Die Verwaltungsreform ist vor allem nötig auch in den Ländern und Gemeinden.
Eng damit im Zusammenhang steht der Finanzausgleich. Sch bin entschlossen ihn durchzufuhren, sobald die nötigen Unterlagen zu beschaffen sind. Die Grunüzüg« dieses großen Planes mühten in erster Linie darin bestehen, daß wir die finanzielle Selb stverant- Wortung der einzelnen Körperschaf- t en. die das Geld bewilligen müssen, wieder starren. Dos kann geschehen in erster Linie durch die Ginführung von Zuschlägen für die Einkommensteuer. Kommt es wieder dahin, dah, wenn ein Stadlparlament die Einkommensteuer von 145 auf 146 Prozent in die Höhe setzen will, ein groher Kampf in der Bürgerschaft los- gcht, dann wird ein gesunder Zustand in den Gemeindefinanzen eintreten können. Es müssen auch Kautelen geschaffen werden, dah wir aus der Vielheit unserer Steuern heraus- . kommen. Es ist zweifellos sinnlos, wenn das Reich Steuern ermäßigt und Länder und Gemeinden gleichzeitig eine Steuer erhöhen. Wir wollen deshalb in unserem Finanzausgleich das schwere Problem lösen, das wir die Realsteuern in eine Relation bringen zu den Zuschlägen der Einkommensteuer. Die Realsteuern sollen ferner durch ein Rahmengesetz vereinheitlicht werden Uftr, scheint, daß es auch notwendig ist, mit den Ländern und Gemeinden zu einer vernünftigen und organischen Regelung der auf dem Grundbesitz lastenden Steuern zu gelangen, damit sie leicht berechenbar werden irrtb die Beleihung nicht verhin
dern, ferner die Möglichkeit geben, auf dem Markte wieder den normalen Verkehr zu schaffen. Es ist schon mehrfach betont worden, daß im Vordergrund unserer finanzpolitischen Erwägungen die absolute ErhaltungunsererWäh- r u n g steht. Vermutlich wird in der nächsten Zeit ein neues Ereignis eintreten, das beweisen wird, wie fest auch in der ganzen Welt unsere Währung steht. Die Reichsregierung hat die Pflicht,
eine Tleuausrollung des Aufwertungsproblems nicht zuzulassen. Wir haben aber auch die Pflicht, dafür zu sorgen, daß wir keinen Heber- schuhetat bekommen. Die reduzierte Dörsen- umsatzsteuer hat im Juni und Juli das doppelte Ergebnis der Vormonate gebracht. Sch empfehle den Gemeinden, auch mal ihrerseits gewisse Sähe ihrer Steuern zu prüfen. Vor der Einführung von Zuschlägen zur Einkommensteuer werden wir auch die Einkommensteuer selbst uns einmal entschieden ansehen müssen. Sch habe mich von jeher dafür interessiert, das in England beliebte System, daß die Geschäftsbllanzen durch vereidigte Revisoren nachgeprüft werden, so daß die Steuerbilanz mit der Geschästsbilanz identisch ist, auch in Deutschland einzuführen. Mit voller Loyalität werde ich die V e r p f l i ch - tungen aus dem Dawesplan erfüllen, solange die wirtschaftliche Möglichkeit dazu gegeben ist. Daß ich aber ebenso für die vernünftige Anpassung an die wirtschaftlichen Rotwendigkeiten Deutschlands eintreten werde, ist gewiß. Der Minister drückte die Heberzeugung aus, daß die ganze Welt sich einmal gegen die Daweszahlungen wehren wird. Man müsse das ganze Problem aus dem politischen Gebiet herausbringen und auf das wirtschaftliche Gleis sichren.
Zum Schluß erllärte der Finanzminister: Sch 'ehe unendliche Schwierigkeiten und einen großen Leidensweg. Von einer günstigen Lage unterer Finanzen kann Seine Rede sein. Aber ich glaube an Deutschland und an Deutsch- l lands Zukunft.
7 Dir glauben an das Reich, an dessen Spitze jetzt der greife Führer steht, vor dessen
7 vorbildlicher Treue zu Volk und Vaterland wir uns alle in Ehrfurcht beugen.
