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Nr. 52 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Mittwoch, 3. März 1926

völligen Lesemüdigkeit breit gemacht, der uns zu erschrecken anfängt. Besonders in der heutigen Jugend herrscht diese Leseinüdigkeit. Unö mancher besorgte Bater. manche über die Nüchternheit ihrer Heranwachsenden Töchter erstaun!e Mutter werden mir in diesem Punkt mit beifälligem Ernst zunicken. Es ist erstaunlich, mit welcher geringen geistigen Zufuhr die Jugend von heute vielfach auszukommen weih. Wenn ich bedenke, wie viel wir jetzt älteren Jahrgänge bereits in unserer Kindheit an Büchern verschlungen haben und dann höre, daß bei einer Rundfrage in einer Schule von hundert Primanern nicht mehr als fünf SchillersRäuber", dies Lieblings­stück unserer Jugend, gelesen haben, so kann mich ein leises Grauen ergreifen. Was für eine Menschenzukunft steht uns in Deutschland bevor, wenn unsere höheren Schüler nicht einmal mehr unsere Klassiker in ihren volkstümlichsten Werken kennen und in sich aufnehmen wollen?

Allerdings mag die allgemeine, gegenwärtige wirtschaftliche Rot, die sich aus den Kriegsjahren ergeben hat, die größte Schuld an dieser Lese­müdigkeit tragen. Wenn die Leute sparen müssen, fangen sie leider zunächst bei den Büchern damit an. Aber daß auch die Jungen und Mädchen bei uns kaum mehr daran denken, ihr Sonntagsgeld und ihre Spargröschchen, wie wir es früher taten, für Bücher auszugeben, das ist besorgniserregend. Wenn der Geist in frühen Jahren bereits derart vernachlässigt wird, so kann sich dies leicht in einer allgemeinen späteren Verödung und Verflachung des Volkes rächen. Den Vorsprung, den Deutschland, bis zum Jahre 1914 vor den meisten anderen Völkern hatte, verdankte es zum größten Teil seiner geistigen

Hindenburg in Leipzig.

Der Reichspräsident im Reichsgericht. Die wirtschaftliche Bedeutung der Leipziger Mesie.

Gegen 1 J ilßr fuhr der Reichspräsident am Völkerschlachtdenkmal vorbei zum Reichs­gericht. Hier hatten inzwischen im Plenar- sihungssaal unter Führung des Reichs- gerichtspräsibenten Dr. Simons und des Obcrreichsanwalts Dr. Ebermeier die Mitglieder des Reichsgerichts und der Reichs­anwaltschaft lotoie der Rechtsanwaltschaft' beim Reichsgericht Aufstellung genommen.

Reichsgerichtspräsidenl Dr. Simons

begrüßte den Reichspräsidenten mit folgenden Worten:

»Hochgeehrter Herr Reichspräsident!

Mit stolzer Genugtuung begrüßen wir Sie in diesem Raume, in dem sonst die Vollsitzungen des Reichsgerichts abgehalten werden, in dem heute die Gesamtheit der Mitglieder, Beamten und Angestellten des Reichsgerichts und der Reichsanwaltschaft sowie die Rechtsanwaltschaft beim Reichsgericht Ihr Kommen freudig erwartet hat. Daß Sie dem Beispiel Ihres Vorgängers in der höchsten deutschen Würde, des Reichs- Präsidenten Ebert, gefolgt sind und trotz der Kürze der Zeit, die Sie dem Besuch in Leipzig zju widmen vermochten, nicht an der obersten deutschen Gerichtsbehörde vorübergehen wollten, das erfassen wir in seiner ganzen Bedeu­tung. Während die Angehörigen solcher obersten Reichsbehörden, die ihren Sitz in der Reichs­hauptstadt haben. Sie öfter von Angesicht zu Angesicht sehen können, ist das den hier Ver­sammelten nicht vergönnt. Um so dankbarer sind wir Ihnen dafür, daß Sie uns heute Ihre An­wesenheit schenken.

