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3m deutschen Kärnten.

Von Heinrich Gesell.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.

Velden am Vörthersee, Ende Juni 1926.

Südtirol hat in den beiden letzten Jahren un­gewöhnlich niel Besuch von Reichsdeutschen erhalten >nd mir alle können stolz darauf sein, das; wir unseren schwe/bedrückten Brüdern in Südtirol durch diese reichlichen Besuche wenigstens ein ganz klein wenig ihre Lage erleichtern konnten. Dabei hat noch nicht einmal so sehr das rein wirtschaftlich Finan­zielle, sondern ebenso das Psychologische eine Rolle gespielt, der nahe persönliche Kontakt mit den vielen Reichsdeutschen und Oestcrreichern hat viel dazu bei- gctragen, daß man den Kopf nicht ganz hängen ließ. Nun hat Südtirol in der Zwischenzeit eine neue schwere Zeit der Bedrängnis im vergangenen Winter erleben müssen, erneut ist das natürliche Volksbewußtsein seiner deutschen Bewohner schwer beschimpft und erniedrigt worden, und auch in diesem Jahr wird sich darum als kleine Linderung ein breiter deutscher Fremdenstrom nach dem Land an Etsch und Eisack, nach Meran und Bozen, nach den Dolomiten ergießen müssen, lieber dieser Pflicht, die zugleich sozial schönes Erleben von Landschaft und Menschen in sich schließt, dürfen wir aber auch andere Gebiete rein deutschen Volkstums nicht vergessen, die zudem landschaftliä)c Reize aller Art in sich schließen, so daß auch dort körper­liche und geistige Erholung unserer wartet. Wie wenig Deutsche kennen das weite deutsche Land im Süden der Zeutralalpenkette, kennen Steiermark mit seiner schönen deutschen Hauptstadt Graz, kennen vor allem Kärnten mit seinen, vielen Burgen und Seen, seiner herrlichen Karawankenkette. Viele Zeitungsleser werden sagen, doch, wir kennen es, Kärnten ist doch das Land, wo nach dem Krieg die erste von den Siegern erfundenen Volksabstimmun­gen stattfand und mit einem glänzenden Sieg der deutschen Sache enbetc.

Was nützt aber diese nun schon rein historische Kenntnis dieser einen Tatsache, wenn man die Men­schen und die Landschaft nicht kennt, die sie allein möglich gemacht haben, und wenn man nicht weiß, daß mit dieser Abstimmung ein landschaftliches Kleinod für den deutschen 'Mutterboden gerettet worden ist, wie wir es zum zweiten Male nicht besitzen. Kärnten als Erholungsland muß für das Reich erst noch entdeckt werden. Dabei liegt es ebenso nahe am bayerischen Ausfalltor München, wie etwa Südtirol. Wir setzen uns gemütlich nach dem Frühstück in München in den Zug nach Salz­burg, genießen wenn es nicht gerade regnet das Panorama der bayerischen Alpen, grüßen Un- tersberg, Hohen Göll und die Feste Hohensalzburg, dann wendet sich der Tauernschnellzug scharf nach Süden, und schon vor dem Essen haben wir die Höhe von Gastein erklommen. Hochkönig mit über­gossener Alm sind der letzte Gruß der Nordalpeip zwanzig Minuten Tunnelfahrt und die leuchten­den Gipfel der hohen Tauern, des Ankogel und des Polinik sind dem aufatmenden Reisenden der erste Willkommensgruß Kärntens. Den Kundigen grüßt für einen Augenblick das Alpenhaus Hannover von hoher Warte, dann eilt der Zug durch? Mölltal zur Drau nach Spittal, vorbei an vielen Schnee­häuptern, und schon um vier Uhr, zur selben Zeit wie etwa auch in Bozen sind wir im hellen, be­schaulichen Villach mit feiner wundervollen Drau- brücke und dem Blick auf den hier dreizackigen Mittagskogel.

