwirkungen bei Rheumatis­mus, Ischias, Skrofulose und Rachitis. Herrlicher, großer Park und Wald. Ruhige Lage. Mäßige Preise. Prospekt d. Hessische Badedirektton Bad-Salzhtusea

Erholung in Schlitz

WerErholung und Stärkung der Nerven in herrlicher,wald­reicher Gegend sucht, dem sei Schlitz (Oberhess.) bestens empfohlen. Ein altertümi. idyllisches Burgstädtchen, un­vergleichlich schön im Frühjahr, Sommer und Herbst Volle Verpflegung von Mk.4.- an in Gasthäusern u. Privat­wohnungen. - Ausgedehnte Waldungen, Flußbad. Prospekt u. Wohnungsnachweis durch Verkehrsverein.

Waidhotei Tannhäuser Luftkurort Biedenkopf a.d.Lahn Gr. Balkonzimmer, flute Küche. Reunions und Konzerte. Nachsaison Mk. 4.505.00.

Ab 1. September bis 1. November

Koch-und Servier-Kursus

für junge Damen, in voller Pension. AuS- fünft durch den Besitzer" Bk. Ileoser. UMSWKers WM MMsm ©lesens

Reizender Blick o. d. herrlich gelegenen Terrasse aus das prächt.Landschciftsbild Angenehmer Familien-Aufenthalt Pensionspreis SUt 5.-

Iugverbindungen: 1.43, 4.33, 5.30, 6.42 zurück 7.47, 9.43. 4374V Fernruf 183

Flensungerhof

Christliches Erholungsheim

Station Mucke t. H. Reine Höhen­luft. 3 Mtn. vom Heim ausgedehnte Waldungem TageStouren in den HogelSberg möglich. 4 gute reicht Mahlzeiten. Liegehalle. Milchkuren möaltch. Tagt. Andachten. Tages- preis Mk. &504.50, ic nach Zimmer Geeigneter Erholungsort für Müde und Abgearbeitete, die leibliche und seelische Stärkung suchen. Prospekte kosten!. Referenzen zu Diensten.

eiskalt, der Wind weht durch gotische und römi­sche Fensterbogen, die Kirche, 1170 erbaut, in romanisch einfachen Formen, der Ehor gradlinig, mit dicken Pfeilern und Pilastern aus Kalkstein- quadern, das hohe Gewölbe aus Tuffstein. Die Kapelle ist von Siegfried von Dotzheim gestiftet und später eingebaut, der Dachreiter in Zwiebel­form mit Laternen stammt aus dem 18. Jahr­hundert, jeder Abt hat etwas dazugebaut. Diele Gräber berühmter Erzbischöfe liegen hier unten, wir schauen ihre Ramen flüchtig in der Dämme­rung an. Steingehauene Grabsteine von Pröbsten und Bischöfen aus spätgotischer Zeit mit ihren Wappen und Abzeichen an den Wänden, erzählen eine lange Geschichte. Im Chor das prächtige Hochgrab der Grasen von Rassau und der Erz­bischöfe von Mainz. So lebendig wirken ihre Häupter, auf Kissen ruhend, als ständen sie dort im Dunkel und schauten uns ernst unö ruhig an. Zu den schönsten gehört der Grabstein des Grasen von Kahenellenbogen mit seiner Gattin, darüber schwebt die Mutter Anna, das Jesuskind im Arm, dem Maria eine Traube reicht...

Draußen rieselt und plätschert ein Brunnen in die Abendstille. Der Kapitelfaal, die alte Sakristei, öffnet sich, Säulen von fteinemem Laubwerk, das Refektorium romanischen Stils, ein Barocksaal mit steinerner Rundnische, Wände bis zur Decke in Eichenholz getäfelt, Decken in Barockstuck, von schweren Türen blinlen uralte Messingbeschläge. Das letzte Tageslicht fällt durch bleigesahte Scheiben mit buntem Glas über die Porträts ehemaliger Eberbacher Aebte. Im sog. Dormatorium", das über den Kabinettkellereien liegt, standen einst die einfachen Betten mit den Strohmatratzen der Mönche. Im ehemaligen Hvspitalbau, jetzt das Kelterhaus der Domäne, mit vermauerten Fenstern, stehen 16 alte rheingauer Keltern, unter deren Druck die edlen Gewächse aus Steinberg, Gräfenberg, Hattenheim und Markobrunn im Herbst ausgepreht werden, und von hier aus zum Gären in die Lagerkellev wandern. In der Versteigerungshalle über dem Gärkeller, deren Wände mit Malerei geschmückt sind, finden alljährlich im Mai die großartigen Versteigerungen statt, die von Hunderten besucht werden. Weine, von denen man die Flasche mit 100 Goldmark bezahlt, werden hier gezogen und gepflegt, sie lagern in Fässern, vor denen der Weinkenner ehrerbietig den Hut zieht. . .

