Einzelbild herunterladen

»i

Mittwoch, r.Zltti 1926

Nr. 156 Zweites Biart

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheßen-

Jugend und Hochschule

werden als

96*

Versendet: A. Dlnk«'- mann. Worms, Post­scheck-Konto 15 IW Frankfurt lM.

Hier bei: Staat! Lott- Einn. Bochicker ° Flimm; außerdem b. Konrad Emmerich, Hermann Kuhl, Friseur Lott, Frin Ella Reuter Wwe, Wilhelm Semmler. Frau Alma Vogt 540fcs_i

'"»Wtoffen

der Qlntife, ihre heitere, kraftvolle Würde, die sophrosync, starker klarer Gleichmut der grie­chischen Seele, scheinen mir dem Ausdruck dieses Wesens am nächsten zu kommen.

An Geltung und Ansehen mag Cambridge, die Schwester, mit Oxford wettessern; an Schön­heit und Zauber kann es nicht wagen, sich mit der Rivalin zu vergleichen. Starke Geister, Schü­ler von Cambridge, die ihrer Zucht viel verdank­ten, haben sich dennoch dem stolzen Glanz Orfords nicht entziehen können und seinen Adel neidlos gepriesen, so Wordsworth, der es unwillig lat, bewußt, sein geliebtes Cam damit zurückzusehen. Heidelbergs Schönheit überfällt uns ergreift Be­sitz ; Marburgs Romantik schmiegt sich unmerklich, aber fest und treu ans Herz: Oxfords mittelalter­liche Welt empfängt stolz, zurückhaltend und unaufdringlich; aber ihr starkes geheimnisvolles Walten gießt sich sofort ins ^Interbewußtsein und stimmt es konservativ, schafft die Stimmungs­grundlagen für den gerühmtenOxforder Ton".

Ein Kranz von etwa 23 Colleges fügt sich zur Stadt "der Türme, Zinnen. Kapellen. Klöster und Gärten. Darunter verwittern alte Bauten aus dem 13. und 14. Jahrhundert. Der profangotische Stil, ausgeprägt in spätgotischen Formen, herrscht vor; ihn hat man daher in England auch wohl Oxforder Stil genannt. Alte normannische Fron­ten, wuchtig, schlicht und dunkel, reiche Renaissance-Fassaden, üppig und heiter wie Teile des Heidelberger Schlosses, mischen sich in diesen Akkord und wandeln ihn ab. Oft findet man im Hofviereck eines Colleges mehrere dieser Stile angewandt. Riederschlag des wandelbaren Archi­tekturgefühls der Jahrhunderte, die das Inter­nat durchwuchs.

Die meisten Colleges weisen dieselbe Struk­tur auf, die typisch zu sein scheint. Sie bestehen aus den cloisters, d. h. den Internatsräumsn, aus der großen Halle, der Kapelle, dem Turm, der die Erinnerung an den Stifter wachhält, der Bibliothek, den Lefesälen, einem meist sehr schö­nen, charaktervollen Torweg, dem großen recht­eckigen, von Rasen und Bäumen belebten Hof, sowie Parks und Gärten. Sieht man durch die alten schmiedeeisernen Tore in einen solchen Hof, vermeint man in den Garten eines verträumten, vornehmen Schlosses zu schauen.

3n dieser charaktervollen Llmwelt, die Tra­dition, Zeitlosigkeit, Vornehmheit und Luxus aus­strahlt, entwickeln sich britische Studenten, und zwar immer noch vorwiegend die Studenten der führenden Oberschicht, der alten Familien des Adels oder des reichen Bürgertums.

Wenn auch in den letzten Jahrzehnten, der Collegebetrieb demokratisiert worden ist und selbst Oxford seinen früheren feudalen Charakter als Monopoluniversität der vornehmen Gesellschaft eingebüßt hat, so ist es doch nach wie vor Hochburg des Konservativismus und Pflegstätte aristokratisch-akademischen Geistes. Jene Demo­kratisierung, die Hand in Hand ging mit einer Vertiefung des wissenschaftlichen Betriebs, hat nicht in unfruchtbarer Weise den früheren Cha­rakter der alten englischen Llniversitüt zerstört. Wie an so vielen Stellen des britisch öffentlichen Lebens haben sich auch hier in der Hauptsache nur die Formen und Voraussetzungen demokrati­siert, Geist und Richtung sind stark aristokratisch geblieben.' Es ist keine Gleichmacherei erfolgt. Die Ebene des Luxus, der Haltung und des Tones sind nicht gesenkt worden, um sie dem Lebenskreis tüchtiger und aufstrebender, aber ärmerer Studenten aus traditionsloseren Fami­lien anzupassen. Ein großzügiges System von Stipendien sorgt vielmehr dafür, daß der aka­demische Nachwuchs aus breiteren Volksschichten in die studentische Lebensweise der Oberschicht hineingeschoben wird. Da zudem die Ideale und Formen dieser Oberschicht eine starke Kraft der Verführung und Ausgleichung ausüben, kommt

