3# schützen Tie Sicherheit der Lander fei bedroht und deshalb liege im Augenblick die allergrößte Nachfrage nach Polizisten vor
Eine amtliche Darstellung
London, 6. Mai. (WTB. Funkspruch.) Das Regierungsorgnn ..British Gazette" gibt em offizielles Kommunique über die Lage am zweiten Streiktage heraus, in dem es heißt. Ein wesentlicher Teil des Wirtschaftslebens des Landes Ist lahm JuhIjV,' > gelegt worden. Verluste und linbegueinlichkeiten für
olle Bevölkerungsklaffen nehmen weiter zu. Es find beträchtliche '.’snrFehrunnen zur Aufrechterhaltung der Ordnung getrosten «norden Die Belieferung m i t Brenn ft offen und Lebensmitteln ist ausreichend zum Leben, wenn auch nicht ge . niigend um die Wohlfahrt des Landes für viele
Wochen oufrechtzuerhalten Die Verteilung non Milch und Lebensrnitteln wird mit Kraft fortgesetzt. Die Nation bleibt ruhig und vertrauensvoll.
3n einer Darstellung der Lage wird erklärt, k'' ■ dieser Kamps um die Macht im Staat
habe mit der Notlage des Kohlenbergbaus nichts zu tun und müsse c i n g e ft c f 11 werden, ehe man wieder von der Kohlenkrise reden könne. Besonders ausfallend ist cs nach der Ansicht der Negierung, wie gut der Eisenbahnverkehr schon wieder arbeite, obwohl der Streit erst in den Anfängen stehe. Bei allen bisherigen Streiks wäre die Bertehrslage sehr viel schlechter gewesen als heute. Die Rückwirkungen des Streiks aus die übrige arbeitende Bevölkerung die dadurch zur Arbeitseinstellung genötigt wä e, wären der Stellung der Streitleiiung abträglich. Es würde dadurch die Unzufriedenheit eines großen Teils her arbeitenden Massen mit den Maßnahmen der Gewerkschaften verstärkt, während andererseits die Hilfstruppen der Regierung dadurch zunehinen. Die Darstellung schließt mit der Feststellung, daß sich die Bevölkerung mit . Würde in das Unvermeidliche finde.
Streikdebatte im Parlament.
London, 5.Mai (TU.) Heute fand im Unterhaus in Anwesenheit des Prinzen von Wales und des Herzogs von Pork die Beratung über die Ausnahmebestimmungen statt. Auch die Arbeiterführer Herbert Smith und der Generalsetretär der Bergarbeiter E o o k waren anwesend. Der Staatssekretär des Innern Joihn- svn Hicks legte die Gesetzesvorlage zur Bestätigung der Ausnahme maßregeln vor. Er erklärte, er habe angeordnet, daß die Elektrizitätserzeugung, der Transport von flüssigen Brennswffen und die Ausrecherhaltung des Eisenbahnverkehrs als lebenswichtige öffentliche Dienste bezeichnet würden, so daß es möglich fet. zu ihrer Inganghaltung militärische Kräfte heranzuziehen. Das Jufa ■ m. «wirten zwischen den elektrischen Kraststationen in London, die aus Marineangehörigen und Freiwilligen in Gang gehalten werden, sei bewundernswert. Er schlage vor, eine bei weitem größere Anzahl von freiwilligen Hilfspolizisten einzustellen. Angesichts der damit verbundenen Schwierigkeiten habe die Polizei seinen Weisungen gemäß eine Demonstration, die heute abend im Mittelpunkt -von London unter Leitung der Kommunisten und anderer Organisationen stattfinben sollte, verboten Er bitte das Land, gegen Alarmnachrichten über Zusammenstöße und ähnliche Borfälle mißtrauisch zu fein. Er richte an alle das Ersuchen, in ihrer entschlossenen Haltung zu beharren.