Von hier ist's dann nur" noch eine Viertelstunde, und wir sind am Ziel einer Fahrt durch alpinen Frühling und Frühsommer, am Wörthersee, dem wärmsten Alpensee. Die meisten von uns kennen ihn, aber eigentlich nur seinen Namen aus den Koschatliedern, in denen der sangesfrohe Kärntner sogar die Schönheiten seiner Heimat feiert. Aber cs lohnt schon, einmal dem Rühmen der Lieder , nachzureisen und ihn sich selber anzusehen. Er liegt ^zwischen mit fröhlich buntem Plänterwald begrün - len Hügeln, jeder Badeort ein kleines Schmuck- ;fäftlein von Landhäusern und Dillen, im Westen und Osten grüßen die Schneegipfel der Karawanken, r Dampfer und Motorboote kreuzen auf dem See, überall am Ufer schmiegen sich weiträumige Bade­anstalten an den Strand, die schon jetzt im Juni bei der immer gleichmäßig warmen Wassertempe­ratur von über 20 Grad Celsius viel benützt werden.

Eine liebliche Landschaft, wird jeder sagen weiter nichts. Das märe ein schwerer Irrtum. Die Fassade des Landes scheint harmlos, niemand möchte bei dem rein deutschen Charakter der Land­schaft an ein national gefährdetes Gebiet denken.

Das neue Luftschiff£.5.127.

Von Dr. Peter Eilers.

Die Zeppelin-Werst in Friedrichs- Hasen ist, nachdem kürzlich die erste Nate der Zeppelin-Eckener-Spende in Höhe von einer hal­ben Million Mark ausbezahlt wurde, und durch die Anterzeichnung des Pariser Luftfahrtabkom­mens die lästigen Fesseln für den deutschen Luft­verkehr gefallen sind, zu neuem Leben erwacht. Rur mit größter Mühe konnte in der Zwischen­zeit die eingearbeitete Belegschaft der Werft durch Anfertigung von Karosserien und Milch­kannen (!) zusammengehalten werden. Nunmehr hat die Werft ein neues Arbeitsziel erhalten: den Bau des LuftkreuzersL. Z. 12 7" Das neue Luftschiff wird einen Rauminhalt von 105 000 Kubikmeter aufweisen (also erheblich größer sein als der an Amerika gelieferte Z. R. 3". der nur 70 000 Kubikmeter faßte). In seiner äußeren Gestalt wirdL. Z. 127" dem Amerika-Zeppelin gleichen, allerdings etwas schlanker gebaut werden und ebenfalls mit fünf Maybach-Motoren von je 420 PS. ausgestattet sein.

Inzwischen sind von der Zeppelin-Werft mehrere neue bedeutungsvolle Patente angemeldet worden, die, wenn sie wirksam werden, für die Rentabilität von größter Bedeutung werden dürften. So ist es dem Chemiker Dr. Lempertz gelungen, ein Gas herzustellen, das als Brenn­stoff mcht nur das feuergefährliche Benzin er­seht, sondern es, ohne jedoch gefährlich zu sein an Brennkraft sogar noch übertrifft, zugleich aber den Vorteil hat, so leicht zu sein wie die Luft so daß in Zukunft nicht mehr, wie beim Benzin­verbrauch Gleichgewichtsveränderungen im Luft­schiff eintreten. Der Vorteil bei Verwendung dieses Gases liegt aber nicht, nur in einer er­höhten Betriebssicherheit und der Erhaltung des Gleichgewichtszustandes, sondern auch in einer etwa 20prozentigen Erhöhung des Aktionsradius des Luftkreuzers. Die Versuche mit diesem neuen Betriebsstoff sind zwar noch nicht abgeschlossen, die bisherigen Erfahrungen haben aber jedenfalls seinen Wert und Vorteil bereits deutlich er» wiesen.

