Ausgabe 
4.1.1926
 
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Nr. 2 Erstes Blatt

176. Jahrgang

Montag, 4. Zanvar 1926

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

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Der Thronverzicht des Kronprinzen Carol

Den Blick nach außen!

Der Reichsauhemninister hat in seinem Reu- jahrsgruß darauf hingewiesen, das Jahr 1925 sei für uns ein Jahr aktiver Außen­politik gewesen. Das ist zweifellos richtig, und was man auch gegen das Werk von Locarno im einzelnen einzuwenden haben mag, die Tat­lache bleibt unbestreitbar, daß mit dem Februa^ Memorandum zum erstenmal der Ders uch eines Einschaltens in die Welt- geschehni.fse gemacht wurde. Wir sind heute nicht mehr allein Objekt, wir sind wied^ Sub­jekt der Ereignisse geworden. Ob der Preis, den wir dafür befahlt haben, zu hoch war, ob der Weg der richtige war, darüber mag man verschiedener Meinung fein. Wir sind jeden­falls wieder im Spiel drin. Lind das ist die ein­zige Möglichkeit, die wir überhaupt haben, um uns aus den Fesseln zu befreien, die *unS in Versailles angeschmiedet wurden. Mit Zuwarten und darauf hoffen, daß irgendein Wunder ge­schieht, ist es nicht geschehen, wir werden uns Len Aufstieg sauer genug verdienen müssen, wer­den die kleinsten Dorteile wahrzunehmen haben, um Stein auf Stein zu sehen, bis der Unterbau für unsere Weltgeltung wieder stark genug ge­worden ist.

Das verlangt aber auch, daß wir den Dingen außerhalb unserer Grenzen ein ganz anderes Interesse entgegen bringen, als bisher. Man hat uns oft genug nachgesagt, wir feien ein unpolitisches Dolk. Das ist vielleicht falsch gesehen. Wir sind leider in erster Linie ein i n nerpoliti ches Dolk. Unser 3ntcreffe erschöpft sich gar zu sehr in Rebenfächlichkeiten, wie ja auch jetzt wieder in dem törichten Streit um die Genfer Posten. Wir denken, brutal gesprochen, in Kirchtürmen, anstatt in Kontinenten. Eine traurige Erbschaft aus der Bisrnarckschen Zeit her, wo wir alle wußten, daß unsere Außen­politik in den Händen des eisernen Kanzlers gut lag. Inzwischen aber haben wir doch wohl Lehr­geld genug bezahlen müssen, und heute muß sich jeder daran gewöhnen, daß er das, was rings um uns vorgeht, mit offenen Augen be­trachtet, um die Zeichen der Zeit zu er­kennen.

Und es geschieht weiß Gott viel um uns .ytii-uiii," yeuüy, au. .'vi/ii)iiito।tof fe anzu-

häufen. Der unglückliche Tag, an dem der Völker­bundsrat in Gegensatz zu dem Gutachten das Mossulgebiet d:n Engländern zusprach, be­deutet ganz zweifellos den Ausgangspunkt neuer Kombinationen, deren letzte Wi'lurgen überhaupt noch nicht abzusehen sind. Es ist kein Zufall, daß am selben Tage die Türkei und Rußland einen Vertrag unterzeichneten, der an sich nur als Reutralitätsvettrag aufgezogen ist, aber doch scchr Viel Liehr bedeutet. Auch wenn er keinerlei Geheimftauscln enthält, sichert er doch der Türkei Rückensrciheit in ihrer Front gegen England. Genau so wie der russisch-türkische Vertrag von 1921, der erst den Sieg Angoras über Griechen­land ermöglichte. Damals galt der Schlag dem Vasallen Englands, heute gilt er unter Um­standen England selbst. Wieweit die Aspi- rationeit der Türken gehen, erhellt sich schon daraus, daß der türkische Außenminister seine Rückfahrt nach Angora über Belgrad und Sofia genommen hat. Und nach englischen Quellen hat er an beiden Stellen abgehorcht, wieweit die Möglichkeiten eines Bündnisses ge­geben seien. Er soll sich einen Korb gcholt haben; immerhin, die Lage der Bulgaren ist so ver­zweifelt, daß sie sich jedenfalls noch Hintertüren für spater offen gehalten haben mögen.

