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Rr. 106 Drittes Blatt

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Zrettag. Z. Mai 1926

Turnen, Sport und Spiel

Die Sprache des Körpers.

Wir (eben in einer Zeit der Umwälzung und Entwicklung. Was wunder, wenn auch Formen und Ziele der Körperbildung sich acänöert haben, wenn reue Anschauungen sich durchsetzen und, da sie sich als wertvoll, und inhaltreich erwiesen, schneller den Sieg über die alte Körperschule daoontrugen, als man es nach deren jahrzehntelangen unumschränkten Herrschaft hätte annehmen sollen. Dem starren Systme der Haltungsübungen, der dauernden An- * fpnnnung der Muskeln, dem Geräteturnen in ge­zwungener Haltung,ebenso der einseitig auf Spezia­listentum eingestellten Körperausbildung des Sports hat die gleichzeitig von den verschiedensten Seiten in Deutschland eingedrungene Gymnastik, wenn wir die moderne Grundform der Leibesübungen einmal jo nennen wollen, ein Ende bereitet. Harmonische Durchbildung des ganzen Körpers, seiner edlen Or­gane ebenso wie aller Muskeln und Gliedmaßen, ist ihr körperliches Ziel. Wertvoller noch als dieses ist die Erfüllung des Menschen mit innerlichen Wer- ten durch eine systemoolle Kultur des Körpers. Wir sollen wieder Freude an ihm gewinnen, sollen ler­nen, ihn^wirklich zu einem Ebenbild Gottes zu for­men, wir sollen ihm eine Sprache geben, die den Ausdruck und die Gedanken der ihm innewohnenden Seele wiederspiegelt. Die moderne Gymnastik gibt unserem Körper den schon verlorengegangenen Rhythmus wieder. Gestaltungskraft und Ausdrucks­bewegung äußern sich naturgemäß verschieden. Der männliche Rhythmus drängt nach Angriff, nach Kraftentfalturg, der weibliche nach Anmut, nach Tanz. Grundübungen bauen diese Körperbildung, die zur Verinnerlichung und zur Gestaltung des Aus­drucks führen, langsam und harmonisch auf. Span­nung und Entspannung, Lockerung und Dehnung, Schwung und Sprung und Stoß erarbeiten zu­nächst die allgemeine Kräftigung. Dann trennen sich, von dieser gemeinsamen Grundlage ausgehend, die Wege, und jeder geht dorthin, wohin ihn die innere Sprache feines Körpers führt. Dach das Ziel bleibt das gleiche: Freude am Natürlichen, an Licht und Luft, Streben nach innerer, harmonischer Kultur des ganzen Menschen, nicht nur des geistigen. So ent­wickelt sich eine Sprache des Körpers, die reich ist wie die der Musik, viel reicher als die des Wortes.

Der Statt zur Deutschen Huhballineisterschast.

Nachdem mit dem letzten Spieltag in allen sieben Landesverbänden des Deutschen Fußballbund s d-e zur Teilnahme berechtigten Vereine ermittel*, sind, wird am 16. Mai die Deutsche Fußball- meister schabt mit der Vorrunde eröffnet. Im Gegensatz zu früheren Jahren, in denen nur die Der- banostneister und der Titelverteidiger teilnahinebe- rechnet waren, sind bei den diesjährigen Kämpfen um die höchste deutsche Fuhballwürde, wie im Vor­jahre auch, 16 Mannschaften zum Start zugclasscn. In den nach Pokalart ausgetragenen Kämpfen schei­det immer der jeweils unterliegende Verein aus. Ge- mäßig ihrer ziffernmäßigen Stärke stellen Süd- und Westdeutschland je drei, die anderen Verbände also Mittel-, Nord-, Nordost-, 6üoftbeutfd)lanb und Ber- lin je zwei Bewerber.