(Stürmischer Verfall.) Wir werden unser Reich durchreiten zu einer besseren Zukunft und den schweren Weg der Arbeit gehen müssen. Sch weiß, dah dieser Weg schwer ist, aber wir müssen, welch politischen Glaubens wir auch sind, gemeinsam den Weg gehen, weil meiner festen Heberzeugung nach nur am Ende dieses Weges das Ziel steht, zu dem wir alle streben: Der Wiederaufbau unserer Ration, die alte deutsche Größe und die neue deutsche Freiheit. (Die Versammlung erhebt sich und bringt dem Minister brausende Ovationen.)
Geheimrat Dulsberg dankte dem Minister für seine Ausführungen und sprach den Wunsch aus, daß es auch gelingen möge, bei den Landesfinanzministern den gleichen guten Willen zu erzielen.
Hierauf wurde einstimmig beschlossen, fol- genbed Telegramm an den Reichspräsi- d ent en abzusenden:
Die 3000 Vertreter der heute in Dresden zu ihrer diesjährigen Tagung Versammelten im Reichsverband zusammengeschlvssene deutsche Sn- dustrie entbietet Shnen, hochverehrter Herr Reichspräsident, die ehrerbietigsten Grüße und ge toben, alle ihre Kräfte in den Dienst der Wiedererstarkung der deutschen Wirtschaft zum Heile des Vaterlandes zu stellen. — Die Dev- handlungen wurden sodann auf Samstag vertagt.
Die Einkommensteuer- Veranlagung.
Eine Anfrage im Preußischen Landtag.
Berlin, 3. Sept. (TU.) Im Preußischen Landtag ist folgende Kleine Anfrage Janssen (Dntl.) ein- gcgangen:
Dem Staatsministerium wird bekannt sein, daß über das Vorgehen der Finanzämter bei der Einkommen st euerveranlagung zahlreiche Stimmen der Beschwerde, ja der Erbitte- rimg, aus den Kreisen der gewerbetreibenden Steueroflichtigen laut geworden sind. Die Tages- presfe hat in Der letzten Zeit wiederholt darüber berichtet. Die Hauotursache dieser Beschwerde ist darin zu suchen, daß Die Finanzämter vielfach in rigoroser Weise unter Abweichung von den seitens der Steuerpflichtigen eingereichten Unterlagen Schätzungen des Einkommens vorgenommen haben, wodurch die Steuerpflichtigen zu außerordentlich hohen Steuerleistungen veranlagt werden, die in keinem Verhältnis zu ihren Betriebsergebnisfen stehen. — Es steht mit dem Gesetzeswillen in Widerspruch wenn Finanzämter im Neuoeranlagungsverfahren das Sy- ft em Der Besteuerung nach dem Umsatz beibehalten. Trotzdem wird durch viele Finanzämter in der Praxis so verfahren. Wir fragen daher: Ist das Staatsministerium bereit, das Reichsfinanzministerium zu ersuchen, 1. die Finanz
ämter anzuweisen, bei der Einkommensteueroeran- lagung sich streng an den Willen des Gesetzes zu halten und in allen Fällen, in denen der Steuerpflichtige seine Steuererklärung auf Grund einwandfreier Buchführung oder Aufzeichnungen erstattet, von einer Schätzung des Einkommens ab^ufehen: 2. darauf hinzuweisen, daß in allen Fällen, in denen trotz einwandfreier Buchführung durch die Finanzämter zu Schätzungen geschritten ist, die Steuerveranlagung unverzüglich wieder aufgehoben und auf Grund der Buchführungsunterlagen des Steuerpflichtigen neu v arge n o m m en wird?
gum Volksentscheid in Hessen.
