außenpolitischen Gründen sobald nicht entschließen könnte, und daß ich aus denselben Gründen auch einen Rücktritt der Reichsregierung für u n t u n - l i ch erachte. Ich bitte Sic daher. Herr Reichskanzler, und die anderen Herren der Reichsregic- rung, 'Son dem Gedanken einer Demission Abstand zu nehmen.
Mit der Versicherung meiner vorzüglichen Hochachtung bin ich Ihr sehr ergebener
ge; o. Hindenburg.
Das Echo der Berliner presse.
Der deutschnationale Lokalanzeiger nennt den gestrigen Ausgang der Reichstagsberatung über den Gesetzentwurf betreffend die vern-.ö'icnsrechtliche Auseinandersetzung mit den vormals regierenden Fürsten eine Riederlage nicht nur des RNnderheitskabinetts Marx', sondern auch eine neue schwere Riederlage des parlamentarischen Sh st em s. Die Deutsche Tageszeitung (das Organ des Reichslandbundes) gibt der Hoffnung Ausdruck. bah die Parlamentsferien den Gedanken einer w'.rkffchen staatsbürgerlichen Staats-Volks- gemeinschoft fördern mögen.
Die vvllsparteiliche Tägliche Rundschau zollt dem Reichspräsidenten von Hindenburg Dank dafür, daß er aus innen- und außenpolitischen Gründen es abgelehnt hat. der Auslö''ung des Reichstages oder dem Rücktritt der Reichsregierung zuzustimmen. Wir brauchen. so schreibt das Blatt, weder eine Reichs- tagso- slö'ung, noch fortgesetzte Krisen. _ Das deutsche Parlament hat so viel an Autorität und Ansehen verloren, daß es um den R e st spielt, wenn diese Krisenmacherei noch häufiger Erfolg haben sollte, als es leider schon der Fall ist. Der Entschluß der Regierung, das Gesetz zurück-iuziehen. wurde in den Wandelgängen des Reichstages gestern dahin ausgelegt, daß maßgebende Führer der Sozialdemokratie zu verstehen gegeben hätten, die sozialdemokratische Fraktion werde im Herbst bereit sein, das anzunehmen, was sie gestern abgelehnt hat. Wir wollen hoffen, dah diese Kulissengeriichte richtig sind.
Auch die Germania, das Berliner Zentrumsblatt. schreibt: Man hofft in parlamentarischen Kreisen, dah die Bolksentscheidspshchose so weit verpflogen ist, dah man in ruhiger Stimmung erneut an die Angelegenheit der Fürstenabfindung Herangehen kann. Auch wurde im Reichstage die Möglichkeit erörtert, dah
bis zum Wiederzusammentritt des Reichstags vielleicht ein vergleich zwischen Preußen und dem hohenzollernhaus zustande gekommen sein wird, der den staatlichen Wünschen mehr Rechnung trägt, als der erste. Kommt es zu dieser Regelung, dann wird der Reichstag im Herbst nur noch leichte Arbeit vorfinden.
Das ..Berl. Tageblatt" schreibt: Die Reichsregierung hat erÄärt, dah sie erst dann wieder eingreifen will* wenn die politische Lage die parlamentarischen Voraussetzungen für ein Fürstengesetz geschaffen hat. Da ein Fürstengesetz mit den Deutschnationalen nicht in Betracht kommt, bleibt nur die Verständigung von der Deutschen Bolkspartei bis zur Sozialdemokratie. Hierüber w'rd sich die Sozialdemokratie Klarheit schaffen müssen. Wenn sie die Politik der Agitation fortsetzt, dann verhindert sie nicht nur eine gesetzlich? Lösung der Fürstenfrage, sondern,auch die Bildung einer republikanischen Koalition Aehnlich äußert sich die ^Voss. 31g.": 3m Herbst wird man hoffentlich begreifen, dah es 'nicht so wichtig ist, ob man ein paar Hunderttausend Stimmen mehr oder weniger hat, sondern * dah die ganze Frage der Fürstenabfindung aus f einer juristischen Streiffache zu dem grohen inner- politischen Problem geworden ist: wie und mit . wem in den nächsten 3ahren in der deuffchen Republik regiert werden wird. — 3m -Vorwärts" heiht es: Die Fürstenfragr ist nicht gelöst, aber ein Block von den Demokraten bis zu den Deutschnationalen hat die Bülow-Zollsatze ab 1. August an die Stelle der bisher geltenden niedr'gen Zollsätze gesetzt. Der Verdacht, dah die Verärgerung der Mittelparteien über die Haltung der Sozialdemokratie in der Fürsten- frage einen willkommenen Vorwand zu der zoll- politisä>en Schwenkung bietet, ist kein Bindemittel für Soz'.aldemokratie und Mittelparteien.