Nach dein Innenminister erklärte der Arbeiterführer Henderson, die Gewerkschaftsführer seien für den Abbruch der Verhandlungen nicht verantwortlich. Er sei ebenso über die Lage beunruhigt wie feder andere. Er habe danach gestrebt, die Katastrophe möglichst zu vermeiden und trete dafür ein, daß sogar jetzt noch das Haus neue Anstren- . gungen machen möchte, um zu sehen, daß man nicht wieder an dem Punkte beginnen könnte, an dem . I man Montag nacht war. Man solle versuchen, eine Formel zu finden ,
Lloyd George erklärte, die Liberalen hielten die ' . Verordnungen unter den augenblicklichen Ver
hältnissen für notwendig. Die Regierung müsse mit mehr Macht ausgerüstet werden, die erfor- < ‘ derlich fei, um jeder Sachlage begegnen zu kön
nen. Die Unterbindung der Presse sei äußer st töricht.
{Der Arbeiterführer Thomas hob hervor, daß es sich nicht um eine gegen die Regierung gerichtete Herausforderung handele. Der Generalrat des Gewerkschaftskongresses hat Anweisung ergehen lassen, daß jeder, der zum Ungehorsam oder zur Meuterei der Truppen oder der Morine aufreize, zurückgewie- fen werden soll, denn er wünsche diese Aktion zu einem industriellen Streik und zu nichts anderem zu machen
\Der Arbeiterführer Bromley (General- sekretär der vereinigten Verbände der Lokomotiv- mafdriniften) gab zu. daß, wenn olle Hilfsquellen der Regierung gegen die Arbeiter angewendet würden, diese notwendigerweise besiegt werden würden. Aber dies würde in den nächsten Wochen noch nicht der Fall sein. Er ersuche das Hous, die furchtbaren Schäden zu er- wäaen. die dem Staate zugefügt werden würden. Der Redner zollte schließlich dem Premierminister für seine Bemühungen zur Erhaltung des Friedens Anerkennung.
Das Parlomentsmitglied C o n n o n erklärte, er bemerke in Hendersons Rede eine Stelle, die, den Wunsch oder sogar da- S'reben von seiner Seite und von seilen seiner Freunde zeige, bero Weg der Verhandlungen wieder aufzunehmen. Eonnon sagte, das Hous solle das Motto beherzigen:
Zurück vom Schlachtfeld in dos verotungszimmer. Das Ende dieses Kampfes würde dasselbe sein wie das des Weltkrieges, wo auch Sieger wie Besiegte schließlich hatten einsehen müssen, daß sie alle die Besiegten waren. Die Würde eines Mannes bedeute nichts gegenüber der Katastrophe. der das Land gegenüberstehe. Der Ar- beiterführer Clehnes sagte, er hoffe, die Debatte werde in demselben Tone fortgesetzt werden, in dem sie bisher geführt wurde.
Macdonold fragte: Will dieses Hous nicht den Willen und die Vernunft zeigen und zubchen, ob wir dice Frage nicht regeln können? Er fügte hinzu, er spreche allerdings nicht für den Gewerkschaftskongreß, sondern nur für sich selbst. Er erkenne ober, was die Folge sein r! werde, wenn die Lage so fortdauere und er er
hebe deshalb seine Stimme. Wenn er eine Zurückweisung ersahre» sollte, so Hobe er sein Bestes getan und niemand werde ihm ein.n Vorwurf machen können. —Premiermini st erBald- Win erklärte u. o.: Keine Regierung könne unter irgendwelchen ilmftänhcn e-nem ^enmlffrcif
nachgeben. 3n dem Augenblick, wo der Generalstreik bedingungslos abgesagt werde, sei die Regierung bereit, die Verhandlungen wieder aufzunehmen, die sie sicher zu einem erfolgreichen Ergebnis führen würde.
Auch im Oberhaus fand eine Erörterung über die Rotvollmachten der Regierung statt. Lord Birkenhead erklärte im Romen der Regierung, diese sei nicht bereit, zu verhandeln, solange die Drohung eines Generalstreiks das Feld behcrrjchc Die Regierung unternehme Schritte, um dafür zu sorgen, daß den Bürgern des Landes nicht die Gelegenheit vorentbalterr werde, von Tag zu Tag zu wissen, was im Lande vorgehe
Der liberale Lord Buckmaster erklärte, man stehe einer der mutwilligsten Ausübungen tyrannischer Macht gegenüber, denen dcts Land seit Jahrhunderten habe gegenübertreten müssen. Jedermann, der das ordnungsgemäße Vorgehen der Regierung schätze, werde die Rotwendigkeit einsehen, die "Regierung in der schwierigen Lage, in der sie stehe, zu unterstützen.
