Einzelbild herunterladen

13-

Ein

Nachdruck verboten.

25. Fortsetzung.

Scheuer ab und

Oberhessen.

Landkreis Gießen.

zu haben.

!! Ausdem Lumdatal, 6. 2lug. Kaum ist die Roggenernte soweit beendet, so fängt man auch bereits an dem Wetter nicht

Mannschaften zur Verfügung: es ist jedoch Be­waffnung und Ausrüstung zunächst nur für die Hälfte vorhanden. Allgemeine Wehrpflicht und aktive Dienstzeit entsprechen der lettischen. Die militärische Jugenderziehung ist freiwillig und liegt in der Hand von Schühenverbänden, die 12 000 Mitglieder zählen. Disziplin und Gesst des Heeres sind schlecht. Die kommunrstlsche Propaganda, die von Rußland genährt, in Li­tauen besonders stark ist, hat auch in die Armee Eingang gefunden. .

Weitaus die größte Sorge Rußlands un Westen ist die polnische Wehrmacht. Bei einer Einwohnerzahl von 27 Millionen und einem Flächeninhalt von 386 000 Quadratkilometer unter­hält Polen ein Fricdensheer auf Grund der all­gemeinen Wehrpflicht und zweijähriger Dienst­zeit in Stärke von 18 000 Offizieren, 275 000 Mann, das durchaus neuzeitlich organisiert und bewaffnet ist: es verfügt u. a. über mindestens 9200 Maschinengewehre, 1600 Geschütze, 220 Kampfwagen, 510 Flugzeuge. Die Kriegsstärke wird im Mobilmachungsfall rasch auf 2 000 000 ausgebildeter Mannschaften gebracht werden kön­nen, da noch aus Zeilen des Weltkrieges ein großer Bestand ausgebildeter Reservemannschaf­ten vorhanden ist. Die militärische Jugenderzie­hung ist nach dem Borbild Frankreichs den Schützenvereinen, den Hacerzen und den Sokols übertragen, die bei einem Mitgliederstand von etwa 500 000 Mann schon 100 000 Jugendliche militärisch ausgebildet haben. 331/;-. Prozent der gesamten Staatsausgaben entfallen auf das Heer­wesen! Wenn der Kampfwert des polnischen Heeres auch sehr unter dem großen Prozent­satz nicht polnischer Rationalitäten leidet rein polnisch sind nur etwa 60 Prozent aller Mann­schaften so ist es doch durch seine hervor­ragende technische Ausstattung für einen neu­zeitlichen Kampf besser als alle anderen Rach­barn Rußlands gerüstet und wie der russisch» polnische Feldzug 1920 bewiesen hat, ein nicht zu unterschätzender Gegner.

Rumänien ist als alter Feind Rußlands besonders nach der Annexion Bessarabiens ge­zwungen, seinem Heerwesen außerordentliche Sorgfalt angedeihen zu lassen. Man darf nur daran erinnern, daß es der Aufforderung des Bölkerbundes, die Heeresausgaben 1925 nicht zu erhöhen, seinerzeit nicht nachgekonnnen ist mit der Begründung, daß die dem Lande drohenden Ge­fahren eine Erhöhung des Heeresbudgets drin­gend erfordern. Ein alter Trick, der den Ru­mänen für die Entwicklung ihres Heerwesens gute Dienste leistet, ist die in jedem Frühjahr und Herbst ausgestreute Rachricht, daß die Kon­zentration russischer Streitkräfte an der polni­schen oder an der bessarabischen Grenze sie zu Teilmobilisierungen zwinge. Rumänien hat bei einem Flächeninhalt von 291 000 Quadrat­kilometer und einer Einwohnerzahl von 17,5 Millionen 11000 Offiziere, 140 000 Mann ständig unter den Waffen. Im Mobilmachungsfall wird das Feldheer auf einen Stand von 800 000 Mann Fronttruppen und 200 000 Mann Ersatz- und Etappentri.ippen gebracht werden können. Die Be­waffnung besteht aus über 5000 Maschinengeweh­ren, 1450 Geschützen, 30 Flakgeschützen, 90 Kampf­wagen und 150 Kugzeugen. Die allgemeine Wehr­pflicht verlangt 2 Jahre aktiven Dienst und führt dem Heer jährlich etwa 120 000 Rekruten zu. Im Jahre 1925 wurden darüber hinaus sogar 8000 Mann zum Arbeitsdienst an strategi­schen Strahenbauten in Bessarabien erngezogen. Die Ausbildung erfolgt nach französischen Grundsätzen. Der Geist des Heeres leidet unter der Kluft, die Offiziere und Mannschaften vvn- . einander trennt. Die Korruption im Offizier­korps ist sprichwörtlich. Trotzdem wird die Diszi­plin mit geradezu drakonischen Strafen aufrecht­erhalten. Die Soldaten, die größtenteils Bauern und Landarbeiter sind, sind völlig rechtlos und daher unzufrieden. Desertionen sind an der Tages­ordnung. Dem rumänischen Heere ist daher trotz guter technischer Ausrüstung kein großer Kampf­wert zuzufprechen. Der Heereshaushalt beträgt 13,5 des Gesamthaushalts. Die Marine hat keine Bedeutung. Der Hauptkriegshafen ist Galatz. Vorhanden sind nur kleinere Fahrzeuge; 7 ältere H-Doote wurden 1925 von Frankreich - gekauft. ,,

