chrichten. lerinSarmM. ii- $riu.=Iel.) lieber bo. ung des Jeullchei' Us am Donnerstag und rfahren wir noch jolqtnbt kanzler ür. Luther der allgemeine Wirtjchas^ , her Reichrbanlprüsideiu bitreguüerung unb (Imu ungsmmifter Dr.
ber heutigen Landw" Minister Dr. Astrin ft/.' t, ist noä) uncrc# (?■ \d)ieben\ttn EruM brr u Worte kommen, n $ er deutschen fianbtls mb Hebet die Lchutzzch^r n ?) IGiehens, über bie 6m finnbelspolitil Regietun?: ; j di c r. $5 folgen Referoli imb Öarlenbau. Weinbau, oggen- unb fiarloifelbflu. Idjprobultion.
Propaganda liyland.
IU.) Die Komintern (Äon iD[ej oetöffentlicht einer ie englischen Arbei BL baß jcijl bie letzl- schen Kapital,smu- englischen Arbeiter muhte e der englischen Reg.em hren Forderungen be lM für die nächste Zeit ein, ' P°rtei. die M 3» Pottei führen wurde. njiirbc bann einen W foziolistifchen 6b*
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Bt. 105 Erstes Blatt
176. Jahrgang
vsnnerstsg, 6. Mal 1026
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Der englische Generalstreik.
Seien mir doch ehrlich und geben mir äu, daß niemand von uns im Ernst daran geglaubt hat, der Lohnstreit -mischen den Bergarbeitern und den Bergherren könne sich in England bis zum Letzten und Aeuhersten zuspitzen. Dazu haben mir alle vor diesem Voll der nationalen Disziplin und des nationalen Stolzes zu viel Respekt, als daß mir glauben könnten, gerade in seinen Reihen mürbe eine Disziplinlosigkeit möglich sein, die bei jedem Ausgang das Volksganze doch nur aufs schmerste schädigen könnte. Und nun ist es doch someit gekommen! Diel leicht haben diejenigen Recht, die behaupten, daß eigentlich niemand in London den Streik gewollt habe, daß vielmehr die Parteien durch taktisches Ungeschick in den ganzen Streik hin ein geschliddert sind, ebenso wie Deutschland 1914 in den Weltkrieg. Das kann schon richtig sein. Wenn man einmal die Phasen des ganzen Streites der letzten Monate sich ansieht, so muß man immer mehr zu der Ueberzeugung kommen, daß die Bergherren auf eine Nachgiebigkeit der Arbeiter, die Arbeiter auf ein Entgegenkommen der Arbeitnehmer und beide Parteien schließlich mieder auf die Regierung spekuliert haben, die es n i ch t s o w e i t k o m - men lassen, sondern in zwölfter Stunde doch wieder vorziehen würde, einige hundert Millionen aus den Staatskassen zu opfern, nur um den Wirtschaftsfrieden zu sichern. Jedenfalls ist das Wort oon einer Theaterschlacht, die drüben aufgeführt werden sollte, nicht ganz abwegig, nur daß die Akteure zuletzt die Herrschaft über sich selbst verloren und aus dem Spiel bitterer E r n st wurde.
Was nun werden soll? Baldwin hat die unheilvollsten Möglichkeiten an die Wand gemalt. Er hat davon gesprochen, daß England so nahe v o r e i n e m Bürgerkrieg stände, wie niemals, daß es sich jetzt nicht mehr um einige Pfennige Lohn, sondern um die Freiheit des Volkes handle. Darin sieht er die Dinge richtig. Die Bergarbeiter haben sehr schnell herausgefühlt, daß sie die Zeche zu zahlen haben würden, falls sie allein blieben, daß sie Aussicht hätten, sich durchzusetzen nur, wenn alle übrigen Arbeiter ihnen beispringen. So ist aus dem Bergarbeiterstreik der General ft reif geworden, der jetzt, wo er ernst wird, auf beiden Seiten mit großer Zähigkeit und dem Aufwand ernster Energie geführt wird. Gerade weil aber das so ist, bleibt in der Tat die Gefahr vorhanden, bah beide Parteien sich ineinander festbeißen und schließlich eine gewaltsame Auseinandersetzung unvermeidlich ist, die alles niederreißt, was eine erstaunliche Willenskraft im Laufe oon Jahrhunderten aufgebaut hat. Im Grunde genommen ist es ja kein Zufall, daß die größte Gewaltprobe, vor der die englische Wirtschaft sich sieht, gerade vom Kohlenbergbau den Ausgang nimmt. Nicht etwa deshalb, weil er die stärkste Triebkraft britischer Energie ist, sondern weil er typisch ist für die Verschiebung, die sich innerhalb des letzten Vierteljahrhunderts ein = geleitet hat. Mit den Kohlen hat ihr Weltgefchäft begonnen, die Kohlen sind ein Stück ihres Nationalbesitzes. Gerade hier zeigt sich die ganze Stupidität, womit sie an dem Grundsatz ihrer Ueberlegenheit festhalten. Ueberall auf der ganzen Erde hat man aus dem Kriege und der ökonomischen Verschiebung Konsequenzen gezogen, nur in England nicht.