reichen und alten Korporationen denn wissenschaft­lichen Instituten.

Bei der Rückfahrt zieht man Vergleiche und erweckt Erinnerungen. Sicherlich, englische Er­ziehung geziemt England. und deutsche Bildung entspricht uirs; da ist nichts mechanisch zu über­tragen; was drüben wertvoll und gesund ge­wachsen ist. kann hier ätzender, zu Wucherungen reizender Fremdkörper und deutschem Wesen und Wachstum feindlich sein. Aber wie England ehr­lich manches von uns lernte, könnte auch unser Hochschulleben. das nicht so vorbildlich ist, wie wir glauben, einiges vom Ausland, vor allem von Oxfords Grundsätzen, lernen. Als junge Stu­denten beschäftigte uns oft die Struktur unserer Bildung, unb wir haben an deutscher akademi­scher Freiheit, die immer nur wenigen gedeihliche Entwicklungsform bedeutet, sowie an dem über­triebenen. in den letzten Jahrzehnten gar über­heizten Intellektualismus viel Einseitiges und Verarmendes gefunden. Rur an sich schon starke und reiche Raturen wachsen in deutscher akade­mischer Freiheit zu ausgeprägten eigenwilligen Persönlichkeiten. Außerordentlich viele gute Mittelwerte hingegen, die in einem nationalen akademischen Idealtypus aufgefangen und durch ihn zu Unterführern und Hilfsarbeitern gezüchtet werden könnten, werden im Dualismus von aka­demischer Freiheit und Intellettualismus not­wendig verschwendet. Die Mittelschicht braucht gewisse feste Lebensformen, gewisse Zwänge, be­stimmte Kolleltivurteile; die Korporationen, die Ehrenbestimmungen sowie die sammelnde und klä­rende Atmosphäre der kleinen, in eine Landschaft eingebetteten Universitäten ergänzen hier meist unzulänglich die Lücke, die in der Ausbildung zum Vollmenschen, der an Leib und Geist, an Wille, Vernunft und Gemüt, an Inhalt und Form abgerundet ist, klafft. Dem deutschen Studenten, der nicht korporiert ist. fließen die Werte des Cha­rakters, der Form und des Typus aus der ilni- versitätsbildung nicht direkt, sondern durchaus mittelbar zu, gleichsam als Rebenprodukte des wissenschaftlichen Betriebs. So stählt Studium auch den Willen, erzieht (Seminararbeit zum Gemeinschaftsgeist, stimmt Durchdenken von Pro­blemen gerecht und großzügig, usw.; aber das ist gar nicht direkt gewollt. Da das herrschende Bildungsprinzip wissenschaftliche Durchbildung, das angestrebte Ziel der Wissenschaftler ist und doch nur verhältnismäßig wenige Anlage und Steigung zum Wissenschaftler in diesen Prozeß einbrmgen. liegt für die meisten das Dildungs- ziel zu hoch oder in seiner Einseitigkeit zu abseits vom vollen Leben. Zwischenebenen sind aber nicht eingeschoben, auf denen der Student im Rahmen seiner Anlagen und Grenzen zu einem Doll- menschen mit einem festen lebendigen Zusammen­hang von Idealen, Wissen, Willen und Haltung geformt würde. Ein Gang nach Oxford, ver­bunden mit einem Erlebnis englischer Erziehung, ist geeignet, diese und andere Einseitigkeiten und Schwächen deutschen Bildungsganges auf dem Hintergründe eines Vergleichs klarer hervor­treten zu lassen.

nd OslCCk*

49 *

es, daß die Eindringlinge durchweg die innere Verfassung und äußere Haltung der aristokra­tischen Kreise annehmen, die früher alleinige Nutznießer der alten Llniversitäten waren. Sie Gentlemen ins Leben entlassen. Die-

Schlacken fand liefert prompt ü billigen Prellen

F. W.

ISS

Tüchtig«

Techniker oder

Cann U

MO

Heute

81,tI««

ser Prozeß wird gefördert durch die stark sug­gestive und erzieherische Rolle, die das nationale Ideal des Gentleman in der ganzen britischen Welt spielt.

