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außenpolitischen Gründen sobald nicht entschließen könnte, und daß ich aus denselben Gründen auch einen Rücktritt der Reichsregierung für u n t u n - l i ch erachte. Ich bitte Sic daher. Herr Reichs­kanzler, und die anderen Herren der Reichsregic- rung, 'Son dem Gedanken einer Demission Abstand zu nehmen.

Mit der Versicherung meiner vorzüglichen Hoch­achtung bin ich Ihr sehr ergebener

ge; o. Hindenburg.

Das Echo der Berliner presse.

Der deutschnationale Lokalanzeiger nennt den gestrigen Ausgang der Reichstags­beratung über den Gesetzentwurf betreffend die vern-.ö'icnsrechtliche Auseinandersetzung mit den vormals regierenden Fürsten eine Riederlage nicht nur des RNnderheitskabinetts Marx', son­dern auch eine neue schwere Rieder­lage des parlamentarischen Sh st em s. Die Deutsche Tageszeitung (das Organ des Reichslandbundes) gibt der Hoffnung Aus­druck. bah die Parlamentsferien den Gedanken einer w'.rkffchen staatsbürgerlichen Staats-Volks- gemeinschoft fördern mögen.

Die vvllsparteiliche Tägliche Rund­schau zollt dem Reichspräsidenten von Hindenburg Dank dafür, daß er aus innen- und außenpolitischen Gründen es abgelehnt hat. der Auslö''ung des Reichstages oder dem Rück­tritt der Reichsregierung zuzustimmen. Wir brau­chen. so schreibt das Blatt, weder eine Reichs- tagso- slö'ung, noch fortgesetzte Krisen. _ Das deutsche Parlament hat so viel an Autorität und Ansehen verloren, daß es um den R e st spielt, wenn diese Krisenmacherei noch häu­figer Erfolg haben sollte, als es leider schon der Fall ist. Der Entschluß der Regierung, das Gesetz zurück-iuziehen. wurde in den Wandel­gängen des Reichstages gestern dahin ausgelegt, daß maßgebende Führer der Sozialdemokratie zu verstehen gegeben hätten, die sozialdemokra­tische Fraktion werde im Herbst bereit sein, das anzunehmen, was sie gestern abgelehnt hat. Wir wollen hoffen, dah diese Kulissengeriichte richtig sind.

Auch die Germania, das Berliner Zen­trumsblatt. schreibt: Man hofft in parlamen­tarischen Kreisen, dah die Bolksentscheidspshchose so weit verpflogen ist, dah man in ruhiger Stimmung erneut an die Angelegenheit der Fürstenabfindung Herangehen kann. Auch wurde im Reichstage die Möglichkeit erörtert, dah

bis zum Wiederzusammentritt des Reichstags vielleicht ein vergleich zwischen Preußen und dem hohenzollernhaus zustande gekommen sein wird, der den staatlichen Wünschen mehr Rechnung trägt, als der erste. Kommt es zu dieser Regelung, dann wird der Reichstag im Herbst nur noch leichte Arbeit vorfinden.

Das ..Berl. Tageblatt" schreibt: Die Reichsregierung hat erÄärt, dah sie erst dann wieder eingreifen will* wenn die politische Lage die parlamentarischen Voraussetzungen für ein Fürstengesetz geschaffen hat. Da ein Fürstengesetz mit den Deutschnationalen nicht in Betracht kommt, bleibt nur die Verständigung von der Deutschen Bolkspartei bis zur Sozialdemokratie. Hierüber w'rd sich die Sozialdemokratie Klarheit schaffen müssen. Wenn sie die Politik der Agita­tion fortsetzt, dann verhindert sie nicht nur eine gesetzlich? Lösung der Fürstenfrage, sondern,auch die Bildung einer republikanischen Koalition Aehnlich äußert sich die ^Voss. 31g.": 3m Herbst wird man hoffentlich begreifen, dah es 'nicht so wichtig ist, ob man ein paar Hundert­tausend Stimmen mehr oder weniger hat, sondern * dah die ganze Frage der Fürstenabfindung aus f einer juristischen Streiffache zu dem grohen inner- politischen Problem geworden ist: wie und mit . wem in den nächsten 3ahren in der deuffchen Republik regiert werden wird. 3m -Vor­wärts" heiht es: Die Fürstenfragr ist nicht gelöst, aber ein Block von den Demokraten bis zu den Deutschnationalen hat die Bülow-Zollsatze ab 1. August an die Stelle der bisher geltenden niedr'gen Zollsätze gesetzt. Der Verdacht, dah die Verärgerung der Mittelparteien über die Haltung der Sozialdemokratie in der Fürsten- frage einen willkommenen Vorwand zu der zoll- politisä>en Schwenkung bietet, ist kein Binde­mittel für Soz'.aldemokratie und Mittelparteien.

