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n 4. Februar 1926, amt Friedberg.
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Sein oder Nichtsein.
(Ein Kriminalroman von der Wasserkante.
Von Moritz Schäfer.
14. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
XI.
Als Hinriks bei Lorenzen eintrat, fuhr der Bankier nervös zusammen. Er hatte wieder einmal hinter seinen Büchern gesessen und klappte jetzt die großen Folianten ärgerlich zu. „Nehmen Sie mir's nicht übel, Hinriks/ sagte er, „aber Sie haben eine Art hereinzupoltern —'
„Ich habe geklopft, mein Lieber; aber wenn Sie nicht geruhen, „Herein" zu rufen, dann bin ich so frei und bediene mch selbst. Das soll wohl so sein bei guten Bekannten! Darum feine Feindschaft nicht!"
Rasch versöhnt, reichte Lorenzen dem Alten die Hand und führte ihn zu einem Klubsessel. „Womit kann ich Ihnen denn noch zu so später Stunde dienen, Kapitän?"
„Ich wollte nur fragen, ob Sie mir Auskunft geben können, wie das nun eigentlich steht mit meinem schwimmenden Namensvetter, dem „Otto Hinriks."
„Ja, lieber Freund, warum fragen Sie da nicht die Besitzer? Wie kann i ch wissen —"
„Natürlich können Sie wißen — gerade S i e müssen das wissen, nämlich, wie das Schiff seine Schuldner bezahlt. Herrgott, ich weiß mich natürlich nicht so auszudrücken; aber da gibt's doch eine Art Hypotheken, nich?"
„Ach so, die Schiffsparten meinen Sie, Onkel Hinriks?"
„Ja."
„Und Sie wollen wissen, wie die stehen?"
„Jawoll."
„Na, warten Sie mal. Die Recknagelschen Parten werden an der Börse nicht gehandelt. Aber sie haben im freien Verkehr ganz nett verdient." Er schlug eine Lifte nach und sagte: „Otto Hinriks, Stückwert zu nominell tausend Monk, notierten gestern in Hamburg 960 000 Prozent."
„Hm. Wenn man zu zwanzig so 'ne Parten hat, wieviel sind denn die zusammen wert?"
„192 Millionen, Kaptein."
Hr. 51 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessens Samstag, 6. Februar 1926
Der Ursprung des Udootsllrieges. Nene Tirpitzsche Dokumente.
Don Dr. Fritz Kern, o. Professor der Geschichte an der Universität Bonn.
Der öffentlichen Meinung des Sn- und Auslandes gilt zumeist Tirpitz als der Urheoer res Albootkrieges. Wie cs damit m Wirklichkeit steht, soll die nachfolgende aktenmaßige Schilderung zeigen. Wenn die Veröffentlichung der^ Alten, soweit sie den Krieg betreffen, bisycr nicht möglich gewesen ist. so liegen dafür nur äußere SchwBbrigkeiten vor; ein innerer Grund zur Geheimhaltung dieser Vorgänge besteht nicht mehr.
Da das Alboot eine neue, noch in keinem bisherigen Krieg erlebte Waffe war. bestanden keine Kriegsgebräuche, die seiner technischen Eigenart gerecht wurden. Bei der Kriegsführung nach- den Regeln des alten Kreuzerkrieges aber. & h. mit Auftauchen des Albootes, konnte die Wirkung der neuen Waffe nur unzulänglich und unter viel zu schweren Opfern genützt werden. Aach der verlorenen Marneschlacht nun, aber njwf) in der Hoffnung, daß es uns gelingen würde. Calais cinzunehmen und damit einen Stützpunkt ersten Aanges zu gewinnen, sprach sich Tirpitz grundsätzlich für die Blockade Englands aus. als für den Weg, um zum uneingeschränkten Einsatz der Albooiswasfe zu gelangen (25. September 1914). Iedoch dachte er nicht an ein sofortiges Vorgehen. Als vielmehr am 10. Oktober und nochmals am 7. November der Admiralsstabschef v. Pohl dem Aeichskanzler als Vergeltungsmahregel für schwere englische Dölkerrechtsbrüche die Blockade Englands und den Albootskrieg empfahl, erhob Tirpitz als Staatssekretär des Reichsmarineamts eine Reihe von Bedenken, öarunxer folgende: , , .