In den im September des Vorjahres gestarte­ten Verbandskämpfen haben folgende Vereine die Teilnahmeberechtigung erkämpft: Süddeutsch- land: F. C. Bayern - München, Sp.-D. Fürth, Frankfurter F. D. (ber mit hoher Wahrscheinlichkeit den ihm noch fehlenden Punkt im letzten Spiel her­ausholen wird); Westdeutschland: D. f. R. Köln, B. D. Altenessen, Duisburger Spielverein; Mitteldeutschland: Dresdener Sport-Club, Fortuna-Leipzig; Norddeutschland.- Holstein- Kiel, Hamburg. Sp.-D.; Berlin: HerthaBSC., NordenNordwest; Nordostdeutschland: V. f. B. Königsberg, Stettiner Sport-Club; Süost- d e u t s ch l a n d : Victoria-Forst, Breslau 08. Die zuerst genannten Vereine sind Meister ihrer Ver­bände bis auf Hertha-BSC. und Victoria-Forst, die am kommenden Sonntag noch je ein Spiel aus­zutragen haben, besten Gewinn aber sicher ist.

Don^ieser ausgewählten Schar finden wir man­chen erstmals im Kampfe um den höchsten Titel, andere wiederum knüpfen schöne Erinnerungen an die Endkämpfe früherer Jahre. Erstmals finden mir eben füb- und westdeutschen Meister, Bayern-Mün­chen und D. f. R. Köln, weiter Fortuna-Leipzig und B. D. Altenessen. Dagegen sind Fürth und Hol­stein schon in früheren Jahren Deutsche Meister ge­

wesen; Lpieloereiniguna Fürth 1914 und Holstein- Kiel 1912. Im Jahre 1910 standen die Kieler ur. Schlußspiel, unterlagen aber gegen Karlsruhe 0:1. Aehnlich erging es dem Berliner Meister Henha, der 1906 in der Vorschlußrunde gegen den Meister D. f. B. Leipzig unterlag, und dem mitteldeutschen Meister, Dresdener Sportclub, der 1905 in der gleichen Runde gegen den späteren Deutschmeister Union-Berlin den kürzeren zog. Hervorragend mit der Geschichte der deutschen Fußballmeisterjchaft verknüpft sind die Namen des 1. F. C. Nürnberg, der viermal Meister wurde, des D. f. B. Leipzig, ber dreimal Sieger blieb und von Victoria-Berlin, die den Enderfolg zweimal davontrug. Je einmal Deutscher Meister wurden weiter Union-Berlin, Freiburger F. C., Phönix-Karlsruhe, Karlsruher Fußballoerein, Holstein-Kiel, Spieloereinigung Fürth und der Hamburger Sportverein.

Die am 16. Mai stattfindende Vorrunde hat durch das Los folgende Zusammenstellung gefunden:

In Köln: D. f. R. gegen Norden-Nordwest- Berlin, Schiedsrichter Tölke - Hannover.

In Breslau: Breslau 08 gegen Dresdener Sport-Club, Schiedsrichter Zander- Berlin.

In Kiel: Holstein-Kiel gegen Stettiner Sport- Club, Schiedsrichter Di a i f ch - Berlin.

In F ü r t h : Spielvereinigung Fürth gegen Vic­toria-Forst, Schiedsrichter Zimmermann- Leipzig.

In Berlin: Hertha-BSC. gegen D. f. B. Kö­nigsberg, Schiedsrichter Kroll- Breslau.

In Leipzig: Fortuna-Leipzig gegen Bayern- München, Schiedsrichter Bartels- Köln.

In Frankfurt a. M.: Frankfurter Fußball- Verein gegen B. D. Altenessen, Schiedsrichter Hille- Leipzig.

In Duisburg: Duisburger Spieloerein gegen Hamburger Sportverein, Schiedsrichter Müller- Beiertheim.

Als Favoriten für die Deutsche Meister­schaft starten Bayern-München, Sp.-D. Fürth. Dres­dener Sport-Club, Holstein-Kiel und Hertha-Berlin, deren Mannschaften in ihren Verbänden über­ragende Leistungen gezeigt haben.

Die Sieger der Vorrunde treten, durch Aus­losung aufs neue gepaart, am 30. Mai zur zweiten Vorrunde an. Die Zwischenrunde steigt am 6. Juni, ber Entscheidungskampf geht am 13. Juni vor sich.