Ueberall sind die Betriebe modernisiert, zusammengelegt und durch Einschweißung in Trusts rentabel gemacht worden. Die Engländer glaubten, sie hätten das nicht nötig. Der Bergherr arbeitet heute noch nach längst überalterten Methoden. Er kennt keine großen Gesellschaften, dreitausend Bergbetriebe arbeiten nebeneinander her, auch der kleinste von ihnen beansprucht noch feinen Nutzen, obwohl er von den Grundlagen der Wirtschaftlichkeit meilenweit entfernt ist. An eine Stillegung der Zeche will er nicht glauben, so verlangt er entweder, daß der Staat Zuschüsse leistet oder der Arbeiter weniger Geld bekommt, nur damit alles beim Alten bleibt. Der Arbeiter wieder schwört darauf, daß nur der Bergherr zu viel verdienen will, der Arbeiter glaubt einfach nicht daran, daß wir an einer Heber* Produktion oon Kohlen auf der Welt leiden, daß in Deutschland und in anderen Erdteilen der Betrieb
moderner und billiger gestaltet ist, als in Wales, er hält es für selbstverständlich, daß er die höchsten Löhne bekommt und mit Verachtung auf die Arbeiter anderer Länder herunterguckt. Hier liegt der wahre • Keim für den großen Konflikt: in der S e l b ft g e f ä 11 i g f e i t, womit Altengland von feiner Gottähnlichkeit überzeugt ist, in dem Mangel an der Erkenntnis, daß Stillstand allein Rückschritt bebeutet. Und so rasch wird es auch nicht gehen, bis England die Folgen des Krieges begreift. Deswegen bleibt es nicht ausgeschlossen, daß der Generalstreik nur der Anfang einer langen Reihe schwerer Lohnkämpfe bedeutet, die einen starken Teil des Volksvermögens zwischen sich zermahlen und gerade deswegen so unheilvolle Folgen haben, weil sie die englische Entwicklung aus ihrer gesunden Bahn auf Irrwege abdrängen.
Der zweite Streiktag
ZU. London, 6. Mai. Die Streiklage ist unverändert. An einigen Punkten des Kohlenreviers werden die Nahrungsmittel knapp. Die Vorräte reichen in einem Fall nur bis Ende dieser Woche. In Liverpool ist ein Versuch, die Elektrizitätswerke zur Arbeitseinstellung zu veranlassen. mißglückt. Aus London ist nichts neues zu berichten. Dichter Nebel erschwerte in den Mittagsstunden den Verkehr.
-Der Londoner Zugverkehr kommt allmählich wieder in Gang, wenn auch mit erheblichen Einschränkungen. Einige Unter* grundbahnlinien hoffen spätestens Freitag wieder imstande zu sein, einen regelmäßigen Zugverkehr durchführen zu können. Auch die Züge nach außerhalb vermehren sich. Der Transport der Fische aus den Seehäfen ist jetzt vollständig organisiert. Es ist gelungen, den größten Teil der vorgestrigen Fänge mit Hilfe von Lastkraftwagen abjum importieren. Aus Manchester und Glasgow wird gemeldet, daß der Streik dort vollständig durchgeführt ist, nirgends werden jedoch ernste Zusammenstöße gemeldet. In Gewerkschaftsktclsmi hat man. wie von der Streikleitung mitgeteilt wird, außerordentlich scharfe Vorschriften gegen Gewaltmaßnahmen und Heber griffe gegen die Staatsgewalt erlassen.
