m. 5 Drittes Blatt
Die Deutschen m Polen.
Der „Verein für das Deutschtum im Äu Stand" schreibt uns: Deutsche aus Polen, die ms Reich kommen, hören immer wieder die Frage: „Wie, Ihr wohnt noch in Polen? Gibt es da überhaupt noch Deutsche? Die deutschen Optanten sind doch alle ausgewiesen worden. Die Zeitungen haben lang und breit darüber berichtet." Das Schlimme >st, daß sylch ein Deutscher aus Polen dann meist von seinen reichsdeutschen Volksgenossen auf Grund jener irrigen Ansicht mißtrauisch angesehen wird. „Aha, ein Ueberläufer. Wie könnte er sonst in Polen Wohnrecht haben!" Um der guten Sache des Deutsch- tums in Polen willen tut hier Aufklärung not Folgende Tatsachen müssen jedem Jnlanddeutschen geläufig werden: Es gibt in ganz Polen (also außer dem ehemals preußischen Teilgebiet vor allem noch Kongreßpolen, Wolhynien, Galizien und das Leschener Schlesien mitgerechnet) noch etwa 2 Millionen Deutsche. Davon haben die meisten die vollen staatsbürgerlichen Rechte. (Wenigstens auf dem Papier') Sie können jedenfalls niemals ausgewiesen werden, weil sie im Lande geboren wurden, seit einer bestimmten Zeit, innerhalb der für das neue Polen feftgelegten Grenzen ununterbro- chen gewohnt haben und auf das Optiousrecht für irgendeinen anderen Staat verzichteten. Das sind die polnischen Staatsbürger deutscher Nationalität. Sie haben auf Grund des Min-. derheitsschutzvertrages ein Recht auf muttersprachliche Schulen, überhaupt auf kulturelle/ Selbständigkeit. (Um diese Rechte, die ihnen von polnischer Seite verkürzt werden, wird zäh gekämpftI) Die „deutschen Optanten" hatten ursprünglich alle polnischen Staatsbürgerrechte. Durch den Akt der freiwilligen Option verloren sie diese Rechte und wurden deutsche Staatsbürger. Rach den Bestimmungen der „Wiencr Konvention" können diese Optanten von der polnischen Behörde >eranlaßt werden, nach Deuttchlcmd überzusiedeln. Das ist inzwischen in reichem Maße geschehen. Ueber >0 000 erhielten den strikten Befehl, bis 1. August 1925 (einige bis 1. Nov.' 1926) Polen zu verlassen, hach Locarno hat aber Polen bis auf weiteres auf feine Rechte der Ausweisung der übrigen Optanten verzichtet. Von den Optanten zu unterscheiden sind die in Polen wohnenden deutschen Reichsangehö- rigen. — Das, sind solche Deutsche, deren Geburtsart nicht im jetzigen Polen liegt, ober die erst nach dem 1. Januar 1908 nach Polen kamen. Diese Deul- fchen sind im Besitze eines deutschen Reichspasses und können wie jeder andere Ausländer ausgewie- ien werden. Die weitaus größte Zahl der jetzt in Polen lebenden Deutschen hat das polnische Staats- l'ürgerrecht. Das hindert sie nicht, gute Deut- I ch e zu sein. Und das sind sie auch, mehr als je, iveil der Kampf um ihr Adenschen- und- Heimatrechl fic gestählt hat, weil sie in jeder Stunde ihr wertvollstes Erbe, ihr Deutschtum verteidigen müssen. Sic harren auf gefährdetem Posten unter schwierigsten Verhältnissen aus. Ihnen gebührt daher Anerkennung und Hochachtung, nicht Mißtrauen.
Kunst und Wissenschaft.
Tagung für deutsche Orgelkuusk.
