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hausärztliche Bescheinigung, sowie der wirtschaft­lich bedrängten Lage durch Vorlegung von Steuerpapieren oder Befürwortung durch das Wohlfahrtsamt oder eine andere Wohlfahrts­stelle.

Wirtschaft.

Börse und Geldmarkt.

Don den verschiedenen Problemen, mit denen sich die Börsenspekulation in der letzten Zeit be­schäftigte, hat nur die Frage der Lohndiffe» rennen im Ruhrbergbau bisher eine Klärung erfahren. Der Schiedsspruch ist für verbindlich erklärt und damit die Gefahr eines Ausstandes vermieden worden. An der Börse hat diese Rege­lung eine günstige Kommentierung und das Kurs­niveau der Kohlenaktien eine erhebliche Steige­rung erfahren. Man geht dort anscheinend nicht auf die Wirkungen der höheren Dergarbeiter- löhne ein, die sich dann bemerkbar machen werden, wenn der deutsche 'Bergbau nach dem Abbruch des englischen Kohlenstreiks alles daran sehen muh, in dem zu erwartenden ungemein scharfen Wettbewerb mit Den eng­lischen Gruben seine jetzt etwas günstigere Position auf dem Weltmarkt zu behaupten. Es ist selbstverständlich vorauszusehen, dah die Eng­länder auf jede Weise versuchen werden, ihre alten Absatzgebiete wieder zurückzuerobern. Die Stellung der deutschen Zechen hat dagegen eine bedauerliche Schwächung durch die Lohn­erhöhungen erfahren, die aus dem Grunde um so mehr im unrichtigen Augenblick vorgebracht und durchgedruckt wurden, als das Resultat des kommenden Wettbewerbes die Grundlage einer späteren Verständigung zwischen dem deutschen und englischen Bergbau werden dürfte. Auf bei­den Seiten ist man darüber im klaren, Daß im 'Verlauf der nächsten Jahre in England die­jenigen Organisationen der Gruben gebildet wer­den, die als Gegenkontrahent bei den dann be­ginnenden Verhandlungen über bestimmte Ab­reden mit den deutschen Gruben (in der Preis- bezw. Absatzfrage) auftreten können. Die Stärke des deutschen Bergbaues zu jener Zeit wird die Quote bestimmen, die ihm zugebilligt wird. Die Entwicklung der nächsten Jahre wird also lange das Schicksal unseres Kohlenbergbaues maßgebend beeinflussen Da diesem keine staatlichen Sub­ventionen zur Verfügung stehen, werden alle Kräfte angestrengt werden müssen, um den harten und schweren Kampf auf dem Weltmarkt gut zu überstehen. Diese Erwägungen darf man an der Börse nicht außer acht lassen, wenn man sein Slrteü über die Art der Beendigung des Lohn- streites fällt.

Kleber die Kombinationen, die denElektro- t r u st" und die Ausdehnungsabsichten der Far­bengruppe angehen, ist durch die General­versammlung der 3. G. Farbenindustrie A G. bzw. das Cornrnuniqus des Siemens-Konzerns zur 30 Mill. Dollaranleihe keine Aufllärung ge­schaffen worden. Die Phantasie der Börse kann daher, namentlich in der FarbeTrangelegenheit, ungestört weiter arbeiten. Dah sie es tatsächlich tut, zeigt die an einem Tage (Donnerstag) über l3proz. Steigerung der Rheinischen Braun- kohlenaktien auf Gerüchte über einen Um­tausch 1:1 in Farbrnaktien. Den Dementis scheint die Börse wenig Vertrauen zu schenken, so daß sich schon förmlich das Schlagwort einer »Hausse in Dementiwerten" gebildet hat. Wenn auch ver­schiedene Verwaltungen in neuerer Zeit mit Dementis arbeiteten, die sich später als unzu­treffend herausstellten, so dürften die in diesem Falle auftretenden Zweifel der Spekulation an der Richtigkeit der Erklärungen des Farben- tonzerns kwch zu weit gehen. Die Festigkeit der verschiedenen Spezialwerte gibt der Börse neuer­dings aber nicht mehr einen so starken Rück­halt, wie noch vor Wochenfrist.