Die Anleiheablösung.

Aus dem Hnushaltsausschrrtz des Reichstags.

Berlin. 2. 3utL 3m Haushaltsausschuh des Reichstags erstattete den Bericht des Alnter- ausschusses für die Frage der Anleiheab­lösung Abg. Emminger (Bahr. Vp.). Der Bericht gipfelt in dem folgenden Kvmpromihan- trag des Berichterstatters:

Die Regierung wird ersucht, aus den Mit­teln des Anleihetilgungssonds einen ausreichen­den Betrag zugunsten solcher Anleihegläubiger, bei denen wegen sehr hohen Alters und dergl. ein besonderes Bedürfnis zur ra­sch e n H i l f e besteht, durch Ablösung oder Der- kaus ihrer Auslosungsrechte zu verwenden.

Der Abg. Philipp t®n.) beantragt einen Zusatz, der staffstifche Rachweisungen über den Bedarf für Anleihealtbesitzer über 65 3ahre usw. von der Regierung fordert.

Die Anträge Emminger und Dr. Philipp werden angenommen, ebenso ein weiterer Kom- promihantrag. der die Reichsregierung ersucht, die in dem Ablösungsgeseh vorgesehene Bar­abfindung der kleinen Altbesitzer so zu beschleunigen, dah die Durchführung noch im Lause des Kalenderjahres gesichert ist und, falls sich dies nicht einheitlich für alle Ansprüche in diesem Zeitraum ermöglichen lassen sollte, dafür Sorge zu tragen, daß jedenfalls die im hohen Alter befindlichen Gläubiger dorweg- genommen werden.

Die kommunistische Patzfälscher- zentrale vor dem Reichsgericht.

Leipzig, 2. 3uli. (Wolff.) Dor dem Vierten Strafsenat des Reichsgerichts begann der Prozeh gegen die Mitglieder der kommu­nistischen Paßfälscherzentrale, die am 7. Oktober 1924 in Derlin-Reukölln von der Kriminalpolizei ausgehoben wurde. Zu verantworten haben sich Wesen Vorbereitung zum Hochverrat, unbefugten Waffenbesitzes und schwerer Tlrkundenfälschung der Buchhalter Herpold, der Schneidermeister

Dreithaupt, der Dreher Husemann, und der Dau- ai-schlägcr Mehlbaum, sämtlich aus Berlin. 3n der Reul.llner Fälscherwerkstatt wurden Stempel Unterschriften von Behörden, Klischees, Schrift­stücke usw. mit gefälschten, Unterschriften be­schlagnahmt. Ebenio wurde eine Liste mit Ramen von 670 Personen gefunden, die von dieser Pah­fälscherzentrale mit falschen Pässen aus- g e st a 1 t c t worden waren. Unter diesen be­fanden sich die bekanntesten kommunistischen Füh­rer. z. B. Ruth Fischer, Thälmann, Hecker, Brandler usw. Auch einige Angeklagte aus dem Tfchekaprozeß, vor allem Reumann, waren mit falschen Püffen versehen worden. Leiter der Pah­fälscherzentrale war 3ngenieur Prinz, der sieh aber seiner Festnahme durch Flucht nach Moskau entziehen konnte. Rach Aufhebung der Zentrale wurde eine neue Werkstatt in Berlin-Treptow eingerichtet, bei deren Aus­hebung der Angeklagte Herpold verhaftet wurde.