Hub doch" wir mjinben uns in cuit. uuv;1i sprochenen Grenzmark mit allen einer Grenzmarl anhaftenden Gefährdungen. Nicht genug damit, daß der Kamm der Karawanken heute die Staats­grenze gegen Südslawien bildet, und daß National! tätenhaß drüben im ehemaligen Kram jedes Wart deutsch aus der Oesfentlichkeit verbannt hat. Nein, auch diesseits des 2000 Meter hohen Stamms liegen nationale Gefahren genug.

Kaum einer weiß heute in Deutschland noch davon, daß der siegreichen Volksabstiinnumg im Kärntner Land schwere und blutige Kämpfe im ersten Halbjahr 1919 voraufgingen, deren erfolg­reiches Ende erst die Sieger in St. Germain zur Veranstaltung der Abstimmung zwangen. Im De­zember 1918, als Hunger und innerer Zwist das kleine Deutschösterreich ebenso wie sein deutsches Mutterland zerrissen, hielten serbische und slornenische Bravos den Augenblick für gekommen und fielen trotz Waffenstillstand und Demarkationslinie über die Karawankenpässe nach Stärnten ein. Volkswehr und bewaffnete Bürger warfen sie ein Stück zurück, mußten sich aber mit einem auf tägliche (!!!) Kün­digung lautenden Waffenstillstand begnügen, ohne daß die Serben das Land wieder verlassen hätten. Kurz vor Beginn der Pariser Verhandlungen folgte dann ohne die vorgesehene eintägige .Kündigung ein zweiter Sturmangriff, der vielfach bis über die Drau vorgetragen werden konnte, da die Kärntner den Massenangriff nur wenig Mann zum Teil unaus­gebildeter Wachen entgegenstellen konnten. Da kam das große Zähnezusammenbeißen mit Macht über die Menschen, im Lauf kaum eines einzigen Tages ge­lang es, ein mehrere tausend Mann umfassendes Volksheer aufzustellen und vom Fleck weg in den Kampf um die eigene Scholle zu führen. Schon am Abend waren die Serben wieder über die Drau zu­rückgeworfen, vierzehn Tage später war der letzte Versuch abgeschlagen, mit einer Panzerzug durch den 8 Kilometer langen Karawankentunnel nach Rosenbach vorzustoßen. Aber fast zweihundert deutsche Männer, Frauen und Halberwachsene hatten in diesen Abwehrkämpfen ihr deutsches Leben lassen müssen, viele Hunderte waren verwundet worden.

Heute ist der nationale Kampf auf das geistige Gebiet übergegangen. Wie überall an der deutschen Volksgrenze geht der Kampf vor allem um die Schule. Im heutigen Kärnten das fruchtbare und landschaftlich so wunderbare Kanaltal hat Kärnten an Italien verloren wohnen etwa 60 000 Slo­wenen, im wesentlichen kleine Bauern und Dienst­leute außerhalb der größeren Orte und Gemeinden, für derenBefreiung" von Südslawien vor allem aus Laibach und Marburg mit allen Mitteln Propa­ganda gemacht wird. Hetzer werden ins Land ge­schickt, die bewährtesten hat man gleich für Oester­reich optieren lassen, so daß sie schwer entfernt wer­den können. Und es wird so vor der erstaunten Welt behauptet, daß Südkärnten trotz der einwand­freien Volksabstimmung eigentlich zu Slowenien ge­höre, und daß Oesterreich seinen Verpflichtungen nicht nachkomme. Ja, es ist sogar soweit gekommen, daß sich die slowenischen Nationalisten mit ihren Feinden, den Italienern, verbündet und behauptet haben, die Kärntner Landesregierung behandle die Slowenen viel schlechter, als Italien die armen Süd­tiroler!

Nichts von dem ist richtig. Wer hier durch die Lande wandert und auch zu abliegenden Orten kommt, der sieht, daß die Slowenen volle Gleich­berechtigung haben. Fast alle Elementarschulen sind utraquistisch, d. h. in den unteren Jahren zwei­sprachig, alle Inschriften und Bekanntmachungen ebenso. Niemand krümmt einem Slowenen ein Haar. Die meisten Slowenen erklären auch, gute Kärntner zu fein und nicht daran zu denken, etwa Slowenen im südslawischen Staotsverband werden zu wollen.