Inzwischen hat der Ultimo das Geschäft nachhaltiger und länger beeinflußt, als man er­wartete, so daß die hier schon wiederholt an» gestellten Ueberlegungcn über die Entwicklung des Geldmarktes zum Herbst nun auch an der Börse diskutiert wurden und die Unter­nehmungslust hemmten. Außerdem ist zu be­rücksichtigen, dah in der kommenden Woche das jüdische Reujahrsfest den Dörsenbesuch und die Umsätze zwei Tage (Donnerstag und Freitag) sehr einschränken wird, danach aber die M e d i o - abwi ckelung nicht mehr weit ist. Die opti­mistischen Monatsberichte der Groß­

banken wirkten sich daher kursmäßig kaum aus. Die leichte Besserung unserer Wirtschafts­lage ist ja auch in dem gegenwärtigen Kursniveau bereits eskomptiert. Die Lage am Geldmarkt wird voll der Commerz- und Privatbank sehr richtig dahingehend charakterisiert, daß man nicht von einem Geldmangel, wohl aber von einer ge­wissen Versteifung des Geldes in die­sem Herbst zu sprechen haben werde. Für die Zukunft des deutschen Geldmarktes werde, abgesehen von den Koniunkturmomenten. die Frage des Bedarfes der öffentlichen Hand von besonderer Bedeutung sein. Soweit das Reich in Frage kommt, wird nach den neuesten Erklä­rungen des Reichsfinanzministers an eine 21 n - leihemifsion bzw. die Ausgabe neuer Schatzanweisungen vorläufig (d. h. für die nächsten Monate) nicht gedacht. Der Börsen-Geld­markt zeigt nach dem August-Ultimo nur eine langsame und bisher noch kaum spürbare Ent­spannung, weniger hinsichtlich der bereitstehenden Mittel, als der Zinssätze: Tagesgeld stellt sich auch jetzt noch auf 6 bis 7 Prozent.

* Mitteldeutsche Creditbank, Frank- f u r t a. M. und Berlin. In der gestrigen Auf- sichtsratssitzung wurde der Abschluß für das erste Halbjahr 1926 vorgelegt. Er weist eine erfreuliche Entwicklung des Geschäfts und sehr befriedigende Erträgnisse aus.

* QL Riebeck'sche Montanwerke m Halle a. d. S. In der gestrigen Aufsichtsrats­sitzung wurde beschlossen, der auf den 29. Sep­tember einzuberufenden o. H. D. die Annahme eines Interessengemeinschaftsvertrages mit Der I. G. Farbenindustrie Aktien-Gesellschaft zu emp­fehlen, der ein Dividendenverhältnis der Riebeck- Aktien zu der I. G. Farbenindustrie von 6:10 und vom 1. April 1930 ab für die Riebeck- aktionäre ein Recht zum Umtausch der Riebeck- aftien in I. G. Farbenaktien im gleichen Verhält­nis Vorsicht. Der Interefsengemeinschaftsvertrag soll mit Rückwirkung vom 1. April 1925 ab in Kraft treten, so daß im Falle feiner Annahme für das Geschäftsjahr 1925/26 eine Dividende von 6 Prozent auf die Riebeckaktie zur Verteilung kommt. Das jetzige Dezugsrecht der 3. G. kommt für die Riebeckaktionäre nicht in Frage.

* Gründungen und Auflösungen in der zweite n Augu st hälfte. Während in der zweiten Augusthälfte die Zahl Der Grün­dungen gegenüber der ersten Hälfte eine geringe Verminderung von 575 auf 573 zeigt, hat sich Die Zahl der Auslösungen von 935 auf 1075 erhöht. Bis aus Einzelsirmen, Aktiengesellschaften und Genossenschaften überwiegen Die Gründungen Die Auslösungen.

