"Xll ii
NiS
Tiehev e.B onntag, den 3* Oktober: Emilien- Nusflug Md) der Karlsruhe. Ü$R 4 Uht.
Ä* ’t&sul1."*' Wat &8«S y*Ä
feSi
JgjS
RO
MenStag, ben Oftobtr, abbS.
k M, im Hin. benbutfl: Wh- NMW.
Snichtüd.Mchö-
Parteitag. , Zahlreicher Besuch irbeten. 8055c
Der Dorffand.
ton
v. 1846.
i0D01flfl.il. 3. Ott..
auf dem Dalvsportplatz
deö B. i.
WÄ- UBhiklk- Nachm. US M.- r,rn-WU.
Naubeim-k.'^E Argen A'Aiaiie. ül«»». 2-30 >l?c Sü-Z itadttneater Sie«#!««.6'f."" Eröffn ungs DorfieLung
Der Kavfmann °rA„
•sw**
“S%u ßft®
ijfS" “f
®r««A‘rt
Nr. 23t Zweites Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Samstag, 2. Gitober 1926
»II' u' i'hiubii i ii II. n_ ... i r u u ttti ■iTir^^'aTg j" a—r ■■■ ”—iijiiBMrarr rrTMimMWiF* rr m.»
Spare!
Von Dr. Otto Leibrock, Berlin.
Den Kern der Wirtschaftlichkeit, die der bekannte Sozialphilosoph Smiles, die Tochter der Klugheit, die Schwester der Mäßigkeit, die Mutter der Freiheit genannt hat, bildet die Sparsamkeit. Von ihr zu reden, haben wir heute doppelten Anlaß, kann uns doch vor allem anderen die innere Sparkraft helfen. Wir wissen, daß der Spartrieb vielfach schon seit Jahrzehnten erheblich nachgelassen hat. Dies lag einmal an dem LImsichgreifen einer mit der materialistischen Weltanschauung notwendig verbundenen weitverbreiteten Oberflächlichkeit und dann nach 1918 an den trostlosen Folgeerscheinungen der Inflation und der kapitalfeindlichen Steuerpolitik.
Kann man überhaupt heute wieder vom Sparen reden? Die Frage ist unbedingt zu bejahen. Zwar wird mancher anderer Auffassung sein, da angesichts der wirtschaftlichen Rotlage die Einnahmen vielfach nicht dazu ermutigen, zu sparen. Dennoch ist die Zahl derjenigen nicht gering, die sehr wohl imstande wären, kleinere oder größere Beträge zurückzulegen. Andere wiederum könnten durch Plehr- arbeit ihre Einkünfte steigern und auf diese Weise den Grundstein zum Wohlstand legen. Wie notwendig für uns die Kapitalbildung ist, lassen die Auslandkredite erkennen, die einzudämmen wir das größte Interesse haben. Das kann geschehen durch Bildung von Eigenkapital.
Schon der Begründer der wissenschaftlichen Aationalökonomie, Adam Smith, hat anerkannt, daß ohne Sparen kein Kapital entsteht. Sparsamkeit und nicht Fleiß allein sei die unmittelbare Ursache der 'Vermehrung des Kapitals. Der Fleiß verschaffe zwar das, was die Sparsamkeit gphäufe; allein der Fleiß möchte erwerben, soviel er wolle, so würde doch, wenn es die Sparsamkeit nicht aufbewahre, das Kapital sich deshalb um nichts vermehren. Und Roscher Hot einmal gesagt, daß jeder, der zu sparen anfange, aufhöre, ein Proletarier zu sein. Mit Recht nannte er den ersten Spartaler den Hecktaler.
Richt hoch genug können die ethischen Werte des Sparens veranschlagt werden. Worin bestehen sie? In der Selbstzucht und im Freimachen von Kräften, die die wirtschaftliche Produktion erheblich zum Wachsen bringen. Der Sparsame gewöhnt sich an Selbstzucht: er lernt das Rötige vom Unnötigen, das Wesentliche vom Unwesentlichen unterscheiden. Der Verzicht auf Luxusbedürfnisse fällt ihm nicht schwer. Indem er spart, denkt er nicht nur an die eigene Zukunft, sondern auch an diejenige seiner Familie, seines Hauses, seines Unternehmens, ja des ganzen Vaterlandes. Solches Denken ist heute dringend vonnöten. In dieser Beziehung können wir von dem älteren Cato lernen, der den guten Römergeist in sich verkörperte. Gr prägte einmal das schöne Wort: „Einer Witwe dürfe es allenfalls begegnen, daß ihr Vermögen abnehme: ein Mann aber habe die Pflicht, mehr zu hinterlassen, als er geerbt." Auf dieser sicheren Grundlage ist das gewaltige römische Imperium herangewachsen. Auch für uns gilt es, diesen Sah zu befolgen: durch Sparsamkeit ein moralisches Kapital zu schaffen, das sich notwendig über kurz oder lang in ein doppeltes, fruchtbares, wirtschaftliches Kapi- 1 a l umsehen mutz.
