Mittwoch, 4- August 1926
176. Jahrgang
Nr. 180 Erstes Blatt
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Poincares Amortisationskasse
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mit folgenden Sätzen schließt: Wenn die Studentenschaft der Technischen Hochschule Hannover im Kampf für die Sauberkei' ihrer Hochschule in begreiflicher Erregung, dte immer wieder durch das Verhalten des preußischen Ministers für Kunst, Wissenschaft und Volksbll- dung gesteigert worden ist, d i e . S ch r a n k e n der Ordnung durchbrochen hat, so ist das eine Uebertretung, die niemals mit dem wahllosen Ausschluß von elf Studenten hätte geahndet werden dürfen. Sie deutsche Studentenschaft erwartet vom Minister, daß er als Berufungsinstanz dieses Urteil auf hebt.
Der Gedanke des Deutschen Studententages, dem Rhein lande Dank abzustatten, fand seinen beredten Ausdruck in einer Rheinlandkund- gebung. die unter Beteiligung von vielen hundert Studenten aus allen Teilen des deutschen Sprachgebietes am Drachenfels stattfand. Bon Bonn waren die Teilnehmer gegen abend den Rhein hinauf nach Königswinter gefahren und zum Drachenfels gezogen. Gegen 11 llljr bewegte sich ein mächtiger Fackelzug hinab zur Bergwiese. Der Reltor der Universität Bonn, Prof. D y r o f f, führte dort u. a. aus, heute empfinde der Strom mächtige Freude, eine solche Schar deutscher Jugend am Rhein zu sehen. Der Rhein sage uns: .Ich will wieder sein der Strom deutscher Stärke." Wir wollen deutsche Kkasr im Sinne alles Guten im deutschen Volke wecken. Wir wollen dem Rhein aufs neue schwören: Er soll uns gehören. In das Lied „ES braust ein Ruf wie Donnerhall' klangen seine Worte aus. Rach den Worten des Vorsitzenden der deutschen Studentenschaft Dauer, der für die Rordmark sprach, traten die Vertreter der einzelnen deutschen Grenzgebiete an den Flammenstoß Aus dem Munde eines Ostpreußen,
eines Danzigers, eines Schlesiers, eines Sudeten- deutschen, eines Oesterreichers, eines Südtirolers und eines Vertreters der besetzten Westmark tönte das Bekenntnis zum Rhein und zum einigen deutschen Vaterland und klang zusammen in das Lied: Deutschland, Deutschland über alles.
Aanahiue von Lnzeiaen für die lagtsnummet bis zum Nachmittag vorher.
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Chefredakteur.
Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriol; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den An- zeigenteil Hans Iüstel, sämtlich in Gießen.
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Mit der Annahme seiner Steuergesetze sieht Poincare den ersten Teil seines Programms als erfüllt an. Es ist ihm wenigstens auf dem Papier gelungen, den französischen Haushaltsplan wieder ins Gleichgewi ch t zu bringen, er hat erreicht, was seine Vorgänger nicht erreichten: sein Steuerbudget ist ihm bewilligt, obwohl von den 9,5 Milliarden-Ertra^ die größere Hälfte auf die Verbrauchssteuern entfiel. Irgendein neuer Gedanke aber war in seinen Steuergesehen nicht enthalten. Poincare hat lediglich das Glück gehabt, daß die Kammer mürbe geworden war und die Verantwortung vor weiteren Krisen scheute. Den Beweis indessen, daß er der Mann ist, der den französischen Frank mitten in seinem Sturz aufhielt, hat er aber noch nicht erbracht.
Er ist inzwischen mit seinem zweiten Projekt herausgerückt, er will eine autonome Kasse schassen, die, als selbständige juristische Person ausgestattet, die Verzinsung und Amortisation der Schahscheine und der Verteidigungsscheine übernimmt. Es ist ja richtig: eine Gefahr für den ganzen Etat ist die Dergeslast von kurzfristigen Bons, die in Frankreich umlaufen. Sie können bei einem neuen Run das ganze kunstvolle Gebäude über den Haufen werfen. Gelingt es also, es irgendwie zu fundieren, dann ist ein starker Druck von dem französischen Etat genommen.