Die Meldungen von Freiwilligen nehmen, wie amtlich gemeldet wird, neuerdings stark zu. Das wird darauf zurückgeführt, daß die Stimmung im Publikum, das bisher verhältnismäßig teilnahmslos war, umgeschlagen ist und allgemein jetzt erkannt wird, daß etwas Durchgreifendes gegen den Generalstreck geschehen muß. Der Postverkehr ist voll im Gange. Die Briefe werden dreimal täglich ausgetragen. Flugzeuge werden in steigendem Maße zur Briefbeförderung verwendet. In London sind genügend Vorräte von Fleisch in den Kühlhallen vorhanden. Es bestehen aber erhebliche Schwierigkeiten, um genügend Arbeitskräfte zu ihrer Herausgabe an die Kunden zu finden. Es haben sich auch Sabotageakte bei dem Betrieb der Fleischaufzüge bemerkbar gemach', die zu Störungen führten, die jedoch sofort beseitigt worden sind. Das Kühlhauspersonal streikt. Gestern abend hat die Vereinigung der A u t o d r o s ch - kenführer beschlossen, lich um Mitternacht dem Generalstreik anzuschließen. In verschiedenen Orten kam es im Laufe des gestrigen Tages zu
Ausschreitungen
3n D'.wningham hielten mehrere Männer ein Auto an. vertrieben die Insassen und zerschnitten die Gummireifen. Der Führer, der Widerstand leistete, wurde schwer mißhandelt. In Leeds wurden die Insassen rinen Straßenbahnwagens mit Steinen bombardiert. Die atlantische Flotte sollte am Dienstag Portsmouth zu einer Sommerkreuzfahrt verlassen. Aus Anlaß des Streikes gingen aber nur die äl-Doote und Zerstörer in See. Diele Offiziere sind für bpx Dienst auf dem Lande abkommandiert worden.
Oie Streikleitung gibt täglich erscheinende Nachrichten über die Streiklage heraus. Darin wird gegenüber der Darstellung der Negierung darauf hing wiesen, daß es sich um einen wirtschaftlichen Kampf handle Die Streikenden werden vor Mebergriffen gewarnt, die der Polizei ein Eingreifen erelichtem könnten, da ja die Ruhestörungen die Aussichten für den Erfolg das Streiks schädigen. Heber die 'Beurteilung des Streiks in Deutschland wird in den Nachrichten gesagt, die deutsche öffentliche Meinung sei zunächst erfreut gewesen, als ise die erstaunliche Nachricht eines Generalstreiks in England hörte. Man habe „Schadenfreude" emp fanden, weil man in Deutschland alle diese Dinge früher durchgekämpft habe, ohne irgend welcher Synipathie begegnet zu fein. Man hoffe, daß der Kampf den Engländern die Augen darüber öffne, daß der der Engländer nicht allein in der Welt sei und daß man feine Fortschritte erwarten dürfe, solange nicht die Industrieländer Hand in Hand arbeiten.
Vor Wiederausnahme der Verhandtungen?
London, 6. Mai. (TU.) Nach einer von Kei ter verbreiteten Meldung sind im Anschluß an die Unterhaussihung am Mittwoch unverbindliche Besprechungen über die wiederauj nähme der Verhandlungen zwischen den Parteien im Kohlenbergbau von parlamentarische. Seite her angebahnt worden. Zwischen Macdo n a I b und den Bergarbeiterführern Smith un Cook soll eine längere Unterredung ftattgefunben haben. Ferner verlautet, baß Lloyb George einen Vermittlungsvorschlag ausgearbeitet hat, fu dessen Annahme er sich die Mitarbeit maßgebende: Persönlichkeiten gesichert ybben soll. Der Vollzugsausschuß der Bergarbeiter hielt heute nachmittag eine zweistündige Sitzung ab unb vertagte sich bann auf morgen früh. (Eine offizielle Mitteilung würbe nach Schluß ber verhanblungen nicht ausgegeben verschiedene Mitglieder des Ausschusses erklärten ater, daß bie Lage unoeränberf sei, unb daß keine sofortige Aenberung erwartet werde. Um Mitternacht verlautet, bah Macdonald soeben zu einer Konferenz zu bem Premierminister B a I b- w i n berufen würbe, um mit ihm über eine etwaige Beilegung des Streikes zu verhandeln.