Wie kann die Lust am Sparen in den wei- testep Kreisen unseres Volkes wieder wachgerufen werden? Durch Vermehrung der Spargelegenheit und sonstige Verbesserungen im Sparkassenwesen. Ich denke dabei an die alle Methode des Abholungs- shstems, an Heimsparbüchsen, Schulsparkassen usw. Vertrat man früher öfters den Standpunkt, daß diese Mittel keinen bleibenden Erfolg in bezug auf Weckung des Spartriebs hätten, so dürfte dem heute nicht mehr beizupflichten sein. Derartige Mittel sind nicht nur gut, sondern auch nützlich und Wohl geeignet, die Zahl der systematischen Sparer, das sind solche, die allmählich aus kleinen Beträgen eine größere Summe zusammensparen, zu vermehren. Dieses System, unterstützt in den Schulen durch die Lehrer-
Das große Würfelspiel.
(Martina Wilemar.)
Roman von Franz Taver Kappus.
5, Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Trotzdem war Kreuch am nächsten Tage pünktlich zur Stelle.
In wenigen Minuten war die Abmachung getroffen. Herr BÄa Schwarzkopf zeigte sich beinahe nobel. Dafür mußte Kreuth sofort an die Arbeit. Zwei volle Stunden saß er beim Telephon, wem neuer Chef hatte ihm schlagwortartig diktiert, was da und dort zu sagen war. Es handelte sich um die tollsten Dinge. Ohne eine Ahnung vom Wesen der Sache zu haben, klammerte sich Kreuch an seine Notizen. In Frankfurt lag eine Partie Seidenware für Jugoslawien bereit, aber der Spediteur machte Schwierigkeiten. Noch heute müsse die Sendung abgehen, betonte Kreuth immer wieder. Seine Dangen glühten. Mit Leipzig ging alles glatt. Der Posten Zobelfelle war schon seit gestern unterwegs nach Rumänien. Um so schwieriger gestaltete sich das Gespräch mit Hamburg. Eine piepsende Stimme begehrte auf. Wo Herr Schwarzkopf denn stecke? Seit Monaten lasse er sich nicht sehen. Unter diesen Umständen dürfe er sich nicht wundern, wenn die Liquidation seines Bankgeschäftes ins Unendliche verschleppt würde. ...
Kreuths Schädel brummte, bis er endlich fertig war.
Nachmittag fuhr er im Mietauw nach Moabit. Herr Granowski in der Kameruner Straße war bereits avisiert. Er lächelte vieldeutig und händigte Kreuch ein peinlich verschnürtes Bündel Papiere ein. „Nur Vorsicht, junger Mann, Vorsicht." Aus dem Rückwege in das Hotel erledigte Kreuth den Buchmacher. Schwarzkopf hatte für das Hindernisrennen in Enghien ein kompliziertes Triple-Event ausgeklügelt. Zwei blanke Taufender legte Kreuch auf den Tisch.
9m Exzelsior-Hotel wartete ein beleibter, aufgeregter Herr auf Schwarzkopf. Gerade kam Kreuth dazu, als ein Angestellter sagte: „Vormittag nach Stettin abgereist." Kreuth sperrte Mund und Augen auf. Der Fremde entfernte sich murrend. Spater überreichte derselbe Angestellte Kreuth einen Brief.