Die Anleiheablösung.
Aus dem Hnushaltsausschrrtz des Reichstags.
Berlin. 2. 3utL 3m Haushaltsausschuh des Reichstags erstattete den Bericht des Alnter- ausschusses für die Frage der Anleiheablösung Abg. Emminger (Bahr. Vp.). Der Bericht gipfelt in dem folgenden Kvmpromihan- trag des Berichterstatters:
„Die Regierung wird ersucht, aus den Mitteln des Anleihetilgungssonds einen ausreichenden Betrag zugunsten solcher Anleihegläubiger, bei denen wegen sehr hohen Alters und dergl. ein besonderes Bedürfnis zur rasch e n H i l f e besteht, durch Ablösung oder Der- kaus ihrer Auslosungsrechte zu verwenden.
Der Abg. Philipp t®n.) beantragt einen Zusatz, der staffstifche Rachweisungen über den Bedarf für Anleihealtbesitzer über 65 3ahre usw. von der Regierung fordert.
Die Anträge Emminger und Dr. Philipp werden angenommen, ebenso ein weiterer Kom- promihantrag. der die Reichsregierung ersucht, die in dem Ablösungsgeseh vorgesehene Barabfindung der kleinen Altbesitzer so zu beschleunigen, dah die Durchführung noch im Lause des Kalenderjahres gesichert ist und, falls sich dies nicht einheitlich für alle Ansprüche in diesem Zeitraum ermöglichen lassen sollte, dafür Sorge zu tragen, daß jedenfalls die im hohen Alter befindlichen Gläubiger dorweg- genommen werden.
Die kommunistische Patzfälscher- zentrale vor dem Reichsgericht.
Leipzig, 2. 3uli. (Wolff.) Dor dem Vierten Strafsenat des Reichsgerichts begann der Prozeh gegen die Mitglieder der kommunistischen Paßfälscherzentrale, die am 7. Oktober 1924 in Derlin-Reukölln von der Kriminalpolizei ausgehoben wurde. Zu verantworten haben sich Wesen Vorbereitung zum Hochverrat, unbefugten Waffenbesitzes und schwerer Tlrkundenfälschung der Buchhalter Herpold, der Schneidermeister
Dreithaupt, der Dreher Husemann, und der Dau- ai-schlägcr Mehlbaum, sämtlich aus Berlin. 3n der Reul.llner Fälscherwerkstatt wurden Stempel Unterschriften von Behörden, Klischees, Schriftstücke usw. mit gefälschten, Unterschriften beschlagnahmt. Ebenio wurde eine Liste mit Ramen von 670 Personen gefunden, die von dieser Pahfälscherzentrale mit falschen Pässen aus- g e st a 1 t c t worden waren. Unter diesen befanden sich die bekanntesten kommunistischen Führer. z. B. Ruth Fischer, Thälmann, Hecker, Brandler usw. Auch einige Angeklagte aus dem Tfchekaprozeß, vor allem Reumann, waren mit falschen Püffen versehen worden. Leiter der Pahfälscherzentrale war 3ngenieur Prinz, der sieh aber seiner Festnahme durch Flucht nach Moskau entziehen konnte. Rach Aufhebung der Zentrale wurde eine neue Werkstatt in Berlin-Treptow eingerichtet, bei deren Aushebung der Angeklagte Herpold verhaftet wurde.
