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In dem Außenkommissariat der Sowjetunion scheint man von dieser Wirkung des Abkommens auf Polen etwas überrascht zu sein. Da Moskau seit langem Verhandlungen auch mit Polen anstrebt, bemüht sich die Sowjetpresse Del auf das Feuer zu gießen und sogar der Gedanke der Sowietrepubuk in Warschau wird mobil gemacht, um im polni­schen Außenministerium beruhigende Erklärungen abzugeben. Der polnische Staat befindet sich nun allerdings seit Monaten in einer Krisis, die gerade in diesen Tagen mit dem Rücktritt des zweiten Ka­binetts Bartels, der Wiederkehr Pilsudstis als Mi- nistervräsident und der bevorstehenden Auflösung des Reichstags ihren Höhepunkt erreicht hat. Dieses rücksichtslose Ringen um die Macht im Innern be­deutet eine völlige Lähmung der polnischen Außen­politik. Das sind günstige Aussichten für eine Iso­lierung Polens, wie sie Rußland wünscht. Schon der Vertrag mit Litauen bedeutet eine Spaltung . zwischen Polen und den Randstaaten. Aehnlrche Abmachungen mit Estland und Lettland, über die be­reits verhandelt wird, würden Polens Verein­samung vollenden. In dieser veränderten Situation, ohne Aussicht auf Frankreichs Hilfe, wird man in Warschau vielleicht eher geneigt sein, über Wilna mit sich reden zu lassen. Denn ohne eine Berei­nigung des Wilnaproblems ist ein ost-europäischer Locarnopakt", wie er Tschitscherin vorschwebt und wie ihn auch die Warschauer Machthaber nicht un-

gen von Moskau, in denen Wilna als litauisches Gebiet anerkannt wurde.

Wenn also nun in dem neuen russisch-litauischen Vertrag diese Anerkennung wiederholt wird, so be- deutet das keineswegs eine Aenderung der russi­schen Politik zuungunsten Polens. Trotzdem hat sich der Warschauer Presse eine starke Erregung be­mächtigt. In schärfster Frage fordern besonders die dem Marschall Pilsudski nahestehenden Blatter der Linken energische Schritte der polnischen Regie- runa. Sie sehen in dem Vertrag eine offene Her- ansforderung durch die russische R« haupten, das Abkommen stehe im Gegensatz zu den von Litauen übernommenen Verpflichtungen der Völkerbundssatzung. Nun hat jedoch einmal der Völ­kerbund dos Wilnagebiet niemals als polnischen Be­sitz anerkannt und zum anderen haben die litauischen Unterhändler gleichzeitig mit dem Vertragsabschluß in Moskau eine Note überreicht, in der erklärt wird, daß der russisch-litauische Vertrag in keiner Weise die Loyalität Litauens dem Völkerbund gegenüber

Frankreich und Livorno.

Die Pariser Presse zur Unterredung.

Chamberlain-Mussolini.

Paris, l.Okt. (WTV.) Zur Unterredung Chamberlain-Mussolini schreibt derTemps", es sei hervorzuheben, das; das offiziöse Organ Mussolinis, dasPopolo d'Italia", in einem viel bemerkten Artikel unterstreiche, daß die Bespre­chung in Livorno vertrauensvoll betrachtet wer­den könne, da nach der Unterredung Briand- Stresemann in Thoirh diejenige Chamberlains und Mussolinis einen neuen Beitrag zur Re­organisation und Konsolidierung Europas sichern werde. Cs handele sich keineswegs darum, Li­vorno gegen Thoirh zu stellen und die Unterredung Chamberlain-Mussolini als Ge­genpartie zur Unterredung Driand- Stresemann hinzustellen.

Eine etwas andere Auffassung über die Wi- nisterbegegnung hat dasJournal des D 6 - bats". Rach seiner Ansicht ist die italienisch- engiische Freundschaft traditionell. Ziem­lich oft durch Eifersuchtskrisen auf italienischer Seile heimgesucht, bestehe sie doch alle Proben, weil Italien, von drei Meeren umgeben, sich nicht einem Konflikt mit der größten europäischen Seemacht aussehen könne.