Die Collegestadt mit ihren grünen Sport­plätzen ist der Rahmen für die Bemühungen der alten englischen Hniberfität, aus dem aka­demischen Bürger in erster Linie nicht den Wissen­schaftler, sondern den Gentleman zu züchten. 2m Gegensatz zum deutschen Hochschulbetrieb wird der Wissenschaftler nur als Spitzenleistung und Rebenergebnis geliefert. Rormalerweise. als Durchschnitt der Llniversitölsbildung, wird noch immer der Gentleman gebildet als der Führer- typus. den die Station braucht und entgegen allen Einflüssen, die englisches Hochschulwesen nach deutschen Mustern stark verwissenschaftlichen möch­ten, mit sicherm Instinkt weiterbegehrt. Die wissen­schaftliche Eignung des so erzielten Akademikers ist zieinlich gering. Dafür entsteht aber ein kräf­tiger, abgerundeter, selbstsicherer Menschenthp von innerer Haltung und äußerer Prägung, der auch einen erzogenen Körper hat, dessen Wille im Vergleich zum Verstand harmonisch ausgebildet ist, der zu führen oder sich einzuordnen weiß, der durch und durch stolzer, politisch interessierter Brite ist. der an Tradition einen Halt hat und die gesellschaftlichen Formen unb ritterlichen Ideale des alten Wels als Lebenswerte schätzt und anwendet. Das ist nichts Hochfliegendes, ist kein kultureller Sauerteig, aber, abgesehen von den Einseitigkeiten, die jeder ausgeprägte Typ aufweist, gesundes, haltendes und fortführendes Mittelgut, frei von wissenschaftlichem Dilettan­tismus.

Die Mittel und Formen, die jenen Typus er­zielen helfen und die sich in Oxfords Anlage aus­drücken, sind hauptsächlich: Internatsleben mit bestimmter streng eingefallener Lebensführung bei gleichzeitiger selbstverständlicher Gute der Lebenshaltung; Sport, unb zwar Mannschafts­sport, der Geineiisschaftsgeist, Disziplin, SZerant- toortung und natürliche Führerschaft erzieht; Die Tradition des College, aus dem oft hervorragende SKäimer hervorgegangen sind; der Einfluß der Lehrer, die mehr alten Herren, Lebenslehrern beim wissenschaftlichen Arbeitern gleichen; bann die Leitung des Direktors, des College-Diktators, der den Geist des Internats schafft oder hoch­hält. So gleichen die Colleges mehr starken,

das Mrertum der Denkenden.

Don Thomas Kamp Pen, Hamburg.

Die Menschheit braucht Führer, Männer, deren geistige Fähigkeiten sie in den Stand sehen, sich über sich selbst hinouszuheben.

Niemand wird diesen Sah bezweifeln wol­len. Alle Zeiten, die Geschichten aller Kultur­völker beweisen ihn. Der dumpf drängenden Menge allein ist es unmöglich, auch nur einen Schritt hinter den drohend - verheißungsvoll wallenden Vorhang der Zukunft zu tun. Ihr fehlt stets das Vermögen, groß und weit zu denken und der Mut, etwas zu wagen.

Jedes Volk will Kulturgüter erwerben, will die Anerkennung seiner Eigenart. Doch in seiner Ge­samtheit, als Masse, kann es nichts vollenden. Hin­dernd steht ihm immer seine eigene schwere Kom­paktheit im Wege. Wohl ist jedes Volk ein Ganzes, gleich einem Llhrwerk, doch die einzelnen Teile, die Räder und Schrauben, sperren sich, dem Gang der treibenden Kraft, der Feder zu folgen. Dauernd kracht und rasselt es im Innern, und Krast und Zeit werden nutzlos vergeudet mit dem Bestreben, das Werk zu einem festen Ge­füge zu machen. Dann ertönt in den Landen der Schrei nach dem starken Mann, der die Geschicke des Staates mit starker Hand lenke. Dann er­wartet jeder, es mühte einer kommen, groß und gewaltig, ein Gott, ein Kaiser ober auch nur ein Volkstribun

Unb wenn einer aufsteht voller Liebe zu seinem Volk, mit bem ehrlichen Willen, ihm zu helfen, und ihm mißglückt ein Schlag auf den ersten Anhieb, so hallen die SBänbc wider von dem schauerlichenKruzifige!" der zügellosen Massen, die nur ein Gelingen, niemals einen Mißgriff erwarten.