Die Presse in London.
Der Nachrichtenhunger des Publikums
London, 6. Mai. (W. T. D. Funkspruch). Als erstes und bisher einziges von den Londoner Morgenblättern ist heute früh in dritter Stunde die ..Times" wieder im alten Format herausgckonnnen, wenn auch nur 4 S iten stark, in einer Auflage von 700 000 Erenrplaren. Die Regierungszeitung „British Gazette" wird in einer Auflage von einer Million Stuck im ganzen Lande verbreitet. Beide Auflagen waren sofort vergriffen und sind selbst bei Behörden nur schwer zu haben. Der Rachrichten- bunger ist ungeheuer. Die Zeitungen der größeren P r o v i n z st a d t e, sind handgedruckt erschienen, zum Teil in verkleinertem Format.
Dos Gebäude der sozialistischen Zeitung „Daily Herold" wurde, während die Drucker des „Daily Herold" damit beschäftigt waren, eine Streiksoadernummer herzustellen, von einem starken Polizeiaufgebot umzingelt. Die Polizeibeamten begaben sich in d>e Druckerei, brachten die Maschinen zum Stillstand und beschlagnahmten die Ausgabe. Rach einigen Stunden jedoch erlaubte die Polizei das Drucken der Streifsonderausgabe, die betitelt ist. „Der britische Arbeiter" «..British Werker"). Sie umfaßt acht Seiten und enthält Streikberichte aus allen Teilen des Landes. Auf der ersten Seite ist eine Botschaft an alle Arbeiter abgedruckt, die hervorhebt. daß es sich um einen industriellen: Kampf handelt, und alle Mitglieder ermahnt, eine vorbildliche Haltung zu zeigen und der Polizei keine Gelegenheit zum Einschreiten zu geben. Die Botschaft sagt: Der Ausbruch irgendwelcher Unruhen würden die Aussichten auf eine erfolgreiche Beendigung des Streikes wesentlich schädigen
Die heutige Nummer der „British Gazette" wird die amtliche Mitteilung an die Drucker enthalten, daß die Regierung noch Beendigung des augenblicklichen Generalstreiks wirksame Maßnahmen ergreifen werde, um zu verhindern, daß die Gewerkschaften an irgendwelchen Arbeitern Vergeltung übten. Die Regierung werde keiner Regelung zustimmen, die nicht für die Dauer Vorsorge in dieser Hinsicht treffe Jeder Mann, der seine Pflicht gegenüber dem Lande im Augenblick der Krisis loyal erfülle, werde von dem Staat vor Vergeltungsmaßnahmen beschützt werden.
Sm Ausruf der deutschen Sergarbeiterverbände.
Essen. 5. Mai. In einer heute nachmittag in Essen stattgefundenen gemeinsamen Sitzung der vier Bergarbeiterverbande des Ruhrbezirks wurde ein Aufruf an die Bergarbeiterschaft des Ruhrbezirks gerichtet, in dem es heißt: Die englischen Bergwerksbesitzer wollen die seitherige Arbeitszeit von 7R 4 Stunden auf 83 4 Stunden erhöhen und die Hariflölne um 13 Prozent herabsetzen. Ein Sieg der englischen Unternehmer würde katastrophale Folgen für die Entwicklung des Weltkohlenmarktes sowohl als auch für die Bergarbeiter aller Länder haben. Darum haben die englischen Kameraden unsere volle Sympathie und unsere Unterstützung, soweit es in unseren Kräften liegt. Zunächst kommt es darauf an. die Einfuhr von Brennstoffen nach Großbritannien zu verhindern. Das Fahren von nicht dringend notwendigen Ueberschichten ist deshalb unter allen Umständen zu unterlassen. Weim im weiteren Verlauf des Kampfes weitere Maßnahmen sich als notwendig erweisen, werden die 'Bergarbeiter rechtzeitig dazu Stellung nehmen und ihre Entscheidungen treffen. Kameraden, laßt euch nicht durch falsche Parolen von unverantwortlicher Seite irveführen. Jede Einmischung Außenstehender wie der Parteien ist daher entschieden abzulehnen.