Giehener Turner als Bewerber für Köln.

ch Die Gießener Turne rschait versucht, ihre Desten zu den Deutschen Xampfipielen zu schicken; doch der Wille ist in diesem Falle nicht allein entscheidend. Die für die Kämpfe in Köln in Betracht kommenden Turner oder Turnerinnen müssen zuerst eine Vorprüfung bestehen. Für die Mittelrheiner findet dieses Ausschei - dungSturnen am kommenden Sonntag in Mainz statt. Don der Gießener Turnerschaft treten zu diesem Prvbeturnen an: Karl Reuter vom Turnverein 1846, Elfriede Münich vom Turnverein 1846, Paula Hofmann vom Männer-Turnverein. Die Aussichten, in Mainz erfolgreich bestehen zu können, sind für den einzelnen bei der zu erwartenden großen De- teiligung nicht gerade gut zu nennen. Turner Venter wird sich wohl ohne große Mühe die Berechtigung zur Teilnahme erkämpfen, doch den beiden Turnerinnen steht ein harter Kampf be­vor. da von dem großen Mittelrheinkreis nur 13 Turnerinnen in Köln zum Kampfe antreten dürfen. Unsere Gießener gehen zwar gut ge­wappnet zum Ausscheidungsturnen, doch, wie jedem Einsichtigen bekannt, spielt das Wörtchen @Iücf eine nicht unbedeutende Rolle. Hoffent­lich gehören unsere Bewerber mit zu denen, die sich am Sonntag auf Grund ihrer Leistungen das Recht erwirken, bei den 2. Deutschen Kampf­spielen in Köln mitkämpfen zu dürfen.

Gau Hessen <D. T.) 4. Bezirk.

Rächsten Somrtag, 9. Mai, vormittags, findet in der TurnhaUe in Schlitz eine Vorturnev- ftunöe des IV. Bezirks statt. Rach dem Turnen erfolgt die Wahl eines Bezirksspiel- und Sport- Wartes. Mit der Veranstaltung ist eine Be­lehrung für Kampfrichter vorgesehen.

Fuhball-Hochschulmeisterschast.

Am Mittwoch standen sich auf dem Preußen- Sportplatz in Neu-Tempelhof die Fußballmannschaf­ten der Universität und der Technischen Hochschule in Berlin im Entscheidungsspiel um die Berliner Hochschulmeisterschaft im Fußball Gegenüber. Die Technische Hochschule, die dis zur Pause noch mit 2:0 in Front lag, mußte nach Wie­derbeginn die Ueberlegenheit der Universitätsmann- schaft anerkennen, die mit 4:2 aus dem Spiele sieg­reich heroorging. Die Universität Berlin wird nun­mehr in den kommenden Kämpfen um die Deutsche Hochschulmeisterschaft Berlin im Fußball vertreten.

Schwimmen.

Erfolge des deutschen Hochschulmeisters. do. Der deutsche Hochschulmeifter Kurt Mies­bach des Poseidon V. f. B. Leipzig konnte anläß­lich eines Wettschwimmens des Schwimmvereins Libe- lulle-Paris die deutschen Farben zum Siege führen. Es gelang ihm, in einem 100-Meter bei. Schwimmen in 1:06,6 den Sieg davonzutragen. Sein Statt er­folgte als Mitglied der französischen Universitäts- Mannschaft, der er zur Zeit angehört. In Paris ist man ob dieser Leistung des in Deutschland nur zur guten Mittelklasse gehörenden Miesbach sehr er­staunt und gespannt auf das Zusammentreffen mit dem französischen Meister P a d o u anläßlich der Pariser Meisterschaften. Der französische Schwimm­rekord wird von Padou mit 1:04,6 gehalten.