Werden alle Kräfte der westlichen Nachbarn Rußlands zusammengerechnet eine Kombina­tion, auf die sich die russische Politik unbedingt einstellen muß, wenn auch bisher von einem Bündnis aller Randstaaten nichts bekannt ge­

lt Großen-Linden, 6. Aug. jähriger Schüler half hier in der Gerstengarben ausschichten, er russchte fiel 6 Meter tief auf den Boden. Der Junge mußte mit einem Beinbruch in die Gie­ßener Klinik verbracht werden.

X Allendorf (Lahn), 6. August. Wie bei der Regulierung des Kleebaches so wird jetzt auch der sog. Müh lg r ab e n. welcher der oberen und mittleren Sorgenmühle das Wasser für den Mahlbetrieb zuleitet, in Verbin­dung mit der Feldbereinigung, verlegt. Hinter der Schleuse am Ort wird ein vollständig neues, gerades Flußbett aus größere Entfernung her­gestellt, so daß alle jetzt vorhandenen Krüm­mungen verschwinden. Das gewonnene Terrain wird in Wiesengelände umgewandelt und dem­nächst aufgeteilt. Auch in diesem Jahre hat ein Storchenpaar wieder seinen Horst auf einem Eichbaum in der Rähe des Ortes bezogen. Rachdem sich die Familie um vier Kopfe vermehrt hat, wird seit einiger Zeit eines der Jungen ver- mißt. Durch tägliche Flugübungen bereiten sich die drei jungen Langbeine zu dem bevorstehenden großen Reisemarsch nach dem Süden vor. Die Wiesen in der Rähe des Ortes bieten den Störchen dauernd Rahrung. Rachdem die Reueindeckung der Kreisstraße beendet ist, wird eine solche des Mühlwegs, welcher von der Hauptstraße nach Allendorf führt, er­folgen. Rach wie vor geschieht jedoch anscheinend nichts, um den sehr stark benutzten Verbindungs­weg von hier nach dem Bahnhof Dutenhofen passierbar herzuftellen. Bei Regenwettec bildet dieser einen gelben Schlamm und ist dann nicht zu benutzen. Material zur Befestigung eines Pfades für Fußgänger ist in den hier vorhan­denen Steinbrüchen umsonst, oder doch sehr billig,

Die Krummhölzer

Roman aus den bayerischen Bergen.

Von Michael Wagner.

Eine ganz besondere Freude an dieser Neuerung aber bezeugte der privilegierte Hausfreund Anno- domini. Etwas unheimlich wurde dem Guten jedoch zumute, als sich an allen Ecken und Enden des Hauses gewisse Anzeichen bemerkbar machten, daß da etwas im Anzuge sei, was man gewöhnlich ein freudiges Ereignis nennt.

Als nun gar Zeno eines Tages dem grau­haarigen Freund in der Werkstätte wortlos, nur mit einem bedeutsamen Lächeln, eine wunderhübsche, selbstgeschnitzte Wiege vor Augen führte, da hatte er die schreckliche Gewißheit seiner Ahnungen.

Darob bemächtigte sich des alten Fuchses eine tiefe Niedergeschlagenheit, weil er sich in seiner Monopolstellung als väterlicher Hausfreund und Hahn im Korbe aufs ernstlichste bedroht fühlte. Finsteren Gemütes blickte er dem Unabwendbaren entgegen und wandelte bei seinen Besuchen gleich Ahasver unstet durch Wersstätte, Haus und Garten, dumpfe Worte in den Bart murmelnd.