Eine Regierungsbotschaft
London, 6. Mai. (WTB.-Funkspruch.) Baldwin veröffentlicht in ber Regierungszeitung „British Gazette" eine Sonderbotschaft, in der noch ein mal mit folgenden Worten auf die Bedeutung des Streiks hingewiesen wird: „Die verfajsungs mäßige Regierung wird angegriffen. Alle guten Bürger, deren Lebensstellung und Arbeit gefährdet wird, ertragen mit Mut und Geduld die Mühseligkeiten, denen sie sich gegenwärtig gegen übersehen. Steht hinter der Regierung, die ihre Pflicht tut, indem ihr darauf vertraut und ihr bei Maßnahmen helft, die die Regierung zur Sicherung der Freiheit und der Rechte des eng lifchen Volkes getroffen hat. Die Gesetze Englands sind das Geburtsrecht der Nation. Wir haben für ihre Bewahrung zu sorgen. Das Parlament ist ihr Schutzherr. Aber der Generalstreik ist eine Herausforderung des Parlaments und der Weg zu Anarchie und Verderben."
Der englische 3nnenminifter Sir Ioynson Hicks richtete durch den englischen Rundfunk einen Appell an die ganze englische Nation, sich zum Schutz ber öffentlichen Sicherheit zahlreich zur Verfügung zu stellen. Alle größeren Unternehmungen hätten ihre Angestellten und Beamten, soweit sie sie entbehren könnten, zur Verfügung ae- stellt. Man brauche indessen noch weitere Kräfte. Die Regierung werde nichts unterlassen, um das Land
Der Oriaggenerittij.
Berlin, 5. Mal. (MTB.) Amtlich. Durch eine heute vom Herrn Reichspräsidenten vollzogene Verordnung ist in Ergänzung ber Berechnung über bie beutschen J l a g - gen vom 11. April 1921 bestirnt worben, baß in gesanbtschastlichen unb konsularischen Behörben des Reiches an außereuropäischen Plätzen unb an solchen europäischen Plätzen, bie von £ee- hanbelsschlsfen angelaufen werden, künftighin neben ber Dien st flagge ber Relchsbehörben (Schwarzrotgolb mit bem Reichsfchildj auch bie verfassungsmäßige Handelsflagge führen. Gleichzeitig ist bie Dienstflagge ber Relchsbehörben zur See, um eine flärfere Betonung ber Reichsfarben zu erzielen, durch eine schwarzrotgoldene Gösch, nach Art der Handelsflagge ergänzt morden
Die vorstehend gekennzeichnete Verordnung hat keinerlei politische, sondern nur eine praktische Bedeutung. Sie schränkt die Verwendung ber Reichsfarben bei ben Auslandbehör- ben nicht ein, bringt sie vielmehr durch Einführung der schwarzrotgoldenen Gösch in die Dienffflagge der Reichsbehörden zur See verstärkt zur Anwendung. Die Verordnung ist veranlaßt worden durch den Umstand, daß nach den übereinstimmenden Berichten der in Frage kommenden deutschen Aus- landstellen die bestehende Verschiedenheit in den Flaggen der deutschen handelsschifse und der amtlichen Reichsvertretung als unerträglich empfunden wird. Sowohl von amtlichen wie von privaten Kreisen wird es als geboten bezeichnet, diese Verschiedenheit, die zu vielen Mihverständ- nissen und Unstimmigkeiten Anlaß gegeben hat, auszugleichen. Diesen Ausgleich will die Verordnung in erster Linie erreichen. Ferner soll aber die Verordnung dazu beifragen, die verständnisvolle Zusammenarbeit der A u s l a n d d e n t s che n mit den amtlichen Bertcefungen des Reiches i m Anstande, namentlich in tieberfee, zu fordern, hier sind wegen dieser Flaggendisferen; vielfach Gegensätze aufgetrefen. die den Interesten des Reiches und dem Ansehen des Deutschtums im Ausland abträglich sind. In dieser Beziehung soll die Berorbnung eine Brücke bilben zu einer besseren Verständigung und einer engeren Zusammenarbeit am wirtschaftlichen Wiederaufbau.
