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Nr. 259 Erstes Blatt

176. Jahrgang

Donnerstag, 4-

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

$r«nifurtam'm«ii°ii686. vnick «nd Verla,: Brühllche Unw«rfilä>r-Such- unö Steinöruderei R. langt in Sieden. Schriftleitung und s-schästrftelle: Lchllllttaßr 7.

November 1926

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Chefredakteur:

Dr. Friedr Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den An« zeigenteil i. Dertr. H. Beck, sämtlich in Gießen.

WeMlVMmM meiSßM

Vie ameriianischeil Wahlen.

Die Bundes- und Staatswahlen, die in Amerika am 2. November vonstatten gegangen sind, haben zwei überraschende Ergebnisse ge­zeitigt. Das eine besteht darin, daß sich die Aussichten Eoolidges und seiner Republi­kanischen Partei auf einen Wahlsieg im Jahve 1928 bei der Präsidentschaftswahl erheblich verschlechtert haben, und das andere in der Tatsache, das) zweifellos das amerikanische Dolk auf dem Wege ist, der Seg­nungen der Prohibition gänzlich über­drüssig zu werden. Sn gewissem Sinne stehen beide Erscheinungen auch in ursächlichem Zu­sammenhang.

Zwar steht noch nicht ganz fest, ob die überschwenglichen Siegesmeldungen der Demo- krateN sich voll bewahrheitet haben, nach denen sie in beiden Häusern des Kongresses die Mehr­heit beanspruchen. Es ist auch vethältnismäßtg nebensächlich, besonders für europäische Beur­teiler, ob im Senat Demokraten und Progressisten zusammen ein oder zwei Stimmen Mehrheit über die Republikaner besitzen oder nicht. Dasselbe gilt zum Teil auch für die Stimmverhältnisse im Repräsentantenhaus. Bon Bedeutung ist es für die beiden Parteien insofern, als diejenige, die die Mehrheit hat, damit auch die Organisation des betreffenden Hauses, d. h. die Besetzung der Stellen vom Sprecher (Präsidenten) und den Vorsitzenden sämtlicher sehr zahlreicher Ausschüsse bis zu den Angestellten und Beamten, erhält. Für die Arbeitsleistung des Kongresses an sich ist in der zweiten Hälfte eines Präsidentschafts- termins, also für die nächsten beiden Sahre, nur dann von Wichtigkeit, dah die herrschende Partei in beiden Häusern ',u gleich üher die Mehrheit verfügt, wenn sie wichtige parteipolitische Gesetze durchbringen will. Solche heih umstrittene Pläne find zur Zeit nicht vorhanden, und es ist auch kaum anzunehmen, dah sich Präsident Eoolidge und seine Trabanten ermutigt fühlen werden, neue Pläne aufzustellen. Für das Land hat sich bisher immer noch als die praktisch beste Form die ergeben, dah in dem einen Haus die Repu­blikaner, im anderen die Demokraten die Mehr­heit besitzen, weil dann jede rein parteipolitische Gesetzgebung ausgeschlossen und sachliche Arbeit gefördert wird. Wenn das Stimmenverhältnis ein so knappes ist, dah der Ausfall von ein oder zwei Stimmen das Ergebnis zu ändern vermag, dann wird dasselbe Resultat erreicht, und das scheint im neuen Kongreh der Fall zu sein.