Alle drei, Mutter Rontaler, Marianne und Zeno, mußten wahrhaftig ihre ganze Überredungskunst aufbieten, um eines Abends den schweigsam in seiner Ecke sitzenden, augenzwinkernden Alten davon zu überzeugen, daß für ihn nicht die geringste Ge­fahr bestehe. Während der ganzen Szene wurde viel und herzlich gelacht, besonders Marianne konnte sich kaum fassen vor sprudelnder Heiterkeit.

Dann nahte jener Tag, an dem im Schnitzer- hause alles auf den Zehen herumschlich, wobei sich der Annodomini verflucht überflüssig vürkam . . .

Bis ihm einige Stunden spater Zeno voll un­bändigen Stolzes ein weißes, duftiges Spitzenbun- del, in dem sich rosiges neues Leben regte, vor die gewaltige Nase hielt:

Hurra! Annodomini! A Bua! A Mords- bua! Schau nur grob her!"

Da war der Bann gebrochen.

Du Sakkrawoltskerl du! Was sooft a Bua? A echter Uracherbua! Jessas, Jessas! Die Freud!" Und nun überboten sich die beiden in kind­lichen Friedensäußerungen. Bis die Frau Mutter derenObjekt" kurzerhand dem Annodomini, der sich eben seiner bemächtigt hatte, unter heftigstem försterlichen Protest aus den Armen nahm und wieder der jungen Mutter brachte.

(Fortsetzung folgt.)

IX.

Wieder hatte der Zeiger der Weltenuhr einen kleinen Ruck gemacht: ein Jahr war verstrichen.

Zeno hatte weder Mühe noch Geld gescheut, um seinem Häusl ein schmuckes Aeußeres zu geben. Da wurde nach feinen eigenen Angaben getüncht und gestrichen, und zum Schlüsse steuerte ein Maler mit guter Hand noch den schönsten Schmuck bei: eine Front farbenprächtiger Fresken. So wurde Zenos Heim Zierde und Schmuckstück des ganzen Ortes, schon durch sein Aeußeres jedem Betrachter bekundend, daß es mit des jungen Meisters Kunst aufwärts gehe. Der selige alte Fürleger konnte ebenfalls mit seinem Nachfolger vollends zufrieden sein vielleicht wäre er ihm gar noch ein wenig neidisch gewesen, wenn so etwas über den Sternen natürlich überhaupt möglich wäre.

Von den vielen Bewunderern des Schnitzer­hauses am Marktplatz ließen es aber nur die wenig­sten beim Bestaunen und Loben seines äußeren Schmuckes bewenden: zumeist lockte sie die Neu­gierde auch ans Schaufenster, wo sich dann, sofern Sinn und Verständnis vorhanden war, ihre Be­wunderung an Zenos ausgestellten Kunstwerken fortsetzte.

Das war die Zeit der Ernte für den Fleiß während des Winters: ein Kunde gab dem andern die Ladentür in die Hand, und stets waren einige Fremde in dem ebenfallsrenovierten" Laden zu finden. Zeno und Marianne aber hatten alle Hände voll zu tun, um aus den mit Holzskulpturen aller Art vollgepfropften, bis an die Decke reichenden Glasschränken das Gewünschte hervorzuholen.

Auch die neben dem Laden gelegene kleine Werkstätte, die gerade Raum zu stillbeschaulichem Schaffen für einen alten Meister geboten, war durch einen Anbau zu einem geräumigen, hellen Arbeits­raum umgewandelt worden. Zeno schasste auch nicht mehr allein: die reichlich fließenden Aufträge er­möglichten es ihm, zwei junge, tüchtige Kräfte ein­zustellen.

tcauenb, und um die schlechten Erfahrungen der beiden letzten Jahre nicht zu wiederholen das Korn einzufahren. Da die Getreide­äcker durch die feuchte Witterung außerordentlich unkrautig sind (besonders ist es die Vogelwicke, die sich im Roggen stark verbreitet hat), so gibt es wohl viel ins Gebund, wie der Bauer sagt, der Körnerertrag ist jedoch nur mittel. Eine er­freuliche Aussicht auf guten Ertrag bietet der Hafer, mit dessen Schnitt auch bereits begonnen wird. Die Ob st aussichten sind bedauer­licherweise auch dieses Jahr wieder sehr gering. Aepfel und Zwetschen gibt es kaum, auf Birnen dagegen ist an einigen Bäumen etwas zu hoffen. Obwohl das Kraut sehr gut angeseht hatte, macht sich jetzt in Gärten und im Feld die Kohl­hernie wieder stark bemerkbar. Hm dieser Krank­heit Herr zu werden, ist es unerläßlich, die Strünke nicht auf dem Acker zu lassen, sondern sie zu vernichten.