Aber man sieht hier wie überall Grenzkampf auch heute noch. Und den müssen wir bis ins ein­zelne verstehen lernen, wenn wir vorwärts kommen ivollen. Wie kann es leichter und schöner geschehen, als wenn wir unsere Sommerfahrt zum deutschen Süden diesmal nach Kärnten lenken, dessen Gastlich­keit uns zugleich erfreut und erhebt. Die Landschaft ist im Verhältnis zu den Hochalpen weicher, aber zugleich bietet Sage und Klima säst sichere Gewähr für viel Sonnenschein und wenig Regen, also das richtige Urlaubswetter, das wir nach dem verreg­neten und verhagelten Frühjahr mehr noch als sonst uns ersehnen.

Aus dem -LmLsverkuudiguttgsblatt.

* Das Amtsverkündigungsblatt N r. 5 4 vom 6. Juli enthält: Verordnung über die Regelung der Berufsberatung und Stellenvermitt­lung. Vergnügungssteuer. Gesetzliche Miete.

....u; t- laid 2niuuiu|tULi)v in Reinhard-'Hain, Watzeu- borivSteinbcrg und Geilshausen. Belehrung für Pilzsammler. Feldbereiingungen Wieseck und Steinheim. Dienstnachrichten.

Oberhesien.

Landkreis Gietzen.

------- Watzenborn-Steinberg. 6. 7. Der im Jahre 1867 gegründete Gesangver­einGermani a", der schon seit Jahren unter der Leitung des Dirigenten H a r n i s ch steht, wird die 6 0. Wiederkehr seines Grün­dungstages durch die Abhaltung eines Sänger festes am 19. Iuni 1927 begehen. Mit dieser Veranstaltung soll ein Gesangs- w e 11 st r e i t verbunden werden. Von den Grün­dern des Vereins, der der älteste am Platze ist, leben noch drei, die trotz vorgerückten Alters auch heute noch dem Verein und seinen Bestre­bungen reges Interesse entgegenbringen.

f @ r ü n b e r g , 6. Juli. Der G e m e i n b c r a t beschloß in seiner gestrigen Sitzung, die im Jahre 1926 erbauten ober angefangenen Wohnhaus- bauten auf drei Jahre über die Fertigstellung hin­aus von der Ocbäubeftciicr zu befreien. Die Verlegung der W a s s e r l e i t u n g und der Kanalisation in der Theo-Koch-Straße soll bis zur Gießener Straße sofort durchgeführt werden. Ein Vorschlag des Gießener Ver­te h r s v e r e i n s , die Stadt Grünberg möge sich an einem Führer durch 0 b e r l) c ff c n'betei­ligen, soll in der nächsten Sitzung erledigt werden. Im übrigen beschäftigte man sich mit kleineren An­gelegenheiten. Die Bautätigkeit in unserer Stadt ist in diesem Jahre recht rege; aller Vor­aussicht nach wird sie auch für das nächste Jahr noch gut bleiben. Die bis jetzt neu angelegten Straßen dürften der Nachfrage nach Baugelände nicht ge­nügen können. Soweit die neuen Straßen bebaut sind, bieten sie ein freundliches Bild. Auch im In­nern der Stadt wird an der Wiederherstellung und Verschönerung der Häuser eifrig gearbeitet, und auch hier ist recht Erfreuliches geleistet worden. Unsere Landwirts chaftss ch u l c veranstaltete in die­sen Tagen einen Lehrausflug, der die Schüler unter Führung ihres Lehrers nach Utphe zur Be­sichtigung des dortigen Hofgutes führte. Hochbefrie­digt von dem lehrreichen Besuch kehrten die jungen Leute zurück. Dr. Setzer vom Landwirtschaftsamt unternahm mit den Landwirten von Linden- st r u t h einen Gemarkungsrundgang, der für die Teilnehmer recht aufschlußreich war. Anschließend hielt der Leiter einen belehrenden Vortrag.