Aber auch England hat diesen Schach­zug der Türken sofort mit einem Gegenzug beantwortet. Zwischen den Festen hat der eng­lische Außenminister sich mit Herrn Musso­lini in Rapallo getroffen. Er hat also den Osterglocken von Rapallo, die damals den deulsch- russischen Vertrag einläuteten, die Weihnachts- gloden folgen lassen, die eine italienisch- englische Annäherung bringen sollen. Von London und von Rom aus hat man sich bemüht, die Bedeutung dieser Zusammenkunft abzuschwächen. Vermutlich wird auch etwas Be­sonderes gar nicht abgemacht sein. Die Tat­sache der Zusammenkunft an sich aber beweist schon die außerordentliche Rührigkeit der euro­päischen Diplomatie, die rechtzeitig die Karten mischen will und ausgerechnet im Zeichen des Völkerbundes in aller Ruhe einen kommenden Krieg vorbereitet. Ob freilich Italien für Eng­land ein besonders wertvoller Bundesgenosse gerade in Kleinasien ist, bleibt abzuwarten. Ita­lien hat sich als Erster den Türken gegenüber desinteressiert und wird sich auch hüten, noch einmal die Kastanien für England aus dem Feuer zu holen, wenn es dafür nicht sehr greif­bare Vorteile sieht, die ihm England kaum zu bieten hat. Auf der anderen Seite ist auch Moskau nicht untätig geblieben. Tschitscherin spielt ein sehr hohes Spiel, er hat den Kampf gegen England jetzt von allen Seiten aufgenom- men. Die Vorgänge in China lassen nicht nur die russische Hand, sondern auch den russischen Rubel erkennen, von hier aus erfolgt der eine Stoß gegen die Grundlagen der englischen Welt­macht, der andere aber, der über Angora, Wos- ful und Afghanistan nach Italien zielt, ist noch sehr viel gefährlicher. Iedenfalls zeichnet sich hier zwischen den Iahren zum erstenmal sicht­bar der Anfang einer neuen Kon­st e l l a t i o n der Mächte vorläufig nur in Asien ein, der aber auch durch die Spitze, die er gegen den Völkerbund trägt, bestimmend für die ganze Entwicklung von 1926 werden kann.

Wie die »Montagspost" aus Bukarest meldet, hat sich Prinz Carol nach der Abreise des Mi­nisters des königlichen Hauses, Hieta, aus Ve­nedig über Mailand nach der Schweiz be­geben. Reben Briefen an seinen Vater und an seine Mutter habe er auch einen Dries an seine Frau geschrieben, in dem er mitteilte, daß er die Ehegemeinschaft auf gebe und ihr volle Freiheit gebe, die Scheidungsklage ein- zureichen. Prinzessin Elena sei außerordentlich niedergeschlagen. In dem Brief an seinen Vater habe er gebeten, daß er den Ramen Sc arlav Monastireanu führen dürfe. Heber die Gründe, die den König bewogen haben, über die Frage des Thronverzichts seines Sohnes so rasch die Entscheidung zu treffen, veröffentlicht der offiziöseAverul" folgende Mitteilung: »In gut unterrichteten Kreisen wird bestätigt, daß Kron­prinz Carol an den König einen zwe iten Brief gerichtet habe, der jedoch dem Kronrat nicht vor- gclegt wurde. In diesem Brief habe Carol eine ganz ungewöhnliche Haltung eingenommen und dem König gegenüber eine höchst sonderbare Feindseligkeit an den Tag gelegt. Der Brief offenbart einen gefährlichen Geisteszustand (!) deö Verfassers. Cs werden die Gerüchte über gewisse Zwischenfälle bestätigt, aus' denen ge­folgert werden muß, daß im Interesse der Dy­nastie und des Landes unbedingt die Entkleidung des Kronprinzen Carol von allen Rechten und Pflichten einer offiziellen Persönlichkeit notwendig fei." Wie weiter aus Bukarest gemeldet wird, wurde am Sonntag ein Äronrat einberufen, an dem der Ministerpräsident, der Außenminister, der Iustizminister und der Minister für Land­wirtschaft und Staatsdomänen teilnahmen. In diesem Kronrat wurden die mit dem Thronver­zicht zusammenhängenden Rechtsfragen geregelt. Die Kammer tritt Montag zusammen, um von dem Thronverzicht des Prinzen Carol und von der Hebertragung der Thronrechte gemäß den Bestimmungen der Verfassung auf seinen Sohn, den Prinzen Mihai, Kenntnis zu nehmen. Bei derselben Gelegenheit werden Kammer und Senat aufgefordert, über die Verfügungen Be­schluß zu fassen, die angesichts der neuen Lage der Dinge erforderlich werden. Kammer und Senat werden die Angelegenheit in einer Sitzung zum Abschluß bringen und sich darauf wieder vertagen.