* Gebesserte Geschäftslage bei Krupp. Die Aufträge Der ersten Augusthälfte haben Den AuftragsbestanD des ganzen 'Vor­monats überschritten. Weitere Arbeiterentlassun­gen sind nicht mehr zu erwarten. Die Finanz­verhältnisse sind im allgemeinen sehr liquide.

frankfurter Börse.

(Eigener Drahtbericht desGießener Anzeigers"^

Frankfurt a. M, 4. Sept. Tendenz: schwächer. Die Stimmung war am heutigen Wochenende unsicher, und in Der Geschäfts­gestaltung ließ sich eine große Zurückhaltung be­obachten. 3m Termingeschäft kommt Die Vor­liebe für Spezialwerte auch weiter zum Ausdruck. An Der Spitze dieser Bewegung stan­den Die mit Der Farbengruppe in Ver­bindung stehenden Werte. Eine wesentliche Stei­gerung dieser Papiere war Damit aber nicht verbunden. Anfangs war die Kursgestaltung uneinheitlich, nach kurzem Verlaufe drückte Die allgemeine Geschäfts stille stark auf die 3hirfe, so dah Die Tendenz eine schwächere Hal­tung annahm. Am Montanmarkt konnten bei Beginn Rheinstahl und Mannesmann mit leichten Steigerungen eröffnen, Die aber im Ver­lause nicht zu behaupten waren. Die anderen Werte dieses Gebietes gaben 1 bis 2 Prozent nach. Ricbeck-Montan erlitten einen schar­fen Rückschlag von 6 Prozent infolge von An­gebot. Die Einzelheiten des in Vorschlag ge­brachten Interessengemeinschaftsvertrages mit der Farbengruppe dürften eine Enttäuschung gebracht haben. Am Elektromarkt traten Rückschläge his zu 1,5 Prozent ein. Auch Bankaktien muhten sich Kursabschläge ge­fallen lassen, mit Ausnahme von Darmstädter, Die 0,25 anzogen. Stark gedrückt waren Dis- conto, minus 2 Prozent. Schiffahrtsaktien

behaupteten ihre Festigkeit. An den übrigen Märkten waren Die Rückgänge überwiegend, nur Zuckeraktien gehalten, teilweise gebessert. Heimische Anleihen lagen lustlos. Auch auslänDische Renten, von Denen Rumänen lebhaft gehandelt wurden, neigten zum Rach- geben. Der Freiverkehr bot das übliche stille Bild. Beckerstahl 28, Benz 82, Brown Boveri 124, Frankfurter Handelsbank 85, Ufa 42, Entre­prise 8, -Ufra 94 Proz. Der spätere Verlauf brachte keine QlenDerung des lustlosen Geschäfts. Die Kurse gaben weiter nach. I. G. - Farben gingen auf 284. Mannesmann auf 138 Proz. zurück. Am Geldmarkt hält Die Flüssigkeit Km, Die Sähe waren unveränDert. Im De­visenverkehr toaren Die westlichen Franken­valuten leicht abgeschwächt. 3m übrigen traten keine wesentlichen Veränderungen ein.

Dörsenkvrke.

Frankfurt a.M.

Berlin

Sd)lu!j» Kur»

t.UKr Kur,

SchluK- fiirr»

Anfang kure

Dalum:

3.9 |

4 9.

8.9

4 9

5°/p Deutsche RcichZanlethe .

4°/o Deutsche Reichsan leihe .

u4825

0.4825

u.48

0.48

0 44

0,4325

3Vi% Deutsche Reichsanlethe

0,43

0.43

0,50

3% Deutsche Reichsanleihe

0,48

0,5025

»

Deutsche Svarpramien an leihe

0.24

-

0.27

_

4% Preußische Kons als . .

0.435

0.4275

0,435

4% Hessen......

0,40

3Wo Hessen........

3°/o Hessen..........

-

-

-

Deuttche Wertb. Dollar-Snl- dto- Doll.-Schav-Slntreisllg.'>

95,5

99,85

--

4°/0 Zolltürken.........

13,45

13.5

_

5°/e Solbmertfantt - . .