ri. N i e d e r b e s s i n g e n, 6. Juli. Im Alter von 77 Jahren ft a r b hier der Landwirt Heinrich Steuernagel, langjähriges Mitglied unseres Kirchenvorstandes, der Vater unseres Bürger­meisters. Unter zahlreicher Beteiligung der Ge­meinde wurde er zu Grabe geleitet. Der Entschlafene hat als Angehöriger des hessischen Dragonerregi- ments, damals Ehevauxlegers genannt, den Krieg 1870/71 mitgemacht. Er hatte in diesem Feldzug ganz besonders eigenartige Erlebnisse. Im Januar 1871 geriet er, mit knapper Not der schon auf ihn gezückten Waffe entgangen, mit vier anderen Kame­raden in die Gewalt französischer Franktireurs. Die Gefangenen wurden in einen südfranzösischen Hafenort verbracht und während der Friedensver­handlungen gegen gefangene Franzosen ausgetauscht.

ri. Sich, 6. Juli, Eine eindrucksreiche Fahrt unternahm am Sonntag der hiesige Posaunen- ch o r. Unter Führung seines Dirigenten Stiftsdechant Lenz begab er sich nach Rockenberg in das Landeszuchthaus Marienschloß. Dort hielt Stiftsdechant Lenz zuerst in der Anstaltskirche und bann in dem Kirchlein der evangelischen Ge­meinde Rockenberg eine Predigt, der Posaunenchor bereicherte die Gottesdienste durch seine Blas­musik. Am Nachmittag spielte der Chor im großen Kuppelbau und in den Jjöfen der Anstalt.

± $) u n g c n, 6. Juli. Zahnarzt Roth von hier hat in der vorigen Woche am hiesigen Bahndamm eine «ch lange aufgeftört und, als sie sich zum Angriff aiifrichtete, mit einem Stockschlag unschäd­lich gemacht. Drei Tage später wurde abermals ein Tier der gleichen Gattung von anderer Seite in der Nähe der Bahn gefangen, das bereits zum Angriff übergegangen war. Beide Tiere sind gleich groß, uon blaugrauer Färbung und tragen vom Kopfe an zunächst zwei gleichmäßig nebeneinander liegende und bann auf dem Rücken übersetzt folgende braune Zeichnungen, so daß es sich nur um die giftige Viper (Vipera aspis) handeln kann. Das Vor- kommen dieser Viper in hiesiger Gegend ist um so merkwürdiger, als sie ihre Heimat in Süddeutsch-

Der neue Luftkreuzer dürfte voraussichtlich bis zum Herbst 1927 fertiggestellt sein und ist ,n erster Linie für Versuchszwecke bestimmt hin­sichtlich der Errichtung transatlantischer Lustschisflinien. Möglicherweise wird es auch dazu dienen, die bereits geplante Rord- p o l f a h r t auszuführen, die der bekannte deutsche Spitzbergenforscher Dr. Adrian Mohr plant, der mit dem norwegischen Fliegermajor Tryggve Gran im Luftschiff nach dem Pol fliegen, dort ein halbes Jahr übertointem und wissenschaft­liche Forschungen treiben will, um dann im Frühjahr 1928 vom Luftkreuzer wieder abgeholt zu werden.

Roch ein anderes bedeutungsvolles Expedi- ttonsprojekt liegt vor: ein Zeppelinflug n « M 2 n n e r - A s i e n im Jahre 1928, dessen wissenschaftliche Leitung in den Händen Sven H e d r n s liegen soll, der bereits in .Unterhand­lungen mit Dr. Eckener, die im Sommer v. I. stattfanden, den Plan in großen Zügen skizzierte. Man hofft, auf diesem Flug nach Hochasien die Erfahrungen des Polarfluges ausnutzen zu kön­nen und hat für diesen Asienflug die Sommer« *«, die allein hierfür in Frage kommen, gewählt. Vorerst ist es allerdings notwendig, das meteorologische Material, das vom Hima- laha und anderen Beobachtungsstationen Inner- astens und Sibiriens erreichbar ist, zu beschaffen, müffen Depots zur Ergänzung der Oel» und Gasvorrate angeschafft werden. Sven Hedin erklärte, daß eine solche Luftfahrt nach Asien unstreitig viel mehr Strapazen und Ge ähren mit sich bringe, als eine Fahrt über dem Polar- gebict, öa die meteorologischen Verhältnisse im Hochgebirge ^nnerasiens unberechenbar seien Sven Hedm ist jedoch der Auffassung, daß Dr.