Miische Sage in Frankreich. Caillaux' Finauzplau. — Ablehnende Haltung der Kammern. — Die Teue- r nrastvelle.
Paris, 3. Juli. (TU.) Die parlamentarische Lage des Kabinetts Brianbs-Eaillaux bildet den Gegenstand aller Pressekommentare. Die Krt- sengerächte, die von dem Sturz des Kabinetts für die nächste Zeit wissen wollen, wollen nicht verstummen. lieber Caillaux' Plan besteht den grohen Linien nach volle Klarheit. Der Finanzminister stellt das Parlament vor die Alternative: Entweder Inflation oder Stabilisierung, des Franken durch eine auswärtige Anleihe. Voraussetzung ist sowohl die Natifizierung des Washingtoner Abkommens wie auch die Verpfändung eines Teils des Goldbestandes der Bank von Frankreich. Wie ungünstig die Aussichten des Kabinetts beurteilt werden, darauf läht ein Artikel in dem Abendblatt „La Presse" schließen, der von der Eventualität einer Kombination Tardieu-Daladier spricht. Tardieu wird ohne Zweifel in der Kammer am kommenden Dienstag eine große Rolle spielen. Eine Mehrheit im Parlament ist der Ansicht, so schreibt das Blatt, daß auch ohne eine auswärtige Anleihe eine Rettung möglich ist.
Der neuen Devisenhausse ist eine merkliche Preis st eigerung auf dem Fuße gefolgt. Die Anzeichen für Streiks und Unzufriedenheit nehmen zu. Man befürchtet einen Gcneralausstand der Postbeamten, die der Regierung vorwerfen, daß ein Gesetzentwurf über die Gehaltserhöhung trotz wiederholter Versprechen noch immer nicht vor die Kammer gelangt ist. Der Verband der Postbeamten hat den Generalstreik für den 30. Juli beschlossen, falls nicht bis dahin das Versäumte nachgeholt wird. Aus Rouen wird der Streik der Dockarbeiter gemeldet, die eine tägliche Zulage von 9 Franken verlangten. In andern Gegenden Frankreichs ist es erneut zu Ausschreitungen im Zusammenhang mit be- Brotpreissteigerung gekommen. In Paris wird der Preis für das Kilogramm Brot, der erst Donnerstag erhöht wurde, vom 8. Juli ab um weitere 5 Centimes auf 2,50 Franken erhöht werden.
Sine internationale Rettungsaktion für den Franken.
Paris, 3.3ult (WTB. Funkspruch.) Der „Excelsior" glaubt mitteilen zu rönnen, daß gestern mehrere ausländische Finanzleute Englands, Amerikas unb auch Deutschlands im Finanzministerium empfangen worden seien. Rach dem Blatte wurden sich die Vorbesprechungen über die Gewährung ausländischer Stabilisierungskredite auf alle Finanzgruppen erstrecken, die irgendwelchen Einfluß auf den Devisenmarkt haben. Die von der Regierung geplante Stabilisierungsaktion habe eine ständige machtvolle 3n- teruention auf allen internationalen Märkten zur Voraussetzung, um jeden Versuch einer Spekulation gegen den Franken zu unterbinden. Wenn man keine Vorsichtsmaßregeln treffe und Stützen dieser Art suche, würde man der Inflation mit schnellen Schritten entgegengehen. Die französischen Banken müßten mit ausländischen Banken unter der Kontrolle der interessierten Regierungen Verhandlungen über eine gemeinsame Aktion auf allen Devisenmärkten führen.
Das Gutachten der Finanzsachverständigen.
P a r i s, 2. Juli. (WTB.) Die Fachzeitschrift „Le Journal des Finances" will in der Lage sein, über den Inhalt des Berichtes der Finanzsachverständigenausschusses, der heute dem Finanzminister überreicht wurde, präzise Angaben zu machen.
