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dann gesunden, wenn die beiden Faktoren Deutsch­land und Rußland wieder in ihm zur Geltung ge­fangen."

Das hessische Ministerpensionsgesetz Von unserer Darmstädter Redaktion.

Zahlreiche Entschließungen, die in den Steuer» Protestversammlungen wahrend der letzten Monate in Hessen gefaßt wurden, schlossen mit der Forde.- rung, daß das hessische Ministerpensionsgesetz ge­ändert werden müsse. Aus der Erfüllung dieses Ver­langens, so etwa wurde erklärt, könne man ersehen, daß die Regierung gewillt sei, einen anderen Kurs einzuschlagen, der auf die Durchführung von Sparmaßnahmen abziele. Die Mahnung ist ledoch vergeblich gewesen.

Der Erlaß eines Ministerpensionsgesetzes ist be­kanntlich eine der ersten Amtshandlungen der neuen Regierung gewesen, die nach der Revolution gebildet wurde. Es hat damals in Lsamtenkreisen viel ver­stimmt, das; die Regierenden zunächst für sich s e l b st sorgten und die Beamten in den unsicheren Zeitläuften damals über ihre Gehalts- und Pensions- Verhältnisse ganz im Unklaren ließen. Sogleich setzte eine Agitation gegen die Art und die Höhe der Ministerpensionen ein, die im Verlauf der Jahre bald mehr, bald weniger scharf hervortrat und die Oeffent- lichkeit beschäftigte. Bis jetzt ist auf Grund des Ge­setzes erst ein Minister pensioniert worden, der Minister des Innern Dr. Fulda. Die Kritik an dem Gesetz richtet sich hauptsächlich gegen zwei Punkte: der eine ist die Berechnung der Dienst- jähre, der andere die Höhe der Pension. In dem erwähnten Fall sind dem Minister die Jahre seiner Rechtsanwaltschaft angerechnet worden. Diese eigenartige Bestimmung steht nicht allein da, sie hat ihr Vorbild in einer Gepflogenheit des Reichs, denn auch dem jüngst oerstobenen ehemaligen Reichskanz­ler Fehrenbach waren die Jahre seiner Rechts­anwaltstätigkeit auf seine Pension angerechnet worden.

Der andere noch mehr kritisierte Punkt ist die Höhe der Pension. Der erwähnte Minister bezieht für eine ministerielle Dienstzeit von 2i Jahren eine Pension von jährlich 15 000 Mark. Das ist unzählige Male in den Landtagsdebatten zur Sprache gebracht worden, aber die Regierung und die Regierungs­parteien haben nicht darauf geantwortet. Nur ein­mal hat im vergangenen J^hre auf eine förmliche Anfrage hin der Staatspräsident die Erklärung ab­gegeben, daß ein neues Ministerpenfions- gefetz dem Landtag vorgelegt werde, wenn diese Materie vom Reiche gemeinsam mit den anderen Ländern geregelt werde.

Bemerkenswert ist nun, daß Württemberg seinen eigenen Weg geht, denn das würllembergische Staatsministerium hat dieser Tage dem Landtag einen Gesetzentwurf über die Regelung der Minister­pensionen zugestellt. Dieser Entwurf bestimmt, Vlät- termelbungen zufolge, daß die vor der Minister­tätigkeit im Privatdienst ober in einem freien Beruf zugebrachte Zeit auf die ruhegehaltsberechtigte Dienstzeit nicht angerechnet wird. Den Beamten­ministern soll ein Anspruch auf Ruhegehalt nur zu- stehen, wenn sie das Ministeramt mindestens acht Jahre ober zwei volle ßanbtagsperioben hindurch inne gehabt und das 55. Lebensjahr zurückgelegt haben. In allen anderen Fällen erhalten sie nur ein Wartegeld ober Anspruch auf Wieder- einstellung in eine planmäßige Dienststelle von mindestens gleicher Art und gleichem Einkommen wie in der früheren Beamten st ellung unter Berücksichtigung von etwa in der Zwischenzeit eingetretenen Beförderungsmöglichkeiten. Nichtbeam­tenministern soll ein Anspruch auf Ruhegehalt unter den gleichen Voraussetzungen zustehen wie den Be­amtenministern. Soweit diese Voraussetzungen nicht . zutreffen, erhalten sie wie in anderen Ländern ein Uebergangsgelb. Das Gesetz soll rückwirkende Kraft t bis 20. Mai 1919 erhalten, sieht aber zur Beseitigung von besonderen Härten, die sich aus der Rückwirkung f ergeben, eine Sonderregelung vor.