Bekanntlich hatte der Landesabstimmungsausschuh in- seiner letzten Sitzung den Antrag Kollbach-Kleinkurt einstimmig angenommen, der dahin ging, zwecks Klärung verschiedener strittiger Rechtsfragen Rechtsgutachten einzuholen. Diese Gutachten sind inzwischen. wie uns mitgeteilt wird, zum Teil bereits seit einigen Tagen, von feiten der bekannten Staatsrechtler und Hniversitätsprofessoren Dr. G m e l i n - Gießen und Dr. Giese- Frankfurt a. M., sowie der Verwaltungsjuristen Ministerialdirektor Dr. Schwarz- Darmstadt unb Ministerialrat Dr. Kais enb erg-Berlin beim hessischen Landesabstinunungsleiter eingetroffen. Damit hat sich auch bewahrheitet, was der Vertreter des Wirtschafts- und Orbnungsblocks, Generalsekretär K o l l b a ch zum Ausdruck brachte, daß nämlich bie erwähnten Rechtsgutachten zweifellos eher vorliegen würben, als das Ergebnis der erneuten Prüsimg der Hnte^eich- nungslisten durch den Landesabstimmungsleiter. Es steht zu erwarten, daß auf Grund der eingetroffenen Rechtsgutachten bie Arbeiten des Abstimmungsausschusses eine wünschenswerte De- schleuntoung erfahren werden; allerdings liegt eine Einladung zur nächsten Sitzung bislang immer noch nicht vor.
Die Schlußsitzung der Studienkommission.
Einstimmige Annahme des Berichtes.
Genf, 3. Sept. (WTD.) Der Prüfungsausschuß genehmigte in seiner Schlußsitzung heute vormittag e i n st i m m i g ohne Debatte d i e endgültige Fassung des Berichts, der dem Völlerbundsrat über die ihm vorgelegten Fragen in be^ug auf die Hmbildung des Völler- bundsrates übermittelt wird. Einstimmig angenommen wurde eine Entschließung, die, w'.e Lord Robert Cecil sich ausdrückte, als Botschaft in besonders feierlicher Weise der spanischen Regierung den ernsten Wunsch des Prüfungsausschusses übermittelt, seine Bemühungen zum weitestgehenden, unter den heute gegebenen Hmständen möglichen Entgegenkommen einer wohlwollenden Prüfung zu unterziehen. Präsident Motta erklärt nach einer Schlußansprache, daß die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund mit einem ständigen Ratssitz nunmehr keinen Schwierigkeiten mehr begegnen könne. Sn bezug auf die Haltung Spaniens könne noch nichts gesagt werden. Der Ausschuß hoffe, dah die spanische Regierung die feierliche Entschließung richtig würdigen werde. Bei den Beratungen des Ausschusses sei kein Wort gefallen, das nicht von der herzlichsten Freundschaft und der größten Hochachtung für Spanien eingegeben gewesen sei. Das zeige auch jede Linie der vom Prüfungsausschuß empfohlenen Regeln für die Wahl der nichtständigen Ratsmitglieder.
Der Bericht des Prüfungsausschusses wiederhvll die bereits im Mai beschlossene Empfehlung des Prüfungsausschusses zugunsten der Verteilung der nichtständigen Ratssitze nach geographischen Gesichtspunkten unb für die Zuerkennung von drei nichtständigen Ratsfitzen an Lateinamerika und erllärt weiter unter Betonung der Freiheit der Völker- bundsversammlung bei der Wahl der nichtständigen Ratsmitgkieder: Rach der Auffassung des Ausschusses würden die Aenderungen, die der Reglementsentwurf in der gegenwärtigen Organisation des Völkerbundsrates herbeiführen würde, der Völkerbunds Versammlung erlauben, einen besonderen Rechts titel in Rechnung zu (teilen, die sie bestimmten Staaten in bezug auf ihre Vertretung im Völkerbundsrat während einer über gewöhnliche Mandatsdauer hinausgehende Periode zuerkennen toürbe. Zum Schluß wird noch fesv- gestellt, daß es nunmehr dem Völkerbundsrat obliegt, sich über die Schraffung eines ständigen Ratssitzes für Deutschland unb über drei nichtständige Ratssitze auszusprechen, wobei die Völkerbundsverscimmlung seine Entscheidung sowie das vorgeschlagene Reglement für die nichtständigen Ratssitze werde bestätigen können.
Zwischen zwei Stühlen.
Spaniens Politik in Genf.