©ine Freiburger Tagung für deutsche Orgelkunst ist für den 8. bis 10. April 1926 von dem Musikwissenschaftlichen Institut der Uni* versitLt Freiburg i. Br. unter Leitung seines Direktors Prof. Dr. W Gurlitt gemeinsam mit dem 1. Vorsitzenden des Verbands der Orgel* bcnuneister Deutschlands, Dn h. c. O. 1B(liefer (Ludwigsburg), geplant mit dem Zweck, die heute wieder auflebenden Fragen der Orgelmusik und des Orgelbaues fördern zu helfen. Das Programm setzt sich auS Referaten (mit Diskussionen) namhafter Fachmänner über alle Einzelgebiete, insbesondere die modernen Probleme der Orgel- ttmst, sowie aus folgenden öffentlichen Veranstaltungen zusammen: Eröffnung der Tagung durch Pros. Dr. h. c. K. Straube (Leipzig) am Donnerstag. 8. April 1926, nachm. 5 Upr; Vortrag von Prof. Dr. W. Gurlitt über „Die Wandlungen des Klangideals der Orgel im Lichte der Muj ifgeschichte". zwei Vorführungen der Praetoriusorgel durch K. Matthä ei (Winterthur) mit Meisterwerken des 17. Iahrhunderts, und durch Prof. A. Sittard (Hamburg) mit Meisterwerken des frühen 18. Iahrhunderts: Dar-
Franziska.
Roman von Li es bet Dill.
37. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Gleich würde sie kommen, sie würde den Schleier abnehmen und sprechen, ein wenig atemlos, wie immer, wenn sie von ihren Proben flam...
DaS ganze trauliche Zimmer mit den reichen Wänden, dem flackernden Feuer, dem gedeckten Tisch schien bereit, die Ersehnte zu empfangen. Er dachte an den Tag, da er sie zum erstenmal in diesem Zimmer erwartet hatte, wie sein Herz gepocht hatte, als sie die Klingel draußen be= rü forte. Sie hatte dreimal rasch geläutet.
Es schien, als ob diese Wände noch den Hauch ersterbender Grinnerungen trügen, die letzte Spur entschwundener Freuden, den Widerschein eines toten Glückes, gleich einem unklaren Dunst, aus dem Bilder aufstiegen, ohne Ramen. ohne Konturen.
Diese geheimnisvolle Erregung, die unbeschreibliche Änruhe tmirbe stärker, das Herz war ihm geschwellt von Bitterkeit, bunflen Ahnungen, geheimem Bedauern, abergläubischer Furcht, erstickten Schmerzen, peinigenden Träumen und nicht befriedigten Wünschen. All diese Empfindungen hatten den Sturm in ihm entfesselt.
Sein Blick irrte suchend nach irgendeinem Gegenstand umher, die Erwartung peinigte ihn, er empfand das Bedürfnis, sich zu bewegen, zu zerstreuen. Er nahm ein Buch von einem Tisch, in rotem, weichem Leder mit Federzeichnung en von Dayros, das er ihr vor Iahren geschenkt. Gr schlug eine Seite auf und las.
„Du bist der reichste Mann der Welt, denn to-ie es nie eine Liebe gab, die der Deinen gleicht, so kann auch niemand je so zärtlich geliebt worden fein wie Du. Ich kenne mich selbst, ich fühle sehr wohl, daß ich deine wundersame Liebe nie verdient habe. Rur Deine außerordentliche Güte konnte mir den Kummer verzeihen, den ich Dir bereitete...“
Gr lad die Stelle noch einmal, dann legte er das Buch weg, stützte den Kopf in die Hcurd und blieb so sitzen. Es war, als habe er einen schweren, mit Blei gefüllten Gegenstand in der
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
voMertta 7 1926
Schach-Ecke.
Bearbeitet v
Alle für die -Redaktion beftimnüeu Mitteilungen. Lösungen usw. sind zu richten an die Schachredackion des „Gießener A: Zeigers".
Problem Nr. 43.
Don H. D'O. Bernhard. (Chefs. Amateur, 1919.)