Diese Vorschläge könnten ganz gut auch zur r Grundlage eines hessischen Ministerpensionsgesetzes gemacht werben: allein es besteht fehr wenig Aus- sicht hierfür, obwohl ein neues Gesetz gerabe am nötigsten vor allen ßänbern in Hessen wäre. Da bie ablehnende Haltung der Regierung in weiten Kreisen der Bevölkerung Hessens auf Widerstand gestoßen ist, und sich diese Stimmung in ausgedehntem Maße -in den Steuerprotestoersammlungen und im ßanb> tag geäußert hat, sind diese Mißfallenskundgebungen

Das lachende Haus.

Roman von Sophie K l o e r ß.

10 Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Es lag gegenüber der Dampferbrücke ein altes Wrack mitten auf einem Sand. In wilder Sturm- nacht gekentert, hatte der Schoner sich ganz auf die Seite gelegt, bie Maststümpfe ragten dem ßanbe zugekehrt in bie Luft hinein. Jungen kletterten mit Vorliebe auf ihm herum, bie Fischer tauten ihre Boote fest an seinen Spieren, wenn sie still mit ber Angel vor Anker lagen; man ließ ihn liegen, weil er niemanb im Weg war unb wie eine Wassermarke ben Sank» schon von fern verriet.

Die beiben Schläfer im Kahn schliefen steinfest. Nichts ahnten sie von ben ziehenben Armen, nichts von ben Jungen, die badend und tauchend um das Wrack herumflitzten.

Das Boot kam zur Ruhe. Die Jungen kletterten hoch am Wrack, sie hatten laue genug an feinen Seiten befestigt, um überall Herumkriechen $u können die Fäuste preßten sie gegen die Mäuler, um nicht vorzeitig loszuprusten jetzt von der Blocke herüber das Wehen eines weißen Babelakens jetzt ein Heulen, als wenn zehn Dampfersirenen auf einen Schlag losgehen.

Heiber Steifen fuhr in bie Höhe, baß ber ganze Kahn zur Seite tippelte, unb Christian wie ein Sack rücklings von ber Bank schoß. Dröhnenbes Gelächter über ihren Köpfen! Unb vom Lande ller nein, von ber Brücke einftimmenber Jubel, bas Gebell eines Hunbes, durchbringenb unb ben ganzen Strom überrennenb er- war eine Hölle von luftigem Lärm, eine Hölle für sie, denn die anberen schienen bie Geschichte als glänzenden Witz anzusehen.

Wir wir" fuate Christian und versuchte, sich hochzuampeln, was schwierig war, da seine bei­den Körverhälften sich an verschiedenen Seiten ber Bank befanben, abgetrieben sind mir."

Abgetrieben?" knirschte ber lange Herber unb drohte mit ber erhobenen Faust zum Ufer.Seit wann ist man angebunben, wenn man abtreibt? Sie haben geschlafen, Polematz."

