Nr. 2 Erstes Blatt
176. Jahrgang
Montag, 4. Zanvar 1926
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
vruü und Verlag: VrLhl'sche Univerfitäts-Buch- und Zleindruckerei R. Lange in Stehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulttraße 7.
Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.
Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re. klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Plahvorschrift 20*' „ mehr.
Chefredakteur Dr. Friedr Wilh. Lange.
Verantwortlich.
für Politik und Feuilleton Dr. Friede. Wilh. Lange; für den übrigen Teil Ernst Blumschcin; für den An» zeigcntcil Hans Iüstel, sämtlich in Gießen.
Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen:
Die Scholle Monolr-Vezugrpreis:
2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Richter« scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schriftleitung 112, Ver« lag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach« richten: Anzeiger Siehrn.
Postscheckkonto:
Frankfurt am Main 11686.
Der Thronverzicht des Kronprinzen Carol
Den Blick nach außen!
Der Reichsauhemninister hat in seinem Reu- jahrsgruß darauf hingewiesen, das Jahr 1925 sei für uns ein Jahr aktiver Außenpolitik gewesen. Das ist zweifellos richtig, und was man auch gegen das Werk von Locarno im einzelnen einzuwenden haben mag, die Tatlache bleibt unbestreitbar, daß mit dem Februa^ Memorandum zum erstenmal der Ders uch eines Einschaltens in die Welt- geschehni.fse gemacht wurde. Wir sind heute nicht mehr allein Objekt, wir sind wied^ Subjekt der Ereignisse geworden. Ob der Preis, den wir dafür befahlt haben, zu hoch war, ob der Weg der richtige war, darüber mag man verschiedener Meinung fein. Wir sind jedenfalls wieder im Spiel drin. Lind das ist die einzige Möglichkeit, die wir überhaupt haben, um uns aus den Fesseln zu befreien, die *unS in Versailles angeschmiedet wurden. Mit Zuwarten und darauf hoffen, daß irgendein Wunder geschieht, ist es nicht geschehen, wir werden uns Len Aufstieg sauer genug verdienen müssen, werden die kleinsten Dorteile wahrzunehmen haben, um Stein auf Stein zu sehen, bis der Unterbau für unsere Weltgeltung wieder stark genug geworden ist.
Das verlangt aber auch, daß wir den Dingen außerhalb unserer Grenzen ein ganz anderes Interesse entgegen bringen, als bisher. Man hat uns oft genug nachgesagt, wir feien ein unpolitisches Dolk. Das ist vielleicht falsch gesehen. Wir sind leider in erster Linie ein i n nerpoliti ches Dolk. Unser 3ntcreffe erschöpft sich gar zu sehr in Rebenfächlichkeiten, wie ja auch jetzt wieder in dem törichten Streit um die Genfer Posten. Wir denken, brutal gesprochen, in Kirchtürmen, anstatt in Kontinenten. Eine traurige Erbschaft aus der Bisrnarckschen Zeit her, wo wir alle wußten, daß unsere Außenpolitik in den Händen des eisernen Kanzlers gut lag. Inzwischen aber haben wir doch wohl Lehrgeld genug bezahlen müssen, und heute muß sich jeder daran gewöhnen, daß er das, was rings um uns vorgeht, mit offenen Augen betrachtet, um die Zeichen der Zeit zu erkennen.