Schwarz.
a
6
6
5
3
2
2
Weiß.
Weih zieht und setzt in zwei Zügen matt. Weih: 15 Steine. KhS, Df8, Te6, f3, La8, Lg7, Sgl; Sh3, Ba7, Bb6, Be5, Bg5, Bg6, Bh4, Bh7. Schwarz: 7 Hteine. Ke4, Dg4, Ld5, Sd* Bd4, Bg2.
BH5.
Partie Nr. 34.
Die nachfolgende äußerst phantasiereiche Partie wurde in der 20. Runde des Moskauer Schachturniers am 6. Dezember 1925 gespielt.
Damenbauernfpiel.
Weitz: Bogoljubow (Rußland).
Schwarz: Lasker «Deutschland).
1. d2-d4
1. d7 —d5
2. Sgl — f3
2. e7-e6
3. c2-c4
3. Sb8-d7
4. Lcl-g5 4. Lf8-e7
5. Lg5xe7 5. Sg8xe7
Einer solcheir Spielweise wird man wohl selten im Damenbauernspiel begegnen; aber damit ist noch nicht gesagt, daß sie nicht spielbar sei. Lasker wählt, öfters solche bizarre Varianten, um seine Gegner von den ausgefahrenen Geleisen der Theorie abzubringen.
6, Sbl—c3 6. 0-0
7. e2-e3
9. Lflxc4
7. d5Xc4
9. c7-c5!
Sin notwendiger Zug, um die starke Mitte des Gegners etwas unter Druck zu halten.
9. 0—0 9. c5xd4
10. Dd2xd4 10. Sd7-b6
11. Lc4-b3. 11. Dd8xd4
12. Sf3xd4 12. Lc8xd7
13. Tfl-d1 13. Tf8-d8
14. Tdl-d2 14. Ld7-c6
15. Tal-dl
Alles leicht verständliche Züge.
15..... 15. Ta8-c6
16. e3-e4
Ein sehr guter Zug, wodurch Weitz zur dauernden Besetzung des Punktes d5 gelangt.
16..... 16. Lc6-e8!
Hier nimmt der Säufer eine hervorragende Verteidigungsstellung ein.
17. f2-f3 17. Se7-c6?
Hierdurch opfert Schwarz Turm und zwei Bauern für zwei leichte Figuren, was eigentlich zu seinem Rachteil ausschlagen sollte; aber Lasker behandelt das nun folgende Endspiel meisterhaft.
18. Sd4xe6!
18. f7xe6
19. Lb3xe64-
19. Kg8-f8
20. LeöxcS
20. Td8xc8
21. Sc3-b5
21. Sb6 — c4!
22. Sb5-d6!
22. Sc4xd6
23. Td2xd6
23. Sc6-e5
o n W Orbach.
24. Td6-d8 25. Td8-d2 26. Kgl — f2 27. h2-h3 28. f3-f4 29. Td2-d5 30. a2-a3 31. Td5—d4 32. b2—b4 33. Mxa5
Kunstvoll Damenflugel. 34. Tdl-d3 35. Kf2-f3 36. H3-H4? 37. g2 —g4 38. Kf3Xg4 39. Kg4-g3 40. a3 —a4 41. Kg3-f3 42. Td3-d1 43. Tdl —d3 44. Td4xd3 45. h4—h5 46. Td3-c3! 47. Tc3xc6
24. Tc&-c2
25. Tc2 — c7
26. Kf8-e7
27. Tc7-c6
28. Se5-f7
29. Tc6—a6
30. Le8-c6
31. Ta6- bb
32. 27 -35!
33. Tb6- ab demoliert Lasker Bogoljudows
34. Ta6xa5
35. Taö —c5
36. h7 —h5!
37. h5xg4
38. Sf7-h6+
39. Tc5-cl
40. Tel - gl +
41. Tgl-al
42. Tal-a3+ , 43. Ta3xd3H-
44. Sh6-f5*.
45. Ke7-e6!
46. Sf5-d6!
Erzwungen, denn auf 47. Te3 würde 47.... Sc4: -18. Te4 y, Kf5! sofort zugrmsten von Schwarz entscheiden.