Zweifellos und bedeutungsvoll ist es jedoch, daß Präsident Eoolidge eine ganz persönliche Riederlage erlitten hat. Es ist schon un­gewöhnlich, wenn der Präsident in seinem eigenen Heimatstaat, der zu den Hochburgen seiner Partei zu rechnen ist, geschlagen wird. Wenn er sich zedoch für einen bestimmten Kandidaten mit der vollen Autorität seiner Person und seiner Stel­lung einseht, und der demokratische Gegner siegt, dann ist das allerdings eine so schwere Nieder­lage, daß damit wohl Herr Eoolidge als Kandi­dat für seine Wiederaufstellung im Sahre 1928 durch die Republikanische Partei ausscheidet. Sedenfalls ist in dieser nunmehr das Feld frei für alle diejenigen, die das Zeug in sich fühlen, an Coolidges Stelle sich in zwei Sahren um die Präsidentschaft bewerben zu können. Der demo­kratische Sieg, der im Heimatstaat des Präsiden­ten, in Massachusetts, den Demokraten Walsh statt des republikanischen Kandidaten Butler in den Senat gebracht hat, enthält eine scharfe Warnung für die Republikanische Partei über­haupt. Bei den Vorwahlen waren in eine Reihe von Staaten republikanische Wahlbetrügereien in großem Umfange ausgedeckt worden, und das hat sicherlich stark zu der allgemeinen Mißstim­mung gegen die Republikanische Partei beige­tragen. Das fiel um so schwerer ins Gewicht, als es in diesem Wahlkampf sich fast nur um Persönlichkeiten und nicht um grundsätzliche Unter­schiede zwischen den Parteien handelte.

Nur eine Frage, die damit ihrer grundsätz­lichen Entscheidung nähergerückt wird, ist stark in ben Vordergrund getreten. Das ist die Ptvhi- bitionsfrage, die se' t dem Kriege das ameri­kanische Volk ftirtcr beschäftigt und erregt hat als irgendwelche Angelegenheiten der äußeren oder inneren Politik. Bisher waren beide Par­teien hierüber gespalten, und in verschiedenen Staaten haben es die Führer vorgezogen, die Frage lieber nicht anzurühren. Aber in acht ver­schiedenen Staaten drehte sich der Kamps fast ausschließlich um die Prohibition, und in allen acht Staaten haben dieNassen" einen ent­scheidenden Sieg errungen. Das trat am deut­lichsten im Staate Reuhork in die Erscheinung, wo der nasse demokratische Kandidat Alfred Smith mit_ überwiegender Mehrheit zum Gou­verneur gewählt wurde und dem gleichfalls nassen demokratischen Senatslandidaten Wagner zum Siege verhalf. Dieses Ereignis ist doppelt er­freulich Wagner ist Deutsch-Amerikaner ünd hatte die Unterstützung des Steuben- Bundes, der sich ausschließlich aus amerikani­schen Bürgern dentsch.'r Abkunft zusammensetzt. Man darf darin also einen schönen Erfolg des Dcutsch-Amerikanertums erblik- leit Smith dürfte sich durch seinen gewaltigen Erfolg die kaum zu bestreitende -Anwartschaft 'auf die demokratische Präsidentschaftsnomination für 1928 erworben haben, und das würde dahin führen, dah sich dann die demokratische Partei überhaupt als Dorkämpferin für die Beseiti­gung der Prohibition erklärt. Mit einer Drei­viertelmehrheit hat sich die Bevölkerung von Reu-

Paris, 3. Nov. (Wolfs.) Zu den bereits gestern gemeldeten Nachrichten über die Ver­haftung von italienischen und französischen Revolutionären an der französisch- panischen Grenze werden von der Havas- Agentur aus Perpignan weitere Einzelheiten gemeldet. Danach seien gestern Verhaftungen im Zusammenhang mit dem revolutionären Komplott in Spanien vorgenommen ax>r- drn. Die Verhafteten seien in der Hauptsache .Spanier. Staliener seien nur in geringer An­zahl beteiligt. Das Gerücht werde bestätigt, i>a6 Waffen- und Munitions-Depots besonders in Eerdagne angelegt worden seien. Die nach Spanien fahrenden Züge würden streng überwacht. Die seit zwei Tagen durch zahlreiche Chiffre-Telegramme aufmerksam gemachten Be­hörden bewahrten über die Angelegenheit des Komplotts strengstes Stillschweigen. Sn einer weiteren Meldung wird ausgeführt, dah ein ranzvsischer Polizeikommissär auf dem Bahn­hof von Millas siebzehn Spanier und Staliener verhaftet habe, die einer Ab­teilung revolutionärer Verschwörer angehörten. Die Spanier, die die Bomben mit sich geführt hätten, seien entkommen. Der Führer der Bande ei ein gewisser Soss Carillo aus Barce­lona, der 1902 in Barcelona geboren, in einer Raffinerie in Dillancourt bei Paris tätig und in Dologne-sur-Seine wohnhaft gewesen ist. Ca­rillo habe ian Beziehungen gestanden zu Ma- c i a, einem früheren spanischen Oberst und Spanien ausgewiesen sei. Dor seiner Abreise Angehörigen des Spaniers Cortez, der aus aus Paris habe er von einem gewissen Ramon Munster 27 000 Franken und einen Umschlag mit SnftruFtionen erhalten, den er erst an dev Grenze habe öffnen sollen. Sn Toulouse, Car- cassone und Quillan habe Carillo Anhänger gesammelt.

