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Stempel, bei deren Deschafsimg der ehemalige Poli-eibeamte behilflich war. Das Treiben deS Hauptangeklagten war veranlaßt durch Habsucht, Venn er lieh sich durchschnittlich 500 Mk., aber auch mehr, sogar bis zu 1500 Mk. für ein Reife­zeugnis bezahlen. Die Fälschungen wären noch weil« betrieben worden, wenn nicht Schulze versucht hätte, hinterher noch Gelder zu er- § essen. Einer der ehemaligen Schüler bekam eue, zeigte die Sache der Behörde an und so kam der Stein ins Rollen. Die Fälschungen wa­ren derart, dah die Immatrikulationen erfolgten. Die Verhandlungen, die gestern begannen, zogen sich sehr in die Länge, weil 14 Angeklagte und mehrere Zeugen zu vernehmen waren. Der heu­tige Tag wurde im wesentlichen durch Plai- dvyers ausgefüllt.

Strenge Bestrafung eines Schwarzbrenners.

WSR. Koblenz, 5. Rov. Ein Drenne- reibesitzer aus Leutesdorf (Kreis Reuwied) hatte sich vor dem hiesigen Gericht wegen Der- gehens gegen das Branntweimnonopolgeseh zu verantworten. Er hatte jahrelang eine Geheim- brennerei betrieben, um die Spirituosen der Versteuerung zu entziehen. Die Menge des hinter­zogenen Sprits konnte nicht festgestellt Weichen, so das) das Gericht bei der Straf bemess ung auf das Schätzungsverfahren angewiesen war. Der Schwarzbrenner wurde zu der erheblichen Geld­strafe von 200 000 Mark und 6 0 0 0 0 Mark Wertersatz für hinterzogene Steuer verurteilt.

Buntes Allerlei.

[ Aus den Spuren Alexanders des Große«.

Der Zug Alexanders nach Indien, durch den dem Abendland die Wunder des Orients er­schlossen wurden, ist der Nachwelt stets im Glanze eines geschichtlichen Wunders erschienen. Man hat sich daher aufs eingehendste mit den Berichten der Geschichtsschreiber beschäftigt, die davon erzählen. Aber es war deshalb so schwierig, den einzelnen Etappen dieses Dormarsches in eine damals un­bekannte Welt zu folgen, weil einzelne der Gegen­den, durch die Alexander gezogen ist, den Euro­päern unzugänglich waren. Es ist dies die gegen­wärtige Rordwestgrenze Indiens, die von wilden und unabhängigen Gebirgsstämmen bewohnt ist und der Erforschung schwerüberwindliche Hinder­nisse entgegensetzte. Dem englischen Forschungs­reisenden Sir Aurel Stein ist es nun in den letzten Iahren möglich gewesen, durch eine kühne Expe­dition den Hauptschauplah des Feldzuges zu durchwandern, durch den der große Mazedonier in den Iahren 327 und 326 v. Ehr. von dem oberen ßauf des Kabul-Flusses zum Indus vvrstieh, bevor er in den weiten Ebenen des Fünfstrom- landeS das Ziel seines Zuges erreichte. In den .Times" gibt Stein einen vorläufigen lleberblick über die Ergebnisse, durch die es ihm gelang, die Oertlichkeiten festzustellen, die die antiken Ge­schichtsschreiber, besonders Arrian, schildern. Es handelt sich hauptsächlich um das Gebiet des Swat-Flusses, dessen Fluten von den Gletschern und Schneefeldern eines über 6000 Meter empor­steigenden Gebirges zwischen dem Indus und dem Hindukusch gespeist werden. Don Kalam, wo sich seine Quellflüsfe vereinigen, strömt er durch ein etwa 250 Kilometer langes Tal, bevor er die Ebenen von Peschawar erreicht und, mit dem Kabulfluß vereinigt, in den Indus mündet. Dieses Swnttal, das durch günstiges Klima und reiche Bewässerung ausgezeichnet ist, enthält eine Fülle