Troß seiner flammenden Rede über das Im­perium Italiens im Mttelmeec kokettiere Mus­solini gegenwärtig mit der Londoner Regie­rung. Er wende sich ihr umso lieber zu, als die Besprechung von Thoiry und die Kommen­tare eines Teils der französischen Presse ihn gegen eine französisch-deutsche Annäherung zur

Vorsicht mahnten.

Ex sei niemals ein eifriger Anhänger L s c a r n o s gewesen. Er bekunde für den Völker- bxhb eine nur mittelmäßige Sympathie. Er ziehe direkte Abmachungen vor, die ihm eine ge­wisse Handlungssreiheit sichern. Für den Augenblick untersuche er, welche Vorteile Italien aus einer En­tente mit England ziehen könnte.

Echo de Paris" weist auf die verschiedene Hal­tung der italienischen und englischen Presse hin. Während Italien auf die große Bedeutung des Er­eignisses hinweist, erkläre England die Zusammen­kunft für einen lediglichen Höflichkeitsakt. Seit lan­gem suche Italien Frankreich zu einer Verhandlung über die Mittelmeerfrage zu bewegen. Frankreich habe sich aber dazu nicht entschließen können und nicht bereitgefunden. Deshalb habe es sich mit Spanien verbündet, um einen Druck

auszuüben und denke fetzt daran, sich mit Eng- l a n d zu verbunden. Das sei nur ein Traum. Cham­berlain sei ein aufrichtiger Freund Frankreichs ne Zusammenkunft werde deshalb trotz der Behaup­tung der italienischen Presse feine großen inter­nationale Erfolge zeitigen, aber es sei zu bedauern, daß sich die französische Politik auf eine rem nega­tive Haltung beschränke. Der ,,A d e n i r be- zweifelt, daß irgendetwas Endgültiges beschlossen worden sei.

Mussolini befinde sich in ständigem Balancieren zwischen England und Frankreich,

um sich auf beide zu stützen und sie gegenseitig in Schach zu halten. Die französische Diplomatie müsse auf Rom achten, um festzustellen. waS man von Frankreich erhoffe. ,,D e ud re meint, Chamberlain werde Gelegenheit gehabt haben, Mussolini darüber aufzuklären, daß die deutsch- französische Annäherung gegen feine dritte Macht gerichtet sei. , . .

DerFigaro" schreibt: Ohm uns Mrd die Auslegung des Abkommens von Locarno nicht diskutiert werden. Wenn es zu verstehen ist, daß Mussolini sich wegen der alldeut­schen Absichten auf Oesterreich besorgt zeigt, so hat Chamberlain seinerseits älnrecht, zu vergessen, daß er der hauptsächlichste Mitarbeiter an d e r deutsch-franzö­sischen Annäherung ist. Vielleicht aber ist es unser Fehler, wenn wir von unserer la­teinischen Schwester ferngehalten werden. Wir wollen eben Italien seinen ihm zukommendeii Platz nicht einräumen und keine Rücksicht auf seine steigende Bevölkerung neh­men und auf seine steigende moralische politische Bedeutung. Italien erstickt in seinen zu engen Grenzen.

Rußland und England.

London, 1. Oft (WB.) Der russische Ge­schäftsträger Krassin erklärte Pressevertretern: Die Sowjetregierung will den Frieden. Ihre Politik ist diktiert von dem Wunsche der Arbeiter und Landleute, die den friedlichen Wie­deraufbau der nationalen Wirt­schaft wollen. Die Rote Armee wurde von mehr als fünf Millionen Mann auf ungefähr 500 000 Mann herabgesetzt. Rußland ist be­reit, vollkommen abzurüsten, wenn andere Ratio­nen zeigen, daß auch sie die wirkliche Ab­rüstung wollen. Das wirkliche Hindernis für die Entwicklung des russisch-englischen Han­dels ist die gegenwärtige Politik der britischen Regierung gegenüber Rußland." Auf die Frage nach den Schulden Rußlands an England, erwiderte Krassin, er möchte diesen Punkt nicht berühren, bevor er nicht mit den englischen amt­lichen Stellen in Verbindung getreten sei. Diese Finge sei sehr kompliziert. Aus jeden Fall sei aber die russische Regierung bereit, zu verhandeln. Aus die Frage, ob die Beziehungen zwischen Eng­land und Rußland alsk ü h l" bezeichnet werden könnten, erwiderte Krassin: ,3 a, unglücklicher­weise ja!"

