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Nr. 283 Erstes Blatt

176. Jahrgang

Zreitag, 3. Dezember 1926

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(Biegener ^amilienblätter Heimat tm Bild Die Scholle

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2 Reichsmark und 20 Nnchspfennig für Träger, lohn, auch Lei Richter« scheinen einzeinerRunimern infolge HSHerer Gewalt. 3ernjpred)an|d)lüHe;

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Thefredabteur

Dr Fnedr Will) Lange. Derantwortlich für Politik Dr Fr Wilh Lange, für Feuilleton Dr H.Tbyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein: für den An» zeigenteil t Dertr H. Beck, sämtlich in Gienen

Seipels Anschlußpolitik.

DaS Berliner Echo.

Berlin. 2. Dez. (LU.) Die Rede des österreichischen Bundeskanzlers über die An- schluhfrage ist in Berlin mit geteilten De« suhlen ausgenommen worden. Ihr KeptLd>cr Xon uni) ihre rein negalioen Formulierungen ent­täuschten vielleicht noch mehr, als S'ipels Ab- lehnung des Ewigen Demonstrierens", feine De« Innung der Pflicht. daS österreichische Staats- Wesen zu erhalten und die Versicherung seiner Loyalität gegenüber internationalen Verträgen. Hebet die Frage, ob man Demonstrationen ein- schränken sollte oder nicht, kann man geteilter Meinung fein. Es handelt sich hier um tak­tische Erwägungen. 3n Berliner politischen Kreisen ist man überzeugt, daß eS mindestens ebenso ^verfehlt wäre, darauf zu verzichten, der Welt immer wieder daS Unrecht vor Augen zu führen, das darin liegt, daß mehr als sechs Millionen Oesterreicher der Anschluß an das Deutsche Reich verboten wurde.

Dor allem aber vermißt man den Hinweis daraus, dah es sich bet der Erhaltung des öster- reichlschen StaatSwesenS um Arbeiten an einem Staat handelt, den die Bevölkerung als solchen gar nicht wünschte, einen Staat, der i h in aufgezwungen wurde. Es handelt sich also um RotstandSarbeiten an einer in­terimistischen Unievtenft der Deutsch-Oester- reicher. Der .zweite deutsche Staat", von dem Seipel spricht, ist eben nicht die Verkörperung des Ideals des deutschen Volks. Gern hätte majt gerade in Deutschland gehört, dah Dr. Seipel der gesetzgeberischen und der anderen An- ?(Ieid)ung8arbeit-en gedacht hätte, die kein ntemationaler Vertrag verboten hat oder ver­bieten kann. An diesen Arbeiten ist das Herz deS deutschen Volkes in viel höherem Maste beteiligt. Sie bieten ihm Ersah für den An- schluh, der heute verboten ift Aus der anderen Seite aber stellt man mit Genugtuung fest, dah et nicht wie sein A-ntsvorgänger. von Oberetsch sprechen zu müssen glaube, sondern den Gefühlen des deutschen Volkes gegenüber den Leiden Süd­tirols offen Ausdruck gab.

Scharfe Kritik in Wien.