von alten äleberreften. Ienseits deS Tales liegt daS alte Gandhava. der Hauptsitz der griechisch- buddhistischen Kunst. Im Südvsten liegt Dunor, ein Höhenzug, der eine Anzahl fruchtbarer Täler am rechten Ilfer des Indus bewässert, darunter Puran, Schakesar, Ghorband. Ienseits von Ghor- band steigt das Gebirge höher und höher empor und ist sehr schwer zugänglich. Arrians Bericht zeigt deutlich, daß Alexander, nachdem er Baktrien im Frühling 327 v. Ehr. verlassen und den Hindu­kusch überschritten hatte, einen Teil seines Heeres in das Peschawar-Tal entsandte, während er selbst das übrige Heer den Kunar-Fluh hinauf nach Daiaur führte. Die Kämpfe, in die er hier verwickelt wurde, richteten sich gegen die Be­wohner des Swattalos. unter benen die Assakenei Arrians zu verstehen sind. Massaga. die erste und augenscheinlich größte der Städte, die er belagerte, liegt im unteren Swattal. Rach der Eroberung dieser Beste teilte er seine Truppen, die nunmehr die Städte Dazira und Ora belagerten. Bazira muh in den Ruinen der Feste von D'r-kot gesucht werden. Auf einem vollständig isolierten Fels­hügel. dessen steile Felsen 500 Fuß zum linken Ufer des Swat herabfallen, finden sich noch mäch­tige alte Mauern, und zahlreiche Münzen der indo-griech'schen Herrscher aus den letzten vor- christl chen Jahrhunderten sowie aus der folgenden indo-skythischon Periode zeigen, dah hier eine uralte Kulturstätte lag. Don diesem Punkt aus läßt sich auch die Oertlichkeit der anderen von Alexander eroberten Festung bestimmen. Ora lag an dem linken Ufer des oberen Swattales, und zwar bei dem heute Ude-gram.genannten Dorf, das etwa 15 Kilometer oberhalb von Dir-kot sich befindet. Unmittelbar dahinter erhebt sich ein un­zugänglicher Gebirgsvorsprung von etwa 2000 Fuß Höhe, und an diesen Felsen lassen sich noch Mauern und andere Ueberreste einer sehr alten Feste erkennen. Auch hier stieß man auf zahlreiche Münzenfunde aus derselben Zeit wie in Drr-kot. Der letzte und sicherste Zufluchtsort der Gebirgs­völker, den Alexander einnehmen muhte, um sich für seinen Weiterzug zu sichern, war das rätsel­hafte Aernos. Sowohl archäologische wie philo­logische Gründe berechtigen Stein zu der An­nahme, dah diese Feste sich über dem oberen Teil des Ghvrbantales auf der Höhe des heutigen Una am Indus erhob. Hier liegt ein etwa 7200 Fuh hohes Gebirgsvlateau, das eine mächtige, ganz unzugängliche Zitadelle trug, und es ist ein wahres Wunder, wie Alexander diesen Platz er­oberte. Seine Operationen, die von Arrian ge­schildert werden, lassen sich aber in allen Einzel­heiten in diesem Gelände nachweisen.

haar und Charakter.

Der Volksglaube schließt seit ur-alter Zeit von der Haarfarbe auf das Wesen des Menschen, und besonders hat man die roten Haare für ein schlim­mes Zeichen angesehen. Aus alten Bildern werden Judas und Kain mit roten Bärten abgebildet, um schon dadurch die Boshaftigkeit ihrer Natur anzu- zeigen. Die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Haar und seinem Zusammenhang mit dem Cha­rakter ist aber erst in letzter Zeit durchgeführt wor­den. Wir besitzen heute so feine Methoden der Haaruntersuchung, daß man jede individuelle Be­sonderheit des Haars feststellen kann und das Haar ebenso zum Identitätsnachweis benutzt wie die Fingerabdrücken. Auch sind die Haare als ein wich­tiges Unterscheidungsmerkmal für die einzelnen Menschenrassen und Volker erkannt. Die Grobheit des Haares verät bei tieferstehenden Rassen ihre | nähere Verwandtschaft mit den tierischen Vorfahren.