Berlin, 2. Ian. Heber die Beweggründe, die den rumänischen Kronprinzen zu seinem Thronverzicht veranlaßt haben, melden die Blät­ter, daß Kronprinz Carol etwa seit einem Iahre ein Liebesverhältnis zu einer Frau Lu­pe s c i, der geschiedenen Frau eines rumänischen Hauptmannes, die Iüdin von Geburt und die

Die ltallemsch-encllischen ZchMeiwerhandlungen.

London, 4. Ian. (TH ) Die vom Finanz­minister Grafen V o l p i geführte italienische Schuldenkommission trifft am Dienstag in London ein. Die Verhandlungen werden am Mittwoch beginnen. Die Blätter veröffent­lichten offensichtlich inspirierte Erörterungen der gesamten Schuldenfrage. Daraus ergibt sich, daß Die italienischen Schulden aus dem Iahre 1915 stammen. Damals überwies die italienische Re­gierung zur Sicherung ihrer Kreditoperationen: einen Betrag von 22 200 000 Pfund Sterling in Gold und erhielt hierauf einen Kredit von 132 Millionen Pfund. Später wurde dieser Kredit erhöht und bis Ende des Krieges belief sich der Gesamtbetrag der englischen Zahlungen für italienische Rechnung auf 400 Millionen Pfund, wozu noch die inzwischen ausgelaufenen Zinsen in Höhe von 160 Millionen Pfund hinzuzurechnen sind, so daß der Gesamtbetrag sich auf 560 Mil­lionen Pfund beläuft.

Der englische Standpunkt in der Schuldenfrage ist folgender: England darf unter keinen Hmständen eine schlechtere Behandlung erfahren als die Vereinigten Staaten. Solange diese chrerseits nicht auf die Forderung voller Rückzahlung der englischen Schulden, die durch das Baldwin-Abkommen gesichert ist, ver­zichten, solange kann England nur nach Maß­gabe seiner eigenen Verpflichtun­gen an die Vereinigten Staaten entgegenkommen. Die Gesamtschulden Englands an die Vrre nigten Staaten belaufen sich auf etwa 1 Milliarde Pfund Sterling. Die Schulden der Al.ierlen an Eng­land betragen etwa 2 Milliarden Pfund. Dem­zufolge ist England bereit, etwa 50 vom Hundert seiner eigenen Forderun­gen nachzulafsen. Die Mittwoch beginnen­den Verhandlungen werden zunächst die Frage der Rückgabe des italienischen Golddepots be­treffen. Rach italienischer Meinung handelt es sich dabei lediglich um eine Bürgschaft für den ersten Kredit von 182 Millionen Pfund Sterling. Wie dieSundah Times ' meint, wird England in dieser Beziehung wahrscheinlich entgegenkom­men, nicht aber in den andern Fragen.

Heeresreform in 3 alten.