Und es geschieht weiß Gott viel um uns .ytii-uiii," yeuüy, au. .'vi/ii)iiito।tof fe anzu-
häufen. Der unglückliche Tag, an dem der Völkerbundsrat in Gegensatz zu dem Gutachten das Mossulgebiet d:n Engländern zusprach, bedeutet ganz zweifellos den Ausgangspunkt neuer Kombinationen, deren letzte Wi'lurgen überhaupt noch nicht abzusehen sind. Es ist kein Zufall, daß am selben Tage die Türkei und Rußland einen Vertrag unterzeichneten, der an sich nur als Reutralitätsvettrag aufgezogen ist, aber doch scchr Viel Liehr bedeutet. Auch wenn er keinerlei Geheimftauscln enthält, sichert er doch der Türkei Rückensrciheit in ihrer Front gegen England. Genau so wie der russisch-türkische Vertrag von 1921, der erst den Sieg Angoras über Griechenland ermöglichte. Damals galt der Schlag dem Vasallen Englands, heute gilt er unter Umstanden England selbst. Wieweit die Aspi- rationeit der Türken gehen, erhellt sich schon daraus, daß der türkische Außenminister seine Rückfahrt nach Angora über Belgrad und Sofia genommen hat. Und nach englischen Quellen hat er an beiden Stellen abgehorcht, wieweit die Möglichkeiten eines Bündnisses gegeben seien. Er soll sich einen Korb gcholt haben; immerhin, die Lage der Bulgaren ist so verzweifelt, daß sie sich jedenfalls noch Hintertüren für spater offen gehalten haben mögen.
Aber auch England hat diesen Schachzug der Türken sofort mit einem Gegenzug beantwortet. Zwischen den Festen hat der englische Außenminister sich mit Herrn Mussolini in Rapallo getroffen. Er hat also den Osterglocken von Rapallo, die damals den deulsch- russischen Vertrag einläuteten, die Weihnachts- gloden folgen lassen, die eine italienisch- englische Annäherung bringen sollen. Von London und von Rom aus hat man sich bemüht, die Bedeutung dieser Zusammenkunft abzuschwächen. Vermutlich wird auch etwas Besonderes gar nicht abgemacht sein. Die Tatsache der Zusammenkunft an sich aber beweist schon die außerordentliche Rührigkeit der europäischen Diplomatie, die rechtzeitig die Karten mischen will und ausgerechnet im Zeichen des Völkerbundes in aller Ruhe einen kommenden Krieg vorbereitet. Ob freilich Italien für England ein besonders wertvoller Bundesgenosse gerade in Kleinasien ist, bleibt abzuwarten. Italien hat sich als Erster den Türken gegenüber desinteressiert und wird sich auch hüten, noch einmal die Kastanien für England aus dem Feuer zu holen, wenn es dafür nicht sehr greifbare Vorteile sieht, die ihm England kaum zu bieten hat. Auf der anderen Seite ist auch Moskau nicht untätig geblieben. Tschitscherin spielt ein sehr hohes Spiel, er hat den Kampf gegen England jetzt von allen Seiten aufgenom- men. Die Vorgänge in China lassen nicht nur die russische Hand, sondern auch den russischen Rubel erkennen, von hier aus erfolgt der eine Stoß gegen die Grundlagen der englischen Weltmacht, der andere aber, der über Angora, Wos- ful und Afghanistan nach Italien zielt, ist noch sehr viel gefährlicher. Iedenfalls zeichnet sich hier zwischen den Iahren zum erstenmal sichtbar der Anfang einer neuen Konst e l l a t i o n der Mächte vorläufig nur in Asien ein, der aber auch durch die Spitze, die er gegen den Völkerbund trägt, bestimmend für die ganze Entwicklung von 1926 werden kann.