schäft, indem sie die Jugend immer wieder auf sparsame und einfache Lebensweise hinweist, also eine hohe volkserzieherische Aufgabe erfüllt, vro- pagandistisch ausgenuht bei den Eltern- zusammenkünften. wird sich zweiseilv.- bewähren, weit mehr als die Einführung eines Spartages. Durch geschickte Lichtbilder- vorträge über die Wirkung des Sparens in persönlicher, familiärer und nationaler Beziehung könnte der Gedanke ebenfalls befruchtet werden. Ein Beweis z. B., daß eine wöchentliche Ersparnis von nur 2 Mk. im Iahre 100 Mk., in 30 Iahren nicht 3000 Mk., sondern 10 000 Mk. sind, weil Zins und Zinseszinsen für das Anwachsen des Kapitals inzwischen gesorgt haben, wird sicher sparanreoend wirken. Sehr wichtig ist natürlich auch eine sachliche Darstellung der Rottoendigkeit einer Verbesserung des ökononomischen Koeffizienten, das ist das Verhältnis vom gesamten Aufwand zur nationalen Produktion. Durch die Erhöhung der Produktivität und damit der Gütererzeugung aus eigener Arbeit vermindern sich bekanntlich die Kosten der Erzeugung una Beschaffung. Auf diese Weise steigt das Realeinkommen einzelner Schichten und der Gesamtheit: es kann also mehr gespart werden. Sporfördernd wirken des fer-
Das Gegenteil ist der Fall. Denn erstere, mit Zwang ausgestattet, stellt gewissermaßen die Volksschule dar, in der ein Existenzminimum geboten wird. Von diesem Minimum bis zum Maximum sich eine Versicherung zu verschaffen erfordert der Selbsterhaltungstrieb des einzelnen.
Wie notwendig eine größere Aktivität auf dem Gebiet des Sparwesens ist, beweist ein Rückblick auf die Vorkriegszeit. Damals hat der deutsche Sparwille die Gelder aufgebracht, aus denen durch Hingabe für Hypotheken die Bautätigkeit in Gang gehalten — von 20 Milliarden Mark Spareinlage, die mehr als die Hälfte des gesamten nationalen Kapitalvermögens ausmachten, dienten ca. drei Viertel Reu- bauzwecken — und aus denen durch Darlehen an Gemeinden deren beispiellose Entwicklung unterstützt wurde. Die Bautätigkeit befruchtete die Wirtschaft: Handel und Wandel blühten. Mit allen Kräften muh deshalb darauf hingewirkt werden, daß jeder wieder ein Interesse daran hat, zu sparen: denn in der SParkraft des deutschen Volkes liegt der Urgrund neuen Aufstieges. Rur der Erfolg und Besitz aus eigener Kraft stärkt den Stolz und den Willen zu weiterem Erwerb und Wohlstand. Mangel an Kapital aber bedeu
Dis geoks LasssKSttmis
Sbevhesferrs und desLahnsebieteS ist ta feinem iSL.Sahvsarrg dev Gfetzenev Slnreisev
Das Sitte iUrtteeh<ttttm«SV»att ist feine Dfenstags und GarnStags erscheinende Vettage »Gfetzenev Kamllferrblättev"
Die einziKK Midevdeüage
ist seine eigens für das Hetmatgebfet bearbeitete Donnevstagsgabe Heimat im Silb*
Dee saOveestäMßse Ratgeber für Landwivtschast, Gavtenban nnd Sieh- rncht ist seine Freitatzsbettage «Die «Scholle"
neren höhere Einlegezinsen. In dieser Beziehung gilt noch immer der uralte Lehrsatz: „Hoher Preis lockt zur Bereitstellung der Ware, hohe Zinsen zur Bereitstellung des Kredites." Sehr wichtig ist "natürlich auch die Förderung des Sparsinns durch eine vernunftgemäße Steuerpolitik. Hier fehlts noch sehr: denn die Aenderungen, die z. D. das Einkommensteuergesetz brachte, haben viel zu ein» fettig das Fiskalinteresse berücksichtigt.
Sehr zweckmäßig kann auch durch den Abschluß einer Lebensversicherung gespart werden. Hier wird darauf Bedacht genommen, wieviel Groschen der Interessent monallich aller Voraussicht nach zurücklegen kann. Dadurch wird erreicht, daß der Versicherte nicht so leicht in Prämienzahlungsverlegenheiten kommen kann. Es ist aber durch entsprechende Einrichtung der Der- sicherungsbedingungen auch die Möglichkeit gegeben, daß er, wenn er Mehreinnahmen hat, seine Versicherungsaufwendungen erhöhen und damit auch die Anwartschaft auf eine hohe Versicherungssumme erlangen kann. Richts ist törichter, als die Auffassung zu vertreten, die Sozialversicherung Deutschlands mache eine private kleine Lebensversicherung überflüssig.
Er enthielt ein halbes Dutzend Depeschenentwürfe in der fahrigen Schrift Schwarzkopfs. Am unteren Rand stand geschrieben: „Bei Blüml, Mogstraße, wegen Schreibmaschinen anfragen. Nicht unter dreihundert Stück. Balkanware." In der äußersten Ecke war zu lesen: „Bin abend zurück. Zehn Uhr Barbe- rina. Sind mein Gast."