Der schaffenbe, benlenbe Mensch ist dazu berufen, bas Deutsche Reich zu retten und zum Ausstieg zu bringen. Nur wenigen jft ein klarer Kops unb ein weiter Blick unb bic Üjebc zu Volk und Vaterland gegeben, nur wenige sind Führer. Unb diese wenigen wer­ben verkannt unb verlacht, ja unsere Zeit läßt sic verhungern! Die geistige Schicht hat das Spönnen und das Wissen und fühlt die Pflicht, Fehler zu erkennen und abzustellen. Doch ihr feMt die Macht und der Einfluß. Das öffent­liche Leben wird allein bestimmt durch die In­teressen der Wirtschaft, des Geldes! Das Wesen bett ins Groteske gesteigerten Selbsterhaltungs­triebes, bes tierischsten, allein scheint bas Wesen und Wirken unseres Staates zu sein. Ob hier eine Aenderung mitten im ütrom bes Geschehens möglich ist, weiß niemand. Doch wer sie für not­wendig hält, versucht, sie vorzubereiten. Das ist der Weg, der einmal zu Frieden und ge­deihlicher Arbeit führen mag!

AleberatI in Deutschland verstreut leben Wäoner, deren rastloses Schaffen, deren tief* stes Sehnen und deren großes Lieben dem Volke in .seiner Gesamtheit gehört. Sie haben ihre Verantwortung unb ihre Pflicht, zu wirken, er- fanmt, sie sind Erzieher der Menschen geworden. Aus der garenden Masse kristallisieren sie ben klaren Urstoff alles Seins. Daraus wirb ein neuer Stand aufblühen, der gesunde, in edlem Feuer geläuterte Geist wirb das kommende Reich schaffen und regieren! Wir Menschen von heute können nur vorbereiten, können nur bic Sprossen an der Leiter sein und müssen uns notfaÄs dem Aufstieg opfern. Menn bann der große Mann, der neue Bismarck, kommt, muß jeber einzelne seinen Platz auszufüllen wissen. Führer ober Volk sein.

2lus dem Dunkel ber Zukunft leuchtet hell und strahlend als Künder einer neuen Epoche die rtitne Flamme des Geistes!

Melanchthons humanistisches Ideal

Von Karl D e m m c l.

Es ist bekannt, daß die Wittenberger Universität zur Zeit eines Luther und Melanchthon auf der einen Seite einen klangvollen, auf der anderen aber einen Namen des Grauens hatte. War Luthers Temperament mehr ungestüm und derber, so war Melanchthon, der aus Bretten stammte, das damals noch pfälzisch war, dennoch ruhiger und durchgeistig­ter. Sein Prinzip war, allen Dingen auf den Grund ihres selbsteigenen Wesens nachzugehen. So war er ja auch wegen seiner ausgezeichneten Klugheit nach Wittenberg als Professor berufen worden. Luther war der Tatmensch, Melanchthon mehr der Theo­retiker.

Bekannt sind auch Melanchthons Verdienste um die Reform der deutschen Universitäten und des Schulwesens. Man kann beinahe zu der Annahme neigen, daß in gewisser Beziehung sein Ruf als Pädagoge wohl den als Theologen noch übertrifft. Denn Melanchthon verlangte, um zur Wissenschaft zu gelangen, sehr viel geeignete Vorbildung, lieber die Arten war er sich nach langem, reiflichem lieber» legen klar geworden und hatte auch jeweils entspre­chende Veröffentlichungen und Vorträge folgen lafsen.

Melanchthon soll in noch jüngeren Jahren als Philosoph Anhänger des Nominalistischen Systems gewesen sein, d. h. Anhänger derjenigen Richtung, der mittelalterlichen Scholastik, die die allgemeinen Begriffe als bloße Namen, denen in der Wirklichkeit nichts entspricht, auffaßt.