Kein internationaler Berg­arbeiterstreik.

London, 1, Oft. (Täl.) Aus der gestrigen Sitzung der Bergarbeiter-Erekutive in Ostende, auf der Großbritannien, Belgien, Deutschland, Spanien, Holland und die Tschechoslowakei ver­traten waren, teilte das Mitglied der englischen Bergarbeiter-Exekutive mit, daß die britischen Bergarbeiter von den verschiedenen Ländern ins­gesamt 1 261000 Pfund erhalten hätten, wovon bereits 1 25Z 000 Pfund ausgegeben worden seien. Es wurde ferner erklärt, daß die Ver­einigten Staaten und Polen die größ­ten Kohlenexpvrteure seit Beginn der Arbeitsruhe im englischen Bergbau seien. Die älnAulänglichkeit aller Zuwendungen an die Strei­kenden müsse bedauert werden. Die deut­schen Delegierten betonten, daß Deutschland, das durch denDersailler Vertrag gebunden sei, den Export von Kohlen nicht ein st eilen könne. Es sei verpflichtet, Aeparationskohlen zu liefern. Die Mehrzahl der im Verband ver­tretenen Rationen erklärte sich außerstande, der englischen Forderung nach einem internatio­nalen Streik nachzukommen, versprach aber wei­terhin, den englischen Bergarbeitern finanziell soweit als möglich zu helfen. Außerdem soll alles getan werden, um die Ausfuhr von Kohls nach England zu unterbinden.

Strefemann über den Eisenpakt.

Berlin, 2. Oft. ImD.T." äußert Reichs- außenminister Dr. Strefemann über den Abschluß des Eisenpaktes u. a. folgendes:In dem Ab­schluß des internationalen Eisenpaktes erblicke ich ein wirtschaftspolitisches Ereignis von kaum zu überschätzender Tragweite. Insbesondere darf ich auf die Gefahr Hinweisen, die eine von den Spannungen der Interessengegensätze erfüllte At­mosphäre nicht nur für das industrielle Gedeihen,

Der junge Hindenburg.

Erinnerungen

zu seinem 7 9. Geburtstage.

Im Iahre 1859 sollte Hindenburg die Ka- dettcnanstalt in Wahlstatt beziehen. Das Zeug­nis vom 1. April dieses Iahres beschäftigte sich mit den Leistungen des Schülers von Hinden­burg; sie waren in der Religion, im Latainischen, im Französischen und in der Geographie hinrei­chend und im Deutschen gut, nur im Rechnen wollte es ihm nicht gelingen, den Ansprüchen zu genügen. Sein Betragen war, einige Plauder- Hastigkeit abgerechnet, gut.

Die ersten Tage in der neuen Wahlstätter Umgebung haben nicht zu den glücklichsten des jungen Kadetten gehört; er war ja noch jung, die Fremde bedrückte ihn, und er hatte Heim­weh:In Wahlstatt blieb ich den ganzen Abend auf der Stube," schreibt er in seinem ersten Briefe nach Hause,und mir war schrecklich bange; ich muhte immer an Zuhause denken, Abendbrot bekamen wir nicht ... die Rächt habe ich nicht schlafen können, denn die Wanzen bissen mich schrecklich,"

1863 kam er in die Berliner Hauptkadetten- anstalt in der Renen Friedrichstraße, über deren Portal damalsMartis et Minervae alumnis" stand. 1864 schreibt Hindenburg an seinen jüng­sten Bruder diesen leutseligen und altklugen Geburtstagsbrief:Außerdem wünsche ich Dir in betreff Deiner geistigen Ausbildung, daß Du fortschreiten mögest auf dem Pfade der gelehrten Studien, den Du mit dem Lautieren und dem Schreiben von so inhaltsschweren Worten wie Ci, Hut, Maus bereits eingeschlagen hast. Außer­

dem wirst Du auch hoffentlich den Geheimrat und den Gutsbesitzer fahren lassen und Vorliebe für den Soldatenstand gewinnen, was uns alle sehr freuen würde ...