(Er habe den plan gehabt, mit feinen An­hängern die Grenze zu erreichen und eine revo­lutionäre Bewegung zu entfesseln.

Vierzig weitere an der spanischen Grenze ver­haftete Personen seien im Laufe der Nacht in Perpignan eingetroffen. Nach Dlättermeldungen sollen vierhundert Pseudotouristen, die derselben Bewegung angehörten, an der fran­zösisch-spanischen Grenze sich aufhalten, um deren Ueberschreitung zu versuchen. Die Verhafteten seien wegen ihrer großen Zahl in einer Kaserne in Perpignan untergebracht.

Die französische Polizei hat gestern abend in einem aus Narbonne kommenden Zug wei­tere Verhaftungen von Personen vorge­nommen, die an der aufgedeckten spanischen revo­lutionären Vereinigung beteiligt sein sollen. Unter den Verhafteten befinden sich ein Arzt und ein Apotheker, die große Vorräte an Medikamenten und Verbandszeug mit sich führten.

Bei einem der verhafteten habe man die Fahne des Expeditionskorps gefunden, und zwar eine

York außerdem für eine Minderung des Dolstead» Gesetzes ausgesprochen, das die Ausführungs­bestimmungen zum Verfassungsamendement über die Prohibition enthält. Danach gilt im Sinne der Verfassung als alkoholisches Getränk, was einen höheren Alkoholgehalt als 1/2 Prozent hat. Die Bestrebungen der Prohibitionsgegner gehen dahin, den zulässigen Alkoholgehalt zunächst auf zwei bis vier Prozent zu erhöhen. Auf diese Weise kann langsam aber sicher das Prohi­bitionsamendement unterhöhlt werden, bis es zur Aufhebung reif ist. Der Ausgang der diesjährigen Wahlen bedeutet also einen wichtigen Schritt vorwärts in dieser Richtung.

Die erste Ueberstcht über den Wahlausgang.

N e u t) 0 r I, 3. Nov. (TU.) Obwohl das end­gültige Wahlergebnis bis um 5 Uhr morgens noch nicht vollständig vorliegt, läßt sich doch be­reits eine Niederlage der Republi­kaner seststellen. Die Demokraten haben im Senat insgesamt 47 Sitze errungen, nach Mitteilung der Hearst-Presse sogar 48, während die Republikaner zusammen mit den Progres­siven nur insgesamt 43 bzw. 47 Sitze er­kämpfen konnten. Es steht hiernach bereits fest, daß die Regierung Eoolidge mit großen Schwierigkeiten im Senat wird rechnen müssen, da sie nach der einen Version in der Hand der Progressiven, nach der anderen sogar von den Demokraten allein abhängig geworden ist. Die Progressiven sind in der Lage, sich jederzeit mit den Demokraten zu verstän­digen und haben damit die Entscheidung über die Regierungsvorlage.

Die Regierung Eoolidge hat somit im Senat keine praktische Mehrheit.

