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et auf Anregung des bekannten Berliner Sßinttflen A Bier, des RektorS der Deutschen Hochfckülle für Leibesübungen, begründete Deut­sche Aerzlebund zur Förderungen der Leibes- Lbungen will in diesem Sinne wirken und die 2lerzteschast durch sportärztliche Ausbildungs­kurse und persönliche Beteiligung an den wich­tigsten sportlich-gymnastischen Hebungen mit dem Betriebe der verschiedenen Arten der Leibes­übungen vertraut machen.

Zu diesem Zwecke veranstaltet auch bte Medizinische Abteilung des Instituts für Körperkultur an der hessischen Landes­universität in der Zeit vom 4. bis 16. Oktober einen Sportarztlehrgang, der die BorauSsetzung zur Erlangung der Anerkennung alsSportarzt erfüllt und Gelegenheit zur Ablegung derPrüfungen für das Deutsche Turn- und Sportab­zeichen bietet. Morgens werden hauptsächlich praktische Hebungen, nachmittags Bortrage, Kurse und Vorführungen stattfinden.

Für die Siebener Aerzte, die am Morgen durch Sprechstunden usw. vielfach in Anspruch genommen sind, ist der praktische Teil unter De- te'.Iigrßng von 14 Herren bereits in der Zeit von Mitte 3uni bis Ende Juli (zweimal wöchent­lich zwei Stunden von 68 Hhr abendS) zur Durch­führung gelangt. Die Hebungen wurden von Sportlehrer Schneider geleitet und erstreckten sich aus sportliche Gymnastik, Laus- und Wurf- tibunaen. Ballspiele, Boxen und 3iu-3itfu. Die Schwimmübungen fanden unter der Leitung von Dr. 3 u n g statt. Die Borführung der verschie­denen Schwimmarten hatten in dankenswerter Weise Herren vom Siebener Schwimmverein übernommen. Ebenso liehen es sich die Siebener Rudergesellschaft von 1877 und die Siebener Paddlergilde angelegen sein, die Kursteilnehmer in ihren Spezialsport theoretisch und praktisch einzuführen.

Selbst die älteren Herren, von denen drei das 50. Lebensjahr überschritten hatten, haben sich mit grobem Eifer an den vielseitigen sport­lichen Hebungen beteiligt, und es herrschte allge­meines Bedauern, als der Kursus zu Ende ging. Bei genügender Beteiligung sollen die leicht­athletischen Hebungen daher auch in den Hni- versitätsferien durchgeführt werden und zu dem Oft oberfurt überleiten.

Wochenend und Gastgewerbe.

sp. 3n England besteht die Einrichtung des week-end schon seit Jahrzehnten. Eine solche unter andern Berhältnissen natürlich gewordene, auf alter Tradition beruhende Einrichtung läht sich naturgemäh nicht im Handumdrehen in einem Lande wie Deutschland sozusagen dekretieren. Es ist dazu die Berücksichtigung aller volkswirtschaft­lichen Momente dringend notwendig. Bon dieser Boraussetzung angehend, hat sich auch der Reichsverband der Deutschen Hotels. Restaurants und verwandter Betriebe bereits längere Zeit mit der Frage der Einführung deS Wochenends in Deutschland beschäftigt. Die groben, der Verwirklichung dieser Absicht dienenden Richtlinien hat der ReichSverbanb schon vor längerer Zeit herausgegeben. Sache der einzelnen Provin^ialverbände ist es jetzt, im Benehmen mit allen tn Frage kommenden, volks­wirtschaftlichen 3nstanzcn. der Ortsverbände und namentlich auch der Berkehrsverbände, das praktische Studium der Frage vorzunehmen. Daran ist namentlich auch im Bereich des Hotel­verbandes Rassau und Hessen in den letzten Monaten intensiv gearbeitet worden. Eine Kom­mission. zu deren Sitzungen auch Vertreter der hessischen B e rkeh rS v e r e i nig u n g e n zugezogen wurden, war der einhelligen Auf­fassung. dah es dringend erwünscht erscheint, eine Propaganda für den Wochenend-Auf enthalt in den Orten des Berbandsgebiets möglichst ein­heitlich vorzunehmen. Es wurde in Aussicht genommen, dah von einer Zentralstelle auS für den Wochenend-Aufenthalt in den Passanten- und Kurplätzen geworben wird. Da eine wirk­same Propaganda Mittel erforderlich macht, ist eS verständlich, bah mit Rücksicht auf die Lage in der Werbung darauf vorerst eine gewisse Rücksicht genommen wurde.