Rekord-Anerkennung.

oo. Der am Montag dieser Woche aufgestellte Rekord von Frl. Reni Erkens vom Amateur-SD.- Oderhausen anläßlich eines Uebungsabenbs in Duis­burg hat schon vom Verbandsschwimmwart Din­ner des DSD. seine Anerkennung gefunden. Reni Erkens hat sich mit 1:19 für 100 Meter bei. damit in die deutsche Rekordliste der Damen eingezeichnet. Den alten Rekord hielt Frl. Lehmann vom Po­seidon-Dresden mit 1:19,3, den sie auf dem Ver- bandsfest in Bremen aufstellte. Bei ber Jugend von Frl. Erkens ist mit einer weiteren Verbesserung die­ses Rekordes in absehbarer Zeit zurechnen.

Der Sonntagsfport des Arbeiter-Turrr- u. Sportbundes.

£ Die Spiele der ersten Klasse fallen am Sonn­tag aus, da am gleichen Tage das Wertungsfingen des Arbeiter-Sängerbundes im Stadttheater statt­findet. Nur am Samstagnachmittag wird das seiner­zeit vom Schiedsttchter abgebrochene Spiel Heu­chelheim Lollar in Heuchelheim wiederholt. Dieser Kampf wird ohne weiteres spannend und scharf werden.

In der 2. Klasse spielen Marburg II. und Alsfeld IL in Marburg und Blasbach I. und Gießen II. in Blasbach um tie Punkte. Irn letz­teren Spiele sind Gießen die Punkte sicher, im ersteren Marburg, das allerdings größere Anstren­gungen als Gießen zu machen hat.

Ein lebhafterer Spielbetrieb herrscht in der Ju­gendklasse. Hier spielen (im erstgenannten Ort finden die Spiele ftatt):B lasdach gegen Gießen, wo­bei Gießen die Niederlage seines Gegners hoffentlich nicht allzuhoch werden läßt; Lollar gegen Naun­heim, hier sind Naunheim die Punkte nicht zu nehmen; Heuchelheim gegen Wiefeck, letz­teres ist voraussichtlich Sieger': Marburg gegen Wetzlar, auch hier dürfte die letztere Mannschaft einen knappen Sieg landen.

Der Kraft - undSportklub Gießen be­teiligt sich am Sontag mit feinen besten Kräften an dem Kreiswett st reit in Frankfurt a. M. Neben recht scharf umstrittenen Mannschaftskämpfen erstreckt sich der Wettstreit auf Stemmen und Rin­gen in den verschiedensten Gewichtsklassen, sowie auf eine Reihe geeigneter leichtathletischer Konkurren­zen. Die Gießenerstarken Männer" haben zwar fleißig im Training gelegen und gehen mit einiger Aussicht auf Erfolg in den Wettstreit, sie werden aber in Frankfurt auf außerordentlich starke Geg­nerschaft stoßen.

Wetzlarer Sport.

8- In diesen Tagen beschränken sich di« spott- lichen Ereignisie in Wetzlar auf die Durchführung vonTurnen und Spott als Gesundheitspflege" im Rahmen der Reichsgesundheilswoche, aber derart, daß sie bei weitem über diesen Rahmen in Quanti tät und Qualität hinau-gehen. Zunächst fand am Sonntag das Anrudern der beiden Ruderver- einc R. C. 1880 (D. R. V.) und das R. V. 1919 (S. R. V.) gleichzeitig und gemeinsam statt. Mil über 30 Booten gab diese Veranstaltung ein impo­santes Bild ab.Leibesübungen in der Schule" auf der Spilburg zeigten einen vielseitigen Betrieb, aus dem das Handballspiel Gymnaslu m Aufbauschule hervorragte. Die systemvoller spielenden Aufbauschüler siegten verdient 5:1. Am Montagabend starteten mehrere hundett Schwimmer und Schwimmerinnen aller Wetzlarer Wasser sport-Dereine im Hallenbad (T. V., F. C. und Schw.-Der.) zu Schwimmvorsührungen, die alle Arten des Schwimmspotts behandelten. Die Beran ftaltung war derartig besucht, daß das Bad nach Aufnahme von fast einem halben Tausend Zu­schauern geschlosien wurde.