Gewissenhaft führte Kreuth die Aufträge aus. Gegen acht telephonierte er Martina. Immer mehr zog sich das Gespräch in die Längs. Jede Einzelheit wollte Martina wissen. Aber Kreuth drückte sich um die verfänglichen Fragen. „Morgen, Liebling, morgen. Ich kann das hier nicht erklären." „Ist es etwas für uns?" „Ja — und nein." „Sehe ich dich morgen bestimmt?" „Bestimmt, Liebes, ganz bestimmt." „Sag' mir wenigstens —" „Es geht nicht. Haft du mich lieb?" „Wahnsinnig, Benno. Aber morgen erzählst du mir —" „Alles, Liebling, alles." Endlicb machte Kreuth Schluß. Sein Herz hämmerte in wilden Schlägen. Was würde Martina zu alldem lagen? Dieser eine Tag: bestätigte er seine schlimmen Befürchtungen nicht — dieser eine Tag?
Um zehn Uhr war Kreuch in der Barberina.
Schwarzkopf hatte eine Dame mitgebracht, eine sprühende Person mit brennroten Locken und verwunderten Kinderaugen. Es war dieselbe, die er vormittag in der Hotelhalle beobachtet hatte. Man soupierte umständlich und erlesen. Sekt perlte in den Kelchen. Schon nach dem zweiten Glas sah Kreuth alles wie durch einen Schleier, verwischt und doch sonderbar scharf. Die Dinge verloren ihre Schwere Die Augen der tanzenden Frauen brannten. Verborgenes löste sich unter den grausamen Taki- schlägen der Musik.
Die Brennrote hieß Margot. Sie lächelte mit glühenden Lippen und bewarf Kreuth mit Knackmandeln. Herr Schwarzkopf schäkerte aufgeräumt. .Hab' ich dich dem Kerl ausgespannt? Was bekomme ich dafür, daß ich dich dem Kerl aus- gefpannt hab'?" Kreuth lächelte nachdenklich in den Wirbel. Das war die andere Seite, dachte er. Das war das Leben, wie es am anderen Ufer hinging. Es war nicht feine Wett. Aber trotzdem: gar so schwer durfte man das Dasein nicht nehmen. Ewig blieb die Frage offen, ob diese da es nicht besser hatten. Fast wollte er es glauben.
Bald nach Mitternacht riß sich Kreuch zusammen. Er machte Miene, Schwarzkopf Bericht zu or
tet, wie wir das jetzt am eigenen Leibe verspüren müssen, politisch stärkste Bindung an das Ausland.
Sleuerfälligkerten im Oktober.
Im Monat Oktober treten folgende Steuer- sälligkeiten ein:
5. Oktober: Steuerabzug vom Arbeitslohn (Lohnsteuer) für die Zeit vom 21. bis 30. September einschließlich der für die Zeit vom 1. bis 10. September bzw. 11. bis 20. September einbehal- tenen, noch nicht abgeführten Beträge ohne Rücksicht auf deren Höhe, unter gleichzeitiger Abgabe der Lohnsteuerbescheinigung.
10. Oktober: Umsatzsteueroorauszahlung der Vierteljahrs- und Monatszahler. $ Prozent der Umsätze für Iuli/September bzw. für September unter gleichzeitiger Abgabe der Voranmeldungen. Einkommensteuer der Gewerbetreibenden auf Grund der im Juni bzw. Juli zugegangenen Bescheide.
15. Oktober: Steuerabzug vom Arbettslohn (Lohnsteuer) für die Zeit vom 1. bis 10. Oktober, sofern der Gesamtbetrag mehr als 100 Reichsmark ausmacht.
statten. Aber Schwarzkopf kniff das linke Auge zu. „Morgen um elf." Er winkte einem Blumenmädchen und baute vor Margot ein ganzes Beet auf.
Kreuth verabschiedete sich. Margot mautte etwas.
Tags darauf faß Schwarzkopf schon um halb elf in der Hotelhalle. Er war unrasiert. Nervös zündete er eine Zigarette an der anderen an.
„Wir verreisen. Spätestens morgen früh."
Langsam öffnete Kreuth die Lipepn und schloß sie wieder. Milliarden Sterne tanzten vor seinen Augen. Die Decke drohte einzustürzen. Marttna! schrie sein Herz.