Gegenwärtig sind nun die örtlichen Ber­einigungen eingehend mit der Frage des Wochen­end-Aufenthaltes beschäftigt. Sie ist, da die Ent­wicklung der wirtschaftlichen Derhältnisse die Kopfzahl der Gäste und deren Aufenthalts­dauer gegen die BorkriegSzeit stark zurückge- drängt hat. für das Gewerbe heute von außer- ordentlicher Bedeutung. Der Wochenend-Aufent­halt soll den Hotelbetrieben Ersah bringen, und es soll gleichzÄtig damit den derzeittgen Ber- hällnissen des deutschen Publikums Rechnung ge­tragen werden.

Dem Provinzialverband erscheint es dabei zweckmäbig, wenn die 3nteressenten etwa in drei PreiSgruppen eingeteilt werden, die je einen Wochen en dPreiS von Samstagabend bis Sonntagabend oder von SamStagabend bis Mon­tag früh bestimmen. Für die einzelnen Gruppen sollen einzelne Wochenend-Ausweise mit Gut­scheinen ausgestellt werden, die die von der Zen­tralstelle beauftragten Ausgabestellen in den in Frage kommenden Plätzen zur Ausgabe an das ?Publikum bereit halten. Einzelheiten wären noch estzulegen. Reben dieser Festsetzung der Hotel- Wochenendprei'e hätten die meisten örtllchen Ber­el ne über die Gewährung freien oder ermäßigten Eintritts au den Einrichtungen des betreffenden PlayeS (Kurhaus, Dadehaus, Theater usw.) zu verhandeln. Eine erste einheitliche Propaganda ist für den Herb st aufenthalt in Aussicht genommen. Die Erhebungen sind im Sang. Rach

Eingang wird die Angelegenheit im Derwaltungs- auSschuß endgültig besprochen. Soweit heute der Stand der Dinge in der Provinz Rassau und Hessen.

Bornotizen.

Tageskalender für Samstag. Turnverein von 1846, 5 Hhr nachmittags: Schau- schwimmen, 81/» Hhr. Turnhalle (Steinstrabe): Festabend. ^drwerlschastsbund der Angestell­ten, 9 Hhr Berg schenke: Zusammenkunft. Ar­tillerie-Verein, 8/: Hhr,Hessischer Hof": Mv- natSversammlung. WassersportvereinHcllaS", 81/» Hhr bei Kobel: Mitgliederversammlung. Geflügel- und Bvgelzuchtverein, 9 Hhr.Pfälzer Hof": Monatsverlammlung. - Radfahrverem Fortuna", 8*/$ Hhr, DereinSlokal: Monatsver- sammlung." Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Frau van EorlandS Vergangenheit". Astona- Lichtspiele:Marccos tollste Wette".

Tageskalender für Sonntag. Turnverein von 1846: 9.30 Hhr vormittags, Waldsportplah des V. f. B. Spielen und Dolks- turnen; 3 Hhr nachmittags, Volkshalle, Schau­turnen: 8 Hhr abends, Dolkshalle, Abcndunter- haltung. Evangelischer Arbeiter-Verein: 3 Hhr nachmittags,Textors Terrasse". Gartenfest. Lichtspieltheater wie Samstag.

LU. Don der Landesuniversität. Der Gortenmeistcr am Pflanzenphysiologischen Institut Dahlem der Universität Berlin, Hermann Nessel in Dahlem, wurde an Stelle des in den Ruhestand tretenden Universitäts-Garteninspektors R e y n e l t mit Wirkung vorn 1. Oktober 1926 pum Unioersitäts- Garteninspektor an der Landesunioersität ernannt.