Am kommenden Sonntag steigt der Haupttag. der vom Stadtamt für Leibesübungen abgewickeli wird. Auf dem Programm stehen neben der Massen Wirkung dertäglichen 10 Minuten Gymnastik", und der Laufschule noch Frauengymnastik, Geräte­turnen und Radreigen, vor allem aber ein Aus wahlspiel der Stadthandballmann­schaften, das den Hauptanziehungspunkt bildet, da diese in Wetzlar von allen Gebieten sportlich die beste Leistung zeigen.

Im Reiche.

Rasensport.

do. Im Fußball gibt es die letzten Meister­schaftsentscheidungen vor der D. F. B.-Runde, in Süddeutschland um den 3. Platz, in Berlin das zweite Meischerschafts-Schlußspiel, in Südostdeutsch- land die neu angesetzte Meisterschafts-Entscheidung (in Beuchen). Daneben Städtespiele: Dresden gegen Leipzig (am Samstag) in Dresden, Magdeburg- Stettin in Stettin. Der mitteldeutsche Meister Dres­dener S. C. trägt in Berlin das Rückspiel gegen Tennis-Borussia aus. Repräsentativspiel Norddeutsch landNordholland in Braunschweig. Fußball-Lan verspiel EnglandBelgien in Antwerpen.

Im Handball gibt es neben anderen Ge­sellschaftstreffen das Länderspiel BadenPfalz.

Im Hockey- Spott ist das Schlußspiel um ben Silberschild BrandenburgMitteldeutschland In Ber­lin das bedeutendste Ereignis.

Ein Tennis- Länderkampf DeutschlandUn­garn findet in Budapest statt. Turnier m BetÄn. Davispokal-Spieke HollandBelgien in 9wordm4ft, EnglandPolen in Harrogate.

Leichtathletik.

Das nationale Sportfest in Dresden ift ba» be- deutendste Leichtathletik-Ereignis des Sonntags. Hou ben und Schüller sollen in Wien statten Außerdem gibt es zahlreiche Staffelläufe und Lauf, ued Gehwettbewerbe:Quer durch Berlin",Born Rhein zur Ruhr", Staffelkäufe von allerdings ge­ringerer Bedeutung.

Schwimmen

Die westdeutsche Veranstaltung des Sonntag« ist ein freisoffenes Schwimmfest des S. V. Hagen von 94 in Hagen. In Leipzig geht ein Klubkampf (Sams­tag) zwischen dem Magdeburger S. C. v. 96 und Poseidon D. f. B. Leipzig vor sich, bei dem auch Rademacher und Frölich am Start sind. Ein Darnen-Klubkarnpf findet in Bochum zwischen dem D. S. V. Bochum und S. V. München-Gladbach Rheydt statt.

Die Kanufahrer

bringen die 5. Rennkajaregatta in Halle zur Durch­führung, halten auf der Oberelbe eine Wanderfahrt ab und beteiligen sich an der Eröffnung der Allge- meinen Wassersport-Ausstellung in Potsdam.

I Fecht-wettkämpfe

werden von der Deutschen Turnerschaft als Florett- Mannschaftskämpfe in Berlin durchgefühtt.

Motorsport.

Durch den Göttinger A. C. kommt zum vierten Male das Hainbcrgrennen zur Durchführung. In Ostpreußen versammeln sich die Motorradfahrer zur Ostpreußenfahrt, die der A. C. Ostpreußen und der Gau 8 des A. D. A. C. in vier Etappen zur Durch­führung bringen. Der Deutsche Touringclub ladet in München zur bayerischen Städtefahrt ein. In Wies-

Was der Sonntag bringt.

Ein seltenes Mnjtlerjubiläum in Darmstadt.

Don Prof. Dr. jur. et phil. Karl Esselborn.

Am 7. Mai 1926 feiern in Darmstadt zwei daselbst auf ein und denselben Tag geborene, namhafte Künstler, Heinrich Reinhard K r ö h und der um zweiunddreiviertel Stunden jüngere Hermann Müller, in voller Rüstigkeit ihren 8 5. Geburtstag. Beiden hatte die Ratur eine ungewöhnliche künstlerische Begabung in die Wiege gelegt, und schon frühe wirfte sich das bei ihnen aus.

