nr. 1(?4 Drittes Blatt
(Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für ©betreffen)
Mittwoch, 5. Mai 1926
Für den Büchertisch
tionsmannes.
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lieber ihrem Hause, ihrer Arbeit und Geselligkeit liegt die Kultur allen Patrizierlums. Einen gelungenen Kontrast bildet dagegen der junge Hüter beim, ein aalglatter, kluger Realpolitiker.
Pif11T I sönlichkeiten. Sie sind sest im Boden ihrer (3r- vutiuuu. Ziehung verwurzelt und allem Hohen und Er-
— Lotu 11: Gedichte. In den tBersmaßen des hadenen zugewandt. Ihre Welt tut sich wie ein Originals. Aus dem Lateinischen übertragen von Ed. | grundklares Wasser vor dem Leser aut. Saenger. Bei Reclam in Leipzig. Unioersalbibliothek Dir. 6638. — Der Veroneser Gajus Valerius Catul-
sich hcrauswari. Die Anordnung saht jeweils ein- mcils einzelne Stücke zu geistig verbundenen Gruppen zusammen: das Ganze ist Führer zu der inv l inierenden Etatianenkette auf einer, bei aller Vielfältigkeit — welcher zeitgenössische Dramatiker um schließt mit gleicher Intensität diese Fülle von Figuren, Stilen und Problemen, wie Kaiser? — erbitten geradlinigen und zielsicheren Weltreise, einer aus dämonischer Werkbesessenheit entfesselten, visionären Jagd nach dem Erlebnis. Wo die Reise endet, ist nicht abzusehen. Selbst das Bild (der innere Umriß) dessen, del hier unterwegs ist, gibt sich kaum 3U erkennen, bleibt halb oder völlig verschleiert: der Dichter steht rätselhaft hinter seinem Werk, an das er zwar ganz sich hingibt, das ihm aber zugleich auch Maske und stets wandelbare Verkleidung ist. (Die paar äußren Fakten, die man von Kaiser weiß, haben keine Schlüsselgewalt.) Um so überraschender ein paar seine, streifende Lichter, die gegen Ende lies Buches vom Werk her auf den Scyopfer fallen.
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GeschichteundVolkskunde
— Die ausgezeichnete Sammlung „Otten- schen, Völker. Zeiten" des Wiener Der- lages Karl König ist um eine Reihe neuer Bünde bereichert. Ferrero, der bekannte italienische Historiker, steuert ein interessantes Buch über Julius Cäsar bei. eine knappe, außerordentlich prägnante Geschichte der glänzendsten und fesselndsten Epoche des antiken Roms. Heber Torquemada und die spanische Inquisition schreibt Emil Lucka, unterstützt durch seltene Abbildungen in außerordentlich anregender Weise. Abraham Lincoln, den zweiten Gründer der Vereinigten Staaten, macht Graf Albrecht Montgelas zum Gegenstand einer interessanten Studie, und schließlich gibt Carry Brachvogel ein Bild Robes- Pierres, des großen französischen Revolu-
Bücher der Bildung.
— Die vor wenig mehr als vor einem Jahr ins Leben getretene Sammlung ..Bücher der Bildung" ist vom Verlag Albert Langen mit einer Konsequenz weitergeführt worden, auf die der ganze deutsche Buchhandel stolz sein kann. „Goethes Sprüche in Prosa" bilden zusammen mit den früher erschienenen Bänden „Ur-Goethe" (Ur-Götz. Ur-Faust, Prosa-Iphigenie) und „Die schönsten Esiays von Goethe" ein wundervoll leuchtendes Dreigeftirn: Der Dichter, der Denker, der Weise. — War schon bei den zwei im vorigen Jahr erschienenen Bänden „Rom im Mittelalter" von Gregors- vius die Nachfrage groß, so werden die zwei neuen, "R o m in der Renaissance", noch stärker verlangt werden. Sie führen von Rienzi und Petrarca zu Michel Angelo und Raffael und schildern die vier glanzvollsten Pontificate aller Zeiten: Pius II., Alexander IV., Julius II. und Leo X. Außer der ausgesprochenen Originalität der einzelnen Bände dieser reichen Sammlung, ihrer mustergültigen Ausstattung und Billigkeit (in Ganzleinen 4 Mk.) ist vor allem dankbar zu begrüßen, daß sie einzeln käuflich sind und sich so jeder Bücherfreund aus ihnen eine ungemein preiswerte Eigenbücherei persönlich und planvoll zusammenstellen kann. Für die „Bücher der Bildung* zeichnen als Herausgeber Männer, deren Namen einen guten Slang hoben, wie Josef Hofmiller, Tony Kellen, Tim Klein, und die Verfasser sind die Großen der Weltliteratur: Taine, Macaulay, Rousseau, Montaigne, Döllinger, Gregorooius. Viktor Hehn, Helmholtz, Richard Wagner, Schiller. Goethe. Daß Nietzsches „gutes Europäertum" sich sehr wohl mit gutem Deutschtum vereinigen läßt, beweisen diese „Bücher der Bildung" vorbildlich. 80 K