ibk. Kesselbach, 5. Aug. Die Vorberei­tungen für das Bergfest verbunden nut Schüler-Wetturnen gehen ihrem Ende zu. Ein schöner Turnplatz auf dem Berge in unmittel­barer Rähe des Dorfes wurde zur Verfügung gestellt. Die Eisenbahn-Verwaltung hat zwei Sonderzüge morgens ab Gießen 8 Hhr und abends zurück 7.35 Hhr eingelegt, so daß für gute Fahrgelegenheit gesorgt ist. Die Ernte- arbeiten haben nun auch hier im oberen Lumdatal kräftig eingesetzt. Gerste und Roggen sind reif und werden, wenn die jetzt günstige Witterung anhält, sehr bald niedergemäht und auch eingebracht sein. Der Ertrag ist recht zu­friedenstellend: cs ist nur su wünschen, daß es gut eingebracht wird und die Körner nicht wieder durch eine Regenperiode im Felde auswachsen.

t Grünberg, 6. Aug. Mit großem Eifer- Hat man sich hier und in den benachbarten Orten an die Ernte herangemacht. Die Arbeit ist schwierig. Ein großer Teil Gerste ist bereits geschnitten, die Reise des Roggens dagegen läßt noch an einzelnen Stellen zu wünschen übrig, und man sieht öfters geschnittenes Korn, dessen Halme noch stark ins Grüne scheinen. Recht fleißig wird schon Gerste wie Roggen heimgefahren. Das Gras zur Grummeternte ist vorzüglich und ist auch schon an manchen Wiefenstellen, wo es besonders stark war und Reigung zum Legen zeigte, zu Grummet gemacht worden. Hierbei hat man den Vorteil, daß man evtl, im Herbst noch einen dritten Schnitt zur Grünfütterung vor­nehmen kann.

is. Steinbach. 6. Aug. Während der Anbau von Sommergerste in den letzten Jahren immer mehr abnahm, ja ein Teil Land­wirte dieselbe wegen der schwierigen Ernte, sowie des geringeren Ausfalles an Stroh und der schlechten Verwertung des Abfalles gar nicht mehr anbaute, kann man heute das Gegenteil beobachten. Ein Rundgang durch das Feld in diesem Jahre zeigte uns, daß Sommergerste wie­der in stärkerem Maße angebaut wurde: der Grund hierfür ist erklärlich. Der täglich/zuneh- inende Verkehr mit Lastautos verdrängt das Pferdegespann immer mehr, so daß schon im ver­gangenen Jahre der Absatz von Hafer schwierig war und in Zukunft sich immer mehr verschlechtern wird. Die Sommergerste ist bereits zum größten Teile gut eingebracht und liefert in diesem Jahre einen schönen Ertrag an Stroh und Körner. Heberhaupt haben die letzten trockenen Tage die Ernte gut gefördert. Der Schnitt des Roggens ist nahezu beendet, und der Hafer kommt heran, nur der Weizen reift langsam. Während in heißen Sommern die Erntearbeit mittags einige Stunden ruhte, läßt die mäßige Wärme dieses Sommers ein dauerndes Arbeiten zu. und bei. an­haltend trockenem Wetter wird die Ernte rasch geborgen sein.

chLich, 6. Aug. Alljährlich kommen auf unserem Bahnhof zur Zeit der O b ft e r n t c ungezählte Eisenbahnwagen voll Aepfel, Biryen und Zwetschen zum Versand. In diesem Jahr werden die Händler vergeblich auf ihre Lieferanten warten, denn die starken Nachtfröste in der ersten Maihälfte haben fast die gesamte Obsternte in der Entwicklung ver­nichtet. Die Zwetschen hängen nur in vereinzelten Exemplaren an den Bäumen. Aepfel gibt es eben­falls nur sehr wenig. DerBoikenapfel" ist an ein­zelnen Stellen durch den Frost hindurch gekommen. Mit den Birnen sieht es ein klein wenig besser aus. An geschützten Lagen liefert dieGute Luise" einige Erträge. Auch die in unserer Gegend viel angebaute Glockenbirne", an anderen Orten auch Flaschen­birne genannt, zeigt einigermaßen günstigen Be-

