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Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 5. März 1926.

Die Bautätigkeit in Gießen

hat im Laufe drs vorigen 3ahves recht beachtens­werte Resultate gezeitigt. Namentlich im südlichen unb südöstlichen Stadtteil sind zahlreiche Neu­bauten, meist Wohnhäuser, entstanden. Regen Anteil an dem Baubetrieb hatte auch das Klinik- viertcl. wo der Staat und der Heilstättenverein für Hessen (Lupusheim-Erweiterungsbau) große Bauten errichten ließen. Ferner ist in diesem ZusammenHang die Errichtung des neuen Telc- graphenamts-Gebäudes in der Bahnhofstraße hin- ter der Hauptpost zu registrieren.

Die kommenden Monate werden unserer Stadt gleichfalls eine rege Bautätigkeit bringen. Bis ^tzt sind von der Stadt bereits zwanzig Bange nchmigungen erteilt worden. Mit der 3n- angriffnahnre der Bauten hat man zum Teil schon begonnen. Meist handelt es sich dabei um Wohnhausbauten, die eine ganze Reihe neuer Wohnungen bringen werden. 11. a. erbaut der Reichsmilitärfiskus ein Zwölsfamilicnhaus am Kugelberg, die Ausschachtungsarbeiten hierzu haben vor einigen Tagen begonnen. Der Eisen- vahnerheimstättenvcrein baut an der Wilhelm- und 3heringsttaße ein Doppelhaus mit acht Woh- inihgen. Zahlreiche private Bauherren errichten Wohichäuser, die meist im südlichen Stadtviertel liegen werden. Ein größeres Bauprojekt wird auch die Stadtverwaltung in den Sommermonaten zur Durchführung bringen. Sie wird am Kugel­berg eine Wohnhausgruppe mit zwanzig Woh­nungen (Zwei- und Drei-Zimmerwohnungen) er­richten lassen, deren Kosten auf rund eine Dieriel- million Mark veranschlagt sind. 3m 3nteresse unseres Wohnungswesens und des heimischen Ar­beitsmarktes ist diese Unternehmungslust im Bauen mir zu begrüßen.

Täglicher Verkehrsflug Kassel - Giehen - Frankfurt.

Auf allen Flügen Zwischenlandung In Gießen.

Wie wir zuverlässig erfahren, sind in den letzten Lagen zwischen der Südwestdeutschen Luft­verkehr A.-G. in Frankfurt a. M-, der Luft­verkehr A.-G. Oberhesfen-Lahngau in Gießen und der Stadt Kassel Verhandlungen gepflogen worden mit dem Ziele, eine bessere Flug­verbindung zwischen den Städten Kassel. Gießen und Frankfurt a. M. zu schaffen. Die Verhandlungen führten zu dem Ergebnis, daß vom April ab dem Tage, an dem der Luftverkehr allgemein wieder ausge­nommen wird eine tägliche Flugver­bindung zwischen Kassel, Gießen und Frankfurt a. M mit jedesmaliger Zwi­schenlandung in Gießen hergestellt wird. 3n Frankfurt a. M. und Kassel werden günstige Fluganschlüsse nach Süden bzw. Norden her­gestellt werden.

Bornotizen.

TageSkalender für Freitag. Stadttheater: 6Va Mr .Gräfin Mariza" (Ende 10 Uhr). Ausstellung von bildlichen Darstel­lungen aus dem homerischen Kreis von 101/, Uhr bis 1 Ahr und von 3 bis 5 Ahr in der Aula des Gymnasiums. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: *5ßat und Patachon als Polizisten".

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Für die Aufführung der Oper ,.M a r g a r c t e" am kommenden Diens­tag sind so viele Plahvorbestellungen für den 2. Rang eingelausen, daß unmöglich allen An- sprächen entsprochen werden kann. Wer also unbedingt von diesen Bestellern auf einen Platz für das Operngastspiel rechnet, wird gut tun, sich morgen, Samstag, an der Theaterkasse zu erkundigen, um sich eventuell einen anderen Platz zu sichern. Für die Aufführung von Zuck- mayers ,.Der fröhliche Weinberg" am Sonntag gibt sich ebenfalls lebhaftes Interesse kund. Der 2. Rang ist bereits ausverkaust: für alle anderen Plätze sind noch Karten erhältlich.

Die Volkshochschule bittet uns, nochmals aus den Vortrag hin'zuweisen, den Prof. Dr. M i t t e r m a i e r am Samstag, 6. ds. Mts., im Hörsaal 44 der Universität überllji f er Gefängniswesen" halten wird. Näheres siehe Anzeige.