„1. Zeitpunkt nicht früher, als einigermaßen Alboote zur Stelle.
2. Fraglich, ob Blokadeerklärung nicht besser von Sclröder (dem Kommandeur des Marinekorps in Flandern) ausgesprochen wird. Das etwas Ominöse, welches trotz 1 alledem darin liegt, fällt weniger direkt auf den Kaiser.
3. Die Blockade von ganz England klingt zu sehr nach Bluff. Ostküste ist sowieso gesperrt. Blockade zunächst Themse scheint mir besser. v. Tirpitz."
3m Reichsmarineamt erklärte man die Frage des Albootkrieges am 13. November für noch nicht spruchreif, da nicht genügend AI b o d t c frei seien, um die Blockade energisch durchführen zu können. „Bleibt aber mangels von verfügbaren Albootcn die Blockade nur Bluff, so verfehlt sie ihre Wirkung und wir laden das Odium, das sie uns bringen kann, umsonst auf uns." Auch an Stützpunkten fehle es noch. Tirpitz wollte deshalb warten, bis wir eine größere Anzahl kleiner Alboote hätten. Am 26. November sprach sich auch der Kaiser gegen die Albootsblockade aus.
Am 15. Dezember beantragte Admiral von Pohl erneut den Albootskrieg; diesmal schlug er nicht die Form der Blockade vor, sondern empfahl, die britischen Gewässer als Kriegsgebiet zu erklären. Hierzu äußerte Tirpitz am 16. Dezember 1914 Bedenken.
„Der Ubootkrieg, wie er von Euer Exzellenz vorgeschlagen wird, geht m. E. in seiner Wirkung aus die Neutralen sehr viel weiter als eine regelrechte Blockade und ist deswegen politisch erheblich gefährlicher. Die bisherigen Kriegserfahrungen haben leider gezeigt, daß Deutschland auf die Handelsinteressen der Neutralen mehr Rücksicht nehmen muh als England... Abgesehen hiervon bin ich aber durchaus der Ansicht, daß ein planmäßiges Vorgehen im großen Stil gegen den englischen Handel mit Albootcn innerhalb der Marine auf das energischste und mit allen Mitteln vorbereitet werden muß. 3n meinem Geschäftsbereich geschieht dies."
Die vielumstrittene Frage, ob das Reichsmarineamt wirklich alle Vorbereitungen zum Albootskrieg rechtzeitig getroffen habe, kann hier nicht erörtert werden; die aktenmähige Aufklärung dieser Hauptfrage muß über kurz oder lang doch erfolgen. Die Tirpitzsche Anregung
indes, die Kriegsgebietserklärung zu vermeiden, fiel deshalb auf keinen fruchtbaren Boden, weil das Auswärtige Amt der Ansicht war, gerade mit dieser Formel weniger Widerstände bei dem drohenden Riesen Amerila zu erwecken als bei einer Blockadeerklärung. Aber am 27. Dezember betonte auch der Reichskanzler seine Abneigung, den Albootskrieg jetzt schon zu beginnen, bevor die Entscheidung im Landkrieg zu unserem Gunsten gefallen sei, da Amerika im Fall des Alboot- krieges alles tun werde, um Deutschland niederzuwerfen. Herr v. Bethmann äußerte: „Sn Amerika hat sich schon jetzt ein Sturm gegen die Absicht der Einleitung des Handelskrieges erhoben."
Am 5. und 6. Sanuar 1915 stimmte Tirpitz der Blockadeerklärung zwar grundsätzlich zu, empfahl aber, als Aleberleiiung zu schärferen Maßregeln vorerst ohne Blockade oder Kriegs- gcbictSerf.ärung den Tauchbvotkreuzerkrieg energischer zu führen, „um die Neutrale, an den Albootskrieg gegen die Han'oelsschiffahrt zu gewöhnen. Bei Ausführung dieses vorbereitenden Verfahrens könnte den Kommandanten der Alboote eine gewisse Vorsicht empfohlen werden." Die von Tirpitz empfohlene Fortführung des Handelskrieges in der bisherigen Form lehnte aber der Admiralstabschef wegen der Gefahr ab, welche die Alboote beim Äuftauchen liefen. Am 21. Januar sprach sich auch Ballin „für die brutalste Durchführung einer Albootsblockade aus", als das einzige Mittel, um den „mörderischen Krieg bald zu beendigen". Tirpitz hielt an seinen Bedenken gegen die Kriegsgebietserklärung fest, suchte aber am 27. Sanuar den zögernden Kanzler für die Blockadeerklärung grundsätzlich günstig zu stimmen. Doch meinte Tirpitz in diesem Gespräch mit dem Kanzler, der Albootskrieg in Blockadeform könnte „bis Frühjahr oder Sommer aufgeschoben werden. Tirpitz wollte eben zuerst die Stützpunkte in Flandern ausbauen und die Fertigstellung der kleinen Alboote abwarten, um den Erfolg zu sichern.