Heinrich Kröhs Vater, Friedrich Kröh. selbst Maler und später Hofgalerieinspeftor. hatte für die künstlerischen Steigungen des Sohnes mehr Verständnis als der Hermann Müllers, der Theo­loge war und zur Zeit der Gebutt seines Sohnes als Lehrer an der Stadtmädchenschule wirfte. Der Vater Kröhs hatte keine Bedenken dagegen, daß fein Sohn den Malerberuf wählte, er nahm ihn, als er die Sekunda der Realschule durchgemacht hatte, aus der Schule und liest ihn von dem tüchtigen Darmstädter Landschaftsmaler August Lucas (18031863) im Zeichnen unterrichten, bis er im Jahre 1860 in die neueröffnete Malschule des Galerieinspettors Karl Seeger (1809J866) eintrat. Im September 1863 begab sich Kröh nach München, um die Malklasse der Kunst­akademie zu besuchen. Am engsten schloß er sich daselbst an seinen um vier Zähre älteren Darm­städter Landsmann Karl Raupp (18371918) an, war seit 1867 an dessen Privatschule tätig, und begab sich, als dieser im Frühjahr 1888 einem Ruf an die Kunstgewerbeschule nach Rürnberg folgte, mit ihm dorthin. Die Roiwendigkeit. die angefangenen Arbeiten seines erkranften Vaters, Namentlich die Restaurierung alter Bilder im Auftrag des Grohherzogs Ludwig III. zu er­

ledigen, rief ihn im Jahre 1870 nach Darmstadt zurück. Dort verkehtte er viel bei Hofe, nahm an mehreren Reisen des Grohherzogs teil, der ihn 1873 zum Hofmaler ernannte und ihm viele Aufträge erteilte. Er war aber nicht mir als ausübender Künstler tätig, sondern auch als Lehrer. Zu seinen Schülerinnen zählten sämtliche Schwestern des Grohherzogs Ernst Ludwig.

Seit seiner Rückkehr von München blieb Darmstadt sein Wohnsitz. Studienreisen führten ihn alljährlich aus den Mauern seiner Vaterstadt hinaus, oft nach Bayern und Oberhessen, ge­legentlich auch nach Rheinhessen, am häufigsten aber in den Odenwald, den er nach allen Rich­tungen hin mit Staffelei. Pinsel und Palette durchstreift und ihm unzählige Motive zu seinen Bildern entlehnt hat. so daß er als der Maler des Odenwald bezeichnet werden darf. In Ita­lien war er in den Iahren 1898. 1907 und 1910, Doch kam er nicht über Oberitalien hinaus. Hatte er in früherer Zeit hauptsächlich die Porträtmalerei gepflegt, so wurde später die Landschaft mehr und mehr der Gegenstand seines künstlerischen Schaffens. In einem Alter, wo andere am Ende ihres Schassens stehen, erlebte er noch eine zweite Blütezeit, und ein ihm be­freundeter Kunstkenner konnte mit richtiger Be­obachtung von dem Siebzigjährigen feststellen, daß ..in den letzten Iahren die Farben in Kröhs 351.16601 eine Leuchtkraft gewannen, die wir in früheren Zeiten an ihn»n nicht gewohnt waren".

Kröhs bescheidene und zurückhaltende Ratur c® ^retlame für sich zu machen. Gleichwohl haben sich feine Werke durchzusehen gewußt. In der Darmstädter Gemäldegalerie ist er seit dem Iahre 1911 vertreten, dem näm­lichen, wo er zu seinem siebzigsten Gebuttstage durch die Verleihung des Professortitels von dem Grobherzog Ernst Ludwig ausgezeichnet wurde. Rachbildungen von feinen Bildern brach­

ten die ZeitschriftenHeber Land und Meer", Daheim" undWestermanns Monatshefte".

Kröh ist so rüstig, daß man ihm fein hohes After nicht anmerkt. Die Arbeit, die fort- dauernde künstlerische Betätigung haben ihn ju­gendlich erhalten. Man betritt nie sein Atelier, ohne daß ein neues Werk auf der Staffelei im Entstehen wäre, und der Besucher seiner prächtigen Freilichtskizzen mit ihrer unmittel­baren Frische glaubt den Duft von Wald und Wiesen wahrzunehmen.