47..... 47. b7xc6
48. a4-a5
49. a5-a6
50. Kf3 —e3
51. Ke3-d2
52. Kd2-e3
48. c6-c5
19. Sd6-b5
50. c5-c4
51. Ke6-d6
In dieser Stellung wurde die Partie als Remis abgebrochen. Eine von beiden Seiten kombinationsvoll gespielte Partie.
Lösung des Endspiels Rr. 9. Von Dr. H. Reustadte.
LSd4-e6, Txg6 2. d7, Tg8 3 Sc7-]-, Kb7 4. Se8, Tg5-i- 5. Kc4, Tg4-H 6, Kc3. Tg3+ 7. Kc2, Tg2 + 8. Kdl, Tgl-t- 9. Ke2, Tg2+ 10. Ke3, Tg34- 11. Ke4, Tg4+ 12. Ke5, Tg5+ 13. Ke6, Tg6-f- 14. Ke7 und gewinnt.
Lösung des Problems Ar. 42.
Von Ehr. Günzburg.
1. Tc5—c4! Kc4t 2. Se5J,-+. *
1....., Lc4; 2, S.C5-H-.
1. ...e2 2. Dc3+ + .
1....., L.bel. 2. Se5++-
Die Narrenkappe.
Splitter und Spurren vom RedattionSttsch
Die Entschuldigung.
Bei einer Firma liegt ein Büch aus, in dem die Angestellten jeden Morgen ihre Ramen ein* schreiben, zugleich mit der Zeit ihres Eintreffens und der Angabe von Gründen, wenn sie sich verspäten. Run schreibt gewöhnlich der erste, der zu.spät kommt, als Entschuldigung eiw „Zug ver- säumt", und die andern begnügen sich dann damit, darunter zu setzen „Dito". Eines Morgens nun, äte wieder eine schöne Reihe von „Ditos" da- stand. bemerkte man plötzlich, dah der erste, der sich eingetragen, als Entschuldigung hingeschrieben hatte: „Meine Frau bekam Zwillinge"
Kinbermnnd.
Der zehnjährige Alfred ist em wißbegieriger Peter. An Papas Schreibttsch macht er sich gar gern zu schaffen. Einmal fällt das Scheckbuch in feine Hande.
„Du, Papa," sagt Alfred, als der Vater nach Hause kommt, „verrechnen sich die Bankbeamten so ost?"
„Die Bankbeamten rechnen sogar sehr gut, wie kommst du denn daraus?"
„Ra, auf diesem Scheck steht doch überall: Rur zur Verrechnung!"
Zweierlei Matz.
„Dolly," sagte am Abend die zwölf Iahre altere Schwester zu der siebenjährigen, „du warst heute recht unarttg und hast alle Menschen geärgert. Hoffentlich wirst du morgen brav sein." । — „Komisch", versetzte Dolly nachdenklich, „bei mir nennt man es Unart, bei dir — Rerven."
bietung zeitgenössische c DrgelfompoHtionen durch G. Ramin (Leipzig'. Reue (ungedruckte) für das Brograrnm diese: ..M-n Darbietung geeignete Werte tonnen bis ivttcßeas !. März 1926 zur cvtl. ^Iraussübrun-r eingefaßt .?ceilen an das MsfilE«r'chaft!iche Institut der Universität 5reiburg im- Breisgau.
Wirtschaft.
Antirmmpingmaknahmen der deutschen WirLfchast.
(Bon unserem Essener Mitarbeiter.)