Miische Sage in Frankreich. Caillaux' Finauzplau. Ablehnende Haltung der Kammern. Die Teue- r nrastvelle.

Paris, 3. Juli. (TU.) Die parlamentarische Lage des Kabinetts Brianbs-Eaillaux bildet den Gegenstand aller Pressekommentare. Die Krt- sengerächte, die von dem Sturz des Kabinetts für die nächste Zeit wissen wollen, wollen nicht verstum­men. lieber Caillaux' Plan besteht den grohen Linien nach volle Klarheit. Der Finanzminister stellt das Parlament vor die Alternative: Entweder Inflation oder Stabilisierung, des Franken durch eine auswärtige Anleihe. Voraus­setzung ist sowohl die Natifizierung des Washingtoner Abkommens wie auch die Verpfändung eines Teils des Goldbe­standes der Bank von Frankreich. Wie ungünstig die Aussichten des Kabinetts beurteilt werden, dar­auf läht ein Artikel in dem AbendblattLa Presse" schließen, der von der Eventualität einer Kombi­nation Tardieu-Daladier spricht. Tardieu wird ohne Zweifel in der Kammer am kommenden Dienstag eine große Rolle spielen. Eine Mehrheit im Parla­ment ist der Ansicht, so schreibt das Blatt, daß auch ohne eine auswärtige Anleihe eine Rettung mög­lich ist.

Der neuen Devisenhausse ist eine merkliche Preis st eigerung auf dem Fuße gefolgt. Die Anzeichen für Streiks und Unzufriedenheit nehmen zu. Man befürchtet einen Gcneralausstand der Postbeamten, die der Regierung vorwer­fen, daß ein Gesetzentwurf über die Gehaltser­höhung trotz wiederholter Versprechen noch immer nicht vor die Kammer gelangt ist. Der Verband der Postbeamten hat den Generalstreik für den 30. Juli beschlossen, falls nicht bis dahin das Versäumte nach­geholt wird. Aus Rouen wird der Streik der Dockarbeiter gemeldet, die eine tägliche Zulage von 9 Franken verlangten. In andern Gegenden Frankreichs ist es erneut zu Ausschreitungen im Zusammenhang mit be- Brotpreissteigerung ge­kommen. In Paris wird der Preis für das Kilo­gramm Brot, der erst Donnerstag erhöht wurde, vom 8. Juli ab um weitere 5 Centimes auf 2,50 Franken erhöht werden.

Sine internationale Rettungs­aktion für den Franken.

Paris, 3.3ult (WTB. Funkspruch.) Der Excelsior" glaubt mitteilen zu rönnen, daß gestern mehrere ausländische Finanz­leute Englands, Amerikas unb auch Deutschlands im Finanzministerium empfan­gen worden seien. Rach dem Blatte wurden sich die Vorbesprechungen über die Gewährung ausländischer Stabilisierungskre­dite auf alle Finanzgruppen erstrecken, die irgendwelchen Einfluß auf den Devisenmarkt haben. Die von der Regierung geplante Stabili­sierungsaktion habe eine ständige machtvolle 3n- teruention auf allen internationalen Märkten zur Voraussetzung, um jeden Versuch einer Spekulation gegen den Franken zu unterbinden. Wenn man keine Vorsichtsmaßregeln treffe und Stützen dieser Art suche, würde man der Inflation mit schnellen Schritten entgegengehen. Die französischen Banken müßten mit ausländischen Banken unter der Kon­trolle der interessierten Regierungen Verhandlun­gen über eine gemeinsame Aktion auf allen De­visenmärkten führen.

Das Gutachten der Finanzsachverständigen.

P a r i s, 2. Juli. (WTB.) Die FachzeitschriftLe Journal des Finances" will in der Lage sein, über den Inhalt des Berichtes der Finanzsachverstän­digenausschusses, der heute dem Finanzminister überreicht wurde, präzise Angaben zu machen.

