Diese eine gute Ernte kann bei den niedrigen Preisen der landwirtschaftlichen Erzeugnisse die Schäden der zwei Dorernten nicht ausgleichen und noch eine angemessene Verzinsung geben. _ Aber für die allerwichtigsten Ausgaben, wie für die Löhne, Steuern, Düngemittel und die Erhaltung der Bauwerke, sowie Ersah verbrauchter Maschinen und Geräte, Einführung von frischem Blut in die Herden und von neuem Saatgut sind wenigstens teilweise die Mittel vorhanden. Auch die Rückzahlung des Rotkredttes, soweit sie nicht schon aus den Einnahmen des Jahres 1925 erfolgt ist. muh nun vor sich gehen. Für größere notwendige Reuanlchafsungen, für Meliorationen oder gar Reubauten, die bekanntlich am wenigsten rentieren, sind noch keme Mittel vorhanden, geschweige denn für Rucklagen für zukünftige ungünstige Zeiten.
Provinzialaus;chuh-Sitzung.
Der Prooinzialausschuß der Provinz Oberhesfen verhandelte in feiner jüngsten öffentlichen Sitzung über folgende Verwaltungsstreitsachen:
De rli ch erun gs- und In k a s s o b u rea u von Fritz Nassauer zu Gießen. Das Kreisamt Gießen hatte auf Anregung des Poli^eiamts Gießen den Antrag gestellt, dem Gesuchsteller den Betrieb eines Dersicherungs- und Jnkassobureaus zu versagen, weil er nicht die nötige Zuverlässigkeit in bezug auf Paragraph 35 der Reichsgewerbeordnung biete. Der Prooinzialausschuß wies den Antrag des Kreisamts Gießen als unbegründet zurück und setzte die Kosten des Verfahrens der Staatskasse zur Last.
Beschwerde der Firma G. M. Reuß zu Friedberg gegen den Beschluß des Kreisamts Friedberg vom 3. Februar 1926. Durch den vorerwähnten Beschluß hat das Äreisamt Friedberg auf Grund des § 100f, Abs. 1. und des § 100h der Reichsgewerbeordnung und der 8 4 und 7 des Statuts der Zwangsinnung für die selbständigen Sattler und Tapezierer des Kreises Friedberg angeordnet, daß der Tapezierermeister Georg Reuß der genannten Zwangsinnung als Mitglied anzugehören habe. Reuß hielt sich nicht für zwangsinnungspflichtig, da sein Tapezlererge- werbe keinen handwerksmäßigen Betrieb darftclle, nur nebenberuflich ausgeübt werde, und er auch schon Mitglied der freien Schreinerinnung zu Friedberg sei. Der Prooinzialausschuß wies die Beschwerde als unbegründet kostenpflichtig zurück.
Gesuch des Karl Fett zu Boben- Hausen II um Erlaubnis zum Betrieb einer Gastwirtschaft. Karl Fett hat am 21. April 1926 bei der Bürgermeisterei Bobenhausen II um die Erlaubnis zum Betrieb einer Gastwirtschaft in seinem Anwesen, Hauptstraße Nr. 30, nachgesucht. In diesem Anwesen bestand vor Jahren schon einmal längere Zeit ein Wirtschaftsbetrieb, der aber später aufgcgeben wurde. Der Gemeinderat und der Bürgermeister haben die Bedürfnisfrage bejaht. Der Kreisausschuß des Kreises Scholten verneinte jedoch die Bedürfnisfrage und versagte die nachgesuchte Erlaubnis. In Bobenhausen II, das 535 Einwohner zählt, sind vier Gastwirtschaften vorhanden. Der Gesuchsteller erhob gegen das Urteil des Kreisausschusses vom 29. Mai 1926 Berufung beim Prooinzialausschuß. Der Prooinzialausschuß gab der Berufung statt und erteilte dem Gesuchsteller die nachgesuchte Erlaubnis. Mit den Kosten des Verfahrens wurde der Gesuchsteller belastet.