Bald brach der Krieg mit Dänemark aus, und am 31. Mai schreibt Hindenburg nach Hause: Reulich empfing ich Euern lieben Brief, oder vielmehr des lieben Papas, der mich doch einigermaßen beunruhigte. Daß Du. liebe Mama, so krank bist, schmerzt mich tief, nimm Dich nur in acht und strenge Dich in Deiner vorsorglichen Liebe nicht zu früh an ... Vorigen Mittwoch war die Frühjahrsparade Unter den Linden, wir marschierten immer voran und sahen dann zu. Arn andern Tage lieh uns Seine Majestät die Zufriedenheit über den Vorbeimarsch mitteilen und uns sagen, daß er und alle Prinzen es uns hoch anrechnen, dah die in die Armee ein- tretenden Kadetten sofort, ohne die Equipierung abzuwarten, nach Schleswig geeilt wären. Drei Kadetten haben den Sturm noch in unserer Uni­form mitgemacht, einer derselben hat neulich seine Sachen zurückgeschickt. Den Rock, den er­be im Sturm getragen, trägt jetzt ein Unter­offizier, damit wir ihn stets vor Augen haben. Prinz Karl erzählte, er habe nach dem Sturm einen Bombardier gefragt, ob er müde wäre, woraus der geantwortet hat: .Wie kann ich müde sein, wenn unsere Offiziere so tapfer sind, und unsere jungen Kadetten so mutig allen boraneilen/ Der König hat befohlen, daß dies alles in unser Archiv eingetragen werden soll."

Im Kadettenkorps hatte lebet das Recht, sich ein Fach seines Schrankes nach Belieben quszuschmücken. Die Ausstattung, die sich der Kadett von Hindenburg in sein Fach hinein­geträumt hat, ist sehr bezeichnend für die Geistes­

fondern auch für die politische Ruhe der Völker in sich birgt, älnd ich freue mich, dah hier ein Anfang gemacht ist, mit diesen Span­nungen aufzuräumen. Was nur an dem internationalen Eisenpakt am besten gefällt, ist die Tatsache, daß er wirklich internatio­nal sein will. Das kommt in der Bestimmung zum Ausdruck, dah die Eisenindustrie jedes Landes ihm beitreten kann. Hoffen wir, dah die Zeit nicht mehr fern ist, wo die äreberzeugung zum Allgemeingut wird, dah auch auf wirtschaft­lichem Gebiet die Völler durch eine weise und loyale Zusammenarbeit weiterkommen, als durch ungehemmten Wettbewerb.

Lin Locarno der wirtschaft.

ZumAbschlttsfdcrRohstahIqemeinschaft

Berlin, 2. Okt. (Eigene Drahtmeldung.) Dem soeben abgeschlossenen Eisenpakt zwischen Deutsch­land, Frankreich, Belgien und Luxemburg mißt man in Berliner politischen Kreisen em? Bedeutung bei, die über rein wirtschaftliche Erwägungen weit hin­ausgeht. Man spricht sozusagen von einem Lo­carno der Wirtschaft und hofft, daß die wirtschaftliche Verständigung der politischen deutsch-französischen Annäherung den Weg ebnen wird. Der Einfluß der Schwerindustrie auf die Regierungen ist immer groß gewesen, und der Kampf um die Absatzmärkte für ihre Erzeugnisse hat schon mehr als dreimal zu unabsehbaren politischen Konsequenzen geführt. Es ist bekannt, daß auch Der Weltkrieg nicht zuletzt in der Wirtschaftsrivalität zwischen den einzelnen Ländern seinen tieferen Grund hat. Unter diesen politischen Gesichtspunkten ist die erzielte Verständigung, die erst nach monate­langen, außerordentlich schwierigen Verhandlungen gelungen ist, auch vom deutschen Standpunkt aus zu begrüßen. Wie die Wirkung des Paktes auf die eisenverbrauchenden Industrien sein wird, läßt sich heute noch nicht mit Sicherheit übersehen. Hier liegen die gleichen Bedenken vor, wie sie die Ver­braucher allen Zusammenschlußbewegungen zur Ausschaltung der Konkurrenz gegenüber stets zum Ausdruck gebracht haben.