Melanchthon hatte sich dem schon seit dem Alter­tum gepflegtenDrei-Quellen-Gedanken" sehr zu eigen gemacht. Um Erkanntes auch als richtig prüfen zu können. Es waren dies dieallgemeine Erfah­rung", dieangeborene Idee" und danndas Schlußverfahren". Eine Gedankenfvlge, die auch wieder durchaus logisch ist. Rach ihm bedeutet die theoretische Idee erst die Wissenschaft, und um sein Bildungsideal zu verwirklichen, hatte er verschiedene Wissenschaften ausgewählt, die ihm geeignet schienen, seinen Prinzipien nutzbar zu sein.

Zunächst die Physik. In der Physik sah Melanch­thon die Lehre vom Weltganzen und den Bau des menschlichen Körpers. Auch die mathematischen Wissenschaften rechnete er dazu. Und vor allen Dingen ist es hier bemerkenswert, daß er in dieser Art Naturphilosophie stets von dem göttlichen Ge­danken aus seine Schlüsse zieht. Nawr ist ihm der Mittelpunkt des menschlichen Denkens. Er jagt da:Wenn es sich verlohnt, die Natur irgendeines Edelsteines zu erkennen, warum soll es nicht viel mehr der Mühe wert sein, die höchsten und besten Anlagen in der Menschennatur zu betrachten, näm­lich, wie die Natur selbst uns zur Tugend hinleitet, wie die ersten Ursachen aller Tugenden unseren Seelen eingeprägt find. Sicherlich gibt es in der Natur nichts Herrlicheres als diese Gaben. Denn dieses Wissen ist die Spur und das Abbild der Göttlichkeit im Menschen, wenn es auch durch die Sünde und durch die Schwächung der Natur etwas verdunkelt worden ist."

Melanchthon trug auch feine Ideen zur Reform der Bildung öffentlich vor, doch war ihm in der ersten Zeit noch nicht der Weg zur Anerkennung seiner Pläne geebnet.

Der Physik zunächst war es dann die Dialektik, die Gesprächskunst, die er mit zu seinen reform­pädagogischen Ideen rechnete. Melanchthon sagt dar­über:Und niemand soll meinen, die Dialektik sei etwas anderes als gleichsam eine bestimmte Form der menschlichen Vernunft, einen Erkenntnisgegen­stand nach seinem Begriff und dessen Teilen in einer gewissen Ordnung zu erkennen, und was an einer Sache wahr und falsch sei, zu untersuchen. Deshalb dürfte es feine Mühe machen, zur Dialektik zu ge­langen, wenn man sie auf das natürliche Urteil zu­rückführt; denn die Form des wissenschaftlichen Er- kennens, die die Natur uns einpflanzt, stellt sie dar."

Als Drittes, sich eng der Dialektik anschließend, die Rhetorik. Sind auch diese beiden Begriffe fast dasselbe, so findet Melanchthon doch einen Unter­scheidungsgrund darin. Nämlich: die Dialektik will Tatsachen einfach und klar hinstellen. Die Rhetorik dagegen hat er sich zur Umkleidung des dialektischen Stoffes gedacht. Dialektik die Aufklärende und Rhe- thorik die Erschütternde, d. h. diejenige Wissenschaft, die das Gemüt ergreifen soll.

Und in der Rhetorik will Melanchthon die Regeln für schriftstellerische Darlegungen festgelegt wissen. Auch das Verständnis der im Unterricht gelesenen Schriftsteller sieht er hierdurch gefördert. Jeder Gegenstand will, wie er vollberechtigt annimmt, seine eigene Darstellungsart. Es bedeutet dies dieall­gemeine Klugheit" mit einem Mantel zu umkleiden, der die Wissenschaft nicht nur als solche Grau in Grau erscheinen läßt.

Aber auch der Seelenlehre hat sich seine wissen- jchaftliche Erkenntnis zugowandt. Er ist nicht ganz falsch in seiner Annahme, daß seelische Vorgänge nur durch Betrachtung der Körperteile und deren Tätigkeit zu erkennen sind. Im Abschnitt über das Gewissen kommt er zu dem Schluß, daß die gött­liche, dem Menscheneingepflanzte Erkenntnis" und das Herz nach seiner Ansicht mit dem Gewissen zu­sammenwirken.