Gesuch des Otto Bender in Gießen um Zulassung zum F ähren von Kraflfahr-
zeugen. Otto Bender zu Gießen hat längere Zeit auf öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen Kraftfahrzeuge gefahren, ohne im Besitze eines Führerscheins auf Grund des Gesetzes über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen zu jein. Er benutzte einen, ihm von der II. Kraflfahrererfatzabteilung 18 ausgestellten Führerschein, der aber nur während der Kriegszeit auf Grund seines Militärverhältnisses Gültigkeit hatte. Das Kreisamt Gießen trug Bedenken, den Führerschein zu erteilen. Der Kreisausschuß des Kreises Gießen wies auf Grund der mündlichen Verhandlung vom 15. Mai 1926 das Gesuch des Bender um Erteilung der Erlaubnis zum Führen von Kraftfahrzeugen kostenpflichtig ab. Hiergegen verfolgte der Gesuchsteller Berufung an den Provinzialausschuß. Der Provinzialausfchuß gab der Berufung statt und erteilte unter Aufhebung des Urteils des Kreisausfchusses dem Berufungskläger die nachgesuchte Erlaubnis, vorbehaltlich der Ablegung der erforderlichen Prüfung.
Bornotizen.
— Tageskalender für Mittwoch. Stadttheater: 7.30 Uhr, „Die Medaille" und „Lott- chens Geburtstag". (Ende 9.30 Uhr.) — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Dieb von Bagdad".
*
' Eine Personenstands- und Betriebsaufnahme soll nach einer Anordnung des Reichsfinanzministers auch in diesem Jahre, und zwar am 1 0. Oktober, stattfinden. Die Verteilung der Listen erfolgt durch die Gemeinden.
—Gin biologischer Fortbildungskursus für Studienräte findet gegenwärtig unter Leitung von Professor Dr. K ü st c r am Biologischen Institut unserer Landesuniversität statt. An dem 14tägigen Kursus nehmen 25 Lehrer höherer Lehranstalten Hessens teil. Lehrausflüge in die Umgebung von Gießen und Wetzlar werden zur Bereicherung des Kurses beitragen.
** D i e Postwertzeichen - Autv- mate. Das Postamt schreibt uns: Bei Benutzung der am Stadtpostamt ausgestellten Wertzeichen- geber wolle folgendes beachtet werden: 1. Es sind stets nicht abgegriffene 10-Pf.-Stücke, die bequem durch die Einwurföffnung gehen, zu benutzen, da nur solche die Apparate in Tätigkeit setzen. 2. Zu groß geprägte 10-Pf.-Stücke mit Gewalt in den Gcldeinwurf einzuführen, ist falsch, denn der Betrieb wird durch das steckenbleibrn.de Geldstück gesperrt. 3. Fehlerhafte Geldstücke werden sonst selbsttätig durch die Auswurföffnung ausgeschieden. 4. Kommen weder Wertzeichen noch; Geldstücke zum Vorschein, so ist nach eurer kurzen Weile der vorhandene Knopf zu drücken. 5. Versagt auch dann der Apparat, wird Mitteilung an Schalter 3 erbeten. 6. Ist ein Wertzeichrn- geber außer Betrieb gesetzt, zeigt es eine den Geldeinwurr deckende Dlechschieibe an. Die Anlage wird im übrigen dem Schutze der Oefsentl^-leit empfohlen.
** Wichtig für Lunge ir kranke! Die Sprechstunden der Fürsorgestelle für Lungenkranke für den Kreis Gießen in der medizinischen Universitäts-Poliklinik zu Gießen finden jeden Mittwochnachmittag von 4 bis 5 Uhr statt. Auswärtigen Kranken, die nur mit Schwierigkeiten in die Rachmittaassprechstunden kommerr können, ist es gestattet, schon in den Dormittags- sprechstunden von 10 bis 12 Tlhr zu erscheinen. Lungenkranke und Krankheitsgesäyrdete, die in
ärztlicher Behandlung sind, bedürfen einer Ueber- weisung ihres Arztes an die Lungenfürsorgestelle. Unbemittelte, die eine entsprechende Bescheinigung ihrer Ortsbehorde vorzeigen, werden unentgeltlich beraten.