Wir danken Ihnen aber vor allem dafür, daß Sie, Herr Reichspräsident, durch Ihren Besuch bekunden, wie hoch Sie die Aufgabe der deutschen Rechtsprechung einschätzen. Diese Aufgabe ist in der heutigen, von inneren und äußeren Kämpfen erfüllten Zeit doppelt schwer: deshalb sind.ihre Träger zahlreichen Angriffen ausgesetzt. Der Fehlbarkeit alles irdischen Urteilens sind wir uns bewußt; aber wir fühlen uns einig in dem redlichen Streben nach leidenschaftsloser und unpar­teilicher Erkenntnis dessen, was wahr und gerecht ist. Nichts würden wir stärker beklagen, als das Eindringen politischer Meinungs- kämpfe in die höchste Gerichtsbehörde des Reichs. Darin glauben wir auch mit Ihnen, Herr RcichsPräsiDent, übereinzustimmen. Wir alle verehren in Ihnen das Vorbild selbst- loser Hingabe an das Wohl unseres Volkes und treuer Erfüllung übernommener Pflichten. Wir geloben hier. Ihnen nach unserer besten Kraft in Gehorsam gegen Verfassung und Gesetz nachzueisern; wir wünschen Ihnen, daß Sie von Ihrem 'Besuch in Leipzig und im Reichsgericht befriedigende Eindrücke nach Berlin zurück­nehmen. Möge Gott Sie uns lange erhalten! Sie aber, meine Herren Kollegen und Mitarbeiter, fordere ich auf, unseren Dank und unsere Wünsche in den Rus zusammenzufaffen:

ilnfer allverehrter Reichspräsident, unser Hort in Krieg und Frieden, der Schützer des Rechts und der Verfassung, Er lebe hoch!"

Der Reichspräsident

antwortete mit folgenden Worten:

..Herr Reichsgerichtspräsident!

Meine Herren!

Für die freundliche Begrüßung, mit der Sie mich empfangen haben, danke ich Ihnen herzlich. Es ist mir eine aufrichtige Freude, den höch­sten deutschen Gerichtshof an der Stätte seines Wirkens besuchen zu können. Mit Recht sehen Sie hierin einen Beweis für die Bedeu­tung, die ich der Rechtspflege beimesse. Ge­rechtigkeit ist Grundlage und Seele des Staates; je höher die Wogen politischer und wirtschaftlicher Kämpfe branden, um so fester muß das Fundament einer mrparteilichen Justiz gegründet sein, die unberührt von der Leiden­schaft jener Kämpfe, niemand zu Liebe, nie m a n b z u Leide, Recht und Gesetz wahrt. Darum gilt es in unserer von politischen Mei- nungskämpfen erfüllten Zeit mehr wie je, ein höchst ehendes Richtertum ziu erhalten und jede Antastung seiner älnabhängigkeit abzu­wehren. Ihnen, meine Herren, liegt nicht nur ob. den deutschen Gesetzen eine einheitliche An­wendung zu sichern und das Recht für die Bedürf­nisse der Gegenwart fortzuentwickeln, sondern

auch dem deutschen Richter st and indem Streben nach höchster Vollkommenheit Führer und Vorbild zu fein. Daß das Reichsgericht dieser hohen Ausgabe gerecht geworden ist, be­weist seine Geschichte, die. mit dem Erstehen und der Entwicklung des Reiches eng verbunden, bald ein halbes Jahrhundert umfaßt. Große Ausgaben harren auch weiterhin Ihrer: Wirt­schaftliche und soziale Probleme stellen die Recht­sprechung vor immer neue Ausgaben, und über die Grenzen des Reichs schlägt das Recht völker­verbindend neue Brücken. Daß die Arbeit in Ihrem hohen und verantwortungsvollen Amte auch in Zukunft das Wohl unseres Volkes för­dern möge, ist der Wunsch, mit dem ich heute Sie und darüber hinaus die gesamte deutsche Rechtspflege mit allen, die ihr dienen, grüße!1'

Hieran schloß sich die persönliche Vorstel­lung der Mitglieder des Reichsgerichts und der Rechtsanwaltschaft beim Reichsgericht; im An­schluß daran fand in der Dienstwohnung des Reichsgerichtspräsidenten ein Frühstück statt, und dann unternahm der Reichspräsident unter Führung des Oberbürgermeisters Dr. R o t h e im Kraftwagen eine Rundfahrt an den ver­schiedenen Messestätten vorbei durch die Stadt.