Sympathiekundgebungen in Rußland.
Moskau, 6. Mai. (WTV. Funkspruch.) Die Zentral-Komitees der Gewerlschaften der Seeleute und der Transportarbeiter erklärten den T e i l st r e i k in den Häfen der Sowjet- Union, die für England bestimmte Waren ausführen. Der Zentralrat der Gewerkschaften der Sowjet-Union beschloß heute, alle Gewerkschaftsmitgftederaufzusordern. ein Viertel eines Tagelohnes an die streikenden englischen Vergarbeiter abzuführen. Eine Vorschußrate wurde bereits nach London überwiesen.
Die Rückwirkungen auf Frankreich.
Paris, 6. Mai. (WTB.-Funkspruch.) Die Rachwirkungen des englischen Streikes machen sich auf den französischen Eisenbahnen bereits bemerkbar So war die Rordbahn gezwungen, von den zwölf zwischen den Kanalhäfen und Paris verkehrenden Schnellzügen 8 einzu stell en. Der Luftverkehr hat gestern zwischen Cherbourg und England eine Steigerung um 40 Prozent erfahren. In Cherbourg wird die englische Kohle, die zu Beginn der Woche mit 165 Franken gekauft wurde, jetzt mit 220 Franken verkauft.
Das Pariser Luftsahrtabkommen.
Paris, 5. Mai. (TU.) Die „Time s" teilt mit, daß die Unterzeichnung des Abkommens über die Auslegung der Luftfahrtbestimmungen, die ursprünglich heute erfolgen sollte, auf Donnerstag verschoben worden ist. Heute abend um 7 Uhr fand eine Besprechung der deutschen Delegierten mit den alliierten Sachverständigen statt. Im Verlaufe derselben wurde beschlossen, Donnerstag sowohl das Abkommen mit der Votschafterkonferenz wie auch das deutsch-französische Abkommen zu paraphieren. Die offizielle Unterzeichnung erfolgt später. Die deutschen Delegierten, Geheimrat Nord, Geheimrat Fisch und Botschaftsrat Forster, werden Ende der Woche in Berlin eintreffen. Die Tatsache der Unterzeichnung wird Donnerstag in Paris in einem kurzen Kommunique bekanntgegeben, während genaue Einzelheiten über das Abkommen in Berlin mit- geteilt werden. Soviel verlautet, ist Deutschland die Erlaubnis erteilt, eine Luftfahrtlinke über bic Schweiz nach Spanien einzurichten. Im übrigen sieht das Slbkoinmen vor, daß ein regelmäßiger Luftverkehr von Paris über Köln und Berlin eingerichtet wird.
Unruhen in Indochina.
Paris, 5. Mai. (TU.) Wie die „Liberte" meldet, ist es in Inbochina zu schweren Ausschreitungen gegen bic Franzosen gekommen; u. a. wurden ein französischer Gendarm und ein Verwaltungsbeamter von demonstrierenden Studenten überfallen und schwer mißhandelt. Das Blatt greift wegen dieser Vorgänge den französischen ©enerolgotioernenr an und sagt, er habe durch feine Politik das Ansehen Frankreichs sehr geschädigt. Die Vorgänge werden in der Kammer zur Sprache gebracht werden.
Abgewiesene amerikanische Aufwertungsklagen.