Wie die »Montagspost" aus Bukarest meldet, hat sich Prinz Carol nach der Abreise des Ministers des königlichen Hauses, Hieta, aus Venedig über Mailand nach der Schweiz begeben. Reben Briefen an seinen Vater und an seine Mutter habe er auch einen Dries an seine Frau geschrieben, in dem er mitteilte, daß er die Ehegemeinschaft auf gebe und ihr volle Freiheit gebe, die Scheidungsklage ein- zureichen. Prinzessin Elena sei außerordentlich niedergeschlagen. In dem Brief an seinen Vater habe er gebeten, daß er den Ramen Sc arlav Monastireanu führen dürfe. Heber die Gründe, die den König bewogen haben, über die Frage des Thronverzichts seines Sohnes so rasch die Entscheidung zu treffen, veröffentlicht der offiziöse „Averul" folgende Mitteilung: »In gut unterrichteten Kreisen wird bestätigt, daß Kronprinz Carol an den König einen zwe iten Brief gerichtet habe, der jedoch dem Kronrat nicht vor- gclegt wurde. In diesem Brief habe Carol eine ganz ungewöhnliche Haltung eingenommen und dem König gegenüber eine höchst sonderbare Feindseligkeit an den Tag gelegt. Der Brief offenbart einen gefährlichen Geisteszustand (!) deö Verfassers. Cs werden die Gerüchte über gewisse Zwischenfälle bestätigt, aus' denen gefolgert werden muß, daß im Interesse der Dynastie und des Landes unbedingt die Entkleidung des Kronprinzen Carol von allen Rechten und Pflichten einer offiziellen Persönlichkeit notwendig fei." Wie weiter aus Bukarest gemeldet wird, wurde am Sonntag ein Äronrat einberufen, an dem der Ministerpräsident, der Außenminister, der Iustizminister und der Minister für Landwirtschaft und Staatsdomänen teilnahmen. In diesem Kronrat wurden die mit dem Thronverzicht zusammenhängenden Rechtsfragen geregelt. Die Kammer tritt Montag zusammen, um von dem Thronverzicht des Prinzen Carol und von der Hebertragung der Thronrechte gemäß den Bestimmungen der Verfassung auf seinen Sohn, den Prinzen Mihai, Kenntnis zu nehmen. Bei derselben Gelegenheit werden Kammer und Senat aufgefordert, über die Verfügungen Beschluß zu fassen, die angesichts der neuen Lage der Dinge erforderlich werden. Kammer und Senat werden die Angelegenheit in einer Sitzung zum Abschluß bringen und sich darauf wieder vertagen.
Berlin, 2. Ian. Heber die Beweggründe, die den rumänischen Kronprinzen zu seinem Thronverzicht veranlaßt haben, melden die Blätter, daß Kronprinz Carol etwa seit einem Iahre ein Liebesverhältnis zu einer Frau Lupe s c i, der geschiedenen Frau eines rumänischen Hauptmannes, die Iüdin von Geburt und die
Die ltallemsch-encllischen ZchMeiwerhandlungen.
London, 4. Ian. (TH ) Die vom Finanzminister Grafen V o l p i geführte italienische Schuldenkommission trifft am Dienstag in London ein. Die Verhandlungen werden am Mittwoch beginnen. Die Blätter veröffentlichten offensichtlich inspirierte Erörterungen der gesamten Schuldenfrage. Daraus ergibt sich, daß Die italienischen Schulden aus dem Iahre 1915 stammen. Damals überwies die italienische Regierung zur Sicherung ihrer Kreditoperationen: einen Betrag von 22 200 000 Pfund Sterling in Gold und erhielt hierauf einen Kredit von 132 Millionen Pfund. Später wurde dieser Kredit erhöht und bis Ende des Krieges belief sich der Gesamtbetrag der englischen Zahlungen für italienische Rechnung auf 400 Millionen Pfund, wozu noch die inzwischen ausgelaufenen Zinsen in Höhe von 160 Millionen Pfund hinzuzurechnen sind, so daß der Gesamtbetrag sich auf 560 Millionen Pfund beläuft.
Der englische Standpunkt in der Schuldenfrage ist folgender: England darf unter keinen Hmständen eine schlechtere Behandlung erfahren als die Vereinigten Staaten. Solange diese chrerseits nicht auf die Forderung voller Rückzahlung der englischen Schulden, die durch das Baldwin-Abkommen gesichert ist, verzichten, solange kann England nur nach Maßgabe seiner eigenen Verpflichtungen an die Vereinigten Staaten entgegenkommen. Die Gesamtschulden Englands an die Vrre nigten Staaten belaufen sich auf etwa 1 Milliarde Pfund Sterling. Die Schulden der Al.ierlen an England betragen etwa 2 Milliarden Pfund. Demzufolge ist England bereit, etwa 50 vom Hundert seiner eigenen Forderungen nachzulafsen. Die Mittwoch beginnenden Verhandlungen werden zunächst die Frage der Rückgabe des italienischen Golddepots betreffen. Rach italienischer Meinung handelt es sich dabei lediglich um eine Bürgschaft für den ersten Kredit von 182 Millionen Pfund Sterling. Wie die „Sundah Times ' meint, wird England in dieser Beziehung wahrscheinlich entgegenkommen, nicht aber in den andern Fragen.