Hermann Müllers Lebensweg ist trotz manchen Aehnlichkeiten von dem Kröß grund­verschieden. Sein Vater, Paulus Müller, liefe es nicht zu, dafe der Sohn Maler wurde. Als dieser sich für die seinen künstlerischen Reigungen noch am meisten entsprechende Architektur als Lebensberuf entschieden hatte, vertauschte er das Gymnasium mit der Realschule, wo August Lucas Zeichenlehrer war. Als er sie durchlaufen hatte, trat er in die 'Bauabteilung der höheren Ge­werbeschule über, erwarb dort das Zeugnis der Reise und bezog dann die Berliner Bauakademie. Im Herbst 1862 setzte er sein Studium in Gießen unter Hugo von Ritgen (18111889) fort und beendete es im Mai 1864 durch die Fakultätsprüfung. Auf die im, Frühjahr 1867 abgelegte Staatsprüfung folgte ein längerer Aufenthaft in Paris, nachdem er unter Leitung des Sekretärs des Gewerbevereins Franz Fink die Pläne der hessischen und badischen Ab­teilung für die dortige Weltausstellung bearbeitet hatte. Bald nach seiner Rückkehr wurde er an die am 8. März 1868 feierlich eröffnete Kunsb- industrieschule nach Offenbach a. Main berufen. Er wirkte daselbst bis 1872. Dann siedelte er nach Darmstadt über und war bis 1876 als Privatarchitekt tätig. Am 1. Dezember 1876 eröffnete er seine Tätigkeit an der Landes da u- gewerkschule zu Darmstadt, die aus einer Er­

weiterung der Winterbauschule hervorgegamgen war. Am 8. März 1877 zum Professor ernannt, stand er der Anstalt ein Menschenalter bis zum 1. Dezember 190fr vor.

Am bekanntesten ist Müller durch seine im älmdruck veröffentlichten Zeichnungen geworden. Als solche kommen in Betracht die die Ereignisse des Krieges 1870/71 begleitendenZündnadeln", im ganzen 28 Bogen, die 12 Federzeichnungen in lithographischem Farbendruck zu Versen des Hauptmanns Ernst SartoriusEine freundliche Weihnachtsgabe für Große und Kleine zur Er­innerung an den Franzosenkrieg" (Eßlingen. 1871). die Illustrationen zu demMilitärischen Skizzen­buch" (Darmstadt, 1871), dieLicht- und Schatten­bilder", 6 Dogen (1883'84). die 1893 erschienenen, durch die Reichstagswahlen angereglen 4 Blätter ..Der deutsche Michel" und endlich das köstliche Darmstädter Eftzzenbuch". dessen erste 18 Blät­ter in den Iahren 1903 bis 1905 erschienen, denen 1921 ein neunzehnter und in der zu des ÄünftlerS vierundachtzigstem Geburtstage ver­anstalteten zweiten Auflage (Darmstadt, 1925) fünf weitere Dogen folgten. In diesen Dogen offenbart sich glänzend. Müllers erstaunliche Fähigkeit, einmal Gesehenes treu nach dem Ge­dächtnis wiederzugeben, sowie sein vorzüglicher Bftck für das Armoristische. Wenn Müller auch nicht als Maler an die Öffentlichkeit getreten ist. so legen doch feine zahlreichen Skizzen- und Studienblätter. die auf seinen vielen Reisen in Frankreich und von feinem ersten italienischen Aufenthalt im Iahre 1868 bis zu seinem letzten im Iahre 1908 entstanden, beredtes Zeugnis von seinen Leistungen als Landschaftsmaler ab.

Deide Iubilare sind nicht nur Meister ihrer Kunst, sondern sie haben sich auch als Mc^''er in der Lebenskunst erwiesen, denn sie haben es verstanden, die schwierige Aufgabe zu löfen, zwar älter, aber niemals alt zu werden.