Jubiläum des Turnvereins von 18 4 6. Es wird nochmals darauf hingewtesen, dab der heute abend stattfindende F e st a k t in der Turnhalle (Oswaldsgarten) wegen der be- schräntten Raumverhältnisse nur als Herren­abend stattfinden kann.

Das Fest der goldenen Hochzeit begehen am 8. August die Eheleute Hermann Koch und Frau Katharina, geb. Klein, Aster- Weg 50, am 9. August das Ehepaar Ludwig F e i d e l, Sonnenstrahe 3.

. Der Verband ehemaliger 116er beschloß in feiner Frühjahrstagung zu Dad-Rauheim die endgültige Einführung eines eigenen Verbandsorganes: dieses ist nunmehr mit dem 1. August in feiner ersten Rümmer erschienen. Der Verband breitet sich in zahlreichen Regimentsvereinen über das Hessenland. die Kreise Marburg, Wetzlar, bis zum Kreis Arnsberg aus und umfaßt außer dem Stammregiment 116 die Kriegsformationen 222, 186, 254. 418, Reserve 116 und Land­wehr 116 und die OffizierSver.'ine einzelner Re­gimenter. e

Sie Maul- und Klauenseuche in Geilshausen und Göbelnrod, sowie in Höchst a. d. R. (KreiS Büdingen) ist erloschen.

Der Straf antrag imZiessa-prozeß Wegen Totschlag 15 Jahre Zuchthaus und 10 Jahre Ehrverlust.

ID $71. Frankfurt a. M., 6. Mug. Der Staafs- anroalt beantragte, dle Angeklagte wegen Tot­schlags zu 15 Jahren Zuchthaus und 1 0 Jahren Ehrverlust zu verurteilen. (Er bean­tragte ferner, dle bei der Tat benutzte IDaffe eln- jujleßen.

Am heutigen fünftenDerhandlungS- t a g e wurden die Sachverständigengut­achten fortgesetzt. Zuerst ergänzten die beiden Schiebsachverftändigen ihr Gutachten dahin, daß die Flessa nicht gezielt habe bzw. daß die Schüsse unabsichtlich loSgingen. Hni- versitätSprofessor Dr. Raecke vertritt in seinem Gutachten den Standpunkt, daß Geisteskrankheit nicht nachgewiesen fei. daß aber trotzdem die Angeklagte nicht als normal anzu­sprechen fei. Sie fei aus dem Holz, aus dem Geisteskranke geschnitzt werden. Die An­geklagte sei von jeher eine psychopathische Person. Sie besitze eine hi sterische Phan­tasiefähigkeit und fei überzeugt, daß ihr Hnrecht geschehen fei. Sie habe einen schweren chronischen Affekt, der die Triebfeder jedes Kapi­talverbrechens bildet. Eine derartige Person könne nicht mit dem Maß gemessen werden, wie eine normal geartete Person. Man müsse ihre Zurechnungsfähigkeit als vermin­dert ansehen. Zum Schluß sagt der Sachver­ständige, die Angellagte verabscheue die Lüge, aber sie fei gar nicht imstande, wahr zu sein und spiele auch vor sich selbst Theater. Sie könne nicht unterscheiden, was sie erlebt und erträumt hat. Damit ist die Beweisaufnahme zu Ende.

Rach einer Pause beginnen um 1 Hhr bte Plädoyers. Staatsanwalt Störet, während dessen Plädoyer die Angeklagte auf ihren Wunsch nicht zugegen ist, begrüßt es. daß am Richt ertifch nun auch eine Frau sitze. Die Angeklagte fei keine Person, die Anspruch daraus habe, baß man ihr glaube, was sie sage. Wenn man ihren Aussagen Glauben schenken würde, käme fcie Sache auf einen Eifers uchtSakt hinaus. Es spielten aber auch andere Leidenschaften eine Rolle und zwar Wut, Haß und Rache. Rach der Meinung des Staatsanwaltes trieb die Begehrlichkeit der altemben 3ungfer die Flessa zur Tat. Von dä­monischer Gewalt gefaßt, habe sie die Tat voll­bracht. Ein Ringen habe nicht ftattgefunben. Der Schuß s e t willentlich abgegeben worden. Alles, was die Angellagte vorbringe, seien vorbedachte Finessen. Der Staats­anwalt schließt sich dem Gutachten von Geheim­