Paris, 4. Sept. (W.T.B. Funkspruch.) Der außenpolitische Korrespondent des „Matin", Sauerwein, der sich in Genf aufhält, beschäfttgt sich in einem Telegramm mit der Haltung Spaniens gegenüber dem Völkerbund. Spanien habe sich selbst in eine heikle Lage gebracht. Es lehne die ihm angebotene Kombination ab unb es fordere weiter einen ständigen Sitz, nicht wie Brasilien, um einer Frage der Grundsätze willen, fonbern es habe bei der Aufstellung seiner Forderung sich nicht geniert zu sagen, daß, wenn es in der Tangerfrage Erfolge habe, in Genf sich nachgiebig zeigen werde. Die nackte Tatsache fei, dah Spanien weder Tanger noch einen ständigen Sitz im Völkerbundsrate erhalten werde, während es geglaubt habe, dah es unfehlbar wenigstens eines von beiden erreichen werde. Auf diese Weise sei die Gefahr vorhanden, bah der Erfolg, den General Primo be Rivera zur Festigung seiner Stellung notwendig gehabt habe, zu einem vollkommenen Mißerfolg werde. Gut wäre es, wenn er sich jetzt dem Hnvermeiblichen beuge und sich rasch unter den Mächten bie Hnterstühung suche, bie er brauche, um sich eine Popularität zu schaffen. Es würbe genügen, wenn er in geschickter Wendung erklären würbe, er erwarte von der Zukunft die Befriedigung, auf die er rechne unb wolle nicht bie Verantwortung auf sich nehmen, bas Gebäude in Genf zu erschüttern. Der Prüfungsausschuß habe gestern alles getan, um ihm einen ehrenvollen Rückzug zu erleichtern.
Aus Genf waren auch in den gestrigen Abendstunden bestimmte Rachrichten über bie Stellungnahme der spanischen Regierung nicht zu erhallen. 3*n englischen Kreisen glaubt man, daß der spanische Gesandte Palacios bereits in den Rachmittagsstunben des Samstags Genf r> e r I a f i e n und Spanien mit diesem Akt offiziell sein Desinteressement am Völkerbund bekunden werde. Eine zweite Version, die in neutralen Völkerbundskreisen verbreitet ist, will davon wissen, dah die spanische Regierung zurzeit keine positiven Beschlüsse fassen wird, sondern den Gang der Ereignisse abtoarten will. 3n diesen Kreisen glaubt man, daß bevor in der Tangerfrage nicht das letzte Wort gesprochen ist, die spanische Regierung kein Interesse an einem Bruch mit dem Völkerbund habe. Der spanische Gesandte Palacios, der im übrigen bie Rachricht von seiner Abreise im Laufe des Samstags betätigte, weigerte sich, nähere Angaben über die Gründe, die ihn zu seiner Abreise veranlassen, zu machen. Ratürlich würde es vor allem im Znteresse Frankreichs und Polens liegen, wenn Spanien vorläufig dem Völlerbund treu bleibt, da hiermit der Eindruck verwischt würde, als sei der einzige Rutznieher der Beschlüsse der Studienkommission der polnische Staat.
Kleine politische Nachrichten.
Reichspräsident von Hindenburg wird sich in den nächsten Tagen zur Fahrt nach Bad Kreuth begeben, wo er bei Herzog Ludwig Wilhelm in Bayern Quartier nehmen wird. Am 11. September verläßt der Reichspräsident bereits wieder das Oberland, um in die Reichshauptstadt zurückzukehren.
Der Chef der Marineleitung, Admiral Zenker, hat gegen den „Vorwärts" und gegen den „Montagmorgen" Strafantrag wegen Beleidigung Der Marine gestellt. Als Grund sind unberechtigte Angriffe der beiden Blätter aegen die Offiziere des Kreuzers „Hamburg" anzufeyen.
Dr. Böhme, der geschäftsführende Vorsitzende des Deutschen Bauernbundes, hat aus gesundheitlichen Rücksichten Den Vorsitz im Deutschen Bauern- bunD nieDergelegt.
Nach BlättermelDungen aus MaDriD sind zwölf Deutsche, Die angeblich aus Hamburg stammen, vor dem spanischen Kriegsgericht in Melilla erschienen. Alle zwölf sind Des Verrats militärischer Geheimnisse während des Marokko- feldzuges angeklagt.