Sie schliefen ja auch. Sie haben mich angesteckt. Jungens* er war endlich wieder auf die Bank gelangt,verdammte Rasselbande, ich stopf' euch in den Wurstkessel, wenn chr nicht endlich Ruhe gebt."

doch nicht eindruckslos an ben Regierungsparteien oorübergegangen: sie haben noch kurz vor Beendi­gung der Frühjahsberatungen des ßandtags, in ber Sitzung vom 20. April, einen von ben Abgeorbneten Kaul (S03.), Lenhart (Ztr.) unb Reiber (Dem.) unterzeichneten Antrag mit nachstehendem Wortlaut eingebracht:Wir beantragen, bie Regierung zu er- suchen, mit ben Regierungen bes Reiches unb ber übrigen ßänber wegen einer einheitlichen R e - gelungberMinisterpensionen in Serbin» düng zu treten unb bamit bie balbige Aenberung bes hessischen Ministerpensionsgesetzcs vorzubereiten/

Der Antrag, ber später angenommen wurde, gibt sich den Anschein, als geschehe nun etwas in ber An­gelegenheit: tatsächlich bedeutet er nichts anderes als ein Hinausschieben a u f die lange Bank. Gegenüber der vorher erwähnten Regie­rungsantwort ist er kaum als Fortschritt zu be­zeichnen. Was hindert denn Hessen, hier selbständig vorzugehen?! Württemberg wartet doch auch nicht ab, was erst das Reich und bie anberen ßänber in biefer Frage einmal tun werben.

Hes^scher LandgemeLndetag.

Der Vorstand des Hessischen Landgemeinde­tags nahm in einer zu Alsfeld stattgefundenen Sitzung u. a. auch Stellung zu der Frage der Elektrizitätsversorgung in Hessen. Veranlassung hierzu gab die Tätigkeit verschie­dener Elektrizitäts- und Gcrsversorgungs-Gesell- schaften im Volksstaat Hessen. Aus den bisheri­gen Verhandlungen hat sich die Zweckmäßigkeit der Bildung eines Beirates für Elektrizitäts­versorgung bei dem Ministerium des In­nern ergeben, geleitet von dem Bestreben, auf diesem Wege die Sicherung der Belange der kommunalen Elektrizitätsversorgungsanstalten zu erlangen. Es wurde, von dem Gesichtspunkte ausgehend, daß die Landbevölkerung nahezu drei Viertel der Gesamtverbraucher des Hessenlan­des ausmacht und nicht allein die Interessen der Großstädte als Erzeugungsgemeinden, son­dern vorwiegend die Verbrauchsinteressen zu ver­treten sein werden, eine stärkere Vertretung der Landgemeinden als vorgesehen gefordert.

Die Mitteilung des Vorsitzenden, daß die hessischen Landgemeinden bisher im Ver­waltungsausschuß des Landesamts für Arbeitsvermittlung in Hessen, Hessen-Aassau und Waldeck nicht vertreten waren, wurde von dem Vorstände mit Befremden auf­genommen, und es wurde beschlossen, mit allem Nachdruck auf die Zulassung der Landgemeinden zur Mitarbeit hinzuarbeiten. Die von der Ge­schäftsstelle in bezug hierauf eingeleiteten Schritte fanden einmütige Billigung

Bezüglich des uverhandnehmenden Wan­derer- und Bettler un wese ns in Hessen, der zur DInerträglichkcit werdenden Inanspruch­nahmen auf dem Geseheswege durch die Aeichs- regierung mit Unterstützung der übrigen Landes­verbände und des Deutschen Landgemeindetags in Berlin angestrebt werden, um insbesondere eine Erscheinung, die auch in den angrenzenden Ländern immer mehr zutage tritt, sollen Maß­nahme öffentlicher Mittel entgegenzuwirken.

Schließlich war die Mitteilung des Vor­sitzenden, Bürgermeister Alexander (Gonsen­heim), noch von Interesse, daß die diesjährige Tagung des Deutschen Landgemein de- tags in Hessen in Verbindung mit der Der- tretervcrfammlung des Hessischen Landgemeinde- tags flüitfinben wird. Als Zeitpunkt nahm man Ende August in Aussicht, zum Tagungsort wurde Mainz gewählt.

Oberhessen.

Landkreis Gietzen.