rat Dr. Roth an, wonach die Angeklagte von I einem chronischen Affekt befallen set. Ob aber dieser Affekt durch einen akuten Affekt zur Zeit der Tat abgelöst wurde, das zu entscheiden, unterliege bet richterlichen Deweiswürdigung. Er müsse sich den Gutachten der Sachverständigen anschließen, baß die Tat in einem Affekt begangen wurde. Obwohl das Verhalten der Angellagten dafür spreche, beantrage er doch nur, sie wegen Totschlags zu verurteilen, und zwar zu 15 Jahren Zuchthaus, Aberken­nung der bürgerlichen Ehrenrechte auf JO 3ahre und Einziehung der 'IDafte.

Don den Verteidigern sprach zuerst Fräulein Dr. 'Zinna Schulz, die in pathetischer Weise das Seelenleben der Flessa schilderte. Für Jie sei die Liebe das Tiefste, Heiligste. Dr. Seitz sei in ihrem Leben als der Mann erschienen. Die Seele des Mädchens habe sich mit unverbrauchter Kraft und Inbrunst ihm zugewandt. Sie glaubte, vertraute, liebte. Für Seitz war sie jedoch nur eine Epi­sode. Er unterhielt ein Absteigequartier, hatte ein Ausgehverhältnis und war zu gleicher Zeit verlobt. Am Biertisch spricht er von den heiligsten Gefühlen der Frau. Die Verteidigerin schließt: Als Frau und als Juristin glaube ich die von der Flessa gegebene Darstellung. Ich bitte den Gerichtshof um Gerechtig­keit, denn das ist das Recht.

Verteidiger Prof. Dr. Sinzheimer stellte eingangs die Frage, welche strafbare Handlung vorliege. Mit plastischer Klarheit sei festgestellt worden, daß die Tat im Affekt begangen wurde, und der Staatsanwalt habe daraus auch seine Konsequenzen gezogen. Die Gutachten der Schießsachverständigen hätten klar ergeben, daß die Flessa die Schüsse unwillkürlich abgegeben habe. Hier habe der Staatsanwalt die Kon­sequenz allerdings noch nicht gezogen. Der Ver­teidiger beschäftigt sich bann mit den Ausfüh­rungen des Geheimrats Dr. Roth, der mit seinem Gutachten isoliert dastehe. ES stehe fest, daß der Angeklagten das Bewußtsein gefehlt habe: deshalb scheide auch Totschlag aus. Am besten wäre es, die kranke Frau drei 3ahre ins Sanatorium zu schicken. Leider lasse das Gesetz das nicht zu. Totschlag liege nur dann vor, wenn der Tod eines anderen Menschen bewußt und willentlich herbeigeführt worden sei. Dies müsse verneint werden. Mordversuch scheide aus. seitdem man wisse, daß die Tat durch Zu­sammenschluß von chronischen und akuten Affekten ausgeführt wurde. Die Kernfrage fei, wollte sie überhaupt Dr. Seitz töten. Der Verteidiger be­streitet das, trotzdem gewisse Indizien vor­liegen. Die Flessa konnte eine derartige Absicht gar nicht gehabt haben und verweist in diesem Zusammenhang darauf, daß sie einer Zeugin längere Zeit vorher gesagt habe, daß sie von Frankfurt weg wolle. Sie wolle nicht, daß Dr. Seitz seine Praxis auf gibt, und wolle sich eine andere Stelle suchen. Könne so eine Frau sprechen, die einen Tötungswillen gehabt habe?I Der Verteidiger bestreitet, daß die Flessa Theater gespielt habe und verweist auf ihr Verhalten an der Leiche. So könne man nicht lügen, das sei kein Raffinement gewesen. Auf keinen Fall fei die TötungSabficht zu beweisen. Darum müsse man damit rechnen, was sie selbst angegeben habe. 3ch wollte ihn höchst-is schrecken. Dies ist auch innerlich sehr glaubiüürbig. Hätte Dr. Seitz, anstatt Witze zu machen, ihr Gelegenheit zu einer Aussprache gegeben, so wäre es nicht zur Tat gekommen. Für die Flessa war eine Ent­spannung notwendig. 3hre Schuld liege darin, daß sie sich nicht aussprechen konnte. Es könne nicht bestritten werden, daß sie den Tod des ArzteS verursachte. Dadurch, daß Seitz nach dem Revolver griff, kam es zur Entladung. Das ist Fahrlässigkeit! Der Revolver ging los, weil sie zu viel gefuchtelt hatte. Der Verteidiger schloß: Die Oesfentlichkeit, die sich gegen das Todesurteil wehrte, hat sich ein großes Verdienst erworben. 3nsttnktiv hielt man das erste Urteil für ein Fehlurteil. 3ch freue mich, daß nun die Flessa ihre Strafe finden soll, aber eine gerechte Strafe, um die ich Sie bitte.