— I. K. Lavater. Worte des Sens. Säkular-Ausgabc des Verlages Xrhcn (ein & Co.. Leipzig. — „Möchten meiern wie meine Worte und meine mein Herz." Diele Worte aus
— Die Markgräsin von Bayreuth. Friedrichs des Großen L.eblingsschwester. Von A. v. Gleichen-Rußwurm. (Mit 18 Abbildungen. In Leinen 8.50 Wk. Verlag von Justus Hoffmann. Stuttgart.) — Zum erstenmal wird hier eine geschlossene, reich illustrierte Biographie der L.cb.ingsichu-ester Friedrichs II. geboten, der ein- aigen Frau, die dem großen König aeistiae Ge- fährtin war. Auf den neuesten Quellen fußend, beginnt Gleichen in geistvoller und fesselnder Weise mit Bildern vom Hof Friedrich Wilhelms I. und aus der Jugendzeit Der Geschwister. Wir sehen den harten Vater beim Drill seiner Regimenter. ziltern mit der Schwester während Friedrichs Flucht und Gefangenschaft. Die englischen Heiralspläne verwickeln die junge Prinzessin in innere Kämpfe und politische Spannungen, bis sie als Markgräfin von Bayreuth trotz Hos- intrigen und Enttäuschungen ihren auserwählten Kreis zu hohem, geistigem Streben führt. Wir verfolgen Friedrichs II. Aufstieg, seine Wandlung vom empfindsamen Kronprinzen zum großen Preußenkönig, wir cr'eben seinen Streit und die Aussöhnung mit der g.liebten Schwester in ihren eigenen Briefen mit. Voltaire tritt auf als beider Freund und als Verräter an seinem königlichen Gönner: den Sagen des Glanzes folgt das Elend des Siebenjährigen Krieges, der sich in erschütternden Briefen der Geschwister widerspiegelt. Häus'.g slicht Gleichen-Rußwurm solche Zeugnisse in seine Darstellung: als feiner Psycholog motiviert er die berüchtigten Memoiren der Markgräfin, Geist und Son des höfischen 18. Jahrhunderts kennzeichnet er aufs treffendste und erweitert damit fein Buch zu einem Zeitbild, das als psychologische Studie wie als wichtiges Stück deutscher Geschichte hohe Werte bietet. — Eine wertvolle Ergänzung dieses Buches bildet der Briefwechsel Friedrichs des Großen und Wilhelmine von Bayreuth, (Herausgegeben von Prof. Dr. G. D. Volz, Deutsch von Friedrich von Oppeln-Bro nikowski. Mit 16 Abbildungen. Ganzleinen 15 Mk. K. F- Koehler. Verlag. Berlin und Leipzig.) mit dessen neuerschienenem zweiten Bande nunmehr diese Publikation bisher unveröffentlichter Briefe, die für die Beurteilung der Persönlichkeit, des Lebens und der Kriege des großen Königs von höchster Bedeutung ist. abgeschlossen vorliegt. Die großen politischen Geschehnisse, die dem Europa des 18. Jahrhunderts ein neues Bild gaben, spiegeln sich in dem feinsinnigen Itterarisch-künst- lerischen Briefwechsel in interessanter Weise wider und lassen die Gestalt des Königs in ihrer ganzen Macht als Persönlichkeit hervortreten. Bilder liebevoller Sorge um die Lieb- lingsschwester wechseln mit kurzen Schilderungen aus den Kriegen Friedrichs. Wilhelmines Briese sind oftmals reizende Kabinettstücke über Leben und Treiben der kleinen Residenz Bayreuth. Srotz aller Irrtümer und Wirren besteht die Freundschaft der Geschwister die Feuerprobe, sie gestaltet sich immer inniger und findet erst mit dem Tode der Markgräfin ihr Ende. 755'865
— Des Freiherrn vom Stein Leben schildert Hanns Martin Elster an Hand seiner Schriften und Korrespondenzen in einem scyönen Bande der Deutschen Buchgemeinschaft G. m. b. H., Berlin. Elster sagt in seinem beherzigenswerten Vorwort mit Recht, daß unser Schicksal die rechte Lö- ung des Führerproblems bestimmt, daß zum Führer auch die Masse gehört, die geführt fein will, die in Uebereinstimmung mit dem Führer ist. Diese Uebereinftimmung herbeizuführen, diese Masse zu chaffen, dazu wird dies sehr glücklich konzipierte Buch berufen sein, beizutragen. 851