Das Bedenken ist nur, daß man dann den französischen Sparern klarmachen muh, daß sie 9/10 ihres Vermögens verloren haben. Gerade das aber will Poincare vermeiden, weil er die Frank-Krankheit mit dem Vertrauen kurieren will. Er spiegelt also den Gläubigern des Staates die Möglichkeit einer Auswertung vor: Für seine neue Kasse will er die Einkünfte aus dem Tabakmonopol und andere Einnahmen zur Verfügung stellen, die Verzinsung bleibt noch offen, aber die Möglichkeit einer hohen Verzinsung soll eben den Anreiz zur Festlegung der Kapitale ergeben und indirekt das Vertrauen zur Währung stärken, so daß damit der Frank und mit ihm der Goldwert der Bons steigt. Was Poincars bietet, ist also das Geschenk einer Aufwertung; allerdings nur ein Schein- geschenk, denn mit solchen Mitteln ist der Frank international nicht zu stabilisieren. Er wird im entscheidenden Moment doch von den Amerikanern über den Haufen gerannt, so lange Frankreich sich nicht entschließt, seine übermäßigen militärischen Rüstungen abzu stell en.
Die Zustimmung des Senats.
Annahme des Fiuanzprojekts mit 250 gegen 30 Stimmen.
Paris, 3. Aug. (TU.) Heute nachmittag trat unter dem Dorsih des Präsidenten Selbes der Senat zusammen. Der Berichterstatter des Senats, Cheron, legte zunächst die Richtlinien und Grundzüge des Regierungsprojekts dar. Das Schatzamt benötige bis Ende des Jahres 1926 folgende Beträge: 2 Milliarden 854 ^Millionen für außerordentliche Ausgaben, 1 Milliarde 285 Millionen für die auswärtigen Schulden, 669 Millionen für Beamte, 200 Millionen für die P ensionsempfänger, 400 Millionen an Vorschüssen der Dank von Frankreich Wenn man hiervon
die Eingänge aus dem Dawesplan abziehe, so bleibe für das Jahr 1926 noch ein Detrag von rund 2 Milliarden 100 Millionen. Für das Jahr 1927 müßten folgende Beträge
Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertag».
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gestellt. Tilgung und Verzinsung dieser Förderungssumme sind den Bedingungen der Haus- zinssteuerhhpothek angepaßt. Außerdem werden vierprozentige Zusatzhypothelen gewährt, die auf fünf Jahre unkündbar sind. Die Restbaukosten werden durch Hypotheken des freien Marktes gedeckt. Das erforderliche Gelände wird von den beteiligten Arbeitgebern kostenlos zur Verfügung gestellt. Sie bringen in der Regel auch noch einen verlorenen Zuschuß von 2000 Mk. je Wohnung auf. Eine Bindung der Umsiedler an einen Arbeitgeber ist nicht zulässig. Auf dieser Grundlage ist in letzter Zeit bereits eine größere Anzahl von Umsiedlungen in die Wege geleitet
Der Kulturkampf in Mexiko.
Mexiko, 3. Aug. (Reuter.) Der von der Liga zur Verteidigung der religiösen Freiheit angeordnete wirtschaftliche Boykott, der die Regierung zwingen soll, die Kirchengesetze abzuändern, hat bisher in Mexiko noch keiner- l e i Wirkung ausgeübt. Rach den aus verschiedenen Tellen des Landes eingetroffenen Rachrichten tragen die Bewohner der kleinen Städte und Dörfer Trauer und haben vor ihren Häusern schwarze Drapierungen angebracht. Aus Cordova wird gemeldet, daß Arbeller, die im Zuge durch die Straßen marschierten, um für die Re- gierungspolitik zu demonstrieren, als die Glocken das Vesper läuteten, der alten Gewohnheit entsprechend ihre Hüte abnahmen und beteten, während gleichzeitig Rufe ertönten: „Es lebe Calles!" Der frühere mexikanische Präsident Obregon erllärte in einer Kundgebung, er sei mit der vom Präsid ntten Calles in Mexiro befolgten Politik durchaus einverstanden. Die kirchlichen Würdenttäger hätten den Kon-
Gegen die Arbeitslosigkeit. Umsiedlung erwerbsloser Berg- arbeiterfamilien im Rrihrgebiet.
Berlin, 3. Aug. (Wolfs.) Amtlich. Die ungünstige Wirtschaftslage im Ruhrgebiet, die voraussichtlich zu einer dauernden Verschlechterung des Arbeitsmarktes führen wird, macht eine Entlastung dieses Gebiets durch Umsiedlung überzähliger Bergarbeiterfamilien in andere, aufnahmefähigere Provinzen notwendig. In Dettacht kommen nur erwerbslose, berufsüberzählige Ruhrarbeiter, vor allem Bergarbeiter mit möglichst starker Familie. Die HmfieMet sollen auf mehrere Provinzen und zahlreiche Siedlungen verteilt werden, um eine größere Anzahl landwirtschaftlicher und industrieller Arbeitsstellen und damit leichtere Arbeits- Vermittlung und eine leichtere Angliederung (Kirche, Schulen usw.) an schon bestehende Gemeinden zu ermöglichen. Durch die Umsiedlung sollen zugleich ausländische Arbeiter, die in Landwirtschaft und Industrie beschäftigt sind, verdrängt werden.