Wien. 2. Dez. (LU.) Die gestrigen Er­klärungen des Bundeskanzlers Dr. Seipel in der Frage des Anschlusses Oesterreichs an Deutsch­land erfahren heute in der großdeutschen und sozialdemokratischen Presse eine sehr scharse Ablehnung. Sn den W i e- nerReuestenRachrichten toirb festgestellt. dah die Erklärungen Seipels, der Auffassung der grostdeutschen Parteien zum Teil durchaus I widersprächen. Der Bundeskanzler habe be- tont, dah eine Politik der ewigen Demonstratio­nen gegen Tatsachen keine Berechtigung habe. Wir meinen, so schreibt das Blatt, es handelt sich hier um mehr als um eine Politik der 'Demonstrationen. Für uns ist der Wunsch nach dem Selbst bestimmungsrecht eine Sache des Herzens und des Verstairdes und wenn der Bundeskanzler den Anschlustwillen jener 90 oder 95 Prozent, von denen er selbst einmal gesprochen hat, mehr äusterlich nimmt, so muh der Hinweis aus die Geschichte der 'letzten Jahr­zehnte gestattet sein. Man hat auch in Frank- reich und Italien keine Gelegenheit oer- fäumt, zu demonstrieren und nicht viel anders ist es mit der Politik der Tschechen, deren staatsrechtliche Verwahrungen seither immer nur al£ Demonstrationen gewertet wurden. Uni) doch kam in ihnen ein starker innerer Wille zum Ausdruck, der sich schliestlich auch durch- aeseht hat. Die sozialdemokratische ^Ar­beiterzeitung" fordert, dah die Regierung den Willen des deutsch-österreichischen Volkes unn Anschlust nicht verleugne. Jedermann wisse, dah das deutfch-österreichische Volk heute nicht imstande sei, den Anschlust durchzusetzen, was er aber verlange könne, sei, dah sich die Re- f gienmg anders dazu einstslle.

Die deutsch-österreichische Rechtsangleichung.

Wien, 2. Dez. (WTD.) Der Bundesaus­schuh des Rationalrates beriet heule über das Kapitel .Justiz". Im Laufe der Debatte , verwies der Sozialist Eisler auf den in Vor­bereitung befindlichen gemeinschaftlichen deutschösterreichischen Strafgeseh- enttourf, wobei er u. a. auf die sog. Dertrarens- krise gegenüber dem deutschen Richtertum zu sprechen kam. Der Redner bezeichnete weiterhin noch den tschechischen Reformentwurf als nach­ahmenswert. da er in mancher Bezieh , ng, so hin­sichtlich des sog. Abtreibungsparagraphen weniger Widerständen ausgesetzt sein werde, als der deutsche Entwurf. 5):r Groh deutsche Waber er­klärte, auf Grund deS Standes der Verhandlun­gen glaube er. dah der Strafgesetzentwurf im nächsten Frühjahr in Deutschland und in Oester­reich vvrlagereif fein toerbe. Gerade der Gedanke der Rechtsgleichheit werde fein Zustandekommen fördern, so dah man bald zu einem gemeinsamen deutschen Strafgesetzbuch kommen werde.

Sozialdemokraten und Arbertszeilgesetz.

Berlin, 3. Dez. (SIL) In der Arbeitszeit­frage ist die sozialdemokratische Fraktion mit dem bisherigen Kompromihvorschlage nicht z u- friedengestellt. Sie wird deshalb, sobald diese Frage auf die Tagesordnung kommt, mit eigenen Abänderungsvorschlägen her­vortreten.

vor der Senser Tagung der völkerbundrrats.