„Was war gestern?" fragte Schwarzkopf. Unruhig spähten seine Blicke umher.
Kreuch zog sein Notizbuch hervor und berichtete. Mit einer Handbewegung unterstrich Schwarzkopf die wesenttichen Stellen. Dann sagte er: „Erledige ich alles noch heute. Sie bekümmern sich um Ihren Paß. Sichtvermerke: Italien, Ungarn, der Balkan. Geld spielt keine Rolle." Als er Kreuch zögern sah, fügte er hinzu: „Oder nicht? Ihr Gehalt ist natürlich verdoppelt. Spesen zu meinen Lasten, versteht sich"
Nur einen Moment stand Kreuth unschlüssig. Dann sagte er fest: „Abends bin ich mit meinem Gepäck hier." Draußen warf er sich in ein Auto. Von der nächsten Sprechstelle klingette er Martina an. Ob sie um vier Uhr im Cafä Josty in der Kaiserallee sein könne? „Eine wichtige Mitteilung. Ich habe bis sieben Zeit." Wieder drang sie in ihn. Aber er machte es kurz: „Mündlich, Liebling: alles mündlich."
Den Paß mit den Sichtvermerken in der Tasche, betrat er punkt vier das Kaffeehaus. Martina war schon da. Alles an ihr drückte Erwartung aus. Groß ruhten ihre blauen Augen auf ihm.
„Ich habe etwas," begann Kreuch leise, den Kopf gesenkt. „Seit gestern." Ausführlich erzählte er, wie er die Bekanntschaft Schwarzkopfs gemacht hatte. Dorsichttg schilderte er die Erlebnisse des ersten Tages.
Still horte Martina zu.
„Soweit ginge es ja", sagte Benno und fühlte, wie seine Stimme unsicher wurde. „Es ist zwar keine besonders saubere Beschäftigung, aber wir dürfen nicht wählerisch sein. Es soll ja auch nur ein Anfang sein: weißt du, Liebes, ein Anfang."
2 5. Oktober: Steuerabzug vom Arbeitslohn (Lohnsteuer) für die Zeit vom 11. bis 20. Oktooer, feiern her (Scfamtbcirag für gen. Zeit oder mit dem für die Zeit vom 1. bis 10. Oktober einbehaltenen und noch nicht abgeführten Betrag zusammen mehr als 100 Reichsmark ausmacht. Landessteuern (Grund-, Gewerbe- und Sondersteuer vom bebauten Grundbesitz) 4. Ziel auf Grund der Bescheide.
_ Sämtliche Steuerarten können innerhalb einer Schonfrist von einer Wollte ohne Zuschlag gezahlt werden, mit Ausnahme der Lohnsteuer.
Aus der Proviuzialhauptstadt.
Gießen, den 2. Oktober 1926.
Die Frucht in der Hand.
Don Reinhold Braun.
Wieder ging ich an das kleine Spalier und sah nach, ob der einzige Apfel, den es trug, nun zum Abnehmen reif wäre. Siehe da, heute löste er sich leicht vom Zweige. Run war er wirklich reif. Ich breit die edle, lachende Frucht in dev Hand. Wie schwer sie war. wie wundervoll in der Rundung, ganz ohne Makel! Wie köstlich der Duft, wie glänzend die Schale! Freude und Dankbarkeit löste der Anblick und das Gefühl aus, den Apfel In der Hand zu halten.
Wie oft war ich des Morgens zu diesenr Apfel gekommen, bin mit der Hand sanft über ihn hinwcggeglitten: von Lag zu Lag konnte ich gewahr werden, wie er wuchs. Ich beobachtete ihn wie auch andere Früchte des Gartens von! der Knospe. Oh, man wird andächtig! Die stumme Kreatur halt eine gar gewaltige Predigt dem Herzen, das sich zu freuen versteht. Solch ein Apfel kann Gottes Schöpferkraft besser künden als der beredteste Mund. Hier spricht die herrliche ilnmittel&arfeit, die dem Schöpfer ohne trennende Wand ganz nahe ist. —
Rehmen wir nicht alles so sehr selbstverständlich in die Hand! Oft vhne Bewußtheit? Alles rem mechanische Gebärde? Die Menschen drehen wohl ein Geldstück um, aber bei einer Frucht denken sie nicht daran. Rur ein Apfel! Rur eine Weintraube! Was ist dabei! -
Die Frucht m der Hand!