— „21 u s einer vergessenen E ck e". Beiträge zur deutschen Volkskunde von Dr. Ludw. Friedrich Werner (Boette). III. Reihe: Hessische Bauern. Langensalza, Hermann Beyer & Söhne, 1926. — Das Buch schildert in 17 Kapiteln, in oer- tändiger Anordnung und guter Gliederung des Stoffes, gewissermaßen von außen nach innen vordringend, das Volk im alten hessischen Kemlande. In Ergänzung und Erweiterung zweier früher (1909 und 1912) erschienenen Bände fuhrt diese Darstellung pünktlich und liebevoll, nicht vom Schreibtisch her, andern aus jahrelangem Anschauen und Miterleben in die Welt des einfachen, ländlichen Hessenvolkes ein, in sein Leben und Denken und Trachten, in eine Sprache und seinen gesunden, treffsicheren Witz, in seinen Glauben und Aberglauben, in die vielen kleinen und großen, tiefen und untiefen Dinge, die seinen schlichten Lebenskreis schneiden ober berühren. Der letzte Abschnitt („Der deutsche
Literaturgeschichte.
— Georg B ü chner und sein „Dantons T o d". Eine Einführung in fein Schaffen. Aon Rud. Iellikoff, Spielleiter am Stadttheatcr Hildesheim. 39 Seiten Bei Franz Borgmeyer, Hildesheim. — Ein knapper Lebensabriß führt zur Analyse der drei Akte des Büchnerschen Hauptwerkes. Wenn das Ganze dazu beiträgt, dem allzu früh Vollendeten I neue Freunde zu gewinnen, hat es seinen Zweck erfüllt 212
— Aus de m Studentenleben berühmter Männer. 1. Theodor Körner als Student 2. Heinrich Heine als Student. 3. Friedrich Nietzsche als Student. Verlag von Albert Ahn, Bonn (1922, 23 24). — Der Verfasser der drei Schriften, Dr. 0. F. Scheuer (Sexualwissenschaftler und Hochschulpädagoge in Wien), der bereits vor ein paar Jahren eine Studie über „Das Liebesleben des deutschen Studenten im Wandel der Zeiten" veröffentlichte, gibt in den drei Abhandlungen, gestützt auf umfängliches Quellenmaterial und unter Benutzung einer ausgedehnten Literatur, interessante Ausschnitte aus den Lebensläufen der drei so außerordentlich heterogen angelegten Dichter. Die Darstellung der akademischen Lehrjahre der drei sind allgemein-kulturhistorisch von gleicher Bedeutung, wie als individuelles Vorspiel und Komponenten späterer Entwicklung. 69
— Die Jagd nach dem Erlebnis. Ein Buch über Georg Kaiser. Don Ludwig Lewin. 194 Seiten. Verlag Die Schmiede. Berlin 1926. — Ein neues und interessant geschriebenes Werk über Kai- fer, das in feiner Bestimmung und feinen Zielen andere Wege verfolgt, als etwa die grundlegenden Darstellungen von Bernhard Diebold. Lewin sieht seinen Helden (wenn man so sagen darf) ganz isoliert, ohne Bindungen und Tradition, außerhalb von Beziehungen und Einflüssen, fern auch von literarischer Tendenz zur Einordnung und Bestimmung. Er sieht den Dichter einfach so: — als „einen l-ef- tigften Ausdruck unserer Zeit". (Mit welchem Recht, scll hier nicht entschieden werden.) Jedenfalls: „Aus Lebenswerte kommt es an! Aufs Leben!" Die jähe Kurve Kaiferfchen Weltgefühls wird in diesem Buche ausgezeichnet, wird abgeleitet aus der Analyse feiner Dramen, die eine schlechthin erstaunliche Produl tionsenergie unheimlich schnell hintereinander aus
Bauer in primitiver Gtzmeinschastsfarbe") bringt eine Auseinandersetzung mit den Gedankengängen bcs bekannten Frankfurter Germanisten Hans Rau- mann, die lesenswert ist. and) wenn man begründete Bedenken haben wird, sich der Ablehnung der aus gezeichneten und weitgespannten Naumannsck>cn 'Volkskunde anzuschließcn. 750
— In der monumentalen Gesamtausgabe der Werke Rankes, die die Deutsche Akademie veranstaltet, erscheinen als 6. Band der Reformationsgeschichte soeben die Analekten des Verfassers und das ungebrutfte Material aus dem Nachlaß. (Drei- Masken-Deriag in München.)