Dre Hyndelspolitik aller Dumping treibenden Staaten, einschlleßtich Itnglanby, bietet immer das gleiche Bild: gegenüber Der Vorkriegszeit erhöhte Zölle, uerbuuoeil mit direkter oder indirekter Ex- portförderung (Valuta^Dumping, Erportkrife, ftaat« lidjc Zuschüße asm.). Es lonncn deshalb and) fast alle Staaten eine Verbesieruiu; ihrer Handelsbilanz in den . :,ten Sohren auf weiten. Die Erfolge sind hauptsächlich auf Kosten Deutschlands.-erreicht worden, wie die nachstehenden Berichte über einige In« •buftrien. zeigen:
der Eisenindustric . uipricht die monatliche Einfuhr um; sranzösisch beigi>chom Eisen nach
jDeutfchlaich der Erzeugung zweier großer Werke: vom Ausfuhriuarkt ist das deutsche Eisen fast ganz verdrängt, Maschinenindunrie: ')auptu)etlbemerber jfinb Fruu. reich und Belgien. Die ststh-r ergiebigen Märkte dieser Länder sind völlig verloren gegangen. Auch Holland kommt sür einen Absatz faum noch, in Frage. Die Unterbietungen der deutschen Angebote gehen bis zu 50 Proz. örnaitteinbuftrie: Deutsche Exporchandelsfirmen hoben infolge der sehr großen Unterbietungen durch das Ausland den Verkauf deutscher Fabrikate aufgeben müssen. Auf dem Inlandmarki wird den deutschen Werken nicht nur durch Belgien, sondern auch van der Tschechoslowakei überaus starker Wettbewerb bereitet. Ein großer Erzeuger in Rheinland und Westfalen meldet einen Rückgang des Auftragsbestandes um 50 Proz. In der Velberer ZUeineisenindustrie sind drei Betriebe geschlossen worden; zwei der Firmen haben gleiche Werke in Belgien und eine Firma eines in Italien in Betrieb genommen; sie führen von dort ihre Erzeuaniste setzt trotz dm Zollbelaftung mit Erfolg nach Deutschland ein. Westdeutsche Fahrradwerke, die eine starke Ausfuhr nach der Schweiz und Holland hatten, haben diesen Absatz völlig an den französischen Wettbewerb verloren, da die fran* züsischen Preise ungefähr 50 Proz. niedriger liegen, als die deutschen Grossistenpreije. Auch die belgische , Fahrradindustrie tritt mit Erfolg aus den lnsher Deutschland verbliebenen Märkten in Wettbewerb. ' Für- die Seidenindustrie finb die stärksten Wettbewerber Italien und Frankreich; beide sind valuta- schwach. Die italienische Seideninduftrie hat deshalb ihre Ausfuhrleistungen in den letzten Jahren verdoppelt. Die Erzeugung der Kunstseidenindustrie in Italien verdoppelte sich im Jahre 1924 gegenüber 1923, während die Ausfuhr sich verdreifachte. Aus der Schraubenindustrie wird berichtet, daß die fran- zäsischen Schraubenfabriken im Orient 20 bis 30 Prozent billiger anbieten als die deutschen. Die deutschen Inlandpreise liegen höchstens 30 Prozent über den Friedenspreisen, und die Auslandpreis« sind schon 10 bis 15 Proz. unter den Jnlandpreisen. Eine große Firma hat das spanische und das italic- nischs Geschäft, wohin früher 100 bis 20o Tonnen gingen, an die französische bzw. einheimische Konkurrenz verloren.