Aber gleich darauf sprach der Kanzler, gedrängt von Pohl und anderen, seine Zustimmung zum sofortigen Beginn des Albootskrieges, und zwar nicht als Blockade, sondern in Form der Kriegsgebietserklärung aus. Die Bedenken des Staatssekretärs des Reichsmarineamts sind übergangen worden. Erst am 3. Februar erhielt Tirpitz zufällig Kenntnis von der bevorstehenden Erklärung, in dem Augenblick, als Pohl sie dem Kaiser zur Alnterschrift vorlegte. Aufs höchste über diesen raschen Almfall des Kanzlers überrascht, glaubte Tirpitz in diesem Augenblick dennoch keine Einwendungen mehr erheben zu sollen. Am 4. Februar ging die Erklärung des Albootkriegs in die Welt.
Alle Eingeweihten hatten schwere Bedenken. Tirpitz schrieb am 6. und 7. Februar: „Das Schlimme bei der Aktion mit den Albooten ist, daß die Versumpfung vor allem dadurch herbeigeführt werden wird, daß wir jetzt nicht genug Alboote haben. Darin und in der Art des Startes mit Fanfarengeblase und Drohung an die Neutralen liegt die schlimmste Seite der Angelegenheit. Pohl hat in seiner Eitelkeit und Alrteilslosigkeit etwas Gefährliches eingebrockt, was ich ausessen muß."
Admiral v. Müller schrieb: „Sch habe ebenso wie Tirpitz die Art der Snszenierung des llboot- handelskrieges nicht gebilligt. Der Zeitpunkt war schlecht gewählt, die Wittel nicht genügend bereitgestellt, und die Redaktion der Ankündigung war äußerst ungeschickt. Pohl hat die Zustimmung des noch sehr unfachkundigen Reichskanzlers gefunden und hat dann den Kaiser auf der Bootsfahrt durch den Wilhelmshavener Hafen mit der verabredeten Fassung der Bekanntmachung überrumpelt. Es war illoyal von Pohl, nicht vorher mit Tirpitz über die Ankündigung zu sprechen. Er wollte durchaus die Veröffentlichung unter seinem Namen losschießen, und dazu war es allerdings der äußerste Zeitpunkt, denn an diesem Tage war er streng genommen schon nicht mehr Chef des Admiralstabes."
Der neue Admiralstabschef Bachmann, ebenfalls ein Gegner der Ankündigung, fand sich, wie er schreibt, vor eine „vollzogene Tatsache" mit den Alnterschriften Bethmanns und Pohls gestellt.
So gehört die Eröffnung des Albootkrieges, den alle Wissenden mit bangen Gefühlen be
gleiteten, zu jenen schlechtvorberei.eten und kopflosen Handlungen, mit denen die Stellung Deutschlands Schritt für Schritt erschüttert worden ist.