Politik.
—_ Aür politische Literatur, namentlich in der populären Form der Memoiren oder der Korrespondenzen, besteht offenbar immer noch Hoch- tonjunftur. Kein Wunder, daß bei dem Versuch der Bedarfsdeckung auch eine Menge untauglicher Objekte unterlaufen, die besser nie das Licht der Welt erblickt hätten. So gibt ein Dr. Otto Gruft im Rikola Verlag in Wien ein Buch heraus „F ranz Joseph I. in seinen Briefen", das auch den gewöhnlichsten Pflichten eines Herausgebers historischen Materials spottet und in der Bearbei tung jedes Gefühl des Taktes oder gar der Pietät pcinooU vermissen läßt. Lediglich die Kapitel „Albert von Sachsen" und „Der Jäger" zeigen eine inenjch liche Anteilnahme des Verfassers an feinem Objekt, olles andere ist mit einer gewollten Einseitigkeit und Willkür ausgewählt und zusammengestellt. die nur noch von der verletzenden Bissigkeit der Rand bemerfungen und Zwischensätze des Verfassers übertroffen werden. Ein höchst unerfreuliches Buch dessen Zustandekommen mit Unterstützung bes Haus-, Hof- und Staatsarchivs einigermaßen wun dernimmt. (88) — Nicht viel erfreulicher ist in mancher Hinsicht auch das Buch Paul N i k i t s ch B o u 11 e s’ „V o r dem Stur m", Erinnerungen an den Erzherzog-Thronfolger Franz Ferdinand. Gut charakterisiert das Buch zwar die Stellung des Thronfolgers zum Hofe und zum alten Kaiser, hält sich aber in der Beurteilung der Verhältnisse von Einseitigkeiten nicht frei, was zwar bei der Stellung des Verfassers als Privatsekretär des Fürsten begreiflich erscheint, und läßt eine Darstellung der politischen Auffassungen des Thronfolgers so gut wie ganz vermissen. Hoftratsch und durch fiele Wie derholungen nicht schmackhafter werdende Darstel langen des Charakters des Fürsten und feines Pri natlebens füllen den größeren Teil des Buches (Verlag für Kulturpolitik in Berlin, 58). — Eben falls die neueste österreichische Geschichte behandelt Karl Friedrich Nowak in seinem stark umstritte nen Werk „D e r W e g z u r K a t a st r o p h e", das in einer neuen Auflage erscheint (Verlag für Kultur Politik in Berlin, 113). Der Verfasser bringt nun mehr endlich die Dokumente für seine vielfach angezweifelten Behauptungen herbei, die vor allem das Vertrauensverhältnis mit dem verstorbenen Feldmarschall Eonrad von Hötzendors beleuchten sollen, auf der das Buch im wesentlichen basiert. — 3um Kapitel „Äriegsschuldlüge" erscheint ein bedeut sarnes Buch, das Ernest Juoet aus den Memoiren des französischen Botschafters am Hofe von Et. Pe tersburg Georges Louis zusammengestellt hat (Verlag für Kulturpolitik in Berlin, 161). Mit dem ganzen rhetorischen Elan des französischen Atoo- taten und dem edlen Freimut des Wahrhcitsfreun- des deckt Iudet einen politischen Skandal auf, der jur Vorgeschichte des Kriegsausbruchs nicht unwesentlich ist. Louis, der in Petersburg für einen Ausgleich der Gegensätze arbeitete, wurde Poincarä, damaligem französischem Ministerpräsidenten, und namentlich Iswolski, russischem Botschaster in Paris, höchst unbequem. Sie stellen ihn fall und berufen an feine Stelle in Maurice Paläologue eine ihnen willfährige Kreatur. Frankreich verschreibt sich mit Haut und Haar der russischen Katastrophenpolitik, das europäijdje Schicksal nimmt seinen Lauf. — Weiter zurück gehen die (Erinnerungen des ehemaligen badischen Gesandten Eugen von Jagern a n n, die er unter dem Titel „F ü n f u n d - siebzig Jahre des Erlebens und Erfahrens" bei Carl Winter in Heidelberg erscheinen läßt. (55) In einem reichlich trockenen, manchmal sogar stark verschrobenen Stil, zieht ein an Arbeit und (Erfolgen reiches Beamtenleben vorüber, nicht uninteressant in der Schilderung höfischen Lebens in Berlin und Karlsruhe und der Darstellung politischer Einzelheiten aus den ersten Jahrzehnten der Wilhelminischen Aera.