Die Verhandlungen über Den rumänisch- italienischen FreunDschaftsvertrag sollen abgeschlossen und Der Vertrag bereits paraphiert sein. Die formale Unterzeichnung Des Vertrages merDe gelegentlich Des Besuches Des Generals Averescu in Rom erfolgen.
Aus aller Welt.
Eröffnung der Berliner Funkansftellung.
Zn Berlin fand bei schönstem Wetter die Eröffnung der Großen Deutschen Funkausstellung statt. Gleichzeitig würbe bas neue Wahrzeichen Berlins, der Berliner Funkturm, ein- geweiht unb dem Verkehr übergeben. Hnter den sehr zahlreich erschienenen Ehrengästen bemerkte man u. a. die Minister Dr. Külz, Dr. Dell, Dr. Haslinbe, Dr. Becker, Severing, von der Industrie Kommerzienrat Dr. Paul Mamroth unb Graf Arco. Oberbürgermeister Böß hielt bte Weiherebe. Die Eröffnung der Großen Deutschen Funk« ausstellung 1926 begann mit einer Rebe des Staatssekretärs a. D. Dr. Bredo w. Zum dritten Male hat sich bie deutsche Funkindustrie zu- fammengetan, um in einer imposanten Kundgebung zu zeigen, daß dieser junge Wirtschaftszweig trotz des schweren Existenzkampfes auch im verflossenen Jahre mit einer Opferwilligkeit die funktechnische Entwicklung gefördert hat, die ihresgleichen sucht. Die Schätze von Kunst und Wissenschaft, aus denen der Rundfunk schöpfen kann, sind unermeßlich. Von der Leistung der Technik wird eS abhängig sein, ob der Rundfunk die ihm zufallenden Aufgaben auch wirklich erfüllen kann. Bundestag des Gewerkschaftsbnndes der Angestellten.
Auf dem Bundestag des G. D. A. stellte Reichstagsabgeordneter Gustav Schneider- Berlin bei seinem Rückblick fest, dah der Bund auch in politischer Beziehung den richtigen Weg gegangen sei. Der G. D. A. wirb weiter alle Schritte unterstützen, die, wie das Dawesabkom- men geeignet sind, der Befreiung Europas zu dienen. 3n wirtschaftspolitischer Beziehung bedauerte Schneider die falsche Zollpolitik. Die Rationalisierung mühte eine Preissenkung im Gefolge haben, sonst hätte sie ihren SvM verloren und die Opfer der Arbeitnehmer wären nutzlos gewesen. Hm gute Wohlfahrt und Sozialpolitik zu gewährleisten sei der Einheitsstaat notwendig, der alles einheitlich, schneller und treffender regeln könnte. Eine Senkung der Lohnsteuer sei erforderlich eine Herabsetzung der Befitzsteuern könnte nur unter gleichzeitiger Herabsetzung der Lohnsteuern vorgenommen werden.
Max R o e s i n g e r, Mitglied des Reichs- wirtschaftrates, erllärte: Der G. D. A. werde auch in Zukunft den Kampf um Durchdringung der Wirtschaft mit sozialem Geiste und sozialem Rechte als Voraussetzung des Wiederaufbaues der deutschen Volkswirtschaft mit aller Entschiedenheit toetter führen.
Vierkötter in Berlin.
Der Deutsche Kanalschwimmer Ernst Vierkötter ist im Berliner Flughafen eingetroffen. Vertreter Der staatlichen unD städtischen Behörden sowie Die sportlichen Organisationen hatten sich zu seiner Begrüßung eingefunDen. Eine nach vielen Tausenden zählende Menge umsäumte Den Flughafen unD Die Zufahrtsstraßen. Nach Den offiziellen Ansprachen wurDe Vierkötter auf Dem Flugplatz von Sportbegeisterten auf Die Schulter gehoben unD Durch Die jubelnDe Menge nach Dem wartenDen Auto getragen. Auf Dem Berliner Rathaus wurDe Vierkötter Durch Den Oberbürgermeister ein Ehren- trunk kreDenzt. Hieran schloß sich ein Bankett im engsten Kreise an. Abends fanD ein groher Kommers Der schwimmsportlichen VerbänDe in Der „Neuen Welt" zu Ehren Vierkötters statt.