Die Plädoyers werden morgen fortgesetzt.

6. Serbftregatta

des Lahn - Regatta - Verbandes.

Die am Sonntag, 12. September, zu Gie­ßen stattfindende VI. Herbst-Regatta des Lahn-Regatta-Derbanbes umfaßt folgende Ren­nen: 1. 3ungmann-Dierer, 2. 3ungmann-Einer, 3. Anfänger-Vierer, 4. Gast-Vierer, 5. 3ung- mann-Dierer, 6. 11. Herbst-Achter, 7. Schuler- Vierer, 8. Erster Vierer, 9. 3ungmann-Achter, 10. Altherren-Vierer, 11. 3unior-Vierer, 11a. 3ungmann-Vierer, 12. Lahn-Einer, 13. Zweiter Vierer, 14. ErmunterungS-Bier er, 15. Großer Lahn-Achter.

Buntes Allerlei.

Die Kunst deS Weinens.

Kann man nach Belieben weinen? Diese Frage, die ein weites psychologisches und physio­logisches Gebiet umfaßt, hat der französische Aryt Dr. Paul Farez erörtert. Besonders gelten bte Frauen alsKünstlerinnen" des Weinens. Der feine Seelenkenner TacituS schreibt darüber:Sie weinen umso aufdringlicher, je weniger sie lei­den." Der Satiriker 3uvenal behauptet, daß die Frauen immer Tränen in der Reserve haben und nur das Signal erwarten, umdie Schleusen aufzuziehen", und Montaigne bekräfttgt:Der größte Teil ihrer Trauer ift künstlich, und ihre Tränen find gemacht." Aber die Frauen find nicht nur Meisterinnen im Weinen, sondern auch

im Zurückhalten der Tränen. Eine Schauspielerin, die in einer tragischen Rolle immer weinte, unterließ dieses eines Abends. Als man sie des­wegen fragte, erwiderte sie:3ch würde ja gern geweint haben, aber ich war abends zum Sou­per eingeladen." Man hat bei den Klageweibern, die im Orient bei den Totenzeremonien eine so große Rolle spielen, beobachtet, daß sie zwar alle vorgeschriebenen Formen bet Trauer auS- führen, jammervolle Schreie ausstoßen, sich die Brust schlagen, die Haare zerraufen, die Kleider zerreißen usw., daß aber ihre Augen immer trocken bleiben. Und wie ist es hn Kino? Sind dort die Tränen wirklich, die man in so schönen Tropfen über die Wange der Heldin herunter­rinnen sieht? Rein, es sind Glyzerintropfen, die sich viel besser als das natürliche Qlaß für die Photographie eignen.