Hiernach kommt der Bericht zu der Schloßfolge- rung, daß es ein dreifaches Ziel zu verwirklichen gebe, nämlich

1. Gewährleistung eines rigorosen Budgetaus­gleiches,

2. Entlastung des Schatzamtes und

3. Währungsstabilisierung.

Um dieses Ziel zu erreichen, schlägt der Aus- schuß vor:

1. Einnahmequellen $u schaffen und auszubeuten, die geeignet sind, weiter ausge­baut zu werden und sofortige Erträgnisse ab­werfen;

2. energisch die staatlichen Ausgaben ein­zuschränken;

3. von jedem direkten und indirektem Zurück- greifen auf die Vorschüsse der Bank von Frankreich zur Deckung neuer staatlicher Aus­gaben abzusehen, d. h. also, die Inflation auszuschließen;

4. nach und nach die Dorschüffe der Dank von Frankreich an den Staat zu vervin- gern, um die Deckung der Bank­noten intensiver zu gestalten;

5. um für em gutes Funktionieren des Schatzamtes z'u sorgen, diese feiner normalen Bestimmung wieder zu über­geben, dadurch, daß man es von einem wesentlichen Teil der schwebenden Schuld entlaste;

6. durch freiwillige Konsolidierung für die Umwandlung der Bonds der nationalen Verteidigung und der kurzfristigen Schah­bonds in zu amortisierende Wertpapiere Sorge zu tragen.

7. in kurzer Frist mit Hilfe der Dank von Frankreich- die W äh r un g s st a b i l i s ie- r u n g durchzufuhren, die Kapitalien im

Lande zu halten, heranzuziehen und wieder zurückfliehen zu lassen;

8. die demnächst'ge Wiedereinführung des freien Verkehrs ber Kapitalien vvrzube» reiten und zu bleiern Zweck in auslandi- schen Währungen möglichst langfristige Anleihen aufzulegen unb Ausland- Irebite zu erhalten;

9. eine Wirtschaftspolitik zu betrei­ben, die es gestatte, die unvermeidliche Krise abzuschwächen, die nach Einführung einer gesunden Währung eintreten werde.

Der Bericht behandelt vor allen Dingen die Amortisierung ber schwebenben Schuld, b. h. vor allem bic Amort'sierung ber kurzfristigen Bonds.

Der Bericht schlägt eine freiwillige pro­gressive Konsolidierung der Bonds der nationalen Verteidigung vor, und zwar durch die Schaffung einer besonderen Verwal­tungskasse hierfür. Diese Kasse werde ihre Betriebsmittel durch regelmäßige budgetäre Zu­schüsse erhalten, durch Zuweisung eines Grund­kapitals von vier Milliarden Franken, die von der abzuschließenden ausländischen Anleihe ab- getrennt werden soll und schließlich durch eine Zuweisung ber Erträgnisse vom Tabakverbrauch sowie endlich durch die Schaffung inländischer Kredite, die die Bankinstitute und auch die Bank von Frankreich gewähren können. Die neuge­schaffene Amortisierungskasse soll die Verpflich­tung haben, zweimal monatlich eine Bilanz zu veröffentlichen.

Der Sachverständigen-Ausschuß schlägt ferner eine etappenweise Stabilisierung vor, und zwar durch Derm thmg der Bank von Frankreich. Er hält zunächst die Anlegung eines beträchtlichen Devisen- unO Frankenvorrates für notwendig, dem der Metallbestand der Dank von Frankreich sowie auch die langfristigen Kre­dite (Morgan-Anleihe, Kredite bei ausländischen Rotenbanken und Handelskredite) angehören würden. Hierauf würde eine sehr kurze Periode der Vorstabilisierung eintreten, in deren Ver­lauf gewisse, vom Ausschuß auszuarbeitende Maßnahmen zur Vorbereitung und tatsächlichen Stabilisierung zu treffen wären. 3n der Periode der tatsächlichen Stabilisierung soll die Dank von Frankreich den Kurs durch An- unb Ver­kauf von Devisen auf einem festen Riveau regu­lieren