Wie verzaubert, in silberigem Dämmerlicht schläft der uralte Garten, in dem schon die Mönche von Jahrhunderten des Abends spa­zieren gingen. Hnd derselbe bleiche Mond, der jetzt hinter den Weinbergen aufgeht, leuchtete auch ihnen. Eine wu..derbave Stille umgibt uns, fein Laut ist hörbar, nur irgendwo fällt Wasser in sanftem Geriesel in ein steinernes Becken. .

Gberbach, der Ord n arbeitssroher, fleißiger Mönche, ein aufgehobenes Kloster, wird heute besud)t, um Kabinettweine an der Quelle zu trinken und gehört zu t>en Ausflugsorten des Rheingaues, die uns anziehen, seit man sich erinnert, daß es in Deutschland noch Gegenden und Kunstschätze gibt, die zu sehen es lohnt. . .

*

Von Gießen erreicht man Hattenheim und Cberbach am besten mit dem Schnellzug 5.42, Frankfurt a. M. an 6.52, ab 7.55, Hattenheim an 9.29, oder Gießen ab 8.33, Frankfurt a. M. an 9.57, ab 11.00, Hattenheim an 1.46.

Alte Bayernstädte.

Don Georg H i r s ch f e l d.

Das Reisen ist uns Deutschen sehr versalzen nicht nur der Kosten wegen, sondern auch aus seelischen Gründen. Das ist ein besonderes Ka­pitel in unserem Leidenbuche, denn der deutsche Reisetrieb war etwas doppelt Wertvolles in internationalem Sinn. Wichtiger vielleicht noch als das Geld, das er ins Rollen brachte, war die liebevolle Empfänglichkeit eines Lerneifers, der das Wesen fremder Völker mit reiner An­dacht aufnahm.

Aber der deutsche Reisetrieb ist nicht er­loschen das wäre ja auch unmöglich. Er ist vielleicht noch intensiver geworden, denn das gute alte WortWarum in die Ferne schwei­fen sieh, das Gute liegt so nah" hat aus der Rot eine Tugend gemacht. Man bleibt hübsch im Lande und nährt sich, wenn auch nicht immer redlich, so doch mit bescheidener Dankbarkeit. In der schwersten Prüfungszeit entdeckt der deutsche Kultursucher sich Deutschland wieder. Von der Gegenwart verwirrt und abgeschreckt, flüchtet er zu den großen Denkmälern der Ver­

gangenheit. Was einst nur kühler Lernbegriff war, die Formgesetze der Gotik, die romanlLsche Innigkeit deS Biedermeiertums jetzt wird es ihm zum trostvollen Erleben.

Besonders Bayern ist für diesen Ent- deckungStrieb ein unerschöpfliches Reiseland. Hier leben und Wiedererstehen die Werte, die fran­zösische Gewalt nicht antasten kann. Es gibt ebensowenig einen Musikraub, wie es Raub architektonischer Schönheit gibt. Der überl.efcrte Etil muß unser Halt werden, denn so wider­stehen wir dem Gegner durch dieselbe Wasfe, die jenen stark gemacht hstt.

Ich fahre von Zeit zu Zeit durch daS baye­rische Land und lerne immer wieder eine neue alte Stadt kennen. Sehen und Wiedersehen, Er­innerung und Erkenntnis sind dann so stark, daß ich mich kaum noch nach der Schweiz und Italien sehne. Rach Rom nahm man doch immer den heimlichen Oberlehrer im Ranzen Litt, um nicht zu sagen den heimlichen Bildungsphckist c dort war alles zu erhaben als Weither.igtum, als unbedingte Sortierung anzubeten. Kommt man aber nach Würzburg oder Roten­burg, nach Regensburg oder Augsburg, so besucht man einen lieben Ahnherrn, in öcifen Räumen die Muttersprache herrscht, so sieh! man Dinge, die man ohne Paß und Grammatik versteht und wiedersindet, indem man sie findet.

Cs gibt zwei deutsche Wesen jetzt: das zer­rissene und beleidigte und nimmer rastende, vis die Erlösung winkt, und das träumende. .fern und kindlich lächelnde, das sich in ewigen Werten geborgen weiß. Man erzählt dem Auslande jetzt zuviel von dem ersten, zuwenig von dem zweiten. Aber das zweite ist das eigentlich deutsche doch. Als Märtyrer lächeln unb träumen, in Qualen zufrieden sein das ist unser Erb teil. Sv geht man durch die alten Städte, die in Jahrhunderten erlebt, was wir jetzt erleben. Sv entstehen und schaffen deutsche Künstler -- immer wieder werden sie so entstehen, denn kritische Schlagworte haben keine Zeugungstraft, und Expressionismus und Jmpreisivnismus lassen lein Gotteshaus werden.

Jüngst war ich in Regensburg Das ist nicht nur eine Stadt, sondern auch ein Land, die Sage von enger Menschensiedlung am weiten Strome. Es ist merkwürdig: man hat München sehr lieb und wird es immer lieb haben, aber es verliert in seiner königlichen Würde, wenn man die Bischofsresidenzen der bayerischen Pro­vinzen kennenlernt. Hier ist doch der Charakter stärker, weil bleibender gezeichnet. Wie im schwäbischen Augsburg und im fränkischen Würz­burg, so im niederbayerischen Regensburg. Es ist der unvergängliche Zauber dieser Städte, daß man wachend und träumend unter ihren Giebeln geht. Ein leises Lächeln ist auf den alten Steingesichtern, das will sagen: Warum laßt ihr euch so Dom Zeitlichen quälen? Oben bei uns weht das große Wissen: alles geht vor­über, alles Vergängliche ist gering vor Gott, die Schönheit des Leides und der Liebe aber ewig. Das hat die Kirche immer gewußt und wir halten uns noch heute an die Kirche.