Die neue Großmacht" betitelt sich der Film der Ersten Internationalen Arbeiterolympiade in Frankfurt. Wilhelm Prager, der Schöpfer des bedeutsamen SportfilmsÄege zu Kraft und Schönheit", hat sich, so schreibt man uns, mit dem Olympiafilm selbst übertroffen. Die Olympiade mit ihrer ungeheuren Massentetlnahme und ihrer Viel­seitigkeit rollt vor dem Auge des Beschauers ob. Man erlebt das Riesensportfest latiächlich noch ein­mal. Der Film beginnt mit der Entstehung des Stadions, den Feftoorbereitungen, zeigf eine Fülle wunderbarer Aufnahmen aus dem 10 Kilometer langen Festzug und hat eine große Reihe der Leicht­athletik-Wettkämpfe, in denen zumeist die Finnen siegten, festgehalten. Alle weiteren Sportarten, Tur­nen, Schwimmen, Rudern, Schwerathletik, Rad­rennen und Reigenfahren, die hochinteressanten Fuß­bollwettkämpfe und vor ollem die gewaltigen Mos- senoorführungen lassen den Beschauer die ungeheu­ren Ausmaße dieser Veranstaltung ahnen. Der Film will nur für den Sport werben: daß er dieser Auf. gäbe im vollsten Maße gerecht wird, ist von allen Seiten bestätigt worden. So schreibt z. B. die Zeit­schrift der Filminteressenten:Dieser Film ist der beste Sportsilm, der bisher herausgekommen ist. Er ist objektiv und parteilos, dabei enthält er aber so wundervolle und hochinteressante Aufnahmen, daß seine Tendenz, nur für den Sport zu werben, um so packender heroortritt." Der Olympiafilm wird am Sonntagvormittag in Gießen in den Palastlichtspie­len und in den folgenden Tagen in einer Reihe grö­ßerer Orte der Umgegend vorgeführt. Näheres jft aus der heutigen Anzeige zu ersehen.

Hundeschau. Dec Verein Hundespori für Gießen und Amgegend veranstaltet am näch­sten Sonntag aus der Liebigshöhe eine interne Hundeschau von Hunden aller Rassen. Näheres in der heutigen Anzeige.

Wettervoraussage.

Nachts Temperaturen um Null, tagsüber kühl, nördliche bis westliche Winde, noch einzelne Niederschläge.

Ein Niederschlagsgebiet, in dem bei ver­änderlicher Bewölkung einzelne Schauer, teil­weise in fester Form, niedergehen, erstreckt sich über ganz Deutschland. Auf der Rückseite des weiter ostwärts vorrückenden skandinavischen Wirbels, dessen Ausläufer bis in unser Gebiet reichen, ist außerdem ein Vorstoß kalter Luft erfolgt, der die Morgentemperaturen im Ver­gleich zum Vortage um durchschnittlich 6 Grad hat sinken lassen. Wir kommen mehr und mehr auf die Rückseite des Wirbels. Die Temperaturen

bleiben niedrig, einzelne Niederschläge stehen noch in Aussicht.

Gestrige Tagestemperaturen: Marimum 9.8 Grad Celsius, Minimum 0,0 Grad Celsius, Nie­derschläge 2.6 Millimeter. Heutige Morgentem- perattir 1,1 Grad Celsius.

Abgesagte Stadtvcrordneten- Sitzung. Die auf gestern nachmittag 5 Ahr in das Stadthaus anberaumtc öffentlich: Hitzung der Stadtverordneten wurde in den gesttigen Vormittagsstunden abgesagt. Die weitere Erledi­gung der aus der Tagesordnung stehenden An- gelegenhcit (Errichtung einer WohnhauSgruppe am Kugelberg) dürfte also ahne erneute Verhand­lung im Plenum des Stadtparlaments möglich geworden sein.

* Dos Wetter hat im Laufe des gestrigen Tages und in der letzten Nacht einige recht unlieb­same Sprünge gemacht. Bis in die gestrigen Mit­tagsstunden fegte ein Sturmwind durch die Stra­ßen, der namentlich an den Straßenecken und in den 'Anlagen große Kraft erreichte. Zwischen 1 und 2 Uhr setzten heftige Niederschläge, verbunden mit leichtem Hagelschlag, ein, nach deren Ende gegen 2 Uhr eine empfindliche Abkühlung der Temperatur cintrat. Dos Minimum der letzten Nacht sank infolgedessen auf den 'Nullpunkt, gegen 5,2 Grad in der Nacht vorher: die Morgentemperatur ging auf 1,1 Grad plus zurück, gegen 6 Grad gestern früh: das Maxi­mum sank von 11,8 Grad gestern auf 9,8 Grad heute vormittag. Vom Hoherodskopf werden uns heute vormittag 3 Grad Kälte gemeldet, bei 10 Zentimeter Schneehöhe seit der letzten Nacht. Dabei schneite es gegen 10 Uhr dort oben noch luftig weiter. In unseren Straßen konnte die weiße Ueberraschung natürlich nicht festen Fuß fassen. In der Müller- schen Badeanstalt zerstörte der gestrige Sturm einen großen Teil der baulichen Anlagen.