46,25

-

Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- und Privat-Bank

215

205*

211,7*

207*

141'

138.5*

140,7*

140*

Darmst. und Nationalbank .

218'

217*

216.7*

215*

Deutsche Bank........

172,2*

169,5*

170*

169-2*

Deutsche Bereinsbank . .

96

Disconto Commandit

164.5

163*

162*

Metallbank..........

136,5

133,25

Mitteldeutsche Kreditbank. .

141.5

141.5*

142

Ocsterreichische Lreditaustalt

9.2

8,5

9,2

9.05

Weltbank .........

80

Bochumer Guß.......

148.5*

147.7*

146,9*

BuderuS...........

101

100

99,9

100

Caro ...........

82.75

-

82

Deutsch-Luxemburg......

Gelsenkirchener Bergwerke. .

156,5*

155*

154.5

153.5*

167.7'

168,5*

168.2-

167.5*

Harpener Bergbau.....

Kaliwerke Aschersleben....

'57*

141,5

154,5*

139.7*

153.2*

139,2*

Kaliwerk Westeregeln.....

149,5

148

Laurahütte ..........

_

54

51,62

Oderbedarf...........

Phönix Bergbau ......

70

_

72

72*

122*

121

121*

120.7*

Ryeinstabl . ........

156.5*

156.5*

155.5*

157*

Riebeck Montan........

169'

161*

166,5*

161*

Tellus Bergbau......

69,75

Bereinigte Stahlwerke A,-G

143.25

142,75

Hamburg-Amerika Paket. . .

Norddeutscher Llovd . ...

161.5* 161*

161.2*

161,5*

162*

162'

162*

161,7*

Lheraunsche Werke Albin . .

68

_

Zementwerk Heidelberg . . .

Philipp HoUmann......

135,5

119.9

135,75

119

Anglo Cont -Guano.....

_

93

94,75

Chemische Mayer Alapin . .

I. G. Farbenindustrie, A.-G.

Goldschmidt ..........

485,2*

112

-84,7*

285*

111

285*

119

Holzverkohlung........

Rütgerswerke........

53

122

121

120,75

Scheideanstalt.........

163

«llg. ElektrizttätS-Gesellschaft

162'

160,7*

161*

160.5*

Bergmann ....... ,

Mamkrastwerke . .......

161

109

159*

158,1*

Schuckert . . ........

141*

139,9*

139,5*

138,5*

Siemens A HalSke .

204,5*

204,5*

203

203.5*

Adlerwerke Kleyer ......

85

85

84,5

Daimler Motoren. ......

85

83.62

83,9

Hehligeustaedt.........

Megnin.............

30

48

47,75

Motorenwerke Mannheim .

41,75

Frankfurter Armaturen . .

Konservenfabrik Braun .

40,75

Metallgesell!ck>ast^ Frankfurt .

151

95

_

96

^chuhiabrik Herz . . . . ,

60

59.5

Sichel..............

Zellstoff Watdhof.......

-

184,5

-

184,5

>84,75

Zuckerfabrik Frankenthal . .

Zuckerfabrik Gag häufel . .

75,5

90,5

76,75

90,75

72

90,5

Berliner Börse.

Berlin, 4.Sept. Die Haltung der heutigen Börse war ab wartend. Die Haussestim- mung ist von den Aktienmärkten allgemein g e - wichen, da man an das erhöhte Kursnioeau letzt den Rentabilitätsmaßstab anlegt und vielfach fest­stem, daß die Kurse der Terminware mehr aus spekulation, als Berzinsungsaussichten in die Höhe getrieben worden find. Es mehren sich außerdem be­achtenswerte Stimmen, die auf den immer noch an­haltenden Ernst unserer Wirtschaftslage Hinweisen. An ihrer Spitze stehen die Ausführungen maßgeben­der Wirtschaftsführer auf dem in Dresden stattfin- denden Änduftrietage. Die Besserungen erstrecken sich laut den Berichten der preußischen Handels­