Bei dem Eisenpakt handelt es sich eigentlich um zwei Pakte, und zwar eigentlich nicht um Eisen, sondern um Stahl. Der erste Pakt, der bereits länger vorliegt, aber erst jetzt in Kraft tritt, kontingentiert in Abmachungen zwi­schen Deutschland einerseits, Frankreich und Luxemburg andererseits die Einfuhr von Eisen aus dem Saargebiet und Elsah- Lothringen nach Deutschland. Der Zweck war, ein Valutadumping durch Frankreich zu verhindern; wenn dies zur Zeit nicht ganz gelingen sollte, so dürfte doch eine Beschnei­dung des Dumping eintreten. Der soge­nannte Eisenpakt selbst ist das größte internatio­nale Industriekartell, das sich aber lediglich als ein Produktionss yndikat, nicht als ein Verkaufssyndikat dar st eilt. Die Industrien der beteiligten Länder verpflichten sich, für jede Tonne geschaffenen Stahls einen Dollar in eine gemeinsame Kasse zu zahlen. Iedes Land verpflichtet sich fenter, für jede Tonne, die über das vereinbarte Kontingent hinaus pro­duziert worden ist, v i e r D o 11 a r in die Kasse zu zahlen. Man erwartet eine Ausschaltung der Preisschwankungen auf dem inter­nationalen Markt. Das Kartell richtet sich gegen keinen Staat, im Gegenteil können die Industrien aller Länder, prinzipiell auch der Vereinigten Staaten, unter den Kartellbedingungen dem Kar­tell beitreten.

Amerika und der Eisenpakt.

Reuhork, 1. Okt. ($11.) Der westeuro­päische Stahltrust wird von der amerikanischen Presse als Haupttagesereignis aufgezogen. Die Times" erklärt, England könne über das Zu­standekommen des Stahlkartells mehr beunruhigt sein als Amerika, da der Trust für Amerika selbst keine ernstliche Drohung be­deute. Die Zeitungen veröffentlichen zahlreiche Erklärungen führender Leute, darunter Erklärun­gen von Gary H a i r m a n von der United Steel Corporation, der die Hoffnung aus­spricht, daß der neue Stahltrust amerikanischen Stahlinteressen gegenüber keine Spitze bieten werde. Rach den Aeußerungen anderer führen­der Persönlichkeiten erwartet man einen schar - f e n Konkurrenzkampf in Oftafien und Südamerika. Bei den angestellten Er­wägungen bedenkt man vor allem b i e nie­drigen Pro du ktions- und Trans­portkosten des europäischen, Eisentrusts. Irn übrigen sieht man die Konkurrenz als nicht all» zugroß an, da der amerikanische Stahl in den Vereinigten Staaten selbst ver­braucht würde, wo die europäische Konkurrenz nicht einbringen könnte. Die amerikanischen Stahlkönige, Gary und Schwab, fahren im Oktober nach Europa, um die Stahlsituation im Zeichen des neuen Stahlkartells zu studieren. Sie werden den Versuch machen, mit dem euro­päischen Eisenkartell gewisse Derabredun-

richtung des jungen Soldaten:Hinten an der Wand einen großen preußischen Adler, in der Mitte auf einer Erhöhung den alten Fritz mit seinen Generalen, am Fuße derselben eine Menge schwarzer Husaren, vor das Ganze eine Kette ge­zogen, hinter welcher Kanonen stehen, und vor der Kette zwei Schilderhäuser und zwei Grena­diere zu Friedrichs des Großen Zeiten; doch hierzu fehlen mir die Sachen, ich hoffe auf Weih­nachten."

1855 wird er, eine Auszeichnung, in die Selekta versetzt. Man ersparte dadurch die Fähn­richszeit in der Armee und hatte den Krieas- schulkursus schon im Kadettenkorps; die Selek­taner waren die Stubenältesten, hatten Unter- ofsiziersrang und trugen Portepee. Run stand der Eintritt in die Armee bevor. Es ist bas Iahr 1866, die Kadetten erhalten Examens­urlaub und warten zu Hause auf ihre Ein­berufung. Das 3. Garderegiment zu Fuß wurde damals als Schwesterregiment des ersten, von dem es auch einen Teil seiner Offiziere erhielt, in Danzig neu ausgestellt. In dieses Regiment trat Hindenburg als Leutnant, achtzehnemhalb Iahr alt, am 7. April 1866 ein.