R c u h o 11, 5. Mai. (WTB.f Der oberste Gerichtshof hat unter dem Borsitz von Richter Lydon in her Klagesachc Higgins gegen die Rewyork Life 3nfurance Company, die von den Inhabern deutscher Markverbindlichkeiten in Amerika mit großem Interesse verfolgt wurde, nunmehr bic Entscheibung getroffen. Im vorliegenden Falle hatte der Inhaber einer auf Mark lautenden, in Deutschland vor dem Krieg ausgestellten Bersiche- rungspolice auf Rückzahlung des Versicherungsbetrags in derneuenGoldmark- Währung geklagt. Der Gerichtshof hat entschieden. daß, wenn überhaupt aufgrund derartiger alter Markverpflichtungen eine Verbindlichkeit bestehe, es ausschließlich Sache der deutschen Wiederaa fwertungsgesetzge- b u n g fei, über den Umfang dieser Verbindlichkeiten zu entscheiden. Deshalb sollten sich nach Ansicht des Gerichts die amerikanischen Gerichtshöfe in derartigen Streitfällen für unzustän- b i g erklären.
Rücktritt
des polnisch en Kabinetts.
Warschau, 5. Mai. lWolff.) Ministerpräsident Graf Skrzynski hat heute nachmittag dem Präsidenten der Republik den Rücktritt des gesamten Kabinetts unterbreitet. Der Präsident hat die Demission angenommen. Der Präsident der Republik berief eine Reihe von Parteiführern zu sich, um mit ihnen über die Reubildung des Kabinetts zu beraten. Als erster wurde der SZmmarschall Rataj empfangen, der dem Präsidenten über die Stimmung im Sejm berichtete. Rataj hat dem Präsidenten den Volksparteilern, Witos, D e m b s k i, den christlichen Demokraten Chond- zynski sowie den Grafen Skrzynski als mögliche Kandidaten vorgeschlagen. In Sejm- frelfen erwartet man. daß die Wahl des Präsidenten auf eine der vier von Rataj genannten Persönlichkeiten fallen wird und zwar mit Rücksicht auf die wirtschaftliche und valutarische Lage möglichst bald.
Erschießung ungetreuer Sowjet-Beamter.
Moskau, 6. Mai. (WTB.-Funkfpruch.) Durch Beschluß des durch Regierungsverordnung von 1923 mit besonderen Vollmachten zur Bekämpfung von Amtsverbrechen ausgestatteten Kollegium wurden heute 3 höhere Beamte der Valuta-Abteilung des Finanzamts-Kommissariats erschossen. Sie standen an der Spitze einer Gruppe von Börsenspekulanten, die durch Herbeiführung einer gesteigerten Nachfrage nach Geld und ausländischer Valuta auf die Senkung des Kurses der Staatspapiere hinarbeiteten.
Kleine politische Nachrichten.
Der Reichstag beschäftigte sich mit den Anträgen zur vollständigen Aufhebung des Aus- nah mezu st andes in Boyern. Die Anträge des Rechtsausschusses auf Ablehnung beider Anträge und Annahme einer Entschließung, in der die Rcichsregienmg ersucht wird, so schnell wie möglich den Entwurf zur Errichtung eines Reichs- verwaltungsgerichthof'es vorzulegen, werden angenommen. Ferner wird eine Entschließung angenommen, in der die Regierung um einen umfassenden Wohnungsbauplan ersucht wird. In namentlicher Abstimmung wird dann ein Antrag angenommen, der die Regierung um schleunige Vorlage eines Wohnungsheim st ättengesetzes im Sinne des bodenreformerischen Entwurfs des ständigen Beirats ersucht. Es folgt schließlich eine Debatte über die Milderung der Abtreibungsparagraphen
Der Reichstagsausschuß zur Förderung der Leibesübungen hielt eine Sitzung ab, in der Generalsekretär Dr. Diez vom Reichsausschuß für Leibesübungen ein Referat über die tägliche Turnstunde hielt. Er erörterte dabei, die Bedeutung einer solchen Einrichtung für die Körper Kräftigung und die Charakterbildung. In der ausgedehnten Aussprache ergab sich die einmütige Auffassung des Ausschusses für die Einführung der täglichen Turnstunde.