e n e r, der als der hervorragendste Luft- schifftihrer der Gegenwart gilt, den glücklichen und erfolgreichen Verlauf der Fahrt sicherstelle.

Das letzte Ziel der Zeppelin-Werft ist aller­dings, das Luftschiff für den Ueberseever» !eh* nutzbar zu machen. Einer der Hauptver- kehrswege, der erschlossen werden soll, ist die ^roba-öübamerira, wobei an die Route gedacht ist, die für ein 79%^bct 11? Kilometer Fahrgeschwindigkeit 72 Stunden auf der Hinfahrt und 96 ©traben

auf der Rückfahrt in Anspruch nehmen dürfte. Rach Angaben Dr. Eckeners müßte, falls br^i Luftschiffe auf dieser Strecke in Dienst gestellt Würden, ein Kapital von 43 Millionen Mark aus­gebracht werden. Wenn jeweils 20 Passagiere 8U ie 4000 Mark befördert und jedesmal drei Tonnen Post (bei einem Briefporto von 1 Mark) mitgenommen würden, so ergäbe sich eine Jahres­einnahme von 27 Millionen Mark, während die Ausgaben auf 17 Millionen Mark berechnet worden sind, so daß ein Gewinn von rund 10 Millionen Mark verbliebe.

Dieser Linie Europa-Südamerika würden selbstverständlich in absehbarer Zeit noch andere Weltverkehrslinien folgen und allmählich der Ausbau eines ganzen Luftverkehrs netzes durchgeführt werden. So kühn dies alles vorerst noch klmgen mag, so gewiß ist, daß cs sich hier um Dinge handelt, deren Ausführung lediglich vorerst eine finanzielle Frage ist. Auch diese Frage wird und muß ihre Lösung sinden, da die Entwicklung der Verkehrsbedürfnisse von selbst dazu drangt, alle Möglichkeiten der schnellsten Beförderung nutzbar zu machen. Die Arbeiten der Friedrichshafener Werft gewinnen, so be- trachtet nicht nur für uns. sondern für die ganze Welt eine ganz ungewöhnliche Bedeutung.

©cJtenbrMdjung deutscher Kulturarbeit ist deshalb diese Werft ein Aktivposten von ganz besonderer Art.

Frankfurter Theater.

3m Sommer wird der Kunschungrige auf halbe Ration gesetzt, die Muse schürzt sich, der Temperatur entlprechenb, leichter. Das Schauspiel weicht in diesem Falle bei uns der Welt des Klanges, unb Zwar desheiteren" Klanges, der Operette. Im sJc e u e n Theate r hat in diesem Sinne die Som- merspielzeit am 1. Juli begonnen. Das Berliner Operetten-Ensemble gastiert mit derTugend- prinzess i n" (musikalischer Schwank von Georg Okonkowsk, und Richard Burs, Musik von Kurt Zorlig). Zorlig hat eine recht nette, melodiöse Mu- l'k um diesen Schwank vom ungetreuen Ehemann, dem Mädchen, welches nach dem reinen Jüngling ftrebt unb ber verführerischen Tänzerin geschrieben Den stärksten Erfolg hatte das schöne LiedIch