lus hat, als er (nur wenig über 30 Jahre alt) starb, I
116 Gedichte hinterlassen, die auf uns gekommen \ , «, -----, - —-----------
sind. In diesen Liedern, die um die beiden großen mit den Geheimnissen des Akademiker- und erschütternden Leidenschaften im Leben Catulls frei- Künstlertums durchaus nicht fertig werden kann. |en — die Liebe zu Lesbia (Clodia) und den Aeihe köstlicher Episoden entrollt sich vor Schmerz um den tpten Bruder — finden sich die yem Leser Halb belustigt, halb besorgt, auf feinsten lyrischen Blüten, die die gesamte römische leden Fall aber ungeduldig und gespannt sieht Literatur überhaupt hervorgebracht hat, finden sich n Entwicklung der Dinge entgegen und atmet Verse, die, über Jahrhunderte blühend, der Weltlile- befreit auf, wenn schließlich Karl Ritterhettn ratur angehören Kein anderer römischer Dichter aus gesundem Instinkt heraus all seine anfäng- roäre zu denken, der mit so ursprünglichem und liche Scharlatanerie abstreift und „zur Ratur", überwältigendem Lebensgefühl zum modernen Men- 3U seiner eigentlichen Bestimmung zurückkehrt, schen spricht, daß man, die vorchristliche Klassizität 176
vergessend, einen Zeitgenossen, Dichter und Men- — Knobloch, Hans. DerPfarreroon schen, zu hören meint. Die Uebertragung von Lehen. Novellen. Ganzleinenband 5 Mk. Verlag Saenger umfaßt 82 Gedichte, und man wird die 9- <9- Cotta. Stuttgart. — Dramatisch spannungs- Auswahl gutheißen: sie bringt dos Beste und Un- volle Novellen aus historischer Zeit. 105
vergänglichste aus der Hinterlassenschaft Catulls, — D i e z w ö l f S t u n d e n G o t t e s. Novellen alles, was man bei ihm sucht, auch die paar große- von Walter Erich Schäfer. Verlag I. Enoelhorns ren, epischen und alerandrinisch beeinflußten My- Nachs., Stuttgart. — Zwölf Novellen und Gedichte thengedichte. Füglich ausgelassen wurde eine Reihe bilden das Werk, jede ein einzely.es, abgeschlossenes von Strophen, die teils stark polemisch, teils aus- Schicksal erfüllend, doch so fest in einen Rahmen ge= gesprochen eroti(d) gefärbt sind, teils auch beides fügt und unter sich verbunden, daß sie ein Ganzes vereinigen. Im Anhang findet man eine Uebersicht darstellen, Stationen eines Wegs. Die stärkste Seyn- über die Versmaße und knappe, informierende An- sucht unserer Zeit: die nach dem Heiligen, wird ge- merkungen zum Sachlichen. — Die äußere Aus- stattet. Zuerst lebt sie in einem gegenwärtigen Men- slattung des zierlichen Bändchens ist zu loben. 243 f*en, bann sind Mönche ihre Träger, die nur den — Die Schutzfrist für die Werke Gustav Dingen der Seele in der Zucht eines Klosters leben, SfeptQfls ifi Anfang dieses Jahres abgelaüfen. dennoch die tiefste Befriedigung und endliche Er- Der Markt wird überschwemmt mit neuen Freytag- füUung ihres Sehnens nicht durch diese Zucht finden, ausgaben, unter denen es schwer ist, das Rechte zu sondern außerhalb, darüber. Die großen Jdeenkreisc finden. Der Verlag Reclam in Leipzig hat unter der Mystiker werden durchmessen: Natur, Liebe, feine Helios-Klassiker auch Freytags Werke eingereiht, Denken und Schau und das Einssein von allen in von denen uns „Die verlorene Hand- Gott. Und mit der Annäherung an dieses Ziel ist schrift" in vorzüglicher Ausstattung (grüner Ganz- der Kreis geschlossen, und bar Weg biegt nach seinem leinenbanb und guter Druck auf holzfreiem Papier) Lauf durch die Vergangenheit wieder in unsere Zeit vorliegt. 119 zurück. 155