Der Landesvorstand der Sozialdemokratischen Partei Hessens hat auf den 5. unb 6. Just! einen Landesparteitag nach Rlzcy einberufen. Aus der Tagesordnung steht u. a ein Vortrog des Landtagsabgeordneten Kaul i'.ut dem Titel: Die Reualiederung des Reiches, bzw. bic Ausgabe Der Eigenstaatlichkeit Hessens.
Die Vorstanbswohl her Zentrumspartei ergab ble Wohl von Bell. Esser, Gisberts, Herold, Joos, Klöckner und tt'itska.
*
Dos Zentralkomitee der KPD. hat die loni- munisttschen Reichste gsabgeordneten Korsch unb Schwarz am 30. April oufgeforbert. bis zum Montog, 3. Mai, ihre Reichstagsman- bate niederzulegen. Da bic beiden Abgeordneten dieser Aufforderung die auf politische Gründe zurückzuführen ist, nicht nachgekommen find, gelten sie als aus der Partei ausgeschlossen.
Dos Politische Bureau der KPD. hat am Mittwoch nachmittag den Beschluß gefaßt, zwei weitere Abgeordnete, nämlich Losson irnb Lockingen, die beide rheinische Wahlbezirke vertreten, auszuschließen. Als Grund für diese Maßnahme wird angegeben, daß beide zusammen mit Iwan Katz gegen die Zentrale gearbeitet hätten.
Bei der deutschen Gesandtschaft in Wien laufen unausgesetzt Beiteidskundgebungen zu dem Hinscheiden des deutschen Gesandten Dr. Pfeiffer ein. Am Dienstag vormittag ließ auch Bundespräsident Dr. H a i n i s ch sein Beileid aussprechen. Bundeskanzter Dr Ramek hat an den Reichsaußenminister Dr. Stvefemann ein Beileidstelegramm gerichtet.
Der deutsche Kreuzer „Hamburg", der in San Salvador einen Besuch abstattete, ist von der Regierung herzlich empfangen worden und war während seines Aufenthaltes Gegenstand besonderer Aufmerksamkeiten, an ö-enen auch die deutsche Kolonie regen Anteil nahm.
Aus aller Welt.
Die „Rorge".
Amundsens Rordpolluftschift „Rorge" ist am Mittwoch früh von Leningrad aufgestiegen und am Donnerstag früh 4.30 Tlhr in Vodsoe (Rorwegen) eingetroffen, von wo es noch Spitzbergen weiterfohren wird.
Schwere Autounfalle.
Auf der Straße Kassel — Hann.- Mün - den fuhren im Nebel zwei kurz hintereinander fah- rede, von Honn.-Dkunden nach Kassel laufende Autos in einer Kurve auf einen von Kassel kommenden Kraftwagen auf. Alle drei Autos wurden zertrümmert. Einer der Fahrer wurde sofort getötet, sieben andere Personen schwer verletzt. Zwei Tage vorher hatte sich an der gleichen Stelle ein Krast- wagenunglück dadurch ereignet, daß gleichfalls zwei Kraftwagen aufeinander fuhren, wobei ein Kasseler Bäckermeister schwer, drei andere Mitfahrer leicht verletzt wurden. — Auch bei Saarbrücken ereignete sich ein entsetzliches Unglück. Der Vertreter Ludwig Horbach aus Baus, ein Mann von etwa 50 Jahren, Vater von vier Kindern, wurde in der Nähe des Gaswerks auf feinem Fahrrad von einem Geschäftsauto überfahren, das nach Aussage eines Augenzeugen mit einer Geschwindigkeit von über 40 Kilometer fuhr. Dos Auto hielt nicht, sondern drückte den Radler noch etwa 300 Meter vor sich her. Ein zuverlässiger Augenzeuge will gesehen haben, daß der Wagen führer sogar Vollgas gab, um vermutlich zu entkommen. Ein im eigenen Auto vorausfahrender Arzt veranlaßte den nachkommenden Wagen, zu holten, so daß die entsetzlich zugerichtete Leiche endlich aus ihrer Lage befreit werde konnte. Der Wagenführer wurde verhaftet.
Wettervoraussage.