Dlod) mit zu feinen Forderungen gehören u. a. Ethik, Geschichte, Geographie und Grammattk. Me­lanchthon wollte, wie sein geistreicher Biograph Glänger schreibt, kein neues Ziel des Unterrichts, sondern er übernahm es, wie schon im Prinzip von den italienischen Humanisten aufgestellt war, und welches Agricola und Erasmus nach Deutschland" verpflanzt hatten. Der Zweck aller Unterweisung sollte vor allen Dingen der sein, die Darstellungs­sachlichkeit zu entwickeln.

Melanchthon geht nun prorammatisch bis ins Kleinste und schreibt auch dabei die Schriftsteller vor, die gelesen werden sollten. Dieses waren die Grundsätze, die er für die Lateinschule alsUnter­bau der Wissenschaften" verlangte. So sollte ihm, ganz besonders der Theologe seiner Zett vorgebildet kommen, um das Wefen der Religion erfassen unb verkünden zu lernen.

Schulen sind Melanchthon das Wichtigste auf der Erde, und daß er auf dem richtigen Wege war und daß sein Bildungsideal erkannt wurde, beweist, daß viele Städte den Wittenberger Religionsmann um Rat und Tat angingen. Das praktische Beispiel wurde selbst die Lehrreform der Alma mater zu Wittenberg.

Aufgaben der Stubcnteitfports.

Den deutschen Hochschulen fältt heute nicht nur die Shifgäbe zu, die jungen Aka­demiker g eifrig zu schulen und so auf ihren zukünfttgen Berus vorzubereiten, sondern auch die Pflicht, dafür zu sorgen, daß der Körper bei den Studierenden in gleicher Weise gesund erhalten und gekräftigt wird wie der Geist. Diese Aufgabe können die deusschen Hochschulen nur dann lösen, wenn die Studierenden selbst erkannt haben, daß es heiligste Pflicht jedes einzelnen ist, den Geist und den Körper in gleicher Weise zu schulen und vorzubereiten auf den Dienst für das deutsche Vaterland und die Be­freiung des deusschen Volles.

Stieve.

1. Vorsitzender des Hochschulamts f. L.

Der junge Student unserer Tage unter­scheidet sich wesentlich von dem Studenten der Vorkriegszeit, insbesondere mutz er in viel höhe­rem Matze als früher darauf bedacht fein, in der vorgeschriebenen Zeit mit seinem Studium fertig zu werden. Eine gute Waffe, dieses Ziel zu erreichen, ist ihm dcyu der Sport. Abgesehen davon, datz er die biologischen Voraussetzungen seines Wohlbefindens auf das vorteilhafteste be­einflußt, ist er auch für die geistige Wetter­entwicklung des jungen Studenten von hoher Bedeutung; arbeitet doch ein von Sauerstoff durchflutetes Blut ganz anders in der Gehirn- masse. als wenn es von Ablagerungssalzen durch­setzt ist. 2m Sport ist das Ausgleichsmittel ge­geben gegen die vorwiegend sitzende Lebensweise des modernen Studenten.

Um zu einer harmonischen Körperausbildung zu gelangen, genügt es natürlich nicht, hie und da eine Wanderung zu machen, sich an einem Spiel zu beteiligen, einmal mitzuturnen, sondern eine systemattsche Beschäftigung mit Leibesübun­gen ist erforderlich. Andererseits soll ein Aus­gleich erstrebt werden zwischen Leistungswertung und Allgemeinausbildung. Nicht die Leistungs­grenze einigerZuchttiere" gilt es zu ermitteln, sondern die große Masse derer zu erfassen, die körperlich nicht von vornherein zu Höchst lerfrun- gen veranlagt sind. Aus diesen sollen körperlich­seelisch harmonssche Menschen gemacht werden.

Die Bedeutung der Beschäftigung mit Leibesübungen liegt aber auch auf dem Gebiet der Rassenbiologie, und jeder einzelne muß sich dessen bewußt sein, datz er nicht nur Föä>erer des eigenen Ichs sst, sondern Mitverderber oder Miterhalter seines Stammes unb seines Volkes. Unö wenn man weiter der Anschauung folgt, datz in erster Linie unsere studierende Jugend berufen ist, Führer des Volles zu werden, so hat bic systemattsche Beschäftigung mit Leibes­übungen auch eine hohe sozialpolitische Ausgabe, denn wo kann ein Student sich besser Führer­eigenschaften erwerben, als auf dem Sportplatz, wo man nicht nach Herkunft der Eltern, nach arm oder reich fragt. Hier ist die beste Gelegen- hett geboten,Ausgleichsarbeit" im besten Sinne des Abortes zu leisten. Der Student braucht also den Sport um seiner selbst, um seines Volles willen. H F-

Wanderung durch Oxford

Von Dr. 2osef Win schuh.