!! ß o 11 a r, 4. Mai. Eine wenig beneibens- werte Aufgabe hat ber Lehrer unserer Elemen- t a r k I a s f e. Sind boch an Ostern 7 0 Abc- Schützen seiner Obhut anvertraut worben. Da eine Teilung ber Klasse nicht gut vorgenommen werben kann, werben sie olle in einem Saale unter­richtet: wahrlich eine Arbeit, zu ber einer gute Por­tion Neroenkraft gehört. Eine begrüßenswerte Verbesserung erhält vom 15. b. M. ab unser Bahnoerkehr, ba von biesem Tag wieber ber 8 - Uhr - Zug abenbs nach Gießen ver­kehrt.

!! Saubringen, 4. Mai. Die Arbeits­losen unseres Dorfes fir.b zur Zeit im Taglohn bei ber Herstellung unseres Sportplatzes

Mit einem Ruck warf sich bie ganze Bande, sieben Mann, in ben Strom. Das Wasser schwabbte unb spritzte in bas Boot, ber Kahn kippelte abermals. Unb wieber vom ßanbe her ßachen unb Gebell. Da saßen sie unten auf ber Dampfertreppe, brei Seenixen, hatten bie Badetücher malerisch um Schultern unb Hüften geschlungen, ließen bie Fußspitzen in ben wippenben Weilchen tanzen, unb nun rief Thora: Haben bie Herren viel gefangen? Ich hoffe morgen auf ein gutes Gericht Aale."

Zieh boch endlich bie Anpein auf, Christian", kam Ille nach.Das müssen ja Zehnpfünd^r fein, bie ba bran sitzen."

Auf ber Brücke ein fester Schritt. Iven ßornfen hatte es nicht in seiner warmen Bobenstude aus» gehalten, war an ben Strom geschlendert unb fand alles in höchster Fibclität.

Rose sah zu ihm empor.Wenn Sie im Babe­anzug wären, Herr ßornfen, könnten Sie hlnüber- schwimmen unb helfen, ben Fang zu bergen. Die beiben Herren scheinen nicht fähig bazu."

In biesem Augenblick wuchten bie gefangenen Fische auf.

An jeher Schnur hing eine Literslasche mit Pa- tentoerschluß, wie sie für bie Arbeiter im Felde in Gebrauch waren, unb ourch bas Glas sah man brin» nen ein aufgerolltes Papier. Christian, ber bas feine zuerst heraus batte, las giftig:Na, Christian, hat der Kahn dich sanft In Schlummer geschaukelt?" Er warf die Flasche über Bord.

Das kostet 50 Pfennig", kam es vom Steg.

Eben entfaltete Heiber Stoffen den zweiten Zettel.Den Jüngling im kleinen Schiffe ergreift es mit wilbem Weh" Er ließ die zweite Flasche den gleichen Weg gehen, fuhr in bie Tasche, schnitt mit dem Messer bas haltende Tau durch ba lag er schon in den Riemen unb hielt scharf auf bie Brücke zu.

Hinauf, hinauf!" rief Ille, denn bas Schaukel­pferd kam seinem Genossen zu Hilfe, unb sie klet­terten hastig empor, setzten ben Fuß auf den letzten Balken, von oben streckte sich ihnen Lornfens Hanb entgegen ba berührte ber Kahn schon die Treppe, als sie bie Brücke entlangjagten.

Hinter ihnen ein brohenber Ruf:Das kostet exemplarische Strafe!" unb rennende Männertritte. Hilf Himmel! Das lange Laster mit seinen enblosen Beinen. Einen Schritt machte er, wo andere drei brauchten.

im Kiefernwalde an bet Busecker Chaussee be­schäftigt. Es wird damit einem dringenden Bedürf­nis abgeholfen, ba wir jetzt außer ben zwei Turn- vereinen auch noch zwei Sportvereinigungen, Sportclub Daubringcn" unbFreie Sportvereini­gung Daubringen", haben.