i-.nd haben sali, wo |,c . noch In Luden, und auch hier vereinzelt, austritt. Die beiden Tiere wurden der Schule übergeben, die sie in Spiritus auf« bewahrt und ihren Lehrmitteln einverleibt hat. Die sonnigen Tage der letzten Woche haben die Heuernte, die hier zufriedenstellenden Ertrag brachte, rasch zu Ende geführt. Insbesondere kam die Trockenheit den vor etwa 14 Tagen begonnenen Kanalisationsarbeiten in der Kaiser­straße sehr zustatten. Die nun in ber Nacht van Sonntag aus Montag niebergegangenen Wasser« massen haben die tiefen Ausschachtungsgräben bis oben hin gefüllt, so daß erst ausgepumpt werden mußte, um weiter arbeiten zu können. Längeres Anhalten des nassen Wetters dürfte die Fertig­stellung der Anlage nicht nur verzögern, sondern auch verteuern. Auch im Interesse des Verkehrs wäre eine schnelle Förderung der Arbeiten zu wünschen, da die Hauptstraße zum großen Teil ge­sperrt ist und der ganze Fuhrwerksverkehr um« geleitet werden muß.

Kreis Friedberg.

WSN. B^l d - N a u h e i m, 6. Juli. Unsere Stadt wurde am Sonntagabend gegen 6 Uhr von einem schweren Gewitter, verbunden mit wolken­bruchartigem Regen, heimgesucht. Bei Beginn des Unwetters wurde ein hiesiger älterer Ein­wohner durch einen grellen BT.i tzstrahl, der im Part einen Baum spalt e teT^md den darauf folgenden schweren Donnerschlag aufs hef­tigste erschreckt. Er erlitt einen Herzschlag. Der herbeigerufene Arzt konnte nur noch den Tob des Unglücklichen feftfteUen.

4 Bad-Rauhenn. 6. Juli. Der Ver­band hessischer Justiz-Dureaubeam- t en und deren Anwärter, der zur Zeit in 52 Ortsgruppen 350 Mitglieder umfaßt, hielt unter dem Vorsitz von S o h - Mainz hier feine Haupt­versammlung ab. In dem Geschäftsbericht des Vorsitzenden kamen alle Fragen, die bie wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse der Kanzleigehilsen und Justizsekretäre berühren, zu gründlicher Behandlung, wie Regelung des Wvh- nungsgeldes, Anrechnung des Dienstalters, Reu-, einteilung der Gehaltsgruppen. In der Aus­sprache zeigten die Mitglieder reges Jnteoesse an ben Arbeiten des Vorstandes. Bedauert wurde allgemein, daß weder ein Regierungsvertretev noch ein Vertreter der politischen Parteien an der Tagung teitgenommen habe.

00 A u s der mittleren Wetterau, 6. Juli. Die Heuernte ist fast vollständig beendet. Nur noch ein dl ne Wiesen stehen auf dem Halm. Der Ertrag ist sehr gut. Da sich auch kleinere Landwirte nicht nur Grasmäher, sondern auch Heu­wender unb -rechen zugelegt haben, konnte die Ernte, unterstützt von schönem Wetter, schnell cinA gebracht werden. Die Hackfrüchte zeigen einest sehr günstigen Stand, nur mußte die Bearbeitung der Aecker bei der Heuernte ausgesetzt werden. Jetzt haben die Kartoffeln, die noch nicht vom Unkrant befreit sind, schon Ranken gezogen, die denn Hacken und Häuseln leicht beschädigt werden könnest. Alle Getreidearten stehen gut. HoffentlÜ) gibt es auch für diese gutes Erntewetter.

00 Nieder-Florstadt, 6. Juli. 2lngeragt durch das Frauenturnen des Süd westdeut­schen Turnoerbandes im Osfenheinrer Wäldchen wurde auch hier in dem diesem Bunde ön- gehörigen Verein eine Turnerinnenaw- t e i lu n g gebildet. Die Beteiligung ist gut.