_ — Rudolf Lindau: Ausgewählte Er- — Louis CouPerus: Aphrodite in zählungen. Ein weitgereister Mann, der bereits Aegypten. (Scheltet Mk. 4,—, gebunden Hu einer Zeit, als Deutsche nur in ganz vereinzelten Lttk. 6,50. Verlag Ph. Reclam in Leipzig. — Ausnahmen in die Welt hinauskamen, lange Jahre Dieser Roman führt die Leser ins heilige Land in China und Japan zugebracht hat und im besten des klassischen Alterlums, nach Aegypten. (Sin Sinne des Wortes ein Pionier deutschen Wesens vornehmer junger Römer will bei den ägyptischen und deutscher Kultur gewesen ist, berichtet in diesen ©Öttern den Aufenthaltsort seiner entflohenen Erzählungen aus dem reichen Schatz feiner Eindrücke Geliebten erfahren, und er zieht nun von Ort und Erfahrungen von den Schicksalen verschieden- zu Ort, von Heiligtum zu Heiligtum. Aber die artigster Menschen. Diese Erzählungen sind für uns Antworten der Götter sind zweideutig und irre- Deutsche der Gegenwart von besonderem Wert. Sie führend: beim aus den Orakeln fpricht ja nicht unterrichten uns nicht nur über die Eigenart und I wehr die Stimme der alten Götter, fonbern einzig Schönheit einer Welt, die den meisten von uns ver- die Geschäflsklugheit gerissener Priester. An schlosien bleiben muß, sondern sie zeigen uns auch, I einer neuen Reigung gesundet endlich der liebes- wie notwendig es gerade für uns Deutsche ist, srem- kranke Lucius. Der Roman zeichnet sich durch des Wesen und fremde Eigenart kennen und beur= I blühende Aeppigkeit der Schilderung von 3ttenteilen zu lernen, deutsches Wesen nicht in falscher schen und Landschaft, durch eine leidenschaftlich Überheblichkeit des äußeren Auftretens, sondern in beschwingte, anmutig verschlungene Handlung forgfamer Pflege der von keiner Nation der Welt aus. Zweifellos^ eine der glänzendsten Dchil- erreichten Eigenschaften der Ausdauer und des un- I Gerungen der spätantiken Welt, die wir in der ermüdlichen Fleißes zum Ausdruck zu bringen. Der europäischen Literatur besitzen. 203
468 Seiten umfassende Band erscheint in der Aus- —WernerDergengruen: Das große wahlreihe des Volksoerbandes der Bücher- Alkahest. (Volksverband der Bücherfreunde, freunde, deren Werke von jedem Mitglied Wegweiser-Verlag G.m. b.H., Berlin.) — Auf zwanglos bezogen werden können. Der Preis von dem historischen Hintergründe des Rußlands der 3,50 Reichsmark für den Halblederband, in tech- großen Katharina läßt der Dichter wundersame nisch mustergültiger Ausstattung, beweist, daß der Gestalten und Mächte vor unseren Augen ent- Dolksverband der Bücherfreunde ernstlich bestrebt ist, stehen. Das große Alkahest, das geheimnisvolle vor allem auch den Minderbemittelten seiner Mit- und unerforschte Lösungsmittel des Alchimisten, fllieber die Möglichkeit zu bieten, sich für wenig tmrb zum Symbol für ein buntes und rauhes Geld eine literarisch wertvolle Bibliothek aufbauen Gewebe von Schicksalsfäden, die in unbekannter
zu können. 175 Hand zusammenlaufen. Die seltsame und eigen-
— Gerhart Hauptmann: Bahnwär- sinnige Gestalt des Alchimisten, dessen Lebens-