kammern auf einige wenige Wirtschaftskreise, wäh-i rend in der Beurteilung der Zukunft zu einer größeren Reserve gemahnt wird. Da Spekulation und Publikum jedoch noch immer an ihrem Besitz festhalten, bröckelt das Kursniveau bei äußerst stillem Geschäft nur leicht ab, ohne daß die Tendenz als schwach bezeichnet werden kann. Die absolute Lustlosigkeit veranlaßte die Börse, in einigen S pe - zialwerten Kursbewegungen zu insze­nieren, für die sachliche Motive nicht bekannt ge­worden sind. So konnten Schiffahrtaktien, Mannesmann-Röhren, Rheinstahl, Deutsche Erdöl und der Markt der ausländischen Renten bei spekulativen Käufen gute Kursbefestigun- g c n verzeichnen. Am Auslandrentenmarkt traten besonders Rumänen und Türken hervor. Von Montanwerten lagen Riebeck stark gedrückt, obgleich das jetzt bekanntgewordene Umtauschoer- hältnis in Farbenaktien eine erhebliche Besserung gegenüber den ursprünglichen Absichten darstellt. Am Geldmarkt machte die Erleichterung Fort­schritte. Tabesgeld stellte sich auf 5 bis 7 Prozent. 3m Devksenverkehr traten nennenswerte Veränderungen nicht ein.

Devisenmarkt BerlinFrankfurt cu M. Telegraphische Auszahlung.

___________(Ohne Gewähr.)

Banknoten.

2 Septbr.

3. Septbr.

Amtliche Noti runa

Amtliche Notierung

weid

Brrek

Geld

Brief

Amst.-rttou

168,14

168,56

168.19

168.61

Buen.-Aires

1.693

1,697

1,693

1,697

Brff.-Antw

11,58 91,88

11,62

11,65

11,69

Christiania

92,12

91,93

92.17

Kopenhagen

111,50

111,78

111,69

111,77

Stockholm

112.16

112,44

112,19

112,47

Helnngfors

10,553

10,693

10,55

10,59

Italien - .

15,17

15,21

15.48

15^52

London. .

20,366

20,416

20,369

20,419

Neuhork . .

4,194

4.204

4,194

4,204

Paris. . .

12,32

81,02

12,36

12.41

12,45

Schweiz . .

81,22

81,05

81,25

Spanien -

63,60

63,76

63,92

64,08

Japan . . .

3,017

3,021

2,020

2,034

Mio de Fan. Wien in D-°

0,641

0,643

0,641

0.643

Lest, abgest

59,22

59,36

69,325

59,365

Prag ....

12,42

12,46

12,418

12,458

Belgrad .

7,40

7,42

7,405

7,425

Budapest. .

5,875

5,895

o,88

5,90

Bulgarien

3.04

3,05

5,04

3,05

Lissabon

21,395

21,445

21,395

21,445

Danzig. . . Konstantin.

81.32

81,52

81,42

81,63

2,235

2,245

2,23

25

Alben

4,79

4,81

4,75

48i

Canada. .

4,199

4,209

4,199

4,209

Uruguav -

4.185

4.195

4.185

4,195

Berlin, 3. Septbr.

Geld

Sötte i

Amerikanische Note, . . . .. Belgische Noten..... . .

Dänische Noten ........ Englische Roten........

Französische Noten ...... Holländische Noten......

Italienische Noten......

Norwegische Noten.....

Deutsch.Ocsterr., äioo Kronen Rumänische Noten......

Schwedische Noten ..... Schweizer Noten......

Spanische Noten......

Tschechoslowakische Noten. Ungarische Noten.......

4,183

11,62

111,17

20,34

12.50

167,74

15,51

91,57

59.16

2.065

111,82

80,90

63,19

12,38

5,83

4,203 11,68 111,73

20,44 12,56

168.58 15,59

92,03 69.46 2,105

112,38 81,30 63,51 12,44

5,87

Berliner Produktenbörse.