Aus dem Lumbatal, 4. Mai. Einen erfreulichen Anblick bilben bie z. Z. blühenben Flie- berbäume vor ben Häusern mancher Dorfstraßen. Sehr zu begrüßen wäre es, wenn bei Neubau- t e n allenthalben barauf geachtet würbe, vor bem Haus für ein Vorgärtchen Platz zu lassen, ba- mit auch in unsere sonst eintönig wirkenbe Dorf­straßen etwas mehr Grün unb Blumenschmuck unb somit schöne Abwechslung käme.

= Alten - Buseck, 4. Mai. Seinerzeit wurde an dieser Stelle von einem beispiellosen Baum­frevel berichtet, ber von Bubenhanb an jung ge­pflanzten Dbftbäumen auf ber Kreisstraße von hier nach Saubringen begangen worben war. Sie Poli­zeibehörden Haden sich bie benfbar größte Mühe ge­geben, bie hinterlassenen Spuren burch Abbrücke ver- folgenb, um bie Missetäter dingfest zu machen, ßeiber blieben alle Nachforschungen erfolglos. Siese unauf­geklärte Tat ließ neuerdings einen jungen Mann anscheinend in demselben Glauben handeln. Er hatte feine Freude daran, auf feinem mitter­nächtigen Heimweg von hier nach Staufenberg eini­gen im Frühjahr gesetzten Apfelbäumen burch Abbrehen ber Krone bas Lebenslicht auszu­blasen. Surch einen glücklichen Zufall konnte bics- mal bie Gendarmeriestation Lollar den nächllich ar­beitenden Helden in Gestalt des 17jährigen Bechtold aus Staufenberg, der bereits vorbestraft ist, feiner geleistetenKulturtat" über­führen. Er gestand sofort, nur e i n Bäumchen ab­gebrochen zu haben. Hoffentlich wird diesem Nacht- Wanderer sowie seinen Mitarbeitern durch die Ge­richtsbehörden ein richtiger Senkzettel gegeben, da­mit ein- für allemal ben jugenblichen Herrschaften, bie sich gerne in dieser Weisevergnügen", alle Lust zu solchen Streichen genommen wird.

-s- Lich, 4.Mai. Der hiesige Kriegerverein veranstaltete am Sonntagabend im Saale desHol- ländischen Hofes" einen ßidjtbilberoortrag überSie Sommeschlacht". Lehrer Meckel führte die Bilder vor. Ser 1. Vorsitzende des Bezirks Lich der Kriegerkameradschaft Hassia, Tierarzt Sr. Wal­ter, hielt ben Vortrag bazu. Sie Veranstaltung war gut besucht.

y. Hungen, 4. Mai. Stubienassessor Schott aus Sarmftabt, ber vor einem Monat an ber Real­schule Nibda abgebaut worben war, hat an der hie­sigen höheren Bürgerschule wieber Anstel­lung gesunden.

Kreis Friedberg.

sf. Friedberg, 4. Mai. SerW ander- vogel V. B. H e s f e n g a u" hielt am Sonntag in unserer Stabt eine sehr zahlreich besuchte Ver­treterversammlung ab. Am Dorabenb fand inBurg Bilstein" (bem in ber Burg befindlichen, neuem Heim ber Jugenbvereine) ein Singabend statt, am Sonntag war Ausrücken auf ben Exer­zierplatz bei Ockstabt, woselbst sportliche Kämpfe aus­geführt würben. Nach Becnbigung berselben mar­schierte man wieder zur Stadt zurück unb versam- melte sich im Museum, wo ber Borsitzenbe besGe- schichts- unb Altertumsvereins Friedberg", Professor Sr. Blecher, einen Vortrag über dieUrge­schichte ber Wetterau" hielt.