Die deutsche Delegation unter Führung des Reick^auhenministers Dr. Stresemann w rd am Samstagabend in Genf eintreffen. Am Sonntag kann dann schon die erste Fühlungnahme zwi­schen den Außenministern Englands. Frankreichs und Deutschlands stattfinden. Aus ihr wird sich ergeben, ob Chamberlain sich mit Dr'.and auf eine bestimmte Derh i d l u n g s f o r rn e l ge­einigt hat oder ob beibe zunächst abwarten wollen, welchen Gang die Dinge n.-firnen werden. Wer ruhig und sachlich die Lage betrachtet, kann fern Urteil nur dahin zufammenfafsen. dah Deutsch­land mit den restlichen Abrüstungssragen jetzt auf dem kürzesten Wege reinen Tisch macht, dah diese Angelegenheiten aber von viel zu nebensächlicher Bedeutung sind, um überhaupt ins Gewicht fallen zu können. In Frankreich hat man leider bisher für ein ruhiges Urteil keine Zeit und keinen Platz gehab', sondern seine Auf­gabe darin gesehen, durch Alarmmeldungen für eine Vergiftung der Stimmung zu sorgen, die keinerlei objektive Behandlung ber Kontroll- :n* Investigationsfrage mehr verträgt. Wieweit Chamberlain der Haltung Frankreichs Rechnung tragen will, ist noch unbekannt. Rach französischer Ansicht habe er sich bereits voll unb ganz dem französischen Standpunkt ang schloss n. Wie dem auch sei, für unS gibt es weder ein Falschen noch ein Handeln um Militärkontrolle und Investi­gation. Das weist Herr Chamberlain, der eben erst die deutsche Rote vom 12. Januar 1926 der Oeffentlichkeit zugängig gemacht hat, das wissen auch alle übrigen Ratsmitglieder. Wollen sie verhindern, dah die Ratstagung mit einem Mih- klang endigt. bann werden sie sich dazu verstehen müjfen, bestehende Verträge zu achten xmb uns als gleichberechtigte Ration zu behan­deln. Andernfalls toirb der Reichsaußenminister Genf wieder Derlaffen und vorläufig alles beim alten ble:c--i. Gr weih sich mit dem gesamten deut­schen D lke und feinen polit schen Führern darin einig, dao jetzt endlich einem unwürdigen Zu­stand so oder so ein Snde gemacht werben muh. ,

Die Tagung bes Dölferbimösrats

Kontrollfrage und Investigationen.

(Sigeite Information des G. A.

Berlin, 3. Dez. In wenigen Tagen be­ginnt die Dezembertagung des Dölker- bundsrates in Genf Reichsaustenminister Dr. Stresemann wird mit einigen Herren des Auswärtigen Amtes heute abend ab reifen, von einer unmittelbar bevorstehenden Rege­lung der Kontrollfrage kann aber noch immer keine Rede fein. Wohin die Reise geht, zeigen neuerdings wieder Meldungen aus fran­zösischer Quelle, die zwar zunächst nur als Ver- suckMallons anzusehen sind, jedoch deutlich genug den Wunsch gewisser französischer Kreise (die bekanntlich nicht ohne erheblichen Einfluh sind) crfemien lassen, die Militärkontrolle in möglichst scharfer Form weiter aufrechtzuerhal- t e n. Man möchte jetzt Deutschland verlocken, einer Inkraftsetzung des Invest igations- versahrens des Völkerbundes zuzustimmeir, die auf der durchaus einseitigen französischen Auslegung des Jnvestigatlonsprotokolles des Völkerbundes beruht Um die Sache schmackhaft zu machen, spricht man davon, dah diese Regelung nur für eine älebergangszeit gelten soll, bis eine Verständigung über die Aus­legung des Protokolle« erfolgt ist. Bei der fran­zösischen Mentalität besteht aber kein Zweifel, dah man auf diesem Umtoege hofft, die im französischen Sinne gelegene vorläufige Regelung in eine dauernde übergehen lassen zu können. Hier liegt eine grobe Gefahr, der die deutsche Regierung mit aller Entschiedenheit entgegen» treten wird.

(Chamberlain in Paris.

Paris, 2.De;. (22L) heule abend 5.40 Uhr traf Chamberlain mit seiner Gattin und in Begleitung Lord Crewes am Rordbahnhos ein. Zum Empfang war Außenminister Briand er­schienen. Der polnische Außenminister Z a l e s k i ist bereits in den Rachmittagsstunden in Paris ein­gefroren. Eine erste Zusammenkunft Chamberlain- Brianb ist für morgen vormittag vorgesehen. Den polnischen Außenminister wird Briand dagegen be­reits in den heutigen Abendstunden sprechen. Mor­gen wird Chamberlain mit Briand und poincare frühstücken, am Abend gibt der britische Botschafter ein Bankett.