Rach Herstellung dieser tatsächlichen Stabi­lisierung wäre auf gesetzlichem Wege gesetzliche Stabilisierung festzusehen. Es wäre eine neue Münzeinheit im Wege der Devalvation des Franken zu schaffen, die Vorschüsse bet Dank von Frankreich an den Staat neu zu regeln und die von der Bank von Frankreich übernommene Ausgabe ber Auf re cht erh allang eines festen Kurses in eine gesetzliche Verpflich­tung umzuwandeln.

Die Unruhen in Spanien.

Das Komplott flcgcti d?s Köuigspaar.

Madrib, 2. Juli. (Haoas.) Die Zeitungen oer- öffenllichen ein längeres Kommuniquö ber Regie­rung über die Aufdeckung des gegen das spa­nische Köniaspaar gerichteten Komplotts in Paris. Die Regierung erklärt darin, es handle sich um eine Bande von des Landes verwiesenen Verbrechern, die schon im Abwesenheitsverfahren verurteilt worden feien und gegen die zum Teil Auslieferungsantrag gestellt worden fei. Andere, die über genügende Mittel verfügten, um ein Automo­bil und Waffen zu kaufen, hätten die Absicht ge» habt, den Eisenbahnwagen, in dem sich das Königs­paar befand, in der Nähe eines Bauhofes zu be­schießen. Die Polizeibehörden in Buenos Aires er­klären dagegen, daß es sich um dieselben Täter han­dele, die vor einiger Zeit eine Bank in Buenos Aires beraubten und die auch wegen anderer in Südamerika begangener Verbrechen gesucht wurden.

Der ehemalige spanische Ministerpräsident Gras R o m a n o n e s, ber sich in Henbahe auf­hält, erklärt, bie Bewegung, bie in Spanien fest- zustellen sei, habe Weber kommunistischen noch anarchistischen, noch im besonderen proletarischen Charakter. Sie sei im wesentlichen eine mili­tärische Bewegung, ein Eingreifen des Heeres, um Spanien seine Verfassung unb ein freies Parlament wieberzugeben, bas allein bie

Die Rohlenirisir in England.

Der Bericht der Kohlen ommission. Empfindlicher Brennstoffmangel.

London, 2.Juli. (TU.) Die heutige Ausein- andersetzung über die Bergbaufrage drehte sich vor­wiegend um die gestrigen Erklärungen Baldwins. Die Arbeiterpartei verlangte eine Präzisie­rung der sehr allgemeinen Baldwinschen Erklä- rungen und ließ Wedgewood im Unterhaus fragen, ob die Erklärungen des Premierministers eine Korrektur der bisherigen Regierungspolitik be- deuteten. In Regierungskreisen erklärt man, daß Baldwins Erklärungen nicht als ein neues Angebot aufzufassen seien, es handle sich nur um eine Geste, die die Kontroverse selbst nicht berührt. Ein gewisser Stimmungsumschwung in der ganzen Frage kommt dadurch zum Ausdruck, daß seit 48 Stunden wieder der Bericht der Kohlen­komm i s s i o n in den Vordergrund getreten ist, und daß ein Teil der Presse in Uebereinftimmung mit der Ansicht der Regierung die Rückkehr zum Kohlenbericht verlangt. Diesen Zweck hat offenbar auch die Baldwinsche Geste. Die Schwierigkeiten liegen darin, daß zwar beide Parteien, wie sie ver­sichern, bereit wären, den Kvhlenbericht als Ver­handlungsgrundlage anzunehmen, daß aber keine zuerst Vorschläge machen und sich so in aller Form auf den Bericht festlegen wolle. Die Arbeiter­partei hat die Ergebenheitsadresse an den König als Dank für die Prolongation des Ausnahmezu­standes um einen Monat mit einem neuen parla­mentarischen Vorstoß beantwortet und einen M i ß- trauensantrag gegen bie Regierung eingebracht, der jedoch a d g e l e h n t wurde. Am späten Nachmittag fanden zwischen Persönlichkeiten, die ber Regierung nahestehen unb majjgebenben Führern ber Arbeiterpartei Besprechungen statt.