. Die Frage nach der Willkürlichkeit des Wei­nens ist besonders viel im Zusammenhang mit der Schauspielkunst erörtert worden. Es gibt große Schauspieler und Schauspielerinnen, die an einer bestimmten Stelle des Stücks stets Tränen vergießen. Sind sie wirklich von dem Leid, daS sie in ihrem Spiel durchleben, so erschüttert, daß sie weinen müssen, oder bringen sie die Tranen Falten des GramS zu legen brauchte, um sofort man das Weinen lernen könne, wie jede andere Fertigkeit, und es gibt gewisse Rezepte, um Tränen hervorzubringen. Manche Schauspiele­rinnen versteckten in ihrem Acrmel oder ihrem Taschentuch eine Zwiebel ober ein anderes tränenerregendes Mittel. Eine erklärte, daß sie nur scharf nach einer elektrischen Dirne zu bilden brauche, um das Raß in ihre Augen zu zau­bern. Manche Tragödien haben bestimmte Asso- ciationen, die z. D. beim Brechen der Stimme, beim Schluchzen usw. die Tränen hervorlocken. Von dem Schauspieler Paul Mounet wird er­zählt, daß er nur sein Gesicht in die düsteren Falten des Grams zu telen brauchte, um sofort von Tränen überströmt zu fein.Man muß sei­nen Tränen gebieten können," sagte dieser Künst­ler des Weinens, und er war sogar imstande. Tränenbäche zu erzeugen, wenn er den Kurs­zettel las. Virtuosen des Weinen- sind vielfach Bettler. So erzählt Taine von einem Mädchen, das ihn in einem Provinzrnuseum herumführte. Es fing plötzlich herzzerbrechend an zu meinen und erzählte schluchzend, daß die Eltern es schlü- ?en, wenn es nicht ein großeß Trinkgeld bc- äme. Der mitleidige Gelehrte beschenkte sie reich, konnte aber bei der nächsten Gelegenheit beob­achten, daß sie dieselben Tränen vor einem an­deren Besucher vergoß. 3edenfalls kann man aus den zahlreichen Beispielen, die Farez an» »führt, ersehen, daß die Echtheit des Schmerzes und die Stärke des Leidens durchaus nicht nach der Menge der Tränen bemessen werden darf.

Spiclplau der Frankfurter Theater.

Opernhaus. Von Sonntag, 8. bis Mitt­woch, 11. August geschlossen. Donnerstag. 12.: Wiedereröffnung der Opernspielzeit. Der Obern» ball. Ans. 7>/2 Hhr. Freitag, 13.: 'Die Fieder- maus. Ans. 7'/» Hhr. Samstag, 14.: Margarethe. Ans. 7*/j Hhr. Sonntag. 15.: Lohengrin. Ans. 6V2 Hhr. Schauspielhaus. Sonntag. 8. Aug.: Adrienne Ans. 8 Hhr. Don Montag, 9. August, ab geschlossen.

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Aus dem Amtsverkündigungsblatt.

* Das AmtsverkündlgungSblatt Rr. 63 vorn 6. August enthält: Heberwachung des Obstes an den Kreisstraßen. Maul- und Klauenseuche in Geilshausen und Göbelnrod. Verfassungsfeier und Fortbildungsschule. Feld­bereinigungen in Watzenborn-Steinberg und Lin­denstruth. Dienstnachrichten.

Briefkasten her Redaktion.

F. D. in G. Eine Funkerschule in Berlin gibt es nicht mehr. Die Ausbildung der Funker erfolgt bei den Rachrichten-Ableilungen.

N. 3hre Frage kann von hier aus nicht be­antwortet werden. Wir geben anheim, sich mit der Kreisbaubehörde Schotten in Verbindung zu sehen.

Eingesandt.

(Für Form und 3nßalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Schriftleitung.)

Geh' aus, mein Herz, und suche Freud' ..."

Wenn auch in diesem 3ahr der Sommer nicht sehr schön ist, finden wir doch eine Menge Freude draußen in der Ratur. Wenn man dann, um vieles reicher geworden, seinen Heimweg auch einmal über Wieseck antritt, kommt man sicher durch das den Kunstfreund so anziehende, alte Tor, diePort". Der Bau ist eine der wenigen Sehenswürdigkeiten des Dorfes: nun wird er schon seit geraumer Zeit auf feiner Rordseite durch einen mächtigen Hausen Weißbinderstangen verunziert. Ließe sich kein anderer Ort für die so sehenswerten Stangen finden? A. H.

Sprechstunden der Redaktion.

12 bis 1 llhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschloffen.

Jür unverlangt eingesandte M a nuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen.

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