Der Krieg gegen Oesterreich bricht aus und ist, kaum begonnen, schon zu Ende. Aber in der Entscheidungsschlacht von Königgrätz am 3. Iuli hat der Leutnant schon seine erste Waffentat vollbracht. Mit seiner Abteilung stand er beim Dorfe Rosberitz, von wo aus eine österreichische Datierte ein starkes Feuer gegen sie eröffnete. Rach kurzem Schnellfeuer bestehlt der Leutnant den Sturm und wirft sich mit feiner Schar auf die Geschütze. Von einem Geschoß betäubt, sinkt er zu Boden, ist einige Augenblicke besinnungs­los, kommt aber zu sich und führt die zweite

gen übet Absatzgebiete und Preise zustande zu bringen. Die führenden Industriekreise Ame­rikas werden versuchen, das Zustandekommen des europäischen Eisenkartells zur Erhöhung der amerikanischen Zölle auszunuhen, weil Deutschland ein Dumping mit seinem Stahl beabsichtige.

Französische Unlersuchungsmelhoben.

Verhastunq Hofmanns.

Landau, l.Okt. (TU.) 3m Laufe des heutigen vormittags ist Richard Holzmann mit den drei jungen Leuten, die in der Sonntagnacht bei dem ersten Zusammenstoß mit Roucier beteiligt waren, ohne Rücksicht auf den kranken Zustand hoizmanns, von französischen Gendarmen von Germersheim nach Landau gebracht und dort der franzö­sischen Staatsanwaltschaft zum verhör oorge- führt worden. Bei dieser Gelegenheit hat sich herausgeslellt, daß sich Unterleutnant Roucier entgegen anderen Meldungen, die von seiner ver- sehung nach Nancy wissen wollten, noch immer in Landau befindet, denn die Vorgeführten wur­den Roucier gegenübergestellt. Dem Holzmann wurde auf den Kopf jugefagt, er habe Roucier geschlagen, bevor dieser zur Reitpeitsche und nachher zur Pistole habe greifen können. Als Holz­mann dies energisch in Abrede g e ft eilt habe, Hal man erklärt, ihn s o lange in Gewahrsam zu behalten, bis er die Wahrheit sage. Rach einer weiteren Blättermeldung soll sich Roucier, der in einem Landauer Hotel als Zimmerarrestant untergebracht fei, in den SKatzen ohne Begleitung frei bewegen können.

Die Antwort des Völkerbundes.

Genf, 1. Oft. (WTB.) Vom Bürger­meister von Germersheim ging in bem Generalsekretariat bes Völkerbundes ein Tele­gramm ein, worin der Bürgermeister gegen die Zwischenfälle, welche sich kürzlich zugetragen haben, und gegen die französische Besatzung pro­testiert und eine Untersuchung des Völkerbundes über die Angelegenheit ver­langt. Der Generalsekretär beschräntte sich darauf wie in analogen Fällen, dem Bürgermeister von Germersheim den Empfang seines Telegramms zu b e st ä t i g e n. Bekanntlich kann der Völler- bund nur durch die Regierungen, nicht durch eine. Gemeindebehörde, angegangen werden.

Strefemann zur Politik der Deutschen volttpartei.