Die Ankunft des englischen Auhenmmisters Chamberlain und Zaleskis verlegt den Schwer- punkt der internationalen Politik für zwei Tage nach Paris. Es steht fest, dah Driand mit Cham- berlain und Zaleski besonders verhmrdeln wird. Ein Programm für diese Unterhaltungen ist nicht aufgestellt, aber es liegt auf be: Hand, dah sie den Auftakt zu der Genfer Konfe­renz bilden, und sich auf die Hauptprobleme beziehen, die dort zur Diskussion stehen. Auch die letzten Ereignisse in China werden in der Aussprache der Staatsmänner berührt werden. Die Hoffnung, die bis in die letzten Tage hinein in Pariser deutschen Kreisen bestand, dah es doch noch gelingen werde, bis zur Dezember­tagung in Genf die Frage der Abberufung der M il i t ä r ko n t r ol lkom m isf io n zu regeln, hat sich nun endgültig zerschlagen. Da­gegen glaubt man, dah sich in den noch aus­

stehenden vier Tagen ein äleberMicf gewinnen lassen werde, wie weit man noch von der endgültigen Regelung entfernt sei, also kein posi­tives Ergebnis der Pariser Verhandlungen, aber immerhin eine Basis, auf der sich in Genf die Diskussion der Staatsmänner fort fetzen liehe. Diel beachtet wird in französischen Kreisen das Halbdunkel, das von Berlin aus über die Genfer Reiseabfichten Stresemanns gebve tet wird. Man vermutet, dah die Reichs re gierung endgültige Beschlüsse über die Vertretung Deutschlands im Völkerbund erst dann fassen toirb, wenn auch eine Entscheidung von feiten Mussolinis über feine Teilnahme an den Besprechungen zu Vieren - vorliegt.

Die Viermächtekonferenz.

Belgien wünscht seine Teilnahme.

Brüssel, 2. Dez. (WB ) Die Belgische Tele­graphenagentur glaubt zu wissen, daß die Bespre­chungen in der Entwassnungssrage zwischen Paris, London und Rom noch nicht abgeschlossen leien. Daran ändere nichts die Tatsache, daß die o e l - gische Regierung am Samstag in der Ent­waffnungsfrage eine Antwort an die englische Re­gierung und in Abschriften ebenfalls nach Paris und Rom abgesandt habe, eine Antwort, in der Bel- aien sich im allgemeinen der englischen Auf­fassung anschließe. Die öffentliche Meinung in Belgien sei durch Meldungen französischer und englischer Blätter, nach denen eine Zusammen- k u n s t zwischen Briand, Stresemann, Musiolini und Chamberlain im Anschluß an die Genfer Tagung beschloßen worden sei, lebhaft erregt worden. Die belgischen Zeitungen fragen, ob Belgien von die­sen wichtigen Besprechungen ausgeschlosien werden solle und warum die Zusammenkunft zu vieren, nicht zu fünfen stattfinden werde, da Belgien zu den a n den Rüstungen Deutschlands in er st er Linie Interessierten Mächten gehöre und die auf dem Spiele stehenden Interessen sehr groß seien. Die Belgische Telegraphenagentur glaubt zu wissen, daß Briand und Chamberlain der belgisch-n Regierung immer vollständige Zusicherungen hin- sichtlich der Beteiligung Belgiens an derartigen Be- sprechungen gegeben haben.

Tine Zusammenkunft Stresemann - Mussol nt.

Besprechung des Lchicdvvcrtrags.

Hom, 2. De;. (TU.) Die der Vertreter der Te- Icgraphenunlou erfährt, wird in ilaiienifchen poll- tischen kreisen auf das bestimmteste damit gerechnet, daß anläßlich der Genfer Tagung eine Zusam­menkunft zwischen dem deutschen Außenminister Dr. Stresemann und dem italienischen RUnister- präsidenlen Mussolini an einem italienischen See, wahrscheinlich am Lago Maggiore, erfolgen wird. Die Vorbesprechungen über diese Unterredung sollen bereits Insoweit zur Klärung geführt haben, als die Zusammenkunft an sich festgesetzt worden Ift. noch nicht aber die näheren Einzelheiten der Be­sprechung. Die weiter mitgeteilt wird, ist damit zu rechnen, dah bei dieser Zusammenkunft der deutsch-italienische Schiedsgerichts­vertrag soweit geförbert ist, daß auch hier seine Unterzeichnung erfolgen kann.