Berlin, 3. Sept. Die schwächeren Ausland- marktberichte blieben auch auf den Berliner Pro­duktenmarkt nicht ohne Einfluß. Das Angebot in Weizen ist merklich niedriger geworden, die Mühlen halten mit chrer Kauflust zurück. So mußte Weizen am Loko- wie Terminmarkt durchweg 2 Mark ein- büßen: Roggen ist vom Jnlande wieder vermehrt am Markte, daher auch etwas nachgiebiger. Hier besteht Frage nach der Küste, aber auch solche sei­tens der Mühlen. Auch im Zeithandel zeigt sich dasselbe Bild. September- und Oktoberlieferung 1 Mark niedriger. In Hafer kommt das Erport- geschäft nur recht langsam in Gang, die Preise zeigen nur geringfügige Veränderungen. Gerste in mittleren Qualitäten eher etwas schwächer. Mehl in Uebereinftimmung mit den Getreidepreisen niedriger, das Geschäft ruhig. Es wurden notiert (1000 Kilogramm): Weizen, märkischer, 259 bis 265 Mark: Roggen, märkischer, 202 bis 208; Som­mergerste 197 bis 241; Wintergerste 166 bis 172; Hafer, märkischer, 169 bis 183; Mais, loko Berlin, 178 bis 182; Raps 150; (100 Kilogramm): Wei­zenmehl 36,75 bis 39,25; Roggenmehl 29 bis 31; Weizenkleie 10; Roggenkleie 11; Viktoriaerbfen 42 bis 48; kleine Speiseerbsen 33 bis 37; Futter­erbsen 24 bis 28; Rapskuchen 14,20 bis 14,40; Leinkuchen 19,20 bis 19.30; Trockenschnitzel 10,60 bis 10,80; Soyaschrot 20; Kartoffelflocken 20,25

Sturm in Schmalebeck

Roman von Sophie Kloerss.

Copyright 1926 by Aug. Scherl G. m. b. H., Berlin.

14. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

So laß ihn doch brüllen. Du Bengel, wie willst du durch das Leben kommen. Ich kann dir nur raten, werd' Handwerker. Mein Vater hat es eben deiner Mutter gesagt, es wird mit deiner Lernerei doch nichts. Na, das ist nicht meine Sache, das bered' mit ihr. Aber meine Sache ist es, dir mal deutlich zu machen, daß solch großer Kerl wie du, der vorwärts muß, keine Zeit mit Allotria vertrödeln soll. Wenn du die Gören arbeiten lassen sollst, und du zeichnest dann junge Mamsellchen auf dein Papier, na, daß sie dann keinen Respekt vor dir haben, das kannst du dir wohl selber denken."

Fiete wurde stammend rot. Täte sich doch die Erde auf, ihn zu verschlingen. Aber die Holsteinsche Erde hatte durchaus keine derartigen Anwandlungen. Sie stand bombenfest, obgleich es Fiete schien, als schwankte sie unter seinen Füßen, als er hinaus aus dem Haufe und auf den Markt kam.

Na, haben dir die Mäuse die Butter vom Brot gefressen?" fragte Madam Eggers.Wie siehst du denn aus?"

Der Doktor schimpft mit mir. Daß ich die Gören nicht in Zug halten kann. Und ich soll man Handwerker werden. Und satt kriegt' ich auch wohl nicht. Und"

Herrje fuhr die kleine Frau in die Höhe.Sag' ich doch! Sag' ich doch! Das sind die Vornehmen! Oha! Handwerker werden. Und nicht satt kriegen, wo ich mich so und spar' mit das Brot vom Munde ab." Sie drohte mit der Faust zum Doktorhaus hin­über.Die kriegen es auch noch. Tüchtig kriegen es die. Laß man fein, Fiete, und du wirst doch noch Pastor. Kannst ihnen allen noch mal die Leichen­reden halten. Kannst es ihnen allen noch mal ordent­lich sagen in deinen Predigten. Das kannst du." Sie wischte sich die Stirn. Es war wieder ein heißer Tag gewesen, und die Luft lag noch immer dick und schwül über der Stadt.Wo hast du denn nun dein Abendbrot?"

Brot? Ach so, das hab' ich oergeffen."

Wenn ich mir--und denk mir das nicht.