** Fremdenoorstellungen der städtischen Bühnen in Frankfurt a.M. werden in unserem heutigen Anzeigenteil angekündigt. Es handelt sich dabei um Opern und Schauspiele, die an Sonnlagnachmittagen gegeben werden sollen. Insgesamt sind zehn Vorstellungen in Aussicht genommen. Näheres ist aus der Anzeige zu ersehen.
Eine rohe Tat wurde in der Rächt zum Dienstag in der Südanlage vollbracht. Dort vergriffen sich Rohlinge zwischen 12 und 2 Ahr nachts an dem Wetterhäuschen gegenüber der Iohanniskirche. Sie rissen an den Glaskästen des Häuschens die Vorhängeschlösser ab und entwendeten aus dem Inneren die Glasröhre mit Quecksilber und ein Standglas des Wetter- anzeigers. Der Umstand, daß die übrigen Instrumente gestern früh gelockert vorgesunden wurden, läßt darauf schließen, daß die Kerle auch diese Gegenstände mitnehmen wollten: anscheinend sind sie aber bei ihrem üblen Handwerk gestört worden. Der Sachschaden ist erheblich. Die polizeilichen Ermittelungen sind im Gange. Hofsent- lich gelingt es, die Patrone ausfindig zu machen, damit ihnen ein gehöriger Denkzettel verabfolgt werden kann.
** Eine polizeiliche Streife wurde in der letzten Nacht auf die Feldscheunen in der Umgegend der Stadt vorgenommen. Die Beamten trafen in den Scheunen fünf männliche und zwei weibliche Personen an, die festgenommen und der polizeilichen Vernehmung zugeführt wurden.
** D i e Einreise nach Clsah-Loth- ringen. Wie w'.r den „Elsaß-Lothringischen Mitteilungen" entnehmen, hat die Präfektur des Tinter-Elsah . der Presse folgendes zur Frage der Einreise-Erlaubnis nach Elsaß^Lothringen mitgeteilt: „Die Gesuche der deutschen Staatsangehörigen zwecks Erlangimg des Paßvisums Aitr Einreise nach Frankreich sind künsttghin direkt an die französischen Konsularbehörden zu richten. Diese haben den in Geltung gebrachten Ministerialbestimnrungen zufolge allein die Befugnis, die Gesuche zu instruierLn und zu erledigen." Da Allerhei ligen heranrückt, bemerkt dazu die Straßburger „Freie Presse", zu welchem Tage eine große Anzahl einstiger Bewohner von Elsaß und Lothringen die Gräber ihrer Angehörigen besuchen, dürfte es nicht unangebracht sein, darauf hinzuweisen, mit den GesuchRl bald zu beginnen, um einen Andrang kurz vor dem Feiertage und dadurch verursachte Richtberücksichtgung zu vermeiden. Ferner sei daran erinnert, daß auch solchen Familienangehörigen, die keine Toten in Elsaß-Lothringen bestattet haben, die Erlaubnis zum Besuch ihrer Familien gewährt wird. Die Einreisegebühr beträgt 10 Mark. Wir raten aber den Ausgewiesenen, die sich um die Einreiseerlaubnis bemühen, dem frairzösischen Konsulat die Tatsache der erfolgten Ausweisung mitzuteilen. Bei Verschweigen dieses ülmstandes können sie wegen Bannbruchs bestraft werden. Für die preußische Provinz Hessen-Rafsau, die Länder Hessen und Waldeck ist das französische Konsulat in Frankfurt a. M. zuständig.
** D i e Maul- und Klauenseuche ist neuerdings in Steinheim (Kreis Gießen) und
■Bübingen amtlich festgestellt worden. Auf dem älniversitätsgut Unterer Hardthof und in dem Gehöft des Ioh. Stern, Rodheimerstrahe 42 in Gießen ist die Seuche erloschen.
Drei Wochen im Walde umhergeirrt.