Heeresreform in 3 alten.
Rom, 2. Ian. (WTB.) Der Ministerrat hat die neue Heeresreform angenommen, in der auf Grund der dreistaffeligen Divisionen an Stelle der bisherigen Divisionen von vier Regimentern die Zahl von dreißig Divi ioien aufred.t- erhalten, ein Korps mehr als früher eingeführt I und die Verteidigung von Sizilien und Sardinien besonders geordnet wird. Damit wird es auch möglich fein, d ie Grenzorganisationen
Tochter eines Kaufmanns in Iaffy ist, unterhielt. Der Kronprinz, der mit der Schwester des entthronten griechischen Königs, Elena, verheiratet ist, beabsichtigt, sich scheiden zu lassen und die Iüdin zu heiraten, mit der er kürzlich in Paris und Venedig weilte. Wie die „D. Z." ergänzend erfährt, reiste der Kronprinz von London, wo er zur Beisetzung der Königin Alexandra weilte, mit Frau Lupesci nach Paris und Venedig. In beiden Städten zeigte er sich überall mit ihr. In Paris fiel das Paar besonders auf. Dies wurde nach Bukarest berichtet und der Pariser Botschafter wurde beauftragt, dem Kronprinzen eine offizielle Warnung zu überbringen. Hierauf schrieb der Kronprinz schon damals nach Bukarest, daß er auf den Thron verzichte und sich von der Kronprinzessin scheiden lassen wolle, um von nun an im Ausland leben zu können. In dem daraus einberufenen Kronrat wurde beschlossen, auf den Kronprinzen einzuwirken, ihn von seinem Plane abzubringen. Es soll sogar beschlossen worden sein, dem General Averescu die Pariser Mission anzuvertrauen, nötigenfalls wolsie s.-gar die Königin Maria selbst nach Paris fahren. Man sandte dann den Hochmarschall A n a - l s c u nach Paris, der dort aber mit seiner Mission vollkommen scheiterte. Hauptmann Lupesci gehörte seit Iahren schon der Bukarester Garaison an und geriet dadurch auch in dienstlicher Beziehung zur königlichen Familie. Seine Frau, eine bekannte Schönheit, versuchte mehrmals, sich dem Kronprinzen Carol zu nähern, aber ohne Erfolg. Anläßlich des letzt:,! rumänischen Autotur- niers, an dem sich auch der Kronprinz beteiligte, warf sie ihm vor seiner Abfahrt ein großes Bukett Blumen ins Auto und wünschte ihm viel Glück. Es schien, daß diese Geste einen Eindruck auf den Kronprinzen nicht verfehlte, denn gleich darauf wurde et öfters in ihver Gesellschaft gesehen.
Bei dem Thronverzicht des Kronprinzen sollen außer persönlichen auch politische Gründe eine Rolle gespielt haben. Der Bukarester Berichterstatter der Wiener „Stunde" weih zu melden, daß das Verhalten Carols dem Kö- "-^spaar und der Regierung Branami gegenüber schm seit langer Zcit eine Derschwö - r ungsaktion des Kronprinzen befürchten ließ. Aus diesen Gründen sei dem Kronprinzen nahegelegt worden, auf den Thron zu verrichten. Ferner sei der Kronprinz in eine große Korruptionsaffäre verwickelt, bei der es sich um die Lieferung von unbrauchbaren ausländischen Militärflugzeugen für die rumänische Armee gehandelt habe.