wcwden ist. so ergibt sich für den Fall einen kriegerischen Verwicklung eine sogleich verfüg­bare Gesamtstärke von etwa 3'/- Millionen Mann gegenüber etwa 7 Millionen Russen, mit 3464 Ge­schützen gegenüber 2500russischen, 183OOMaschinen- gewehren gegen 15500 russischen, 425 Kampfwagen gegenüber 60 russischen, 975 Flugzeugen gegen­über 800 russischen. Die Benachteiligung Ruß­lands in der Bewaffnung und Ausrüstung wird durch die nationale Geschlossenheit seines Heeres und die Einheitlichkeit der Heeresleitung aus­geglichen. Hmgekchrt wären mit ihrem Aufmarsch die Randstaaten Rußland gegenüber im Vorteil, das zur Heranbeförderung und Versammlung seiner Streitkräfte aus dem unermeßlichen Innern des Reiches erheblich längere Zeil brauchen würde. Endlich darf nicht außer Betracht ge­lassen werden: eine grundlegende Vorbedingung für den Erfolg der russischen Abwehr ist es, daß es nicht gleichzeitig auf einer anderen Front angegriffen und dadurch zur Zersplitterung seiner Kräfte gezwungen wird. ..

Rach diesem Heberblick über die militärpoli­tische Lage Rußlands versteht man die augen­blickliche große Rervosität der russischen Außen- polittk. Dieser liegen zweifellos nicht nur phan­tastische Vermutungen zugrunde. Es darf hier nur an die Konferenz erinnert werden, die im vorigen Jahre in Riga zwischen den militärischen Sach­verständigen Lettlands, Finnlands, Polens und Rumäniens unter Beteiligung französischer Gene- ralstabsofsiziere stattfand, und die gewiß nicht, wie in der Presse der beteiligten Länder aus- gestreut wurde, gemeinsamen Richtlinien in der .Abrüstungsfrage" gegolten hat. Von allen Rand» staoten scheint nur das kleine Litauen, dessen militärischer Wert durch die kommunistische Ver­seuchung des Heeres herabgemindert wird, zu einer Verständigung mit Rußland geneigt; alle übrigen zeigen sich bisher gegenüber den an­dauernden russischen Bemühungen um Garantie­verträge ablehnend.

Wenn auch bei der großen Finanznot aller Beteiligten mit einer kriegerischen Erledigung der Gegensätze in absehbarer Zeit wohl sticht gerechnet werden muß, so ist doch die Lage in ganz Ost­europa nach wie vor äußerst gespannt und er­fordert die dauernde Aufmerksamkeit aller Staats­männer.

zu der Freundschaft zwischen Zeno und dem Förster gelegt hatten, in dem kleinen Kreise ganz selten zur Sprache kamen, und wenn schon, dann unter Ver­meidung jeglicher Ausfälligkeit und Gehässigkeit.

Trotz alledem aber hing die Zwietracht gleich einer dunklen, dräuenden Wetterwolke über dem Krummholzerhof und dem Schnitzerhäusl nm Marktplatz . . .

Auch nach Reichenhall spannen sich von Zenos Haus mancherlei Fäden regen verwandtschaftlichen Verkehrs.

Die verwitwete Frau Hauptlehrer Rontaler schien sich aber auch alle ehrliche Mühe zu geben, die vielen bösen und schlechten Vorurteile der Welt gegen die Schwiegermütter im allgemeinen durch ihr leuchtendes Beispiel zuschanden werden zu lassen.

Sie nahm zwar als liebevolle Mutter stets innigen und mannen Anteil am jungen Eheglück ihrer Tochter Marianne, vermied es sonsthin jedoch als kluge, lebenserfahrene Frau aufs taktvollste, un­erbetene Ratschläge zu geben, in Dingen dreinzu- reben, die sie nichts angingen.

So weilte dieFrau Mutter" abwechslungsweise bei Marianne und Zeno als Ehrengast, wobei die Jungen" fast jedesmal wieder irgendeine häusliche oder geschäftliche Errungenschaft voller Stolz zu zeigen wußten, oder sie kamen über den Sonntag zu Besuch nach Reichenhall.