WSR. Weinheim, 5. Okt. Ausflügler aus Mannheim fanden am Sonntag im Walde bei Weinheim, etwa eine halbe Stunde von ter Stadt entfernt, eine ältere etwa 60- jährige Frau in halbverhungert cm Zustande. Sie lag auf einem aus Moos und Gras hergerichteten Lager. Von dem Brot, das man der Frau reichte, nahm sie nur einige Dissen. Allmählich bekam man von ihr heraus, daß sie schon seit drei Wochen im Walde kampiert und sich von Brombeeren und Gras ernährt hat. Die Ausflügler benach- richtigten die Polizei in Weinheim, welche die seit drei Wochen als vermißt gemeldete srau im Sanitätsauto abholen lieh. Sie konnte nicht mehr aus den Deinen stehen. Es soll sich um eine 60 Jahre alte ehemalige Köchin handeln. Der Grund, der die Frau in die Einsamkeit trieb, ist noch nicht bekannt geworden.
Eingesandt.
(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
1. Es war eine starke Rücksichtslosigkeit, daß am Ende der vergangenen Woche den Abonnenten des Stadttheaters im ganzen zweimal zwe.i Stunden zur Verfügung gestellt wurden für Abholung und Bezahlung ihrer Karten, so daß man unter Umständen genötigt war, eine halbe Stunde den unmutigen Gesprächen der Mitleidenden zu lauschen. Wir hoffen dringend, daß für die nächsten sechs Male Abhilfe geschaffen wird.
2. Wer, vom Bahnhof kommend, über den Elfen- bahnsteg gehen will, der steht, starrt und staunt über die Fülle mehr oder weniger beschmutzter, oerfrum- pelter Papiere und Papierchen, die da Herumliegen. In einer sauberen Stadt wie München oder Zurich wäre so etwas undenkbar. Uebrigen» ist es an der Haltestelle der Elektrischen bei den Siechenhäusern nicht viel besser. B.
Unsere Gießener Erinnerungstafeln.
Im Laufe der letzten Jahrzehnte ist unserer Stadt eine Reihe von Erinnerungstafeln gestiftet worden, dis das Gedächtnis an berühmte und verdiente Gießener Männer lebendig erhallen sollen. Das kann freilich nur geschehen, wenn die Schrift der Tafeln lesbar ift. Leider ist diele aber auf den Tafeln für Professor E r e b n e r (Frankfurter Straße), Hopfner (Sonnenstrahe), von Senckenberg (Brandplatz), Karl Hillebrand (Westanlage) zum Teil völlig verblaßt. Er ist wohl eine Ehrenpflicht der Stadt, für die Erneuerung der Schrift dieser Erinnerungstafeln zu sorgen. ______________________
Sprechstunde» der Redaktion.
12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschlossen
Für unverlangt eingefanble IHanufftlpte ohne beigefngtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen
Anzeigenaufträge sind lediglich an die 1 Geschäftsstelle zu richten.
.................. mim» ■ i —
ineUERBUBG
über 12/fillionen OverM^-Zigaretten verbraucht. cAich die neuen frweiterungs- olnlagen haben noch nicht alleT^appheit beseitigen können.
*
<Wnn nun der Taucher mitunter vergebens nach seiner Overßol^.fragen muss,darf ersieh deshalb diejreude an seinerAfarke nicht nehmen lassen, denn gerade der schnelleWbrauch birgt einenTbryig, der bei einer^igarette nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.
*
‘Bekanntlich verliert die OrienQigarette ihrAoma,wenn sie längere^bit dem Aistrocknen ausgesetzt iÄ.
fiine neue Ol/g/^rOZZ^brikiTnEnt^ehen. Sie wird im Frühjahr 1927in Betrieb genommen.
CX) « o • H • G •
c^weifellos würde das QualitätsWiveau der deutschen^igarette gehoben,wenn sich das cdngebot desT/ändlers auf nur wenige hochwertige Porten in jederPreislage beschränken liesse.
*
Hie unzähligenAfarkemdie heute vielfach seine/ager füllen,haben durch längeres cZagem anQualitaet oft eingebüsst,bevor sie in dieT/and des Rauchers gelangen.
*
QeiCVorzug der übergroßen Nachfrage ließ fÜRj den Overftolp; Raucher in der Gewissheit, daß erfeineßgantte in denselben ßfRISCHEN3“ ßZuftand empfängt, indemfie unfere (ffibrikjverldßtf