Meine Mutter machte immer, ehe ftp ein Brot anschnitt, mit dem Messer drei Kreuze auf den Rücken desselben. Das war sie von Iugend her so gewohnt. Im alten Bauernhause kannte man es nicht anders. Als ich als überlegener „höherer Schüler" einmal darüber lächette, schaute sie mich lange an, wie tief ins Heiligste getroffen, llrtb sie sprach: „Lieber Sohn, du lächelst über deine einfältige Mutter! Laß mir meine Einfalt! Das hat meine Großmutter selig schon so gemacht! Cs ist ja im Grunde Wetter nichts als ein Dank gegen Gott!" Ich war tief beschämt, und seitdem betrachtete ich die fromme Gebärde der Mutter immer mit Ehrfurcht.
Ich sehe sie immer noch, die schon längst nicht mehr ist, wie sie fast andächtig jedes Brot nahm und das Kreuz darüber machte. Sie tat es langsam, fast feierlich und immer merkte ich, daß ihr Herz dabei war. DieUeicht hat sie auch zuweilen mitten in der Großstadt an die Kornfelder der Heimat und besonders an die des Bauernhofes gedacht. . . —
Die Frucht in der Hand!
Ia, wir müßten lernen, jede Frucht, die wir essen, erst bewußt in der Hand zu halten, nicht gleich hasttg zum Munde zu führen. Das schenkt Andacht, Freude, Dankbarkeit. Die Kinder mühte man es lehren durch das Beispiel. Ehrfurcht und Schönheitssinn würden auch auf solche Weise geweckt werden.
Die Menschen lernten auch immer mehr nachzudenken, woher alles tarne, was alles an Zett, Sonne, Regen und Menschentreue hinter jeder Frucht steht! — Die Frucht in der Hand.
Ich hatte immer noch meinen Apfel.
Ich sehe ihn, rieche ihn, darf ihn auch bann schmecken. Aber erst will ich mich seines Anblicks freuen. Uni> dann soll er mit Weib und Kindern verspeist werden. Das wird ein richtiges Erntedankfest im Kleinen werden. Ich schaue immer wieder die prächtige Frucht an.
Ein Meisterstück der Allmutter Ratur! Rein, das kann kein Mensch nachmachen. Cs bleibt doch
Der Atem des Mädchens ging schneller.
„Und weiter?"
„Natürlich springe ich sofort aus, wenn sich etwas Besseres findet."
„Es ist nicht das, Benno. Du hast mir noch etwas zu sagen." Deutlich empfand Martina, daß im Hintergrund eine Gefahr lauerte, eine furchtbare Gefahr vielleicht. „Du darfst mir nichts verheimlichen, Benno."
„Ich verheimliche dir nichts, Martina. Ich kann es dir ja gar nicht verheimlichen." Kreuth zog die Schultern hoch, als ob chn fröre. „Ich soll morgen verreisen."
„Mit Schwarzkopf?" fragte Martina tapfer.
„Mit Schwarzkopf."
„Wohin? Auf wie lange?"
Kreuth zeigte seinen Paß. „Ich weiß es selbst nicht." Er versuchte zu lächeln. ,Lch bekomme doppeltes Gehalt, alle Kosten trägt Schwarzkopf. In einem Monat kann ich dreitausend Mark ersparen."
Martina erschrak beinahe. Doch Benno versicherte:
„Diel Geld für uns, schrecklich viel Geld. Wir werden es brauchen können."
Wieder blätterte Martina in dem Paß. Eine kleine Falte stand zwischen ihren dunklen Brauen. Unruhig flirrten ihre Finger.
„Du brauchst nur ein Wort zu sagen, Liebes —"
„Ich sage nichts."
„Und hast keine Bedenken? Wirklich keine Bedenken? Du sollst mir ja raten, Martina."
,Lch rate dir zur Reise."
Benno griff nach ihrer Hand. Immer stärker wurde der Druck seiner Finger. Martina war es, als ströme sein Blut herüber zu ihr. Süße Müdigkeit überfiel sie. Kaum vernehmbar lispelte sie: „Wie lieb ich dich hab'."
„Ich reife also morgen", sagte Benno gedehnt.
Mattina lächette ihn an.
„Warum haben wir es so schwer, Benno?" Tränen stiegen in ihre Augen. „Zu Weihnachten bist du dock; da? Ich habe solche Angst vor Weihnachten. Am liebsten möchte ich alle Feiertage durchschlafen. Immer haben sie mir schon weh getan. Und erst jetzt — ganz allem werde ich jetzt fein. Ganz allein, Benno."
(Fortsetzung folgt)