WSN. Bab-Nauheim, 4. Mai. Am 13.Mai (Christi Himmelfahrt) JoU bie Kapelle im be­nachbarten Oder-Morlen eingeweiht unb ber borligen evangelischen Gemeinde zu gottesdienst­lichem Gebrauch übergeben werden. Sie Feier wird in Anwesenheit der beteiligten geistlichen und welt­lichen Behörden stattfinden. U. a. wird ber Super­intendent für die Provinz Oberhessen, Oberkirchen­rat Wagner, erwartet; auch ber hessische Haupt- verein ber Gustav-Abolf-Stiftung wirb seine Ver­treter entsenben. Bereits im Jahre 1906 war in Ober-Mörlen ein Kirchenbauverein gegrünbet wor­ben. Sie gesammelten Baugelber in Höhe von 12 000 Mark fielen aber ber Inflation zum Opfer. Auf bem hiesigen neuen Friebhof würben Refte zweier römischer Terra-'6igilatn-(3e« faße ausgegraben. Von einer Schale ist mit bem Fuß ungefähr ein Drittel erhalten. Sie zeigt bie Darstellung einer Jagd (Jäger mit Keule, Löwe, Gazelle, zwei Hirsche, Hase, Vögel und anscheinend Feigenbäume).

CO Vilbel, 4. Mai. In unserem Walde fin­det man eine botanische Seltenheit sehr häufig. Die Bevölkerung nennt bie Pflanze Knob­lauch, weil sie einen scharfen Lauchgeruch hat. Es

Ein Segen, baß bie Bade-elle so nahe war! Droben über ben Deich zehn Schritte über bie Wiele hinein in bas bergenbe Sacktuch ba wurde bas von außen gefaßt.

Sofort kam Thoras Stimme sehr stolz unb von oben herab:Bitte, in bie Ankleideräume von Samen bringt fein gebilbetcr Mann." Sie greifenbe Hanb ließ bie Leinwand fahren, Ille schnallte drinnen bie Bänber fest. Und bann ein Jubelgelächter in ber sicheren Bucht.

Christian, bu, Christian, hilfst du uns morgen, deinen Fang verzehren? Allein werben mir nicht Herr über ihn."

,S)m Steffen, schnarchen Sie immer im Schlaf? Ober nur, wenn Sie was Gutes träumen?"

Wir haben es gehört. Sie haben beibe gerebet im Schlummer. Sie sagten immer: ,Silvia, Silvia, süße, angebetete Silvia!' Und mit einem Male ganz empört: .Ein Loch hast bu im Strumpf!*"

,XJa, unb Christian hatte solche Sehnsucht nach Grön. Er schluchzte ordentlich: .Man noch einen Grog, Mubber Grön, man noch einen/

Sie sollten Romane schreiben, Fräulein Ille."

Tu' ich auch, wenn ich erst in meinem Jungsern- turm sitze.

Täuw, min Seern, wenn du ruffümmft!" schatt Christian.

Wir kommen noch lange nicht raus. Wir liegen hier im Gras unb sonnen uns. Wer hupft ba? Soch, cs hupit jemand. Man spürt es im Boden. Nützt nichts, hier sieht keiner drüber weg. Herr ßornfen, find Sie auch noch da, Herr ßornfen?"

,jawohl, Fräulein Rose."

Ach bitte, Herr ßornfen, holen Sie sich doch ein Buch und legen sich ins Gras, bas tun Sie doch ganz gern, nicht?"

Schrecklich gern."

Unb sagen Sie uns, wenn diese beiden Ver­brecher fort sind, ja?"

Das tut er nicht," rief Heiber Steffen, ,Hazu hat er viel zuviel Korpsgeist."

Das tut er boch, nicht wahr, Herr ßornfen?"

Alles für Sie, Fräulein Rose."

Das wußte ich, Herr ßornfen." Sie stieß einen kleinen Schrei aus. Ille hatte sie gezwickt.Du Gör," im Flüsterton,was weißt bu, was Herr ßornfen gern tut? Unterstehe dich nicht unb werde abtrünnig.

handelt sich um den Bärenlauch (Allium ursinum), ber in feuchten, sumpfigen Laubwalbun- gen auftritt. Durch ihren durchbringenben Geruch ist sie vor Tierfraß geschützt. In ber Wetterau wird bleie Pflanze sonst nicht angetroffen.