Gelegentlich eines ihrer Besuche hatte die Frau Hauptlehrer nun kürzlich eine ziemlich lange Unter­redung mit Zeno, deren Gegenstand ihr anscheinend mächtige Freude bereitete, denn sie glühte vor Eifer. Schließlich trafen die beiden als Ergebnis dieser Unterredung eine Abmachung.

Bald darauf Hub im Rontakerschen Häuschen zu Reichenhall ein gar gewaltiges Rumoren an, und eines Tages standen ihre ganzen Habseligkeiten außer den Möbeln, in Kisten und Körben verpackt, im Hausflur.

Das aber bedeutete:

Daß die Frau Mutter besonderer Umstände halber ihr Anwesen vermietete, um zu Zeno und Marianne übeczusiedeln. Es dauerte auch nicht lange, da spürte man im Schnitzerhaus schon ihre umsichtige Hand, die überall in dem immer größer werdenden Haushalt helfend und schaffend mit

I zugriss.

Ost konnte man im Orte den Ausspruch ver­nehmen:Bei den Krummhölzern geht's halt in einer Tour aufwärts ob sie jetzt herunten im Tal ober oben auf'm Berg sitzen."

Das galt natürlich Zeno unb Toni.

Der Ausspruch hatte auch recht nur, baß Toni auf skrupellose Art unb Weise(Selb machte" um jeben Preis, währenb Zeno das rasche Auf­blühen seines Geschäftes unb den damit verbun­denen bescheidenen Wohlstand als wohlverdiente Früchte unverdrossener Arbeit einheimsen durfte.

Eine große Stütze hatte Zeno an seiner blonden Marianne. Sie waltete nicht bloß in stiller Fraulich­keit ihrer Hausfrauenpflichten, sondern stellte sich auch als sehr brauchbare Helferin neben den Gatten in das Geschäft.

Zeno konnte mit gutem Gewissen von seiner Ehe sagen: trat er von draußen in sein Heim, bann war er in einer anbeten Welt, in ber Friebe unb Glück herrschten.

Stiller Mitgenießer bieser harmonischen Häus­lichkeit war ber eingefleischte Junggeselle, Herr Förster Dominikus Sanktjohanser, welcher bekannt­lich seinerzeit Zeno feierlich bie Würbe eines alten Spezi" verlieh, nerbunben mit bem seltenen Privi­legium, ihnAnnobomini" nennen zu bürfen. Der alte Fuchs und Fuchsentöter wußte in seiner Schläue wohl, daß er mit seiner bärbeißigen Schnurrigkeit im Schnitzerhäusl gern gesehen war, und schmarotzte also nach Leibeskräften und Herzenslust dort kosten- und risikolosden Zauber des häuslichen Glücks" bem er sonst nie recht traute. So belichte er wenigstens zu behaupten. Unb Frau Marianne be­mutterte ben rauhborstigen alten Walbläufer der- maßen, baß er vor Behagen wie ein Kater schnurrte.

I bleib* halt an bie Uracherischen hängen zu allem Verdruß!" sagte er manchmal unb meinte es ernst. Es war auch seltsam, wie so allmählich ber Vatersfreunb zum Freunde bes Sohnes würbe, lieber ben Uracher ließ ber Förster nichts kommen, wenn er auch ben Hof nicht mehr betrat. Es ärgerte ihn bloß Uradjers Unbelehrbarkeit unb Starr« köpsigkeit, ohne baß er jeboch an feinem guten Willen je irre würbe. Vom Toni aber mochte ber Annobomini nichts mehr hören unb sehen. Mit bem war erganz fertig".

So kam es, daß die unerquicklichen Verhältnisse unter ben Krummhölzern, bie eigentlich ben Grunb

Hang. Während im Tal fast alles Obst dem Frost zum Opfer gefallen ist, so ist im Gegensatz dazu auf ben Bergen eine kleine Ernte zu erwarten.

Kreis Friedberg.

!?! Friedberg, 6. Aug. Die Getreide­ernte will in diesem Jahre in der Welterau nur langsam in Gang kommen. Die kühle Witte­rung verzögert die Reife, wodurch ein gewisser Stillstand bei den Crntearbeiten eingetreten ist. Korn und Gerste sind meistens geschnitten, zum Teil schon eingefahren, während Weizen, und Hafer noch nicht die erforderliche Reife erlangt haben.