Hervorgehobea wird auch, daß sich die blonde Haar« ssrbe nirgends bei Tieren findet. Im Volksglauben erscheint aber das blonde Haar nicht als ein An­zeichen besonderer Tugenden, sondern diese werden dem braunen und vor allem dem kastanienbraunen Haar zugeschrieben. Den zarteren Schattierungen des roten Haares, dem Goldblond und Rotbraun, wird bei Frauen große Schönheit zugesprochen; die Trägerinnen dieses Schmuckes sollen auch treu in der Liebe und fest in ihren Entschlüssen sein. Am frühesten hat sich die Wissenschaft mit den Zusam« menhängen zwischen Haar und Verbrechen ausein- andergesetzt. So stellte Havelock Ellis fest, daß die Zahl der schwarzhaarigen Personen unter den Ver­brechern beträchtlich größer ist als unter der übrigen | Bevölkerung Englands, Italiens und Amerikas. Das Kopfhaar des Verbrechers ist zumeist üppig, der Bart daggen dürftig. Ein großer Prozentsatz der Verbrecher ist wollhaarig, und ebenso der Idioten. Verbrecherische Frauen sollen einen großen Reichtum an Haar aufweisen. Der amerikanische Anthropologe Charles Casscl will beobachtet haben, daß das blonde Haar bei den Verbrechern stärker hervortritt als das schwarze. Er hat auch über die Haarfarbe und Haarart des Genies eingehende Untersuchungen angestellt. Dabei kommt er zu dem überraschenden Ergebnis, daß bedeutende Menschen zwar meistens blaue und graue Augen, aber nicht blonde, sondern dunkle Haare heben. Wenn er nicht ein einziges Genie gefunden haben will, desien Haargelb" genannt werden kann, so ist demgegen­über darauf hinzuweisen, daß Schillers Haar bis­weilen als gelb, häufiger allerdings noch als rötlich bezeichnet roirb. Wenn man dem Künstler gerne Locken zuschreibt, so scheint das auf Wahrheit zu beruhen. Don 60 Genies, deren Haarart Cassel er­wähnt fand, wird bei 26 das Haar als lockig ober wellig geschildert. Don diesen waren 22 Dichter, Musiker und Künstler. Man darf aber das grobe und harte Haare deshalb nicht dem Genie absprechen, denn z. B. Napoleon wies eine solche Haarart auf.

DücherLisch.

Max Reinhardt und fein 25jähriges Iubi- läum als Bühnenleiter stehen im Mittelpunkt des ersten Rovember-Hestes der ZeitschriftD a s T h e a t e r" (Verlag Berlin W9). Berthold Held, der von Anbeginn an mit Reinhardt gearbeitet hat. schildert in einem fesselnden Aufsatz diese 25jährige gemeinsame Tätigkeit. Arthur Kahane sucht in einem tief empfundenen Gedicht die Eigenart der Persönlichkeit des Iubilars zu um« reihen. Rahezu 60 B'lder der Mitarbeiter Rein­hardts in den verflossenen 25 Iahren und seiner bedeutendsten Inszenierungen geben einen äleber- blick über die gewaltige Leistung dieses Künstler­lebens und rufen eine Reihe der stärksten Dühnen- eindrücke feit Anfang des Jahrhunderts wieder in die ©rinnet'mg zurück. Auch der übrige Inhalt des Heftes ist interessant und vielseitig. Die letzten Opern-Premieren in Berlin werden eingehend be­handelt, ebenso die Fülle der künstlerischen Er­eignisse an den Berliner Schauspielbühnen. Der Leipziger Korrespondent berichtet über dortige Uraufführungen, Heinrich Glücksmann schildert den Beginn der Spielzeit in Wien.