Für die Förderung der Finanzierung der Siedlungsbauten werden aus Mitteln der produktiven Erwerbslosensürsorge niedrig verzinsliche Tilgungshypotheken von etwa 4000 Mark für jede Wohnung zur Verfügung
eingestellt werden: 1 Milliarde für die Beamten, 300 Millionen für die Pensionsempfänger, 950 Millionen für Vorschüsse der Dank von Frankreich; ferner an Fälligkeiten des Schatzamtes im Februar 3 Milliarden 63 Millionen und im September 4 Milliarden 405 Millionen. Ferner müßten 160 Millionen fällige Obligationen, 3 Milliarden 740 Millionen für auswärtige Schulden ausgeglichen werden. Diese Summen betragen insgesamt 9 Milliarden 805 Millionen Franken. Zweifellos würden im Jahre 1927 4 Milliarden aus dem Dawesplan eingehen, jedoch müßte dieser Betrag als Reserve für das Schatzamt zurückgestellt werden, so daß das Schatzamt im Jahre 1927 9 Milliarden benötige, für die außerordentliche Einnahmen beschafft werden mühten.
Die Regierung stehe grundsätzlich auf dem Standpunkt, daß sie jede Inflation fowie auch augenblicklich jede Anleihe ablehne. Infolgedessen muhten diese Beträge durch sofortige Steuern gedeckt werden.
Die Regierung beantrage besondere Vollmachten, um Sparmaßnahmen im Verwaltungswesen durchzuführen. Ferner beantrage die Regierung eine außerordentliche Erhöhung der Steuern für das Jahr 1926,27 und ab 1. Januar 1927 eine Amortisierung der öffentlichen und besonders der schwebenden Schulden. Dann beabsichtige die Regierung Maßnahmen zu ergreifen, um eine Zurückführung der in das Ausland abgewanderten Kapitalien nach Frankreich zu ermöglichen. Die Finanzkommission hätte bei den Steuerplänen der Regierung bestimmte Einwände und Bedenken geltend gemacht, jedoch habe sie im Prinzip beschlossen, der Regierung das Vertrauen auszusprechen und der Regierung in der Durchführung ihrer Pläne keine Schwierigkeiten zu bereiten.
In der heutigen Sitzung entwickelte bann
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eingehend den Finanzsanierungsplan. Das Schatzamt habe am 1. Juli bei der Bank von Frankreich über ein Guthaben von 1 750 000 000 Franken verfügt. Dieses Guthaben wäre bis zum 20. Juli auf 239 000 000 Franken herabgesunken. Hm die'e Entwickelung aufzuhalten, sei das gegenwärtige Kabinett gebildet worden. Die Kammer habe bereits gezeigt, daß sie in der gegenwärtigen ernsten Lage das Bewußtsein der nötigen Disziplin habe. Er erwarte die gleiche Haltung vom Senat. Vor allem mühte es die Aufgabe der Regierung sein,
bas Budelgleichgewichk wiebecherzuslellen, das in den letzten Monaten außerordentlich zerrüttet gewesen sei. Gegenwärtig sei der Stand des englischen Pfundes immer noch 180, während das Budget auf der Basis eines Kurses von 125 ausgestellt worden sei. Ferner wären in der letzten Zeit viele Versprechungen an die Beamten und Pensionsberechttgten gemacht worden, die noch nicht erfüllt worden seien. Große Kredite seien erforderlich für die Aufgaben in Marokko und Syrien. Die Regierung müsse es als ihre Aufgabe betrachten, vor der endgültigen Stabilisierung des Franken e i n weiteres Sinken der Währung zu vermeiden. Sowohl im Jnlande als auch im Auslande gäbe es Leute, die den Franken auf einem möglichst niedrigen Kurs stabilisiert sehen wollten. Tatsächlich habe der Frank einen Kurs erreicht, der unter seinem wahren Wert liege. Daher müsse die Regierung vor der Stabilisierung der Währung zunächst damit beginnen,
ben Frankenkurs zu heben.