Wettervoraussage.
Bei schwach wechselnDen Winden vielfach heiter bis wolkig, etwas kühler. Dann wieder langsames Aufsteigen Der Temperaturen, Durchweg trocken.
Aus der Prsvinzialhauptftadt.
Gießen, den 4. September 1926. ]
Emanuel Schmuck f.
„Man braucht sich nicht künstlich Sorgen zu machen; Das tun nur Schwächlinge. Der Starke aber fürchtet sich nicht, wenn ihm das Leben Schwierig- keilen bringt. Er nimmt wohlgemut Den Kampf mit ihnen auf unD erlebt feine grüßte und reinste Freude aus ihrer Ueberwindung." Diese Worte, die Schul- rat Schmuck als Schriftleiter der „Turn-Zeitung für den 9. Kreis" in der Neujahrsbetrachtung von 1926 sein-« Turnschwestern und Turnbrüdern zurief, kennzeichnen so recht den Mann, der über 25 Jahre lang an der Spitze des Mittelrheinkreises der Deutschen Turnerschaft geftanben. Ein echter deutscher und treuer Mann vom Scheitel bis zur Sohle, fv hat er gar manches Mal im Kampfe gestanden gegen die Widerwärtigkeiten, die sich ihm im Leben auftaten, und er hat sie auch in einem über 71 Jahre dauernden Lebenskämpfe siegreich überwunden. Zu Worms, der alten Reichsstadt am Rhein, am 16. April 1855 als Sohn eines BuchoillVDrmeisters geboren, erhielt er seine erste Ausbildung in der dortigen Realschule und besuchte später bas Lehrerseminar zu Bensheim. An Der Realschule zu Singen fand der junge Lehrer seine erste bienftlidje Verwendung. Schon dort regte sich in iym der turnerische Geist, der auch in Der Gründung eines Turnvereins zum Ausdruck kam. Durch den Besuch eines Turnkursus erhielt er 1876 die Befähigung zum Turnlehrer und als solcher wurde er 1879 an die damalige Realschule in Gießen berufen. An dieser Anstalt entfaltete sich in einer achtjährigen Tätigkeit seine reiche turnerische Begabung. Bald sah man ihn mitten im turnerischen Vereinsleben stehen, anfangs als 1. Schriftführer, dann als 1. Sprecher des Turnvereins von 18 46. Mit gleichgesinnten Freunden gründete er 1885 den Gießener Männer-Turnverein, dem er stets seine Liebe und Zuneigung bewahtte.
In Bingen, an dessen Realschule er 1887 versetzt wurde, stand er in kurzer Zeit an der Spitze des Dortige Turnvereins, unD balD kürten ihn Die Rheinhessen zu ihrem 1. Gauoertreter. Im Jahre 1900 wurDe er von seinen Turnbrüdern mit der Leitung des Mittelrheinkreises betraut. Acht Jahre später erfolgte seine Berufung als Landesturninspektor nach Darmstadt, und wahrlich, man hätte keinen Besseren unb Würdigeren mit der Leitung des gesamten hessischen Schulturnwesens betrauen können als E. Schmuck. Mit frischem, fast jugendlichem Eifer ging er ans Werk. Zahlreiche Unterweisungskurse für Lehrer wurden eingerichtet, und neues turnerisches Leben hielt in den hessischen Schulen seinen Einzug. Daneben wurde auch das Vereinsturnen durch staatliche Unterstützung gefördert. Bald zeigte sich überall im Hessenlande der befruchtende Geist des neuen Turninspektors, der in dieser Eigenschaft bis zu seiner im Herbst 1923 erfolgten Ruhestandsversetzung restlos tätig war. Auch der Hessische Lehrer- turnoerein verdankte ihm seine Entstehung. Dabei widmete E. Schmuck, der von seiner Behörde durch Den Titel „Schulrat" ausgezeichnet wurde, seine Kraft auch der Deutschen Turnerschaft, die ihn 1919 in Anerkennung seiner Verdienste um die deutsche Turnsache zu ihrem Ehrenmitgliede mit Sitz und Stimme im Hauptausschusse ernannte. Auch schriftstellerisch ist Schulrat Schmuck vielfach tätig gewesen, so als Mitarbeiter an der Deutschen Turn- zeitung, sowie durch Herausgabe eines neuen Lehrbuches für den Turnunterricht. Als 1924 der Mittelrheinkreises der D. T. das Wiedererscheinen einer eigenen Turnzeitung beschloß, übernahm Schmuck bereitwilligst die Schriftteitimg, und hat diese bis zu seinem Tode mit großem Geschick und Erfolge geführt. Die Liebe unb Verehrung, die er überall genoß, zeigte sich so recht bei der Feier seines 70. Geburtstages, an dem ihm zahlreiche Ehrungen zuteil wurden.