Diese Entscheidung von Anfang 1915 und ihr Zustandekommen dürfte in Zukunst grundlegend sein für die Beurteilung des Albootkrieges. Von biefen Vorgängen erfuhr die Oeffentlichkeit nichts, weil die Beteiligten darüber schwiegen. Ganz anders war es schon 1916 bei den Vorgängen, die schließlich zum Rücktritt des Großadmirals führten. Damals nahm die Oeffentlich- keit leidenschaftlich an den Kämpfen in der Reichsleitung teil, ein Anzeichen dafür, wie untere Lage schon wankte. Auch über diese Vorgänge von 1916 wird nach den Tirpihschen Arten Neues zu sagen sein. Für heute sollte aber nur der Ursprung des Albootkrieges beleuchtet werden. Wer erinnert sich nicht der stolzen Worte, mit denen am 4. Februar 1915 Admiral v. Pohl „die Gewässer rings um Großbritannien und Srland"
als Kriegsgebiet erklärte und verkündete: „Vom 18. Februar 1915 an wird jedes in diesem Kriegsgebiet angetroffene feindliche Kauffahrteischiff zerstört werden". Damals war der Glaube noch unerschüttert, daß, was in dieser Form von einer deutschen Behörde verkündet würde, auch wahrgemacht werden könne, und so war dieser 4. Februar in gewissem Sinne ein Höhepunkt überwältigenden Ma tztgefühls. Nur zu bald sollte der Deutsche zur W'.rklichieit erwachen. Bethmann und Pohl hatten verfrüht gehandelt, und als die zu erwartende Gegenwirkung Amerikas einsetzte, da knickte Bethmann vollständig zusammen. Auf den ersten Fehler, den Mund zu voll zu nehmen, setzte der unglückliche Kanzler jetzt den zweiten: ec zeigte Furcht, und so entspann sich das Ringen zwischen ihm und Tirpitz unter Almständen, wie sie unerquicklicher kaum unsere Geschichte kennt.
Der Sternhimmel im Februar.
(Nachdruck verboten.)
Sonnenaufgang von 7,47 bis 6,50 AIHr, Sonnenuntergang von 4,41 bis 5,35 AIHr. Lichtgestalten des Mondes: 3. Viertel Mitternacht vom 5. zum 6., 1. Viertel am 19., 2 AIHr nachts, Vollmond am 27., 6 AIHr nachm.
mf. Vor aller Augen, aber freilich wohl nur von den Wenigsten bemerkt, spielen unsere beiden hellsten Wandelsterne, Venus und Jupiter, ein kleines Cchäserspiel am Himmel, Ende November
ihre Strahlen verschlingen natürlich die hellsten der Sterne. Die Annäherung der beiden Planeten wird daher unsichtbar bleiben. Aber es hat damit doch eine eigene Bewandtnis; die Venus steht nämlich bei ihrer Annäherung an die Sonne ungefähr 14 Vollmondbreiten nördlich von ihr, also über ihr, sodaß sie abends länger sichtbar bleibt und morgens früher aufgeht als die Sonne. Sie würde also bereits als
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Der die Stundenzahlen enthaltende Keele und die dich punktiert» Linie, 'der «»genannte Horizont, sind feststehend tu denken. Der Sternhimmel dreht eich samt dem damit verbundenen, durch Mitternacht gezeichneten Pfeil — ge- wiesermoflen dem Zeiger der Himmelsuhr - ü 4 Minuten weniger all V» Stunden im Sinne des durch 12 Uhr mittags gezeichneten Pfeils einmal •uns seinen Mittelpunkt. Der eingezeichnete Horizont bildet ein Fenster, das die um Mitternacht der Monatsmitte sichtbaren Sterne umschließt. Will man se
einer anderen Stunde beobachten, so denke man sich den Slamhimmel so gedreht, daß der durch Mitternacht gezeichnete, mitzudrehende Pfeil nunmehr durch die Beobachtungsstunde geht, wodurch dann die zu dieser Zeit sichtbaren Sterne in den nicht milzudrehenden Horizont hineingedreht werden. Für je 5 Tage cor der Monatsmitte ist der Sternhinunei um *h Stunde früher, für je 5 Tage nach der Monalsmitte um e/j Stunde später einzustellen. Man vergleiche die nächste Monatskarte. Der Mond nimmt die gezeichneten Stellungen em, wenn
er die angedcutele Lichtgestalt zeigt. standen sie dicht beieinander, dann aber enteilte die Venus, die im Dezember als Abendstern immer länger sichtbar wurde und in immer hellerem Glanze erstrahlte. Dann wurde ihre Bewegung immer langsamer, bis sie sich im Sanuar eines anderen besann und zu dem sie zwar langsam, aber beharrlich verfolgenden Supiter zurückkehrte. Nunmehr im Februar findet wiederum eine Zusammenkunft der beiden statt, aber leider ist die Sonne die Dritte im Bunde, und
Morgenstern sichtbar werden, ehe sie' als Abend- stern verschwunden ist, wenn sie uns nicht gerade ihre unbeleuchtete Seite zukehrte. Für Stern- freunde mit scharfen Augen wird es eine dankbare Aufgabe fein, den Alebergang der Venus vom Abend- zum Morgenstern zu Verfolgen. Auch die Lichtgestalten der Venus sollen bet günstigen Verhältnissen schon mit bloßem Auge erkannt worden fein; geschichtlich sind sie freilich erst nach Erfindung des Fernrohrs bekannt
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„Ach nee! 192 Millionen! Onkel Otto war ganz erschrocken. „Dat's ze oeel!" rief er besorgt.