zu verstärken. Es soll ein Teil der Divisionen immer auf einem höheren Stand gehalten werden, wodurch der andere Teil während des Jahres vorübergehend einen geringeren Stand wird aufwcisen können. Die Dienstzeit wird im allgemeinen 18 Monate betragen, doch kann das Kriegsministerium nach einer Ausbildungszeit von mindestens sechs Monaten einen Teil der Soldaten entlassen. Auf Grund der Bestimmungen über die Begünstigung des Familienstandes, sofern die Begünst gten eine vormilitärische Hebung msigemacht haben, die fast ausschließlich in der Rationalmiliz geleistet werden kann. Zur Sicherung der Mobilisierung werden M o b i l i s i e r u n g s i n s P e k t o r a t e geschaffen. Die Insanteriewasie bleibt vorläufig in Brigaden gegliedert zu drei, statt wie bisher zu zwei Regimentern, wodurch die Zahl der Regimenter verringert wird. Außerdem ist die M o d e r n i s i e r u n g d e r B e w a s s n u n g urd die Hmstellung aller Berfagtterieregimenter in Radfahrerregimenter vorgesehen. Für die Artillerie ist eine Erhöhung der Feldgeschütze bei den Divisionen und eine Verringerung der schweren Geschütze bei den Korps und der schweren Küstenartillerie in Aussicht genommen. Die Luftabwehr w rd beweglicher geflötet, so daß sie gemeinsam in den verschiedensten Fällen verwendet werden kann. Bei der Genie- truppe wird der R a d i o d i e n st erheblich vermehrt. Die Tanks erhalten eine unabhängige Organisation.
Die Königin-Mutter von Italien im Sterben.
Paris, 4. Jan. (TU.) Nach einer Havasmel- dung aus Rom liegt die Königin-Mutter im Sterben. Nachdem in ihrem Zustande eine vorübergehende Besserung festgestellt wurde, erlitt sie nach Mitternacht einen Schlaganfall und verlor das Bewußtsein. Das Königspaar und der Erbprinz sind im Sonderzug von Turin in Bordighera ein- getroffen.
Königin Margherita, die Mutter König Viktor Emanuels III., die Witwe des im Jahre 1900 in Monza ermordeten Königs Humbert I. ist 1851 geboren als Prinzessin von Savoyen-Genua, also eine Kusine ihres späteren Gatten, den sie 1868 heiratete. Die Königin war Chef des ehemaligen Kur- hessischen Jägerbataillons Nr. 11 in Marburg.
Keine Berufung Karells.
Darmstadt, 4. Ian. (TH.) Gegenüber der von einem Berliner Blatt gebrachten Meldung über eine Berufung des Abgeordneten K o - r e l l zum R a ch f o l g e r des hessischen Gesandten in Berlin, Freiherrn von Biegeleben, wird an amtlicher Stelle erklärt, daß von einer derartigen Berufung des Abgeordneten Korell nichts bekannt sei.
Vie französischen Sozialisten gegeneineRegierungibeteilignng
P a r i s, 3. Ian. (WB.) Heute haben die meisten Dezirksvercinigungen der Sozialistischen Partei ihre Delegierten für den am 10. Ianuar in Paris fiat.fi d.n' en cuß rwrd n lichei Partei- kongreß bestimmt, der über die Haltung entscheiden soll, die die Sozialistische Partei zur Frage einer eventuellen Beteiligung der Sozialisten an der Regierung einzunehmen habe. — Die Dezirksoerelnigung des Departements der Rhonemündung hat sich mit 225 von 250 Stimmen gegen die Beteiligung an der Regierung ausgrsprochrn. Die Bezirk> vereinigung von Chambery hat mit 33 gegen 26 Stimmen ebenfalls gegen die Beteiligung an der Regierung gestimmt. Die Bezirksvereini- gung der Ost-Pyrenäen hat sich j,:doch mit allen gegen neun Stimmen für eine eventuelle Beteiligung der Sozialisten an der Regierung ausgesprochen. Bon besonderem Interesse ist die Stellungnahme der einflußreichen De-iclsvereini- gung des Seinedepartements, die heute in Abwesenheit des sozialistischen Abgeordneten ßeon Blum tagte. Der Qlbj. Blum hat jedoch — wie bereits berichtet — in einem Briefe Stellung genommen und sich gegen die Beteiligung ausgesprochen. Die meisten Red'.er haben sich ebenfalls gegen die Beteiligung ausgesprochen.