Zum Abendessen war der Reichspräsident mit den Herren seinerBegleitung im Gesell- schastsgebäude derHarmonie" Gast der Zen­tralstelle der Interessenten der Leipziger Muster­messen. deren Vorsitzender Geheimer Kommer­zienrat Rosenthal den Reichspräsidenten bei Tisch willkommen hieß. Später nahm der Reichs- Präsident an dem um 9 Uhr im Rathaus slattfindenden, von der Stadt gegebenen Emp­fangsabend teil. Nach einem Gesangsvvrtrag begrüßte Oberbürgermeister Dr. Rothe den Reichspräsideirten in einer Ansprache, in der er die Bedeutung dieses Besuches für die Stadt Leipzig und besonders für die Messe würdigte. Hierauf erwiderte

der Reichspräsident

mit Worten herzlichen Dankes für die fremrdliche Begrüßung und fuhr dann fort:

Ich kann Sie dessen versichern, daß es auf mich einen großen Eindruck gemacht hat. am Fuße des Dölkerschlachtdenkmals. dieses Wahr­zeichen großer deutscher Vergangenheit, heute in den gewaltigen Hallen gewissermaßen eine Heerschau deutscher Arbeit und deutschen Unternehmungsgeistes uird damit ein Wahrzeichen arbeitsamer, aufstrebender Gegenwart sowie ein Hoffnungszeichen neuer deutscher Wirtschaftsentwicklung zu überblicken. Die Leipziger Messe hat in ihrer ge­waltigen Organisation und Ausdehnung stets ein umfassendes Bild der hohen Qualitätsarbeit und des technischen Könnens unseres Volkes ge­geben. Die diesjährige Frühjahrsmesse hat eine besondere Note dadurch erhalten, daß sie tech­nische Fortschritte der deutschen Produktion, neue Fabrikattonsarten und neue Arbeitsmaterialien aufweist, die unserer verarmten Wirtschaft eine bessere Ausnutzung ihrer Kräfte und ein erfolg­reiches Haushalten ermöglichen sollen.

Der diesjährigen Wesse fällt ganz besonders die Aufgabe zu, der deutschen Wirtschaft eine Anregung und Belebung zu geben. Schwer lastet die Wirtschaftskrise auf allen Teilen un­seres Volkes; Millionen von arbeitsamen Men­schen sind zu Nichtstun und Glend verurteilt; mit ernsten Sorgen kämpft das deutsche Unter­nehmertum. Gerade in solcher Not soll und wird die Leipziger Messe ihren Wert beweisen: Sie bietet Gelegenheit, das gegenseittge Ver­trauen der Wirtschaftskreise wieder zu stärken, sie gibt Anregungen zu neuen Geschäftsbeziehun­gen im In- und Ausland, und sie zeigt der Welt, daß Kraft und Wille der deutschen Wirtschaft ungebrochen sind.

So nehme ich als Eindruck meines heutigen Besuches den Glauben an eine allmähliche, aber stetige Besserung unserer gesamten Wirtschafts­lage und die Zuversicht mit zurück, daß sich nicht Mutlosigkeit in den Kreisen deutschen Handels und deutscher Industrie breit macht, sondern daß überall der feste Entschluß sich regt, durchzu­halten und wiederaufzubauen. UnD so muß es auch sein! Die Vorsorge für künfttge Geschlechter und die Verantwortung der Geschichte gegenüber müssen uns auch in den Zeiten der Not und Schwierigkeiten Willen und Kraft geben, die Lebensgrundlage unseres ganzen Volkes auf­recht zu erhalten, zu festigen und zu heben.

Auch alle wirtschaftliche Arbeit findet ihren letzten Sinn und ihren größten Wert im Ge-

ßefemübigheit

Don Herbert Eulenberg.