Rom, 2. Ian. (WTB.) Der Ministerrat hat die neue Heeresreform angenommen, in der auf Grund der dreistaffeligen Divisionen an Stelle der bisherigen Divisionen von vier Regi­mentern die Zahl von dreißig Divi ioien aufred.t- erhalten, ein Korps mehr als früher eingeführt I und die Verteidigung von Sizilien und Sardinien besonders geordnet wird. Damit wird es auch möglich fein, d ie Grenzorganisationen

Tochter eines Kaufmanns in Iaffy ist, unterhielt. Der Kronprinz, der mit der Schwester des ent­thronten griechischen Königs, Elena, verheiratet ist, beabsichtigt, sich scheiden zu lassen und die Iüdin zu heiraten, mit der er kürzlich in Paris und Venedig weilte. Wie dieD. Z." ergänzend erfährt, reiste der Kronprinz von Lon­don, wo er zur Beisetzung der Königin Alexandra weilte, mit Frau Lupesci nach Paris und Ve­nedig. In beiden Städten zeigte er sich überall mit ihr. In Paris fiel das Paar besonders auf. Dies wurde nach Bukarest berichtet und der Pariser Botschafter wurde beauftragt, dem Kron­prinzen eine offizielle Warnung zu überbringen. Hierauf schrieb der Kronprinz schon damals nach Bukarest, daß er auf den Thron verzichte und sich von der Kronprinzessin schei­den lassen wolle, um von nun an im Aus­land leben zu können. In dem daraus einberufe­nen Kronrat wurde beschlossen, auf den Kron­prinzen einzuwirken, ihn von seinem Plane ab­zubringen. Es soll sogar beschlossen worden sein, dem General Averescu die Pariser Mission anzuvertrauen, nötigenfalls wolsie s.-gar die Kö­nigin Maria selbst nach Paris fahren. Man sandte dann den Hochmarschall A n a - l s c u nach Paris, der dort aber mit seiner Mission vollkom­men scheiterte. Hauptmann Lupesci gehörte seit Iahren schon der Bukarester Garaison an und geriet dadurch auch in dienstlicher Beziehung zur königlichen Familie. Seine Frau, eine be­kannte Schönheit, versuchte mehrmals, sich dem Kronprinzen Carol zu nähern, aber ohne Erfolg. Anläßlich des letzt:,! rumänischen Autotur- niers, an dem sich auch der Kronprinz betei­ligte, warf sie ihm vor seiner Abfahrt ein großes Bukett Blumen ins Auto und wünschte ihm viel Glück. Es schien, daß diese Geste einen Eindruck auf den Kronprinzen nicht verfehlte, denn gleich darauf wurde et öfters in ihver Gesellschaft ge­sehen.

Bei dem Thronverzicht des Kronprinzen sollen außer persönlichen auch politische Gründe eine Rolle gespielt haben. Der Buka­rester Berichterstatter der WienerStunde" weih zu melden, daß das Verhalten Carols dem- "-^spaar und der Regierung Branami gegenüber schm seit langer Zcit eine Derschwö - r ungsaktion des Kronprinzen befürch­ten ließ. Aus diesen Gründen sei dem Kron­prinzen nahegelegt worden, auf den Thron zu verrichten. Ferner sei der Kronprinz in eine große Korruptionsaffäre verwickelt, bei der es sich um die Lieferung von unbrauchbaren ausländischen Militärflugzeugen für die rumä­nische Armee gehandelt habe.