Die Regierung benötige insgesamt für dieses Jahr noch einen Betrag von 2,5 Milliarden. Diesen Betrag würde die Regierung auf dem Wege der Erhöhung der Steuern und auf dem Wege der Durchführung von Sparmaßnahmen erzielen. Ferner beabsichtige die Regierung, die Steuern auf Getränke zu erhöhen, jedoch könne er erklären, daß diese Maßnahme erst im Januar 1927 in Kraft treten würde, und daß es sich hierbei nur um eine vorübergehende Erhöhung 'handele. Im großen und ganzen würden sämtliche neuen Steuererhöhungen erst im Jahre 1927 in Kraft treten. Rach Schluß der Rede Poincarös erfolgte eine kurze Diskussion, worauf der Senat das Finanzprojekt der Regierung ohne die geringste Abänderung mit 250 gegen 30 Stimmen annahm.
Das Londoner Echo.
London. 4. Aug. (TU.) Es ist ossensicht sich, daß die nicht ganz klare Haltung Porncares in London keinen sehr günstigen Eindruck macht. Der „Evening Standard" schreibt am Dienstagabend über die Absichten Poincares. daß seine Politik in vielerlei Hinsicht dunkel bleibe, es sei schwierig, die Schlußfolgerung zu vermeiden, da Poincare sich noch keine bestimmten Vorstellungen zu eigen gemacht habe, sondern seine Meinung von Tag zu Tag ändere. Rur in einem Punkte scheine er ganz befflnnnt zu fein. Er sei gegen die Stabilisierung bis — um mit den Worten des amtlichen Com- muniques zu sprechen — der Franken auf einen Kurs revalorisiert sei, der normalerweise durch die Wirtschastsbedingungen des Landes und die Indexziffern festgesetzt werde. Wenn Worte irgendeine Bedeutung hätten, so bedeute das, daß PoincareS Regierung oertraue, daß die Preise reduziert würden.
Hoefch bei Vrianb.
Besatzungsfragen. — Das Handels- Provisorium.
Berlin, 4. Aug. (TU.) Wie die Morgenblätter aus Paris melden, hat der deutsche Botschafter von Hoefch am Montagnachmittag mit dem französischen Außenminister Briand und dem Generalsekretär im französischen Außenministerium D e r t b e l o t Unterredungen gehabt, die sich auf Fragen der besetzten Gebiete bezogen. Es hat sich dabei in erster Linie um die Frage der Stärke der Desahungs- armeen gehandelt, worüber die gegenteiligen Auffassungen unverändert und unvermindert hervorgetreten find. Auch der Zwischenfall von Germersheim ist zur Sprache gekommen. Der endgültige französische Bericht darüber liegt noch nicht vor, so daß die Angelegenheit noch nicht abgeschlossen werden konnte. Schließlich fand über den unmittelbar bevorstehenden Abschluß eines deutsch-französischen Handelsprovisoriums ein Gedankenaustausch statt.
Wie die Telegraphen-Union hierzu an zuständiger Stelle erfährt, sind die Verhandlungen nunmehr soweit gediehen, daß mit der Unterzeichnung des Provisoriums durch die beiden Delegationsleiter, Ministerialdirektor Posse und Handelsminister Dokanowski noch im Lause dieser Woche gerechnet werden kann. Die deutsche Delegation wird sich darauf nach Berlin begeben, um das Wirtschaftsprovisorium dem Reichsrat und den parlamentarischen Ausschüssen des Reichstages vorzulegen.
Die landwirtschaftliche proseffur in Gießen.
Am 15. Juli hatte Abg. Dr. Werner und Fraktion (Dntl.) eine Anfrage an die hessische Regierung über die Reubesehung einer landwirtschaftlichen Professur an der Universität Gießen gerichtet:
l.'Ob es richtig sei, daß die Universität Gießen für den freigewordenen landwirtschaftlichen Lehrstuhl drei wissenschaftlich durchaus geeignete Herren bet der hessischen Regierung zur Auswahl vorgeschlagen habe?
2. Ob es zuträse, daß das Landesamt für das DildungSwesen das Vorschlagsrecht der Fakultäten und des Senats mißachtete und sich bei eigenem Suchen nach ihm geeignet erscheinenden Kräften mehrere, zum Teil höchst interessante, Absagen holte?
3. Ob es weiter zuträfe, baß das genannte Lanbesantt am Ende einen Dozenten deutschen Romens aus Rumänien berief, ben die Gießener Universität schon um deswillen ablehnen müsse, weil sie von ihm Weber Lebenslauf noch öerngang kenne.