Dieser allgemeine Rückgang des Absatzes der deutschen Industrie nach dem Auslande, verbuitden mit dem vermehrten Hereinströmen ausländischer Ware in das Inland beweist, daß auch die deutsche Wirtschaftspolitik, solange die Wettbewerbsländer an dem bisherigen System mehr ober weniger hoher Eingangszölle, verbunden mit staatlicher Förderung des Außenhandels in jeder Form, festhalten, ebenfalls zum Schutz der eigenen Erzeugung gegen Dumping und zur positiven Förderung des Außenhandels übergehen muß. Es wäre ähnlich dem Vorgehen Englands ein Weg zu erwägen, der Schutzmaßnahmen für die speziell bedrohten deutschen Er Zeugnisse ermöglicht, ohne daß unangenehme Rückwirkungen auf unsere Ausfuhr auf Gegenmaßnahmen des betroffenen Landes zu erwarten sind. Vor allem erscheint es. erforderlich, der Regierung ein Ermächtigungsgesetz an die 5janb zu geben, das ihr grundsätzlich die Möglichkeit der Einführung
Hand, er sann vor sich hin, seine Gedanken fliegen auf und ab. Bald in dunkle Abgründe starrte er, bald in grelles Licht, während zuckende Flammen seinen Körper zu verbrennen schienen.
Eine Schelle schlug an, dreimal, kurz. Das war sie. Er erbebte. — Stimmen erklangen im Haüsslur, zwei. Frauen, die leise, eilig miteinander sprachen. Darm wurde eine Tür geöffnet. Franziska stand im Pelzmantel auf der Schwelle.
„Du - ?“
„Ia, ich", sagte er und erhob sich. Fran- ziÄa wich in den bunften Flur zurück. Dieses Zurückweichen machte ihn ungeduldig. WaS hatten sie denn alle heut mit ihren ängstlichen Augen? Er packte sie am Handgelenk und führte sie fast zeremoniell herein. Sie folgte wie betäubt.
„Du bist heute schon gekommen?" fragte sie, während eine beklemmende Angst sich ihr auf die Brust setzte. Hätte ich das Mädchen doch lieber nicht fortgeschickt, dachte sie. Es war ihr rrnheimlich, jetzt mit ihm allein zu bleiben.
Er fühlte, dah sie zitterte.
„Laß doch mein Handgelenk los, Fred", sie suchte sich zu befreien.
Er ließ sie. Sie nahm ihren Hut vor dem venezianischen Spiegel ab. „Die Mucki wollte mich auf der Durchreise nach München besuchen, nun habe ich ihr rasch abtelegraphiert."
„Schade", sagte Hasse, Er stand unbeweglich. die Hände in den Taschen, neben dem Oelgemälde.
„Hast du mein neues Bild schon gesehen?" Sie strich sich das gelockerte Haar im Racken in die Höhe, um es mit der Brillantspange fest- zustecken. , , „
Gr nickte. „Ein nobles Geschenk.
„Ich hab's gewonnen in der Lotterie."
„Gratuliere", sagte er trocken.
Sie sah ihn unsicher an, er lam ihr verändert und größer vor in dem hechtgrauen An- zug.
„Du siehst nicht gut aus, Fred."
„Ich bin etwas mit Arbeit überlastet ', sagte er mrd fuhr sich durch das Haar. Gr hatte
eigentlich etwas anderes sagen tootlen, er konnte sich nicht mehr darauf besinnen...
Gr trat ans Fenster, nahm den Vorhang auf unb schaute auf die sonnenbeleuchtete Straße. Sie sah Metern sonderbaren Benehmen zu mit einer sich steigernden unheimlichen Angst. Plötzlich ließ er den Vorhang fallen und trat an den festlich gedeckten Disch.
„Wen hast du hier erwartet?" fragte er mit einer unnatürlichen Sanftheit in der Stimme.
Sie sah in seine lodernden Augen, ihr Herz setzte fast aus. Seiire magere weiße Hand, die ungeduldig mit dem Messer spielte, kam ihr vor wie eine Kralle, die sich um ihre Kehle spannen konnte im Rn.
„Ich hab' dir's ja gesagt, die Mucki kommt!"
„'Die schickt dir keine Blumen. Antworte!" rief er.