Gewiß, die Förderung des Sports und aller Leibesübungen nach dein Krieg bei uns in Deutschland ist ersprießlich gewesen. War sogar als Ausgleich für die fortgefallene militärische Dienstzeit notwendig für die Gesundheit des Volkes und wird es auch bleiben. Die Aus­bildung für den Krieg, der sich früher jeder nicht ieanlc Deutsche unterziehen mußte, hatte das ©ule für sich, daß sie den größten Teil der männlichen Bevölkerung. gerade in jungen Jahren, körperlich ertüchtigte. Wenn auch man- ches bei diesem Schleifen und Bimsen verkehrt und übertrieben fern mochte, der Gewandtheit und Ausdauer der einzelnen war es doch förder­lich. Nun hat man mit Recht für die Einbuße dieser leiblichen Schulung einen Ersatz in der Unterstützung des Sports gesucht und wohl auch gefunden. Von oben her ist der Sport durch Anlegung von riesigen Stadien und Uebungs- plähen m Deutschland mit aller Macht ver­breitet und gepflegt worden. Und auch die geisti­gen Kreise haben mit Wort und Schrift und Anpreisung das ihrige getan, dem deutschen Volk jede Art von Spielen, vom Schwimmen und Renner» bis zum Fliegen und Boxen ans Herz zu legen.

Ohne sich diesem Zug der Zeit, der an sich auch wohl unüberwindbar wäre, entgegenstellen zu wollen, scheint es wieder einmal geraten zu fein, für die Ausbildung des Geistes in Deutsch­land ein Wörtlein au wagen und zu sagen. Es hat sich nämlich fast in allen Kreisen bei uns ein Dildungsüberbruß, am stärksten in einer

danken an das Vaterstind und feine Zukunft. Darum dienen alle, die hier durch diese Messe und auf ihr für die Wiederbelebung unseren Wirtschaft arbeiten, zugleich auch dem Vater­lande. Ihm wollen wir auch in dieser Stunde das Gelöbnis der Treue und der Liebe darbrin­gen, indem wir rufen: Unser geliebtes deutsches Vaterland, es lebe hurra, hurra, hurra! ft

Der Reichspräsident und die Reichsminister verweilten bis etwa 11 Uhr in geselligem Bei­sammensein mit den übrigen Gästen im Rathaus. Um 11 Uhr fuhr der Reichspräsident mit seiner Umgebung zum Hguptbahnhof, um noch im Lause der Nacht nach Berlin zurückzukehren.

Die russische Meerengenpolitik.

Die Fälschungen des russischen Crangcbud)^ über den Kriegsausbruch mit der Türkei.