Nu kann ich hinlaufen zu Bäcker Böttcher und hol' uns noch en halbes Brot." Sie ging mit kleinen, zornigen Schritten zum Wandschap, kramte zwei Schilling hervor und lief aus der Tür. Kam wieder und war noch aufgeregter als vorher.Soll man es glauben? Sie zanken sich' da, daß Böttcher--

und hat Mehlwürmer in sein Brot gebacken. So ne Smutzerei. Und wie ich sag, ich sag: Haar war da auch schon ein oha, ausn Laden wollt sie mich smeißen. Was gibt das einmal für flechte Menschen/ Sie schnitt drei dünne Scheiben vom Brot, eine für sich, zwei für Fiete, kratzte ein Nestchen Schmalz Drüber hin und sagte, kauend:Wenn du Pastor bist, mein Fiete, da essen wir alle Sonntag Butter."

Wenn", murrte der Junge. *

An diesem Samstag abend, wo die Wetterwolken drohend über Stadt und Land hingen, hatte Jlsebill wieder versonnene Augen, sah in der Lindenlaube und strahlte vor sich hin. Und irgendwo in den Fel­dern jenseits der Schmale verschwand ein weißes Pferd, und der Reiter, den es trug, der lachte über Das ganze Gesicht, denn er hatte das Versprechen des hübschesten Mädchens von Schmalebeck und sieben Meilen in der Runde, den ländlichen Ball auf Eich- tal mit ihm zu eröffnen. Nun konnte der dicke Grütz- mann am andern Tag auf der Fahrt vergebens bitten und werben.

Ach ja, dieser heiße Sommer, der Das Bett der Schmale so herrlich zum Hindurchreiten ausdörrte, dieser ganze selige Sommer voll Rosen und Linden­duft und junger Liebe, Der sollte gesegnet fein.

So oft hatte Olaf Hammersmio schon sein Herz in Flammen gefühlt, aber gegen den Schmalebecker Brand waren selbst Kopenhagens Gluten nichts ge­wesen.

Und zu denken, daß dieses Mädchen reich war. Und daß Eriksgabe, das heimatliche Gut, eine reiche, junge Herrin geradezu forderte daß die Eltern sich aus diesem schwerwiegenden Grunde auch in eine bürgerliche Schwiegertochter mit liebenswürdigem Gesicht finden würden--

Der brave Schimmel keilte erschrocken aus, sein Herr hatte sich hoch im Sattel gehoben und einen klingenden Jauchzer in die weite Welt geschickt.

---Die Sonne sank hinter dicken Bänken, und es murrte wett her von Westen, wo das Meer

seine ruhelosen Wogen gegen die Deiche schob. Die Flut lief an und schob das Wetter heran, und als es Zeit war zum Schlafengehen, war in allen Häusern Schmalebecks Licht hinter den Fenstern, die Men­schen liefen auf den Höfen, füllten die Tröge und Eimer, der Nachtwächter hatte die Feuerspritze vor­sichtshalber schon aus Der alten Scheune gezogen, Pastor Rottmann ftanD am Fenster und freute sich über die blauen Flammen, die den Himmel durch­jagten, bis sie von weißen und schwefelgelben Brüdern abgelöst wurden, und er sagte zu seiner kleinen-'^Frau:Willst du dir nicht Die Blitze ansehen, Luise? Sie baDen Die ganze Stadt in Licht."

Aber Gewitter konnte Frau Luise nicht ver­tragen. Beide Hände vor das Gesicht gelegt, hockte sie in der Ofenecke und stieß kleine schrille Schreie aus, wenn es trotz der vorgelegten Hande hell in ihren Augen wurde.

Ilse kam herein, faßte die Großmutter zärtlich um und küßte sie.Wenn Du den Blitz siehst, Groß­mutter, ist er schon vorbei. Das haben die Gelehrten herausgebracht. Darum brauchst du dich nicht zu ängstigen."

Ach, deine Gelehrten! Die haben schon viel her­ausgebracht, und nachher war es ganz anders. Oh! Oh! Lieber Herrgott, was für ein entsetz­licher Schlag! Rottmann, das hat eingeschlagen."