Artikel st, des völkerbundspackts.

Bericht Broucköres über Hilfeleistung in Aonfliktsfällcn.

Genf, 2. Dez. (WB.) Der belgische Senator de Brouckdre hat im Auftrage deS Rats- komitees einen umfangreichen Bericht ausgear­beitet, in dem er in bezug auf die von Frank­reich für die Abrüstungskonferenz aufgestellte Forderung einer beschleunigten Ver­wirklichung der mili'.äri'chen, wirtschast.if'en und finanziellen Hilfeleistungen aus Ar­tikel 16, die von der Völkerbund-Versammlung 1921 dazu beschlossenen provisorischen Richtlinien untersucht, ohne jedoch neue konkrete Vorschläge zu machen. Die Maßnahmen »um wirksamen Schutz des Friedens der Völker können sich nach Auffassung de Brouckdres erstrecken auf eine friedliche Blockade, aus Demonstrationen von Seestreitkrästen und auf zahlreiche, bereits 1921 inS Auge gefaßt«, wirtschaftliche, kommerzielle und finanzielle Maßnahmen", die zunächst vor der eigentlichen Anwendung deS Artikels 16 ins Werk gesetzt werden könnten.

Englands Kampf in China.

Die Lage in Hankau.

Paris, 2. Dez. (WB.) In den Abendblättern wird eine Depesche aus Schanghai veröffentlicht, in der bestätigt wird, dah ein amerikanischer Zer­störer eiligst nach Futschau abgegangen ist, weil die Lage dort sehr ernst geworden sei. Der, Gouverneur der Provinz Fukhien habe verspro­chen, die Ausländer zu schützen. Die aus- ländischen Konzessionszonen seien von den roten Truppen bedroht. Man habe sie mit Stachel­drahtverhauen umgeben. Die nationalistische Negierung in Hongkong hat angekündigt, daß die Verlegung des Sitzes der Regierung nach Wu- schang am 12. Dezember erfolgen werde. Die offi- ieüen Persönlichkeiten hätten Weisung erhalten, sich bereitzuhalten. Gestern sollte der politische Zen­tralausschuß seine Arbeiten einstellen. Die Militär­behörden hätten Befehl gegeben, mehrere Führer oder Persönlichkeiten des Streikkomitees in Hong­kong und in Kanton zu verhaften, und zwar unter dem Vorwande, daß sie kürzlich im Haupt­quartier der Streikenden eine Feuersbrunst veran­laßt hätten, um die Dokumente und die Kassen­bücher zu zerstören. In Peking glaubt man nicht an eine bevorstehende Eröffnung der Feindselig­keiten zwischen den verbündeten Truppen unter Tschang Tso Lin und den Streitkräften von Kan­ton. Diese führten ihre Operationen in der Gegend von Sekiang weiter durch. Für das Dorrück.n der Nordtruppen sei eine ziemlich lange Vorbereitung nötig, da man aus Mukden Truppen kommen lasse und die verschiedenen von mehreren Generalen abhängigen Elemente unter einheitliche Leitung bringen müsse.

Die letzten Berichte besagen, daß in Hankau eine kleine Erleichterung der Lage zu verzeichnen ift. Die Landung von Matrosen hat die erwartete Wirkung gehabt. Einige Teilstreiks sind beige- I e g t worden. Für kommenden Sonntag sind meh­rere ausländische Demonstrationen angesagt wor­den. Die Kantoner Truppen werden die Stadt Foochow morgen besetzen. Die chinesischen Flotten- streitkräfte sind zu den fiantonefern übergegangen. 3n Washington wird amtlich erklärt, dah die Ver­einigten Staaten in China keine weiteren bewaffneten Streitkräfte landen werden, solange nicht Leben und Eigentum amerikanischer Staats­bürger tatsächlich bedroht sei.