Die Fortschritte, die der geistige Kampf ge­gen die KriegsschulDlüge gerade im vergangenen Jahre gemacht hat. gehen vor allem daraus hervor, daß die leitenden Staatsmänner der Vor­kriegspolitik der Entente, Poincare, Grey und Sasonow, gezwungen worden sind, aus ihrer bisherigen Zurückhaltung herauszutreten und sich gegen die Anklagen zu verteidigen, die | die Geschichtsforschung der Nachkriegszeit immer stärker gegen sie erhoben hat. Das Derteidi- gungswerk Greys ist bereits erschienen. P o i n- c a r c und Sasonow sind augenblicklich an der Niederschrift ihrer Memoiren. Letzterer ist als Leiter der russischen Außenpolitik des Zaren­reiches durch die Veröffentlichungen der Sowjet­regierung aus den Geheimarchiven mit am stärk­sten belastet worden dadurch, daß die unter ihm intensiver und zielbewußter fortgeführte Meer- engenpolitik schließlich zum Ausbruch des Krieges beitragen mußte. Gegen diesen Vorwurf hat er sich bereits energisch gewehrt in einem Vor­wort, das er seinerzeit zu der englischen Aus­gabe der Tagebuchaufzeichnungen des russischen Außenministeriums vom 16. Juli bis 2. August 1914 geschrieben hat (How the war began 1914, London 1925). Er gibt hier zu,daß es jetzt, wo alle Fächer und Ecken der russischen Archive durchforscht und alte dort gefundenen Dokumente veröffentlicht worden seien, kaum möglich sei, etwas neues über die Ereignisse zu sagen, die dem europäischen Krieg vorausgingen." Auf der anderen Seite bestreitet er aber die Richtigkeit der hieraus gezogenen Schlüsse über die russische Meerengenpolitik. Rußland habe im Gegenteil im Einvernehmen mit Frankreich und England der Türkei, ehe sie an der Seite der Mittel­mächte in den Krieg eintrat, als Gegenleistung für ihre Neutralität eine Garantie ihres Besitzstandes angeboten. Zum Beweis stützt er sich auf die Urkunden, die in dein offiziellen russischen Orangebuch über die Verhandlungen mit her Türkei vom 1. August bis 2. November 1914 veröffentlicht worden sind. Sein Beweis wäre nun tatsächlich erbracht, wenn in diesem Orangebuch ebenso wie in dem über den Kriegs­ausbruch mit Deutschland und Oesterreich, dessen Fälschungen seinerzeit Freiherr von Romberg nachgewiesen hat, nicht gerade diejenigen Ur­kunden ausgelassen worden wären, die I seinen Sinn und seine Absichten ins völlige I Gegenteil verkehrten. Friedrich Stiebe, be­kannt durch die Herausgabe desDiplomatischen I Schriftwechsels Iswolskis", ist nunemhr der Sache aus den Grund gegangen und hat die Ergebnisse seiner Forschung in einem Buch veröffentlicht, das dieser Tage im Verlag für Kulturpolitik in Berlin erschienen ist:Das russische Orangebuch über den Kriegsaus­bruch mit der Türkei. Seine Fäl­schungen über das Garantieangebot der Ententemächte an die ottoma» nische Regierun g." (98)

Diese Richtigstellung des sogenannten zweiten russischen Orangebuches enthält außer den in der offiziellen Fassung wiedergegebenen Urkunden 33, die darin fehlen, 4, bei denen wichtige Teile aus­gelassen wurden. Gerade sie beweisen aber, daß es sich bei dem ganzen Garantieangebot um einen groß angelegten Täusch ungsversuch handelte. Es wurde zwar gemacht und ging sogar von Frankreich aus, wo man wie in England durch einen Anschluß Der Türkei an die Mittel­mächte einmal eine unangenehme Stärkung dieser, dann aber namentlich eine verhängnisvolle Rück­wirkung auf Die mohammedanische Bevölkerung ihrer Kolonialreiche befürchtete. Um daher die Türkei, die ihrerseits in Kenntnis der russischen Meerengenpolitik und im Falle einer Nieder­lage der Mittelmächte um ihren Bestand sorgte, zuberuhigen", machte Der Damalige französische Außenminister Doumergue am 29. Juli/11. August 1914 dem russischen Botschafter in Paris, Iswolski, den Vorschlag,ihr (der Türkei)

Durchbildung, die, wenn sie auch vielfach nur rein wissenschaftlich und theoretisch fein mochte, die Nation doch zu ihren erstaunlichen, groß­artigen Leistungen während der Kttegsjahre be­fähigte. Wird Der Wiederaufbau Deutschlands unter Nichtbeachtung der geistigen Fragen der­art weiter geführt wie bisher fei; 1918. so wird unser kommendes Vaterland wie ein Negerstaat gegen dos Deutschland unserer Väter wirken.

Neben den Plätzen am Fuß des Areopags im alten Athen, die den Leibesübungen Dienten, lag auch Die Stoa, die berühmte Säulenhalle, in der Zeno peripathctisch, zu deutsch im Herum- wandeln, seinen Schülern den Stoicismus bei­brachte, jene Lehre, Die zusammen mit dem Epi- cureismus fast ein halbes Jahrtausend lang die allgemeine Bildung Der Griechen unD Romer be­herrschte. Die Namen Der olympischen Sieger, Die hier in Die Wände eingetragen tourDen, waren längst übergrast und vergessen, als Der junge Cäsar, Der kommende Welteroberer, hier­her reiste, um sich auf den Trümmern Athens mit Wissen und Lebensweisheit zu füllen. Man vergesse auch in Deutschland die Macht des Geistes nicht, der uns einst groß gemacht hat! Ein Krieg kann verloren gehen, wenn er duvch eine größere innere Anspannung des Volkes späterhin überwunden wird. Aber ein dummes oder dumm gewordenes Deutschland würde keine Daseinsberechtigung mehr haben.