Kreis Büdingen.

s:s Weninas, 6. Juli. Bei der gestrffßen Heugrasversteigerung (einschürig) fam.«ber Doppelmorgen durchschnitlich auf 50 bis 70 Mftck. So hat die Gemeinde Wenings jedes Jahr zwei volle Tage Grasoersteigerung. Eine glückliche ^Ge­meinde!

s:s Bindsachsen, 6. Juli. Einen recht har­monischen Verlaus nahm der von dem Gesajng- vereinEintracht" veranstaltete ß i e buc r » tag. War doch seit längerer Zeit in unserem, Ort fein Festzug mehr zu sehen. Leider konnte dieser aber wegen des anhaltenden Regens erst gegen 4 Uhr aufgestellt werden. Neun von 14 angemettteten Vereinen hatten sich dennoch eingefunden: darchnter auch der Gesangverein ber Offenbacher Eisenbahner Flügelrab". Nach ber kernigen Ansprache des Diri-- genten des festgebenden Vereins, deren Jnhc-t in der Verherrlichung des Volksliedes gipfelte, be­gannen die Gesangsoorträge. Sie waren im ganzen als gut zu bezeichnen. Anschließend an die VoMräge kam der gemütliche Teil mit Tanz zur Seltuntg.

A Blofeld, 6. Juli. Gestern wurde der Ge­meinde ein seltener Kunstgenuß bereitet. Zum Ziesten des K r i e g e r b e n kmalsfonds veranstalteten

lasse meine Frau zu Haus und geh mit deiner Freundin aus". Im übrigen kam außer dem Titel Tugendprinzessin" nicht mehr viel von Tugmtd in dem Spiel vor, so daß das Publikum durchaus be- friebigt war. Die Darstellung war flott und schmissig, nur weiß man bei Hella Kür thtz nicht recht, wo ihre stärkste Begabung liegt, im Ktzhlkopf oder in der Fußspitze. Man kann getrost behaupten: in beiden, oben und unten. Besondere Freude Machte das Wiedersehen mit Arthur Hell, dessen ltebens- würdige Darstellungskunst die gleiche geblieben ist. Martin Seltner, Edith Karin unb Äarliese Ludwig ergänzten bas lustige Spiel, mimten und tanzten nach dein Motto: Gelenkigkeit keine Hexerei! Und das Publikum klatschte dankbar Bei­fall. Für die musikalische Leitung zeichnete Kapell­meister O. Simroth verantwortlich.

Im Operetten-Theater wurde bte neue Sommeroperette Leo AschersDas Anioret- t e n t) a u s" (Text von Bruno Hart-Waldbvrg unb Max Steiner-Kaiser) aufgeführt. Es handelt ftch hier um eine sehr gefällige, äußerst geschmackvoll! instru­mentierte Operette, bie angenehmerweise bet Revue vollkommen den Rücken kehrt, unb der erfwulicher- weise der sog.mondäne Einschlag" fehlt. Inhalt­lich streift sie bas Genre Alt-Heidelbergs nut glück­lichem Ausgang, denn hier wird aus dem Prinzen Karlheinz ein Gras Hans, und die Käthk ist in diesem Falle eine Grell, die später eine große Sän- gerin wird unb uolens, volens ihren Hans heiratet. Rührung gibt es nur im zweiten Akt ein bfcfferl, im übrigen ist die Sache recht humorvoll. Das Walzer- liebWo hat denn ber Frühling fein Abstchvequar- tier?" wird halb Frankfurt fingen und Ijaf Anrecht auf Popularität. Die Aufführung war ml künstle­rischer Sorgfalt und Siebe inszeniert, wie man das am Operetten-Theater stets gewohnt ißt. Adolf Wiesners Regie sorgte für flotte Erstellung und arbeitete bie einzelnen Szenen wiwungsvoll heraus, dasselbe gilt auch seiner Darftetümg des Grafen-Erziehers (siehe Dr. Jüttner). Lifq Rado, Gustav Rothe, Heyfe, Reul mch Nuschi Wiesner ließen die Operette in hutmorooller Lebendigkeit vor dem äußerst dankbaren Publikum erstehen. Kapellmeister Zernik handhab^ mit dem nötigen temperamentvollen Schwung den Taktstock.

L.W.