Die Stellung der Linksparteien.
Berlin, 5. Mai. (BDZ.) Die demokratische Neichstagsfraktion hielt nach Schluß der Plenarsitzung eine Sitzung ab, in der sie gegen die Flaggenverordnung entfliehen Stellung nahm. Die Parteien seien durch diese Verordnung überrumpelt worden. Auch die Abschwächung. daß die Verordnung auf die Hafenstädte und die nur zu Schliff erreichbaren überseeischen Plätze beschränkt werde, genüge nicht. Die demokratische Fraktion faßte daher einstimmig folgenden Beschluß: „Die Fraktion ist mit der Verordnung zur Flaggenfrage nicht einverstanden." Der Beschluß wird sofort den anderen Negierungsparteien mitgeteilt. Welche Konsequenzen sich für die demokratische Fraktion weiter aus diesem Entschluß ergeben werden, steht noch nicht fest. Der Parteivorst and der Demokratischen Partei ist für Montag, den 10. Mai, einberusen worden. Voraussichtlich wird auch der' Parteiausschuß noch einberufen werden.
Die sozialdemokratische Reichslagsfraktion beschloß zur Flaggenfrage eine Interpellation einzubringen, und zwar in der Form, daß bei der Regierung angefragt wird, ob die betreffende Verordnung erlassen sei, und daß zum Schlüsse erklärt wird, daß der Reichstag ihn mißbillige.
Die Auffassung der Zentrumsfraktion des Reichstages, die sich nach der Plenarsitzung bis 9 Uhr abends mit der Flaggenfrage beschäftigte. kommt in folgendem Kommunique zum Ausdruck: „Die Zentrumsfraktion des Reichstages bedauert den Erlaß der Verordnung m der Flaggen frage und lehnt jede Verantwortung für die politischen Folgen ab.“
Berliner yressestinmen
Die Flaggenverorbnung findet die Billigung der deutschnationalen Zeitungen, wenn diese auch bemängeln, daß sie gegenüber dem ursprünglichen Plane insofern eine Konzestivn an die republikanischen Parteien darstellt, dph sie nur für d i e außereuropäischen Plätze, die von Seehandelsschiffen angelaufen werden. Geltung haben soll.
Die „Tägliche Runbschau" hebt hervor, daß Rcichsiusttzminister Marx und Reichs- arbeitsmlnister Brauns ebenso fest zu dem Kabinettsbeschluß über die Verordnung standen wie die demokratischen Minister Dr. Külz und Dr. Reinhold. Das Blatt wendet sich dann dagegen, die Angelegenheit zu einer politischen Frage zu machen da es sich hier um eine reine Zweckmäßigtcitsfrage und eine Frage des deutschen Ansehe .s im Auslande handle, die man mit Parteipolitit nicht verquicken sollte. Zur Entrüstung liege auch nichl der geringste Grurrd vor. da die H mdelsflagge in der Reichsverfassung ebenso fest verantert ist. wie die Reichsfarben Schwarzrot-'vld. Durch die Verordnung werde sogar den Anhängern oon Schwarzweihrot insofern ein Zugeständnis zugemutet, als auch die schwarzweißrote Dienstflagge der Reichsbehörden zur See in Zukunft mit der schwarzrotgoldenen Gösch versehen werden soll.
Das demotratlsche „D. T." spricht von einer ^Lgieiungstrise, die über Nacht in einer
Frage entstanden sei, deren Aufwerfung in diesem Augenblick völlig sinnlos und überflüssig gewesen sei. In der demokratischen Reichstagsfraktion sei gestern eine äußerst starke Mißstimmung gegenüber der Regierung zum Ausdruck gekommen unb einstimmig fei die Ansicht vertreten worden, daß die Verantwortung für diese Art der Ge° schäftsfiihrung nicht länger getragen werden könne.