4. Ob schließlich bas Unglaubliche wahr Ware, daß jener gegen den einmütigen Widerstand der Universität ernannte Dozent zur Erreichung wissenschaftlicher Vollreife und Vollverwendbarkeit noch längere Zeit auf Siaatstosten auf der Landwirtschaft! ichen Hochschule zu Hohenheim ausgebildet werden solle.
5. Wie die Regierung, bejahendenfalls, ihr Verhalten zu rechtfertigen gedenke.
Die hessische Regierung hat hieraus folgende Antwort erteilt:
Zu 1: ES ist richtig, daß die Universität Gießen für den freigemachten Lehrstuhl für landwirtschaftliche Betriebslehre drei wissenschaftlich durchaus geeignete Herren in Vorschlag gebracht hat.
Zu 2: Trotzdem war die Regierung — verpflichtet, die Sachlage selbständig zu prüfen — außerstande, von diesen Vorschlägen Gebrauch zu machen, weil die notwendige Verbindung des Lehrstuhls mit der oberen Leitung des ilni- versitätSgutes Unterer Hardthof neben wissenschaftlicher Befähigung ausreichende praktische Bewährung zur unerläßlichen Voraussetzung hatte. Diese Voraussetzung konnte nur hinsichtlich eines der drei vorgeschlagenen Herren mit Sicherheit als gegeben anerkannt werden — und dieser lehnte ab, ehe er noch befragt wurde. Daß die Regierung bei ihren Versuchen geeigneter anderweiter Besetzung der Professur Absagen erhielt, trifft zu, erklärt sich aber aus dem begreiflichen und notorischen Mangel an Herren, die durch Verbindung prattischer Erfahrungen und theoretischer Kenntnisse allen Anforderungen entsprechen und zur Verfügung stehen. Inwiefern diese Absagen höchst interessant find, ist uns einstweilen unerfindlich.
Zu 3: In der Rotlage, einen für die Professur schon jetzt als nach beiden Richtungen bewährt zu bezeichnenden Herrn nicht finden zu können, hat die Regierung dem Rate eines allgemein anerkannten hervorragenden Fachver- treterS gefolgt und die obere Leitung des Universitätsgutes und die Abhaltung von Vorlesungen über landwirtschaftliche Betriebslehre vom Hex bst 1926 an für zwei Jahre einem praktisch voll bewährten deutschen akademischen Landwirt anvertraut, dec in Heidelberg summa cum laude mit einer Facharbeit promoviert hat und von 1914 bis 1917 bereits Assistent an der Landwirt- schastllchen Hochschule Hohenheim war. Es ist dabei ausdrücklich bemerkt worden, daß d i e Öignunng für die Professur noch — unter Mitwirkung der Universität— n a ch zürn e i s e n bleibt. Lebenslauf und Lerngang werden nach Gießen gesandt, sobald der Herr dort seinen Dienst antritt.
Zu 4: Da nach dem Ausgeführten, der Regierung die alsbaldige Besetzung der Professur nicht vertretbar erschien, empfand sie das Anerbieten des Herrn Fachvertreters der mustergültig geleiteten und eingerichteten Hochschule Hohenheim, den von ihm empfohlenen Herrn persönlich in die Unterrichts- undDer- waltungsmethoden seines Faches einzuführen, um so dankbarer, als eine gleichwertige Einführung in Gießen selbst nicht möglich gewesen wäre. Es war selbstverständlich, daß dem verheirateten Herrn, der zwecks Uebec- nahme der Gießener Stelle eine anderweite bezahlte Stelle aufgegeben hatte, für die Zeit der in unserem eigensten Interesse gelegenen Einführung in das Lehramt (nicht in die Wissenschaft) aus dem freien Gehalt der erledigten Professur eine gewisse Vergütung gewährt wurde. Der Empfänger mußte sich dagegen durch Revers verpflichten die Gutsleitung und den Lehrauftrag für Betriebswirtschaftslehre des Landwirtschaftlichen Instituts der Landesuniversilät Gießen für die Zeit bis zur endgültigen Regelung derStellen- besehung, längstens aber für zwei Jahre, wahrzunehmen, oder die erhaltenen Bezüge an die Universitätskasse zurückzuzahlen.
Der Bonner 5tu-ententag.
Der Fall Lessing. — Eine Rheinland- kundgiebung aus dem Drachenfels.
Bonn, 4. Äug. (Wolff.) Die gestrige Vollsitzung des Studenientages in Bonn beschäftigte sich mit den Protestkundgebungen der Hannoverschen Studentenschaft gegen Prof. Lessing. Es wurde eine Entschließung angenommen, die
MehenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfilälr-Vuch- und Ltetndruckerei R. Lange in Stehen. Schnftleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7.