Oxfords Schönheit ist zunächst dem Auge des Besuchers verhüllt. Bahnhof unb Weg zur Stadt find häßlich, ohne Ehrfurcht vor der grünen Stille,des Tales und dem alten Antlitz der Stadt, jämmerliche Eindringlinge zweckmäßiger bar­barischer Zivilisation. Auch wenn man bic Straße hinansteigt ins 2nnere der Stadt, melbet sich zunächst keine Eigenart, beglückt fein Reiz. Doch links, am einem Arm der Themse entlang, biegt sich ein alter schöner Flußkai hinein in die Tal­wiesen und verliert sich unter Bäumen, beschau­licher Pfad für Philosophen und Liebespaare. Das Innere der Stadt läßt kalt: Geschäftigkeit, Schaufenster. Backsteinhäuser und emfiger Ver­kehr einer dicht lebenden englischen Kleinstadt. Daun aber pilgert man ins College-Viertel unb empfindet plötzlich: Rur dies ist Oxford. Alles andre ist leidiges materiell bedingtes Anhängsel, zettliche Rotdurst, Gesindehaus und Kantine. Man lebt in einer andern Welt, steht inmitten einer selbständigen Stadt, vielmehr in einer Ge- meinschaft von Städten, ben Colleges, die, nach außen abgeschlossen, starkes Eigenleben ausstrah­len unb doch zu einem stillen großen Akkord voll Harmonie zusammenwirken. Selten empfand ich so, datz Gebäude, Hofe unb Gassen Charakter . haben formen wie starfe unb wertvolle Menschen, daß sie Persönlichfetten sind, baß Häuser Schick­sale haben, Geschichte machen und Leben bestim­men, datz sie jeder Phantasie, die in ihren Dann gerät, die sich ihrem Deizfreis öffnet, ihr Gesetz auferlegen. Die Luft, die hier weht, die Stille, die hier wirft, die Tradition, die aus jedem Turm, jckdem Fenster, jedem Hof spricht, die hei­lere, feste Zeitlosigfeit, erhaben über Fortschritts- wahn uni) Tagesförderung, die sich in dem ehr- wurdiMm verwitterten Antlitz der Fassaden, dem fteineren Choral alter geadelter Stile unb For­men offenbart, die ganze Atmosphäre dieses Ox- ford formt und wandelt, prägt und züchtet. Diese College-Siedlung ist steingewordener Geist unb Wille, durch die Jahrhunderte beständige Lebens- unb Erziehungsform, Ausdruck eines Prinzips ober Lebensgefühls, etwa wie Potsbam, Rothen­burg und Teile von Weimar oder Alt-Marburg, nur noch verdichteter, eindringlicher und zwin­gender. Diese Well erzeugt ein heiter-gelassenes, selbstsicheres Temperament,unverwüstet", tote Matthew Arnold so schön sagt, von ber anmaßen- ben intelteftuellen Hast unsrer Zeit. Ich suche nach einem Begriff, einem Sinnwort, das Wesen ^efer Atmosphäre einzufangen. Die serenitas

^66-

Oitz iw Ws Achtung!- Wltota

Äs'

>00 Kuh von 7 w toÄSln0(U1fl&

Erste Ziehung un-- widerruflich em nd 19. hu ' [ Deutsche MjtzWU

Durch Vir. Wertung der den Lo­sen angehefteten KamptspUl . Wert- marken bis 31. Oe- aember 1326 Ist un- gängig von den Gewinnen minde­stens der Ersatz des Lospreliesgarantlsrt 43 680 Gewinne und 2 Prämien im Werte von Mark

500000 Hdcislnewlnnaufein Doppelloii.W.v.M

200000 Höchstgewinn auf ek Einzellos I W.v.M.

100000

2 Hauptgewinne i.W V 60 000 2 Prämien /m Werte Mnf 40 000 usw. usw.

Elniellos M. 1 - Ooppellos M. 2 - Ohne Nachzahluaj gültig für balde Zie­hungen

Porto und Listen für bade Ziehungen

40 PI extra.

äiStfl (5 Doppellos.) ein- sohl Porto u.|n|| List. l.2Zieh.lulL

ML