b. Städtische Drennholzverstei- g e r u n g. Bei bet gestrigen Drennholzverstei- gerung im Stabtwald wurde nur Hartholz aus- geboten. Die Detriligung der Kauflustigen an der Versteigerung war stark. Es würben gute Preise gezahlt. Cs brachten: Duchenscheiter 2021 Mk., Eichenscheiter 1516 Mk., Duchenknüppel 1517 Mk., Cichenknüppel 11 Mk., Duchenstöcke 910 Mk., Cichenftöcke 8 Mk. je Raummeter, Buchen­wellen 40 Mk., Gichenwellen 26 Mk. je 100 Stück.

. * Oefsentliche Bücherhalle. 3m Februar wurden 1477 Bände ausgeliehen. Da­von kommen auf: Erzählende Literatur 930, Zeit­schriften 127. 3ugenbschriften 100, Literatur­geschichte 6, Gedichte und Dramen 17, Länder­und Völkerkunde 97, Kulturgeschichte 22, Ge­schichte und Biographien 58, Kunstgeschichte 7, Naturwissenschaft und Technologie 54, Heer- und Seewesen 5. Haus- und Landwirtschaft 8, Ge­sundheitslehre 4, Religion und Philosophie 23, Staatswissenschaft 10, Sprachwissenschaft 6, Fremdsprachliches 3 Bände. Nach auswärts kamen 19 Bände.

** Vorsicht vor Auswanderungs- agentenl Wie Pilze schossen in den Nachkriegs- jähren Agenturen aus der Erde, die im Intereste fremder Staaten mit deutschen Auswanderungs­willigen den reinsten Sklavenhandel trieben. Durch die Verordnung gegen Mißstände im Auswande- rungswesen wurde diesen im Iabre 1924 ihr licht­scheues Handwerk gelegt. Neuerdings erfährt der Evangelische Hauptverein für Deutsche Auswande­rer, Wltzenhausen, daß Agenturen vom Ausland aus durch oriefliche Propaganda Auswanderungs­willigen, von deren Absichten sie irgendwie Kennt­

nis erhalten, die verlockendsten Angebote machen. Schwerste Arbeit in unzuträglichem Klima ist das Schicksal derer, die unbesonnen hierauf eingehen. Aus Grund bester Informationen gibt der genannte Verein in allen derartigen Fällen kostenlos wert­volle Auskünfte, imb es sollte niemand auf auslän­dische Zuschriften eingchen, bevor nicht eine ver­trauenswürdige Inlandsteile befragt worden ist.

" Pak et e mit Waffen und Muni­tion im Verkehr mit dem besetzten Gebiet. Für den Verkehr mit den besetzten Gebieten ist die Beförderung von 3agdwafsen und 3agdmunition nacblränHcb freigegeben wor­den, so bah hierzu die Einholung einer Ge­nehmigung nicht mehr erforderlich ist. Als er­laubte 3agdwafsen gelten: Flinten, Büchsen. Düchsflinten mit einem Sauf sowie mit zwei ober drei Läusen, ferner Repetierbüchsen und Büchsen in der An von Flobertbüchsen. Nicht erlaubt sind Zagdbüchsen, deren Tragweite 300 Meter überschreitet, und solche mit dem Kaliber der Kriegsgewehre.

Einqesandt.

(Für Form und 3nhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Leise Anfrage.

Sieht der den Straßenbau am Schiffen- bergerweg beaufsichtigende Beamte nicht, bah bas wegen des Straßenbaues für Fußgänger angelegte Zwischenstück, welches vom Schiffen- bergweg über Ackerboden, über die neuge­baute Strahe nach dem Hohlweg sührt, für Fußgänger bei Regen schon feit Wochen nicht passierbar ist? Kann die Behörde hier unb direkt hinter der neuen Straße nicht einige Karren Schlacken hinfahren lassen, auch dann, wenn das Gleiche infolge der Bauarbeiten tu einer Woche wieder notwendig sein sollte, zumal den täglichen Passanten doch fein anderer Weg bleibt? -r.

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