Frarrziska antwortete nicht. Sie zitterte am ganzen Leib, sie dachte gar nicht mehr daran, sich herauszuziehen aus diesem Retz, in dem sie sich gefangen, sie dachte nur: wie komme ich rasch aus dem Zimmer? Daß etwas Schreckliches geschehen würde, das hatte sie gewußt, als sie ihm gegenüberstand. Sie glaubte nicht an seine Ruhe. Aus seinen Augen flackerte ein entschlossener Wille zur Tat, der sich nicht mehr beruhigen, nicht mehr fänftigen lieh, und eine Verachtung, die sich nicht mehr änderte.
„Gut", sagte sie, indem sie sich erhob. „Ich will dir alles sagen. Wenn ich jetzt lügen wollte, du würdest mir's doch nicht glauben, und es hat auch keinen Zweck mehr zwischen uns. Du hast einen Brief bekommen von seiner Frau —“
Er warf das Messer auf den Tisch und verschränkte die Arme. „Stimmt", sagte er zwischen den Zähnen. r .
„Sic ist eifersüchtig auf mich Sie ist immer eifersüchtig", fuhr Franziska fort, in der sich plötzlich alle Angst in Zorn verwandelte gegen ihn, der ihr gegenüberstand wie ein Richter. „Es ist eine gute, einfache Frau, die wir alle gern haben, aber zu dem Mann paßt sie nicht."
Hasse spielte mit dem Messer. Sie folgte seinen Händen.
„Und genau so wie zwischen Mariot und feiner Frau wär's zwischen uns geworden", fuhr sie mit fliegendem Atem fort „Du hast gemeint,
ich ändere mich noch, das hab' ich versprochen, weil ich dich gern gehabt hab' und dir zulieb durchs Feuer gegangen wär'. Ia, so hab' ich dich einmal lieb gehabt", fuhr Franziska, Atem schöpfend, fort. „Aber nachher, als du anflngst, an mir herumzuändern, da war'S aus."
„Weiter!" sagte er ruhig.
Ihre Augen flammten ineinander. Hoch- aufatmend stand sie mitten im Zimmer, her Pelzmantel war heruntergeglitten er lag auf dem Teppich wie ein Tier, das sich um ihre Füße schmiegte Sie stand vor ihm. in einen weichen hellgrauen Stoff gehüllt, der um. ihre Hüften gewickelt und an der Seite geschlitzt war, so daß bei jeden, Schritt ihr schlankes Bein bis über die Knöchel den seidenen Dtrumvs und den 2adTd>ul) sehen ließ.
So hatte sie ihn empfangen wollen, dachte er, und lein Blick heftete sich auf ihren Hals, der mit zartem rosa Tüll bedeckt war; bis zum Gürtel reichte der dezente Ausschnitt einer modernen Dame. Lind an dielen weißen Hals, auf diese wogende Brust heftete sich sein Blick. Doch er empfand nichts habet, fic so zu sehen, er sagte nur: „Weiter". Sie sprach weiter, hastig, überstürzt, als befreie es sie. ihm die scharfen, heftigen Anklagen ins Gesicht zu schleudern. '
Dieses kalte, höhnische „Weiter", das er, sobald sie Atem schöpfte, Hervorstieh, war wie ein Peitschenhieb, der ein Tier vorwärts treibt, mit gesenktem Kops weiter zu rennen, ohne Besinnung, ohne Furcht. „Man tarnt einen Menschen nicht ändern. Das zu verlangen war dein Fehler. Du hast mich geliebt, sonst hättest du mich nicht zu deiner Frau machen wollen, es muß doch etlvas an mir gewesen sein damals, was dich, angezogen hat. Erst war alles recht. O ja!" Franziska lächelte und hob die Hand. „Im ersten Iahr. Hub dann ist dir auf einmal alles wertlos erschienen In eine andere Form hast du mich pressen wollen, und in der Form, das sag' ich dir heut', wäre ich erstickt."
Sie nestelte an der Rose an dem schmalen Gürtel, der ihr eng um hie Taille saß. „And deshalb ist's gut, daß wir uns gesprochen haben, ehe es zu spät wäre, jetzt ist's noch Zeit/
(Fortsetzung folgt.)