Eine Grllärung Chamberlains.

London, 2. Dez. (Täl.) 3n der Unterfyauä- debatte über China erklärte Chamberlain, daß die Lage in Hankau Im allgemeinen unver­ändert geblieben sei. Die letzten Berichte be­sagten, daß der Generalstreik vom 4.De­zember ab festgesetzt fei. Es sei ein Arrangement getroffen worden, in Hankau während des Win­ter- eine Schaluppe zu stationieren und weitere Streitkräfte feien für die Landung verfügbar, wenn sich eine Rottoendigkeit hierzu ergeben sollte. Kanonenboote wären den ganzen Winter je nach Bedarf verfügbar. Chamberlain betonte

weiter, daß sich die Regierung der Propaganda- klaufel des Handelsabkommens zwischen Groß­britannien und Sowjetrußland bewußt sci, bisher aber ihre diesbezüglichen Rechte nicht ausgeübt habe, weil sie es die Lage als Ganzes ge­nommen nicht für zweckmäßig hielt. Der Erste Lord der Admiralität, Bridgeman, erklärte, daß die Flottenstreitkräfte im Fernen Osten ge­genwärtig ausreichend stark seien. Die Admirali­tät habe sich aber bereits mit der Möglichkeit einer Verstärkung befaßt.

Der britische Botschafter auf dem Wege nach Hankau.

London, 2. Dez. (WB.) Der neue englische Botschafter in China, Lampson, wird voraussicht­lich in einigen Tagen sich nach Hankau begeben, um persönlich sich über die dortige Lage zu unter, richten. Wie der amtliche britische Funkdienst dazu mitteilt, find bis jetzt keinerlei Verabredun­gen für eine Zusammenkunft zwischen dem Bot­schafter und führenden Persönlichkeiten der Kan­tonregierung, die sich zur Zeit in der Rähe von Hankau aushalten, getroffen worden, jedoch habe der Botschafter weitgehende Dol^ machten, alle Schritte zu tun. die er für rat­sam hält, und wenn informelle Besprechungen mit dem Minister des Auswärtigen der Kanton- regierung oder anderen Persönlichkeiten der Kan. tonregierung stattfinden sollten, so würde damit noch kein Schritt geschehen fein, der die Aner­kennung dieser Regierung von feiten der eng­lischen Regierung ohne weiteres in sich schließe. Ein britischer Konsulaisbeamter bedroht.

London, 3. Dez. (WTD. - Funkfpruch.) Times" meldet aus Hankau, daß der dortige bri­tische V iz e k o n s u l von 5000 Streikposten am VerlassendesBürosdes chineiischen Kom­missars für auswärtige Angelegenheiten ver­hindert wurde. Er entkam jedoch durch den Garten. Die Streikenden erklären in e ne.n Mani­fest, daß sie den britischen Imperialismus be- lämpfen und die Emanzipierung Chinas zu er­reichen suchen.

Die Beisetzung Krassins.

Moskau, 2. Dez. ($11.) Donnerstag mittag traf auf dem Moskauer Aleranderoahnhof ein Sonderzug mit der Urne ein, die die Asche Krassins birgt. Auf dem Bahnhof waren die Mitglieder der Regierung und die Führer der kommunistischen Partei, das diplomatische Korps und eine militärische Ehrenkompagnie erschienen. Harnend des gesamten diplomatischen Korps legte der deutsche Botschafter, Graf Brockdorfs-Rantzau einen Kranz mit schwarzer Schleife an der Urne nieder. Bei der Beerdigung wurde der Katafalk von Vertre­tern des Volkskommissariates für Auswärtige- und der Kommunistischen Partei abwechselnd ge-