So spricht auch Regensburg. Diese kostbare, gotische Stadt hat aber noch einen besonderen Wert ihres Bildes: sie wird von einem großen Strom beherrscht. Wer auf der steinernen Brücke steht und über die Donau hinblickt auf dgs ragende, jeder Zeitnot trotzende Gemeinwesen, das den herrlichen Dom umlagert, der denkt an Heinrich Heines ewiges Lied von der Stabt, an eine graue, gewaltige Klage und an ein kühnes Schaffen deutscher Menschen. Die moderne Indu­strie, die auch Regensburg und seine Vororte ergriffen hat, macht vor dem Geheimnis dieser Tradition Halt. Sie ehrt das Bild der Ahnen und stellt sich gern in feinen Schuh. Roch ist ein Fürst in dieser Stadt, er regiert nicht, der Herr von Thum und Ta^is, er hat gewiß nicht den Ehrgeiz, jetzt zu regieren, aber er hat sich Fürstlichkeit bewahrt als menschlicher^en, als Bürger großen Stils, und man neidet chm das Schloß seiner Väter nicht. Hnverändert steht es neben dem ehrwürdigen Kirchenkomplex von St. Emmeram.

Der Dom aber in seiner sterbenden Gröhe und spielenden Schlankheit ein gotischer Gedanke, ewig manifestiert, weckt Liebe in jedem Vorüber­gehenden. Er ist das orientierende Ziel und Wahrzeichen der Stadt. Sein Dorhanderisein gibt Halt und macht den Schweifenden zum Bürger. Wohin ist die Zeit gekommen, da solche Bcrn- werke entstandene Kehren sie einst wieder, Schaf­fenskraft und Glaubensgewalt? Rur in anderer Form das wissen wir, daran können wir

laden ihre Gäste aus Oberhessen und dem Lahn- gebiet ein dnreh eine Anzeige an dieser»

Bote Pensionen Sonnneririschen iusllogsorie

SOINNMstW GnMsSU

Weilburg. Elektr. Licht, Tel. 83, Garage. Herrlich am Walde gelegen Ne- nouiert. Erstklassige Küche. Bens. 5..

11........ »! 1

BAD TÖLZ

in den Bayer. Alpen 5581ss

Deutschland» größte* Jod-Bad gegen Arterienverkalkung

Bad-faauheim

Sommeraufenthalt

Zimmer mit reichlicher guter Verpfle­gung pro Tag 5 Mark <524D

E. Schäfer, Hauptstraße 36

Weilburg!

Der schönste Ausflugsort an der Lahn ist

Sommednl® 3000011115 Wins

Post Ostheim-Butzlmch Lberheslen

Telephon Butzbach Nr. 8. [3440D Idyllisch min en herrlicher Wälder gelegen. L ommersrische, Pension, Jagdgeleaenheit, PrachtauSsicht. Gute, bürgerliche Küche reine Weine prima Apfelwein - ff- Biere. Aufmerksame Bedienung. ?>ivile Preise, schöne Zimmer mit vol ler Pension imit Frühstück und Nachmittagskaffee» 5.50 Mk. Ter Besitzer: Ernst Sommerind.

ßotel-Kiirhaiis lallenberg (Eder)

Kr. Biedenkovs 4520D Vollständig neuzeitlich eingerichtet Kon­ferenz- und VersammlungsräumeUeber 500 Personen fass. Gartenlokal Beite PeniionSverpflegung und nach der Karte. Täglich Streick- und Jazzbandkonzert durch meine Dortmunder -DanSkavelle. Fernruf Nr. 54____________A. Atir.

UMklMleMMg

bat Lieh (Oborh.) :: Herrlich gelogene Somgerlrischebel bester TerpDtgeng. Luftkurort Bans Luginsland b.Schotten,Öteseo Christi. Pension n. Restaurant i. schönster ruhiger u. geschützter Lage des Vogels­berges, 350 m hoch, direkt am Walde, für Autoverkehr a. d. Kreisstraße Schotten- Gedern, 14 Fremdenzimmer nii 120 Betten. Elektr. Licht, Wasserleitung, Radio, eig. Landwirtschaft Erstklass Verpflegung, täglich 4 Mahlzeiten. 41401) Pension 5.50-6.00 Mk Fernruf Schotten 10

Besitzer: Paul Lehmann.

BIEDENKOPF

Mel MpMetahoi

herrlichste Lage, beste Verpflegung |

Prospekte gerne zu Diensten Pensionspreis 5.50-6.00 Telephon 40 g Auto-Boxen [4297D] Tennisplatz I