Rorbwestliche Winde, kühl, halb bis ganz bedeckt, noch strichweise Regenfälte.
Die gestern über Sübnvrwcgen liegende Ch- clone Hot sich sehr schnell südlich ausgebreitet. Die auf ihrer Westseite in verstärktem Maße südwärts strömende nördliche bis westliche Lust hat zu strichweisen Reaenfällen über den britischen Inseln unb auf dem Kontinent bis westlich der Elbe geführt, llnfgr Bezirk bleibt auf der Rückseite der Störungen "und unter dem Einfluß von nördlicher bis westlicher Luft.
Gestrige Lagestemperaturen: Maximum 14,4, Minimum 4.5 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur: 6,4 Grad CelsiuS.
- — - ...----1— —
Aus der Provinzialhauptstadt.
Gi e tz e n, den 6. Mai 1926.
Die SonDer-Gebäudefteuer in Hessen.
Steuerbefreiungen. — Erleichterungen.
Vom Presieamt des hessischen Staatsministeriums wird mitgeteilt:
Die neue Verordnung über die Sonder-Ge- bäubefteuer vom 10. Mörz 1926, die bekanntlich auf den Zwang der Reichsgesetzgebung zurück- zufiihren ist, enthält eine Anzahl Steuerbefreiungen und Erleichterungen, die zur besseren Uebersicht für den Steuerpflichtigen hier zu- sammengestellt seien:
1. Artikel 6 schreibt vor, daß Einfamilienhäuser, die vor dem 1. Juli 1918 bezugsfertig hergestellt und zu diesem Zeitpunkt mit nicht mehr als 20 v. H. des Friedenswertes belastet waren, a u f A n trag von der Steuer freizustellen sind, sofern sic ausschließlich vom Eigentümer und feiner Familie bewohnt werben und die Wohnfläche nicht mehr als 70 Quadratmeter beträgt. Die Freistellung wird nicht dadurch ausgeschlossen, daß das Einfamstienwohnhaus zum geringen Teil auf Grund behördlicher Maßnahmen vermietet worden Ist.
2. Im Artikel 7 sind Bestimmungen über dit Erweiterung der steuerlichen Vergünstigungsoor- fchriften des feicherigen § 28 Absatz 5 der Dritten Steuernotverordnung enthalten. Dis seitherigen Vorschriften begünstigten nur diejenigen Steuerpflichtigen, deren Anwesen am 1. Juli 1914 nicht belastet ober gering belastet waren: statt dessen gilt jetzt der 31. Dezember 1918 als Stichtag. Die Vergünstigung konnte seither eintreten, wenn die Belastung nicht höher als 20 Prozent des Gesamtwertes eines Grundstücks war. Jetzt ist die Belastungsgrenze auf 30 Prozent des Friedenswertes festgesetzt. Nach der Reichsvorschrift mußten aber die Ermäßigungen in der neuen Verordnung abgestellt werben auf Hundertteile des Friedens- m e r t = gegenüber seither Friedens miete. Bei Grundstücken, deren dingliche privatrechtliche Belastung nicht mehr als 30 v. H. betrug, ist der Betrag der Steuer (Staats- unb Gemeindesteuer) auf Antrag des Eigentümers auf 1,75 o H. des Frie-
dv- bei ' n>trt
Lott
3
Über fit geb- kam hob
im irnb tun;
bete'
gena f.iqrf trag1 der
artig
Stck stav!
fennf uiib < kverts die 4 P' «eijp ertön torid) jung €teut onstai jt, M (tnnäl r(* Tliet tetif
Je Sellm die mi den | Mei
Rur wenn Kurze verhä die ir derart fn de tragen Zeit jung onzus Frage hem nungs, btmofjt benmt, nähme nicht au unb M Bediem
5.8 bei ge kann l Gebaut Eichen! rer Art
Ve
Am «achmtt Deuenw Darzahb
1 AI
Sreti
m
l-rschi
IHv, bchrri
3 Aii lchrär
1 6f)i Ahn Kredk
2 N 22 Sc
131, (4% aööifii «'Mn
bil lliliti