t e r !Ti e h l. Novellistische Studie. Mit einem Nach- kraft im heiligen Feuer eines tiefen mystischen
wort von Hans v. Hülsen. (Reclams Universalbiblio- Glaubens dahinschmilzt, mahnt mit der ganzen
thssk Nr. 6617.) — Gerhart Hauptmann erscheint erst- Tragik eines zwiespältigen Lebens und Träumens
malig m der Universalbibliothek, und zwar mit an die. Vergänglichkeit und den leeren Wahn
einem Werk, das wie ein Vermittler zwischen den menschlicher Sehnsucht. Ein farbenprächtiges Ge-
aroßen Massiven seiner epischen und seiner dramali- mälde. das in mannigfacher Bewegtheit und mit
schen Dichtung steht. Bahnwärter Thiel birgt alle spannender Handlung uns Höhen und Tiefen
Grundelemente des Hauptmannschen Stils und der menschlichen Geschickes erleben läßt und uns im
Hauptmannschen Problematik in sich. Kaum ein an- innersten ergreift. Der Roman erscheint als
beres Werk ist so wie dieses geeignet, allerorten neuester Band der VII. Jahresreihe im Volks--
verstanden und in seiner tiefsten Bedeutung erfaßt | verband der Bücherfreunde. 111
AU werden. 143
— Isolde Kurz, Der Caliban, Roman. (Verlag 2. L. Schräg, Nürnberg. Geb. 6 Mk.) — In den engen Rahmen einer kurzen Sommerreise in die Märchenpracht der Dolomiten ist die Liebesgeschichte einer Wiener Künstlerin und das Ehe- schicksal ihrer Schwester, einer schon vor lauter Harmonie krank und müde Gewordenen gespannt. Vieles bleibt nur skizzenhaft angedeutet in Charakteren und Geschehnissen, namentlich der Caliban, dieser arme, mißverstandene Naturbursche „aus hohem Hause", dem reichlich gewaltsam die Hauptrolle des Romans zugewiesen wird, ist nur lückenhaft gezeichnet. Trotz dieser Anstöße einer vielleicht . z."«»)^"st^bnhasten Kritik wird man das Buch mit Diel Anteilnahme lesen. 26
— "D,'e Reise der Gräfin Sibylle".
Von Charlotte Niese. Alster-Verlag, Hamburg. 255 Seiten. Ganzleinenband 5,50 Mk. — Das neue Werk ber beliebten Schriftstellerin ist ein historischer Ro- £-an«°rl^on?ercm ^*3 und fesselnder (Eigenart. D'e Geschichte der abenteuerlichen Reise der schwedischen Gräfin Sibylle Cederström hebt sich aus d-m dunklen Rahmen des nordischen Krieges: in Wetterleuchten und Änegslänn erfüllt sich aus Leid und Siebe und spatem Glück das Schicksal einer schönen und edeln Frau. 234
Sigrid Unset gilt in ihrer norwegischen Heimat als eine der Größten nordischen Schrikt- tums. Von ihrem mehrbändigen Roman Kristin Laorans Tochter liegt der erste Band in einer fluten Uebersetzung (bei Rütten 8- Loening in Frankfurt a. M.) vor. Die Dichtung greift weit zurück in bas nordische Mittelalter, ihre Menschen sind voll Blut und Leidenschaft Stampfen und Ringen ist fhr Schicksal, Irren und Haffen ihr Leben (Eine rauhe und karge Welt umgibt sie, dürftig und arm zwar, aber ans Herz greifend in der grandiosen Pracht j nordischer Natur. Es ist ein Buch, das auch in Deutschland Freunde finden wird, die die weiteren Bände mit Spannung ertroarten werden. 4 — In Reclams Roman-Reihe erschien: Rudolf Huch: Die beiden Ritterhelm Roman. Verlag Ph. Reclams in Leipzig. Geheftet Mk. 5—, gebunden Mk. 7.50. — Der Roman ist erfüllt von edelster, gepflegter Bürgerlichkeit, die sich besonders in den Gestalten des alten Rittechelm und seiner Schwester kundtut, prägnant und scharf umrissen gezeichneten Per»