4 Bad-Rauheim, 5. Aug. Die Klär­anlage zwischen unserer Stadt und Friedberg ist nicht mehr zeitgemäß. In Friedberg klagt man schon lange über die durch die Abwässer er» folgend- Verunreinigung der Ufa. Aber auch seiten^unserer Stadt beschäftigt man sich schon immer mit der Frage, wie dem Hebelstande abge­holfen werden könne. Der gestrigen Stadtver- ordnetenversammlung lag nun ein vom städtischen Tiesbauamt ausgearbeitetes Projekt vor. das unter einem Kostenaufwand von 266 000 Mark alle seitherigen Mängel beseitigen soll. Das so­genannte biologische Verfahren, daL^eine Um­wandlung der organischen Stoffe herbeiführt, soll dabei angewandt werden. Beschlossen wurde zunächst, den vorgelegten Entwurf dem Kreis­amt Friedberg zur Prüfung vorzulegen.

!?! Vilbel, 6. Aug. Die Gemüsegär­ten zeigen in diesem Jahre vielfach ein wenig erfreuliches Bild. Bei den Kohlgewächsen tritt die Kohlherzmade sehr stark auf. Die Bekämp­fung des Schädlings ist nur schwer möglich. Die befallenen Pflanzen durch andere zu ersehen, ist meist vergebliche Arbeit, da die Eier schon aus dem Samenbeet in die Pflanzen gelegt worden sind. Die Bohnen, besonders die Stangenbohnen, zeigen starken Mehltaubefall, was ein Gin- schrumpfen der Blätter und Schoten zur Folge hat und die Erträge wesentlich verringert. Die Gurkenernte wurde durch die feuchte Witterung im Vorsommer ungünstig beeinflußt. Die Früchte zeigen schon bei Beginn der Entwicklung krank­hafte Stellen, die zu Fäicknis führen. Auch sie haben vielfach unter Mehltaubefall zu leiden. Die Frühkartoffelernte ist nicht so aus­gefallen, wie man erwartet hatte. Die vielen Regenfälle haben zu einer üppigen Krautbildung geführt, während der Knollenansah zwar gut ift die Knollen in bezug auf Dicke jedoch zu wünschen übrig lassen. Auch ist ein nicht ge­ringer Prozentsatz mit Fäulnis behaftet, was durch die überaus große Feuchtigkeit imDorsominer bedingt ist.

y. Wölfersheim, 6. Aug. Rege Bau­tätigkeit herrscht seit dem Vorjahre in un­serem Orte. Während im vergangenen Jahre die Staatliche Grube am Södler Weg ein geräumiges Zweifamilienhaus und in diesem Jahre auf dem Grubengelände eine Vierfamilienwohnung er­richtete, haben Private im Vorjahre und Heuer je zwei Wohnhäuser erbaut. Außerdem sind meh­rere Wirtschaftsgebäude neu entstanden. Auf billigere Weise haben verschiedene Hausbesitzer ihre Wohnräume dadurch vermehrt, daß ste auf ihre einstöckigen Häuser ein zweites Stockwerk bauten. Dessenungeachtet ist auch hier die Woh­nungsnot noch nicht völlig behoben.

:: Aus der nördlichen Wetterau, 6. Aug. Infolge der günstigen Witterung der letzten Woche sind Gersten - und Roggen­ernte fast beendet. Der Anbau von Gerste ist gegen frühere Jahre bedeutend zurückgegangen. Trotz ihrer starken Lagerung ist der Körnerertrag recht gut, wie die ersten Druschergebnisse be­stätigen. Infolge der Mißerfolge der letzten nassen Jahre sind unsere Landwirte dazu über- gegangen, ihre Frucht früher als sonst in die Scheunen heimzufahren. In trockenen Lagen wird bereits der erste Hafer geschnitten, und auch der Weizen bekommt schon seine goldgelbe Farbe. Die Kartoffeln stehen gut. Die bereits für den Eigenverbrauch eingebrachten Frühkartoffeln sind fast ausgewachsen. DieBlaue Odenwalder". heute die meist angebaute Frühkartoffel in unserer Gegend, hat im großen und ganzen unter der Feuchtigkeit nicht gelitten, dagegen zeigt die Frühe Deutsche" zuweilen Faulflecken.

. Aus der südlichen Wetterau. 6. Aug.Tausend fleiß'ge Hände regen sich", denn es gilt b« dem jetzigen schönen Wetter all den Erntesegen einzubringen. Kornhaufen reihen sich in den Fluren der gesegneten Wetterau an