zu verstärken. Es soll ein Teil der Divi­sionen immer auf einem höheren Stand gehalten werden, wodurch der andere Teil während des Jahres vorübergehend einen geringeren Stand wird aufwcisen können. Die Dienstzeit wird im allgemeinen 18 Monate betragen, doch kann das Kriegsministerium nach einer Ausbildungs­zeit von mindestens sechs Monaten einen Teil der Soldaten entlassen. Auf Grund der Be­stimmungen über die Begünstigung des Familien­standes, sofern die Begünst gten eine vor­militärische Hebung msigemacht haben, die fast ausschließlich in der Rationalmiliz geleistet wer­den kann. Zur Sicherung der Mobilisierung werden M o b i l i s i e r u n g s i n s P e k t o r a t e geschaffen. Die Insanteriewasie bleibt vorläufig in Brigaden gegliedert zu drei, statt wie bisher zu zwei Regimentern, wodurch die Zahl der Regimenter verringert wird. Außerdem ist die M o d e r n i s i e r u n g d e r B e w a s s n u n g urd die Hmstellung aller Berfagtterieregimenter in Radfahrerregimenter vorgesehen. Für die Artillerie ist eine Erhöhung der Feld­geschütze bei den Divisionen und eine Ver­ringerung der schweren Geschütze bei den Korps und der schweren Küstenartillerie in Aussicht ge­nommen. Die Luftabwehr w rd beweglicher ge­flötet, so daß sie gemeinsam in den verschiedensten Fällen verwendet werden kann. Bei der Genie- truppe wird der R a d i o d i e n st erheblich ver­mehrt. Die Tanks erhalten eine unabhängige Organisation.

Die Königin-Mutter von Italien im Sterben.

Paris, 4. Jan. (TU.) Nach einer Havasmel- dung aus Rom liegt die Königin-Mutter im Ster­ben. Nachdem in ihrem Zustande eine vorüber­gehende Besserung festgestellt wurde, erlitt sie nach Mitternacht einen Schlaganfall und verlor das Bewußtsein. Das Königspaar und der Erbprinz sind im Sonderzug von Turin in Bordighera ein- getroffen.

Königin Margherita, die Mutter König Viktor Emanuels III., die Witwe des im Jahre 1900 in Monza ermordeten Königs Humbert I. ist 1851 ge­boren als Prinzessin von Savoyen-Genua, also eine Kusine ihres späteren Gatten, den sie 1868 hei­ratete. Die Königin war Chef des ehemaligen Kur- hessischen Jägerbataillons Nr. 11 in Marburg.

Keine Berufung Karells.

Darmstadt, 4. Ian. (TH.) Gegenüber der von einem Berliner Blatt gebrachten Mel­dung über eine Berufung des Abgeordneten K o - r e l l zum R a ch f o l g e r des hessischen Ge­sandten in Berlin, Freiherrn von Biege­leben, wird an amtlicher Stelle erklärt, daß von einer derartigen Berufung des Abgeordneten Korell nichts bekannt sei.

Vie französischen Sozialisten gegeneineRegierungibeteilignng

P a r i s, 3. Ian. (WB.) Heute haben die meisten Dezirksvercinigungen der Sozialistischen Partei ihre Delegierten für den am 10. Ianuar in Paris fiat.fi d.n' en cuß rwrd n lichei Partei- kongreß bestimmt, der über die Haltung ent­scheiden soll, die die Sozialistische Partei zur Frage einer eventuellen Beteiligung der Sozialisten an der Regierung einzu­nehmen habe. Die Dezirksoerelnigung des Departements der Rhonemündung hat sich mit 225 von 250 Stimmen gegen die Beteiligung an der Regierung ausgrsprochrn. Die Bezirk> vereinigung von Chambery hat mit 33 gegen 26 Stimmen ebenfalls gegen die Beteiligung an der Regierung gestimmt. Die Bezirksvereini- gung der Ost-Pyrenäen hat sich j,:doch mit allen gegen neun Stimmen für eine eventuelle Beteiligung der Sozialisten an der Regierung ausgesprochen. Bon besonderem Interesse ist die Stellungnahme der einflußreichen De-iclsvereini- gung des Seinedepartements, die heute in Abwesenheit des sozialistischen Abgeordneten ßeon Blum tagte. Der Qlbj. Blum hat jedoch wie bereits berichtet in einem Briefe Stel­lung genommen und sich gegen die Beteili­gung ausgesprochen. Die meisten Red'.er haben sich ebenfalls gegen die Beteiligung ausgespro­chen.