Zu einer Entscheidung ist es jedech nicht gekommen. Es wurde beschlossen, einen Rc>ak- tionsausschuß mit der Ausarbeitung von drei Resoluttonen zu beauftragen, von beten die erste die bedingungslose Mitwirkung un den Regierungsgeschäften empfiehlt, die zwecke eine Beteiligung unter der Voraussetzung, daß bie Mehrheit der Portefeuilles ttn Kabinett den Sozialisten zufällt, während die dritte Resolution sich gegen jede Mitwirkung ausspricht und die Besitzergreifung der Macht durch die Sozialisten allein fordert. Die Delegierten der Seine-Federation werden am kommenden Freitag erneut zusammentreten und ü ec die drei Entschließungen abftimmen. Es best ht Grund zur Annahme, daß die zweite Entschließung die Mehrheit der (Stimmen auf sich vereinigen wirb.
•Bombenattentat auf den Schah von Persien?
London, 4.Ian. (TU.) wie „Exchange Telegraph" aus Bagdad meidet, soll nach einem Telegramm aus Persien auf ben neuen Schah von Persien, Riza Khan, ein Bom - benattenfat verübt worden sein. Dem Schah sollen beide Beine abgerissen worden sein. Die Nachricht ist noch von keiner anderen Stelle bestätigt worden. Auch die Be nner persische Gesandtschaft ist noch nicht im Besitz direkter Meldungen. Ls wird darauf hingewiesen, daß Gerüchten, die auf dem Wege über Bagdad aus Persien in die Oefsentlichkeit gelangen, recht wenig Glauben zu schenken ist. Deshalb muß die amiliche Auskunft abgewartet werden, die die Gesandtschaft in Teheran erbeten hat.
Militärdiktatur in Gri chenland
Ministerpräsident General Pangalos proklamierte am Sonntagnachmittag in Athen mit Zustimmung des Heeres die Diktatur. Bor der Munizipalgarde hielt Pangalos eine Rede, in der er erklärte, daß der Parlamentarismus eine Niederlage erlitten habe, und daß der Zusammenbruch in Kleinasien auf die R u ck ° kehr Beniselos' nach Athen im Jahre 1920 und auf die von ihm bewirkten Wahlen zurückzu führen sei. Pangalos teilte weiter mit, er wolle die' angekündigten Wahlen für Senat und Kammer nicht vornehmen lassen. Kürzlich noch hätten einige Führer der republikanischen Partei in Genf den Bulgaren Argumente gegen ihr eignes Vaterland gegeben. „Ich werde", so erklärte Pangalos, „das Vaterland allein mit Hilfe des Heeres retten. Bald wird dieses Heer zu den ersten auf dem Balkan zählen. Auch die Flotte wird mich bei meinem Wiederaufbau des Vaterlandes unterstützen, nachdem sie reorganisiert und zur Beherrscherin des östlichen Aegäischen Meeres aufgerürft ist."
Nach einer Meloung der „Montagspost" hat die griechische Polizei in der Nacht zum Sonntag etwa 4 00 Kommunisten verhaftet, die nach den Inseln des Aegäischen Meeres verschickt werden sollen. Die Verhafteten haben angeblich versucht, sich die griechischen Mobilisierungspläne zu verschaffen, um den beabsichtigten Staatsstreich besser durchführen zu können.
Das neue chinesische Kabinett.
Peking, 2. Ian. (LH.) Der Chef her Exekutive, Tuantschijui, hat Hfushi- h y i n g zum Ministerpräfibenten ernannt. Hsuhshihying ist 55 Iahre ult unb bereits 1912 Iustizminister. 1921 Zivilgouverneur von Anhui unb 1923 Direktor des Büros für 2uft- fchiffahrt gewesen. Ausgedehnte Reisen in Europa unb Amerika gaben ihm Gelegenheit, bie moderne Iustizverwaltung und den Strafvollzug zu studieren. Als Freund Sunyatsens ftanb er der Kuomingtang, der chinesischen Revoluttons- partei, nahe. Aus Grund seiner Beziehungen! zu Tuan wurde er bei dessen Regierungsübernahme zum Präsidenten der Organisationskon- serenz ernannt, deren Ausgabe es war, einen politischen unb wirtschaftlichen Wieberausbauplan!