Hiernach kommt der Bericht zu der Schloßfolge- rung, daß es ein dreifaches Ziel zu verwirklichen gebe, nämlich
1. Gewährleistung eines rigorosen Budgetausgleiches,
2. Entlastung des Schatzamtes und
3. Währungsstabilisierung.
Um dieses Ziel zu erreichen, schlägt der Aus- schuß vor:
1. Einnahmequellen $u schaffen und auszubeuten, die geeignet sind, weiter ausgebaut zu werden und sofortige Erträgnisse abwerfen;
2. energisch die staatlichen Ausgaben einzuschränken;
3. von jedem direkten und indirektem Zurück- greifen auf die Vorschüsse der Bank von Frankreich zur Deckung neuer staatlicher Ausgaben abzusehen, d. h. also, die Inflation auszuschließen;
4. nach und nach die Dorschüffe der Dank von Frankreich an den Staat zu vervin- gern, um die Deckung der Banknoten intensiver zu gestalten;
5. um für em gutes Funktionieren des Schatzamtes z'u sorgen, diese feiner normalen Bestimmung wieder zu übergeben, dadurch, daß man es von einem wesentlichen Teil der schwebenden Schuld entlaste;
6. durch freiwillige Konsolidierung für die Umwandlung der Bonds der nationalen Verteidigung und der kurzfristigen Schahbonds in zu amortisierende Wertpapiere Sorge zu tragen.
7. in kurzer Frist mit Hilfe der Dank von Frankreich- die W äh r un g s st a b i l i s ie- r u n g durchzufuhren, die Kapitalien im
Lande zu halten, heranzuziehen und wieder zurückfliehen zu lassen;
8. die demnächst'ge Wiedereinführung des freien Verkehrs ber Kapitalien vvrzube» reiten und zu bleiern Zweck in auslandi- schen Währungen möglichst langfristige Anleihen aufzulegen unb Ausland- Irebite zu erhalten;
9. eine Wirtschaftspolitik zu betreiben, die es gestatte, die unvermeidliche Krise abzuschwächen, die nach Einführung einer gesunden Währung eintreten werde.
Der Bericht behandelt vor allen Dingen die Amortisierung ber schwebenben Schuld, b. h. vor allem bic Amort'sierung ber kurzfristigen Bonds.
Der Bericht schlägt eine freiwillige progressive Konsolidierung der Bonds der nationalen Verteidigung vor, und zwar durch die Schaffung einer besonderen Verwaltungskasse hierfür. Diese Kasse werde ihre Betriebsmittel durch regelmäßige budgetäre Zuschüsse erhalten, durch Zuweisung eines Grundkapitals von vier Milliarden Franken, die von der abzuschließenden ausländischen Anleihe ab- getrennt werden soll und schließlich durch eine Zuweisung ber Erträgnisse vom Tabakverbrauch sowie endlich durch die Schaffung inländischer Kredite, die die Bankinstitute und auch die Bank von Frankreich gewähren können. Die neugeschaffene Amortisierungskasse soll die Verpflichtung haben, zweimal monatlich eine Bilanz zu veröffentlichen.
Der Sachverständigen-Ausschuß schlägt ferner eine etappenweise Stabilisierung vor, und zwar durch Derm thmg der Bank von Frankreich. Er hält zunächst die Anlegung eines beträchtlichen Devisen- unO Frankenvorrates für notwendig, dem der Metallbestand der Dank von Frankreich sowie auch die langfristigen Kredite (Morgan-Anleihe, Kredite bei ausländischen Rotenbanken und Handelskredite) angehören würden. Hierauf würde eine sehr kurze Periode der Vorstabilisierung eintreten, in deren Verlauf gewisse, vom Ausschuß auszuarbeitende Maßnahmen zur Vorbereitung und tatsächlichen Stabilisierung zu treffen wären. 3n der Periode der tatsächlichen Stabilisierung soll die Dank von Frankreich den Kurs durch An- unb Verkauf von Devisen auf einem festen Riveau regulieren
Rach Herstellung dieser tatsächlichen Stabilisierung wäre auf gesetzlichem Wege gesetzliche Stabilisierung festzusehen. Es wäre eine neue Münzeinheit im Wege der Devalvation des Franken zu schaffen, die Vorschüsse bet Dank von Frankreich an den Staat neu zu regeln und die von der Bank von Frankreich übernommene Ausgabe ber Auf re cht erh allang eines festen Kurses in eine gesetzliche Verpflichtung umzuwandeln.