CO Aus ber UBetterau, 4. Mai. Ein reiches Feld für Naturfreunbeistber Wald bei Wickftadt zwischen dem Hof unb der Sternbacher Kirche. Viele in anberen Wäldern ber Wetterau seltene ober ausgestorbene Pflanzen kommen hier häufiger, zum Teil in großen Mengen vor. Ganz besonbers häufig ist der Aronstab ober gefleckter Aron. Außerbem kommt bie vielblättrige Maiblume, auch Weißwurz ober Salo» monfiegel genannt, viel vor. Born Knabenkraut fin- bet man brei Spezies,bas schmalblättrige ,breitblätt» rige unb gefleckte, eben so zwei Arten ber vierblätt­rigen Einbeere, nämlich bie schmal- unb breitblätt­rige. Auch eine Pflanze ohne Blattgrün, bie Nest­wurz, hat sich hier gehalten. Jetzt hat ber Seibelbaft . ober Kellerhals seine Beeren angesetzt, bie halb über- oll schön rot leuchten werden, unb bie Pflanze so leicht verraten, wie bie rötlichen Blüten im zeitigen » Frühjahr. Daburch wird er wohl auch bald ver­schwinden, denn besonders in ber Blütezeit wird er massenhaft gepflückt. Eine recht gefährliche Gift­pflanze, die außerdem nicht genügend bekannt ist, konnte, zur Freude bes Naturfreundes, noch nicht ganz ausgerottet werden. Es ist dies die Tollkirsche, bie sich in einem jungen Schlag»urch in einem Exemplar erhalten hat, im anschließenben Hessen- w a l b bei Engeltal aber in einem alten Stein- biuch noch häufiger zu finden ist. Sollte man nicht diese letzten Reste einer ausfterbenben Pflanzenart schonen unb ber Jugenb am Stanbort zeigen, bamit sie bie Gefahr kennen lernt und dadurch vor zu­fällig auftretenden Pflanzen geschützt ist? Alle diese Bilanzen kommen in ben schattigen Wäldern des Hügellandes ober Gebieges noch sehr häufig vor, sind aber in ben Wälbern ber Wetterau, selbst in unmittelbarer Nahe bes Wickstäbter Waldes, kaum ober nicht mehr zu finben.

Kreis Büdingen.

!! Hirzenhain. 4. Mai. Bei Schluß der Arbeitszeit wurde heute im alten Schrei- neteibau der Eisenwerke Hirzen­hain Feuer bemerkt. Die alarmierte Feuer­wehr war sehr bald am Platze und griff aus mehreren Schlauchleitungen mit der Motorspritze und der Handspritze den Brand an. Der Dach­stuhl des Gebäudes brannte ab. Vorräte an Dielen und alten Modellen gaben dem Feuer Nahrung. Die Ursache des Brandes ist zur Stunde noch unbekannt. Ter Betrieb wird nicht in Mitleidenschaft gezogen.

Kreis Schotten.

Id. S d) o 11 e n , 4. Mai. Schwer enttäuscht waren bie Leute unserer Gegend, die durch bie rafenb schnell fteigenben Ferkelpreise vom Einkauf abgebalten wurden unb hofften, auf dem Schottener Markte billiger eintaufen zu können. Die Preise für Ferkel unb Läufer hielten sich nicht nur, fonbern zogen sogarnoch etwas an. So würben für 68 Wochen alte Fer- fei 4050 Mk für 12 Wochen alte 70 Mk. und für erwas ältere Läufer 100 Mk. bezahlt. Obgleich diese Preise in krassem Mißverhältnis zum Preise ber fetten Schweine stehen, lasten sich doch nur wenige Leute vorn Einkäufe bes Schlachtschweines für ben fommenben Winter abhalten, denn der unverhältnis­mäßig hohe Preis für ein ober zwei Ferkel läßt sich immer noch leichter aufbringen alsber Haufen Gelb", ben eine Hausschlachtung nicht selbst gemäste­ter Schweine im nächsten Winter kosten würbe. Es ist eine alte Erfahrungstatsache, baß bei ben Holzverstetgerungen, bie erst gegen Be­ginn des Frühjahres ftattfinben, bie Preise wesentlich niedriger sind als im Winter, wenn bie große Zahl ber Kauflustigen sich zu mitunter unsinnigem Bieten hinreißen läßt. So konnte bei einer Versteigerung bes Forstamts Schot­ten 1 Raummeter Buchenscheitholz 1. Klasse schon für 10 bts 11 M k. erworben werben, wäh- renb im Winter für 1 Raummeter gleicher Sorte unb Güte bis 20 Mk. bezahlt würben. Auch beim Holz­steigern heißt es: Eile mit Weile!