Mit dem Flugzeug aus der Grotzwildjagd.

Die beste Ausrüstung, die je eine Jagdexpedition nach dem Sudan erhalten hat, besitzt die Expedition

anzubieten, die Integrität ihres Territoriums zu garantieren, wasnicht weiter hindern würde, bei Beendigung des Krieges die Meerengenfrage in dem von Ruß­land gewünschten Sinne zu löfem.** Das hieraus bezügliche Telegramm JswolsttS an Sasonow vom gleichen Tage (Urkunde 28) wird natürlich verschwiegen.

Es wird aber noch etwas anderes verschwie­gen: nämlich Die Verhandlungen, Die Rußland gleichzeitig mit Bulgarien führte, um dieses, wie es in einem Schreiben Sosonows an den russischen Gesandten in Bulgarien vom 28. Juli 10. August 1914 «Urkunde 19) heißt, zu bewegen,Die Neutralität zu bewahren und sich zugleich zu vcrpslichten. Die Handlungen der Türkei zu stören. Ein recht eigen­artiger R e u t r a I i t ä t i b e g r i f f! AIS Gegenleistung wurde Bulgarien eine Gebiets­erweiterung auf Kosten Griechenlands angeboten. Solange man aus Bulgarien keinen Bescheid hotte, wollte man also, wie es in einem Schrei­ben Sasonows an den russischen Botschafter in Konstantinopel vom 28. Juli 10. August 1914 (Urkunde 24) heißt,bei den Verhandlungen mit der Türkei Zeit gewinnen".

Dir sehen hier ein skrupelloses Aus­spielen der einen Balkanmacht gegen d i e andere, bei Dem all Die schonen unD selbst­losen GrunDsähe vom Schutz der kleinen Nationen, Selbstbestimmungsrecht der Volker usw.. derent­wegen man angeblich den Kreuzzug gegen die Mittelmächte unternommen hatte, ohne Feder­lesen über Bord getoorfen wurden.

Frankreich zeigte übrigens bald sein wahres Gesicht, indem Delcasse, der Nachfolger Doumergues, schon am 17. August die Verhandlungen mit der Türkei wieder ab­brechen wollte und den Vorschlag machte, den Balkanblock gegen die Türkei wieder herzustellen (Urtunde 42), dadie Unantastbarkeit des otto- manischen Reiches für Frankreich nicht mehr ein Dogma sei" (Urkunde 74). Rußland war sich also der Unterstützung Frankreichs in der Verfolgung feiner Meerengenziele sicher. Aber noch wurde es an einem unverzüglichen Vorgehen gegen die Türkei durch England gehindert, das dieser Poli­tik bekanntlich von jeher den heftigsten Wider­stand entgegengesetzt hatte. Doch dieser wurde unter Dem Druck der kriegerischen Ereignisse und durch die Verpflichtung der gegenseitigen Bundes­genossenschaft gebrochen. Am 27. Oktober 1914 hatte Grey dem russischen Botschafter in London gegenüber sich dahin ausgesprochen,daß die Frage des Schicksals der Meerengen und Kon­stantinopels im Falle einer Niederlage Deutsch­lands nicht anders als in Übereinstimmung mit den russischen Wünschen gelost werden könne". Der Weg nach Konstantinopel lag frei und Rußland warf nunmehr die Maske ab. indem es am 1. November Der Türkei Den Krieg erklärte.

So sieht es in Wirklichkeit um die Beweis- krast De ß offiziellen russischen Orangebuches aus. Es hat in seiner nunmehrigen Vervollständigung die bisherige Auffassung über Die ruffi- s ch c Meerengenpolitiknichtnurnicht widerlegt, sondern sie geradezu er­härtet.