Trotz seines hohen Alters stand der nunmehr Heimgegangene noch bis vor kurzer Zeit frisch an Körper und Geist mitten in der turnerischen Arbeit. So galt sein ganzes Wirken und Streben Den hohen Zielen des deutschen Turnens, denen er unentwegt stets nachgestrebt. Nun ist er von seinen Turnbrüdern geschieden, Denen er so lange Zeit ein treuer FreunD und ein hervorragender Führer war. Geblieben aber ist sein Geist, Der durchglüht von Dem Gedanken, einer guten und edlen Sache zu Dienen, in ihm lebte. UnD dieser Geist möge in Der Deutschen Turnerschaft, besonders aber im Mittelrheinkreise, weiterleben und dort eine eifrige Pflegestätte finden. G—g.
Die Eisenbahnbrücke an der Ederstratze
befindet sich gegenwärtig im Umbau. Den Anlaß dazu gab Die bevorstehende Indienststellung schwere- rer Lokomotiven unD Die Dadurch bedingte stärkere Belastung der Brücken. In anerkennenswerter Weise haben die städtischen Körperschaften die gün- ftige Gelegenheit benutzt und durch Zahlung einer Beihilfe zu den Baukosten die Verbreiterung der Brücke sichergestellt. Die Brücke, die jetzt vier Meter lichte Weite hat, wird nach dem Umbau zwölf Meter lichte Weite aufweisen und damit den Zukunftsnotwendigkeiten des Straßenverkehrs gerecht werden.
Damit die Bauarbeiten unter Aufrechterhaltung des vollen zweigleisigen Eisenbahnbetriebs auf der stark in Anspruch genommenen Strecke oorgenom« men werden konnten, mußten zur Sicherung des Betriebes zunächst umfangreiche Vorkehrungen getroffen werden. Die beiden Gleise wurden durch je zwei behelfsmäßige Eisenkonstruktionen, deren Auf- lager auf einer Seite das alte Mauerwerk, auf Der arideren ein in den Bahndamm auf einer Betonplatte angeordneter Schwellensteg bildet, abgefangen. Sodann wurden zu beiden Seiten Der alten Brücke gleichzeitig Die ErDarbeiten in Angriff genommen. Zum Abfangen Der erheblichen, auf Die neuen Erdwände infolge Der Verkehrslast wirken- Den Drucke mußte von Der ausführenden Firma eine stabile Befestigung dieser Wände vorgenommen werden. Der sehr sorgfältige Einbau mittels starker Kanaldielen und Rundholz von nicht unter 25 Zentimeter Durchmesser bewirkt, daß Erschütterungen beim Ueberfahren der Baustelle durch die Züge kaum bemerkbar sind.
Die Erdbewegungen wurden innerhalb dreier Wochen fertiggestellt. Gegenwärtig werden die Frmdamente, die für das neue Dau werk mit 1,70 Meter Tiefe und 4 Meier Breite bemessen sind, mit Beton ausgestampst. Rach deren Fertigstellung mutz, wiederum unter Obwaltung größter Sorgfalt, der Einbau der Dersttebungen nach und nach entfernt werden, damit die Betonmauern hochgeführt werden können. ,
Aus die neuen Mauern wird dann unter Beseitigung der jetzigen behelfsmäßigen Eisen- konstruktivn eine andere aufgelegt und hierauf