Die Unruhen in Spanien.
Das Komplott flcgcti d?s Köuigspaar.
Madrib, 2. Juli. (Haoas.) Die Zeitungen oer- öffenllichen ein längeres Kommuniquö ber Regierung über die Aufdeckung des gegen das spanische Köniaspaar gerichteten Komplotts in Paris. Die Regierung erklärt darin, es handle sich um eine Bande von des Landes verwiesenen Verbrechern, die schon im Abwesenheitsverfahren verurteilt worden feien und gegen die zum Teil Auslieferungsantrag gestellt worden fei. Andere, die über genügende Mittel verfügten, um ein Automobil und Waffen zu kaufen, hätten die Absicht ge» habt, den Eisenbahnwagen, in dem sich das Königspaar befand, in der Nähe eines Bauhofes zu beschießen. Die Polizeibehörden in Buenos Aires erklären dagegen, daß es sich um dieselben Täter handele, die vor einiger Zeit eine Bank in Buenos Aires beraubten und die auch wegen anderer in Südamerika begangener Verbrechen gesucht wurden.
Der ehemalige spanische Ministerpräsident Gras R o m a n o n e s, ber sich in Henbahe aufhält, erklärt, bie Bewegung, bie in Spanien fest- zustellen sei, habe Weber kommunistischen noch anarchistischen, noch im besonderen proletarischen Charakter. Sie sei im wesentlichen eine militärische Bewegung, ein Eingreifen des Heeres, um Spanien seine Verfassung unb ein freies Parlament wieberzugeben, bas allein bie
Die Rohlenirisir in England.
Der Bericht der Kohlen ommission.— Empfindlicher Brennstoffmangel.
London, 2.Juli. (TU.) Die heutige Ausein- andersetzung über die Bergbaufrage drehte sich vorwiegend um die gestrigen Erklärungen Baldwins. Die Arbeiterpartei verlangte eine Präzisierung der sehr allgemeinen Baldwinschen Erklä- rungen und ließ Wedgewood im Unterhaus fragen, ob die Erklärungen des Premierministers eine Korrektur der bisherigen Regierungspolitik be- deuteten. In Regierungskreisen erklärt man, daß Baldwins Erklärungen nicht als ein neues Angebot aufzufassen seien, es handle sich nur um eine Geste, die die Kontroverse selbst nicht berührt. Ein gewisser Stimmungsumschwung in der ganzen Frage kommt dadurch zum Ausdruck, daß seit 48 Stunden wieder der Bericht der Kohlenkomm i s s i o n in den Vordergrund getreten ist, und daß ein Teil der Presse in Uebereinftimmung mit der Ansicht der Regierung die Rückkehr zum Kohlenbericht verlangt. Diesen Zweck hat offenbar auch die Baldwinsche Geste. Die Schwierigkeiten liegen darin, daß zwar beide Parteien, wie sie versichern, bereit wären, den Kvhlenbericht als Verhandlungsgrundlage anzunehmen, daß aber keine zuerst Vorschläge machen und sich so in aller Form auf den Bericht festlegen wolle. Die Arbeiterpartei hat die Ergebenheitsadresse an den König als Dank für die Prolongation des Ausnahmezustandes um einen Monat mit einem neuen parlamentarischen Vorstoß beantwortet und einen M i ß- trauensantrag gegen bie Regierung eingebracht, der jedoch a d g e l e h n t wurde. Am späten Nachmittag fanden zwischen Persönlichkeiten, die ber Regierung nahestehen unb majjgebenben Führern ber Arbeiterpartei Besprechungen statt.