Der Hund (GerSbach & Sohn, Verlag. Berlm W. 35). Das vorliegende 20. Heft bietet dem «Leser wieder reiche Ausbeute. Dr. Schäme beschließt seine anregenden Betrachtungen und eingehenden älntersuchungen überDie Trab- formen des Hundes" und zieht das Ergebnis, indem er vier Formen des Trabes beim Hunde feststellt, die er bildlich durch prägnante Moment­

aufnahmen begründet. Der Säger und Iagd- schriststeller W. Hochgreve, GoLlar, ist durch seine lebendige SchilderungAus den Feisthirsch im Südharz" vertreten; mannigfaltig, wie immer, fällt der Dilderteil des Heitrs aus. In ein­gehender Würdigung und mit zahlreichen Dar­stellungen hervorragender Hunde ist der Bull­terrier behandelt, die deutsche Dogge kommt in guten Darstellungen zur Geltung, die Gebrauchs- Hunde sind durch die rassigen Schotten deS ZwingersHochlönig" und einen Irischen Setter berücksichtigt.

Das neueste Hcst der »Lustigen Blät­ter", (Dr. Eysier u. Co., Berlin SW 68) ist zu Ehren der Berliner Ausstellung als eine lustige Auto-Rummer ausgemacht; der ganze In­halt, Text und Bilder, ist auf das Thema ein­gestellt, dem man. wie hier zu sehen, auch manche heitere Seite abgewinnen kann.

Der Schelmen spiegel. Lustspiel in drei Akten. Von Erwin Hahn. 120 Seilen 8°. Lotos-Verlag. Saalseid-Saaie, 1926. Die Tat­sache. daß dieses Sluck gleichzeitig von acht Büh­nen im Deich zur stlraufsühru.ig akziptiert wurde, erklärt sich tvohl daraus, daß der Verfasser als Theatersachmann (Intendant in Rudolstadt) be- kannt ist, bei dem man keine anfängerhasten Er- perimente zu fürchten braucht, llnö z'veisellos ist das Talent und b'e Routine an'uerkennen. mit der eine an sich nicht besonders tragfähige Fabel glücklich und mit gutteerte iter Spannung über drei Akte gebracht wird. Das Mot ' der zwiefach um Geld und Liebe a pro' en. alten Geizhälse, im Stil v'.eckeicht an ©olbor.i und te; ite.l cNischen commedia dell arte crirnl ert, ist ins lierens» würdig-lockere Gewand deS b edermeirrlichen Venedig gekleidet. Das Da ize ist ein harmloses, übrigens stimmung'mäßig- y is.hartig verbrämtes Intermezzo. das als u -terbalimdee. sauber ser­viertes Lustspiel mit Anstand passieren kann.

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Der Winter. (Zeitschrift für Winter­sport. 20. Jahrgang 132. 27. 1. Heft; Dergverlag Rud. Rother, München.) Die von C. I. Luther herausgegebene Zeitschrift bringt im 1. Heft ihres neuen IahrgangS zunächst ci ren IubiläumS- und Cinführungsartik'l von Dr. Hord Skischilderungen Hüttenglück" undRächtlich e QI'fahrt' mit stim­mungsvollen Pho'.os, eine historische Wintersport­plauderei mit Bildern av.3 dem 16. urö 18. Jahr­hundert. eine thevret'sch-schematische Schneeschuh­unterweisung, einen Clibricf aus der Schweiz und einiges andere. D'e A Sftattung ist gut.

Deutsche Alpenzeitung. Tcrg- Verlag Rud. Rother. München. Heft IC 1926 ist vor allem ausgezeichnet durch eine Reihe präch­tig« Reprodukt'onen d?s Bergmalers Alfons Walde, der mit sehr guten Bildern vertreten ist. und dem eine ausführl'che Würdigung durch Hans Fischer zuteil wird. Im übrigen verweisen wir auf die SchilderungSüdwände im Wilden Kaiser", dieErinnerungen an den kurzen Grund" und die zahlreichen Photographin.

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