Sm Repräsentantenh aus haben die Demokraten, soweit feststeht, bisher 20 Sitze ge­wonnen. Da jedoch noch die Ergebnisse des ge­samten Westens ausstehen, besteht die Möglich­keit, dah sich dies Ergebnis noch weiter zu ihren Gunsten verschiebt. Aber selbst, wenn sie im Repräsentantenhaus keine Mehrheit erzielen sollten, würde dies nicht von entscheidender Be­deutung sein, da der Senat die ausschlaggebende Körperschaft darstellt.

große rotgoldene katatonische Jlagge mit blauem Separatiftenftern in der Mitte.

Außerdem habe man eine weitere Fahne mit den gleichen Farben gefunden, die auf dem Kirch­turm des ersten Dorfes gehißt werden sollte, das in die Hände der Separatisten fallen würde. Die Verhafteten, die in Kasernen untergebracht sind, werden getrennt von dem Leiter der Sicher­heitspolizei und dann vom Staatsanwalt ver- nommen werden. Es handelt sich in der Haupt­sache um junge Leute von 25 bis 30 Sahren mit vollständiger Ausrüstung. Man glaubt nicht, daß noch weitere an der Bewegung beteiligte Per­sonen sich unterwegs befinden.

3n Perpignan beträgt die Gesamtzahl der Jcftgcnommenen 93.

Die Aufstandsbewegung sollte heute früh in Spanien ausbrechen, und zwar dadurch, daß die in Roussillon festgenommenen Separatistenabtei­lungen die Grenze überschreiten und die Bewe­gung in Gang bringen sollten. Zur gegenwärtigen Stunde herrscht, wie Havas aus Perpignan mel­det, in Spanien Ruhe, da die Bewegung ohne Kampf erstickt worden sei.

Bereits heute nachmittag fand sich der spa­nische Botschafter in Paris im Mini­sterium des S nn er n ein, wo man ihm alle Einzelheiten der Angelegenheit mitteilte. Die Unterredung dauerte etwa U/z Stunden. Ueber die Bewegung selbst konnte festgestellt werden, dah bereits anfangs Oktober die französische Sicherheitspolizei auf eine gewisse Anzahl ita­lienischer und spanischer revolutionärer Elemente aufmerksam gemacht worden war, die

anläßlich der Feier des Jahrestages des Fasziftenmarsches auf Rom einen revolu­tionären Ausstand geplant

hätten. Es seien geheime Zusammenkünfte in der anarchistischen Bereinigung in Paris abgehalten worden. Dort feien die Revolutionäre mit dem früheren spanischen Oberst Francesco M a c i a be­kannt geworden, der feit zwei Jahren aus Spanien ausgewiesen sei und das Haupt einer reoolutionäm Bewegung in Katalonien sei. In dieser Dersammlung sei eine Aktion gegen die spanische Regierung be­schlossen worden und man habe ein Nekrutie - rungsbureau unter Leitung eines gewissen Ra­mon Munster eröffnet. Zahlreiche Personen hätten sich eintragen lassen. Man habe Geld erhalten, Waf­fen gekauft und diese auf ßaftautomobilen an gewisse Punkte der spanischen Grenze befördert. Die rechte Hand des Macias sei der bereits mehrfach genannte JofL Carillo (derTemps" nennt ihn Cariou) gewesen. Die französische Sicherheitspolizei habe die Bewegung im geheimen verfolgt und sämtliche Teil­nehmer feftgeftellt. In Paris hätten sich etwa 100 und ebensoviele dieser Revolutionäre in der Provinz aufgehalten. In den letzten Tagen des Oktobers habe die Polizei davon Kenntnis erhalten, dah die Revo­lutionäre zur Tat schreiten wollten. Daraufhin seien die Maßnahmen getroffen worden, die zu den Ver­haftungen geführt hätten.

Das Wahlergebnis beweist, daß Coolidges Wiedernominlerung für 1928 nicht mehr in

Frage kommt.