Der Kohlenmangel infolge des Derg- arbeiterstreikes macht sich jetzt so empfindlich fühlbar, baß bie Regierung am Mittwoch zunächst bas Tlnterhaus um bie Bewilligung besonderer Kredite zum Einkauf umfangreicher Kohlenvorräte im Auslände ersuchen wirb, um lebenswichttge Dienstzweige des Landes, beten Störung im öffentlichen 3ntereffe nicht gestattet werben bars, aufrecht zu erhalten. „Daily Mail" schreibt, die englische 3nbustrie beginne infolge des Kohlenmangels allmählich langsamer zu arbeiten.
Zukunft ber Ration sicherstellen könne. Rach seiner Ansicht müsse die Armee dienen, nicht aber regieren, sie müsse gehorchen, nicht aber befehlen. Wenn die Armee regiere, bedeute das das Ende ber Disziplin, bie gerabe das Wesentliche beim Heere ausmache.
Kleine politische Nachrichten.
Der Reichstagsausschuß für bie Ausschmückung bes Reichstagsgebäudes hat beschlossen, die Ausführung ber Hinbenburgbüste für bie Ausstellung im Kuppelraum ber Wanbelhalle bem Berliner Professor Edwin Scharff zu übertragen.
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Anläßlich des Besuches niederlänbischer Kriegsschiffe in deutschen Häfen hatte der Reichspräsident ber Königin der Niederlande in einem Telegramm seine Genugtuung über den Besuch ausgesprochen. Darauf ist beim Reichsprä- beuten folgendes Telegramm der Königin ber Nieberlanbe eingegangen: „Ich spreche Ew. Exzel- lenz meinen aufrichtigen Dank aus für Ihr freunb» liches Telegramm. Es ist mir eine aufrichtige Genugtuung, daß mein Geschwader bei feiner Uebungs- fahrt Kiel besucht hat und ich möchte meinen Dank hinzu fügen für den gastfreien Empfang, welcher demselben zuteil wurde. gez. W ! £j) c l m i n e.
Die holländische Zweite Kammer hat mit 64 gegen 8 Stimmen den Gesetzentwurf über die Ratifizierung des deutsch-niederländischen Handels- und Kreditabkommens vom 26. November 1925 angenommen.
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Der deutsche Botschafter in Paris, Herr von Hoesch, hat einen Urlaub von zehn Tagen angetreten. Er ist in Berlin angelangt und hatte mit bem Reichsaußenminister Dr. Stre semonn eine längere Aussprache.
Aus chinesischen Kreisen in Peking erfährt man, baß Marschall Wu-Pei-Fu Weisung erteilt.habe, eine Expebition gegen Kanton zu unternehmen. Bei ber kürzlich ftattgefunbenen Unter- rebung zwischen Wu-Pei-Fu unb Tschanq-Tso-Lin soll feftqelegt worben sein, daß Tschang-Tso-Lin die militärischen Operationen im Narben unb Wu-Pei- Fu die tm ©üben leiten würben.
--- W
Aus aller Welt.
Uederschwemmunnskataftrophe in Ju oskawieu.
Das Hochwasser richtet in ben niedrig gelegenen Teilen des Landes große Verheerungen an. Es sind zahlreiche Opfer an Menschenleben zu beklagen. Der Sachschaden ist beträchtlich. In Osijek kämpfen Militär und Bevölkerung gegen das Hochwasser, bas seit 100 Jahren keinen so hohen Stand erreicht hat. In Jschtiv wurden fünf Bauern von ber Strömung fortgerissen. Die Straße Kumanowo— Kriva—Palanka ist teilweise so stark überschwemmt, baß ber Verkehr unterbrochen wurde. Ein großer Teil der Stadt Nisch, wo Deich und Kai geborsten find, steht unter Wasser. Seit heute vormittag f ä.l l t Die Flut. In Batschka arbeiten 15 000 Männer mit Unterstützung des Militärs an der Rettung der Ernte, der fruchtbarsten Gegend des Königsreiches.