Der Bankier war ordentlich beleidigt. „Was heißt zu viel," rief er und runzelte die ©tim, „wenn ich's Ihnen sage, können Sie's schon glauben."
„Herrgott, ich glaub' Ihnen ja," entgegnete Hinriks und trocknete sich den Schweiß von der Stirn, „aber daß ich fo 'n reicher Mann fein soll, das will mir aarnich inln Kopp."
„Sie, Kaptei? — Ja, haben Sic denn —"
„Ick hew die trointig Parten, jawoll! Sehen Sie, mein leim Herring, da hätten Sie de Windhund Mühlfeld garnich bruft."
Der Bankier antwortete nichts. Schwer atmend stand er vor dem alten Seemann und blickte ihn wie geistesabwesend in das pfiffig lächelnde Gesicht. Da fing auch schon Ohm Otto wieder zu sprechen an.
„Na," sagte er, „bann kann ja allens noch gut werden! Hier heww ick so 'n Wisch — Scheck nennen Sie bat wall, bat laten Sie sich man morgen urn- wesseln! Dafür trägen Sie genug rin, bat Sie ben annern fine Papterlappen an’n Kopp werfen können."
„Hinriks, guter, alter, lieber Kerl, Sie wollten —“ „Natürlich will ick! Und nu kein Snack un kein Geklöhn. Bringen Se die Sach' in Ordnung und gehen Sie man jetzt schleunigst röroer to Ehrn lütt Tochting. Sie brüten nich grob öwer die Toppen zu flaggen, ämerft bat Sei man endlich wieder 'ne vergnügte Visag' upstecken, bat bitt ick mir ut!" *
Nach zwei Tagen tarn noch ein anderer Besuch in der Graf-Schack-Straße an. Das war der berühmte Professor Langen, der auf Bitten seines jungen Assistenten aus Berlin berübergefommen mar. Da er ohnehin seine Sommerfrische in Graal an der Ostsee verbringen mollte und deshalb über Rostock mußte, benutzte er gern die Gelegenheit, in der alten Wamowstadt einen „interessanten Fall" fennenjulernen. Dec schlant gemorbene Gelehrte mit dem mohlgepflegten braunen Vollbart nahm im Verein mit seinem Assistenten eine genaue Unter- suchung an Margot vor, und das Resultat war, daß Langen Heinz Wallot ermunternd zunickte. Zu der Blinden äußerten die Herren fein Wort. Aber sie hatten eine eingehende Unterredung mit Lorenzen und Andrea, Im Innersten bewegt, vernahmen die
beiden die frohe Kunde, daß der Patientin aller Voraussicht nach das Augenlicht wiedergeschenkt werden tonne, wenn sie sich einer Operation in Langens Klinik unterziehe. Professor Langen reizte der Fall so sehr, daß er erbötig mar, die Operation sofort zu vollziehen und seinen Ferienaufenthalt an der Ostsee auf längere Zeit zu verschieben. „Es ist ohnehin noch zu falt an der See," sagte er, „ich treffe es im Juni ober Juli besser in Graal."
Zum erstenmal wieder seit langer Zeit waren die Gatten in voller seelischer llebereinftimmung. Die gemeinsame Sorge um bas Kind, bem Vater und Stiefmutter in gleicher Sorge zugetan waren, scheuchte alle trennenden Schatten fort und fester als in ben ersten Tagen schien biese Ehe burch des Lebens Ernst geschmiedet. Zugleich aber warf die Hoffnung, daß ihrem Liebling geholfen werden könne, helle Lichter auf den Weg der Gatten, und sie waren entschlossen, diesen Weg gemeinsam zu gehen in Glück und Leid.