Zum erstenmal ist ferner durch Abstimmung be­wiesen worden, daß das amerikanische Volk die Prohibition für schädlich hält. Als wei­teres wichtigstes Ergebnis ist der Stimmengewinn des Gouverneurs Smith anzusehen, der nun­mehr innerhalb der Demokatischen Partei daraus hinarbeiten kann, daß er 1928 als Präsident­schaftskandidat ausgestellt wird.

N e u y 0 r k, 3. Nov. (WTB.) Der Vorsitzende des republikanischen Komitees für die Senats­wahl en, Senator P h i p p s, erflärte, der Rück­gang der republikanischen Stimmen könne nicht als eine Ablehnung der Republikani­schen Partei durch die Wähler betrachtet werden, da er hauptsächlich in solchen Staaten zu ver­zeichnen sei, in denen soziale Fragen das Heber» gewicht hätten. Demgegenüber erflärte der de­mokratische Senator Swanson, das Er­gebnis der Wahl zeige, dah das Dolk mit der sogenannten Coolidge-Prvsperität nicht einverstanden sei. Die Lage in der Tertil-, Schuh- und Maschinenindustrie sei günstig, wäh­rend die Landwirtschaft, insbesondere der Daum- woll- und Weizenanbau notleide.

Die Kriegsschuldenfrage.

Reuhork, 3. Rov. (WD.) Sn einer Mel­dung desSoumal of Commerce" aus Wa­shington heißt es, nach dort gemachten Fest­stellungen deuteten Meldungen der franzö­sischen Zeitungen über die Ergebnisse der Vorwahlen in Amerika an, daß man eine nach­giebigere Haltung Amerikas in der Frage der französischen Kriegsschulden erwar­ten könne, falls die Demokraten im Senat die Oberhand erhielten. Auch sei angedeutet worden, dah das französische Parlament die Ratifizierung des Kriegsschuldenabkommens auf» geschoben habe in der Erwartung, daß die De­mokraten im Senat sich des Steuers bemäch- tigten. Demgegenüber betont die Meldung des Soumal of Commerce", dah die neugewähl­ten Senatoren ihr Amt nicht vor De­zember 1927 antreten würden und dah überdies die Kriegsschulden angelegen- h e i t nicht zu den im Wahlkampf umstrittenen Fragen gehört habe.

Weitere Ausschreitungen in Italien.

Paris, 3.Rov. (WD) Wie Havas aus Rom berichtet, hat der französische D 0 t - schafter Desnard wegen der Zwischenfälle in Tripolis und in Denghazi Protest erhoben. Sn Denghazi habe die Volksmenge das fran­zösische Konsulat zwingen wollen, neben der französischen die italienische F'agge zu hissen. Der Unterftaarffefretär für auswärtige Ange- legenheiten G r a n d i habe in der französischen "Botschaft seine Entschuldigung zum Aus­druck bringen lassen und eine strenge Bestrafung der Schuldigen angekündigt. Gleich-'itig habe übrigens nach demTemps" der französische Bot­schafter bei seinem Besuch in der Consulta Pro­test wegen der Zwischenfälle in Ventimiglia erhoben.

R 0 m , 3. Rov. (Wolff.) Die Blätter berichten von Zwischenfällen in verschiedenen Städten infolge des Attentats. Sn Cagliari wurden zwei Redaktionen gestürmt, sowie ein Oppositions-Abgeordneter verhaftet. Sn einem Orte in der Nähe von Mailand wurden das Vereinslokal der Popolari sowie eine Druckerei in Brand gesteckt. Die Feuerwehr wurde von der Löschtätigkeit abgehalten, so dah die Gebäude nieberbrannten. Auch in Neapel wurden die Wohnungen einiger Antifaszisten vernichtet.

Lavoro d'Stalia" meldet aus Genua, daß Faszisten die Wohnung des Abgeordneten Rossi zerstörten und in Brand steckten. Auch die Wohnungen des sozialistischen Abge- ordneten Canepa und eines Rechtsanwaltes, der als hoher Würdenträger der Freimaurerei bekannt ist, wurden von Faszisten zerstört und angezündet.