Köln, 1. Okt. Zum Reichsparteitag der Deut­schen Dolkspartei veröffentlicht Reichsaußenminister Dr. Strefemann in derKölnischen Ztg." ein aus­führliches Geleitwort, in dem es heißt: Der Partei­tag der Deutschen Polkspartei sieht eine in allen wesentlichen Grundsätzen geeinte Partei zusam­men. Kämpfe um das Ziel der deutschen Außen­politik Haden in ihr nicht bestanden, wohl aber mag die Methode der deutschen Außenpolitik ein Gegen­stand von Auseinandersetzungen auch in der eigenen Partei gewesen sein. Das Blickfeld ist freier. Man weiß jetzt, um was es geht. Aber die Arbeit um das Erstrebte hat erst begonnen und ist nicht etwa zu Ende geführt. Wichtig für die Partei ist, daß sie weiterhin dafür eintritt, der Außenpolitik Ruhe zu lassen, wenn auch Rückschläge diesen Weg begleiten sollten. Die Nationialdisziplin ist das, was die Führung der Außenpolitik besitzen muß, um ihren Weg erfolgreich weiterführen zu können. Es ist sicherlich nicht die Absicht des R e i ch s v e r - bandes der deutschen Industrie gewesen, sich irgendwie parteipolitisch zu betätigen, aber was in seiner Hauptversammlung ausgeführt wurde, ist von dem Gesichtspunkte des Verhält­nisses des Unternehm er tu ms zur A r - belterfchast zu werten. Ich glaube, dies in voller Ueberemftimmung mit dem Reichsverband sagen zu können, der selbst die überragende Be- oeutung, die ihm gulommt, schwächen würde, wenn er in die Tagespolitik eingriffe und um die Herbei- ührung parlamentarischer' Kombinationen nach die- er ober jener Seite sich bemühte. Den Parteien ent» tehen heute an den verschiedenen Stellen Lehr­meister. Nationale Verbände, denen es an an­derer Betätigung fehlt, geben ihnen Ratschläge, die Berufsorganisationen drücken gegen sie. Jeder verlangt den Platz an der Sonne für sich und droht den Parteien, die nicht diesen Weg gehen wollen. Die Deutsche Volkspartei wird gut tun, sich gegen­über allen diesen Ratschlägen die S e l b st b e st i m - mung zu bewahren und sich immer vor Augen zu führen, daß ihre parteigeschichtliche Bedeutung darin besteht, die ich möchte beinahe sagen über­parteiliche Zusammenfassung derjenigen Kräfte in Deutschland zu sein, die sich vom Staatsbewußtsein leiten lassen, die Mut haben, auch gegen den Strom zu schwimmen und sich durch sachliche Ar- beit die Anerkennung schaffen, die schließlich über

Hälfte seiner Kompagnie der ersten zu Hilfe. Die Batterie wird genommen. Rach der Schlacht sieht er, dah eine Kugel durch den Adler feines Helms gedrungen ist; etwas tiefer, und die Ku^el wäre ins Gehirn geschlagen. Hindenburg erhielt damals den Roten Adler-Orden das Eiserne Kreuz wurde erst 1870 von neuem gestiftet.

Auch das erwarb sich Hindenburg und ent­ging auf nicht weniger wunderbare Weise dem Tode. Es war bei St. Privat. Zwölf Offiziere und zwei Feldwebel des Regiments sind in der blutigen Schlacht gefallen, viele mit zwei oder drei Schüssen, einer der Toten hat sechs erhalten, und 23 sind verwundet worden, denn die Mi- trailleusen feuerten auf nahe Entfernung ver­heerend. Rur der Leutnant von Hindenburg blieb wie durch ein Wunder am Leben, der ein­zige Offizier seines Bataillons. Aber auch er wurde sehr schwer verwundet und war erst beim Einzüge In Berlin so weit hergestellt, daß er, den Arm in der Binde, an den Eingugsfeierlich- ketten teilnehmen konnte. Rach der Schlacht gab ihn fein Kommandeur zum Eisernen Kreuz 2. Klasse ein; das 1. Klasse erhielt er im Welt­kriege ... Fünfzehn Iahre darauf war aus dem Leutnant ein Major im gleichen Regiment ge­worden,' der sich nach altem Brauch nach seiner Ernennung beim Kaiser Wilhelm j. zu melden hatte. Das ganze Vorzimmer stand voller Ge­nerale und hoher Offidere. Aber als der Kaiser eintrat, schritt er sofort auf Hindenburg zu, gra­tulierte und begrüßte ihn:Mein lieber Hinden­burg, wie freue ich mich, daß ich Sie hier w.eder- sehe." Der Kaiser hatte den überlebenden Offi­zier seines Bataillons von St. Privat nicht ver­gessen.