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

o. Aus dem Bufecker Tal, 2. März. Seit längerer Zeit bemühen sich die Gemeinden des Bu­secker Tals bei der Bahnverwaltung, eine bessere Zugverbindung nach Gießen zu erreichen. Schon feit Jahren wird es als ein Mißstand emp­funden, daß in den ersten Mittagsstunden, also zwi­schen 1 und 3 Uhr, kein Zug nach Gießen fahrt. Wer aus dem Bufecker Tal am Nachmittag in Gie­ßen Geschäfte zu erledigen hat oder Einkäufe be­sorgen will, muß schon zwischen 11 und 12 Uhr ab- fahren, sitzt dann in den Mittagsstunden in Gießen und weiß nicht wohin, zumal in dieser Zeit auch noch manche Geschäfte geschlossen sind. Diese Stun­den find für viele verlorene Zeit. Wenn man be­denkt, daß die meisten Leute noch einen Weg zur Station zurückzulegen haben, so braucht man, wenn man mittags nach Gießen -reifen muß, fast einen vollen Tag, um in der Kreisstadt Geschäfte zu er- ledigen. Es läuft freilich noch ein Zug um 45 Uhr in (fließen ein. Aber dann find die Bureaus meistens schon geschlossen, und im Winter ist es zu dieser Stunde bereits Nacht. Alle diesbezüglichen Eingaben bei der Bahnverwaltung sind vergeblich gewesen. Zur Zeit wäre hier leicht Abhilfe zu schaffen, wenn der Güterzug, der gegen 1 Uhr Grünberg verläßt, auch Personenverkehr bekäme. Ein weiterer großer llebelftanb besteht im Sommer» fahrplan für die Eltern, die Kinder nach Gießen zur Schule schicken. Der hier gegebene Zug verläßt um 5i Uhr Grünberg und läuft kurz nach 6 Uhr

des früheren englischen Gesandten in Abessinien, John L. Harrington, der demnächst mit reicher Beute nach England zurückkehren wird. Die Gesellschaft hat zahlreiche Exemplare aller seltenen Tiere gesammelt, die sich in dem Gebiet des oberen Nils finden. Die Jäger fuhren mehr als 40U0 Kilometer während zweier Monate auf dem Nil hinauf, und zwar ver- fugten sie über eine ganze Flottille von Motor­booten; sie führten auch vier große Kraftwagen mit Raupenrädern mit sich, auf denen sie weite Fahrten in das Land unternahmen. Ein Wasserslugzeug ver- vollständigte die Ausrüstung. Da die Kraftwagen zu großen Lärm machten, konnte man mit ihnen nicht direkt auf das Großwild Jagd machen, sondern man konnte nur bis in die Nähe der eigentlichen Jagd­gebiete fahren, schlug dann ein Lager auf und legte große Strecken zu Fuß zurück, um die seltenen Tiere aufzuspüren. Zum Feststellen der Tierherden wurde aber am häufigsten das Flugzeug benutzt, das sich als vortreffliches Hilfsmittel beim Jagen erwies. Glaubte man bei der Fahrt auf den Nil in die Nähe eines ergiebigen Jagdbereiches gekommen zu fein, dann trat das Wasserflugzeug in Tätigkeit, das zehn Pasfagiere faßte. Am Lande angelangt, flog man dann über die weiten Waldgebiete und konnte mit scharfen Gläsern das Vorhandensein von Tieren fest- steilen, die man ohne dieses Mittel niemals aufge­spürt hätte. Durch das Flugzeug glückte es auch, das Leben eines Mitgliedes der Gesellschaft zu retten. Ein Mechaniker erkrankte gefährlich, als die Expe­dition fünf Tagereisen zu Schiff von dem nächsten Krankenhaus in Mongalla entfernt war. Der Kranke wurde mit dem Flugzeug in fünf Stunden in das Hospital befördert und konnte unter der Obhut der Aerzle genesen.