ßaubad), 4. Mai. Sonntag abend hielt auf Ginlabung bes hiesigen Kriegervereins Oberstleutnant o. Hagen im großen Saale bes Solmfer Hofs" einen Vortrag überD i e Schlacht von Berbun". Der Vortrag würbe durch treffliche ßichtbilber veranschaulicht. Die zahl­reichen Zuhörer fpenbeten bem beliebten Rebner lebhaften Beifall. Arn Samstag nahm die Kom-

Du hast dich grab so gut bem Jungfernturm Der« schrieben wie wir."

Eine ganze Weile tiefe Stille brinnen und drau­ßen, bann Lornfens Stimme:Die Luft ist rein, meine Damen. Herrn Polematz seh' ich schon hinten auf bem Deich, unb Herr Steffen steuert seinen Kahn bem Kanal zu."

Ach (Sott, Herr ßornfen. Sie sinb ein furchtbar netter Mann. Dafür bekommen Sie auch heut' zum Abenbessen rote Grütze."

Eine Viertelstunbe später lag ber Babetempel offen unb leer im Abendrot. Thora wirtschaftete in ber Küche, Rose deckte ben Tisch auf ber großen Diele, unb Ille goß schnell noch bie Rankrosen an der Hauswanb.

Iven ßornfen aber staub in seinem Zimmer, las stehend in ben Ergebnissen seiner Römerforschung und pfiff bazu ein Lied.

Angetan hat's mir bein Wein, Deiner Sleuglein Heller Schein, ßinbenroirtin, bu junge!"

Angetan war ihm hier etwas in ben kurzen Wochen, so jungselig war er nicht einmal als Pen­näler gewesen zur Zeit feiner ersten Tanzstunden- liebe. Aber wenn er eben Roses süße Stimme horte: Das tun Sie doch, Herr ßornfen?" unb es klang wie:Das tun Sie boch gern für mich" unb wenn fein Herz bann sagte:Zu gern, süße, kleine Rose" schob sich im gleichen Augenblick Thora dazwischen:Bitte in bie Ankleiberäume von Da­men bringt kein gebildeter Mann" unb er wußte, wie sie bageftanben haben mußte, straff, stark, stolz unb boch mit heimlichem Lachen in ben Augen. Aber dann sah er jäh hingestellt im flam­menden Sonnenlicht bubenhaft schlank unb rassig, Jlles Gestatt, und bas Blut schoß ihm heiß in ben

Änb im gleichen Augenblick war Flut um ihn unb ziehenbe Segel, Wikingerschiffe, braune, sehnige Männer, schmalhüftige Schlachtenjungfrauen das Schrillen riesiger Sturmmöwen Ja, bas geschah ihm auch alle Tage dreimal zum mindesten hier draußen, daß Bilder, Lieder, ganze Romane über ihn herfielen, ihn rissen unb zerrten:Wir sinb ba, wir sind da! Gib uns Leben! Leben, oder wir trinken dein eigenes Herzblut!"

Es lebte sich heiß unb stark im ladjenben Haus. (Fortsetzung folgt.)

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