Hinriks selbstlose Hilfsbereitschaft tat ein übri- S;C5, die Lage zu klären. Lorenzens Nervosität iatte einem heiteren Gleichmut Platz gemacht, und eit Mühlfelds Depot wieder burch Rückkauf der veräußerten Papiere seinem vollen Werte nach unversehrt in des Bankiers Safe zurückgemanbert war, fühlte er, wie langsam ein Alp von feiner Seele wich. Ohne baß er sich selbst Rechenschaft darüber geben konnte, mar auch in Thomas ein dunkler Verdacht gegen Mühlselb mach geworden. Seit der schöne Fedor versucht hatte, Lorenzen für seine lichtscheuen Manöver einzufangen, erschien ihm das Bild dieser Freundschaft nicht mehr m fleckenlosem Glanz. Vergeblich wehrte sich Thomas gegen die Erkenntnis, erfolglos versuchte er die Stimme seines Innern zu betäuben.
Wäre Hinriks nicht mit feiner unerwarteten Hilfe auf dem Plane erschienen, fo hätte Lorenzen noch einen verzweifelten Versuch gemacht, die zum Rückkauf des Mühlfeldschen Guthabens erforderlichen Gelder bei einem Geschäftsfreunde aufzubnn- aen. Es drängte ihn, je früher, desto rascher, aus seiner Schuld herauszukommen, zumal es ihm auf der Seele lag, daß die Formalitäten nicht gewahrt blieben. Er hatte mit Mühlfeld sofort nach bem Rennen sprechen und ihn nochmals bitten wollen, ben Akt der llebergabe durch korrekte fmnmir-n-’-'' Abmachungen zu regeln, aber als er ihn telepho
nisch anrief, hieß es, Mühlfeld sei ohne Angabe seines Aufenthaltsortes abgereist. Solche Spritztouren waren nichts Außergewöhnliches; wahr- scheinlich hatte Fedor beim Rennen wieder einmal ein Dämchen gefunden, mit dem er sich in Berlin ober sonstwo bei Sekt unb Austern die Zeit vertrieb, ober sollte gar--Lorenzen dachte an die
Schiebungspläne Mühlfelds, unb heiß wallte die Empörung in ihm auf.
Jetzt waren die Formaliläten nicht mehr notig; wenn Mühlfeld zurückkam, konnte Lorenzen ihm mitteilen, daß fein Depot unversehrt wieder vorhanden sei. Außerdem blieben ihm noch einige Re- fernen, um etwaigen außerordentlichen Anforderungen an die Kasse zu begegnen. Denn es konnte dem Bankier nicht verborgen bleiben, daß das Der- trauen in fein Geschäft ein wenig ins Wanken geraten war. Es wurden ihm in ziemlich großem Umfang Gelder gekündigt, unb burch geheimnisvolle Kanäle sickerte das Gerücht von Lorenzens drohender Insolvenz. Die Verleumder zu greifen und zur Rechenschaft zu ziehen, war nicht möglich: aber ihren Machenschaften konnte man, Gott sei Dank, zuvorkommen. Die geschäftliche Lage hatte durch günstige Kursgestaltungen unb einige geglückte Schachzüge, die in der Hauptsache Vanse- lows Verdienst waren, eine Besserung erfahren; bas Gleichgewicht war mieber erreicht, unb heute schien man allen Zeitverhättnisfen gewachsen.
Aber gerade jetzt, wo die Gefahr gebannt erschien, drängten sich die schweren Schatten noch einmal vor, wie ein geschlagener Feind, ber in zähem Vernichtungswillen alle verfügbaren Reserven heranzieht, um im letzten Ansturm den Endsieg zu erzwingen.
Die Gatten hatten beschlossen, Margot vereint nach Berlin zu begleiten. Da aber Lorenzens Anwesenheit in den Tagen geschäftlicher Hochspannung nicht rätlid) erschien, hatte man sich schließlich geeinigt, daß Hinriks an Stelle des Bankiers mitfahren sollte. r . ,,,
Die Beziehungen Lorenzens zu ferner Gattin erschienen wieder gefestigt, da brachte ber Abend vor ber Abreise einen neuen Riß. Andrea war nach dem Abendbrot 311 Thomas ins Kontor gekommen "ih hatte ihn gefragt, ob sie vielleicht etwas für ihn in Berlin besorgen könne. (Forts, folgt.)