Der Kohlenmangel infolge des Derg- arbeiterstreikes macht sich jetzt so empfindlich fühlbar, baß bie Regierung am Mittwoch zu­nächst bas Tlnterhaus um bie Bewilligung besonderer Kredite zum Einkauf umfang­reicher Kohlenvorräte im Auslände ersuchen wirb, um lebenswichttge Dienstzweige des Landes, beten Störung im öffentlichen 3ntereffe nicht gestattet werben bars, aufrecht zu erhalten.Daily Mail" schreibt, die englische 3nbustrie beginne infolge des Kohlenmangels allmählich lang­samer zu arbeiten.

Zukunft ber Ration sicherstellen könne. Rach seiner Ansicht müsse die Armee dienen, nicht aber regieren, sie müsse gehorchen, nicht aber befehlen. Wenn die Armee regiere, bedeute das das Ende ber Disziplin, bie gerabe das Wesent­liche beim Heere ausmache.

Kleine politische Nachrichten.

Der Reichstagsausschuß für bie Ausschmückung bes Reichstagsgebäudes hat beschlossen, die Ausfüh­rung ber Hinbenburgbüste für bie Ausstel­lung im Kuppelraum ber Wanbelhalle bem Berliner Professor Edwin Scharff zu übertragen.

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Anläßlich des Besuches niederlänbischer Kriegs­schiffe in deutschen Häfen hatte der Reichsprä­sident ber Königin der Niederlande in einem Telegramm seine Genugtuung über den Be­such ausgesprochen. Darauf ist beim Reichsprä- beuten folgendes Telegramm der Königin ber Nieberlanbe eingegangen:Ich spreche Ew. Exzel- lenz meinen aufrichtigen Dank aus für Ihr freunb» liches Telegramm. Es ist mir eine aufrichtige Ge­nugtuung, daß mein Geschwader bei feiner Uebungs- fahrt Kiel besucht hat und ich möchte meinen Dank hinzu fügen für den gastfreien Empfang, welcher demselben zuteil wurde. gez. W ! £j) c l m i n e.

Die holländische Zweite Kammer hat mit 64 gegen 8 Stimmen den Gesetzentwurf über die Rati­fizierung des deutsch-niederländischen Handels- und Kreditabkommens vom 26. November 1925 angenommen.

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Der deutsche Botschafter in Paris, Herr von Hoesch, hat einen Urlaub von zehn Tagen ange­treten. Er ist in Berlin angelangt und hatte mit bem Reichsaußenminister Dr. Stre semonn eine längere Aussprache.

Aus chinesischen Kreisen in Peking erfährt man, baß Marschall Wu-Pei-Fu Weisung erteilt.habe, eine Expebition gegen Kanton zu unter­nehmen. Bei ber kürzlich ftattgefunbenen Unter- rebung zwischen Wu-Pei-Fu unb Tschanq-Tso-Lin soll feftqelegt worben sein, daß Tschang-Tso-Lin die militärischen Operationen im Narben unb Wu-Pei- Fu die tm ©üben leiten würben.

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Aus aller Welt.

Uederschwemmunnskataftrophe in Ju oskawieu.

Das Hochwasser richtet in ben niedrig gelegenen Teilen des Landes große Verheerungen an. Es sind zahlreiche Opfer an Menschenleben zu beklagen. Der Sachschaden ist beträchtlich. In Osijek kämpfen Militär und Bevölkerung gegen das Hoch­wasser, bas seit 100 Jahren keinen so hohen Stand erreicht hat. In Jschtiv wurden fünf Bauern von ber Strömung fortgerissen. Die Straße Kumanowo KrivaPalanka ist teilweise so stark überschwemmt, baß ber Verkehr unterbrochen wurde. Ein großer Teil der Stadt Nisch, wo Deich und Kai geborsten find, steht unter Wasser. Seit heute vormittag f ä.l l t Die Flut. In Batschka arbeiten 15 000 Männer mit Unterstützung des Militärs an der Rettung der Ernte, der fruchtbarsten Gegend des Königs­reiches.