Aber die Feuerglocke tönte nicht, und nach ge­raumer Zeit, als die Spannung zwischen Himmel und Erde ihre Losung gefunden, als der Regen ein- setzte und die Linden zu rauschen begannen wie fie­ser Orgelklang, nahm Luise Rottmann die Hände von Den Augen und rourDe wieDer ein beruhigter Mensch. Aus Dem Fenster sah sie und konstatierte nach Kleinstadtart, wer noch Licht hatte, und als sie drüben bei Madam Eggers einen schwachen Schein bemerkte, sagte sie:Die arme Seele, die kann auch kein Gewitter vertragen. Und hat niemand bei sich als ihren schlappen Fiete. Sie hat es doch recht schwer, wir sollten sie gut behandeln, Rottmann. Du könntest ihm die Stunden wirklich weiter geben."

Luise, es ist Unsinn. Der Junge wird im Leben kein Studierter."

Nein, das wird er wohl nicht. Aber sie hat die Hoffnung. Uid Hoffnung brauchen mir alle im Leben. Die ist viel notwendiger als die Erfüllung."

Du hast recht, kleine Frau. Was machst du für ein verstimmtes Gesicht, Jlsebill?"

Verstimmt? Nein. Aber ihr habt alle so traurige Ansichten vom Leben. Wenn ich nur hoffen soll, und nie kommt das Glück wirklich. So wie bei Fräulein Rosen und dem Kantor Wenn man an Den Rhein will und bleibt in einem kleinen Gib» Dorf sitzen" Sie schüttelte sich. Sah, Daß Die Großeltern lachten, unD lachte mit. Aber als sie in ihrer Stube ftanD und hinauslauschte in Das sanfte Riefeln und Rauschen des Regens und fernher noch stille Flammen am Horizont flackern sah und alles so beruhigt war, und doch so voll neuer sehnender Hoffnung, Da preßte sie beiDe HänDe gegen Die Brust und sagte ganz laut in Die Nachtstille hinein: Ich nicht. Ich will nicht resignieren. Ich nicht." Es klang wie ein Schwur.

---Das Rieseln aber verstummte, als die Turmuhr Mitternacht melbete. In ganz Schmale­beck wachte niemand mehr. Nachtwächter Sonneborn, Der doch bekanntlich dazu verpflichtet war, schnarchte neben dem Feuerschuppen, und nur die Regenpfeifer schrien irgendwo in Den Feldern: Geuß, gieß, giet Geuß, gieß, giet.

Die Wolken waren weit hinweggezogen, fernab rohrte die See, die kleine Schmale, vom Gewit­terguß geschwollen, plätscherte geschwätzig durch die Wiesen, und Der Vollmond goß aus silberner Schale weißes Licht in das Land.

Wiesen und Gärten standen in Duft. Die tag- warme Erde ließ die niedergegangenen Fluten in zarten Schleiern wieder emporfteigen zum nacht­blauen Dom droben. Aus den wallenden Massen hoben sich Giebel, Dächer, Baumkronen wie Inseln aus einem Märchensee. Der Hahn auf dem Kirch­turm hatte ein Funkelkleid an, so gleißte er im Mondlicht, aber niemand sah seine Pracht. Niemand sah Die ganze schlichte und doch so feine Schönheit dieser stillen Welt, die Da weltverlassen im flachen LanDe lag und von Den eigenen Reizen nichts wußte.

Als die ersten Hähne krähten, wurde Kantor' Mampert wach, sah aus dem Fenster neben seinem Bell, Das Tag und Nacht offen stand, hinaus in sein Gärtchen, und wie die Rosen im Tau standen, und an allen Büschen Knospen hingen, die ersten Licht­strahlen oben am Kirchturm aufblitzten und die ganze Welt so recht sonntäglich und herrlich dalag, griff er zu seinen Glockenstränaen und ließ das kleine Werk auf dem Dache erklingen.

(Fortsetzung folgt.)