Drei Geldfchrcmkeinbrecher verhaftet.
Rach fast vier Monate langen Beobachtungen und Ermittelungen ist es der Berliner Kriminalpolizei gelungen, drei" Geldschrankeinbrecher, die durch ihre technischen Kenntnisse besonders gefährlich waren, zu verhaften. Die Täter, die mit dem modernsten Einbruchswerczeug ausgerüstet waren und ein eigenes Artr nobil besahen, sind geständig, u. a. am 28. Februar d. 3. in das Postamt Leffchin im Kreise Lebus einen Geldschrankeinbruch verübt zu haben, bei dem sie 7000 Mark bares Geld und für 14 000 Mark Postwertzeichen erbeuteten. Der größte Teil der Deute konnte beschlagnahmt werden.
Absturz eines Verkehrsflugzeugs.
Ein am Donnerstag aus Scraßourg abgeflogenes Flugzeug der Flugzeuggesellschaft Franco-Roumaine, das unterwegs in Rürnberg noch Reisende ausgenommen hatte, ist bei dem Dorfe Roßhaupt abgeftürzt. Der Pilot sowie vier Passagiere, darunter ein junges amerikanisch^ Ehepaar das sich auf der Hochzeitsreise befand, waren sofort tot Ein fünfter Reisender wurde schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht.
Zwei Kinder vom Blitz getötet.
3n Keunctt an der württembergisch-bayerischen Grenze wurde der 16 3ahre alte Landwirtssohn Hartmann und fein 14 3ahre alter Druder Anton mit den anderen Geschwistern bei de r Heuernte vom Gewitter überrascht Die beiden Brüder suchten unter einer nahen Tanne Schutz, während die übrigen Geschwister auf der Wiese stehen blieben. Kaum standen sie unter dem Baume als ein Blitzstrahl niederfuhr und die beiden sofort tötete.
Schwerer Unfall auf der Werft Blohm & Voß.
An Bord bes auf ber Hamburger Werft Blohm & Voß liegenden Dampfers „O l b e n b u r g" brach der Brückenaufbau, auf bem sich 10 Arbeiter befanden, zusammen. Die Arbeiter stürzten infolgedessen in den Laderaum. Acht von ihnen erlitten schwere, zwei von ihnen leichtere Verletzungen.
Eine ganze Familie durch veronal vergiftet
3n Gnadenwald bei 3nnsöruck hat sich eine zur Sommerfrische dort weilende Familie, Mann, Frau und zwei Kinder, durch Veronal vergiftet. Das Ehepaar wurde bewußtlos in sehr ernstem Zustande aufgefunden. Die beiden Kinder waren bereits tot, Heber die Hinftänbe. die zu der Tat geführt haben, ist bis jetzt nichts bekannt geworden Rach einer vorgefundenen Legitimation soll es sich um einen Dersicherungs- beamten Gustav Glvh aus Schwaz handeln.
Wettervoraussage.
Etwas stärkere Bewölkung, nördliche bis öMche Winde, warm, zunehmende Gewittergefahr, sonst trocken. ,r
Der östliche Luftstrom, der stellenweise Oie Morgentemperaturen bis über 20 Grad Celsius hat anffeigen lassen und der durch die Lage unseres Bezirkes an der Rordseite eines südosteuropäischen Wirbels bedingt ist, wird von einem mehr nördlichen abgelöst, wodurch der Witterungscharakter etwas unsicher wird, sich jedoch nicht grundlegend ändert.
Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 25,8, Minimum 14,0 Grad CelsiuS. Heutige Morgen- l temperatur 17,5 Grad Celsius.