Die „Germania" richtet ihre Angriffe hauptsächlich gegen ben Reichskanzler. Das Zentrumsblatt schreibt: Das Vertrauen des Zentrums für ben Reichskanzler Dr. Luther hat einen Stoß erhalten, ber nicht ohne Einfluß bleiben kann auf bas Verhältnis bet Partei zu dem gegenwärtigen Chef ber Regierung. Sieben Jahre lang hat sich bas deutsche Volk eingebildet, unter parlamentarischem Regime zu leben. Dr. 2ut$er i$ gerade dabei, dem deutschen Volke zu zeigen, daß wir nach wie vor unter bem Regime der Geheimräte leben.
Der Reichsinnenrninifter zum I^laygenerkatz.
Berlin, 5. Mai. Der demokratische Reichsinnenminister Dr. ft ü 1; erklärte einem Mitarbeiter des „Acht-tihr-Abendblaties" über die Flaggenverordnung: Die rechtliche Grundlage für die Flaggenverordnung fei ohne jede Frage gegeben. Es handele sich lediglich um die Verwendung der In der Verfassung vorgesehenen Handelsflagge als Dien st flagge für die ausländlschen Missionen. Dies sei ein
reiner Verwaltungsakt des Reichspräsidenten, den auch schon der verstorbene Reichspräsident Ebert geplant habe. Die Verordnung bedeute eine Stärkung und Ausdehnung der verfassungsmäßigen Reichsfarben und sei weit eher ein Vorstoß gegen die alten Farben.
Der Slrbeitsausschuß deutscher Verbände.
?ünf Itthre KttMyf geizen Krie.^s- schuldlüge tttid Persailler Diktat.
Berlin. 5. Mai lTäl.i A'^s Anlaß beS fünfjährigen ^stehens des Arbeitsausschusses deutscher Verbände ber anerkannten Spitze-rorg- nifation gegen Kriegs sch ulblüge unb Versailler Diftat. hatte fein Präsident Gouverneur Exz. Dr. Schnee. Milelieb des Reichstages, zu einem Frühstück ringelnden. Der Einladurrg waren von ber Reichsregierung ber Reichskanzler und ber Reichsaußenminister gefolgt. Ferner waren erschienen ber Staatssekretär ber Reichskanzlei, Kempner. ber Reichspreskechri Dr. Kiep. Ministerialrat Stf gen vorn preußischen Innenministerium und zahlreiche führenbeMänner aus Hanbel unb Wirtschaft unb Vertreter ber bem Arbeitsausschuß angehörenben Verbände. Nach einer kurzen T?grüßun---sansprache. in ber Exz. Schnee auf bie bisherigen Er.olge ber Arbeit und bie zukünftigen Aufgaben des Arbettsausschusses
deutscher Verbände hiuwies. sprach Re ick-s- kanzler Dr. Luther bie besondere Anerkennung ber Reichsregierung für bie von echtem vaterländischen Geiste getragene Tätigkeit des Arbeitsausschusses deutscher Verbände aus. Er gab ber Hossuunz Ausdruck, daß bie Aufklärungsarbeit in der bisherigen We'se fortgesetzt, dazu führen werde, der Wahrheit in der Kriegsschulbfrage zum Siege zu verhelfen.
Der Kutisker-Drozeß
Berlin, 5. Mai. (TU.) Im Kuttskerprozeß satzte der Prokurist Zahn, ber bei einer Tochtergesellschaft Kutiskers ongestellt mar, aus, daß er aus Veranlassung von Blau mehrere Blankowechsel unterzeichnet habe, die nur zum inneren G e brauch der Steinbank bestimmt sein sollten. Frühere Angestellte Kutiskers bekundeten hierauf, sie hätten ohne große Bedenken auf Wunsch die Wechsel unterschrieben, weil sie der Auffasf'.'ng waren, die Wechsel seien nur für den inneren Bc trieb bestimmt, und weil Kutisker allgemein als sei), reich galt. Die Zeugen stellten durchweg Kutlsler das beste Zeugnis aus. Nach seiner Verhaftung feie" alle Angestellten unb Unterdirektoren von Äv.tiffe* - Unschuld überzeugt gewesen. Zeuge M^jor o. T Werner, einer der Angestellten Kutisters, sagte aus, er habe von Holzmann den allerschlechtesien Eindruck gehabt, da dieser gegen Kutisker erpre.’ic= risch oorgegangen sei. Die Verhandlungen wurden dann auf Donnerstag vertagt.