Zu einer Entscheidung ist es jedech nicht gekommen. Es wurde beschlossen, einen Rc>ak- tionsausschuß mit der Ausarbeitung von drei Resoluttonen zu beauftragen, von beten die erste die bedingungslose Mitwirkung un den Regierungsgeschäften empfiehlt, die zwecke eine Beteiligung unter der Voraussetzung, daß bie Mehrheit der Portefeuilles ttn Kabi­nett den Sozialisten zufällt, während die dritte Resolution sich gegen jede Mitwirkung ausspricht und die Besitzergreifung der Macht durch die Sozialisten allein fordert. Die Dele­gierten der Seine-Federation werden am kom­menden Freitag erneut zusammentreten und ü ec die drei Entschließungen abftimmen. Es best ht Grund zur Annahme, daß die zweite Entschlie­ßung die Mehrheit der (Stimmen auf sich ver­einigen wirb.

Bombenattentat auf den Schah von Persien?

London, 4.Ian. (TU.) wieExchange Te­legraph" aus Bagdad meidet, soll nach einem Telegramm aus Persien auf ben neuen Schah von Persien, Riza Khan, ein Bom - benattenfat verübt worden sein. Dem Schah sollen beide Beine abgerissen worden sein. Die Nachricht ist noch von keiner anderen Stelle bestätigt worden. Auch die Be nner persische Gesandtschaft ist noch nicht im Besitz direk­ter Meldungen. Ls wird darauf hingewiesen, daß Gerüchten, die auf dem Wege über Bagdad aus Persien in die Oefsentlichkeit gelangen, recht wenig Glauben zu schenken ist. Deshalb muß die amiliche Auskunft abgewartet werden, die die Gesandtschaft in Teheran erbeten hat.

Militärdiktatur in Gri chenland

Ministerpräsident General Pangalos prokla­mierte am Sonntagnachmittag in Athen mit Zu­stimmung des Heeres die Diktatur. Bor der Mu­nizipalgarde hielt Pangalos eine Rede, in der er erklärte, daß der Parlamentarismus eine Niederlage erlitten habe, und daß der Zusammenbruch in Kleinasien auf die R u ck ° kehr Beniselos' nach Athen im Jahre 1920 und auf die von ihm bewirkten Wahlen zurückzu führen sei. Pangalos teilte weiter mit, er wolle die' angekündigten Wahlen für Senat und Kammer nicht vornehmen lassen. Kürzlich noch hätten einige Führer der republikanischen Partei in Genf den Bulgaren Argumente gegen ihr eignes Vater­land gegeben.Ich werde", so erklärte Pangalos, das Vaterland allein mit Hilfe des Heeres retten. Bald wird dieses Heer zu den ersten auf dem Bal­kan zählen. Auch die Flotte wird mich bei meinem Wiederaufbau des Vaterlandes unterstützen, nach­dem sie reorganisiert und zur Beherrscherin des öst­lichen Aegäischen Meeres aufgerürft ist."

Nach einer Meloung derMontagspost" hat die griechische Polizei in der Nacht zum Sonntag etwa 4 00 Kommunisten verhaftet, die nach den Inseln des Aegäischen Meeres verschickt werden sollen. Die Verhafteten haben angeblich versucht, sich die griechischen Mobilisierungspläne zu ver­schaffen, um den beabsichtigten Staatsstreich besser durchführen zu können.

Das neue chinesische Kabinett.

Peking, 2. Ian. (LH.) Der Chef her Exekutive, Tuantschijui, hat Hfushi- h y i n g zum Ministerpräfibenten er­nannt. Hsuhshihying ist 55 Iahre ult unb bereits 1912 Iustizminister. 1921 Zivilgouverneur von Anhui unb 1923 Direktor des Büros für 2uft- fchiffahrt gewesen. Ausgedehnte Reisen in Eu­ropa unb Amerika gaben ihm Gelegenheit, bie moderne Iustizverwaltung und den Strafvollzug zu studieren. Als Freund Sunyatsens ftanb er der Kuomingtang, der chinesischen Revoluttons- partei, nahe. Aus Grund seiner Beziehungen! zu Tuan wurde er bei dessen Regierungsüber­nahme zum Präsidenten der Organisationskon- serenz ernannt, deren Ausgabe es war, einen politischen unb wirtschaftlichen Wieberausbauplan!