Drei Geldfchrcmkeinbrecher verhaftet.

Rach fast vier Monate langen Beobachtungen und Ermittelungen ist es der Berliner Kriminal­polizei gelungen, drei" Geldschrankeinbrecher, die durch ihre technischen Kenntnisse besonders ge­fährlich waren, zu verhaften. Die Täter, die mit dem modernsten Einbruchswerczeug ausgerüstet waren und ein eigenes Artr nobil besahen, sind geständig, u. a. am 28. Februar d. 3. in das Postamt Leffchin im Kreise Lebus einen Geld­schrankeinbruch verübt zu haben, bei dem sie 7000 Mark bares Geld und für 14 000 Mark Postwertzeichen erbeuteten. Der größte Teil der Deute konnte beschlagnahmt werden.

Absturz eines Verkehrsflugzeugs.

Ein am Donnerstag aus Scraßourg abge­flogenes Flugzeug der Flugzeuggesellschaft Franco-Roumaine, das unterwegs in Rürnberg noch Reisende ausgenommen hatte, ist bei dem Dorfe Roßhaupt abgeftürzt. Der Pilot sowie vier Passagiere, darunter ein junges amerikanisch^ Ehepaar das sich auf der Hochzeitsreise befand, waren sofort tot Ein fünfter Reisender wurde schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht.

Zwei Kinder vom Blitz getötet.

3n Keunctt an der württembergisch-bayeri­schen Grenze wurde der 16 3ahre alte Land­wirtssohn Hartmann und fein 14 3ahre alter Druder Anton mit den anderen Geschwistern bei de r Heuernte vom Gewitter überrascht Die beiden Brüder suchten unter einer nahen Tanne Schutz, wäh­rend die übrigen Geschwister auf der Wiese stehen blieben. Kaum standen sie unter dem Baume als ein Blitzstrahl niederfuhr und die beiden sofort tötete.

Schwerer Unfall auf der Werft Blohm & Voß.

An Bord bes auf ber Hamburger Werft Blohm & Voß liegenden DampfersO l b e n b u r g" brach der Brückenaufbau, auf bem sich 10 Arbeiter be­fanden, zusammen. Die Arbeiter stürzten infolge­dessen in den Laderaum. Acht von ihnen erlitten schwere, zwei von ihnen leichtere Verletzungen.

Eine ganze Familie durch veronal vergiftet

3n Gnadenwald bei 3nnsöruck hat sich eine zur Sommerfrische dort weilende Familie, Mann, Frau und zwei Kinder, durch Veronal ver­giftet. Das Ehepaar wurde bewußtlos in sehr ernstem Zustande aufgefunden. Die beiden Kin­der waren bereits tot, Heber die Hinftänbe. die zu der Tat geführt haben, ist bis jetzt nichts bekannt geworden Rach einer vorgefundenen Legitimation soll es sich um einen Dersicherungs- beamten Gustav Glvh aus Schwaz handeln.

Wettervoraussage.

Etwas stärkere Bewölkung, nördliche bis öMche Winde, warm, zunehmende Gewitter­gefahr, sonst trocken. ,r

Der östliche Luftstrom, der stellenweise Oie Morgentemperaturen bis über 20 Grad Celsius hat anffeigen lassen und der durch die Lage unseres Bezirkes an der Rordseite eines süd­osteuropäischen Wirbels bedingt ist, wird von einem mehr nördlichen abgelöst, wodurch der Witterungscharakter etwas unsicher wird, sich je­doch nicht grundlegend ändert.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 25,8, Minimum 14,0 Grad CelsiuS. Heutige Morgen- l temperatur 17,5 Grad Celsius.