Bombenwurf gegen eine Kaserne der italientfd;en Miliz.

Berlin, 4. Rov. (TU.) Rach einer Meldung der Morgenblätter aus T r i e st wurde in der ver­gangenen Nacht von unbekannten Tätern eine Bombe gegen die Kaserne der Rational­miliz inSPeteram Karst geschleudert. Ern Faszist war sofort tot, fünf andere wurden mehr oder weniger schwer verletzt. Die bedeutendsten Führer der Miliz sind an Ort und Stelle ein­getroffen, um die Lage zu prüfen.

Todesstrafe mit Rückwirkung?

Rom, 3. Nov. (Wolff.) DieSribuna" hebt die besondere Wichtigkett der bevorstehenden Sitzung des faszist Ischen Großen Rates hervor. Dor allem werde die sofortige Verhän­gung der Todesstrafe mit rückwirken­der Kraft beantragt werden, so daß auch die wegen früherer Attentate Angeschuldigten davon betroffen werden. Ferner sollen aus den Reihen der Faszisten alle irgendwie verdächtigen Per­sonen <.usgestohen werden. DerSeOere be­antragt, man möge innerhalb des Großen Rates einen besonderen Verteidigungsaus­schuß bilden, der die Ursachen und Quellen des Antifaszismus zu prüfen hätte.

geitungsverboie.

Rom, 3. Rov. (Wolff.) Durch Dekret des Präfekten von Rom wurde die Druckerlaub­nis für die demokratischen "BlätterMondo" und Risorgimento"'sowie für dieVoce Republicana" aufgehoben. Vorläufig verboten wurde in Mailand der sozialistischeAvanti"' und die kom­munistischeUnita" sowie einige syndikalistische und sozialistische Zeitschriften. Sn Turin wurde dieStampa" vorläufig verboten und in Genua der sozialistischeLavoro", ferner die Populati- BlätterCorriero" in Turin undGittadino" in Brescia sowieSortiere de Matina".

Sektion der Leiche gambonis.

Rom, 4. Nov. (WTB. Funkspruch.) Der Messagero" berichtet über den Seltionsbesund an der Leiche des Verübers des Anschlages auf Mussolini: Von den Aerzten wurden zahl­reiche Stichwunden und Würgemale festgestellt. Dor der Leiche wurden mehrere Zeugen ver­nommen, die den jungen Mann bei seiner Tat beobachtet hatten. Dor allem wurde die Tatsache bestätigt, dah der junge Mann sich bei der Vorbeifahrt des Ministerpräsidenten durch die Truppenkette vordrängte und den Schuh aus nächster Nähe abfeuerte.

Mussolini wieder in Nom.

Rom, 4. Rov. (TU.) Um 8 Uhr abends traf Mussolini in Rom ein. Auf seinen aus­drücklichen Wunsch unterblieb jeder offizielle Emp­fang, nur die Minister und die Spitzen der faszistischen Organisation hatten sich auf dem Dahnhof eingesunden. Die gesamte Miliz wat zum Spalierbilden aufgeboten.

Ein weiteres Komplott in Frankreich entdeckt.

Paris, 3. Nov. (WB.) DerTemps" gibt unter Vorbehalt eine Meldung desLavoro d'Jtalia" aus Nizza wieder, wonach einige Stunden vor dem in Bologna auf Mussolini verübten Attentat in Frankreich ein gegen Mussolini gerichtetes Komplott entdeckt worden fei. Bereits vor einiger Zeit hätten Pariser Antifaszisten versteckt von einem Attentat gesprochen, das in Italien gegen Mussolini verübt werden sollte, und zwar während der Feier des Jahrestages des Fafzillen- marfches auf Rom. Ende der vorigen Woche habe | sich ein Beamter der italienischen Polizei nach